Mittwoch, 24. September 2025

Surrealismuss

Surrealismuss

Die Sammlung Scharf-Gerstenberg
Gegenüber dem Schloss Charlottenburg
Besucht und mich fern der Wirklichkeit
Von den Bildwelten dort verzaubern lassen

Wie wirklich ist die Wirklichkeit noch
Was kann die Kunst neben ihr schaffen 
Wohin entführt sie uns mit einem Blick
Oder auch dem längeren Schauen

Surreal ist was über die Wirklichkeit
Hinausgeht also traumhafte unwirklich
Situationen oder Bedingungen als Weg
Der Kunst entwickelte er sich aus dem

Dadaismus so hat der Surrealismus als
Solcher seinen Anfang mit dem Manifest
Von André Breton 1924 genommen doch 
Geht die Sammlung weit darüber hinaus

Es beginnt die Ausstellung mit Werken
Von Goya und Piranesi die selbst schon
Surreale Welten in Zeichnungen oder
Radierungen schufen wie zu sehen ist

Daneben sind in der Sammlung fast alle
Künstler der  Gruppe um Breton zu finden
Allen voran die beiden Deutschen Magier
Hans Bellmer und Max Ernst zahlreich

Doch auch René Magritte Salvador Dali
Yves Tanguy oder André Masson zeigen
Auf ihre Art wie Kunst gern alle Grenzen
Überschreitet um den Blick zu öffnen

Auch Werke etwa von Victor Hugo sind
Bei dieser Grenzüberschreitung dabei
Sowie nach dem Zweiten Weltkrieg die
Art Brut von Jean Dubuffet als weiterer

Erstmals sah ich dort auch eine Auswahl
Der Werke von Paul Klee die thematisch
Sehr gut passen aber sonst im Museum
Berggruen gegenüber hängen das aber

Bis voraussichtlich 2027 noch wegen
Sanierung geschlossen ist und mit der
Sammlung um die ganze Welt tourt was
Für Berlin ein schmerzhafter Verlust ist

Dazu gibt es noch eine Filmpräsentation
Mit ausgewählten surrealistischen Werken
Die zu jeder vollen Stunde gezeigt werden
Schaffe da immer nur kleine Ausschnitte 

Ob der Surrealismus mit dem Tod von
Breton 1966 ein Ende fand ist unklar
Unter dem Titel Strange präsentiert die
Nationalgalerie noch weitere Künstler

In der Zeit von 1950 bis 1990 haben
Verschiedene Künstler surreale Bilder
Geschaffen dazu werden 60 Werke von
40 Künstlern aus Ost und West gezeigt

Sie zeigen Anklänge des Surrealismus
Ob im Motiv oder in der Technik die sich
Gegen die Zumutungen der Realität
Mit bildnerischer Gestaltung wehren 

In einem extra Raum wird noch eine
Hommage an Wolfgang Kunde mit 30
Seiner Werke gezeigt von denen eines
Kleingärtner sind auch Menschen heißt 

Die Werke aus den 1960ern und 1970ern
Zeigen den Bildkosmos des 1935 in Berlin
Geborenen Künstlers der bis 1996 noch
Professor an der HdK heute UdK war

Ein spannender Blick der über die Grenzen
Der Wirklichkeit hinausreicht und so den 
Horizont phantastisch erweitert hat war
Der heutige Museumsbesuch wieder

Surrealismus ist ein Muss denke ich
Um den geistigen Kosmos zu erweitern
In einer Gesellschaft die gerade ihr 
Koordinatensystem neu sucht um so mehr

jens tuengerthal 24.9.25

Liebeserklärung

Liebeserklärung

Erklärte Liebe
Scheiterte lange vorher
Versteht keiner mehr

jens tuengerthal 24.9.25

Heimatgefühl

Heimatgefühl

Heimatgefühl ist
Eine Unbekannte mir
Außer in Büchern

jens tuengerthal 24.9.25

Teilweise

Teilweise

Deutschland ist geteilt
Dauerregen im Süden
Sonne im Norden

jens tuengerthal 24.9.25

Lustdrama

Lustdrama

Das große Drama der Lust ist
Wenn wir wirklich wollen im
Kraftvollen jugendlichen Trieb
Können wir es noch nicht

