Montag, 2. Februar 2026

Lektürentagebuch 2.2.26

Lektürentagebuch 2.2.26

Endlich mal wieder Gilbert White
Über die Erkundung von Selborne
Gelesen über versteinerte Muscheln
Die sich um Selborne so finden 

Wunderbar beschreibt er die dortigen
Ammoniten wo sie zu finden sind wie 
Was ihr Auftreten uns verrät und wie
Sie nach Linné einzuordnen sind

Welche Gruben des Umlandes welche 
Funde aufweisen und wie sich etwa 
Beim Brunnenbau noch solche von
Versteinerten Jakobsmuscheln zeigen

Die Begeisterung mit der er schreibt 
Macht die illustrierte Naturgeschichte 
Die auch Virginia Woolf sehr lobte die
In dieser Ausgabe am Ende zitiert ist

Zu einem besonderen Schatz den die
Andere Bibliothek als Band 437 zum
Glück begeisterter Leser veröffentlicht
Hat was ein großer Verdienste ist 

Reverend Gilbert White lebte von
1720-1793 also mitten in der Epoche 
Der Aufklärung deren Geist auch hier
Zwischen den Zeilen spürbar ist

Er verbrachte fast sein ganzes Leben
In dem abgelegenen Dorf Selborne in 
Hampshire ein ruhiger und versteckter
Ort der das Material für das Buch gab

Dieses machte seinen Autor wie den 
Ort berühmt und wurde zu einem
Klassiker der englischen Literatur
Die Familie stammt aus Oxfordshire 

Schon Whites Großvater erhielt die
Kirchenpfründe in Selborne und
Heiratete die Tochter eines dortigen
Farmers deren Sohn Jurist wurde 

Verständlicherweise schätzte er den
Beruf als Anwalt nicht besonders und
Heiratete darum eine minderjährige
Erbin die sehr vermögend war

Hier im Pfarrhaus wurde ihr Sohn 
Gilbert geboren und nach neun 
Jahren zogen sie zur Witwe des 
Großvaters wieder nach Selborne

Gilbert studierte später am Oriel
College in Oxford wo er seine
Ausbildung bis zum Magister machte
Er führte mit seinen Vater einen

Eigenen Gartenkalender der auch als
Faksimile wieder aufgelegt wurde die
Naturgeschichte von Selborne ist aus
Briefen an Freunde entstanden

White war überzeugt von der direkten
Naturbeobachtung als Ansatz seiner
Naturgeschichte meinte Forscher 
Sollten mehr in die Natur gehen

So wurde er zu einem Pionier der
Verhaltensforschung wie auch der
Feldforschung in einem ganz eng
Umgrenzten Gebiet dabei

Es wurde zu einem heute auch
Literarischen Klassiker weil White 
Klar plastisch und markant schreibt 
Besonders interessierten ihn Vögel 

Sein Hause the Wakes genannt was
Schon der Großvater bewohnte
Wurde von seinem College gekauft
Ist heute ein erweitertes Museum

Wie sehr erinnert es mich an meinen
Vater den großen Naturforscher und
Arzt der alles mit Begeisterung selbst
Erforschen wollte und dazu loszog

Durch die Wälder um seine Wohnorte
Teils auch mit mir der als Kind jedoch
Mehr am Bau von Hütten als an den
Arten von Orchideen interessiert war

Er bepflanzte auch seinen eigenen
Garten nach großen Plänen um so
Eine bunte Vegetation zu haben und
Legte verschiedene Gärten so an 

In dem Grundstück um unser Haus
Gab es so einen Nutzgarten für Obst 
Wie gelegentlich etwas Gemüse eine
Große Spielweise wie einen eigenen

Teich mit Brücke Wasserfall und dem
Steingarten am kleinen Hang wie 
Einen extra Garten für Kräuter der
In Reichweite der Küche darum lag

Als typischer Tausendsassa hatte er
Den Kopf immer voller Ideen die nur
Leider nicht alle umsetzbar waren
Aber ein blühendes Erbe blieben

Bin als Kind mit meinem Vater auch
Häufiger Fossilien suchen gegangen
In kleinen Steinbrüchen was ich als
Aufregende Schatzsuche eher sah

Die Naturkunde wie sie mein Vater
Oder auch White systematisch noch
Betrieben lag mir eher fern da die
Welt der Bücher reizvoller war

Einzig die Erforschung der weiblichen
Natur konnte mich immer wieder von
Der wichtigeren Lektüre ablenken so
Erforscht jeder die nächste Natur


