Lektürentagebuch 4.5.26
Heute in vier Büchern unterwegs im
Lektürenland gewesen dabei gleich
Mit dem Reich der Phantasie auch
Begonnen bei Erwin Seitz der sehr
Ausführlich über die Auswirkungen
Des Christentums auf die endlich
Verfeinerung der Deutschen schreibt
Was historisch spannend auch ist
Die von dem abtrünnigen jüdischen
Rabbi und Zimmermann einst noch
Gegründete Sekte war weniger für
Für feine Geister als für Hirten
Handwerker und ländliches Volk und
Wandte sich sogar nach Berichten
Der Evangelien gegen die städtische
Kultur des Handels im Tempel
Warf deren Tische um und war auch
Sonst geschäftsschädigend eher tätig
Predigte eher eine Rückkehr zum
Ganz einfachen Leben noch
So gesehen war der Typ einerseits
Ein Revolutionär der sich gegen
Die bestehende Ordnung aber aus
Albern jenseitigen Motiven wandte
Auch die ersten Anhänger der Sekte
Die teils verlacht und auch verfolgt
Noch wurden trugen eher nichts zur
Verfeinerung der Sitten selbst bei
Eine Konkurrenz zur herrschenden
Humanistischen Kultur in Rom wurde
Die Sekte erst durch den Einfluss des
Später konvertierten Humanisten
Augustinus der aus Karthago also
Dem nördlichen Afrika ursprünglich
Stammte geistig Vater der Kirche
In Rom dann wurde die allerdings
Vorher schon unter Konstantin zur
Römischen Staatsreligion wurde
Womit Seitz nur wieder ungenau
Die offizielle katholische Lesart zeigt
Gerät hier etwas ins ungenaue
Was für einen aus dem katholischen
Bayern stammenden nicht völlig
Untypisch ist nach aller Erfahrung
Auch die fehlende Abgrenzung zum
Geistigen Bruch den diese Sekte
Gegenüber dem Humanisten darstellt
Erwähnt Seitz dabei nicht wirklich
Eine Freude zu lesen ist er dennoch
Weil er guten Anlass für mich zur
Klarstellung noch gibt über die reale
Rolle des Christentums in unserer
Kultur die sich nur ohne und gegen
Diese überbewertete jüdische Sekte
Für ländliche Bevölkerung vor rund
2000 Jahren entwickeln konnte
Sicher sind die wichtigste Kunstwerke
Der Kultur bis zur Aufklärung noch
Von diesem Aberglauben geprägt
Aber nicht die Kultur Europas
Das sogenannte Abendland blieb
Nur Kulturraum gegen und trotz
Der Lehren der dogmatischen Sekte
Die vom Jenseits im Ackerland träumt
Darauf wird teilweise ganz vorsichtig
Auch von Seitz hingewiesen wie das
Römische Reich kultivierter Raum war
Den das Christentum das auch wie
Der noch primitivere Islam mit dem
Schwert eingeführt wurde weil die
Herrscher es als eine Legitimation
Ihrer Macht benutzten erst verdrängte
Die römische Kultur die sich auf die
Noch ältere griechische berief ging
Mit dem Christentum erstmal unter
Und brauchte 1000 Jahre bis zur
Wiedergeburt in der Renaissance
Die nicht umsonst diesen Namen
Als geistiges Licht gegenüber dem
Eher finsteren Mittelalter auch trug
Von all dem schreibt Seitz nichts
Deutet es nur sehr dezent an nach
Dem vorher Lob antiker Kultur in
Trier etwa die danach versank
Hier wäre für einen echten Chronisten
Der Verfeinerung mehr möglich als
Augustinus heilig zu sprechen dessen
Scham für seine Sünden sicher das
Peinlichste geistige Erbe eines vorher
Humanisten ist aber eben typisch den
Christlichen Geist der Hoffnung auf
Ein Jenseits noch albern vorträgt
Die Versuche das menschliche
Bedürfnis nach einer göttlichen
Erlösung als Entwicklung zu deuten
Sind einfach nur lächerlich heute
Dies benennt Seitz auch ganz richtig
Weist daraufhin dass Christentum wie
Islam ein geistiger Rückschritt nach
Dem vorher schon Humanismus
Immer waren sieht also das Problem
Wie das Hindernis dass alle Religion
Bei der geistigen Verfeinerung bringt
Aber zieht leider keine Konsequenz
Das ist schade aber gibt dafür dem
Dichter und Flaneur die Gelegenheit
In der kritischen Betrachtung dann
Auf die geistigen Wurzeln des
Abendlandes und damit Europas
Wieder hinzuweisen die zuerst im
Älteren Humanismus liegen der den
Albernen Aberglauben überwand
Verdrängt wurde dieses kritische
Denken einer philosophischen Kultur
Von einer dogmatischen Sekte die
Sich mit der Macht nur verbündete
Natürlich mag jeder gerne nach
Seiner Fasson glücklich werden
Auch glauben was gefällt aber fein
War die Kultur des Humanismus
Jede Religion ist nur primitiver
Rückschritt in vorige Epochen was
Seitz so auch andeutet aber leider