Wenn wir es dann endlich tun
Sind wir voller Erwartung noch
Zu oft von der Realität enttäuscht
Denken es käme noch mehr

Dabei ist zusammen kommen
Wie wir erst mit viel Erfahrung
Merken schon der Gipfel des Glücks
Der real viel seltener als gedacht

Kommt dann endlich die Zeit
In der wir alles könnten 
Genug Erfahrung haben dazu
Es auch wirklich zu können 

Verlässt uns die Kraft noch 
So zu können wie wir wollen
Sind froh wenn wir noch können
Und wissen erst zu schätzen 

Wie gut der Sex schon war
Als wir noch nicht wussten
Dass dies das beste war
Warum sich empfiehlt

In der Lust jeden Moment
Als letzten und besten zu genießen
Mehr kommt ohnehin nie als die
Zufriedenheit mit dem was ist

jens tuengerthal 24.9.25

Liebestragik

Liebestragik

Die große Tragik der Liebe ist für mich
Dass ich die am besten zu mir passte
Weil sie zurückgezogen mit Büchern
Am glücklichsten ist wie ich genau darum
Vermutlich nie treffen werde weil beide
Lieber zuhause in ihrer Bibliothek lesen
Massen eher meiden und darum auch
Gerne für sich sind auch wenn das
Gerade perfekt zusammen passte
Stattdessen suchen beide Kompromisse
Mit dem was sich halt so findet 
Aber keinen ganz glücklich macht
Einmal fand mich so eine die sich
Leider wieder verlor und suchen
Ist in dem Fall ohnehin verlorene
Liebesmüh im üblichen Leben
Was vermutlich für beide doch 
Irgendwie tragisch ist darum
Habe ich jede Suche aufgegeben
Vielleicht liest es ja die eine
Dann können wir uns aus
Anderen Gründen verpassen

jens tuengerthal 24.9.25

Dienstag, 23. September 2025

Lektürentagebuch 23.9.25

Lektürentagebuch 23.9.25

Im abenteuerlichen Simplicissimus des
Hans Jacob Christoffel v. Grimmelshausen 
Gelesen wo im 24 Kapitel im vierten Teil
Olivier ins Gras beißt und noch 6 mitnimmt

Nachdem Simplicius und Olivier das Geld
Was aus den Raubzügen stammte unter
Sich aufgeteilt hatten nähte der praktische
Simplicius aus einer Hose Rucksäcke

Diese machten das Tragen bequemer
Während sie aber gerade das Geld in
Den neuen Beuteln verstauten stürmte
Ein Korporal mit sechs Musketieren

Ihre Hütte mit gezogener Waffe und
Forderte sie auf sich zu erheben
Worauf Olivier gleich zwei von ihnen
Erschoss wie Simplicius den dritten 

Darauf spaltete Olivier dem vierten
Mit seinem Schwert den Schädel das
Sein Hirn nur so herum spritzte was
Darauf der fünfte ihm auch antat 

Diese Tat wiederum rächte Simplicius
Auf gleiche Art blutig und so war der
Ganze Überfall schneller vorbei als
Ein Vater Unser lang ist wie es heißt

Ein Verletzter Überlebender floh bevor
Simplicius ihn endgültig versorgen konnte 
So waren nach wenigen Minuten plötzlich
Sieben tapfere Soldaten getötet worden 

Simplicius prüfte noch den Tod von Olivier
Da kein Leben in ihm war nahm er das
Ganze Geld und machte sich nun reich
Auf den Weg den Bauern abzufangen

