Montag, 25. Mai 2026

Lektürentagebuch 25.5.26

Lektürentagebuch 25.5.26

Im Tagebuch der Reise nach Italien
Von Michel de Montaigne noch etwas
Über Florenz gelesen das er noch
In Ruhe besichtigt und beschreibt

Im Palazzo Pitti beeindruckte ihn eine
Mauleselin aus Marmor die so für die
Harte Arbeit geehrt wurde bei der sie
Materialien für den Bau her schleppte 

Darauf wiesen lateinische Verse hin
Dort sah er auch jene Chimäre die
Wie ein Löwe geformt zwischen den
Schultern einen Kopf mit Hörnern hat 

Am Samstag war der Palast des
Großherzogs geöffnet so dass sich 
Die Bauern dort drängten die alles 
Ansehen durften und überall wurde

Ausgelassen getanzt und so gaben 
Sie ein Bild ihrer verlorenen Freiheit
Die sich zumindest zum Hauptfest
Der Stadt doch auch wieder zeigt

Montag war er dann bei einem Herrn
Silvio Piccolomini eingeladen der als
Meister der Fechtkunst berühmt ist 
Dabei hält er nichts von italienischen

Meistern dieser Kunst und lobte nur 
Einen seiner Schüler besonders er
War gerade dabei ein Buch drucken
Zu lassen über die Fechtkunst

Montaigne gefiel dass Piccolomini
Die Artillerie in der Kriegsführung 
Eher ablehnt jedoch lobt er das Buch
Von Machiavelli zur Kriegskunst

Weiterhin meinte er im Dienste des
Serenismus stehe gerade wohl der
Beste aller Fechtungsbaumeister für
Den Großherzog von Florenz 

Dort würde dem Wein Schnee in 
Den Gläsern zur Kühlung zugefügt
Doch er nahm nicht viel davon weil
Er sich nicht mehr ganz wohl fühlte 

Hat dabei den süßen noch nicht
Ausgegorenen Weißwein in Verdacht
Ihm Migräne zu verursachen aber
Keinen Durst löschen zu können

Zu Recht würde Florenz la bella 
Genannt doch die dortigen Huren
Oder wie Montaigne sagt jene Damen
Die sich jedem zeigen der es wünscht

Nennt er eher nichts besonderes 
Verglichen mit denen in Venedig
Oder Rom wo sie am Fenster sind
Stünden sie in Florenz vor der Tür

Weder ihre Quartiere noch ihre
Haltung Anmut oder Schönheit
Sei denen in Rom vergleichbar
Alle müssten in einem Viertel arbeiten

Am Dienstag schied er einen roten
Stein aus und besuche Mittwoch das
Landhaus des Großherzogs in dem 
Ihm ein Wasserspielfelsen auffiel

Donnerstag war wieder Pferderennen
Aber er ging lieber nach Pratolino das
Er genauestens besah um es dem
Tivoli auch vergleichen zu können 

Dabei war bald das eine dann das
Andere besser was es egal machte
Freitag aber erwarb er im Laden von
Giunti ein ganzes Bündel Komödien 

Elf wären es im ganzen gewesen
Sowie ein paar kleinere Bücher noch
Er konnte auch das Testament des 
Boccaccio ansehen wobei ihn dort

Wirklich erstaunte wie arm der große 
Dichter in Wirklichkeit war was aber
Den heute Dichter und Flaneur in
Berlin 500 Jahre später nicht wundert

Am Ende des Abschnitts zu Florenz
Erzählt er nochmal von den hiesigen
Dirnen und wie sie sich präsentieren
Wo und wann sie herumstehen

Mit feinem Humor zeigt sich der
Große Intellektuelle auch als Tourist
Bei allem ist aber zu bedenken dass
Er das Tagebuch nie publiziert hat

Ob die Nachwelt wirklich von seiner
Migräne wie seinen Nierensteinen
Lesen muss scheint der Frage wert
Nicht alles muss gedruckt werden

Doch seine Beschreibung der Orte
Wie auch das Wesen der Menschen
Zeigt den großen Autor und guten
Beobachter seiner Zeit was lohnt

