Donnerstag, 24. Juni 2021

Lesensretter

Lesensretter

Kann Literatur Leben retten
Fragt der begeisterte Leser sich
Denkt an verworrene Geschichten
Aus verborgenen Bibliotheken die
Von verlorenen Zeiten erzählen
In denen Bücher gleichsam magisch
Auf wie über Leben wirken konnten
Doch viel näher lag dies real noch
In Zeiten als die Zugehörigkeit zum
Klerus vor weltlicher Gerichtsbarkeit
Schützte was zumindest die Todesstrafe 
Eher ausschloss warum so mancher sich
Beim Diebstahl oder Mord ertappt darauf
Berief ein Mönch zu sein und sich was
Schnell und leicht war eine Tonsur als
Ausweis seiner Geistlichkeit rasieren ließ
Doch als dies exponentielle Ausmaße
Annahm nahmen die Gerichte als echte
Prüfung der Geistlichkeit eines Täters
Noch die Lesefähigkeit dazu welche sie
Literae nannten nach dem Buchstaben
Womit wer sein Leben retten wollte falls
Ertappt unbedingt Lesen können sollte
Manche Richter fürchteten schon das
In Zukunft die Verbrecher der gebildetste
Berufsstand sein könnten was logisch
Scheint aber kritisch denkend die Frage
Stellt welchen Wert eine Ethik hätte
Die regelwidrig asoziales Verhalten
Mit und durch Bildung belohnt
Wie die Lektüre von Betriebsanleitungen
So für Nichtrechenmaschinen je lesbar
Leben retten kann war schon vorstellbar
Angesichts der meisten tödlichen Unfälle
Im Haushalt dagegen begnügten sich
Richter in England mit der Lektüre
Der Bibel oder Zitaten aus ihr
Was in der Zeit von Elisabeth I. wie
Ihrem entfernten Neffen Jakob I. den
Sohn Maria Stuarts ganz nebenbei
Über ⅓ der Kriminalfälle war bei denen
Täter vor der Todesstrafe geschützt
Wie geistlich sie real auch immer waren
Galt die Litera-Prüfung als sicherer Beweis
Auf den Gerichte sehr viel Wert legten
Die Ermittlung der Wahrheit vor Gericht
War damals noch sehr widersprüchlich
Galt einigen das Ehrenwort genug um
Von Strafe abzusehen forderten andere
Noch die peinliche Befragung also die
Folter auf der Suche nach Wahrheit
Mit perversen Prüfungen wie der im
Feuer oder Wasser was nur überlebte
Wen Gott liebte also kein Hexer war
Wer derart magische Kräfte hatte
Daran gemessen ist die Lesekunst
Als Maßstab der Strafzumessung
Geradezu milde denk ich dabei
Frage mich jedoch ob das Privileg
Kulturfremden nicht wie Magie schien
Bloßen Zeichen Melodie und Inhalt
Zu entlocken als Form der Hexerei
Die jedoch in allen kultivierten Völkern
Ihre Form und Verbreitung noch fand
Seit vielen tausend Jahren soweit 
Bekannt auch wenn wir wenig wissen
Von dem was wirklich war lernen wir
Immer mehr Parallelen zu verstehen
Die kulturelle Entwicklung stets zeigte
Auf der Suche nach einer Erhöhung
Die Gewachsenes noch überschritt
Insofern ist die Kunst zu lesen ein
Doppelter Retter der Kultur wie des
Einzelnen zugleich als Wesen das
Diese befruchtet wie beflügelt um
Daran zu wachsen warum wir noch
Viel mehr lesen wollen sollten um
Retter wie Geretteter zugleich zu sein
Kultur macht und ist menschlicher
Sie spiegelt sich in ihren Bibliotheken
Wer im Geiste durch sie reitet wird
Ein lesender Kulturträger damit was
Der Gesellschaft mehr sein sollte als
Bloße Dekoration ihrer Geschichte
Es ist die Brücke in die Zukunft mit
Der wir lernen diese zu gestalten
Wie Freiheit verantwortlich zu nutzen
Wenn auch in manchen Büchern viel
Unsinn stehen mag vom Aberglauben
Alter Zeiten bis zu Hass und Hetze die
Gegenwärtig nicht ausgerottet sind
Einige sogar jede Vernunft uns rauben
Beschäftigen doch alle Bücher lesend
Was jedem Sport vorzuziehen ist weil
Nicht kriegerisch sondern friedlich
Zwar lehren uns die Ärzte gerne im
Gesunden Körper stecke ein solcher
Geist auch doch besteht da keinerlei
Kausalität und die Gefahr des anderen
Ist weit größer als sein Nutzen je ist da
Für den Krieg trainierte Menschen ihn
Auch leichter führen als geübte Leser
In welch wahnsinnigen Gedanken sie
Sich dabei auch gelegentlich verlieren
Üben sie sich lieber in der Theorie als
In der Praxis des Totschlags schon aus
Furcht um ihre Bibliotheken im Krieg
Warum nur aufgeklärte Leser noch
Staaten in Zukunft regieren sollten
Was zumindest auch dem letzten
Offenbart warum Trump so ungeeignet
War auch wenn typisch amerikanisch
Auf mehreren Kanälen fernsehend nie
Fähig geistig etwas zu gestalten allein
Seine Umgebung mit Müll besudelnd
Gekonnt bloß polarisierte bis jetzt
Real nur Dreck der Welt hinterließ
Die durch solche Zeit zur Rettung verlor
Weil der Tweet wesensmäßig aliterarisch
Ein hingworfenes Wort in flüchtiger Zeit ist
So geistvoll diese gelegentlich sein mögen
Sind sie doch eigentlich nur Restmüll noch
Während die Leser von Büchern sich als
Geistig Reisende wirklich frei aufmachen
Sind sie Lebensretter bis in die Gegenwart
Rettet Lesen wirklich Leben