Blutig und grausam sind die Beschreibung
Der Gemetzel aus dem Dreißigjährigen
Krieg auch darum sehr real wie eben in
Kriegen brutal gemordet stets wird 

Dennoch schreibt Grimmelshausen der
Vermutlich ähnliches selbst erlebte mit
Ironischer Distanz über all diese Dinge
Die moralische Empörung nicht verhehlt

Es bleiben grausame Gemetzel aber
Auch wenn Simplicius mittendrin steckt
Wahrt er als Erzähler doch Distanz
Beschreibt ein wenig wie ein Flaneur


Im Zauberberg schneit es tagelang weiter
Bis alle Konturen verschwimmen die
Linien im Leben verloren gingen welche 
Sonst noch eine Orientierung gaben 

Die Nähe wirkte Schalkhaft wie eine
Verschwommene Zwergenwelt doch
Die Gipfel der Berge wurden im kurzen 
Zwischendurch himmelblau erhaben

Erfahre wie Hans Castorp das Gestöber
Des Schnee zwischen zwei und vier in
Seiner Balkonloge gut eingewickelt erlebt
Dabei in reinster Luft gerne einnickt

Lese von den Schneestürmen die einen
Aufenthalt im Chaos draußen unmöglich
Machten weil alles bedeckt war von dieser
Phänomenalen Ausschreitung des Wetters

Warum Hans Castorp Leben im Schnee 
Liebte das dem Strand für ihn glich doch
Machte die Masse an Schnee Bewegung 
Im Freien nur sehr eingeschränkt möglich 

Die wenigen Promenaden mit den üblichen
Kranken Hotelgästen und Einwohnern hat
Hans inzwischen übersatt doch wollte er
Das Gebirge gerne näher kennenlernen 

Dies war als normaler Fußgänger völlig
Unmöglich sofort wäre er versunken in
Den überall Schneemassen so beschloss
Hans sich Schneeschuhe zu kaufen

Dazu musste er auch ihren Gebrauch
Erlernen soweit sein Bedürfnis reichte
Er war ja kein Sportsmann nie gewesen
Wollte nicht mal so tun wie hier üblich

Es war im Berghof unüblich dass die
Patienten Sport treiben auch Hans lag
Es im Wesen fern sich den Freiluftgecken 
Wie Schicksportlern je zu vergleichen 

Wollte sich nicht im Schnee wälzen oder
Sonst Freizeitvergnügen nachgeben nur
Ein wenig mit Schneeschuhen forschen
Wie die Massen nah wirklich aussahen 

Hans Castorp hadert dabei mit sich wie
Seinem Vorhaben schon bevor er es 
Begonnen hat beschließt er Radamant
Wie Settembrini Behrens nennt nichts

Von seinem Vorhaben zu erzählen um
Nicht gegen ein Verbot handeln zu müssen
Bei seiner eigentlich doch ganz harmlosen
Absicht über den Schnee zu laufen

Jenseits der ausgetretenen Pfade nicht
Ständig anderen zu begegnen alleine
Die nähere Umgebung dem Schnee quasi 
Zum Trotz zu erkunden mehr nicht

Die vielen Entschuldigungen vorab die 
Dem natürlich scheiternden Versuch
Vor sich rechtfertigen sollen dienen der
Entschuldigung der Ordnungswidrigkeit 

Der gute Bürger der etwas wagen will 
Von dem er spürt es könnte zu gewagt sein
Wagt es dennoch oder gerade darum was
Eine ausführlichen Rechtfertigung braucht 

Das ist mir so viel Selbstironie geschrieben
Die lachend sieht der weiß wie die Kinder
Mann mit Hermann Hesse und Katia die
Hänge hinunter rasten voller Lust

Während Vater Thomas lieber zuhause
Im guten Liegestuhl blieb und darüber
Schrieb statt Abenteuer zu bestehen
Die er wie ich heute lieber geistig bestand

So ist der junge Hans Castorp in ganz
Vieler Hinsicht ein alter ego von Mann
Sein Wagnis belächelt der Autor der 
Zugleich über sich dabei lacht

