Dienstag, 19. Mai 2026

Aufgeräumt

Aufgeräumt

Aufgeräumt zu sein heißt
Heiter und frei von Problemen
Meinen manche darin ein gutes
Gemüt erkennen zu können das
Doch nichts anderes feiert als
Die eigene Beschränkung die 
Aus kleiner Ordnung ihre große 
Befriedigung zieht statt alles
Wild sein zu lassen wie es ist
Wird es in einen Rahmen lieber
Gepresst ordnungshalber um so 
Angepasst zu funktionieren was
Des Anarchen Widerstand ganz
Natürlich weckt der lieber im Chaos 
Seinen eigenen Weg findet und
Das in Ordnung so findet besser
Als einfach aufgeräumt zumindest 
Eher fürchtete sich im Nichts das
Jede Ordnung ist zu verlieren 
Als wechselnde Vielfalt lieber
Im Chaos der Natur zu genießen
Frei und ungebunden dabei

jens tuengerthal 19.5.26

Ordnungssinn

Ordnungssinn

Hat Ordnung einen Sinn
Wenn alle Natur nach ihrem
Wesen chaotisch ist also das
Gegenteil von ordentlich aber
Auch darin der Ordnung der
Natur folgt auch wenn wir
Diese nie völlig verstehen
Weil wir Teil von ihr sind
Also logisch auch Frauen
Welcher Mann aber würde 
Je wagen zu behaupten
Er verstünde Frauen die
Wir nach unserer Natur
Nur lieben können was 
Zum Glück völlig genügt
Um glücklich zu bleiben
Egal wer Ordnung macht
Ist aufgeräumt sein auch
Etwas für schlichte Gemüter 
Um sich zurecht zu finden
Also Leute wie mich die auch
Frauen nie verstanden haben
Aber weil es mit Liebe ging
Scheint mir dies die Ordnung 
Der Natur einfach zu sein
Egal wer nun aufräumt
Schriebe der Ehemann
Der ich nicht bin

jens tuengerthal 19.5.26

Astrologik

Astrologik 

Logisch haben die Sterne
Wie Sonne und Mond auch
Einfluss auf unser Sein was
An Ebbe und Flut jeder sieht

Alle Photosynthese in jedem
Blatt der Natur zeigt uns den
Zusammenhang deutlich wie
Sich öffnende Blütenkelche

Der weibliche Zyklus gleicht
Dem Kalender des Mondes
Als Teil von deren Natur die
Regelmäßig auch wiederkehrt

Doch wie anmaßend ist es
Aus den Kräften des großen
Universum ganz konkret etwas
Für sich ableiten zu wollen

Zeigt nicht schon der Name
Astrologie unter dem der alte
Hokuspokus bis heute noch
Menschen sammelt deren 

Dummheit mehr als Kultur
Gibt sich als Wissenschaft
Die auf Glaubenssätzen fußt
Ähnlich darin der Psychoanalyse

Die das Unterbewusstsein als
Seele der Gegenwart erfand um
Darauf Wissenschaft zu spielen 
Die nichts als Aberglaube ist

Nur Narren meinten immer wieder
Sich darauf berufen zu müssen
Weil nicht logisch wird was auf
Aberglauben einfach beruht 

Nichts als Zufall sind die vagen
Vorhersagen einer Lehre die das
Wesen aus Konstellationen meint
Berechenbar ableiten zu können

Besonders anfällig dafür sind stets
Leichtgläubige die sich für besonders
Tiefsinnig dabei noch halten und die
Wahrheit gerne erkennen wollen

Die Wahrheit welche noch stets die
Erfindung eines Lügners war ist die
Basis dieses Logos ohne Logik der
Wissenschaftlicher Aberglaube ist

Warum immer noch Menschen
Meinen mehr hinter der Natur
Die einfach alles ist ohne je
Ganz begriffen zu werden

Erkennen zu können bleibt so
Rätselhaft wie aller Aberglaube
An höhere Wesen von denen
Die nicht mal Natur begreifen