In Gesprungene Liebe heute Nacht
Wie gerade noch von Manfred Flügge 
Über Franziska zu Reventlow gelesen
Der erste quasi Dreier von Hessel

So wird ihre wilde Geschichte wie ihr
Weg nach München beschrieben wo
Sie die Flügge für weniger intellektuell
Ohne gute Gründe hält als Muse lebt

Mit dieser selbstbewussten starken
Frau die ihren Sohn allein erzieht wie
Ihrem gerade Liebhaber Suchocki
Zieht der zarte Franz in eine WG

Mitten in Schwabing im Eckhaus in 
Der Kaulbachstraße proben die drei
Ab November 1904 Zusammenleben
Für einige Jahre was Früchte trägt

Literarisch machen sowohl Franz
Wie Franziska etwas aus der Zeit
Sie schimpft in ihrem Tagebuch über
Den armen Franz den sie verkennt 

Zumindest beurteilt es Flügge so
Der sie wie gewohnt als femmes
Fatale darstellt ohne auf die auch
Bekannt depressive Neigung von

Franz Hessel weiter einzugehen
Die es sicher nicht immer einfach
Macht mit diesem traurigen Dulder
Zusammenzuleben der nur Geld hatte

Zumindest noch ist genug aus dem
Väterlichen Erbe da dafür zu sorgen
Dass sich Franziska nicht zu oft noch
Prostituieren muss was sie danach

Wie auch davor als freie Frau tat
Was Hessel vermutlich eher noch
Interessant als schlimm fand was
Der Preis ihrer Unabhängigkeit war

Das dann noch abgedruckte Gedicht
Von Hessel Am Strand trieft auch in
Der Kleinschreibung formal noch vom
George Pathos der mir nie wirklich lag 

Er widmet es sehr devot seiner 
Verehrten Gräfin was dem finanziell
Potenten Geldgeber der Künstler WG
Etwas seltsam zu Gesicht steht

Bissig kommentiert Flügge darunter
Es wäre noch ein weiter Weg von
Diesen Versen zum Meister der
Kleinen Prosa gewesen

Auch wenn mich diese Verse
Hessels auch nicht begeisterten
Sehe ich die Bewertung anders
Gerade im Verhältnis zu Franziska

Zwar zitiert Flügge die Einträge
In ihrem Tagebuch wie rührend
Er sie nach einem Abort noch in 
Italien pflegte und den Kuss beider 

Den sie weniger bereut wie weit 
Dieser auch sonst noch ging als
Sich fragte ob der Hesselfranz wie
Sie ihn nannte nicht doch einfach

Der Richtige für sie wäre wenn
Sie sich nur beide trauten was 
Auch zur literarischen Umsetzung
Von Franz Hessel besser passt

Zum Bahnhof nach Paris bringt
Den Franz dann sein Freund
Wolfskehl der auch ein verflossener
Liebhaber von Franziska war

Das große Vertrauen was viele
Biografen und Autoren in ihre 
Gegenwärtige Lektüre von nie
Für sie bestimmte Tagebücher

Setzen scheint mir eher fragwürdig
Drücken doch dieser Stimmungen
Eher aus während sich im Geist
Des Werkes mehr finden lässt

Das Werk ist was die Nachwelt
Als Leser interessiert nicht wann
Wer welche Regelbeschwerden hat
Darin zu wühlen ist Boulevard 

Franziska zu Reventlow spielte 
Für Franz Hessel in seiner Zeit
In München eine große Rolle taucht
Darum auch in Jules und Jim auf

Wer die zärtliche Prosa je las die
Hessel den ersten Knospen dieser
Liebe widmete wird nicht zweifeln 
Wie wichtig diese Frau für ihn war

Unabhängig von ihrer literarischen
Bedeutung hat sie Hessel zu etwas
Großem angestiftet wie auch zum
Bruch mit dem George Pathos

Was heutigen Lesern eher schwül
Peinlich erscheint hat sie ihm dem
Labil empfindlich zweifelnden zu
Überwinden geholfen auf dem Weg

Zu seinem leicht ironisch feinen
Immer distanzierten Stil als der
Flaneur der damit groß wurde was
Sicher auch Franziskas Verdienst ist

Diese Spuren im Werk zu sehen
Sich mehr auf dieses zu konzentrieren
Stünde allen Biographen gut die nicht
Nur billigen Boulevard wie Illies wollen

