Donnerstag, 22. Oktober 2026

Lektürentagebuch 21.10.26

Lektürentagebuch 21.10.26

Begonnen in der Nacht oder am ganz 
Frühen Morgen zumindest war es da
Noch dunkel draußen auch wenn bis
Zum Ende schon Bäcker arbeiteten 

Weiter gelesen in Hermann und Ulrike 
Von Johann Karl Wenzel aus der
Anderen Bibliothek wo es nun um die
Werte Gattin ging die sich erstmal

Ganz gehörig empörte über den üblen
Tabakgestank der in den Räumen nun
Hing dabei wollte sie doch morgen die
Noble Gesellschaft zum Essen laden

Worauf der Mann gerne verzichtete 
Der Hermann genau eingewiesen
Hatte wie er mit seiner Gattin nun
Umgehen sollte und dass sie bitte

Frau Doktor genannt werden möchte
Auf Handkuss und tiefe Verneigung 
Steht er ihr erzählte Hermann sei
Von Adel um ihre Gunst zu gewinnen

Die Dame des Hauses ist dann auch
Entsprechend erstmal zu Hermann
Besonders zuvorkommend und auch
Höflich meckert nur wie immer mit

Ihrem Mann der viel zu wenig von 
Einem Adligen verlangte und warum
Dessen Name geheim gehalten wird
Mit dem sie sich doch brüsten könnte

Sie dringt in ihrer unendlichen Neugier
Weiter in Hermann um zu erfahren 
Von welchem Gut oder Schloss er
Nun komme und wie er wirklich hieße

Bis es diesem zu blöd wird mit den 
Immer weiter verschlungenen Lügen
Er ihr einfach die Wahrheit sagt und
Darauf für sie erstmal gestorben ist

Dann macht sie ihrem Mann ewige 
Vorhaltungen erst für seine Lügen
Dann überhaupt und so geht es im 
Ganzen Kapitel sehr ehelich fort

Das ist wirklich amüsant und treffend
Auch wenn natürlich übertrieben nie
Eine Frau auf solche Ideen käme
Heute zumindest sagen sie das 

Die neuen drohenden Konflikte sind
Dabei absehbar und der Doktor der
Auf seinen nächsten Titel bald hofft 
Zumindest seine Frau erwartet das

Versucht die Runden mit seinen 
Rauchenden Verbindungsbrüdern
Die günstiger wären als ihre Essen
Zu verteidigen und zu rechtfertigen

Das ist wirklich komisch geschrieben
Wie glücklich können Männer sein
Die lesende Frauen haben die nicht
Pausenlos etwas unternehmen wollen

Wie sie dem Aberglauben anhängen 
Wofür sie schlichte Prediger aushält 
Mit denen er es kaum aushält die aber
Herzlich ungebildet dumm wie eitel ist

Das ist urkomisch beschrieben aber
Trifft in vielem immer wieder ganz
Erstaunlich gut den Kern der Sache
Warum manche wirklich meinen

Männer und Frauen passten nicht
Zusammen und während sie ihrem 
Mann vorhält er könne nicht gut
Haushalten verschwendet sie bloß

Werde wohl diese Nacht noch weiter
Lesen weil allein diese urkomischen
Betrachtungen zur Ehe in denen mir 
Vieles so bekannt vorkommt obwohl

Nie verheiratet gewesen es wert sind 
Sich darüber königlich zu amüsieren
Der feine Geist der Aufklärung der an 
Loriot dennoch denken lässt ist dabei 

Die Krone der Geschichte wie sie mir 
In der nächsten Nacht noch lachend
In Erinnerung blieb voller Vorfreude
Auf die nächsten ironischen Kapitel


Von Dreihundert Männern las ich bei
Konstantin Richter auch wenn es um
Weniger ging taten doch einige fast
Alles für ihre Frauen und ärgerten sich

Dabei wie Alfried Krupp der seine 
Villa Hügel für seine Frau baute der
Das Haus an der Fabrik nicht gefiel
Die lieber in Bredeney wohnte

Vornehm ist es da heute noch wo
Weizsäckers einst heirateten sollte
Der Flaneur seiner ersten Verlobten
Damals angeraut werden aber

Entkam dem Bannkreis der Villa
Hügel wie der sehr guten Partie
Noch einmal nur ob das der
Klügere Weg war blieb unklar