Ob die Sehnsucht nach einer
Letzten Wahrheit nun Teil der
Menschlichen Natur eher ist
Oder Ausdruck von ihrer ganz

Natürlichen Beschränkung hat
Wissenschaft längst geklärt was
Glauben noch nie weiter störte
Der meint es besser zu wissen

Solange Menschen zu Göttern beten
Solange lebt der Aberglaube weiter
Der mehr zu erkennen glaubt wo 
Nichts als Natur in allem doch ist

jens tuengerthal 19.5.26

Montag, 18. Mai 2026

Lektürentagebuch 18.5.26

Lektürentagebuch 18.5.26

Blue Team fragten sie sich oft
Schreibt Siri Hustvedt in ihren 
Ghost Stories und erinnert dann
An die Geschichte dahinter sich 

Wie Paul Auster ihr Mann in einem 
Sommer Camp nachts geweckt wurde
Von seinem Betreuer Bruce Litwer in
Das Blaue Team aufgenommen wurde 

Früh schon wäre der Begriff in ihrer
Beziehung aufgetaucht wann genau
Erinnert sie sich nicht mehr dabei
Ging es um Moral und Charakter

Die alten Tugenden Demut Ehrlichkeit
Güte und Humor es war der Code für
Menschen denen sie vertrauten der
Auch von Sophie genutzt wurde die

Mindestens zwei Freunde vor ihrem
Mann Spender hatte die nicht zum
Blue Team gehörten wie sie auch
Freimütig zugab wie auch ihre Mutter 

Paul hätte darüber in der Nacht des
Orakels geschrieben ziemlich exakt
Auch wie Sidney im Roman Grace
Das Blue Team erklärt ähnelte dem

Was sie mit Paul dazu diskutierte 
Beim Wiederlesen merkt sie wie
Sich das Ganze nach einem typischen
Paul und Siri Ehe Disput anhört 

Für sie ist der Kern des Teams dabei
Vertrauen das Freiheit und Sicherheit
Gibt und keinerlei moralische irgend
Überlegenheit die Vertrauensbruch ist

Sophie schrieb für ihren Vater dazu 
Einen Song dessen Text am Ende
Noch abgedruckt ist und worin der
Geist der Nähe zum Ausdruck kommt

Bruce erkannte sich in dem Roman
Kontaktierte Paul ihre Freundschaft
Begann wieder dehnte sich auch auf
Seine Frau Vicki und sie selbst aus

Vicki starb genau 6 Monate nach Paul
Auch an Krebs nun sind sie und Bruce
Kameraden in einem anderen Team
Leben Tiefe in einem neuen Blau 

Eine wundervolle Schilderung die
Von Zusammenhalt in Erinnerung
Erzählt und wie gut es tut sich als
Team der Guten darin zu finden 

Es ist weniger elitäre Abgrenzung
Als interne Zuverlässigkeit die eine
Geistige Gemeinschaft mit Humor
Wie Intellekt zusammen bildet

Glücklich wer ein solches Team
Im Leben finden kann denke ich
Sich an solchen Momenten dann
Miteinander freuen tut gut

Mit Christian Graf von Krockow in
Der Inselwelt des Pazifik unterwegs
Mit Cook und Forster was sich ganz
Unterhaltsam wie nebenbei las 

Seine pädagogische Neigung bei 
Konflikten mit Eingeborenen ist dabei
Eher gewachsen als besser geworden
Was ein Gefühl der Belehrung leider 

Beim Lesen hinterlässt und den wohl
Gut recherchierten Bericht dabei ohne
Gewinn unglaubwürdig macht was
Eher schade ist aber konsequent

Wie könnte das bedeutende dieser
Konstellation gebührend gewürdigt
Werden ohne platt zu belehren was
Leider eher Unwillen auslöst dann

Vielleicht gibt es auch Menschen
Die Krockow lesen und denken toll
Cook und Forster dachten ja schon
Wie aus dem Grünen Parteiprogramm