Flügge hat beides und ist teilweise
Sehr gut recherchiert und eine echte
Freude bei literarischen Quellen aber
Wird peinlich wertend beim Tagebuch

Grund genug als Autor nie solche zu
Hinterlassen sollen sie sich doch um
Die Verse und ihre Bedeutung streiten
Dann nur bleiben die Gedanken frei 

jens tuengerthal 2.2.26

Liebesrisiko

Liebesrisiko

Liebesrisiko
Ist stets höher als gedacht
Weil einfach gefühlt

jens tuengerthal 2.2.26

Literatür

Literatür

Literatur ist
Die Tür zum Himmelreich der
Phantasie für mich

jens tuengerthal 2.2.26

Teetrinker

Teetrinker

Immer Tee trinken
Könnte süchtig wirken was
Noch keinem schadet

jens tuengerthal 2.2.26

Lustkomik

Lustkomik

Ist Lust nicht ungeheuer komisch
Frage ich mich oder bleibt uns das
Lachen dabei schnell im Hals stecken
Wo wir eigentlich viel lieber aber 
Lassen wir das lieber es könnte
Bei diesem ernsten Thema noch
Wer falsch verstehen und denken
Was ich nicht mal dichtend dachte
Sich nicht ernst genommen fühlen
Was bei Männern ganz gravierende 
Folgen für ihre Standfestigkeit hat
Wovon dann keiner mehr hätte 
Sondern eher weniger was zwar
Manche sich vielleicht sogar ganz
Generell wünschen würden aber
Für die ist Sex ohnehin eher ein Witz
Den sie sich auch sparen können
Ob sie aber darüber lachen können
Ist so ungewiss wie vieles völlig
Irrationales in diesem Bereich
Eine sagte mir meiner sei viel
Größer als der ihres Ex der zwar 
Millionär aber sonst spärlich war 
Eine andere meinte der ihres Ex
Sei viel größer gewesen worauf
Sich das bei mir eher erledigt hatte
Dabei kommt es auf die Größe viel
Weniger an als auf die Dicke wie 
Den Grad der richtigen Krümmung
Was manche perfekt mit mir fanden 
Während andere nichts empfanden 
Ist eigentlich lächerlich wie schlicht 
Wir dabei trotz allem Geist noch
Funktionieren denke ich lachend
Aber werde mich hüten dies vor 
Frau die es ernst mit mir meint
Was zugegeben unwahrscheinlich ist 
Zu deutlich zu zeigen nicht ihre
Wie meine Chancen auf eine vielleicht
Gemeinsame Befriedigung zu stören 
Lache aber inzwischen darüber und 
Denke wer dabei wie darüber nicht
Lachen kann ist auch sonst eher
Ziemlich traurig außer eine 
Macht Witze über mich und
Schon wird der Humor klein

jens tuengerthal 2.2.26

Liebesscherze

Liebesscherze

Sind Scherze mit der Liebe
Erlaubt oder lieber nie weil
Es um ernste Gefühle dabei
Geht über die keiner Witze 
Machen sollte nur was sind
Sie wert wenn wir nicht mal
Über uns dabei lachen können
Denn eigentlich ist das was
Wir dabei tun und sagen doch 
Mal ganz nüchtern betrachtet 
Eigentlich ziemlich komisch
Vor allem wenn wir es noch
Ganz genau so dabei meinen
Auch wenn es eigentlich nur
Um das eine geht und die
Wege wie wir dies tarnen
Weil Gefühle natürlich viel
Wertvoller sind als nur Sex
Auf dem Jahrmarkt der Liebe
Zumindest wenn sie echt sind
Was aber ähnlich schwer zu
Beweisen ist wie synchrone
Höhepunkte oder sonstige
Echtheitskoeffizienten für das 
Stöhnen was gerüchteweise
Der schnelleren Erledigung
Bei manchen eher dienen soll
Wie das ich liebe dich auch
Manche Tiger handzahm machte
Was eigentlich schon ein Witz 
Wäre was natürlich niemand
Sagt um der Erotik nicht ihren 
Zauber zu nehmen im den viele
Schon viel Geld investierten ihre
Natur künstlich zu erweitern
Oder ästhetisch zu vollenden
Was real niemandem gelang
Dafür Verunstaltung normal ist
Denke ich an all die peinlichen
Silikonkissen die ich berührte
Worüber wir besser lachten
Meinten diejenigen die sich
Damit erweiterten nicht ernst
Was sie tun warum sich auch
Für den davon angeekelten
Gentleman jeder Scherz verbietet
Die entblößten Damen nicht noch
Auszulachen aber es wird immer
Schwerer nicht zu lachen wenn
Du aufgespritzte Lippen ohne
Jedes Gefühl küssen sollst
Aber über echtes Gefühl was
Ja manche immer noch als
Motivation dem Sex umhängen
Ein gutes Gewissen zu haben
Wenn sie ihrer Natur folgen 
Darf natürlich keiner Witze
Sich erlauben oder lachen
Denn wehe es meint wer ernst 
Aber fühlt sich nicht ernst genommen
Dabei dann ist es schnell vorbei
Mit lustig wie der Liebe und Sex
Gibt es dann nicht noch gratis
Ach ja die Liebe ist schon eine 
Ernste Sache über die lieber
Keiner Witze machen sollte
Darum ist sie so komisch und
Wer das nun versteht kann
Thomas Mann lesen wie ihn 
Lieben und darüber lachen
Aber wir sind wenige

