Lektürentagebuch 9.10.25
Im nun 31. Kapitel von Lázár tauchte
Im Frühling 1940 Edmund Pontiller im
Waldschloss als Kaplan auf der als solcher
Seinen Gottesdienst dort versieht
Der Benediktiner schätzte insgeheim Marcel Proust wie dessen la recherche
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Noch höher als die Bibel war darum
Im ständigen Dialog mit Marcel den
Nie getroffen zu haben er zutiefst
Bedauerte weil er ihm gewiss näher
Stand als dieser proletarische Ire Joyce
Dieser neue Kaplan war auch noch ein
Begeisterter Naturforscher und nach dem
Verschwinden der kleinen Ilona der erste
Mensch der den Wald ohne Gewehr betrat
Lilly die Baronin bat ihn täglich zum Tee
Kam er dann tatsächlich entspannte sich
Meist ein temporeiches Gespräch bei dem
Sie vom Krieg sprach und er über Marcel
Pista konnte Pontiller aus drei Gründen
Nicht leiden zuerst weil dieser ihn zwang
Zweimal die Woche auf den harten
Bänken der Schlosskapelle zu sitzen
Sodann weil dieser so sehr in das Leben
Verliebt war was ihm ohne seine Matilda
Die unerreichbar fern war absurd vorkam
Schließlich weil alle anderen ihn liebten
So beschloss Pista den verdächtigen
Kaplan genau zu beobachten was ihm
Aufregende Erfahrungen machen lässt
Mit dem traditionellen Geisterglauben
Dann kehren auch die Albträume von
Pista passend zum Thema zurück die
Er durch Beschattung des Kaplan so
Verdrängen wie diesen erkunden will
Auf die Schwärmerei von Pontiller für
Marcel den er stets vertraut auch beim
Vornamen nennt folgt nun natürlich ein
Wenig Proust in la recherche wo es im
Zweiten Teil des Schatten junger
Mädchenblüte an der Küste der
Normandie nun weitergeht solange
Proust für mich zu ertragen ist
Frage mich ob der junge Nelio Biedermann
Je la recherche ganz las an der ich nun
Seit 1995 mit Unterbrechungen lese was
Gute dreißig Jahre nun sind damit mehr
Als der junge Autor von Lázár alt ist
Auch wenn ich nie den Ehrgeiz hatte
Die verlorene Zeit schnell zu erledigen
Sind dreißig Jahre schon eine Epoche
War noch einen Moment bei Blochs die
Sich mit Geiz und Protzerei nur immer
Weiter blamieren was fast schon eine
Antisemitische Note hätte wäre Proust
Nicht aus der mütterlichen Linie selbst
Aus reicher jüdischer Bankiersfamilie
Was dem Spott die rassistische Schärfe
Nimmt aber nicht den feinen Humor
Das alles ist wie immer wunderbar fein
Mit genauem Blick für die sozialen Details
Beschrieben auch wenn sich später sein
Freund der Marquis de Saint-Loup dann
Als bekennender Republikaner entpuppt
Der seinen Kutscher auf Augenhöhe
Beschimpft weil Erhabenheit darüber eher
Den Klassendünkel des Adels zeigte
Diese feinen Beobachtungen wie auch
Brüskierung der üblichen Vorurteile sind
Dezenter Ausdruck einer Idealisierung
Auch wenn hier gedoppelt noch gut
Einmal im Gespräch mit Vater Bloch
Dem gerne groß tuenden jüdischen
Bankier sodann mit Francoise die
Sich als Monarchistin zu erkennen gibt
Proust führt alle Figuren auf dem glatten
Gesellschaftlichen Parkett vor und genießt
Ihre Blamage dabei ausgiebig um so mehr
Was zumindest eine feine Ironie zeigt
Doch ist der Ton von la recherche immer
Wieder auf eine unangenehme Art hier
Herablassend besserwisserisch aus der
Sicht des Ich-Erzählers was unfein ist
Während ich bei Mann die Ironie noch
Liebevoll lächelnd genießen kann ist sie
Bei Proust immer wieder schmerzvoll
Arrogant anders als er sich darstellt
Es sind feine kleine Nuancen die hier
Den Ton eines Thomas Mann der klar
Seine Figuren liebt von Proust der sie
Sadistisch bloßstellt unterscheiden
Neige hier deutlich eher Mann zu
Der heute oder morgen dringend
Wieder gelesen werden muss mir
Gefühlt viel näher als Proust ist
Kenne diese Gespräche mit und
Über den Adel von meiner Großmutter
Noch die alle natürlich persönlich kannte
Das aber völlig natürlich normal fand
Es ist eine literarische Gratwanderung
Hier den richtigen Ton zu treffen auch
In der spöttischen Ironie noch liebevoll
Bei seinen Figuren zu bleiben ist die Kunst
Thomas Mann beherrschte diese perfekt
Marcel Proust lässt dagegen die Narren
Sich selbst blamieren und macht sich
Dann noch mit Detailfreude darüber lustig
Um es kurz zu sagen der angeblich nur
Verklemmte Schwule Thomas Mann hat
Mehr Menschenliebe immer als Proust der
Böse Spötter der mit Vorurteilen spielt
Dazu sollte ich später noch eine kleine
Exkursion durch drei Romane Manns
Machen den Unterschied zu zeigen es
Gibt gute Gründe Proust kritisch zu sehen
Auch wenn ohne Frage literarisch ganz
Meisterhaft mit auch viel Humor dabei
Doch leider menschlich unangenehm
Geradezu fies gegenüber seinen Figuren
Vielleicht ist das auch der Grund warum ich
Marcel nach einigen Seiten immer wieder
Für Wochen oder Monate angeekelt zur
Seite lege wer weiß ob dabei auch ertappt
Es wird wohl wenn ich diese noch habe
Einige Jahrzehnte noch dauern bis ich
La recherche zu Ende las was mich aber
Nicht hindert vorher darüber zu schimpfen
jens tuengerthal 9.10.25
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