Dessen Villa hatte 229 Räume und
Eine ganz neue ausgefeilte Technik
Der Heizung wie bis heute noch die
Atmosphärisch einer Bahnhofshalle

Krupp jedenfalls ärgerte sich ständig
Wie schön in seiner Villa und auch
Danach ließ er alles zigmal ändern
Es sollte theoretisch nüchtern sein

Tatsächlich entspricht es in vielem
Dem Stil der Zeit der wilheminisch
Geschmacklos einfach war aber ob 
Das an der Frau lag bleibt unklar

Der Schock des ersten Börsenkrach
Von 1873 prägte die Wirtschaft sehr
Nachhaltig und erst mit dem Boom 
Der 1890er ging es wieder aufwärts

Es war eine schlichte Umstellung
Der Wirtschaft die vielfältiger wie
Internationaler wurde dann blühte
Chemie Elektrotechnik Maschinenbau

Siemens ging bei der Elektrotechnik
Voran während Automobile noch in 
Einer quasi embryonalen Phase sind
Was zu niedlich für diese doch klingt

Carl Benz Gottlieb Daimler und
Nikolaus August Otto waren noch jung
Die Anfänge sind wenig dokumentiert
Konnten einander nicht ausstehen 

Es war die Zeit der großen Debatten
In der Gesellschaft nach der Krise 
Um die Judenfrage wie den großen
Kulturkampf mit den Katholiken

Das wichtigste Thema aber war die
Soziale Frage wie würde eine nun
Wachsende Gesellschaft ihre sicher
Drohenden Konflikte künftig lösen

Karl Marx der Prophet des Umsturz
Lebte 1873 in London er arbeitete im
Lesesaal des British Museum am
Nachwort der 2. Auflage des Kapital

Er freute sich wie ein Kind über die
Schlechten Nachrichten aus dem 
Deutschen Reich die Krise käme und
Würde schon die Dialektik einpauken

Die Unternehmen sahen es sehr wohl
Fanden die liberale Ordnung nun wo
Das Pendel umschlug als ungezügelt
Wild gar gemeingefährlich sogar

Besonders fürchteten sie dabei die
Revolution und gaben der Börse 
Allein die Schuld der freie Markt
Müsse nun beschnitten werden

Sie suchten die Nähe zum starken 
Staat der in die deutsche Wirtschaft 
Schützend eingriff vom Liberalismus
Hatten alle nun erstmal genug

Von den über 900 nach 1870 neu 
Gegründeten AGs überlebten nur
200 die Krise die Preise sanken
Mangels Nachfrage ganz dramatisch

Von 35.000 Beschäftigten im Berliner
Maschinenbau 1873 blieben dann
Vier Jahre später weniger als die
Hälfte übrig viele überlebten es nicht

Die Berliner Union Actien-Gesellschaft
Für Maschinenbau wird 1873 liquidiert
Gegründet hatte sie 1863 ein Emil 
Rathenau in der Chausseestraße

Rathenau hatte rechtzeitig verkauft 
Als das Unternehmen schließen muss
Ist er nur noch angestellter Direktor
Gerät dennoch in eine große Krise 

Um auf neue Ideen zu kommen
Besucht er Weltausstellungen und
Begeistert sich mit seinen 37 Jahren
Für immer neue Projekte dabei

Schließlich in einem hellen Moment
Wie Richter humorvoll schreibt erwirbt 
Er Thomas Alva Edisons Patent für 
Die Glühlampe für Deutschland

Krupp bittet schließlich den Kaiser
Um ein Darlehen von zehn Millionen
Talern um die Produktion der doch so
Wichtigen Kanonen aufrecht zu halten

Nach langen Verhandlungen wird ein
Kredit der Preußischen Staatsbank zu
Marktüblichen Konditionen daraus 
Krupp wird darüber schwermütig aber

Seine Firma überlebt damit die Krise 
Die Gasmotoren-Fabrik Deutz in Köln
Steigt in dieser Zeit auf hier arbeiten
Otto und Daimler noch zusammen 

Auch die BASF macht hohe Gewinne
Mitten in der Krise wird das Palais des
Gründers Friedrich Engelhorn fertig
In Mannheim gegenüber dem Schloss

Dort hat er die begehrte Adresse A1
In der Quadratestadt begonnen hat
Die Produktion noch auf dem alten 
Mannheimer Pesthügel inzwischen

Zog die Firma nach Ludwigshafen
Sie hatten dort 13 Hektar günstig
Bekommen am Ufer des Rheins der
Transportweg und Abfallgrube wurde 

