Donnerstag, 21. Oktober 2021

Preußentugendmangel

Preußentugendmangel

“Üb’ immer Treu und Redlichkeit,
Bis an dein kühles Grab;
Und weiche keinen Fingerbreit
Von Gottes Wegen ab.
Dann wirst du, wie auf grünen Aun,
Durchs Pilgerleben gehn;
Dann kannst du, sonder Furcht und Graun,
Dem Tod’ ins Auge sehn.“

Ludwig Hölty aus Der alte Landmann an seinen Sohn


Was fehlt dem chaotischen Berlin das
Einst Hauptstadt Preußens war die
Als Vorbild an Disziplin und Ordnung
Galt sich dabei aus größter Armut in
Der märkischen Streusandbüchse
Zur Macht in Europa erhob die es
Wagte Habsburger herauszufordern
Nach sieben Jahren Krieg gegen die
Versammelten Mächte Europas
Ihnen nicht unterlag sogar was
Schlesien betraf siegreich blieb
Das sich Friedrich erobert hatte
Zum Zorne Maria Theresias
Weil er es konnte dank der Armee
Wie Sparsamkeit seines Vaters
Des gern verlachten Soldatenkönigs
Der auch die geistige Basis legte
Für den preußischen Erfolg indem
Die bis heute noch viel diskutierten
Preußischen Tugenden zum neuen
Maßstab der damals nur Märker wurden
Die nur nebenbei Könige in Preußen
Seit Friedrich Wilhelms Vater Friedrich I.
Waren aber erst bei seinem Sohn am
Ende nach polnischer Teilung auch
Von Preußen wurden weil es dann
Die Landverbindung nach Ostpreußen
Gab das ehemals Deutschordensland
Wie aber kamen die Tugenden nach
Preußen welche sind es genau und
Warum sind sie verloren gegangen
Sie kamen über den Pietismus der
Franckeschen Stiftungen in Halle
Weil deren Gründer und Stifter der
Pfarrer August Hermann Francke
Friedrich Wilhelm I. beeindruckte
Wurden seine Werte zum Maßstab
Ganzer Generationen von Preußen
So sorgte der König dafür dass alle
Theologen in Preußen auch in Halle
Studieren mussten womit auch die
Werte von Bescheidenheit bis zur
Pflichterfüllung preußischer Kanon
Wurden sie aufzuzählen ist müßig
Sie ergeben sich aus einem sehr
Ethisch geprägten Pflichtbewusstsein
Wie es etwa auf dem Grabstein des
Generals von Friedrich dem Großen
Von der Marwitz steht der freiwillig
Ungnade wählte wo Gehorsam keine
Ehre mehr brachte bei der befohlenen
Plünderung eines sächsischen Schlosses
Die Auflösung Preußens nach dem
Verlorenen 2. Weltkrieg als Zeichen für
Den Untergang des deutschen Militärs
Raubte den Kern eines Wertesystems
Was die Gegner nie verstanden hatten
Denn es war nicht der blinde Gehorsam
Der Hitlers Staat funktionieren ließ sondern
Die perfide überall Überwachung wie Angst
Es geht dem Preußen um Pflichterfüllung
Solange diese nicht unehrenhaft ist was
Den geraden Weg zum Widerstand gegen
Hitler begründete in dem sich viele alte
Preußische Familien auch fanden die zwar
Wie viele ehrverletzt von der Niederlage
Dem Diktator gefolgt waren aber doch
Erkannten dies diente nicht der Pflicht
Was zurück ins chaotische Berlin der
Gegenwart führt das zwar die Fassade
Des Hohenzollern Schlosses wieder
Errichtete aber es Humboldtforum nennt
Weil der preußische Bezug vielen fehlt
Sie das Wertesystem nicht verstehen
Auf dem ein Immanuel Kant aufbaut der
Völlige Gewissensfreiheit im Schatten
Der preußischen Pflichterfüllung bot
Diese Verantwortung die stärkt wie
Viele Familien seit Generationen schon
In einen ethischen Konsens einband
Fehlt im gegenwärtigen Berlin völlig
Indem die einen Totengräber Preußens
Mit der Linken sogar regieren sollen
Was manche mit sozialem Populismus
Der sich Stimmen anbiedernd kaufte
Noch zu rechtfertigen versuchen
Was alles preußische nochmal verrät
Aber zeigt wo Berlins Problem liegt
Es fehlt der ethische Kern der für
Etwas steht außer Normbefolgung
Die widerwillig durchgesetzt wird
Aber keine Haltung trägt die eine
Metropole dauerhaft leiten kann
Es fehlt ohne preußische Tugenden
Zu denen Toleranz wie Sparsamkeit
Gehören dem formellen Rahmen das
Einende ethische Band was sich an
Wahlen wie am Flughafen zeigte
Merkel lebte es konsequent als die
Pfarrerstochter im Kanzleramt wenn
Franziska Giffey klug ist folgt sie ihr
Wenn die Berliner Sozen sie lassen
Irgendwie geht es dann doch weil
Muss ja weitergehen aber es fehlt
Ein übergreifendes Pflichtgefühl so
Sagten Franzosen früher ein Preuße
Sein sei eine Ehre aber kein Vergnügen
Berliner sein dagegen ist ein Spaß
In der Partyhauptstadt Europas wo
Du halt mal zwei Stunden stehst um
Deine Kreuzchen zu machen bei der
Wahl die für das herrschende Chaos
Erstaunlich diszipliniert verlief aber
Wer nun die Erben der Diktatur die
Preußen in den Untergang schickte
An der Regierung beteiligen will hat
Das Problem Berlins nicht begriffen
Es ist eine Frage der Haltung die seit
Kant keine Götter mehr braucht aber
Disziplin und Pflichtbewusstsein was
Dem Berlin ohne Preußen fehlt so ist
Die Hauptstadt nur ein dicker Haufen
Mitten im märkischen Sand gelegen
Ohne eine Vision zur Gestaltung aber
Vielleicht ist dies deutsche Chaos was
Jedem Ordnungssinn unerträglich ist
Den Nachbarn sympathischer als die
Vorher preußische Effektivität was
Gelassenheit im Umgang schenkt wie
In der immer Formel endet
Dit is Berlin
Immer nettes Chaos damit
Keiner mehr Angst hat damit
Der Preis der Einheit wohl

