Lektürentagebuch 10.10.25
Schon in der Nacht mit dem Zauberberg
Die Thomas Mann Tour nach Proust
Wieder begonnen und amüsiert über
Seinen Skikauf in Davos gelesen
Wie Hans Skier und Stöcke beim
Vermieter von Settembrini und Naphta
Unterstellen kann um nicht mit dem
Vermutlich illegalen Tun aufzufallen
Settembrini unterstützt diesem Drang
Nach gesunder Freiheit sehr deutlich
Begleitet ihn auch bei den allerersten
Versuchen des Skifahrens noch weiter
Hans Castorp übt ganz ohne jeden
Sportlichen Ehrgeiz dabei nur um sich
Über dem Schnee fortbewegen zu können
Ähnelt dem Autor Thomas Mann dabei
Während der Ski-Urlaube welche die
Familien Hesse und Mann gerne auch
Gemeinsam verbrachten ging Hermann
Mit Katia und den Kindern Ski fahren
Während Thomas Mann lieber schrieb
Las oder das Geschehen beobachtete
Was mir heute auch näher liegt der einst
Sich auch auf den Brettern versuchte
Denke daran wie ich einmal noch in der
Skischule die Bronzemedaille gewann
Vor meiner drei Monate älteren Cousine
Die bis heute viel besser fährt als ich je
Doch so ist es mit dem Sport eben der
Selten irgendwo gerecht ist dafür uns
Großartige Gefühle bescheren kann die
Besser keine Wiederholung erstreben
Heute würde ich vermutlich wie Mann
Im Haus bleiben und dichten während
Die Cousine jedes Rennen leicht gewänne
Bei dem ich mir nur die Knochen bräche
Mann ist wieder allen gegenüber freundlich
Mit genügend Selbstironie geschrieben wie
Freundlich liebevoll auch gegenüber dem
Protagonisten auf dem Weg an Grenzen
Der eher durchschnittliche brave Patient
Hans Castorp sein Zuschauer und Freund
Settembrini erfüllen Klischees aber werden
Darin nicht meisterhaft noch vorgeführt
Thomas Mann fühlt mit seinen Figuren
Marcel Proust lässt sich zu ihnen herab
Der eine ist auktorialer Erzähler mit Distanz
Während Proust als Ich-Erzähler dabei ist
Trotz der kühlen Distanz die Mann wählt
Kommen seine Figuren menschlich näher
Auch ein Simplicius im Simplicissimus ist
Menschlich näher als Proust kommen lässt
Wie der Kaplan in Lázár von Marcel dabei
Sprechen kann als brächte die Lektüre der
Recherche irgendwen wirklich nah ist mir
So rätselhaft wie den Protagonisten dort
Mann ist ein lächelnd humorvoller Besuch
Bei alten Freunden trotz formaler Distanz
Die er als Erzähler wählt ist er ganz nah
Er ist liebevoll bemüht zu unterhalten
Proust dagegen hält ein wenig Hof um
Die einzig tragbare Sicht der Welt für
Seine Jünger zu verbreiten bleibt auch
Als Ich-Erzähler arrogant und distanziert
Beides hat sicher seinen eigenen Reiz
Doch berührt mich Mann mehr der
Parallel leiden und lächeln lässt wie
Dies als Kultgeschichte referiert
Überlege dabei ob es den neutralen
Wie damit distanzierten Erzähler braucht
Oder das gespielte Ich dies genauso kann
Damit die Geschichte ironisch rund wird
In Lázár von Nelio Biedermann geht der
Krieg immer weiter indem es Lajos später
Vorkam als hätte er die ganze Zeit nur
Gelesen was natürlich nicht stimmte
Als Offizier eines motorisierten Zuges
Wie für die Juden später zuständiger
Tat er genug auch anderes als nur
Zeitung voller Schrecken zu lesen
Wie das Horthy Regime sich zuerst
Bei Hitler und den Deutschen noch
Anbiederte im Krieg gegen die noch
Überraschte Sowjetunion weiter auf
Landgewinne hoffte bis nach der
Schlacht von Stalingrad 200.000
Der Ungarn eingekreist wurden
Sie schnell das Lager wechselten
Als Lajos im November 1940 allein
In sein Haus nahe der Kaserne kommt
Einen Gedichtband auf seinem Tisch
Findet woher immer dieser kam
Rührt das ihn der sonst nur die
Nachrichten vom Krieg las so
Dass ihm Tränen kamen und
Schnell legt er den Band weg
Die Kapitel 32 und 33 beschreiben dies
Aus Sicht von Lajos und Pisto mit seiner
Unsterblichen Sehnsucht nach Matilda
Während sein Vater sich im Krieg um
Organisatorisches kümmerte wie etwa
Die Erfassung Kennzeichnung Entrechtung