Das Palais gab viel Grund zu reden 
Es überragte alle umliegenden Bauten 
Aus dem Barock und ist im Stil der
Italienischen Renaissance Paläste

Verziert mit berühmten Köpfen der
Gegenwart Bismarck Moltke Roon
Es soll sogar ein Geheimversteck
Geben als Schutz vor Revolutionen 

Die Gerüchte hielten sich ab 1913
Übernahm die Sparkasse das Palais
Was obwohl kaum beschädigt nach
Dem Krieg ganz abgerissen wurde

Heute hat dort das Landgericht
In einem Neubau seinen Sitz von
Geheimen Gängen dort ist nichts
Bisher bekannt geworden 

jens tuengerthal 22.10.26

Goethezuhaus

Goethezuhaus

Gerade las ich nun wird das
Goethehaus bis 2029 in Weimar
Geschlossen falls sie pünktlich
Mit allen Bauarbeiten fertig werden
Sind dessen Haus und die daran
Inzwischen angrenzenden bis 2029
Nicht mehr für Publikum zugänglich

Denke an die Besuche dort mit
Vergangenen und verstorbenen 
Liebsten in Weimar einen Ort
In den ich mich sogleich verliebte 

Nicht nur weil es im Café dort
Losen Earl Green gab was dem 
Aber nicht abträglich war den ich
Seit es so braun dort wurde aber
Lieber nicht mehr besucht habe

Überhaupt ist es lange her dass ich
Im Goethehaus drin war bestimmt
Letztes Jahrhundert damit sogar
Im letzten Jahrtausend was schon
Unvorstellbar lang klingt habe die

Späteren Versuche von Liebsten
Den Dichter und Flaneur dort für
Schöne Tage hinzulocken immer
Lieber abgeblockt mit meiner
Ganz realen Reiseunlust und nun
Kann ich gar nicht mehr hin dabei
Blicke ich täglich in seinen Flur

Wie in seine Bibliothek ist keiner
So häufig bei mir vertreten wie
Der Meister aus Weimar und
Frankfurt wo sie nun an sein
Geburtshaus das Romantikmuseum
Geklatscht haben das ich aber
Bisher nicht beurteilen kann auch
Wenn die Romantik dem Aufklärer

Natürlich fern liegt und denke an
Goethe und Weimar das mir nun
Bis 2029 noch ferner liegt und dann
Ist hoffentlich schon die AfD verboten

Aber schön ist es schon an Goethe
Wie die Liebe zu Weimar zu denken
Denn meine wie seine Familie kam 
Ursprünglich aus Thüringen was
Damals noch Sachsen-Weimar wie
Sachsen-Gotha hieß aber das ist

Eine andere fernliegende Geschichte
Vom Ururgroßvater der in Gotha noch
Hofbibliothekar war als es dort noch
Einen Hof gab an dem du etwas 
Werden konntest vor vielen Jahren

Nun also wird das Goethehaus für
Drei Jahre geschlossen muss der
Flaneur erstmal keine Reise planen
Mögen die Enkel einmal den Umbau
Begutachten ich erinnere mich lieber

Wie es früher einmal war als noch
Die Dielen und die Stufen knarrten
Im alten Goethehaus zu Weimar 

Bis dahin gibt es noch immer das 
Gartenhaus wo er in der oberen Etage
Auf dem Sattelstuhl für seine oft 
Hämorrhoiden so gerne von hinten
Mit Christiane Vulpius die später
Dann Frau von Goethe wurde 

Unklar ob da dann auch noch
Verkehrte was in feinen Versen die
Wenige nur kennen bewahrt wurde
So bleiben noch ein paar Orte in
Weimar die der Rede wert sind
Für alle die unbedingt hin müssen
Lese derweil lieber darüber

jens tuengerthal 22.10.26

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Wahlrechtsdienstpflicht

Wahlrechtsdienstpflicht

Empört erregen sich Rechte nun über
Die Erweiterung des Wahlrechts auf
Alle die fünf Jahre in Berlin leben

Was bisher nur ein Plan ist der aber
Natürlich logisch scheint wenn ein
Flüchtlingskind gewählt wurde

Wird es sich dessen erinnern
Finde das wunderbar weil es die
Beteiligung der Menschen erhöht

Das sicherste Mittel gegen die
Von Rechten so sehr gefürchteten
Parallelwelten sein dürfte indem

