Mittwoch, 24. Juli 2024

Heiterzeit

Heiterzeit

Zeit für Heiterkeit
Nehmen schenkt mehr Lebenszeit
Als Trauer mir raubt

jens tuengerthal 24.7.24

Wahlkrämpfe

Wahlkrämpfe

Wahlkampf verkrampft
Miteinander nachhaltig
Wem nutzen Wahlen

Lieber Wahlfrieden
Statt weiterer Kämpfe um
Stimmen nach Stimmung

Ganz ohne Sieger
Hätten alle gewonnen
Vor allem Frieden

jens tuengerthal 24.7.24

Liebessorgsam

Liebessorgsam

Liebe sorgt sich um
Der Liebsten Wohlergehen
Nur bedingungslos

jens tuengerthal 24.7.24

Mittwöchig

Mittwöchig

Woche hat sieben
Tage warum drei davor
Wie danach nötig

Mitte findet sich
Am Donnerstag weil Mittwoch
Wochenende fehlt

Immer falsch gezählt
Vergingen Leben darum
Im Ungleichgewicht

jens tuengerthal 24.7.24

Dienstag, 23. Juli 2024

Sternenliebe

Sternenliebe

Unter Sternen an die Liebste denken
Die gerade fern nah gefühlt vielleicht
Den gleichen Sternenhimmel teilt
Macht den Traum von Liebe in der
Einsamkeit so schmerzvoll schön
Dass ihre Anwesenheit nur fast
Noch schöner wäre um sich
Unter den wieder entwölkten
Sternenhimmel zu küssen denn
Manchmal sind die nur Träume
Fast größer als die nur Realität
Denkt der Dichter mit dem Blick
In den Himmel über Berlin der
Kaum Sterne sehen lässt doch
Genügen Träume der Sehnsucht
Mit sich glücklich zu sein gerade

jens tuengerthal 23.7.24

Sommergewitterriesling

Sommergewitterriesling

Auf einen erfrischenden Riesling
Nach dem Sommergewitter das
Die Stadt herrlich abkühlte vorm
Crossroads unter Sternen lässt

Einen heißen Sommertag herrlich
Erfrischend ausklingen neben mir
Am anderen Tisch plaudert eine
Französin ausgelassen am Telefon

Gegenüber am Tisch noch unter
Der Plane eine Dame mit Herrn
Beim Bier im Gespräch vertieft
Raucht sie etwas verschämt

Die beiden reden deutsch aus
Der Bar klingt englisch und der
Riesling kam unbestellt alles
Nimmt einen guten Weg hier

Der frische Wind ist angenehm
Kühl fast wie Seeluft mitten in
Berlin hier vor der Bremer Höhe
Verspricht die Nacht gut zu werden

Der Flaneur staunt lächelnd wie
Sehr wir doch am Wetter hängen
Wie es alles auch in uns beeinflusst
Dankbar für diesen gerade Wechsel

jens tuengerthal 23.7.24

Lektürentagebuch 23/7/24

Lektürentagebuch 23/7/24

Durch sechs Bücher heute gereist
Wie in geistigen Welten geschwebt
Aus vergangenen Jahrhunderten die
Aktueller denn je mir dabei schienen

Diesmal alles Bände aus der geliebten
Anderen Bibliothek was schon haptisch
Ein lustvolles Lesevergnügen immer ist
Das zugleich vielfältig geistig bereichert

Angefangen mit der Grimmelshausen
Biografie von Boehncke und Sarkowicz
Die den Autor als Pazifisten auch zeigt
Wie seine frühen Erlebnisse schildert

Als er die Zerstörung Gelnhausens noch
Miterlebte die er im Simplicissimus dann
Dann sein alter ego beschreiben lässt dem
Wenige Meter über Leichenstapel reichten

Verarbeitet hier Grimmelshausen selbst
Eine traumatische Kinsheitserfahrung indem
Er spät vom unbeschreiblichen Schrecken
Der keine Worte mehr findet schreibt

Genug war es um lieber nach Hanau vor
Den wütenden kaiserlichen Truppen zu
Fliehen wo dann die Schweden regierten
Oder der von ihnen gesandte Schotte

Darüber dann in den Abenteuern des
Simplicissimus selbst zu lesen wie das
Verhalten gegenüber dem Räuber auch
Biografisch zu deuten hilft zum Verständnis