jens tuengerthal 2.2.26

Sonntag, 1. Februar 2026

Lektürentagebuch 1.2.26

Lektürentagebuch 1.2.26

Der Mann ohne Schatten heißt das
Kapitel über Franz Hessel in der
Gesprungenen Liebe von Manfred Flügge der bisher gut schrieb 

Verwirrend jedoch ist dass er wieder
Die Geschichte vom Umzug mit dem
Vater nach Berlin erzählt während alle
Anderen Biografien von dessen Tod

Schon im Jahre 1888 in Stettin noch
Erzählen und dem dann Umzug der
Familie nach Berlin was auch zu der
Romanhaften Umsetzung gut passte

Dazu wird der Kramladen des Glücks
Zitiert der auch den Einstieg in das
Kapitel bildet und in dem er später
Von der Zeit in Schwabing erzählt

Auch wenn es im Roman vorher noch
Freiburg und den Besuch bei dem 
Kongress der Zionisten in Zürich gibt
Wird die Nähe zur Kunstszene klar

Bevor Franziska zu Reventlow und
Ihre literarische Umsetzung der Zeit
Auftaucht werden Thomas Mann
Wie Annette Kolbe noch zitiert

Franz studierte zuerst in München
Jura und dann Orientalistik schloss 
Aber keine seiner Studien ab was er
Sich durch sein Erbe leisten konnte 

Über Karl Wolfskehl bekommt er dort
Anschluss an den Kreis um den etwas
Sphärischen Dichter Stefan George 
Dort lernt er auch Franziska kennen

Thomas Mann beschreibt sie in
Seiner Erzählung der Prophet als 
Von der Familie verstoßene Adelige 
Ohne besondere Talente was wohl

Weniger zu dieser vielfältig auch im
Sinnlichen begabten Frau passte mit
Der und ihrem Liebhaber Franz dann
Länger in Schwabing zusammen lebt 

Um den eher sinnlichen freien Geist
Der Schickeria dort zu beschreiben 
Zitiert Flügge zuerst noch aus den 
Betrachtungen eines Unpolitischen

Eine eher seltsame Idee wie manche
Auch der danach Zitate aus den 
Romanen der Reventlow die als eine 
Freie Frau ihr Leben mit Kind führt

Bin gespannt wie es weitergeht auch
Wenn die bisherige Vermischung von
Verschiedenen literarischen Zitaten 
Mit biographischem verwirrend war


Sprachlicher Schönheit und Klarheit
Wegen wende ich mich nun lieber
Thomas Mann selber zu und lese
Noch ein Kapitel in den Buddenbrooks

Dort kehrt Christian nach acht Jahren
In Valparaiso zurück in die Familie
Im großkarierten Anzug sehr hager 
Mit schon sichtbar gelichtetem Haar

Es ist der Februar des Jahres 1856
Direkt am Nachmittag fährt die ganze
Familie zum Friedhof vor dem Tor
Das Grab des Vaters zu besuchen

Herrlich mit wieder feiner Ironie wird 
Die Szene am Familiengrab gemalt
Wie Tony den Kranz ablegt und sich 
Im Schnee hinkniet um zu beten 

Dies tut sie mit solcher Eleganz
Dass unklar ist ob sie dort eher
Religiös würdig dem Toten gedenkt
Oder einfach ihre Schönheit inszeniert

Tom schaut dabei dezent weg aber
Christian schaut genau hin und
Verdreht die Augen was Tony im
Aufstehen registriert aber ignoriert