jens tuengerthal 24.6.21

Impflingssein

Impflingssein

Nun bin ich ein Impfling
Mit dem guten Biontech
Es war getan fast eh bemerkt
Liebevoll aufgeklärt von
Früher Tinder Bekannter
Längst Leserin auch
Warte ich das nichts passiert
Freiheit ohne Risiko möglich
Wird habe keine Furcht einen
Chip implantiert zu bekommen
Finde Impfungen ganz großartig
Als Schutz der Gemeinschaft
Verstehe die Angst davor nicht
Freue mich vielmehr dankbar
Wie die Jungfrau zum Kinde
An diesen Impftermin gekommen
Zu sein ohne große Mühe
Wie nun ein Impfling zu sein
Weil Verantwortung Freiheit bringt

jens tuengerthal 24.6.21


Aufregungsglück

Aufregungsglück

Bin nicht sehr leidenschaftlich
Beim Fußball dabei sogar als
Werder nun abstieg dachte ich
Auch gut gibt es wieder Duelle
Mit dem HSV wie viel weniger
Aufregung am Ende der Liga
Aber dieser Fußballkrimi gegen
Ungarn war einfach zu viel als
Nach zu langem Rückstand
Gegen den mäßigen Gegner
Der oft überlegen doch war
Soviel zur Favoritenrolle
Endlich der Ausgleich fiel
In der Arena ohne Regenbogen
Nach vorherigem Unwetter
Schien die Sonne aufgegangen
Obwohl es schon dunkel wurde
Zumindest fünfzehn Sekunden
Dann wendete sich das Blatt
Die Ära Löw schien vorbei
Nach dem neuen Treffer
Ausgerechnet der Ungarn
Innerlich wurde längst mit
Dem Bundesjogi abgerechnet
Dann kurz vor Ende als sich
Auch Müller einwechseln ließ
Das letzte Aufgebot aus dem
Weltmeisterteam versuchte es
Goretzka machte es und gut
Ob sich die dabei gespürte
Aufregung in Glück verwandelt
Bin ich nicht ganz sicher
Wembley steht bevor
Der Klassiker mal wieder
Aber zumindest berechenbar
Was Millionen Bundestrainer
Eben so sagen wenn längst
Jenseits aller Worte schon
Gäbe noch viele Floskeln
Die mal wieder gut passten
Zumindest sorgt Löw der die
Republik der Trainer lange
Spaltete für viel Spannung
Ob Wembley sein Endspiel wird
Wer wollte das nach gestern
Noch mit Sicherheit sagen
Lausche dem Regen draußen
Lache über all die Aufregung
Ist ja nur Fußball denke ich
Bis es wieder losgeht aber
Nun wurde es zumindest
Mal etwas Lyrik schon