Vom Dreißigjährigen Krieg sprang ich in
Den amerikanischen Bürgerkrieg an dem
Walt Whitman teilnehmen sollte und wie
Der Dichter in New York davon erfuhr

Sehr gespannt auf seine Schilderungen
Des Krieges in den er sich auf die Suche
Nach seinem Bruder macht wie selbst im
Krankenhaus als Sanitäter arbeiten wird

Erhellend ist auch wie er den Anfang
Mit dem keiner rechnete erlebte alle
Dachten es ist schnell erledigt dauert
Höchstens wenige Wochen noch die

Sklavenhalter im Süden zu besiegen
Wie die Freiheit im ganzen Land so
Für alle Menschen durchzusetzen
Wovon die USA bis heute fern sind

Sicher gibt es eine nominelle Gleichheit
Doch ist die Zahl der Opfer von Gewalt
Des Staates unter nicht Weißen deutlich
Höher auch noch nach Obama

Wie erlebt der Dichter der Grashalme
Der zugleich auch enger Freund von
Thoreau war der sich massiv für die
Freiheit und Gleichheit aller einsetzte

Den großen Bürgerkrieg mit all seiner
Grausamkeit als Feingeist im Lazarett
Welche Gedanken bewegen ihn der
Für die gerechte Sache dort pflegte

Aus dem Krieg der USA ging es zum
Kampf der Gedanken beim Philosophen
Sören Kierkegaard in dessen erst spät
Veröffentlichten Band Geheime Papiere

Was der dänische Denker zu Lebzeiten
Noch unter Verschluss hielt war doch so
Scharf und gut formuliert dass Absicht
Wie Ziel ihrer Wirkung deutlich war

Kierkegaard nehme ich immer nur in
Homöopathischen Dosen zu mir die
Noch verdünnter sind als bei Proust
Hier reicht ein kleiner Abschnitt um

Sich einige Tage Gedanken zu machen
Ob Freundschaft nichts anderes sei als
Eine geistige Versicherung und wie
Ekelerregend die Stereotypen dazu sind

Ob die Freundschaft mit dem Verstehen
Endet weil dann die Langeweile beginnt
Die sich nichts mehr zu sagen hat sollten
Verständnisvolle besser gemieden werden

Liegt doch in allem Verständnis schon das
Missverständnis angelegt wie damit auch
Der kommende Konflikt was wir besonders
Gut zwischen Männern und Frauen kennen

Wie befreiend ist es da denkt der Dichter
Frauen als von der Venus und Männer vom
Mars kommend zu sehen dann muss sich
Keiner mehr verstehen kann sich genießen

Ähnlich messerscharf nur viel eleganter
Andrzew Bobkowski in Hinter dem 
Wendekreis bei dem sich der Plüsch
Der Dämmerung nach der Geschäftigkeit

Über die Stadt legt in der dafür das
Akkordeongeschmetter vom Würgen
Der Motoren unterbrochen wird während
Furcht und Enttäuschung häufig wie

Herbstnebel über den Dächern hängen
Von wo einzig die unversehrte Wahrheit
Herströmt was von so großer Eleganz wie
Schönheit ist die innehalten mich lässt

Nach der andächtigen so Minute zog ich
Montaignes Essays in dem wunderbaren
Blauen Band mit goldenem Aufdruck aus
Der Anderen Bibliothek aus dem Regal

Lese dort die letzten Seiten des Essays
Über das Nützliche und Rechte was mit
Dem wunderbaren Zitat beginnt wie ein
Mann mit großem Eifer Quatsch redete

Folgt nach langen Ausführungen und 
Beispielen unverzeihlicher Grausamkeiten
Wie deren Gegenteil als vorbildlich der
Hinweis auf die notwendig nützlichste

Sache der Gesellschaft die Ausübung
Der ehelichen Pflichten sprich des
Beischlafs zur Fortpflanzung mit Lust
Von welcher die Kirche aber ihre

Würdenträger ausschloss wie auch
Nur die Hengste zum Beschälen der
Stuten genutzt werden die zu sonst
Nichts mehr Nütze wären was reicht

Genial bringt Montaigne so die Lust
Die er nach Epikur sehr schätzte wie
Deren Verbot durch die Kirche die er
Als guter Katholik nie direkt angriff