Sehe die versammelte Familie Mann
Die Tränen lachte vor mir bei seinen 
Häuslichen Lesungen die großes Theater
Für die Kinder des Zauberers immer waren

jens tuengerthal 23.9.25

Bibliothekskultur

Bibliothekskultur

Noch haben wir ein reiches Netz an
Realen Bibliotheken im Land was die
Basis unserer geistigen Entwicklung ist
Die viele leider völlig verloren haben 

Es gibt die prächtigen und wunderschönen
Von Anna Amalia in Weimar über die vielen
Klosterbibliotheken bis zur Staatsbibliothek
Die in Berlin in zwei Gebäuden noch haust

Doch fast wichtiger als diese musealen
Schätze ist ihr Wissen zu erhalten wie
Deren Inhalte dauerhaft auch jedem bei
Bedarf digital zur Verfügung zu stellen

Der Mangel an interkultureller Bildung
Die das kritische Denken fördert zeigt
Sich im Erfolg der Populisten denn gegen
Nazis hilft historisches Wissen effektiv

Welch Traum wäre es auf seinen Telefon
Jederzeit auf den Bestand der großen
Bibliotheken als Bürgerrecht zuzugreifen
Was teilweise bereits Realität wurde

Doch braucht Europa hier endlich ein
Einheitliches Programm für alle Bürger
Ist doch keine Region der Welt so reich
An Buchkultur wie Europa schon lange

Diesen Reichtum als kollektives Eigentum
Allen zur Verfügung zu stellen um damit
Bildung Freiheit und Demokratie zu sichern 
Wäre eine Großtat des freien Europa

Sie trüge eine über viele Jahrhunderte
Gewachsene Bibliothekskultur in die
Zukunft und legte damit die Basis der
Freiheit für die nächste Generation

Jeder Schüler bekäme damit Zugang zur
Umfassendsten Bibliothek der Welt die
Einheitlich leicht lesbar gemacht würde
Was für ein Schatz für das ganze Leben

Der Buchmarkt würde damit zu einem
Für ästhetische Ausgaben die bloß
Billige Massenabfertigung wäre damit
Geschichte Bücher würden zur Kunst

Der Rest stünde allen digital zur Verfügung 
Womit geistiges Eigentum einer neuen
Regelung bedarf wie der Beteiligung der
Autoren an Werbung digitaler Netzwerke

Mit diesen lästigen Details mögen sich
Europäische und nationale Behörden
Beschäftigen wichtig ist das Grundrecht
Auf freien digitalen Zugang zu Bibliotheken

Eine Pension für alle Dichter die zum
Digitalen Kulturerbe beitragen wäre
Eine Möglichkeit gleiches gilt für die
Per Klick beteiligten Zeitungen

Wer die Kultur in die Zukunft retten will
Muss ihr Freiheit und Flügel schenken 
Während in den USA eine Diktatur entsteht
Dort Fundamentalisten längst zensieren

Kann Europa die Basis digitaler Freiheit
Der Welt werden und Wissen frei geben
Selbst ein soziales Netzwerk schaffen
Das zum Marktplatz aller Bürger wird

Nichts ist so stark wie die Freiheit
Verleihen wir ihr die nötigen Flügel
Als Europa statt US Milliardäre noch
Weiter zu bereichern verteidigen wir

Unser Wissen und unsere Freiheit dort
Lassen wir alles amtliche dort erledigen
Würde Europa weltweit noch attraktiver
Die Bibliothekskultur ist der Anfang

jens tuengerthal 23.9.25

Drohnung

Drohnung 

Einige kleine Drohnen genügen
Den Flugverkehr lahmzulegen
Welch gute Nachricht für das
Längst hinfällige Klima dachte ich

Leider ist diese kleine Freude
Durch den östlichen Verursacher
Getrübt der bekanntlich reichlich
Erfahrung im Drohnenkrieg hat