jens tuengerthal 24.6.21

Mittwoch, 23. Juni 2021

Passgenau

Passgenau

Passen Frauen und Männer
Wirklich zusammen oder nur
Ineinander glücklich zu sein
Was ist wirklich was Illusion
Sind die Triebe je frei oder
Stete Sklaverei der Hormone
Wie wichtig ist sich inniglich
Nah zu sein und gilt dabei
Nur ein Goldstandard der
Die Geschlechtsorgane
Ineinander sich schiebt
Könnte nicht viel mehr 
Verschlungen sein als
Der kleine Teil der Mitte
Wird es gern überschätzt
Oder passt was passt 
Ganz egal wo dann immer
Irgendwie besser als viele
Schlechte Kompromisse je
Egal wie passt was passt
Überall und alles übrige
Findet sich mit Ruhe eher
Als großer Hektik die nie
Ein Ratgeber beim Puzzle
War ist wird erlaubt ist
Was gefällt

jens tuengerthal 23.6.21

Liebeslust

Liebeslust

Was macht Lust auf Liebe
Wann bereitet diese Lust
Hängt es zusammen 
Kann eins ohne das
Andere jemals sein
Was verliebt unmöglich
Scheint führt Liebeskummer
Uns vollkommen tödlich vor
Am Herz hängt wohl beides
Mit ist mehr als ohne aber
Sicher macht Liebe Lust
Auf wie miteinander ob
Diese Befriedigung findet
Ist für die Liebe egal womit
Sich die Überlegenheit der
Liebe zeigt die ohne Lust
Ganz da sein kann aber mit
Wunderbar auch ist was zeigt
Wer Liebe hat kann alles
Lust allein ist halt nett

jens tuengerthal 23.6.21

GIückshaltung

GIückshaltung

Ist Glück eine Frage der Haltung
Oder ein bloßer Zufall der eben
Gewohnt ungerecht verteilt wird
Warum empfinden dann manche
Als größtes Glück was anderen
Nicht mal ein Lächeln wert wäre
Sind welche in der Depression
Gefesselt ohne eine Perspektive
Während einige den gleichen
Zustand paradiesisch finden
Weil sie auf das Schöne schauen
Statt sich dem Leid hinzugeben
Kenne beide Seiten gut aber
Habe bewusst entschieden
Lieber ins Licht zu schauen
Statt im Dunkeln zu stolpern
Wie ich es liebesblind tat
Fühle mich besser dabei
Denke darum für mich die
Haltung entscheidet zuerst nie
Umstände die nicht danach sind
Bloße Ausrede zum Unglück sind
Weil Haltung alles besiegen kann
Überlasse ich dem Zufall hierbei
Keine Herrschaft über das Glück
Weil ich dann unfrei wäre ein
Glückliches Leben zu führen
Was nie an anderen hängt
Sondern stets an meiner Haltung
Egal wie die Umstände sind
Gut ist was mein Glück mehrt
Das Gegenteil meide ich heute
Muss kein Retter mehr sein
Teile lieber mein Glück voller
Hingabe mit Genießern die es
Sein wollen statt Probleme
Auf vielen Irrwegen zu suchen
Die keiner zum Glück braucht
Dafür habe ich mich entschieden
Weil es mein freies Leben ist
Über das ich je nach Haltung
Entscheiden kann oder ewig
Opfer fremder Willkür bleibe
Ein gutes Leben in Freiheit
Ist also eine Frage der Haltung
Weil ich so frei sein will