Enteignung und Ghettoisierung der Juden
Nahm der Krieg seinen weiteren Lauf
Dies wird wie die immer wieder Andeutung
Lajos kümmerte sich um organisatorisches
Kommentarlos hingeworfen was uns Leser
Auf fast perfide Art persönlich noch fesselt
Tony Buddenbrook genießt ausgelassen
Die Zeit an der See auf verschiedene Art
Doch immer wieder auch mit Morten auf
Ruderfahrten oder im Seetempel allein
Dort landen sie nach einer Wanderung
Die Küste entlang und Morten erklärt Tony
Warum er etwas gegen den Adel hat
Was er als Burschenschafter dazu denkt
Zeigt ihr sogar sein Band was er nur am
Studienort in Göttingen trug weil hier sein
Vater der Lotsenkommandeur Ärger sonst
Machte war er lieber vermeiden wollte
Erläutert Tony seine so revolutionären
Gedanken von der Gleichheit aller und
Dass sie als Buddenbrook doch auch
Eine Adlige irgendwie schon sei
Dies durch die Vorrechte durch Geburt
Die er sogleich wieder relativiert für sie
Die von Armgard von Schilling erzählt
Dem adeligen Landmädchen die so
Ganz anders und sehr freundlich sei
Worauf Morten vom Prinzip sprach was
Gelten müsste auch wenn natürlich
Einzelne Adelige sehr freundlich seien
So geht das Geplauder weiter und Morten
Erklärt Tony die Welt und was sie dabei
Gerechterweise zu empfinden habe was
Heute schnell jedes Gespräch beendete
Doch für Tony erhöhte die Begeisterung
Mit der Morten von seiner Sache sprach
Die eigentlich geradezu revolutionär war
Noch ihre Begeisterung für Morten weiter
Ob darum die zeitgemäß politisch korrekte
Wie darum über so etwas empörte Frau
Glücklicher wird oder Tony mit ihrer so
Seligen Schwärmerei sei dahingestellt
Ein eleganter Hochgenuss war es wieder
Thomas Mann zu lesen der in Travemünde
Spielen lässt was bei Proust Balbec ist
Mit Kasino Strandvergnügen und mehr
Er lässt den Konsul der mit seinen beiden
Söhnen Thomas und Christian auch am
Wochenende Tony besuchen kommt voll
Freude bemerken wie diese sich erholt
Dann essen sie mit den anderen Familien
An der table d’hôte im Kurhaus aber beim
Kasino schaut der ehrwürdige Senator nur
Neugierig zu ohne je selbst zu spielen
Buddenbrooks sind eben seriös machen
Nur des Tages solche Geschäfte dass sie
Des Nachts gut schlafen können wie es im
Wahlspruch der Familie dazu heißt
Dagegen scheinen die Gespräche mit
Dem revolutionären Morten schon
Aus einer ganz anderen Welt zu kommen
Die jeden nach seinem Verdienst belohnt
Es variieren also Proust und Mann
Sowohl in den Buddenbrooks wie auch
Im Zauberberg zum gleichen Thema
Auf ganz unterschiedliche Art dabei
Auch Heinrich Mann variierte in seinem
Untertan den Abgesang einer Kultur nur
Eben auf verglichen schlichte Art die sich
Über den Protagonisten dabei lustig macht
Ob der Nobelpreis für Literatur wirklich
Der Maßstab guter Literatur immer ist
Mag sicher gestritten werden jedoch
Bei Thomas und Heinrich ist es deutlich
Herablassende Lästerei über eine Klasse
Die mehr politisch gefärbt klingen können
Amüsant gelegentlich sein doch große
Literatur findet sich freundlich bei Thomas
Es ist immer eine Freude Mann zu lesen
Sein Blick auf die Welt ist auch wenn
Gerne ironisch immer noch liebevoll was
Die große Kunst zeigt die teilnimmt
Eine Karikatur ist ein netter Witz der
Mit dem nächsten Wind verweht ein
Klassisches Portrait bleibt ein Leben
Kann tiefer gehen als jede Fotografie
So verhält es sich auch in der Literatur
Wer sich über andere erhebt schafft nie
Echte Nähe zu seinen Protagonisten was
Zweifeln lässt ob ich je schreiben sollte
Doch ist die große Literatur auch eine
Schule des Lebens und spiegelt dieses
Auch ein Proust und ein Heinrich Mann
Haben ihre literarische Berechtigung
Nur reichen sie eben nicht an den
So eleganten wie freundlich komischen
Thomas Mann jemals heran der seine
Wahre Größe nebenbei uns offenbart
jens tuengerthal 10.10.25
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