Freitag, 22. Mai 2026

Lektürentagebuch 22.5.26

Lektürentagebuch 22.5.26

Unter dem Titel Screwball und
Slapstick erzählt Siri Hustvedt in
Ihren Ghost Stories komische
Erinnerungen die sie mit Paul teilt

Wie sie ein Drehbuch schrieben 
Das auch noch verfilmt wurde
Aber so sehr verändert dass sie
Ihre Namen lieber zurückzogen 

Vom gemeinsamen Traum einmal 
Eine Screwball Komödie zusammen 
Zu schreiben und dem Spaß den das
Gemeinsame Schreiben schenkte 

Auch ihre eigene Slapstick Erfahrung
Im realen Leben wie die Geschichte
Als Paul Auster in Taormina in den
Pool im Dunkeln lief ist herrlich

Die Vorstellung von Sophie wenn
Paul übrig geblieben wäre würde 
Er nur von Tiefkühlkost und Whisky
Noch leben gehört zum Humor 

Als einer der sich allein von Tee 
Salzstangen und Spekulatius auch
Ernähren kann lächle ich darüber
Der Whiskey verstaubte bei mir

Über die Aufregung der Liebe wie
Kleinen Tragödien des Lebens auch
Lachen zu können macht dieses
Bei aller Dramatik erträglich

Wollte nach der tragischen Trennung
Ein Werther Drama über meine
Verlorene jugendliche Liebe noch
Schreiben und lache heute darüber

Wenn die Liebe zur Komödie wird 
Weil wir uns natürlich nie verstehen
Zumindest nicht auf Dauer ganz nah
Tut es besser darüber zu lachen

Beinah wäre ich für meine kleine
Kroatin am gebrochenen Herzen
Ganz elend gestorben und finde
Das heute eher eine Komödie

Was der wahre Blick auf die Liebe 
Wie ihre Untiefen ist weiß ich nicht
Aber darüber lachen zu können
Sie als Komödie sehen tut besser

So gefällt mir darum Siris lachender
Blick zurück in Erinnerung der auch
Komischen gemeinsamen Zeiten 
Tragisch ist der Tod ohne Mühe

Ihn auch komisch zu finden und
Über das Schicksal was es nicht gibt
Auch wenn es mal seltsam zuschlägt 
Scheint mir die höhere Lebenskunst

Beginne das 5. Buch des komisch
Tragischen Simplicissimus der die
Deutsche Literatur schon früh um
Das Element der Komik bereicherte 

Im ersten Kapitel schreibt Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen wie 
Simplicius ein Pilger wird und mit
Herzbruder auf Wallfahrt geht der

Nach Einsiedeln in der Schweiz nun
Wallfahren wollte was Simplicius 
Weniger der Frömmigkeit wegen
Als um die Eidgenossenschaft das

Einzig noch friedliche Land zu sehen
Herzbruder lehnt jedoch sowohl seine
Finanzielle Unterstützung wie seine
Begleitung zunächst noch ab weil er

Keine Belastung sein wollte worüber
Beide in freundschaftlichen Streit 
Miteinander gerieten warum wer
Das des anderen nicht annahm

In Wirklichkeit hatte Herzbruder wohl
Abscheu vor dem blutigen Geld was
Zur frommen Reise nicht passte was
Simplicius wieder dazu brachte die

Pilgerfahrt zu wollen um dabei noch
Besserung zu geloben hielte er ihn 
Davon ab und stürbe Simplicius 
Inzwischen lüde er schwere Schuld

Auf sich behauptet sogar er wollte
Genau wie er als Buße für sein bisher
Sünhaftes Leben auf Erbsen nach
Einsiedeln auch nun gehen doch bald

Fand sich ein neuer Grund zum Streit
Simplicius wollte sich einen Pass für
Den Weg zum Regiment ausstellen
Lassen was dann eine Lüge wäre

Wer wirklich bereue der dürfe nicht
Mit einer Lüge den Weg beginnen
Meinte Herzbruder und zitiert dann
Christus mit der Verleugnung Gottes

Was Simplicius wieder mit dem
Auch biblischen Argument widerlegt
Sie müssten sich auch den immer
Den Zeitläufen nach Paulus anpassen

Worauf sie endlich über Rottweil
Gen Schweiz aufbrachen die ihm
So anders vorkam als alle anderen
Deutschen Länder als wäre er dort

In Brasilien oder China und sah die
Menschen in Frieden handeln und
Wandeln und die Ställe standen voller
Vieh es wimmelte vor Hühnern Gänse

Enten die Straßen waren sicher in
Den Wirtshäusern ließen es sich die
Leute gutgehen nirgendwo war Furcht
Alle lebten dort in Frieden miteinander

Im Vergleich mit anderen deutschen 
Ländern in solchem Überfluss trotz
Rauer Bedingungen schien es wie
Im Paradies dort leben zu dürfen