jens tuengerthal 21.10.21

Weltliebe

Weltliebe

Manchmal überschreitet Liebe alle
Grenzen um füreinander da zu sein
Als wäre sie eine Art Weltliebe
Heute schrieb mir eine mehr als
Liebe Freundin die seit Jahren
Ihr Leben für andere riskiert
Überall auf der Welt wo gerade
Not und Leiden herrschen
Sie läge nun im Krisengebiet
Irgendwo in Afrika wo sie ein
Krankenhaus managt
Mit Malaria völlig flach
Es ihr elend ginge es
Einfach schlimm wäre
Da wollte ich sofort los
Diese Retterin retten
Ihr gut tun
Für sie da sein
Was natürlich nicht geht
Dahin fliegt keiner mehr
Außer mit rotem Kreuz
Auf weißen Flügeln
Liebe hat viele Formen
Aber in dem Moment
Wollte ich die Retterin retten
Ohne jeden Hintergedanken
Wir lernten uns online kennen
Aber diese reine Liebe
Voller Sorge um sie
Galt der Welt für die sie
Seit Jahren ihr Leben
Immer wieder neu riskiert
Wir sind uns sehr fern
So in Entfernungen gedacht
Sie rettet für die Welt
Während ich Geschichten erzähle
Aber gerade wäre ich gern
Ganz nah weil die Retterin
Alle Hilfe voll Liebe verdient
Und diese Liebe scheint mir
Groß und rein weil sie nur
Gut will ohne Vorbehalt
Sie riskierte ihr Leben
Für die Welt sie dafür
Auch wenn es viele
Gründe in ihr gäbe
Bedingungslos lieben
Ihr unbedingt gut zu wollen
Scheint mir gerade einzig
Angemessen und gut so
Vielleicht ist das diese
Weltliebe oder so