Menschen integriert werden und
Wer mehr Rechte will bekommt
Dazu die verbundenen Pflichten

Was eine einjährige Dienstpflicht
Armee oder Zivil für alle brächte
Sorgen der Altenpflege löste

Die Gesellschaft so stabilisierte 
Wir können Ängste schüren vor
Zuwanderung und den Fremden

Oder Chancen sehen und nutzen
Je nachdem scheint uns die Welt
Wer hier lebt und das auch will 

Sollte die gleichen Rechte wie
Jeder andere Bürger bekommen
Das Staatsvolk ist nicht völkisch

Sondern ganz praktisch alle die
An einem Ort leben und arbeiten
Natürlich haben alle Menschen

Dabei die gleichen Rechte was
Den relativen Unsinn der Grenzen
Uns offenbart und natürlich haben

Die Bürger dann gleiche Pflichten
Also resultiert aus dem erweiterten 
Wahlrecht eine erweiterte Dienstpflicht

Was das Sozialsystem sichern kann
Konstruktive Integration ermöglicht
Im dann nötigen Gleichgewicht

Von Recht und Pflicht werden
Die Fragen unserer Zukunft geklärt
In einer Gesellschaft die mit KI 

Weniger werden muss wird es
Einen steten Kampf geben der
Durch diese Chance gelöst wird

Natürlich Wahlrecht für alle hier
Verbunden mit einjähriger Pflicht
Zu Dienst im Sinne der Gesellschaft

Dabei gibt die bürgerliche Haltung 
Dem Zivildienst natürlich Vorrang
Wehrdienst nur wo eben nötig

Aber Rechte und Pflichten helfen
Den Rechten ihre Ängste zu nehmen 
Im längst realen Einwanderungsland 

Wer eine Gesellschaft fit für die
Zukunft machen will braucht auch
Antworten jenseits des gewohnten

jens tuengerthal 21.10.26

Herbststimmung

Herbststimmung

Herbstlich wird es nun wirklich
Mit Regen und Stürmen ist es
Auf dem Diwan noch schöner mit 
Freiem Blick auf den Kamin der
Elektrisch ein wenig flackert ohne
Dem Klima damit zu schaden was
Auch das Gewissen beruhigt es ist
Zeit die Bücherhöhle zu genießen 
Sich in erlesene Welten zu vertiefen
So wenig wie möglich noch vor
Die Tür zu gehen in kleinen
Momentan mit endlicher Klarheit 
Während sonst Nebel aufzieht 
Werden unsere Höhlen zum wieder
Paradies das alles uns gibt was
Manche an grauen Tagen mit
Trauriger Sehnsucht vermissen 
Liegt Lesern nun noch näher 
Es wird wirklich herbstlich nun
Wie schön ich bleibe da
Wo es am schönsten ist
Auf dem Diwan vorm Kamin
Heißen Tee neben mir mit
Genug guten Büchern
Um mich ist alles da

jens tuengerthal 21.10.26

Lektürentagebuch 20.10.26

Lektürentagebuch 20.10.26

Schon gestern Nacht oder eigentlich
Heute früh verirrte ich mich wieder in
Johann Karl Wezels großen Roman
Hermann und Ulrike der wieder in der 

Anderen Bibliothek in zwei Bänden
Neu aufgelegt wurde und bei dem
Hermann inzwischen nachdem seine
Liebe zu Ulrike im Schloss aufflog

Nach Leipzig ging und sich dort durch
Naive Großzügigkeit einen Namen bei
Den Bettlern der Stadt gemacht hat
Obwohl er über keinerlei Einkommen

Selbst verfügt verschenkt er alles
Um anderen gut zu tun und findet
Dies völlig natürlich doch dieses
Kapitel beginnt mit dem Besuch

Bei einem möglichen Gönner an den
Ihm sein Lehrer einen Brief mit gab
Wie er in dessen Haus von einem
Diener an der Tür empfangen wird

Der Weg durch die Flure bis zu einer
Abstellkammer wo er wieder warten
Sollte schien ihm ewig und dann muss
Er noch lange warten bis der Herr

Endlich geruht zu ihm zu kommen
Ihn aber mit bloßen Formeln dann
Abspeist und allein lässt worauf
Er wieder auf den Diener wartet

Als dieser nach einer gefühlten
Ewigkeit doch nicht kam macht
Hermann sich entschlossen allein
Auf den Weg zum Ausgang 