Die geschiedene Grünlich ist nun
Selbstbewusst genug zu tun was sie
Für gut und richtig hält und so geht
Auch diese Szene einfach vorbei

An der Kaffeetafel zuhause beginnt
Christian zu erzählen und tut dies
Auf eine unter einfachen Kaufleuten
Ungewohnt extrovertierte Art

Erzählt von seinen intensiven 
Erlebnissen im Theater seinen 
Kontakten auch hinter der Bühne
Imitiert am Flügel einen Pianisten

Dies natürlich ohne zu spielen weil 
So unmusikalisch wie alle Mitglieder
Der Familie Buddenbrooks aber mit
Talent zur theatralischen Inszenierung

Er spricht viel über sein Erleben wie
Seine Angst sich schmerzhaft noch
Beim Essen verschlucken zu müssen
Bringt zum Lachen und empört auch

Als Tony ihren Bruder Tom auf das
Seltsame Benehmen von Christian
Anspricht hält dieser ihr eine Rede
Die zeigt wie sehr es ihn stört

Ihre Aufgabe wäre etwas zu leisten
Wie ihre Vorfahren etwas leisteten
Beendet der genervte Bruder seine
Rede der Tony dann voll zustimmt

Schöner Familientratsch der schon
Die kommenden Probleme andeutet 
Wenn Christian unter dem Chef Tom
In der Firma nun arbeiten soll

All das mit feinem Blick auf die je
Eigenarten beschrieben in der sich
Große Erzählkunst wie Freude an 
Der Ironie ganz deutlich zeigen

Auch in sich anbahnenden Problemen
Bewahrt Mann den Blick für die Komik
Der Situation und inszeniert sie durch
Das agieren seiner Figuren herrlich


Im Zauberberg nun um auf dem 
Gipfel mannschen Humors noch
Ein wenig zu verweilen liegt noch
Frau Magnus auf der Chaiselongue 

Während sich Mynheer Peeperkorn 
Darüber auslässt in üblichen stets
Unterbrochenen Sätzen wie wichtig
Ausreichende Nahrungsaufnahme sei 

Sofort bestellte er eine große Portion 
Aufschnitt mit Fleisch Schinken Wurst
Gänsebrust und mehr Delikatessen 
Auf die alle sich dann gierig stürzten

Doch schien das gelieferte dem 
Patriarchen nicht zu gefallen und er
Schlug mit der Faust auf den Tisch
Keiner wagte mehr einen Bissen

In den üblich abgehackten Sätzen 
Die wohl Hauptmann so treffend
Karrikierten dass Mann ihn erst
Persönlich beruhigen musste

Dabei bekam Pepperkorn einen
Cholerischen Anfall den erst seine 
Nachbarin Clawdia beruhigen kann
Worauf er Omelette für alle orderte

Zur Unterstützung der Bemühungen 
Gab er noch eben 100 Franken mit
Womit sich die Situation beruhigte
Bald kam das goldgelbe Omelette

Grüngesprenkelt natürlich auch
Erregten die Platten Zufriedenheit
Sowohl der Kulturpersönlichkeit
Wie seiner Gäste die sich bedienten 

Dazu orderte er noch Korn und
Flaschenweise Wein während seine
Nachbarn Clawdia und Hans dazu
Rauchten was ihn nicht störte 

Pepperkorn fragt Hans was er
Dazu denke und dieser fasst die
Rede in Brocken klug zusammen
Worauf Pepperkorn begeistert ist

In hörbar trunkener Rede fordert er
Dann Hans auf mit ihm doch bitte
Bruderschaft zu trinken auch wenn
Zunächst erstmal ohne Du noch

Mit wunderbaren kleinen spöttischen
Gesten beschreibt Mann hier den 
Auftritt der so beeindruckenden 
Persönlichkeit die nichts sagt

Wie in der ganzen Zeit seines
Lauten Auftretens im Berghof gibt
Pepperkorn keinen einzigen ganzen
Satz von sich aber ständig Floskeln 