jens tuengerthal 20.10.21

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Berlinerluft

Berlinerluft

Heute wieder in den wunderbaren
Feuilletons von Friedrich Luft gelesen
Über die Berliner Luft auch wenn es
Um die amerikanische Luft eher ging
Auf der Bahnreise von Salt Lake City
Nach Denver wohltemperiert zwar
Staunt der Berliner in Amerika über
Weite und Größe dieses Landes
Einen Grund dort hin zu fahren
Hab ich in der feinen Beschreibung
NIcht gefunden eher im Gegenteil
Amüsiert las ich über seinen Besuch
Im Goldgräberstädtchen was mich
An den eigenen Besuch 1988 erinnerte
Den ich in Kanada machte aber egal
Seitdem hat sich wohl nichts geändert
Die Beschreibungen gleichen sich wie
Alle Sehenswürdigkeiten der Welt sich
Mit Ständen und Touristen öde gleichen
Zwar dachte ich dabei an einen netten
Flirt den ich mit zarten 17 dort hatte
Aber einen Grund das gleiche Theater
Weiter südlich zu erleben konnte ich
Nicht entdecken vor allem nachdem
Der gute Friedrich Luft dort war wie
Es so trefflich beschrieb fragt sich
Warum noch wer hinfährt statt es
Klimaneutral lieber zu lesen was
Zeigt wenn die Gesinnung gegen
Das Reisen fest genug ist wird sie
Auch durch Reiselektüre bestätigt
Es mag für Entdecker spannend
Gewesen sein neue Gegenden
Zu entdecken und so die Welt zu
Erobern auf friedliche Art aber wie
Billig ist der Abklatsch der pseudo
Abenteurer von heute die als nur
Touristen auf ausgetretenen Pfaden
Hinter den vielen vor ihnen laufen
Um zu sehen was jeder sehen kann
Aber dank geschickter Werbung der
Tourismusindustrie dabei so gut
Fühlen als wären sie Entdecker
Dabei sind sie real nur Zerstörer
Aber dies in Zeiten des Klimawandels
Bekannte Wissen hatte Luft noch nicht
Dennoch fuhr er mit der Eisenbahn
Durch die USA die Größe zu spüren
Über viele Tage in die Berge wie die
Leeren unwirtlichen Landschaften
Was uns eng besiedelten Europäern
Kaum vorstellbar ist außer beim
Blick nach Rußland vielleicht dessen
Weite auch schon eindrucksvoll genug
Etwa von Alexander von Humboldt auch
Beschrieben wurde aber hier geht es ja
Um Luft wie er Über die Berliner Luft 
Schrieb oder eben die gefilterte in Zügen
Durch Amerika die vom Reisen mich
Nachhaltig abhalten kenn ich ja schon
Ist in keinem Westerndorf anders wie
Alle Jahrmärkte sich gleichen egal wo
Wer also in die USA gerne würde was
Manche ja erstrebenswert finden wie
Andere masochistischen Trieben folgen
Lese Friedrich Luft es hat sich nichts
Geändert außer Kleinigkeiten wie immer
Warum Reisen nur für jene noch lohnt
Die nicht lesen können oder gerne
Nachäffen statt selbst zu denken
Wie schön wenn Literatur so die
Eigenen Vorurteile wunderbar bestätigt