Dabei gerät er versehentlich in das
Zimmer einer halbnackten Schönheit
Die ihn an seine Ulrike erinnert aber
Vor Schreck kreischt und ihren kleinen

Hund fallen lässt der ihn darauf durch
Das ganze schlossartige Anwesen bis
Zum Ausgang jagt durch den er mit
Letzter Not klamaukig nun flieht

Das ist alles etwas zu viel auch die
Naivität die ihn nahezu ohne Geld
Zur Kirche gehen lässt um seine
Letzten Reste zu verschenken ist

Etwas zuviel noch komisch zu sein
Aber eine ironische Spitze auf den
Candide von Voltaire nur leider auf
Etwas sehr deutsche Art dabei

Doch dann bricht alles zusammen
Er hat kein Geld mehr und fliegt bei
Seinem Wirt raus wie er den Diener 
Verliert der sich besseres sucht 

Völlig verzweifelt beschließt er nun
Erstmal zu fliehen und aus der Stadt
Zu ziehen aber weiß keine Hilfe
Verirrt sich voller Angst im Wald 

Von dort kehrt er schleunigst in 
Die Stadt zurück um Gnade dort
Zu erbetteln da sucht ihn der
Diener des hohen Herren auf

Dieser bat ihn zu sich um mit ihm zu
Speisen weil die Frau nicht da war ihn 
Ein weiterer Brief des Freundes dazu 
Motivierte der bereit war für ihn noch

Zu zahlen solange es nötig war und
Plötzlich öffnete sich Hermann durch
Die Intervention seines alten Lehrers
Wieder eine neue Tür zum Paradies

Er wird dort in einer lustige Runde
Von Herren integriert die sein 
Gastgeber noch aus dem Studium
Kennt und sie verbringen rauchend

Wie trinkend einen lustigen Abend
Weil die Frau Gemahlin abwesend ist
Machen Herrenwitze und sind einfach
Ausgelassen kindisch noch dabei

Einem zwischendurch Besucher wird
Im Qualm ganz übel und als er den
Weg raus sucht landet er völlig aus
Versehen im noch leeren Ehebett

Dieser bleibt dort um sich ein wenig
Von seiner Übelkeit zu erholen dann
Taucht in der Herrenrunde plötzlich
Die Ehefrau etwas verfrüht wieder auf

Die Herren sprangen auf und ließen 
Ihre Pfeifen verschwinden nahmen 
Hüte brav vom Kopf und standen alle
Wie ertappt vor der Dame still

Die gnädige Frau die es gerne mit
Dem Adel hielt verschwand wieder
Kopfschüttelnd und die Brüder der
Verbindung verabschiedeten sich

Ein wunderbar komisches fast schon
Klamaukiges Ende einer Begegnung
Untergang und märchenhafte Rettung
Durch den fernen Lehrer sind herrlich 

Das ist mit Humor beschrieben macht
Sich über die Verhältnisse so lustig
Wie über die Ehe an sich und lässt
Manche Überraschung noch offen

Goethe war zwar nicht so wirklich
Begeistert von Wenzel aber das
Kann auch ein Qualitätsmerkmal
Gewesen sein Humor hat dieser 

jens tuengerthal 20.10.26



Dienstag, 20. Oktober 2026

Kulturnatur

Kulturnatur

Das Verhältnis von Kultur und Natur
Ist immer wieder äußerst spannend
Für gewöhnlich sagen wir die Kultur
Sei vom Menschen kultivierte Natur 

Wie aber ist es bei Liebe und Lust
Welcher Teil gehört mehr zu unserer
Natur was zeigt unsere Kultur schon
Können wir das noch unterscheiden 

Gründe für die Liebe zu nennen bleibt
Immer schwierig weil sie ist was sie ist 
So könnte die Formung durch Willen 
Fraglich sein nur was wollen wir sonst

Liebe ist die Basis auf der sich auch
Familien gründen die den Sex mit
Zweck der Fortpflanzung verfolgen
Warum der Lustgewinn verpönt ist

Lust scheint unsere Natur zu sein
Wir folgen dabei dem Trieb nach
Befriedigung die viele nie erlangen
Es durch Fortpflanzung ersetzen

Entsprechend entwickelt sich auch
Die Lust in vielen Lieben eher zum
Negativen als weiter und wird nur
Wenn nötig noch eben erledigt 