jens tuengerthal 23.6.21

Gartenmitte

Gartenmitte

Wer Berlin ostwestlich durchquert
Läuft am schönsten durch den
Tiergarten mit seinen um die Säule
Inmitten gelegenen fünf Teilen
So auch ich wieder am Morgen
Von der Liebsten in Schöneberg
Über Victoria Luise wie Nollendorf
Plätze und Lützow Park am Ufer
Kommend auf nordwestlichem Weg
Das große südöstliche Viertel dabei
Durchquerend auf neuen Wegen die
Das satte Grün beregnende Sprenger
Forderten dabei Einblicke gaben die den
Schönen Garten in heute Berlins Mitte
In seiner reichen Vielfalt offenbarten
Wiesen die wie Lichtungen wirken
Neben Lichtblicken am Wasser die
Von dekorativen Figuren kaum gestört
Immer wieder neue Perspektiven auf
Den Tiergarten mir offenbaren die diese
Grüne Mitte so liebenswert machen
Es ist ein Park also angelegt und geplant
Zufällig ist die idyllische Natur hier nicht
Aber so gekonnt inszeniert dass es dem
Städter immer wieder vorkommt als ob
Er im Wald stünde der sich zufällig nur
Zur gut gemähten Wiese öffnet was die
Immer wieder wuchernden Brennesseln
Zu bestätigen scheinen ohne davon gleich
Auf den Charakter der Berliner schließen
Zu wollen die diesem Gewächs im alten
Jagdrevier so viel Freiraum geben auch
Wenn es vermutlich viel eher nur ein
Hinweis auf falsche Sparsamkeit ist was
Den geizigen Märker allein zeigt dabei
Trifft der Flaneur durch das was seit 1920
Die Mitte Berlins eigentlich ist auch wenn
Tiergarten immer noch genannt auf die
Verschiedensten Formen von Eingeborenen
Nicht untypisch für die Stadt viele mit Hund
Den manche radelnd andere laufend mit
Oder ohne Leine querbeet oder den Wegen
Folgend von sportlich bis schick gekleidet
Als Teil ihrer Identität oder gute Kameraden
Wie Freunde oder Familie spazieren führen
Bei Begegnungen mit anderen Haltern dabei
Munter plaudernd über die jeweils Zustände
Der geliebten Vierbeiner in die dann dezent
Die Klagen über die Welt eingefügt werden
Wie sie auch Berliner zu gerne äußern weil
Meckern hierzulande mehr Tradition als Lob
Hat was letzteres hier nur für sich selbst 
Besonders hoch ausgebildet wurde wie es
Fontane als Zugereister Hugenotte so gut
Wie feinsinnig zu beschreiben weiß warum
Zur Kenntnis des Charakters der Berliner
Bis heute unverändert an ihn verwiesen sei
Was die Erzählungen aus egal welchem 
Umfeld immer wieder bestätigen über die
Wir Zugereisten milde lächelnd dabei alle
Stets bemüht selbst Berliner zu werden
Also unfreundlich wie schlecht gelaunt
Ihre großmäulige Ahnungslosigkeit als
Lokalkolorit gerne tarnend aber dort im
Tiergarten wo wir Berliner gern flanieren
Sind die Flächen weit genug Gesprächen
Außer in Notfällen auch aus dem Weg
Gehen zu können ohne dabei gleich der
Einsamkeit der Wälder zu verfallen sich
Doch als gerne Großstädter für den Moment
Der Durchquerung als guter Deutscher
Wieder im Wald stehend zu fühlen der
Am Vormittag reichlich gegossen wird
Der Garten inmitten spiegelt Berlin in
Seiner Vielfalt an verschiedenen Ecken
Wunderbar wieder so auch die gehetzten
Kostüm oder Anzugträger auf ihren Rädern
Ins Amt oder Büro rollend dabei sogar
Gelegentlich die Sprenger ignorierend
Mit erwartbar feuchtem Ergebnis was
Dem morgendlichen Gang durch den
Tiergarten auch eine komische Note gibt
Weniger als eine erotische leider aber
Das war nie hohe deutsche Kunst
Lernten wir besser vom Nachbarn
Besonders Ungewöhnliches wird dann
Mit ditt is halt Berlin kommentiert um so
Alles zu relativieren aber vermutlich ist
Die bloße Beschreibung des Flaneurs
Schon wieder eine solche Relativierung
Die alles belächelnd auch relativiert aber
Vielleicht machen die Begegnungen am
Morgen im Tiergarten Berlin doch mehr
Aus als die vielen Sehenswürdigkeiten
Denk ich der typisch berlinerisch dabei
Sein Erlebnis für den Maßstab der Welt
Hält die keiner versteht wie die Berliner
Kann vermutlich nur froh sein nie einer
Gewesen zu sein als nur Zugereister wie
Die meisten halt hier irgendwie hoffentlich
Merkt es nur keiner sofort bis dahin sind
Wir so unfreundlich wie von uns erwartet
Ob am Ende wir oder ihr ist hier egal und
Schön ist der Tiergarten als Mitte immer