jens tuengerthal 20.10.21

Eingemauert

Eingemauert

Die Mauer in Berlin ist abgerissen
Bis auf einige touristische Reste als
Repräsentative Erinnerung wir sind
Eine Stadt Grenzüberschreitung merkt
Nur wer weiß wo die Mauer stand doch
Hat sich der Geist Berlins erhalten die
Westlich wie östlich eine Kapitale ohne
Städtische Verantwortung war eher einer
Insel glich und genau so verhalten sich
Verantwortungsträger der Stadt bis zum
Heutigen Tag wo keiner Verantwortung
Übernimmt oder hat wie es heute etwa
Sascha Lobo treffend im Spiegel noch
Kommentierte zu den Themen Wahl
Verwaltung Infrastruktur die bezeichnend
Für die kollektive Deantwortung hier sind
Es ist dieser antipreußische Geist der
Sich Verantwortung lieber nehmen lässt
Statt gemeinsam zu denken wird alles
An andere Zuständige delegiert die oft
Nicht wissen was wie woher kam wie
Wer eigentlich Verantwortung dafür hat
Es ist ein scheinbar ökonomisches System
Bei dem eine künstliche Konkurrenz in
Der Stadt zwischen den Bezirken noch
Geschaffen wird die betteln müssen um
Nur ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen wobei
Der Senat jede Verantwortung von sich
Weist auch weil das System ja von einer
Gut bezahlten Unternehmensberatung als
Zukunftslösung eingeführt wurde wie so
Viel in Berlin was im Chaos endet weil
Keiner mehr Verantwortung übernimmt
Von Krankenhäusern bis in die Schulen
Wir leben auf einer Insel die unfähig ist
Ihre Dinge allein zu ordnen weil keiner
Mehr die ganze Verantwortung trägt als
Wären wir von außen gesteuert wird 
Alles verschoben so dass keiner schuld ist
Damit Berlin funktionieren kann muss es
In selbständige also eigenverantwortliche
Bereiche aufgeteilt werden die für ihren
Bereich alleine Verantwortung tragen
Weil Verantwortung nur übernimmt wer
Sie hat wem sie zugetraut wird da
Berlin aber vom Misstrauen lebt was
Völlig verantwortungslos dafür ist kann
Im Ergebnis nur Chaos herauskommen
Wer es ändern will muss etwas wagen
Berlin zerschlagen und den Senat als
Verantwortungslosen Führer entmachten
Bis dahin fließt noch viel Wasser die
Spree hinab vermutlich weil es dann
Doch irgendwie funktioniert obwohl es
Längst ein destruktives Chaos nur ist
Jeder Bezirk ist eine eigene Großstadt
Gebt ihnen Selbständigkeit als Kommune
Damit jemand Verantwortung übernimmt

jens tuengerthal 20.7.21

Repräsentantinnen

Repräsentantinnen

Nach vielen Jahren mit einer Kanzlerin
Drohte Deutschland künftig nur noch
Von Männern in den höchsten Ämtern
Von Bundespräsident über Kanzler bis
Zum Bundestagspräsidenten alleine
Repräsentiert zu werden da nahmen
Sich die Sozialdemokratinnen einmal
Vor etwas durchzusetzen warum sie
Die eine Chefin so wenig ertrugen wie
Eine Kanzlerin je stellten zumindest
Dem Bundestag eine Frau endlich
Vorsetzen was die Grünen mit
Claudia Roth schon lange taten
Bei der CDU streiten sich noch zwei
Frauen wie Männer in Nebenrollen um
Die Kandidatur für das Präsidium so
Wird zumindest das Parlament nun
Weiblicher in seinem Präsidium
Was für die künftige Regierung noch
Völlig offen ist während Unternehmen
Nun paritätisch besetzt werden sollen
In ihren Vorständen zeigt sich in der
Politik wie wenig normal paritätische
Besetzung heute noch ist in einer
Von Männern bestimmten Politik
Ob sich daran nun etwas ändert
Wenn auch 16 Jahre Merkel kein
Kritisches Bewusstsein schufen
Es erst den Aufschrei brauchte damit
Der Ersatzposten weiblich wurde
Scheint mehr als fraglich jedoch
Darf sich eine Politik die stets der
Wirtschaft gerne Vorschriften macht
Fragen lassen wie sie es damit hält
Müssen sich alle Seiten fragen wie
Ernst es ihnen mit Gleichberechtigung
Außer auf unteren Ebenen wirklich ist
Oder halten wir uns für so emanzipiert
Das egal ist wer welches Geschlecht
In welchem Amt zufällig gerade hat