Kultiviert uns die Liebe wirklich
Oder wirft sie uns zurück auf die
Schlichte Natur und Artenhaltung
Der sie nach der Natur primär dient 

Was hat sich alles an Kultur aus dem
Streben nach Liebe entwickelt denkt 
Der Dichter hier und an unendlich
Viele Verse zu diesem Thema immer

Frauen kultivieren Männer zu dann
Eher zivilisierten Wesen meinen
Zumindest viele Frauen von sich
Was immer davon wirklich ist

Säßen die Kerle noch auf Bäumen 
Wenn es keine Frauen gäbe oder
Wären sie längst ausgestorben fragt
Nur wer schlicht dialektisch denkt

Vermutlich ist es ähnlich mit dem
Verhältnisse von Kultur und Natur
In Fragen der Liebe und der Lust
Es gibt da kein entweder oder nur 

Auch wenn dem ganzen das schlichte
Rein raus Spiel zugrunde liegt finden
Manche mehr Befriedigung im Gefühl
Andere folgen wild der Natur nur 

Schließlich kann beides auch bei
Beiden zeitweise eher vorkommen
Kommt es auf das Gleichgewicht an 
Was die Beteiligten miteinander finden

Kultiviert könnte es sein dabei auch
Auf die Bedürfnisse der anderen mehr 
Zu achten statt nur Befriedigung allein
Zu suchen um zusammen zu kommen

Die Balance zwischen der nur Natur
Dabei zur feineren Kultur strebt aber 
Ganz natürlich Befriedigung sucht
Kann Liebe manchmal erleichtern

Erschwert es aber auch genauso oft 
Weil wir liebend unbedingt gut wollen
Was viele am Können hindert was
Dann das Verhältnis schwer macht

Manche machen sich nie Gedanken
Darüber die tun es einfach um dann 
Glück zu haben oder nicht andere
Suchen noch den heiligen Gral

Was zeigt zwischen Sex und Liebe
Geht es um viel Kultur auch egal
Wie triebhaft natürlich wir dabei sind
Ist jede Verfeinerung schon Kultur

jens tuengerthal 20.10.26

Inmitten

Inmitten

Inmitten des Stroms der Zeit
Mit ihren Moden und Geschrei
Versuchen wir zu überleben

Manche mit großer Freude 
Andere wie ich mit Befremden
Über alles was alle tun immer

Zwischen Anpassung und dem
Nötigen Widerstand gegen den
Alles verschlingenden Strom

Inmitten wie am Rand zugleich 
Will ich meine Bahnen ziehen
Aber finde Schwimmen albern 

Wenn alle Badehosen tragen
Schwimme ich nicht nackt wer
Will sich als einziger entblößen

Ist das natürlich oder Kultur
Wird Scham uns anerzogen
Wie Aberglaube Traumata Ängste

Ist immer gut was gut tut oder
Darf der Weg zur Freiheit auch
Weh tun in großer Einsamkeit

Um sie dauerhaft zu würdigen 
Sich inmitten noch zu erheben
Ein anderer immer zu bleiben

Inmitten der anderen anders sein
Erfordert Mut und Vertrauen in das
Eigene jenseits von Hesse Gedichten

Inmitten bei sich zu bleiben ist
Vielleicht die schwerste Aufgabe
Die sich wenigen nur stellt

