Montag, 2. Februar 2026

Lektürentagebuch 2.2.26

Lektürentagebuch 2.2.26

Endlich mal wieder Gilbert White
Über die Erkundung von Selborne
Gelesen über versteinerte Muscheln
Die sich um Selborne so finden 

Wunderbar beschreibt er die dortigen
Ammoniten wo sie zu finden sind wie 
Was ihr Auftreten uns verrät und wie
Sie nach Linné einzuordnen sind

Welche Gruben des Umlandes welche 
Funde aufweisen und wie sich etwa 
Beim Brunnenbau noch solche von
Versteinerten Jakobsmuscheln zeigen

Die Begeisterung mit der er schreibt 
Macht die illustrierte Naturgeschichte 
Die auch Virginia Woolf sehr lobte die
In dieser Ausgabe am Ende zitiert ist

Zu einem besonderen Schatz den die
Andere Bibliothek als Band 437 zum
Glück begeisterter Leser veröffentlicht
Hat was ein großer Verdienste ist 

Reverend Gilbert White lebte von
1720-1793 also mitten in der Epoche 
Der Aufklärung deren Geist auch hier
Zwischen den Zeilen spürbar ist

Er verbrachte fast sein ganzes Leben
In dem abgelegenen Dorf Selborne in 
Hampshire ein ruhiger und versteckter
Ort der das Material für das Buch gab

Dieses machte seinen Autor wie den 
Ort berühmt und wurde zu einem
Klassiker der englischen Literatur
Die Familie stammt aus Oxfordshire 

Schon Whites Großvater erhielt die
Kirchenpfründe in Selborne und
Heiratete die Tochter eines dortigen
Farmers deren Sohn Jurist wurde 

Verständlicherweise schätzte er den
Beruf als Anwalt nicht besonders und
Heiratete darum eine minderjährige
Erbin die sehr vermögend war

Hier im Pfarrhaus wurde ihr Sohn 
Gilbert geboren und nach neun 
Jahren zogen sie zur Witwe des 
Großvaters wieder nach Selborne

Gilbert studierte später am Oriel
College in Oxford wo er seine
Ausbildung bis zum Magister machte
Er führte mit seinen Vater einen

Eigenen Gartenkalender der auch als
Faksimile wieder aufgelegt wurde die
Naturgeschichte von Selborne ist aus
Briefen an Freunde entstanden

White war überzeugt von der direkten
Naturbeobachtung als Ansatz seiner
Naturgeschichte meinte Forscher 
Sollten mehr in die Natur gehen

So wurde er zu einem Pionier der
Verhaltensforschung wie auch der
Feldforschung in einem ganz eng
Umgrenzten Gebiet dabei

Es wurde zu einem heute auch
Literarischen Klassiker weil White 
Klar plastisch und markant schreibt 
Besonders interessierten ihn Vögel 

Sein Hause the Wakes genannt was
Schon der Großvater bewohnte
Wurde von seinem College gekauft
Ist heute ein erweitertes Museum

Wie sehr erinnert es mich an meinen
Vater den großen Naturforscher und
Arzt der alles mit Begeisterung selbst
Erforschen wollte und dazu loszog

Durch die Wälder um seine Wohnorte
Teils auch mit mir der als Kind jedoch
Mehr am Bau von Hütten als an den
Arten von Orchideen interessiert war

Er bepflanzte auch seinen eigenen
Garten nach großen Plänen um so
Eine bunte Vegetation zu haben und
Legte verschiedene Gärten so an 

In dem Grundstück um unser Haus
Gab es so einen Nutzgarten für Obst 
Wie gelegentlich etwas Gemüse eine
Große Spielweise wie einen eigenen

Teich mit Brücke Wasserfall und dem
Steingarten am kleinen Hang wie 
Einen extra Garten für Kräuter der
In Reichweite der Küche darum lag

Als typischer Tausendsassa hatte er
Den Kopf immer voller Ideen die nur
Leider nicht alle umsetzbar waren
Aber ein blühendes Erbe blieben

Bin als Kind mit meinem Vater auch
Häufiger Fossilien suchen gegangen
In kleinen Steinbrüchen was ich als
Aufregende Schatzsuche eher sah

Die Naturkunde wie sie mein Vater
Oder auch White systematisch noch
Betrieben lag mir eher fern da die
Welt der Bücher reizvoller war

Einzig die Erforschung der weiblichen
Natur konnte mich immer wieder von
Der wichtigeren Lektüre ablenken so
Erforscht jeder die nächste Natur


In Gesprungene Liebe heute Nacht
Wie gerade noch von Manfred Flügge 
Über Franziska zu Reventlow gelesen
Der erste quasi Dreier von Hessel