jens tuengerthal 20.10.21

Bürgerlust

Bürgerlust

Wie treiben es die guten Bürger
Ist beim Sex wie in der Liebe
Zwischen Liaison und Ehe zu
Unterscheiden oder ist es stets
Das gleiche nach der Natur
Schon Montaigne unterscheidet
Die eheliche Erotik von der
Mit Geliebten insofern erstere
Ein Leben lang halten soll
Wäre es besser sie mit weniger
Leidenschaft auszuleben um
Einander auch in der Familie
Noch mit Achtung zu begegnen
Was ich früher für Unsinn hielt
Da mein Ziel beim Sex immer war
Die Geliebten zu befriedigen wie
Dies mit Leidenschaft zu erreichen
Da ich nie verheiratet war bisher
Bleibt jedes Urteil theoretisch
Die Verlobungen bis auf eine
Jedoch könnten Montaigne
Eher bestätigen da jedoch
Zumindest Frau erst später
Die größte Leidenschaft entwickelt
Wenn Mann schon Grenzen spürt
Ehen schon geschieden wurden
Wie die Erfahrung lehrt sollte
Auch bei diesem Urteil eher
Vorläufige Vorsicht walten
Aber da bisher nie verheiratet
Enthalte ich mich dazu lieber
Kenne aber Ehepaare die es
Bis ins hohe Alter noch mit
Leidenschaft taten aber egal
Ob das nun die Ausnahme
Oder doch die Regel ist
Findet die Leidenschaft in der
Bürgerlichen Ehe allein hinter
Verschlossenen Türen statt
Die Familie zu schonen dabei
Dahingestellt ob das gut so ist
Sei es an dieser Stelle respektiert
Das Gedicht damit beendet
Wer mehr dazu lesen will nehme
Borchardts Weltpuff Berlin welcher
Großbürgerlichkeit und Sex auf
Eleganteste Form literarisch verbindet
Auch Bürger haben Sex sonst
Gäbe es keine Erben mehr
Was an dieser Stelle genügt
Der Genießer schweigt

jens tuengerthal 19.10.21


Bürgerliebe

Bürgerliebe

Wie liebt der Bürger fragte ich mich
Muss es gleich in bürgerlichen Bahnen
Am besten in der Ehe enden welche
Der sicherste Tod der Liebe ist
Weil sie Gefühl gegen Sicherheit
Tauscht und so zumindest ein
Bürgerliches Bedürfnis erfüllt
Oder ist die Freiheit wichtiger
Die Ehe mehr Tradition als Gefühl
Ist die Liaison daneben bürgerlich
Oder der Versuch des Ausbruchs
In die Freiheit aus der Sicherheit
Gehören beide zusammen weil
Sie beide Bedürfnisse befriedigen
Welche Liebe ist dann bedeutender
Auch wenn es keine verbindliche
Antwort auf diese Fragen gibt
Scheint das nebeneinander
Ein Teil bürgerlicher Tradition
Und wo die gewahrt wird
Ist es zumindest bürgerlich
Was doch auch etwas ist

jens tuengerthal 19.10.21

Bürgerfreiheit

Bürgerfreiheit

Der Bürger ist ein freier Mensch
In der Gemeinschaft lebend die
Seine Freiheit sichert wie zugleich
Einschränkt um zu funktionieren
Zwischen diesen Gegensätzen
Hat sich die bürgerliche Kultur
Entwickelt die zur Basis des
Deutschen Grundgesetzes wurde
Sie geht von der Gleichheit aus
Schützt aber die Unterschiede
Ausdrücklich im Glauben wie
Für das Eigentum aus dem sich
Viele zuerst zu Lasten der Freiheit
Definieren dabei ist diese der
Ursprung gemeinsam mit Sicherheit
Die Bürger für ihr Hab und Gut
In der Gemeinschaft suchen
Ob dies nun eine Beschränkung
Der Freiheit schon ist oder diese
Sichert ist immer fraglich doch
Ein zentraler Bestandteil der
Bürgerlichen Kultur zugleich
Die ihre Bildung gerne über
Den Bestand ihrer Bibliotheken
Vergleicht oder misst wobei
Der Schein so wichtig ist wie
Der Inhalt als Nachweis der
Zugehörigkeit zum Bildungsbürgertum
Manchmal bleibt wenig mehr aber
Das sichert zumindest die Freiheit
Auf die es dem Bürger ankommt
Sei es als Schein hinter Regalen
Welche der fest gebundenen Freiheit
Den Anschein von Sicherheit geben
Oder als wirkliche Gedankenfreiheit