Bei mir löste es eher Zweifel aus
Zu offensichtlich ist die Absicht über
Berechtigte Zweifel oder Nichtwissen
Hinweg nur etwas zu konstruieren

Menschen die sich so pädagogisch
Belehrt fühlen werden eher anfällig
Für abstruse Theorien solange es
Sie nur scheinbar nicht belehrt

So wird der große Traum von Bildung
Eher nicht erreicht sondern nur der
Trotz der Leser infolge geweckt auch
Wenn ich Krockows Sicht meist teile 

Das Inselhopping ist gut beschrieben
Aber auch nicht mehr als der Bericht
Einer Kreuzfahrt also des ödesten
Was ich mir nur vorstellen kann 

Schon in der Nacht las ich heute
Also am Morgen gegen fünf als
Die Vögel schon zwitscherten noch
Ein Mundart Gedicht von Tucholsky

So hieß es auch einfach nur ein
Mundartliches Gedicht über das
Ende der Stubenfliege im Herbst
Wie sie nur mühsam noch kriecht

Eines Tages nur noch tot daliegen
Das war es dann mit dem Leben
Einer Fliege die über die Länge
Des eigenen Sein nachdenken lässt

Endet dann vermutlich noch auf
Einen Gang ins Lokal mit schon 
58 heißt es nur wie immer auch
Auf berlinerisch ganz nett eher

Die darauf in dem kleinen Band 
Vorn Ostsee, hinten Friedrichstraße
Folgende Geschichte über einen 
Film von Charlie Chaplin heißt 

Der Brötchentanz und widmet sich
Einer Szene aus Goldrausch der
Eine Parodie sein soll was du nicht
Wüsstest wenn du es nicht wüsstest 

Erzählt wie Chaplin zwei Mädchen
Geladen hätte die nicht kommen
Worüber er einschläft darauf dann
Im Traum den Brötchentanz als 

Unterhaltung für die Damen erlebt
Wie er zwei Gabeln in zwei lange
Brötchen piekt und daraus dann im
Foxtrott einen Tanz improvisiert

Dieser Tanz den er wie spontan
Improvisiert ist so genial dass alles
Andere auch komische davor und
Danach dahinter für ihn verschwindet 

Diese kleine etwas andere Filmkritik
Von 1925 ist von einer feinen doch
Typischen Genialität die aus einem
Detail ein Wunder zaubern kann

jens tuengerthal 18.5.26


Liebesnachtwächter

Liebesnachtwächter

Wie gerne wachte ich
Über ihren Schlaf als
Liebesnachtwächter
Mit ihr ganz nah im Arm
Aber könnte ich je die
Liebe bewachen oder
Wäre das kontraproduktiv
Weil Liebe nur wertvoll ist
Wo in Freiheit gewollt 
Statt zur Sicherheit
Immer gut bewacht
Aber auch jenseits
Aller Dialektik fragt sich
Was sollte wer bewachen
Bei einem nur Gefühl
Diese und ihren Ursprung
Also Herz oder Hirn was
Völlig illusorisch wohl
Gar die freien Gedanken
Denk ich erschrocken
Möchte nie Gefühle
Bewachen viel lieber
Einfach ihnen folgen 
Jenseits aller Fragen
Sie fest im Arm halten
Die Hand auf ihrem Herz
Oder dem Busen darüber
Was schön genug wäre
Den Rest erledigt dann
Die Liebe egal was ich 
Dazu meine fürchte ich 
Als Liebesnachtwächter
Vermutlich untauglich 
Aber gefühlt ganz nah

jens tuengerthal 18.5.26

Liebesseltsam

Liebesseltsam

Seltsam ist die Liebe
Wo sie gut tut wird sie
Bald als normal ignoriert
Reizt uns neues viel mehr
Wenn sie uns aber quält
Halten wir ewig an ihr fest 
Als gehörte was uns nie 
Gut tat oder nicht mehr ist
Zu uns wie eine Krankheit
Träumen wir nur vom Glück
Das darum unerreichbar
So scheint sie uns völlig
Unrealistisch bedeutend
Lassen wir uns gerne
Von ihr beherrschen
Statt Glück zu genießen
Aber vielleicht ist genau
Dieses seltsame die Liebe
Besser wäre nicht mit ihr
Weiter rechnen zu wollen
Weil sie unberechenbar bleibt
Zumindest vernünftiger aber
Was weiß ich schon was
Die Liebe wirklich ist als
Mal so dann wieder so

