Freitag, 15. Mai 2026

Lektürentagebuch 15.5.26

Lektürentagebuch 15.5.26

Das Kapitel mit dem dritten Brief 
In dem sich noch ein weiterer von
Siri an Pauls Sohn Daniel versteckt
Aus den Ghost Stories gelesen

Hier setzt sich Siri Hustvedt 
Mit ihrem Brief auseinander und
Erläutert die tiefere Bedeutung
Einzelner Stellen daraus fein 

Auch die Geschichte der Konflikte 
Mit Daniel der noch vor Pauls
Erkrankung an Drogen starb die 
Auch sein kleines Kind töteten

Vieles liest sich dabei wie frisch dem
Lehrbuch der Psychoanalyse erst
Entsprungen was eher nervt mit
Schematischer Problemsuche

Die dann nur erwartbare Ergebnisse
Scheinbar logisch schlussfolgert ohne
Zu bedenken dass die behauptete
Natur auf Aberglaube nur beruht 

Unterbewusstsein und eine Seele
Existieren in der Natur natürlich nicht
Sie vorauszusetzen ist ein autoritärer
Glaubenssatz mit fatalen Folgen 

Das alte Problem der Psychoanalyse 
Der Sekte der postreligiösen typisch
New Yorker Intellektuellen und da ist
Siri lesen wie Woody Allen sehen

Nur ist es bei ihr kein Witz sondern
Zorniger Ernst und Verzweiflung die
Auf der Suche nach Antworten ist
Aus einer Welt die ihre Liebe verlor

Eine bekennende Feministin setzt
Sich kritisch mit sich und ihrer auch
Hingebungsvollen Liebe wie ihrer
Neigung zur Entschuldigung weiter

Auseinander könnte es scheinen
So weit so langweilig und bekannt
Doch schafft sie es immer wieder
Den Bericht literarisch zu machen

Zaubert in die erwartungsgemäße
Selbstüberschätzung der Frau die
Sich verkannt und schuldig fühlt
Und dies selbst kritisch nun sieht

Die Geschichte von den zwei
Formen der Liebe wo sich das
Mechanische und das organische
Vom Baum gegenüberstehen

Sie las ein Zitat von Paul das zum
Gedenken seines Todes erschien
In dem er über Liebe als Baum
Spricht und sie wörtlich zitiert

Die kluge Siri die alles ganz
Wissenschaftlich betrachtet
Von ihrem Mann zur Liebe zitiert
Möchte ihn dafür einfach küssen

Jenseits aller Glaubenssätze der
Psychoanalytischen Sekte ist dies
Sprudelnde echte Liebe die das
Eigene Erleben zur Literatur macht

Genau diese Aufhebung der Grenze 
Von einem historischen Erzählen zum
Literatur gewordenen Gefühl kann 
Alle Grenzen geistig aufheben 

Das macht Siri Hustvedt zu einer 
So großartigen wie großen Autorin
Die literarische Freiheit damit auch
Jenseits aller Grenzen neu definiert

Wie sie dann noch das Kompliment
An ihre Tochter Sophie zärtlich als
Die Weise einbaut ist zauberhaft
Lässt Liebe lebendig werden


Wieder nach Tahiti will Cook um
Schiff und Mannschaft zu erholen
Fährt darum nördlichen Kurs statt
Um Kap Hoorn gen Südafrika

Davon erzählt Christian Graf von 
Krockow in seinem großen Traum
Von Bildung schön plaudernd was
Nicht immer historisch stimmig ist

Aber sich nett liest und die guten
Pädagogischen Absichten des Grafen
Deutlich erkennen lässt darum auch
An dieser Stelle verzeihlich ist

Vor Tahiti kommen noch die
Osterinseln und sie bestaunen
Natur wie Kultur erwartungsgemäß
Da sind sie also auch gewesen 

Noch weitere Inseln die schon
Vorher entdeckt waren werden
Eher zufällig gefunden wie neu
Vermessen noch auf dem Weg

Tahiti wird wieder ein Liebestraum
Für Sam Gibson und Georg Forster 
Teilen sich zwei Schwestern die sie
Nach bestem Wissen verwöhnen 

Natürlich gibt es einen kleinen Konflikt
Mit Georgs Vater der sich als Pastor
Über den Hurenbock Sam aufregt
Aber Georg besteht dies entschlossen

Die lustvolle Beschreibung dieser
Nächte mit den Mädchen auf der
Insel wie ein dort noch beobachtetes
Manöver der Marine geben einen 

Guten Eindruck von der Vielfalt dort
Hunderte von Kanus mit weit über
7000 Mann Besatzung zeigen die
Andere Seite des Paradieses auch