jens tuengerthal 20.10.26

Daneben

Daneben

Manche integrieren sich gerne
Sind Teil der Masse und fühlen sich
In dieser gut aufgehoben und wohl
Ich stehe lieber daneben schon als
Flaneur der Natur nach um so alles
Beobachten zu können und sitze
Darum in meiner Bar am liebsten
In der Flaneurloge zwischen oben 
Dem Salon mit Ledersesseln und
Der Bar unten wo am meisten los ist
Auf den nur Klappsitzen dabei
Gehöre nirgendwo dazu und bin
Immer irgendwie eher daneben
Worunter ich früher sehr litt als ich
Noch wie alle sein wollte was mir 
Heute völlig absurd erscheint und
Lieber bin ich ein Sonderposten
Als angepasst an ein System
Was nur geht wenn du auch die 
Einsamkeit liebst und anders bist
Als alle und es auch so willst was 
Ein Unglück mir als Kind schien 
Das zwar Freunde hatte aber sich 
Immer auch anders noch fühlte 
Zum Glück gaben meine Eltern
Dabei mir immer das Gefühl
Es ist in Ordnung anders zu sein
Du bist eben etwas besonderes
Zumindest theoretisch und sie
Sagten und meinten es auch so
Praktisch durchlitt ich die Schule
Immer eher an der Grenze statt 
Begeistert und gefördert dabei
Verkümmerte dabei lange wie viele
Im angepassten Schulsystem das
Den Einzelnen nur integrieren will
Statt das Besondere zu fördern
Heute über fünfzig und das Leben
Hinter mir betrachte ich es einfach
Als Beobachter des Beobachters 
Der ich wurde und der lieber noch
Geschichten erzählt statt sich
Irgendwo anzupassen was in
Berlin relativ gut geht weil du 
Unter vielen Verrückten nicht
Weiter auffällst ungestört dafür
Beobachten kannst was ist
Bin hier keiner von allen noch
Immer anders als die meisten
Aber halt normal verrückt was
Eine relativ große Freiheit gibt
Wenn du schon so daneben bist
Überlebt es sich als Flaneur im
Berlin der Erinnerung ganz gut
Wie Hessel und Benjamin einst 
Immer etwas am Rand nur eben
Weniger bedeutend dabei sicher
Was genug Ruhe mir schenkt

jens tuengerthal 20.10.26

Lektürentagebuch 19.10.26

Lektürentagebuch 19.10.26

Weiter in Dreihundert Männer von 
Konstantin Richter gelesen was ganz
Unterschiedliche Entwicklungen ab 
1870 in Deutschland schildert

Zunächst von Georg Siemens bei der
Deutschen Bank dessen Pläne weit 
Über die Absichten der Gründer im
Aufsichtsrat hinausgingen die sich

Als Privatbankiers keine Konkurrenz
Im Inland schaffen wollten und wie
Die Deutsche Bank dann doch weit
Über die bloße Unterstützung des 

Außenhandels hinausging und in
Allen Bankbereichen tätig wurde 
Im Ausland investiert wie auch zur
Hausbank der Industrie hier wird 

Sie nimmt dabei zunehmend Einfluss 
Auf die Volkswirtschaft in Deutschland
Dies ahnend schreibt er an Elise dass 
Er dabei sei einflussreich zu werden

Sie könnte in zehn Jahren eine sehr
Angesehene Frau werden um die sich
Viele auch um seinetwegen viel Mühe
Geben werden ob ihr das wohl gefiele

Es gefällt ihr und 1872 heiraten dann
Elise Görz und Georg Siemens und
Ziehen in eine kleine Wohnung nahe 
Dem Tiergarten er ist noch nicht reich

Innerhalb weniger Jahre entwickelt
Sich die Wirtschaft rasant und die
Gehälter steigen entsprechend das
Leicht verdiente Geld wird angelegt

Alle beteiligten sich an den neuen
Aktiengesellschaften um rasch reich 
Zu werden doch hat der Aufschwung
Nicht nur Gewinner die Mieten steigen

Eine Zwangsräumung durch einen 
Gerichtsvollzieher in Friedrichshain
Führt zu tagelangem Unruhen bis
Die Polizei die Ordnung wieder hat

Alfred Krupp sehnte sich nach Ruhe 
Hatte wohl was wir heute als ein
Burnout bezeichnen und geht auf Rat 
Seiner Ärzte mehrere Monate in Kur

Aus Essen wo er gerade seine Villa 
Hügel bauen lässt geht es in das
Seebad Torquay in England und er
Ärgert sich dort über das Wetter

Weil er zuhause am Kamin sitzt
Schreibt er lange Briefe an seine
Geschäftsleitung in Essen und
Ärgert sich aber entwickelt auch

Ein General Reglement für seine
Firmen die immer größer werden
Auch durch den Bau von Kanonen 
Um alles immer in Ordnung zu haben

Die Fragen die Krupp sich in seiner
Kur stellt sind auch bei anderen etwa 
Siemens & Halske in Berlin vakant die 
Zur Weltfirma erfolgreich aufstiegen 

Sie haben nun über 1500 Mitarbeiter 
Dennoch will Werner Siemens noch
Alles unter Kontrolle haben und setzt
Verwandte international auf Posten

Von den elf Geschwistern werden
Sechs von neun Brüdern in seinem
Unternehmen International tätig mit
Erfolg einer gründet eine Glashütte

Dies zwar in Dresden aber finanziert 
Von Werner und so bleibt alles lang
In den Händen der Familie Siemens
Wie gut das Siemens auch immer tat

