Sonntag, 17. Mai 2026

Lektürentagebuch 17.5.26

Lektürentagebuch 17.5.26

Bei Buddenbrooks kam Besuch
Herr Permaneder aus München
Tonys Bekannter gab sich die Ehre
Und bemühte sich auf Hochdeutsch

Was er aus seiner Sicht vermutlich
Geradezu gestellt dabei sprach für
Norddeutsche völlig unverständlich
Zumindest zur Nachfrage nötigt

Schon die Begrüßung der von der
Ihr überreichten Karte auf der von
Noppe & Kompagnon das Noppe
Handschriftlich durchgestrichen war 

Leicht verwirrten älteren Dame war
Von feiner auch sprachlicher Komik 
Mit vielen kleinen Details die den
Bayern äußerlich genau beschreiben

Als er mit Stock und Hut ins schon
Lange bekannte Landschaftszimmer
Tritt dessen Einweihung den Auftakt
Des Romans schon bildete wie auch

Der Ort der dramatischen Werbung
Von Herrn Grünlich gewesen war 
Ein immer wieder Zentrum also ist
Um das sich der Roman dreht 

Die typisch bayerischen Accessoires
Knotenstock Hut mit Gamsbart dazu
Grüner Loden steife Hosen und feste
Stiefel goldene Uhrkette mit Gehänge

Zeigen den Fremden aus der Ferne
Der die Konsulin ein wenig befremdet 
Wie sie das Benehmen des Bayern
Und die Ausdrucksweise erstaunten 

Sie lässt Tony rufen die ihn schon
Kommen sah und nur rasch noch
Etwas Toilette gemacht hatte um
Besonders gut wirken zu können 

Die Konsulin lauscht Tony und dem
Herrn Permaneder dabei und freut 
Sich wenn sie etwas versteht dann
Kommt auch Tom noch zur Runde 

Der beim zweiten Frühstück schon
Auf die Familie gewartet hatte darauf
Lädt die Konsulin Permaneder dazu
Der sich mit dem Porter schwer tut 

Nun lässt die Konsulin gleich eine
Flasche Rotwein zum Frühstück
Kommen der Permaneder und Tom
Gerne und gut zusprechen

Zwischendurch kommt noch ein Bote
Mit einem Telegramm für Tom das
Dieser zur Kenntnis nimmt was
Herr Permaneder bewundernd merkt 

Tom und Permaneder unterhalten
Sich über geschäftliches und als 
Dieser sich nach zwei Stunden
Wieder verabschiedet ins Hotel

Lädt ihn die Konsulin ein doch
Im Haus zu wohnen es wäre
Platz genug was dieser gerne
Auch sehr schnell annimmt

Auf dem Weg zur Tür sagt er Tom
Noch ein Kompliment für Tony was
Dieser sogleich überbringt worauf
Die angespannte Tony sofort sehr

Empfindlich reagiert und meint 
Es käme weniger auf die Form
Als auf den Inhalt von Herzen an
Worauf Tom gleich liebevoll ist

Auf Bitte der Konsulin wird er
Mit Gerda zum Dinner kommen
Gerne sogar weil er es unterhaltsam
Mit dem Bayern auch findet

Zuvor hatte er diesen schon
Zu sich in die Mengestraße 
Geladen ihn Gerda vorzuführen und
Ordert Boten für seinen Koffer

Wunderbar komisch karikiert hier 
Thomas Mann den Zusammenprall
Zweier Welten auch sprachlich die 
Er selbst so noch kennenlernte 

Das urwüchsig eingeborene trifft
Auf die steife bürgerliche Welt dazu
Noch Norden und Süden die sich
Sprachlich schon sehr fern sind

In einem wunderbaren Diskurs aus 
Dem Zauberberg sprechen sich
Settembrini und Naphta mit klugen
Anmerkungen und Spitzen die jede 

Schon Thema für eine Seminararbeit
Sein könnte gegenseitig Kompetenz 
Ab zu urteilen was auch literarisch mit
Viel Humor noch gespickt wurde

Da wird auf mittelalterliche Schriften
Von Naphta Bezug genommen was
Settembrini zu einem Vergleich mit
Dem Hildebrandslied wie auch der

Nibelungensage über den Mönch
Insan und den Rosengarten bringt 
Was an Dietrich von Bern erinnert in
Dessen Gefolge Insan nach Worms

Gereist war um am Kampf um den
Rosengarten der Brunhilde dort
Teilzunehmen den Dietrich von Bern
Gewann der je nach Version auch

Den unschlagbaren Siegfried besiegte
Wie Insan Volker von Alzey besiegte 
Und 52 weitere Kämpfer im Turnier
Schlug und so am Ende dann zum