Ganze 18 lustvolle Nächte verbringen
Die beiden Wahlbrüder mit ihren so
Zauberhaften Geliebten voller Lust
Sogar mit Cooks Genehmigung

Wie authentisch der Dialog des 
Ehemaligen Straßenjungen Korporal 
Gibson mit Forster über zärtliche Lust
Als echte Liebe war ist ungewiss 

Eher klingt es als würde ein vom
Feminismus geprüfter Mann die
Erotischen Geschichten lieber den
Heutigen Zeiten zu sehr anpassen

Aber selbst wenn das doch eher
Historisch unwahrscheinlich ist
Wird so zumindest auch diesen
Frauen hier Verständnis gezeigt

Einer solchen Verneigung gegenüber
Allen Frauen aber schließe ich mich
Gerne an ohne auf Fakten zu pochen 
Besser sich verständnisvoll zu zeigen

Nach dem zeitgenössischen Geraune
Über die Zeit der Aufklärung nun die
Exakte Einteilung des Rokoko nach
Egon Friedell in dessen grandioser

Kulturgeschichte der Neuzeit der die
Entwicklung von Régence über den
Louis Quinze Stil bis zum danach
Louis Seize kulturhistorisch erläutert

So fragt Friedell ob der Zopf am Ende
Der Epoche als Mode nicht schon
Dessen Altersschwäche erkennen ließ
Ob er überhaupt noch dazu gehört

Herrlich beschreibt Friedell hier die
Erleichterung beim endlich Tod von
Louis les Grand nachdem sich ganz
Paris wieder dem Genuss hingab

So gelangte zunächst als Regent 
Für den noch minderjährigen Urenkel
Den späteren Louis Quinze Herzog
Philipp von Orleans an die Macht

Dieser Sohn der so berühmten 
Lieselotte von der Pfalz die durch ihre
Deftigen Briefe der Nachwelt noch
Bis heute in Erinnerung blieb über

Die Pariser später meinten auf ihrem
Grab stünde hier ruht die Mutter aller 
Laster war eher kein Kostverächter 
Galt eher als echter Wüstling war

Begabt bestechend liebenswürdig
Bei hoher Skepsis und Frivolität
Sah im eigenen Vergnügen die
Richtschnur allen Handelns

Er betrieb mit dem Laster einen 
Eigenen bizarren Kult was echter
Rokoko Stil auch ist wie auch
Zugleich typisch französisch war

Er bezeichnete die Genossen seiner 
Orgien als Galgenvögel und von allen
Lastern Geräderte und das große
Raffinement ihrer Ausschweifungen 

War bewundertes Stadtgespräch in
Paris und zu den fétes d’Adam die in
Saint Cloud veranstaltet wurden auch
Nackt Zutritt zu erhalten war der

Große Ehrgeiz aller Damen der Zeit
Mit seiner Tochter der so schönen
Wie temperamentvollen Herzogin von
Berry Verband ihn lustvolle Liebe 

Doch fand das niemand anstößig 
Wie Inzest in höchsten Kreisen noch
Eher üblich als die Ausnahme war
Die Grenzen waren aufgehoben

Friedell meint es entspreche dem
Greisenhaften Charakter dessen
Wie normal auch Kinderschändung
Im Rokoko noch verbreitet war

Dieses Urteil Friedells der sich
Selbst gerne noch mit zwölfjährigen
Balkanesischen Hürchen vergnügte
Was heute ein Verbrechen wäre

Zeigt wunderbar die Relativität
Aller moralischen Urteile denn 
Wer wagte solches heute noch
Zu denken zu sagen zu tun

Nette Anekdoten werden noch vom 
Betrunkenen Herzog erzählt der sein 
Reich von einer Hure einem Zuhälter
Einem Gauner und einen Besoffenen

Also ihm selbst administriert noch sah 
Verdrängte jedoch die Jesuiten vom 
Hof und tilgte zumindest einen Teil
Der wahnsinnig hohen Schulden

Als Voltaire es wagte im Drama 
Oedipe auf Blutschande anzuspielen
Beklatschte es der Herzog und
Genehmigte dem jungen Autor

Ein bedeutendes Jahresgehalt denn
Wie alle wirklich vornehmen und die
Meisten geistreichen war er gegen
Persönliche Angriffe unempfindlich 

Herrlich dieser Sprung in das Rokoko 
Voller Leidenschaft das auch schöne
Lustvolle eigene Erinnerungen an 
Das verträumte Saint Cloud weckte

jens tuengerthal 15.5.26

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