Lektürentagebuch 3.5.26
Am sonnigen Sonntag nach der
Vollendung des Romans wieder
Ganz dreifaltig Thomas Mann dem
Meister des Romans zugewandt
Beginnend mit den Buddenbrooks
Wo Tony gut gelaunt aus München
Mit der Bahn nach Lübeck zurück
Gefahren kommt und vom dort
Bahnhof von Tom abgeholt wird
Der sie mit der Kutsche durch das
Holstentor zurück in die Mengestraße
Zum Rest der Buddenbrooks fährt
Sie kommt wie ein Sonnenschein an
Schwärmt allen von München vor
Erzählt von den kleinen Abenteuern
Wie nebenbei von Herrn Permaneder
Da ist natürlich noch nichts aber sie
Läuft nun bei jedem Klingeln zur Tür
Worauf ihre Vertraute das nun alte
Mädchen aus Ostpreußen sie beruhigt
Weniger erfreulich entwickelt sich der
Kontakt zwischen Christian und Tom
Bei dem die Konsulin noch beruhigt
Aber die Spannung nicht ändern kann
Der korrekte fleißige Tom regt sich
Über den nachlässigen Bruder auf
Der als peinlicher Suitier bekannt ist
Was dem Ansehen des Hauses aus
Sicht des Bruders schadet sich über
Die ständige Wehleidigkeit seines
In seinen Augen faulen Bruders noch
Weiter unter Spannung aufregt
Dies geht sogar soweit dass er ein
Historisches Buch was er mochte
Nachdem Christian es las und davon
Schwärmte öffentlich nur noch abtat
Das Beispiel des Buches was in den
Leser geht und mit dem Tom seine
Überzeugung verleugnet zeigt wie
Tief und intensiv der Konflikt wurde
Im Zauberberg ein wenig im Gespräch
Von Hans Castorp und Settembrini
Über Mynheer Peeperkorn gelesen
Aufgehängt am Aphorismus den Hans
Zur Dummheit geprägt hat den der
Humanist lobt aber zugleich warnt
Vor der Gefahr der Paradoxie die nur
In den Abgrund der Ironie uns führt
Darauf holt Hans weit aus und weist
Settembrini in einem langen Monolog
Den er sich früher nie getraut hätte
Auf die Bedeutung der Persönlichkeit
Die er wiederum mystisch nennt hin
Zumindest in ihrem unklaren Ursprung
Was er vernünftig vorsichtig erläutert
Es philosophisch durchdacht klingen
Zu lassen worauf Settembrini auch
Konzentriert zuhört und danach erst
Nach einer langen Pause zu reden
Beginnt Hans noch zu verunsichern
Doch vielleicht auch beeindruckt von
Hans Gedanken zur Persönlichkeit
Die gut begründet sind auch wenn
Settembrini das Kritische klar sieht
So warnt er vor der Flucht ins nur
Mystische Reich der Phantasie um
Die Anziehung einer Persönlichkeit
Welche eigentlich nichts effektiv sagt
Begründen zu wollen hat aber auch
Keinen besseren Ansatz parat um
Die Anziehung der Persönlichkeit
Peeperkorn begründen zu können
Es zeigt eine neue auch kritische
Selbständigkeit des vorher bloßen
Schülers von Settembrini und Naphta
Der seine Worte zu verteidigen weiß
Hier stellt sich Thomas Mann über
Wie neben seinen Protagonisten
Lässt diesen über sich hinaus noch
Wachsen als Lehrer des Lehrers
Ein kluges Spiel mit Rollen bei dem
Der Humanist Settembrini blasser
In seinen Argumenten scheint als Hans der philosophisch argumentiert
Drei Seiten Zauberberg wieder voll
Kluger philosophischer Gedanken
Genügen lange nachzudenken wie
Sich am Rollenwechsel zu freuen
Es ist eine spannende Verschiebung
Wie der vorher naive junge Schüler
Bei der Verteidigung des neuen
Liebhabers seiner früheren Geliebten
Zum Philosophen wird der dabei den
Abgrund der Mystik zu streifen wagt
Um eine Anziehung zu begründen
Die Peeperkorn rein tatsächlich hat
Während der frühere Lehrer wie
Belesene Humanist und Freimaurer
Settembrini nur Formeln wiederholt
Statt auf die Argumente einzugehen
Hat die Dauer des Aufenthalts wie
Der Tod seines Vetters den vorher
Ganz frischen Ingenieur nun doch
Zum Philosophen reifen lassen
Zum Abschluss noch einige Seiten
Über Joseph und seine Brüder
Amüsiert wo der Zwerg Dodo immer
Dreister Joseph anschwärzen will
Als sein Herr der noch nackt unter
Handtüchern liegt ihm scheinbar
Zustimmt wagt er immer mehr in
Seinen eitlen dreisten Lügen
Auch das beschreibt Mann wieder
Mit großem Humor der sein Werk
Immer auszeichnet aber in dieser
Version der Josephslegende noch
Eine neue Steigerung findet wenn
Der kleine eklige Zwerg über seine
Eitelkeit stolpert und die ihm dabei
Gestellte Falle nicht mal bemerkt
Am Ende nimmt Potiphar sein Zepter
Der wie Mann witzig indirekt dabei
Erzählt den Damen auch als Dildo
Diente Dodo kräftig zu verprügeln
Das ist so gekonnt komisch und dabei
Sogar im sexuellen Bereich noch
Genial witzig spielend dass wer Mann
Für verklemmt hält ihn nicht kannte
Dieses in München begonnene wie
In Sanary sur Mer vollendete Werk
Zeigt den klugen Humor Manns den
Kleine Geister wie Illies nicht sehen
Mann sollte an seinem Werk allein
Gemessen werden und nicht an
Sonst Klatsch aus dem Umfeld
Der immer niveaulos doch bleibt
Aber es wundert nicht dass diese
Schwule Sicht auf Mann daher im
Tuntigen Umfeld viel Zuspruch findet
Denen dessen Humor zu hoch ist
Habe mich wieder köstlich amüsiert
Die doppelbödige Menschlichkeit
Seiner Protagonisten in allen drei
Romanen bleibt unerreicht gut
Ein vergleichbarer Humor in der
So gerne ernsten deutschen Literatur
Ist kaum zu finden außer vielleicht
Bei Grimmelshausen zuvor noch
Auch dieser ist politisch aber ohne
Mit platten Mustern zu quälen wie
Heinrich Mann oder Tucholsky nur
Borcherts Weltpuff reicht daran noch
jens tuengerthal 4.5.26
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