jens tuengerthal 18.5.26

Zeitgefühl

Zeitgefühl

Die Erde ist rund und dreht sich
Um sich selbst wie um die Sonne 
Was Tag und Nacht wie auch die
Jahreszeiten logisch uns bringt
Wäre die Natur der Maßstab
Wandelte sich die Zeit täglich
Tage wären länger und kürzer
Je nach Dauer des Lichts was 
Auch daran hinge wie nah
Oder fern wir dem Äquator
Was eine bloße Setzung ist
Statt Natur zu beobachten 
Verlasse mich darum lieber
Auf mein Zeitgefühl und
Entscheide selbst wann 
Die eigene Zeit um ist die
Auch relativ zur Geschwindigkeit
Welche das Licht völlig verwirrt 
Was immer vom Zeitgefühl bleibt

jens tuengerthal 18.5mm

Normalverrückt

Normalverrückt 

Wie verrückt bin ich schon
Der immer lieber ganz
Für sich bleibt statt auf
Andere noch zu hoffen
Was ist gerade noch normal
Ist es unter Wahnsinnigen 
Verrückt normal zu sein
Oder einfach normal verrückt 
Frage ich mich und weiß
Den Unterschied nicht mehr
Wer die Grundlagen seines
Lebens und Überlebens 
Nachhaltig weiter zerstört
Ist entweder lebensmüde
Oder ganz normal verrückt
Fliegt in den Urlaub aus Spaß
Verbrennt Kohlenwasserstoffe
Zur Energiegewinnung statt 
Wind Sonne und Luft zu nutzen
Findet tausende Verkehrstote
Normal gerne sogar noch besser
Als es früher einmal war aber
Was die große Mehrheit tut 
Auch wenn ohne nachzudenken
Kann doch nie verrückt sein
Die Masse kann nicht irren
Nichtmal wenn sie einen Irren
Gewählt haben wo auch immer
So etwas geschehen könnte 
Sagte hier keiner Washington
Vermutlich ist das alles nur 
Der normale Wahnsinn
Schon zu Ende bis wer 
Merkt was los ist

jens tuengerthal 18.5.26

Sonntag, 17. Mai 2026

Lektürentagebuch 17.5.26

Lektürentagebuch 17.5.26

Bei Buddenbrooks kam Besuch
Herr Permaneder aus München
Tonys Bekannter gab sich die Ehre
Und bemühte sich auf Hochdeutsch

Was er aus seiner Sicht vermutlich
Geradezu gestellt dabei sprach für
Norddeutsche völlig unverständlich
Zumindest zur Nachfrage nötigt

Schon die Begrüßung der von der
Ihr überreichten Karte auf der von
Noppe & Kompagnon das Noppe
Handschriftlich durchgestrichen war 

Leicht verwirrten älteren Dame war
Von feiner auch sprachlicher Komik 
Mit vielen kleinen Details die den
Bayern äußerlich genau beschreiben

Als er mit Stock und Hut ins schon
Lange bekannte Landschaftszimmer
Tritt dessen Einweihung den Auftakt
Des Romans schon bildete wie auch

Der Ort der dramatischen Werbung
Von Herrn Grünlich gewesen war 
Ein immer wieder Zentrum also ist
Um das sich der Roman dreht 

Die typisch bayerischen Accessoires
Knotenstock Hut mit Gamsbart dazu
Grüner Loden steife Hosen und feste
Stiefel goldene Uhrkette mit Gehänge

Zeigen den Fremden aus der Ferne
Der die Konsulin ein wenig befremdet 
Wie sie das Benehmen des Bayern
Und die Ausdrucksweise erstaunten 