In einen Zusammenhang mit der Moral
Wie der notwendigen Nützlichkeit die
Alles auch die Rolle der Kirche dabei
Lächerlich infragestellt ohne es zu sagen

Diese elegante französische Form der
Kritik wie der Moral die mit dem Sex
Als notwendig nützlich endet lässt den
Leser mit geteilter Freude lächeln

Michel de Montaigne der zwar in den
Essays über das Leiden an seinem
Nach der Natur kleinen Schwanz als
Betroffener schreibt aber auch stets

Ein Genießer war wie auch sein
Reisetagebuch zeigt das einige
Pikante Details über deutsche Bäder
Die nackt gemischt waren wie die

Angeblich besten venezianischen
Huren zu erzählen weiß was er zu
Lebzeiten nie veröffentlichte erst
Viel später noch gefunden wurde

Der deutsche Drang zur Nacktheit
Überlebte seit dem 16. Jahrhundert
Nur heute in den Saunen der Studios
Als Fitnesseinrichtung was ja passt

Das Volk der Birkenstock Sandalen
Die nicht nur Oberstudienräte mit
Socken tragen bleibt sich ähnlich
Wie die Franzosen beim Thema Sex

jens tuengerthal 23.7.24

Staatsverständnis

Staatsverständnis

Wie ändert sich das Verständnis vom
Staat und unserer Rolle in ihm könnte
Die wichtigste Frage sein um gerade
Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen

Der Staat bildete sich aus Familien
Die zu Dorfgemeinschaften wie dann
Städten und Ländern wurden wie sich
Gemeinsamen Interessen unterwarfen

Eine unterschiedliche Rolle spielten
Dabei die Götter und ihre jeweils
Organisationen welche die Macht
Etwa des Adels als gottgewollt erst

Legitimierte damit die Basis absoluter
Herrschaft setzte die sich auch in den
Innersten Bereich des Glaubens noch
Fortsetzte also allumfassend war

Nach dreißig Jahren Krieg um den
Rechten Glauben in Europa begann
Die Aufklärung den Staat wie seine
Begründung vom Glauben zu trennen

Diese Entwicklung zur Freiheit fand in
Der Epoche der Romantik ihre Grenzen
Welche die Nation heilig sprachen als
Auch gläubige Gemeinschaft noch

So war auch die deutsche Revolution
Von 1848 die weiter europäisch war
Von romantisch nationalem Geist an
Eine nicht existente Nation geprägt

Das emotionale Gegengewicht zur
Vernunftbetonten Aufklärung fand im
Nationalstaat ein neues Ideal der noch
Mit Rasse und Herkunft begründet wurde

Der Glaube an die Nation wie Rassen war
Wie der Glaube an den Kommunismus die
Begründung grausamster Massenmorde
Wie zweier Weltkriege im 20. Jahrhundert

Nach dem Fall der Mauer wie dem Ende
Des Ostblocks schien zumindest Europa
In einer Phase der Freiheit angekommen
Die Nation wurde dort faktisch überwunden

Bedenken wir dass Nationen ausmachte
Kriege zu führen wie über ihren Haushalt
Autonom zu entscheiden wird offensichtlich
Warum die EU die Nation erledigte

Noch brauchen einige Menschen diese
Große Chance als solche zu begreifen
Was an unehrlicher Feigheit auch ihrer
Regierungen liegt die von Nation reden

Sehen wir die Familie als Kern des Staates
Aus dem alles andere wuchs ist die Folge
Das sich mit der Veränderung dieser wie
Des Lebens in ihnen auch jener verändert

Es braucht in postideologischen Zeiten
Nun ein neues Staatsverständnis was
Ihn ehrlich wie schlicht eine bloße
Verwaltungsgemeinschaft nennt

Für den gegenwärtigen Staat steht
Brüssel und seine rechtsstaatlichen
Administrationen die sich kontrolliert
Die emotionale Nation ist nicht mehr

Bei sportlichen Spielen taucht sie noch
Auf wie die Welt in ein gegeneinander
Was diese noch fraglicher macht doch
Erkennen mehr nötiges miteinander

Die Nation von der nationale Kräfte
Noch mit vielen Vorurteilen träumen
Gibt es auch ökonomisch nicht mehr
Abschottung ist keine Lösung je