jens tuengerthal 19.10.21

Dienstag, 19. Oktober 2021

Bürgergeld

Bürgergeld

Die Koalition plant ein Bürgergeld
Ob dies den Namen verdient wird
Sich erst viel später zeigen doch
Fragt sich ob es dem bürgerlichen
Geist entspricht oder eher nicht
Ein solches Geld machte Arbeit
Zur Erlangung eines Einkommens
Überflüssig was sicherlich nicht
Dem bürgerlichen Geist entspricht
Andererseits schafft es lächerlich
Autoritäre Maßnahmen voller
Misstrauen nach Hartz IV wieder ab
Spart Millionen für bloße Kontrolle
Wie meist überflüssige Maßnahmen
Gibt dafür Kreativen mehr Freiraum
Schafft der Kunst eine Basis die
Das Überleben sichern kann
Eine typisch bürgerliche Tätigkeit
Welche wichtige Teile sozial fördert
Das System entscheidend vereinfacht
Nur ohne Abhängigkeit von der Gunst
Egal welcher Gönner schüfe es die
Basis für eine Zeit der Freiheit die
Der offenen Gesellschaft gut täte
Um auch innezuhalten im ewigen
Strom der Optimierung der Menschen
Nach Leistungsbereitschaft sortiert
So viele aussortiert die keinen
Rückweg ins Leben mehr finden
Aber abgesehen vom sozialen Geist
Wird die Maßnahme sich rechnen
Dabei mehr Freiheit hochhalten
Statt autoritärer Zwangsarbeit
Ein guter bürgerlicher Weg

jens tuengerthal 19.10.21

Klassennormalität

Klassennormalität

Eine neue Studie besagt dass Kinder
Von Akademikern viel höhere Chancen
Haben einen Abschluss zu erreichen auf
Einer Universität was nun als Zeichen
Für bestehende Ungleichheit manche
Empört statt darüber zu lächeln wie
Normal es heute ist dass auch die
Kinder von Arbeitern studieren wird
Eine verbale Umkehr noch aus dem
Marxistischen Klassendenken heute
Für einen Grund zur Empörung gehalten
Natürlich sind alle Menschen gleich
Vor dem Gesetz aber darum muss
Nicht jeder die gleiche Begabung haben
Ist das Klassendenken hinter solchen
Statistiken viel spaltender als die Realität
Natürlich gesellen sich Gleiche eher
Wen wundert es wenn Hochbegabte
Auch hochbegabte Kinder haben
Was muss daran irgend schlecht sein
Ist die Tatsache dass weniger Kinder
Aus Arbeiterfamilien einen Abschluss
Erlangen ein Grund zur Empörung noch
Könnte es nicht schlichte Natur sein
Die immer auch Ausnahmen kennt
So haben die Arbeiterkinder was auch
Immer das heute noch sein soll meist
Erfolgreicher studiert als ich dem es
Aus manchen Gründen nicht lag
Zumindest bei meinem Studienfach
Weil ich fehlerhaft immer dachte als
Sohn eines Arztes wie Enkel eines
Juristen müsste ich eins von beiden
Studieren was schlicht Unsinn war
Weil Klasse nicht immer hilft oder
Befreit sondern im Gegenteil auch
Probleme vergrößern noch kann
Die ich als Arbeiterkind nie hätte
Habe gegen meine Begabung studiert
Obwohl ich es besser wusste weil
Der innere Druck viel höher war
Familienkonform erfolgreich zu sein
Der mich viele Umwege nehmen ließ
Als ältester Sohn noch dazu so kann
Herkunft eine Last oder Chance sein
Aber gewiss kein Grund zur Empörung
Wenn erwartungsgemäß die Kinder
Aus bildungsferneren Schichten auch
Entsprechend im Studium abschneiden
Weil Bildung zwar wichtig und kostbar
Aber nur ein Teil des Ganzen ist auch
Wenn Sozialwissenschaftler gerne
Die Egalität genetisch postulierten
Es gibt diese nur theoretisch nicht
Als Gewissheit für Erfolg der an
Sehr vielen Faktoren hängt warum
Solche Studien eher das Gegenteil
Des gewünschten belegen zumindest
Keinen Zwang zur Egalität bringen
Eher ein Schuster bleib bei deinen
Leisten begründeten dächte wer kritisch
Was unter Sozialwissenschaftlern nicht
Besonders beliebt zu sein scheint
Wem nutzt nun das Gegenteil
Wie lässt es sich begründen
Ist es je gut etwas zu zwingen
Offenbart die Realität uns das
Erzwungene Gleichheit nicht weiter führt
Wir Unterschiede hinnehmen müssen
Weil sie eben natürlich sind oder das
Falsche Förderung Verschwendung ist
Nun wissen wir sicher es gibt keine
Sicherheit in die eine oder andere
Richtung aber vermutlich sollen wir
Nun reflexhaft für Gleichheit sein
Die wie gerade belegt irreal ist
Warum ich eher frage cui bono
Oder wem nutzt es und warum
Es gut wäre keiner Statistik zu trauen
Die ich nicht selbst gefälscht habe
Es gibt soziale Klassen die nur
Verfestigt wer sie leugnet aber
Manche reden gern im Jargon
Der Marxisten der so einfach ist
Hier sehen wir deutlich warum
Falsch und eher schädlich aber
Diese logische Folgerung bleibt
Den Jüngern dieser Sekte wohl
Weiterhin verschlossen aber gut
Dass wir darüber schrieben