Sie lässt Tony rufen die ihn schon
Kommen sah und nur rasch noch
Etwas Toilette gemacht hatte um
Besonders gut wirken zu können 

Die Konsulin lauscht Tony und dem
Herrn Permaneder dabei und freut 
Sich wenn sie etwas versteht dann
Kommt auch Tom noch zur Runde 

Der beim zweiten Frühstück schon
Auf die Familie gewartet hatte darauf
Lädt die Konsulin Permaneder dazu
Der sich mit dem Porter schwer tut 

Nun lässt die Konsulin gleich eine
Flasche Rotwein zum Frühstück
Kommen der Permaneder und Tom
Gerne und gut zusprechen

Zwischendurch kommt noch ein Bote
Mit einem Telegramm für Tom das
Dieser zur Kenntnis nimmt was
Herr Permaneder bewundernd merkt 

Tom und Permaneder unterhalten
Sich über geschäftliches und als 
Dieser sich nach zwei Stunden
Wieder verabschiedet ins Hotel

Lädt ihn die Konsulin ein doch
Im Haus zu wohnen es wäre
Platz genug was dieser gerne
Auch sehr schnell annimmt

Auf dem Weg zur Tür sagt er Tom
Noch ein Kompliment für Tony was
Dieser sogleich überbringt worauf
Die angespannte Tony sofort sehr

Empfindlich reagiert und meint 
Es käme weniger auf die Form
Als auf den Inhalt von Herzen an
Worauf Tom gleich liebevoll ist

Auf Bitte der Konsulin wird er
Mit Gerda zum Dinner kommen
Gerne sogar weil er es unterhaltsam
Mit dem Bayern auch findet

Zuvor hatte er diesen schon
Zu sich in die Mengestraße 
Geladen ihn Gerda vorzuführen und
Ordert Boten für seinen Koffer

Wunderbar komisch karikiert hier 
Thomas Mann den Zusammenprall
Zweier Welten auch sprachlich die 
Er selbst so noch kennenlernte 

Das urwüchsig eingeborene trifft
Auf die steife bürgerliche Welt dazu
Noch Norden und Süden die sich
Sprachlich schon sehr fern sind

In einem wunderbaren Diskurs aus 
Dem Zauberberg sprechen sich
Settembrini und Naphta mit klugen
Anmerkungen und Spitzen die jede 

Schon Thema für eine Seminararbeit
Sein könnte gegenseitig Kompetenz 
Ab zu urteilen was auch literarisch mit
Viel Humor noch gespickt wurde

Da wird auf mittelalterliche Schriften
Von Naphta Bezug genommen was
Settembrini zu einem Vergleich mit
Dem Hildebrandslied wie auch der

Nibelungensage über den Mönch
Insan und den Rosengarten bringt 
Was an Dietrich von Bern erinnert in
Dessen Gefolge Insan nach Worms

Gereist war um am Kampf um den
Rosengarten der Brunhilde dort
Teilzunehmen den Dietrich von Bern
Gewann der je nach Version auch

Den unschlagbaren Siegfried besiegte
Wie Insan Volker von Alzey besiegte 
Und 52 weitere Kämpfer im Turnier
Schlug und so am Ende dann zum

Lohn 53 Rosenkränze und 53 Küsse
Von Brunhilde bekam der er mit dem
Rauen Bart ihr zartes Gesicht dabei
Völlig zerkratzte jedenfalls war am

Ende das reiche Burgund von
Dietrich von Bern geschlagen
Diesem zur Zahlung verpflichtet
Was Machtverschiebung uns zeigt

Nichts davon steht im Zauberberg
Aber es sind viele solcher zarten 
Andeutungen auch zum Ablass
Oder Luther noch hineingewoben

Den Reformator will Settembrini
Auch nicht verteidigen als Mensch
Aber dessen Freiheit hält er als
Humanist gegen die Inquisition hoch

So geht es ewig hin und her nur 
Hans Castorp bemerkt es fehlt 
Die geistige Spannung dennoch
Nichts neues zwischen beiden