Darum müssen wir nun empört
Auf diese Provokationen reagieren
Als NATO vereinigt abwehren was
Eigentlich eine gute Nachricht ist

Klima entsteht in der Stratosphäre 
Jedes Flugzeug was nicht startet
Hilft so viel wie ein Baum was
Das Ausmaß der Bedrohung zeigt

Die Behauptungen über die geringe
Relevanz des Fliegens für das Klima
Stammt nur von Messungen am Boden
Die Schäden in der Atmosphäre werden

Bis heute noch geheim gehalten denn
Erhoben wurden sie längst aber die 
Furcht vor den Folgen ist zu groß
Was viel über reale Bedrohung sagt

Ist gefährlicher was verschwiegen wird
Oder was ohnehin jeder weiß und wer
Entscheidet über unser Wissen wenn
Wissenschaft dafür wohl nicht genügt

Die vermutlich russischen Drohnen
Stellen eine klare Bedrohung dar für 
Die Freiheit in Europa aber sind auch
Eine Rettung für das Klima dazu 

Ein anständiger isländischer Vulkan
Könnte mit seinem Ausbruch mehr
Für das Klima tun als er schadet
Wie Drohnen und Hackerangriffe

Ein eskalierter Krieg mit Russland
Könnte besser für unser Klima sein
Als das ganz normale weiter so und
Reduzierte dazu die Bevölkerung

Viele Probleme entstehen erst daher
Weil es längst zu viele Menschen gibt
Unsere Regierung bezuschusst dies
Weiterhin mit falschen Milliarden

So finanzieren wir noch ein auf
Tödliches Wachstum setzendes
Sozialsystem ohne eine Zukunft 
Weil keiner sich traut es zu ändern

Hunderte Milliarden werden in die
Rüstung gesteckt um den sicher
Bösen Russen abzuwehren statt 
In Frieden und Zukunft zu investieren

Die Bedrohung durch Drohnen wie
Hacker im Krieg mit Russland könnte 
Konstruktiv genutzt werden um real
Langfristig Sicherheit zu schaffen

Dies funktioniert nicht länger mehr
Durch Leugnung des Krieges sondern
Erfordert konstruktive Abwehr zuerst 
Ein Flugverbot in Europa wäre das

Endlich zu merken dass die beiden
Aufgeblasenen Scharlatane in Moskau
Wie in Washington eine Gefahr sind die
Auf egal welche Art zu beseitigen ist

Um die Freiheit zu verteidigen könnte ein
Anfang und das Ende einer kriminellen
Machtergreifung durch Milliardäre welche
Konsequent alle enteignet gehören 

Die damit frei werdenden Mittel lösten
Viele Probleme ganz nebenbei auch
Das logisch kollektive Eigentum der Welt
An all ihren Bodenschätzen gehört dazu 

Es gibt Lösungen und es gibt Wege noch
Für eine bessere Welt in Freiheit sofern 
Wir wagen den Mördern und Räubern 
Grenzen auch mit Gewalt zu zeigen

jens tuengerthal 23.9.25

Liebesherbst

Liebesherbst

Jede Liebe hat
Ihren eigenen Herbst in
Schönheit zu sterben

jens tuengerthal 23.9.25

Herbststimmung

Herbststimmung

Herbststimmung heißt das
Sterben genießen lernen
Zum Sommerende

jens tuengerthal 23 9.25

Geborgenheit

Geborgenheit

Geborgenheit in
Sich entdecken eröffnet
Endlose Freiheit

jens tuengerthal 23.9.25

Lektürentagebuch 22.9.25

Lektürentagebuch 22.9.25

Mit dem wunderbaren Schnee-Kapitel
Im Zauberberg begonnen in dem erst 
Weniger vom Schnee als vom Mangel 
An Sonne der murren ließ die Rede war

Die Patienten und Kurgäste die gerne dem
Schwachen Inneren zum Trotz noch mit
Scheinbar gesunder Bräune voreinander
Glänzten waren über wenig Sonne empört