Wer darauf setzt fällt aus der Zeit
Findet nur immer noch Zukauf weil
Viele nicht in der Gegenwart bisher
Ankamen sich nach Toten sehnen

Es stünde uns freien Bürgern frei
Die Staaten zu verabschieden uns
Als freie Gemeinschaft grenzenlos
Zu sehen wo wir gerade sein wollen

Dieses Staatsverständnis der Zukunft
Gibt einen Blick in kommende Welten
In denen autonome Gemeinschaften
Im eigenen Interesse sich verbinden

Eine Verwaltung die das eben nötige
Für diese verwalten kann wird dabei
So regional wie möglich und so zentral
Wie effektiv und nötig geschaffen

Befreien wir den Staat vom Aberglauben
Ob an Götter oder Nationen wie uns
Vom Staat der nur verwalten soll als
Quelle einer wertlosen Identität

Wir alle sind Einzelne die ihre Welt
Auf sich gestellt haben wie es schon
Max Stirner in seinem Einzigen schrieb
Der Staat ist nur ein Verwaltungsrahmen

Wer sich auf sich besinnt wie seine
Interessen wird merken wie unnötig
Staaten sind sie uns nur in unserer
Freiheit zu leben logisch behindern

Ein zeitgemäßer Staat wäre darum
Wesentlich anarchischer und ließe
Den Bürgern mit weniger Aufwand
Mehr Freiheit in ihrem Interesse

Es wird kein Staat meine Probleme
Oder die der Welt mit uns lösen
Doch können Menschen für sich tun
Was ihnen wie einander gut tut

Ohne Staaten bräuchte es keine
Armeen wie kaum noch Steuern
Gäbe keine Grenzen mehr dafür
Ein Interesse an der Versorgung

Noch sind wir fern von diesem Ideal
Europa bietet einen guten Rahmen
Sich auf diesen Weg zu begeben
Wichtig ist sich dessen bewusst zu sein

jens tuengerthal 23.7.24

Sommerlust

Sommerlust

Sex im Sommer wird
Überschätzt ist real meist
Nur klebrig verschwitzt

jens tuengerthal 23.7.24

Liebesjahr

Liebesjahr

Die Jahreszeiten
Wechseln im Liebesjahr
Auch gegenläufig

jens tuengerthal 23.7.24

Liebessomer

Liebessomer

Ein Liebessomer
Oder wieder nur eine
Halt Sommerliebe

jens tuengerthal 23.7.24

Sommerlicht

Sommerlicht

Alles strahlt heller
Im gleißenden Sommerlicht
Bin noch geblendet

jens tuengerthal 23.7.24

Montag, 22. Juli 2024

Kamalatee

Kamalatee

Ist Kamala Harris endlich der radikale
Gegenentwurf zu Trump wie auch
Die beste Kandidatin der Demokraten
Für den nun Präsidentenwahlkampf

POC und Feministin intelligent wie
Gebildet ist sie das Gegenteil zum
Peinlichen Trump und böte der Welt
Eine schon viel bessere Perspektive

Das Geschrei der Republikaner nach
Schadensersatz wegen der so späten
Nominierung offenbart deren akute
Hilflosigkeit im Kampf um Washington

Wie soll Trump Harris angehen ohne
Zugleich alle Frauen und POC damit
Sicher zu vergraulen es sieht schlecht
Aus für den nun viel zu alten Mann

Fraglich nur ob eine Präsidentschaft
Von Harris die vier Jahre blass blieb
Nicht der Wiederaufguss nur ihrer
Farblosen Vizepräsidentschaft wäre

Kann sie der Stern werden der endlich
Amerika zumindest die USA wieder
Einen kann oder ist viel eher nur der
Nächste Fesselballon zur Verwirrung

Die besten Chancen gegen Trump
Hätte nach allen Umfragen bisher
Michelle Obama die ohnehin auch
Die ideale nächste Präsidentin wäre

Seltsam mutet dabei an dass der
Überall beliebte Obama sich zur
Kandidatur von Harris gar nicht
Weiter äußerte sondern schwieg

Angeblich will Michelle Obama nicht
Doch wird sie sich wehren wenn die
Demokraten sie einig zur Kandidatin
Rufen um vor Trump zu schützen