Endlich in Rom ist das Kapitel im
Buch von Veronica Buckley über
Christina Königin von Schweden
Betitelt und beginnt unspektakulär 

Ohne Fackeln und nur im grauen
Kleid kam sie an und ritt direkt im
Dunkeln zum Apostolischen Palast
Wo Papst Alexander VII sie empfing 

Ob sie vor ihm kniete und seine Füße
Küsste ist nicht überliefert aber sie
Wird die drei rituellen Verbeugungen
Wohl wie alle auch gemacht haben

Danach saßen sie noch beieinander 
Problematisch war dabei das Gestühl
Einen Sessel mit Rückenlehne und
Armlehne bekamen nur Könige

Ein Hocker würde für Christina aber
Kaum reichen und so löste Bernini
Das Problem indem er einen neuen
Hocker mit breiten Armlehnen entwarf

Sie durfte als einzige Frau damals im
Ganzen Vatikan im Apostolischen 
Palast wohnen und bekam auch von
Bernini gestaltete acht Räume im

Turm der Winde von dem aus sie
Über die ganze Stadt blicken konnte
Ihr Zimmer hatte ein großes Bett mit
Silberner Wärmflasche und dazu 

Einen offenen lodernden Kamin
Es war Heiligabend 1655 also die
Eher kältere Jahreszeit die Bilder
An ihren Wänden stammten von

Berninis jüngerem Bruder am
Nächsten Tag stand noch ihre
Offizielle Ankunft nach Rom an
Wozu ihr Papst Alexander noch

Eine auch von Bernini gestaltete
Kutsche und eine Sänfte auch in
Blau mit silbernen Beschlägen 
Dazu als Willkommen schenkte

Auch noch Pferde Esel wie ein
Reitpferd für Damen auf dem sie
Dann wieder im grauen Kleid wie
Mit dunkler Perücke einritt 

Durch die Porta di Populo ging es
Nach Rom und zunächst zur Messe
In der ihr die Firmung erteilt wurde
Die Sixtinische Kapelle durfte sie

Erst später besichtigen aber wählte
Als Firmungsnamen Alexandra und
Auf Drängen des Papstes noch Maria 
Womit sie jedoch nie unterschrieb

Am nächsten Tag besuchte sie sehr
Ausgiebig die Vatikanische Bibliothek
Unter Führung des Leiters dieser
Lucas Holste der als Konvertit auch

Die Konversion von Christina noch
Begleitet hatte und zwischendurch
Traf sie sich auch noch mit Bernini der
Ihr Willkommen so würdig inszenierte 

Die wichtigste Konvertitin nur sieben
Jahre nach Ende des Krieges um den
Rechten Glauben im Reich wurde 
Von Papst Alexander VII gefeiert 

Es ist beeindruckend wie Christina 
Die Rollen wechselte und sich vom
Papst als Königin empfangen ließ
Der diplomatisch dafür zauberte

Schon in der Nacht über Alexander
Karena gelesen dessen Auto halt!
Aus der Anderen Bibliothek ich noch
Mit Freude gelesen hatte über den

Russischen Professor für Literatur
Im Exil der sich als Taxifahrer nun
Verdingen muss und von seinen 
Abenteuern in Berlin erzählt

Dabei wurde leider offenbar dass 
Kareno den Professor nur spielte
Tatsächlich nur in der nsdap noch
Erfolgreich als Antisemit auch war

Zwar hat er sich wohl auch als
Taxifahrer zeitweise betätigt in 
Berlin erzählte also aus Erfahrung
Aber seine ideologische Nähe

Zum Nationalsozialismus wie zum
Antisemitismus und sein Engagement
In dieser Zeit relativieren die erste
Begeisterung über den Russen sehr 

Auch wenn Auto halt! witzig bleibt
Einen schönen Einblick in das
Leben der russischen Exilanten gibt
Ist diese Ideologie nicht verzeihlich

Gut durch ein kritisches Nachwort 
Von der Schattenseite erfahren zu
Haben die Kareno zu unmenschlich 
Zeigt sein Werk zu empfehlen

jens tuengerthal 25.5.26

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