So hat mein Urgroßvater noch mit
Carl von Siemens damals auch
Die Elektrifizierung von Ostfriesland
Mit einem Torfkraftwerk geplant

Nach der Rückkehr von Krupp aus
England hat die Geschäftsführung
Das Generalreglement noch immer
Nicht fertig und verschleppt es weiter

Dann erfahren wir dass 1872 auch 
Gustav Freytag den ersten Band
Seines Riesenwerkes Die Ahnen
Veröffentlicht während gleichzeitig

Felix Dahn an seinem Kampf um Rom 
Noch arbeitet und Anselm Feuerbach
Die Amazonenschlacht in der zweiten
Fassung vollendet also große Stoffe 

Die das Bildungsbürgertum noch lang
Beschäftigen werden jedoch spiegelt
Sich die wirtschaftliche Entwicklung
Darin noch nicht wieder mit nur einer

Ausnahme Adolph Menzel besucht in
Oberschlesien ein Eisenwalzwerk
Woraus ein monumentales Gemälde
Entsteht was sich heute noch in der

Berliner Alten Nationalgalerie findet
Das Werk ist Teil einer neuen AG des
Montan Unternehmers Hugo Graf 
Henckel von Donnersmarck

Im September 1872 ist endlich das
General-Regulativ für Krupp fertig
Widersprüchlich wie der Unternehmer
Mit teils peniblen Anweisungen wie 

Das Verbot während der Arbeit noch
Zeitung zu lesen zugleich aber zeigt
Es eine wegweisende großzügige
Sozialpolitik mit Krankenkassen 

Pensionskassen Krankenhäuser und
Bewahranstalten und nimmt auch das
Betriebliche Vorschlagswesen vorweg
Krupp fordert und fördert zugleich

Im März 1873 brach die Wiener Börse
Zusammen im September New York
Bis zum Oktober auch Berlin hier ging
Heinrich Quistorps Bank konkurs

Es kam bis zum Ende des Jahrzehnts
Zu einem massiven Einbruch der
Wirtschaft doch schlimmer noch 
Waren psychologische Auswirkungen

Konservative fühlten sich in ihrem
Antisemitismus bestätigt gegen den
Liberalen Kapitalfluss andere waren
Lange zutiefst verunsichert infolge

Die Klage über schlimme Zustände 
Wurde den Unternehmern zur steten
Gewohnheit sie beschwerten sich halt
Hörten auch nicht auf als wieder gut

Das typische deutsche Unternehmen
Sei eine Geburt der Gründerzeit aber
Erst Jahre nach dem Krach bildeten
Sich die Merkmale die noch blieben 

Den Klagen dieser Unternehmen folgt
Auch Kanzler Merz noch mit seinem 
Ständigen Klagen und nörgeln ob
Das an Blackrock liegt ist unklar

Auf den wilden Boom folgte nun der
Organisierte Kapitalismus alles muss
Stets in guter Ordnung deutsch sein
Was noch in vielen heute in weiterlebt

Das spätere Sommerhaus der Familie
Wallich des Gründungsdirektor der
Deutschen Bank steht heute noch
Nach der Glienicker Brücke direkt

Eine fröhliche Turmvilla erbaut im
Italienischen Stil heute cremefarben 
Mit leider sehr deutscher Geschichte
1878 von Hermann und Anna Wallich

Erworben an den Sohn vererbt der
Sich auf der Flucht von den Nazis
Von der Hohenzollernbrücke in Köln
Stürzte seiner Frau gelang die Flucht

Die Nachkommen bekamen das Haus
Dann 1994 zurück aber konnten 
Die Sanierung nicht bezahlen und
Verkauften an einen Bauunternehmer

Dessen Pläne moderne Stadthäuser 
Zu errichten scheiterten an Behörden
Die Villa verwahrloste der Investor 
Drohte das Haus abreißen zu lassen

Schließlich kaufte Mathias Döpfner
Der CEO von Springer gemeinsam
Mit dem Investmentbanker Leonhardt
Fischer das Anwesen und sanierte

Er ließ ein Museum dort einrichten
Wie es Superreiche ja gerne heute
In Potsdam tun bei der Eröffnung
Sprach auch Angela Merkel noch

Nur von Familie Wallich war dabei
Nicht einmal die Rede der eine der
Gründungsdirektoren der immer noch
Deutschen Bank war vergessen

jens tuengerthal 19.10.26