jens tuengerthal 23.6.21

Victorialuisig

Victorialuisig

Sitze am Victoria Luise Platz
Mitten in Schöneberg im einst
Goldenen Westen Berlins wo
Einst Billy Wilder auch lebte
Benannt nach der Tochter von
Wilhelm II. Prinzessin Victoria Luise
Der späteren verheirateten Herzogin
Von Braunschweig und Hannover
Was zum Ausgangspunkt der heute
Wanderung gut passt wie ich lächelnd
Mit liebevollen Gedanken bemerke
Als er am 9. Juni 1900 mit einem
Großen Fest eingeweiht wurde
Die Namenspatin war da sieben
War Schöneberg noch nicht Teil
Berlins das wurde es erst 1920
Sondern gehörte zum Kreis Teltow
Auch war der heute teils noch von
Zauberhaften Altbauten umstandene
Platz noch nicht umbaut was heute
Eine zauberhafte Vorstellung ist hier
Mitten im dichtbesiedelten Westen
Der da vorher westberlinisch noch
Seine alte Sozialstruktur behielt
Wobei es heute durchmischter ist
Als ursprünglich gutbürgerlich geplant
So sitzt auf der Bank nebenan ein
Paar in den späten 50ern rauchend
Beim inzwischen dritten Bier was
Für halb zehn schon wacker ist
Nebenan toben Kinder staubaufwirbelnd
Im Rondell mit Säulen zur Regensburger
Sie kommen sichtbar aus allen Kulturen
Die das bunte Bild von Berlin prägen
Bringen ihre Eisbecher ordentlich zum Müll
Ihre Lehrerin im Sommerkleid mit
Hochgestecktem Haar zur langen
Grauen Strickjacke wäre apart in ihrer
Schlanken Gestalt trüge sie nicht
Silbrige offene Gesundheitssandalen
So vergessen wir sie schnell wieder
Junge Damen ihre Reize kaum dezent
Betonend laufen plaudernd vorbei
Zeigen schöne Figuren unter eher
Der Dekoration dienenden entsprechend
Hohl wirkenden Köpfen sind sie doch
Ästhetisch weniger Belästigung als
Manche die sich in sportlicher Absicht
In Leggins über den Platz quälen ihre
Nicht vorhandenen Reize schaukelnd
Von den Herren in grellen Farben am
Anderen Ende in sportlicher glänzender
Kleidung vom Discounter sei lieber
Nichts erwähnt den zauberhaften Platz
Im schönen Viertel der Liebsten nicht
In ein völlig falsches Licht zu tauchen
Auch die namensgleiche U-Bahn Station
Am anderen Ende des Platzes gilt als
Eine der schönsten der Stadt wie die
Stimmung sehr gelassen ist und das
Ursprünglich angedachte gutbürgerliche
Publikum sitzt ja um diese Zeit im Büro
Während die sonst friedlichen Nachbarn
Beim vierten Bier inzwischen ankamen
Der Dichter friedlich dazu dichtet
Prüft ein Gärtner die Grünanlagen
Hier in der westlichen Kleinstadt
Zwischen gediegen und gewöhnlich
Sitze ich auf einer Bank und hänge
Zärtlich schönen Erinnerungen nach
Im einst goldenen Westen Berlins