Während Herzbruder Rosenkränze 
Betete und ihn dazu ermahnte sah 
Simplicius staunend überall herum
Doch in Zürich bemerkte er es

Die Nacht vorher waren sie noch
In Schaffhausen gewesen wo er
Sich die Erbsen weich kochen ließ
Aus Furcht um seine Füße damit 

Weich in den Schuhen ganz bequem
Nach Zürich wandern konnte während
Herzbruder sich grausam marterte mit
Harten Erbsen noch in den Schuhen

Als dieser es dann bemerkt und sie
Darüber reden fürchtet der fromme
Herzbruder Gott würde sie beide
Bestrafen ihre Buße nicht anerkennen

Herzbruder macht Simplicius klar
Was für ein schlechter Mensch und
Armer Sünder er doch sei worauf
Dieser Gewissensbisse bekommt

Traurig über seine Sünden sinnend
Lief er nun schweigend neben dem
Meist schweigenden Herzbruder her 
Bereute sein Leben und gelobte

Aus religiöser Überzeugung endlich
Besserung damit es aufwärts mit
Ihm ginge der ein armer Sünder 
Doch immer nur gewesen wäre

Der Vanitas Gedanke verbunden
Mit tiefer Reue an die sich gerne
Auch fromme Rituale knüpften ist
Typisch für den späten Krieg noch

Elend und Mord mit Seuchen
Verheerten das ganze Reich
Warum die Schweiz paradiesisch
Trotz widriger Bedingungen war

Noch ein wenig zum Großmeister
Der Komik in der deutschen Literatur
Thomas Mann im biblischen Kontext
Bei Joseph und seinen Brüdern 

Die Taktik der Verzögerung wie die
Argumente mit denen sich Joseph
Der Geilheit von Mut entwindet die
Drängt er möge bei ihr liegen sind

Teils dem biblischen Original noch
Entsprechend auf Gott bezogen
Aus Angst vor dessen Strafe auch
In grausam komische Form gesteckt

Die Ausreden mit denen er ihre nun
Zweifel an seiner Männlichkeit dabei
Zurückweist sind einfach zu komisch
Verspotten sich sogar selbst noch

Bedenken wir dabei dass Mut nur
Scharf auf Joseph ist und alles
Versucht ihn endlich dazu zu bringen 
Er möge mit ihr vögeln wird die

Besonders große Komik von Mann 
Gerade im sexuellen Bereich noch
Deutlicher der mit der Sprache der
Bibel komisch über Sex dabei redet

Dies macht sich doppelt lustig über
Christlich jüdische Prüderie wie die
Geilheit ägyptischer Frauen noch
Dazu mit großem Gefühl dabei

Sie preist sich an wie einen schon 
Stinkenden Käse den doch die Reife
Erst so wohlschmeckend machte
Versucht ihn dann zu provozieren

Tatsächlich bemüht er sich noch
Ihr zu erklären er könnte schon
Wenn er nur wollte nur will er
Nicht aus hohem moralischen Grund

Wie unklug es ist Frauen in dieser
Hinsicht belehren zu wollen merkt
Jeder der es einmal nur probierte
Doch Joseph spielt weiter doppelt

Sagt nicht ich will dich nicht weil 
Zu alt oder zu hässlich für mich
Sondern will sie nur nicht weil es
Gegen Gebote seines Gottes

Was wie Mann auch zeigt ein
Schwaches Argument gegen
Die starke Natur immer war 
Joseph provoziert und riskiert 

Um so mehr Mut versucht den
Sklaven Joseph zu beziehen
Dem sie alles befehlen könnte 
Desto klarer wird dessen Schuld

Thomas Mann zeigt mit tiefem
Feingefühl alle Untiefen dieser
Biblischen Geschichte auf die
Vieles über Mann und Frau lehrt 

Die umgekehrte Entwicklung der
Sexuellen Potenz klingt darin durch
Bevor sie neurologisch nachgewiesen
In der Studie zum Nervus pudendus 

Mit all dem wie auch seiner eigenen
Homoerotischen Neigung spielt der
Große Autor Thomas Mann hier mit
Einer feinen bürgerlichen Komik

Ein seitenlanges Gespräch über Sex
Der dann doch nicht stattfindet in der
Sprache der Bibel ist schon ein Witz 
Wie dieser dabei erzählt die Krönung

Was mich wieder darin bestätigt wie
Lächerlich fehl die Interpretationen
Von Illies und Lahme gehen die wohl
Mehr über sich als über Mann reden

Aber Coming-out eines stocksteifen
Bürgerlichen ist eben hipp für die
Eher schlichten Geister die Mann 
Nie lasen oder seinen Witz sahen

Empfehle darum allen die wirklich
Guten deutschen Humor sehen
Wie im Wesen verstehen wollen
Die Lektüre von Manns Werk

Dieses macht ihn zum unsterblichen
Autor der literarische Welten kreierte 
Während Illies und Lahme nur als
Kleine Köter an sein Denkmal pissen

jens tuengerthal 22.5.26

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