Ohne Konsequenzen im Thema
Wer sich der Verfeinerung der
Deutschen widmet müsste also
Deutlich sagen trotz und gegen
Die primitive Sekte kam es dazu
Das Christentum ist Kulturbremse
Im Abendland das durch die Sekte
In seiner geistigen Entwicklung eher
Zurückfiel als je weiter kam damit
Wer das Abendland verteidigen will
Sollte für humanistischen Atheismus
Bei staatlichem Laizismus plädieren
Das maurische Spanien war toleranter
Erst eine langsam Überwindung der
Jüdischen Sekte Christentum ließ
Eine Verfeinerung der Kultur zu die
Es im Humanismus davor schon gab
Nach genug Empörung über die
Fehlende geistige Konsequenz im
Sinne eines europäischen Laizismus
Ging es weiter mit Ghost Stories
In denen sich Siri Hustvedt zumindest
Philosophisch neurologisch kritisch
Mit dem Geist ihres Mannes des just
Verstorbenen Paul Auster beschäftigt
Sie geht dabei weite Wege um die
Große Sehnsucht nach Geistern in
Unserer und anderen Kulturen
Besser verstehen zu können
Woher kommt die gefühlte Präsenz
Der Toten im Leben derer die ohne
Sie weiterleben sollen und was
Steckt wirklich hinter Geistern
Hinterfragt ihr eigenes Erleben als
Pathologisch und stellt es darum
Dem psychisch Kranker gegenüber
Scheut sich nicht vor Hokuspokus
Die japanische Kultur und ihr offener
Umgang mit den Geistern der
Verstorbenen die einen eigenen
Feiertag im August haben gefällt ihr
Statt traurigem Totensonntag der
Leicht depressiven Protestanten
Werden in Japan die Toten auch
Mitte August lieber gefeiert
Sie hinterfragt die Thesen der lang
Als gültig akzeptierten Stufen der
Trauer nach Kübler-Ross die nicht
Zu ihrem eigenen Empfinden passen
Siri gerät dabei teilweise auf schon
Spiegelglatte Abwege die oft nur
Im Aberglauben enden können die
Sie aber mit Intellekt gut umschifft
Ohne Scheu sucht sie um ihre
Eigenen Empfindungen wie etwa
Den Zigarillorauch den sie roch
Obwohl er nirgendwo wirklich war
Zu verstehen nach Lösungen die
Diese geistigen Wunder aus dem
Geist der Trauer erklären lernen
Ohne die Vernunft zu verlieren
Das ist eine immer wieder auch
Großartige Beschreibung einer
Kritisch denkenden Frau die sich
Mit seltsamen Erlebnissen beschäftigt
Die ihr im Leben schon und in der
Phase der Trauer besonders noch
Passieren ohne dabei auf die ganz
Schlichten Antworten hereinzufallen
Staune selbst immer wieder wie sie
Auch abstruse Beispiele auf dem
Weg zum vernünftigen Verständnis
So klug für sich nutzen kann noch
Auch im Geiste der Aufklärung waren
Georg Forster und sein Kapitän
James Cook unterwegs über die
Christian Graf von Krockow nett
Plaudernd auf dem Weg nach
Tahiti und die Abenteuer dort mit
Teils deftiger Sprache erzählt
Bis zur Entjungferung von Georg
Das ist nett gemacht und auch zur
Identifikation anregend geschrieben
Auch wenn relativ unrealistisch im
Sprachlich historischen Sinne
Teilweise fällt der Autor dann doch
Zu sehr ins Reich der Phantasie für
Die angeblichen Tagebucheinträge
Was dem Traum von Bildung dann
Mehr nimmt als nutzt was schade
Bleibt angesichts des so wichtigen
Themas der Aufklärung zu dem
Die hier politisch korrekte Sprache
Die Bonuspunkte der Sympathie
Für die Protagonisten zu suchen
Scheint aber oft doch eher bemüht
Damit peinlich im Ergebnis wird
Das ist nur noch nett gedacht
Aber eher zu schlicht gemacht im
Historischen Roman der dazu noch
Unkritisch in die Zeit schaut
Der große Titel der zugleich ein
Auftrag im Geist der Aufklärung ist
Mit dem großen Traum von Bildung
Hätte mehr Mut zur Wirklichkeit nötig
Aber Krockow plaudert nett genug
Wie in seinen Büchern über Preußen
Gern von mir gelesen zu werden
Nur auch kritisch gesehen dabei
Darum las ich lieber noch
Einige Seite aus der Reise um
Die Welt von Georg Forster aus
Der Anderen Bibliothek die den
Klugen kritischen Geist von Forster
Feiner zeigen als die Kolportage
Die Krockow hier inszeniert um
Politisch korrekt auch zu klingen
Der Graf erzählt ziemlich exakt
Aber leider im falschen Ton der
Zu leicht durchschaubare Absichten
Dem genervten Leser offenbart
Forster lesen lohnt mehr der
Erfundene Cook klingt selten
Glaubwürdig und konsistent
Aber nett gemacht ist es schon
jens tuengerthal 5.5.26
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