jens tuengerthal 23.6.21


Dienstag, 22. Juni 2021

Liebesglückswille

Liebesglückswille

Ist Liebe einfach ein Glück
Oder weniger Zufall als Wille
Zu leben was sich gut tut um
Genießen zu können was nach
Seiner Natur zusammenpasst
Wie ineinander irgendwie 
Bestimmt dann unsere Natur
Wen wir warum wollen oder
Ist dies eher willkürlich also
Von einer Entscheidung 
Abhängig deren Grundlagen
Aber Natur wie Prägung folgen
Vermutlich wie so oft von allem
Ein wenig aber nichts allein
Gefühl nennen wir gerne
Die Basis der Liebe dabei
Behaupten wir etwas über
Ein Ding dessen Wurzeln
Wir nur sehr teilweise kennen
Ob wir verliebt noch vernünftig
Entscheiden scheint fraglich
Aber ohne den Willen dazu
Würden wir fremdbestimmt lieben 
Womit Liebe keine Entscheidung
Füreinander wäre und damit
Moralisch ethisch völlig wertlos
Will mich für meine Liebste
Ganz bewusst entscheiden
Sie auch ganz wollen wie mich
Ihr ganz schenken wollen weil
Sich das dann richtig anfühlt
Ob diese Entscheidung füreinander
Vernünftig ist bestimmen noch
Viele auch soziale Faktoren 
Die wir selten überblicken wenn
Das Gefühl dem Körper folgend
Eine Entscheidung treffen will
So Gefühl vernünftig betrachtet
Also schon paradox auch ist
Bevor ich mich zwischen Natur
Wille und Gefühl nun verirre
Mache ich es lieber wie alle
Folge dem Gefühl dabei weil ich
Glücklich sein will was Grund
Genug ist wenn es passt
Wo nicht ist es nicht weiter
Der Rede wert und bin froh
Was Erfahrung mich lehrte
Als Basis einer Beziehung
Wenn beide sich wollen
Auch vernünftig zu betrachten
Weil im richtigen Moment
Die Natur macht was sie will
Und wir ihr willentlich blind folgen
Lobe das Glück weil ich mehr
Kaum davon verstehen kann
Und das alles geht irgendwie
Auch gerne durcheinander

jens tuengerthal 22.6.21

Begeisterungsglück

Begeisterungsglück

Willst du glücklich sein und bleiben
Lebe deine Träume und tu genau
Das was du willst und kannst wie
Wenige die irgendwas machen tun
Was ihr Glück ist warum so viele
Mehr klagen als genießen was
Leben beschwerlich nur macht
Dr. Samuel Pozzi einst Gynäkologe
Wie innovativer Chirurg im Paris
Des Fin des Siècle war einer
Den tout Paris kannte und liebte
So zerstritten sie untereinander
Oft in der Kultur tätig waren
Blieb er als begeisterter Arzt
Der viele Leben rettete positiv
Und wurde so wahrgenommen
Außer von seiner Frau die wohl
Sehr katholisch auch im Bett blieb
Warum Pozzi sie nach verschiedenen
Versuchen ihrem Glauben überließ
Dafür mit dem schwärmenden Rest
Wie etwa Sarah Bernhardt die eine
Seiner Patientinnen wie Geliebten
Über lange Zeit auch war all die
Schönen Freuden der Lust lebte aber
Auch männliche Freunde egal ob
Schwul oder Heten schreiben meist
Positiv über ihn etwa der sonst
Gern bissige Edmond Goncourt
In seinem Tagebuch wie heute
Julian Barnes der in seinem Buch
Der Mann im roten Rock schwärmt
Mit einer Liebe zum Thema welcher
Die Begeisterung anzulesen ist
Nur Frau und Tochter sahen auch
Die kritische Seite des Mannes den
So viele für seine Berufung liebten
Meckern und nörgeln über ihn
Die Söhne versagten oder wurden
Wahnsinnig anstatt und wie gut
Kann ich mir ihr Leiden vorstellen
Wie nah oder fern liegend das nun ist
Hatte einen Vater der Arzt aus
Überzeugung und Begeisterung
Immer war solange dabei tätig
Sich nie beschwerte sondern
Lieber engagiert begeisterte
Für alles von Klinik bis Wiese
Dachte lange er wäre wohl
Ein singuläres Unikat doch
Aus einer anderen Zeit noch
Im Weltkrieg gezeugt wie auf
Der Flucht aufgewachsen
So etwas gäbe es nicht mehr
Dann treffe ich völlig unerwartet
Eine die auch so ist wie die beiden
Aus Berufung mit Begeisterung wie
Viel Liebe in eben diesem Beruf
Betrachte die Liebste begeistert
Nicht nur weil sie so toll ist was
Sicher Grund genug wäre das
Leben mit ihr zu lieben sondern
Weil sie diese positive Begeisterung
Trägt die Menschen glücklich macht
Fühlte sich gleich so an schon
Bei der ersten Umarmung
Am Gleis der U-Bahn noch
Wurde immer mehr zur Gewissheit
Verleiht Flügel und bestätigt was
Oben geschrieben wurde denn
Glücklich macht wer seine Träume lebt
Dies teilen zu dürfen ist wunderbar
Was mehr könnte im Leben sein