Dem suchte die Verwaltung die trotz ihrer 
Weitgehenden Kompetenzen keinerlei 
Macht über das Wetter bisher hatte durch
Anschaffung einer künstlichen Höhensonne

Wie Thomas Mann es treffend noch nennt
Heute hieß es vermutlich schlicht Solarium 
Abhilfe zu schaffen was aber das Murren
Der Patienten nicht wirklich abstellte

Anhaltender Nebel und dauernder Schnee
Tauchte neben tiefhängenden Wolken das
Tal in eine dichte Suppe aus der nicht mal
Die Bergspitzen noch zu sehen waren

Mühsam nur die nächsten Bäume noch
Die sich gelegentlich zu schütteln schienen
Um die schwere Schneelast abzuwerfen
Die alle Wege zu Hohlwegen machte

Es schneite pausenlos in diesem Nebel
Aus Wolken die im Tal hingen einzig die
Konsistenz der Flocken wechselte dabei
Von pudrig leicht bis zu dick feucht schwer

Die Beschreibung der vielen Arten wie
Der Worte für Schnee die Peter Hœg
In Fräulein Smillas Gespür für Schnee 
Nutzt scheinen blass gegen das hier 

Thomas Mann taucht tief in den Schnee ein
Brennt ein sprachliches Feuerwerk ab was
Seinesgleichen in der Literatur lange sucht
Die magische Sprache des Zauberers zeigt

Naturgemäß scheint im weißen Schnee
Alles heil oder blass zumal der Nebel
Dazu noch alles in Tristesse kleidete 
Versank es in der weißen Masse dort

Bei Frost von minus zehn Grad war es
Bei der trotz Schnee und Nebel stets
Trockenen Luft nicht empfindlich kalt
Die Liegekuren fanden weiter statt

Manche der Patienten des Berghofs
Fast hätte ich Gäste geschrieben da
Diese wie deutsche Hotelgäste nörgelten
Schrieben Botschaften einander im Schnee

Ob sich die deutschen Gäste in den 
Gemeinschaftlichen Liegehallen ihre
Liegestühle vor den Russen reservierten
Habe ich dabei noch nicht gelesen

Es hat auch dieser übertriebene Schnee
Der die Sonne in der Höhe verbarg bei
Thomas Mann wieder seine ironisch
Komische Seite noch die lachen lässt

Wie überhaupt Thomas Mann ein sehr
Humorvoller Autor ist der es schafft
Seinen Spott liebevoll zu verkleiden 
Aber innerlich viel gelacht haben muss

Auch waren die Vorlesungen aus den 
Neuen Werken in der Familie beliebt
Klaus und Erika berichten voll Freude
Von dem Spaß den sie dabei hatten

Thomas Mann mag seine Homosexualität
Ein Leben lang unterdrückt haben was
Manche als skandalöse Neuigkeit noch
Verkaufen wollen beschrieb er selbst

Doch tat er es ohne den nötigen Ernst 
Auch wenn er von den Kettenhunden 
Sprach die er lieber im Keller ließ ist
Der große Thomas Mann selbstironisch

Was mir in der Analyse seines Werks
Wie allen Biografien noch fehlt ist der
Blick auf den humorvoll ironischen Mann 
Der auch über sich selbst lachen kann 

Im Zauberberg wie in Joseph und seine 
Brüder zeigt er das bis zur Perfektion
Schon die Buddenbrooks haben viele
Unglaublich komische Stellen auch

Verbietet der heute Nobelpreis das
Lachen wie der Gestus von Mann als
Großbürger aus bester Familie der
Ernstzunehmende Literatur schreibt

Auch im später sehr ernsten Kapitel
Im Schnee beginnt es witzig ironisch
Mit kleinen Anzüglichkeiten die den 
Meister des vornehmen Humor zeigen