Was Hans zum Vergleich mit dem
Stromkabel bringt auf dem keine
Spannung mehr wäre nach dem
Zuvor noch geistigen Feuerwerk 

Das hat eine so wunderbare Ironie
Wie tiefgründigen Humor zugleich
Dass die These Thomas Mann sei
Nur ein verklemmter Schwuler der

Sich nie ausleben konnte lächerlich
Wird verglichen denn mit wieviel
Witz und Humor pflügt dieser Mann
Seine geistigen Welten immer wieder

Vielleicht täte es der Welt besser
Sie schaute mehr auf Manns Humor
Im Werk statt aus seinem Leben
Probleme konstruieren zu wollen

Wer in 15 Jahren fünf Kinder zeugte
Die ohne Zweifel von ihm auch sind 
Wird mit seiner Frau Katia nicht nur
Literarisch geplaudert dabei haben

Aber das Privatleben des Autors ist
Ohnehin zum Verständnis seiner
Literatur nur bedingt von Belang
Besser wir lachten mehr über diese

Der Zauberberg ist in ganz vielem 
Wie besonders in diesen Dialogen
Eine Kulturgeschichte der Bildung
Des alten Europa voller Humor

Dies wieder mehr zu erkennen auf
Die Details zu schauen und sich
An diesem Feuerwerk zu freuen
Wäre Mann einzig angemessen

Stattdessen fahren heutige Autoren
Nach Sanary lesen Tratsch auf dem
Niveau des Boulevard aber verstehen
Den Witz ihrer Kultur nicht mehr

Lese lieber weiter sonntäglich Mann 
Freue mich an diesem Feuerwerk
Hoffe andere können auch noch
Darüber lachen statt über Mann 

Noch auf einige Seiten gen Balbec
Französische Küste der Normandie 
Mit Marcel Proust in den so zarten
Träumen junger Mädchenblüte

Nun hat er die Gruppe Mädchen 
Oder waren es schon junge Damen
Individualisiert und betrachtet sie
Dabei einzeln im Näherkommen

Spannend sind dabei die Wechsel
Seiner Urteile über das was da direkt
Vor ihm nun vorüberzieht wie ein
Sommerwind der stürmisch wird

Zunächst sucht er Merkmale die
Bestätigen diese Mädchen seien 
Distinguiert sozial gehoben einer
Oberen Klasse wie er zugehörig

Entschuldigt dabei sogar die Pelerine 
Die eine unpassend trägt damit dass 
Sie es nicht nötig hätte auf das bloß
Gewöhnliche Publikum hier zu achten

Sieht den dunklen Blick tiefer Augen
Mit dem eine ihn ansieht und fragt 
Sich dabei ob sie ihn wahrnimmt
Oder durch ihm durchschaut

So wie sie ihr Rad schiebt könnten 
Sie auch vom Velodrom kommen
Alle sehr junge Liebhaberinnen der
Dort Rennfahrer nur sein und schon

Verwandeln sich grazile Gestalten 
Der Schwarm junger edler Elfen aus 
Guter Familie in billige Flittchen ist
Ihr Benehmen nur noch respektlos 

Er sucht plötzlich innerlich Abstand
Um auf sich und seine edle Herkunft
Mehr zu achten sieht den Traum nun
Kritisch und fragt sich was wirklich ist

Fasziniert von ihrer Gruppe die nur
Auf sich achtet und alle anderen als
Störung wahrnimmt haben sie ein sie
Unsichtbar verbindendes Band 

Auch nachdem er sie individualisiert
Hat durch den nahen Blick bleibt das
Sie verbindende Band was alle außer
Ihrem Kreis ausschließt faszinierend 