jens tuengerthal 22.6.21

Regenbogenneutral

Regenbogenneutral

Die Allianz Arena zu München darf nicht
In Regenbogenfarben erstrahlen solange
Die UEFA dort als Gast spielen lässt was
Empörend reaktionär klingt aber schlicht
Logische Konsequenz der Satzung ist
Die jede politische Parteinahme verbietet
Warum der geplante Protest gegen den
Ungarn Orban unzulässig sein muss
Außer sie haben Mut genug sich selbst
Den Regenbogen als Motto zu setzen
Was ein starkes Bekenntnis wäre für
Mehr Normalität im Fußball endlich
Um natürliche Sexualität frei zu lassen
Statt verlogene Moral die diskriminiert
Noch länger zuzulassen so nötig ist
Wie zeitgemäß endlich doch gegen
Alle Regeln zur Neutralität verstieße
Konservative Gemüter wohl provozierte
Manche werden befürchten ein solches
Bekenntnis würde den Rechten noch
Wähler zutreiben doch ist diese Gefahr
Vermutlich minimal gegen den Gewinn
An neutraler Normalität warum es nie
Eine Frage sein darf die Freiheit dort
Zu verteidigen wo ihr Gefahr droht
Eine Verpflichtung das Stadion in
Budapest so zu beleuchten wäre gut
Könnte Fortschritt und Bewegung
In verkrustete Strukturen bringen
Ob der ehemalige Ostblock mit
Russland schon so weit ist
Scheint dagegen eher fraglich
Dort wäre politische Provokation
Was im Westen längst normal ist
Fraglich was der Maßstab ist der
Einen Kompromiss leiten kann
Ob Freiheit und Fortschritt die Welt
In eine bessere Zukunft führen
Oder Tradition noch weiter fesselt
Ist eine Frage der Aufklärung
Was hier vor 50 Jahren normal
Ist im ehemaligen Ostblock noch
Immer aktuell weil die Befreiung
Vom totalitären System keine Freiheit
In den Köpfen der Menschen brachte
Was eben Jahrzehnte noch dauert
Es unterscheidet sich in Nuancen
Ist aber überall dort sichtbar von
Polen über Ungarn bis Russland
Warum auch in Neufünfland dem
Etwas zurückgebliebenen Osten
Deutschlands Populisten noch am
Erfolgreichsten sind wenn auch
Weniger als bei östlichen Nachbarn
Doch brauchen die Reaktionäre kein
Verständnis um das Rad der Geschichte
Wieder zurückzudrehen sondern könnten
Nun in der Gegenwart abgeholt werden
Im Warteraum der Kulturgeschichte wo die
Orbans Erdogans Putins und Trumps
Das Vorgestern hochleben lassen
Als sei es eine Vision der Zukunft
Diesem Theater ein Ende zu machen
Ist nicht die Aufgabe des Fußballs
Wie der Regelwächter des Verbandes
Aber gäbe es dort Mut und Perspektive
Eine Normalität der Natur zu leben wird
Sich auch der zurückgebliebene Osten
Daran schneller anpassen um noch
Irgendwo dabei sein zu können nur
Als verspottetes Überbleibsel was wohl
Einige Jahre dauern wird aber wenn
Diese pandemisch unmögliche EM
Ein sinnvolles Ziel haben könnte
Sollte sie normale Freiheit zum Inhalt
Sich machen etwas zu bewirken was
Ohnehin kommt nur mancherorts
Eben erst hundert Jahre später
Neutral sein wollen ist nicht schlecht
Innovativ oder zeitgemäß aber besser
Wo Neutralität zur Verteidigung einer
Reaktionären Ansicht nur dient wird
Was als Enthaltung erschien zur
Parteinahme für Intoleranz die
In Europa keinen Raum hat
Es beginnt langsam aber geht
Ruhig seinen Weg zur Freiheit
Fußball hatte eine Chance dort
Vorne mit dabei zu sein als eine
Innovative Kraft der Mitte dabei
Sind Formalien nur eine schlechte
Ausrede nicht zeitgemäß zu sein
Es steht keinem gut sein geistiges
Tempo vom Langsamsten bestimmen
Zu lassen wenn es um Toleranz geht

jens tuengerthal 22.6.21