Lohn 53 Rosenkränze und 53 Küsse
Von Brunhilde bekam der er mit dem
Rauen Bart ihr zartes Gesicht dabei
Völlig zerkratzte jedenfalls war am

Ende das reiche Burgund von
Dietrich von Bern geschlagen
Diesem zur Zahlung verpflichtet
Was Machtverschiebung uns zeigt

Nichts davon steht im Zauberberg
Aber es sind viele solcher zarten 
Andeutungen auch zum Ablass
Oder Luther noch hineingewoben

Den Reformator will Settembrini
Auch nicht verteidigen als Mensch
Aber dessen Freiheit hält er als
Humanist gegen die Inquisition hoch

So geht es ewig hin und her nur 
Hans Castorp bemerkt es fehlt 
Die geistige Spannung dennoch
Nichts neues zwischen beiden

Was Hans zum Vergleich mit dem
Stromkabel bringt auf dem keine
Spannung mehr wäre nach dem
Zuvor noch geistigen Feuerwerk 

Das hat eine so wunderbare Ironie
Wie tiefgründigen Humor zugleich
Dass die These Thomas Mann sei
Nur ein verklemmter Schwuler der

Sich nie ausleben konnte lächerlich
Wird verglichen denn mit wieviel
Witz und Humor pflügt dieser Mann
Seine geistigen Welten immer wieder

Vielleicht täte es der Welt besser
Sie schaute mehr auf Manns Humor
Im Werk statt aus seinem Leben
Probleme konstruieren zu wollen

Wer in 15 Jahren fünf Kinder zeugte
Die ohne Zweifel von ihm auch sind 
Wird mit seiner Frau Katia nicht nur
Literarisch geplaudert dabei haben

Aber das Privatleben des Autors ist
Ohnehin zum Verständnis seiner
Literatur nur bedingt von Belang
Besser wir lachten mehr über diese

Der Zauberberg ist in ganz vielem 
Wie besonders in diesen Dialogen
Eine Kulturgeschichte der Bildung
Des alten Europa voller Humor

Dies wieder mehr zu erkennen auf
Die Details zu schauen und sich
An diesem Feuerwerk zu freuen
Wäre Mann einzig angemessen

Stattdessen fahren heutige Autoren
Nach Sanary lesen Tratsch auf dem
Niveau des Boulevard aber verstehen
Den Witz ihrer Kultur nicht mehr

Lese lieber weiter sonntäglich Mann 
Freue mich an diesem Feuerwerk
Hoffe andere können auch noch
Darüber lachen statt über Mann 

Noch auf einige Seiten gen Balbec
Französische Küste der Normandie 
Mit Marcel Proust in den so zarten
Träumen junger Mädchenblüte

Nun hat er die Gruppe Mädchen 
Oder waren es schon junge Damen
Individualisiert und betrachtet sie
Dabei einzeln im Näherkommen

Spannend sind dabei die Wechsel
Seiner Urteile über das was da direkt
Vor ihm nun vorüberzieht wie ein
Sommerwind der stürmisch wird

Zunächst sucht er Merkmale die
Bestätigen diese Mädchen seien 
Distinguiert sozial gehoben einer
Oberen Klasse wie er zugehörig

Entschuldigt dabei sogar die Pelerine 
Die eine unpassend trägt damit dass 
Sie es nicht nötig hätte auf das bloß
Gewöhnliche Publikum hier zu achten

Sieht den dunklen Blick tiefer Augen
Mit dem eine ihn ansieht und fragt 
Sich dabei ob sie ihn wahrnimmt
Oder durch ihm durchschaut

So wie sie ihr Rad schiebt könnten 
Sie auch vom Velodrom kommen
Alle sehr junge Liebhaberinnen der
Dort Rennfahrer nur sein und schon

Verwandeln sich grazile Gestalten 
Der Schwarm junger edler Elfen aus 
Guter Familie in billige Flittchen ist
Ihr Benehmen nur noch respektlos 

Er sucht plötzlich innerlich Abstand
Um auf sich und seine edle Herkunft
Mehr zu achten sieht den Traum nun
Kritisch und fragt sich was wirklich ist

Fasziniert von ihrer Gruppe die nur
Auf sich achtet und alle anderen als
Störung wahrnimmt haben sie ein sie
Unsichtbar verbindendes Band 

Auch nachdem er sie individualisiert
Hat durch den nahen Blick bleibt das
Sie verbindende Band was alle außer
Ihrem Kreis ausschließt faszinierend 

Es ist meisterhaft wie Proust hier mit
Leichtigkeit aus einer kleinen Szene
Ein großes inneres Drama baut das
Auch soziale Konflikte umfasst 

jens tuengerthal 17.5.26

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