Thomas Mann ist der wohl witzigste
Deutsche Schriftsteller der noch dazu
Die den Deutschen so fremde Eigenschaft
Besitzt über sich lachen zu können

Thomas Mann lebte mit seinen Figuren
Spielte ständig mit Freude Theater wie
Der Zauberberg voller Komödien ist was 
Im Schatten des Todes sehr britisch ist

Der Zauberberg ist ein Roman also
Kein Theaterstück dabei ist das was 
Thomas Mann hier inszeniert ein
Beständiges urkomisches Theater

Dazu noch bereits seiner Zeit weit
Vorgreifend in Short Cuts geschrieben
Klammerten sich die Leser wie die
Offiziellen Interpreten an den Roman

Dabei ist die Story des Romans auf
Wenigen Seiten schnell erzählt der
Sein Feuer nicht aus der Handlung
Sondern den Szenen dazwischen findet

Sogar im todernsten Schnee-Kapitel 
Wo jeder Deutschlehrer weiß es kommt
Auf die Interpretation der Stelle an die
Dem Tod keine Macht übers Leben gibt 

Ist er noch ironisch und witzig und ich
Sehe Familie Mann Eltern und Kinder
Sich gemeinsam amüsieren hier auch
Wieder mit Bruder Heinrich versöhnt

Wer den magenbitteren Ernst der
Betrachtungen kennt die sich noch
Im nationalen Gefühl suhlen sieht
Im Zauberberg die radikale Wende 

Auch die ganzen sexuellen Anspielungen
Im Anfang des für Germanisten gerne
Todernsten Schneekapitel zeigen den
Feinen Humor der über allem dort liegt

Die vielleicht wichtigste Entdeckung zum
Thomas Mann Jubiläum sollte sein er ist
Der humorvollste und selbstironischste
Autor der deutschen Literaturgeschichte

jens tuengerthal 22.9.25

Enthaltsamkeit

Enthaltsamkeit

Schärft Enthaltsamkeit das Bewusstsein
Für den Wert dessen was bleibt wie auch
Desjenigen was wir entbehren überlege ich
Ist sie ein mehr oder ein weniger dabei

Nach exzessiven Jahren voller Lust wie
Gerne auch Liebe dabei was es aber
Nur gerne noch verwirrender macht 
Lebe ich klösterlich enthaltsam nun

Sicher auch dem Alter geschuldet wie
Mangelnder Bemühung um Gelegenheiten 
Doch auch diese neue Freiheit genießend
Völlig ungebunden für sich allein sorgen

Das quasi Stadtkloster am Helmholtzplatz
In meiner kleinen Bibliothek wird meist
Nur für nötige Gänge noch verlassen 
Wie als einsamer Flaneur in der Bar

Vermisse wenig und lese mehr als je
Gewinne damit geistige Freiheit die
Ein mehr aus dem weniger wurde
Weiß nicht wohin es mich führt

Prioritäten verschieben sich damit
Weil ich nicht mehr für Frauen lebe
Die wechselnd den Diwan belegten
Frage mich was am Ende zählt

Kommt es auf die vielen davor an 
Zählen allein noch die danach oder
Kann es immer so bleiben weil ganz
Entspannt ohne alle Erwartungen

Vielleicht war es einfach genug jetzt
Habe ich alles im Leben gehabt um
Nun die Enthaltsamkeit zu genießen
Statt noch wen gewinnen zu wollen

Letzteres gefällt mir gerade sehr gut
Nichts mehr zu ändern gefiel mir immer
Besser als ständig was neues was
Sich lange genug hier abwechselte

Sie waren alle wunderbar ohne Frage
Jede eine Göttin für sich zumindest
Für die Stunden die wir teilten sage ich
Heute mit Abstand völlig entspannt

Dabei könnte es bleiben um so 
Seine Ruhe zu behalten nichts
Mehr ändern zu müssen dafür 
Denke ich und finde es entspannt

jens tuengerthal 22.9.25