Es ist meisterhaft wie Proust hier mit
Leichtigkeit aus einer kleinen Szene
Ein großes inneres Drama baut das
Auch soziale Konflikte umfasst 

jens tuengerthal 17.5.26

Unternehmungsunlust

Unternehmungsunlust

Viele unternehmen gerne was
Fahren irgendwo hin oder tun
Was Menschen auch in Massen
Gerne tun und folgen der Herde
Habe das früher auch gemacht
Weil ich dachte es gehört sich so 
Alle Menschen wollten das um
Etwas zu erzählen zu haben
Auch wenn mir schon schlecht
Wird beim Gedanken wegzufahren 
Reisen Stress und Übelkeit
Immer eher mir verursachte
Oder sie schauen Serien um
Sich berieseln zu lassen was
Sie entspannend finden
Machte mich nervös mit zu
Schnellen Bildern andere
Reden ständig mit anderen
Über alle Belanglosigkeiten
Wie Inhalte der Berieselung
Oder über Sex und Liebe 
Was zumindest noch relativ
Unterhaltsam sein kann
Geht es doch um den Kern
Ich aber bin anders
Irgendwie in allem
Habe eine Bibliothek
Was mich interessiert
Findet sich meist dort 
Den schönsten Sex
Durfte ich hier erleben
Es zieht mich nirgendwo
Mehr hin lieber bin ich da
Wo meine Bücher stehen
Reise lesend in ihnen
Bewege mich lieber
Geistig statt körperlich
Durch Raum und Zeit
Alles andere ist meist
Eher lästig außer noch
Besuche in Museen
In denen die Zeit steht
Lebe eine vollkommene
Unternehmungsunlust
Und das ist wunderbar
Habe die Welt um mich
In schönsten Büchern
Mehr braucht es nicht
Zufrieden zu bleiben
Meine Welt sind Bücher

jens tuengerthal 17.5.26

Lustperfektion

Lustperfektion 

Gibt es die perfekte Lust
Was macht sie wenn aus
Auf welchem Weg kann sie
Erreicht werden und was bleibt
Von der Lust wenn befriedigt
Ist sie dann erledigt oder
Schon wieder voller Hoffnung
Auf ein nächstes mal was 
Sie quasi unsterblich machte
Oder wäre sie perfekt wenn
Wir vollkommen befriedigt
Nichts anderes mehr wollen
Wäre perfekte Lust dann
Zufrieden einfach bleiben
Statt noch etwas wollen
Was auch schade wäre
Darum geht es vermutlich
Immer unperfekt weiter
Damit die Lust bleibt

jens tuengerthal 17.5.26

Liebesrisiko

Liebesrisiko

Liebe ist immer ein Risiko
Größtes GIück führt zur
Tiefsten Trauer was ohne
Jede Hoffnung uns lässt 
Bis wir wieder riskieren
Alles zu wagen um uns
Ganz darin zu verlieren
Also auf volles Risiko
Gehen um einander doch 
Noch zu finden einfach
Jedes Risiko ausblenden 
Weil es lohnender erscheint
Bis wieder alles verloren ist
Geht das vermutlich weiter
Bis wir nicht mehr sind nur
Manchmal lebt die Liebe
Länger als wir egal ob
Das Spiel dann endet

jens tuengerthal 17.5.26

Rieslingnacht

Rieslingnacht

Nach einem ersten Riesling Zuhause
Zu Königsberger Klopsen nun einen 
Zweiten im Crossroads den Selma
Bald brachte die mit Tino hier ist

An der Bar noch Volker mit seinem
Amerikanischen Freund Tino eine
Bekannte und drei Unbekannte am
Tisch vorm Fenster auch Bekannte 

Oben sind noch zwei dunkelhaarige
Damen ins Gespräch vertieft von
Denen eine gespenstisch hinter
Ihrem Pony verschwindet während

Die andere nur vom hinten brünette 
Zu erkennen ist und mehr zuhört 
Während Selma sich mit einer
Bekannten über die Bar unterhält 

Die Musik eher wechselhaft stört
Nicht weiter und Tino ist mit einer
Liste vor der Bar beschäftigt mehr
Ist auch mit Mühe nicht zu sehen

Eben mal wieder Blaulicht Richtung
Helmholtzplatz in blau-weiß also
Polizei was immer dort los ist hier
Wandert der Abend in die Nacht 

jens tuengerthal 17.5.27