Lebenstraum
Was wäre der Traum meines Lebens
Wenn Geld keine Rolle mehr spielte
Aber kann es das je für einen Traum
Überlege ich und denke dabei zuviel
Würden vermutlich die romantischen
Träumer dazu sagen die lieber der
Intuition als der Vernunft folgen dabei
Wäre aufgeklärt vernünftig traumhaft
Als Dichter und Denker was ja dem
Wesen der hiesigen entspricht ohne
Heute noch im braunen Thüringen
Leben zu wollen trotz Weimarliebe
Anders als noch zu Zeiten der
Aufklärung als Goethe und sein
Herzog Hochkultur versammelten
In sächscischweimarscher Provinz
Beide als Illuminaten mit Knigge auch
Korrespondierten wozu noch so
Manches von Gläubigen gemutmaßt
Die immer irgendwo Verschwörung
Sehen fürchten oder heimlich hoffen
In Ahnungen bestätigt zu werden statt
Kritisch vernünftig noch zu denken um
Unter Aluhüte vor Kondensstreifen
Lieber zu fliehen die ihrem natürlich
Beschränktem Horizont letzte
Wahrheiten zum Sein verkünden
Als bliebe je mehr von uns als nichts
Hätte nicht Kant schon alles nötige
Zu Vernunft und Moral gesagt was
Aufgeklärt kritisch vernünftig noch
Dazu gesagt werden könnte
Weil es nichts außer dir braucht
Um in der Welt vernünftig zu leben
Mit gutem Gewissen dabei auch ein
Gutes Gefühl wohl noch hättest
Was bliebe also vom großen
Lebenstraum übrig wenn die
Wichtigsten Fragen geistig sind
Die ganze Welt im Kopf ist
Vielleicht eine Mischung aus einer
Hobbithöhle und meiner Wohnung
Jedenfalls mit meiner Bibliothek die
Sich schon perfekt für mich anfühlt
Überlege warum ich noch etwas
Anders wollen sollte wenn doch
Hier schon alles vollkommen ist
Um damit glücklich so zu leben
Vielleicht weniger staubig und
Schön sauber aufgeräumt aber
Solch kleinlicher Spießerkram
Ist für jene die bügeln lieben
Lasse den Staub so lange liegen
Bis zufällig Besuch kommen sollte
Wäge dann in Ruhe ab was welchen
Aufwand im Leben noch wert ist
Überhaupt finde ich Veränderung
Eher gruselig und liebe Bestand
Wie alle Bewohner von Bibliotheken
Wir sind ganz natürlich immobil
Dafür haben wir die ganze Welt
Als Leser offen um uns stehen
Reisen durch Zeit und Raum
Ohne irgendwohin zu müssen
So gesehen lebe ich schon längst
Den Lebenstraum und bin lieber
Mit allem zufrieden weil es gut so ist
Auch weniger wollen mir mehr ist
Verweigere wenn möglich allen
Konsum um mit weniger noch
Den Rest anständig zu verbringen
Glücklich wenn mir das gelingt
Wer ohne großen Schaden am
Ende spurlos verschwindet hat
Alles auch moralisch erreicht
Kann einfach zufrieden sein
So ist am Ende dieser Verse zum
Lebenstraum mir klar geworden
Eigentlich habe ich längst alles
Zu voller Zufriedenheit erreicht
Mehr geht nicht mehr und sich
Damit zufrieden zurücklehnen
Um ein gutes Buch zu lesen
Wäre wohl schon GIück genug
jens tuengerthal 3.2.26
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