jens tuengerthal 19.10.21

Liebesleichtigkeit

Liebesleichtigkeit

Leichtigkeit hat die Liebe nur wenn
Frisch verliebt dachte ich früher als
Verliebt sein wenn es gut ging noch
In einer Beziehung enden sollte doch
Durfte ich nun entdecken wie leicht
Liebe sein kann wo wir sie so sein
Lassen wie es ihr entspricht also ein
Gefühl was der anderen gut will
Egal auf welchem Wege dabei
Der anderen Glück sein will statt
Festen Vorstellungen zu folgen
Lieber frei fliegen lässt um dabei
Zu genießen was übrig bleibt
Wohin nur wenige je gelangen
Die noch meinen echte Liebe
Gäbe es nur in Beziehungen die
Stets hoffnungsvoll beginnen aber
Irgendwann immer nur noch ertragen
Werden weil nie alles kompatibel ist
Eine Frage von Kompromissen sind
Was die meisten scheinbar erfolgreich
Lieber verdrängen statt zu leben was
Dauerhaft glücklicher macht als die
Alte Illusion von ewiger großer Liebe
Die trotz der vielfachen gegenteiligen
Erfahrung noch glaubt es könne das
Große Glück in allem für immer geben
Was einzig dazu führt nie im Leben
Mit dem zufrieden zu sein was ist also
Im Ergebnis in frustrierte Ehen oder
Trauriges Single Dasein nur führt was
Keine verlockende Aussicht wohl ist
Weder noch denke ich heute der viel
Lieber gelegentliche Einsamkeit sich
Mit Büchern versüßt dafür gerne die
Freuden der Liebe ohne Versprechen
Als Glück genießt weil es echt bleibt
Ohne von Erwartungen getrübt nur
Wiederholung schlechter Versuche
Zu sein die wir alle lange kennen
Es gibt in der Liebe keine Gewissheit
Außer dass die Lügen beginnen
Sobald wir uns einander versprechen
Wir können als Kompromiss vor der
Konvention eine Beziehung führen
Mit erwartbaren Folgen für alle oder
Die Liebe frei fliegen lassen um ihr
So die Chance zum Glück zu geben
So ehrlich zu sein macht es leichter
Den Weg zu wählen der passt denn
Wer sich Illusionen hingibt hat es viel
Schwerer glücklich zu werden mit dem
Was ist und dennoch tun wir nichts
Lieber als uns solchen Träumen die
Wir schon lange kennen hingeben
Auch das traurige Ergebnis betreffend
Vermutlich ist es besser so weil es die
Hoffnung aufrecht erhält es könnte doch
Am Ende alles gut werden auch wenn
Alle Erfahrung dagegen spricht hat es
Häufig zur eigenen Existenz schon
Beigetragen was nicht falsch sein kann
Aber wir merken schon es wird schwer
Leichter liebt es ohne Lügen aber im
Genuss des Augenblicks denn mehr
Bleibt am Ende ohnehin von nichts
Egal was wir vorher versprachen