So wird ihre wilde Geschichte wie ihr
Weg nach München beschrieben wo
Sie die Flügge für weniger intellektuell
Ohne gute Gründe hält als Muse lebt

Mit dieser selbstbewussten starken
Frau die ihren Sohn allein erzieht wie
Ihrem gerade Liebhaber Suchocki
Zieht der zarte Franz in eine WG

Mitten in Schwabing im Eckhaus in 
Der Kaulbachstraße proben die drei
Ab November 1904 Zusammenleben
Für einige Jahre was Früchte trägt

Literarisch machen sowohl Franz
Wie Franziska etwas aus der Zeit
Sie schimpft in ihrem Tagebuch über
Den armen Franz den sie verkennt 

Zumindest beurteilt es Flügge so
Der sie wie gewohnt als femmes
Fatale darstellt ohne auf die auch
Bekannt depressive Neigung von

Franz Hessel weiter einzugehen
Die es sicher nicht immer einfach
Macht mit diesem traurigen Dulder
Zusammenzuleben der nur Geld hatte

Zumindest noch ist genug aus dem
Väterlichen Erbe da dafür zu sorgen
Dass sich Franziska nicht zu oft noch
Prostituieren muss was sie danach

Wie auch davor als freie Frau tat
Was Hessel vermutlich eher noch
Interessant als schlimm fand was
Der Preis ihrer Unabhängigkeit war

Das dann noch abgedruckte Gedicht
Von Hessel Am Strand trieft auch in
Der Kleinschreibung formal noch vom
George Pathos der mir nie wirklich lag 

Er widmet es sehr devot seiner 
Verehrten Gräfin was dem finanziell
Potenten Geldgeber der Künstler WG
Etwas seltsam zu Gesicht steht

Bissig kommentiert Flügge darunter
Es wäre noch ein weiter Weg von
Diesen Versen zum Meister der
Kleinen Prosa gewesen

Auch wenn mich diese Verse
Hessels auch nicht begeisterten
Sehe ich die Bewertung anders
Gerade im Verhältnis zu Franziska

Zwar zitiert Flügge die Einträge
In ihrem Tagebuch wie rührend
Er sie nach einem Abort noch in 
Italien pflegte und den Kuss beider 

Den sie weniger bereut wie weit 
Dieser auch sonst noch ging als
Sich fragte ob der Hesselfranz wie
Sie ihn nannte nicht doch einfach

Der Richtige für sie wäre wenn
Sie sich nur beide trauten was 
Auch zur literarischen Umsetzung
Von Franz Hessel besser passt

Zum Bahnhof nach Paris bringt
Den Franz dann sein Freund
Wolfskehl der auch ein verflossener
Liebhaber von Franziska war

Das große Vertrauen was viele
Biografen und Autoren in ihre 
Gegenwärtige Lektüre von nie
Für sie bestimmte Tagebücher

Setzen scheint mir eher fragwürdig
Drücken doch dieser Stimmungen
Eher aus während sich im Geist
Des Werkes mehr finden lässt

Das Werk ist was die Nachwelt
Als Leser interessiert nicht wann
Wer welche Regelbeschwerden hat
Darin zu wühlen ist Boulevard 

Franziska zu Reventlow spielte 
Für Franz Hessel in seiner Zeit
In München eine große Rolle taucht
Darum auch in Jules und Jim auf

Wer die zärtliche Prosa je las die
Hessel den ersten Knospen dieser
Liebe widmete wird nicht zweifeln 
Wie wichtig diese Frau für ihn war

Unabhängig von ihrer literarischen
Bedeutung hat sie Hessel zu etwas
Großem angestiftet wie auch zum
Bruch mit dem George Pathos

Was heutigen Lesern eher schwül
Peinlich erscheint hat sie ihm dem
Labil empfindlich zweifelnden zu
Überwinden geholfen auf dem Weg

Zu seinem leicht ironisch feinen
Immer distanzierten Stil als der
Flaneur der damit groß wurde was
Sicher auch Franziskas Verdienst ist

Diese Spuren im Werk zu sehen
Sich mehr auf dieses zu konzentrieren
Stünde allen Biographen gut die nicht
Nur billigen Boulevard wie Illies wollen

Flügge hat beides und ist teilweise
Sehr gut recherchiert und eine echte
Freude bei literarischen Quellen aber
Wird peinlich wertend beim Tagebuch

Grund genug als Autor nie solche zu
Hinterlassen sollen sie sich doch um
Die Verse und ihre Bedeutung streiten
Dann nur bleiben die Gedanken frei 

jens tuengerthal 2.2.26

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