Als feiner humorvoller Beobachter
Entlarvt Thomas Mann hier viele
Beeindruckende Persönlichkeiten die
Inhaltlich selten etwas bieten können

jens tuengerthal 1.2.26


Freie Liebe

Freie Liebe

Ist Liebe jemals
Frei oder bleibt das eine
Illusion immer

jens tuengerthal 1.2.26

Sonntagsfrage

Sonntagsfrage

Sollen wir Sonntags
Fragen stellen oder nie
Ruhe zu haben

jens tuengerthal 1.2.26

Teegeschmack

Teegeschmack

Teegeschmack ist so
Verschieden wie Teetrinker
Und ihre Launen

jens tuengerthal 1.2.26

Gestaltungsfreiheit

Gestaltungsfreiheit

Wie frei bin ich
Das Leben zu gestalten
Genügt das Bewusstsein
So oder so zu entscheiden 
Gestaltungsfreiheit anzunehmen
Oder ist schon die Annahme 
Eine bloße Illusion nur von
Sklaven in den Zwängen 
Ihrer beschränkten Natur
Die uns nötigt zu tun was 
Eben nötig zum Überleben 
Vom sexuellen Trieb bis zum
Genuss schönster Gefühle
Frage ich mich nur so lange
Bis mir klar wird alle Freiheit
Ist wie das Bewusstsein nur
Eine Idee unserer Natur die
Auch eine Seele oder gar ein
Natürlich unfreies Unterbewusstsein
Nach Laune erfunden hat
Weil sie so frei ist es zu tun
Warum es mir vollkommen genügt
Anzunehmen ich sei wirklich frei
Es damit auch zu sein statt
Sich unfrei nur zu unterwerfen

jens tuengerthal 1.2.26





Lustwecker

Lustwecker

Manchmal schläft die anfangs
Noch stürmische Lust still ein
Wird zur bloßen Gewohnheit
Die sich langsam verliert

Helfen kann sich zu erinnern 
Wie schön es doch einmal war
Um verlorenes wiederzufinden
Doch funktioniert das leider meist

Nur theoretisch gut weil wir von
Nostalgischen Gesprächen selten 
Den magischen Kitzel finden der
Sich zu reizen unentbehrlich ist

Zusammen erotische Literatur lesen
Kann noch wirkungsvoller sein als
Pornos schauen die nur Sex zeigen
Also schlicht auf Bilder geil machen

Die Lust miteinander aber beginnt
Im Kopf und kann dort den Kitzel
Im ganzen Körper auslösen dann
Folgt dieser der Lust auch willig 

Darum ist auch wenn gerade keine
Erotische Literatur zur Hand wobei
Sinnlich oft tiefer wirkt was nicht
Dieses Etikett zu deutlich trägt

Wie überhaupt die indirekte Absicht
Zielführender ist als der stürmische
Angriff auf das Zentrum der Lust
Das über Umwege eher erreicht wird 

Im übrigen gilt jenseits aller Theorie
Was Lust schenkt war auch gut wo 
Ein Mangel gefühlt sind Umwege
Meistens viel wirkungsvoller noch

jens tuengerthal 1.2.26

Liebertrotzdem

Liebertrotzdem

Manchmal hat es die Liebe schwer
Einfach so gelebt zu werden
Dann zeigt sich was trotzdem bleibt
Auch wenn Zweifel kommen ist was
Dennoch bleibt kostbarer danach
Dies zu erkennen lässt die immer
Auch schweren Zeiten leichter 
Miteinander überstehen so ganz
Theoretisch nur manchmal
Fällt es schwer so praktisch
Auch zu leben was wir wissen
Ganz ohne Zweifel dabei noch 
Ruhig zu bleiben ist dann das
Große Liebertrotzdem
Was genügt
Egal wie

jens tuengerthal 1.2.25

Mitternachtsriesling

Mitternachtsriesling

Noch im Januar in eisiger Kälte
Über Schnee und Eis ins wieder
Crossroads um die Ecke gerutscht
Gleich brachte Phil I den Riesling 

Der gerade alleine hier war aber
Da kam Tino schon aus dem Keller 
Oder von irgendwo wieder und
Grüßte beim klettern freundlich

Die Musik unterhält mit Oldies
Ist also auch für mich schon gut
Passend als längst Oldie hier in der
Noch gut gefüllten Kreuzungs-Bar

Ein paar bekannte Gesichter unten
Um den Tisch vor der Bar in der
Hinteren Ecke der Theke ein Paar
In blond sie und brünett er

Alle hier eifrig im Gespräch auch
Oben wo zwei Gruppen dominieren 
Aber in erträglicher Lautstärke noch
Ohnehin übertönt die Musik alles

Tino wieder fleißig am Mixen und
Phil rennt zwischen den Etagen 
Der Rauchpegel hängt tief nun
Klingt es nach kitschigem Country

Zurück geht es dann im genauso
Eisigen Februar über immer noch
Eis und Schnee nach dem Riesling
Zwischen den Monaten hier 

jens tuengerthal 31.1./1.2.26