jens tuengerthal 18.10.21

Montag, 18. Oktober 2021

Leseland

Leseland

Reise am liebsten im Leseland was
In jeder Hinsicht grenzenlos ist so
Auch heute wo ich in Worpswede
War wo Rilke und Vogeler Anfang
Des 20. Jahrhunderts sich trafen wie
Lieber wieder verloren weil manche
Nicht genug Platz nebeneinander
Haben vielleicht zog dann mit einem
Freund um den Helmholtzplatz den
Er literarisch verewigte auf einen Wein
Bei dem es mit ihm selten bleibt was
Auch ein gutes Zeichen der Liebe
Zu den Menschen sein kann sodann
Ging es wieder ins 19. Jahrhundert zu
Rahel Varnhagen über die Hannah Arendt
Im Berlin der frühen 30er noch schrieb
Von wo der Sprung in die Kulturgeschichte
Des 20. Jahrhunderts schon nahe lag die
Noch über die Übergangszeit wie deren
Geist nachdachte was mich dann wieder
Ins Berlin der Gegenwart mit einem
Band der Anderen Bibliothek führte
Der über die Taut Siedlung im Süden
Philosophierte wie die Schwärmerei
Von Franz Hessel über diese Siedlung
Den ich von einer Geliebten habe die
In der hiesigen Taut Siedlung lebt was
Schon fast den Bogen zu einem anderen
Auch Berliner schließt Alexander Humboldt
Der in der Oranienburger lebte als dort
Weder Partymeile war noch Straßenbahn
Mit dem ich dann auf dem Orinoco fuhr in
Spannenden Zitaten aus seinem Tagebuch
Die in der Biografie der Anderen Bibliothek
Passend verarbeitet wurden und so war ich
Heute nahe meiner Geburtsstadt Bremen
Wohin mich eine andere Geliebte literarisch
Entführt hatte die dem nahe steht wie in
Berlin durch die Jahrhunderte um dann
In Südamerika die Lektüre zu beenden
Die mich weit führte und durch manch
Nahe auch näher zu mir wieder brachte
Wie Lesen überhaupt die beste Art ist
Seine Zeit zu verbringen zumindest dann
Wenn wir keinen Sex haben oder vorher
Wein trinken aber auch damit noch gut
Konkurrieren kann bei so herbstlicher
Witterung in Stunden vor dem Kamin

jens tuengerthal 18.10.21

Springermachtlos

Springermachtlos

Beim Schach kann der Springer auch
Spielentscheidend sein durch seine
Sprünge alle in schach halten auch
Den König schlagen wo ohne Ausweg
Bei Springer zündeten nun andere
Die Bombe gegen den Chefredakteur
Der Bild Reichelt der damit matt war
Nachdem seiner vorigen Vergehen
Wegen noch Nachsicht geübt wurde
Die New York Times übernahm die
Rolle des anderen weil Ippen seine
Redaktion die monatelang recherchierte
Bei ihrer Veröffentlichung ausbremste
Nicht die Konkurrenz zu schädigen
Was als unlauter gelten könnte aber
Wer immer die Informationen an die
NYT weiter gab wird dies nicht ohne
Vorsatz getan haben und hat so die
Projekte von Springer in den USA
Möglicherweise stärker ausgebremst
Als der Verbleib Reichelts retten sollte
Jedenfalls diesen den Posten gekostet
Da machte einer der seine Macht in
Untragbarer Weise missbrauchte den
Mächtigsten Medienkonzern machtlos
Weil seit me too nicht mehr alles nur
Geschluckt wird sondern auch Opfer
Des Missbrauchs sich ihrer Macht
Bewusst werden was jedenfalls für
Mehr Gerechtigkeit sorgt und also
Besser so ist als Medienskandal nun
Breit getreten auch noch manche
Andere Stühle wackeln lassen könnte
Dahingestellt warum Springer nun
Wieder einen Mann an die Spitze
Seines Boulevard Blattes stellt statt
Die Chefin der Bild am Sonntag zu
Befördern was klüger gewesen wäre
Im Falle weiterer Angriffen scheinen
Hier noch einige Fragen offen zu sein
Warum manches auch nur Übergang
Vor dem Untergang sein könnte bleibt
Die große Frage in diesem Spiel wird
Die Springerin im Hintergrund Friede
Friedlich in Dahlem bleiben oder doch
Eine langfristige Perspektive längst im
Auge haben für den Konzern der bei
Dieser Gelegenheit schwach aussah

jens tuengerthal 18.10.21