Kamala Harris spielt nun ihre Rolle
Wird zum Stern hochgejubelt der im
Trumplager bereits Panik auslöste
Weil er keine Chance sachlich hätte

Wenn die Republikaner nun dreist
Biden in den Ruhestand drängen heißt
Das Harris würde Präsidentin vorab
Als seine amtierende Stellvertreterin

Sind diese Fanatiker wirklich so dumm
Sich dies wünschen zu können was
Die Kandidatin entscheidend stärkte
Was soll von Trump erwartet werden

Doch nominiert wird Michelle Obama
Würde ich fast wetten würde ich es je
Es geht diesmal um zuviel als das die
Zweite Reihe einfach übernehmen kann

Staune wie geschickt und diszipliniert die
Demokraten nun zusammenarbeiten wie
Chaotisch das Team Trump dagegen ist
Denke es könnte überraschend werden

jens tuengerthal 22.7.24

Lektürentagebuch 22/7/24

Lektürentagebuch 22/7/24

Nach der Seelektüre wieder die
Bewährte Diwanlektüre heute mit
Marcel Proust und Thomas Mann
La recherche und der Josephsroman

Beide spielen mit wunderbarer Sprache
Die in feinen Nuancen ironisch andeutet
Aber weit darüber hinaus am Epos webt
Der sich aus dem großen Bild ergibt

So schaffen beide Autoren eine eigene
Welt mit einer besonderen Sprache die
Leser fordert amüsiert wie befremdet
Etwas literarisch neues damit schuf

Proust lässt den Ich-Erzähler in Balbec
Die feine Dezentz der Herzogin erleben
Wie über diese Bescheidenheit die tief
In sich ruht ohne mehr sein zu wollen

Im gesellschaftlichen Kontext nachdenken
Wie sich das Großbürgertum über den
Adel lästernd darin übt diesen noch an
Stil und mehr zu überbieten ohne es

Mit Klasse und Niveau so zu können
Sondern eher schlechten Charakter
Dabei zu zeigen wo sie sich sogar
Klassenbewusst abgrenzen wollen

Die Herzogin plaudert ganz nebenbei
Welche Literaten und Maler sie noch
Im elterlichen Schloss erlebte in einer
Dabei so feinen wie geistigen Welt

Der junge Protagonist der Erinnerung
Selbst Literat ist gehörig beeindruckt
Wie voller Bewunderung ohne sich
Dies noch zu sehr anmerken zu lassen

Proust beschreibt hier fein die kleinen
Spielregeln der Klassen die sich dabei
Voneinander abgrenzen wie einander
Auf die eine oder andere Angeberei

Übertreffen wollen wobei es der Adel
Hier die Herzogin mit mehr nonchalance
Quasi nebenbei noch macht während
Die Bildungsbürger stets bemüht sind

Die einen ringen um ihre Klasse während
Der längst überholte und erledigte bloß
Alte Privilegien verwaltet als seien sie
Noch immer irgend selbstverständlich

Dieses dezente Spiel beherrscht die
Herzogin als Freundin der Großmutter
Bis zur Perfektion wie überhaupt die
Selbstdarstellung dort professionell ist

Wer über Jahrhunderte in Familien stets
Repräsentant war und es gewohnt ist
Von Kindesbeinen an zu repräsentieren
Macht nebenbei worum andere sich mühen

So zeigt Proust die Klassengrenzen deutlich
Ohne sie so zu nennen sondern weist den
Protagonisten ihre Rolle zu die sie dabei
Nach Strickmuster auch erfüllen

Über wen sich der Autor dabei mehr
Oder weniger lustig macht wem er
Mehr Klasse zubilligt ist weniger
Deutlich als der Schalk überhaupt

Natürlich spielt die Herzogin ihre Rolle
Mit großer Würde und Understatement
Was auch ihre eigene Kunst ignoriert
Die Klasse vollkommen dabei zu spielen

Sie ist so eins mit ihrer Rolle dass alles
Andere dahinter zurücktritt und sie alles
Tun kann ohne je die Würde zu verlieren
Aber am Ende doch bloß gespielt bleibt

Welche Rolle Joseph in Ägypten spielt
Bleibt lange noch unklar zumindest hat
Seine vollkommene Pflichterfüllung ihm
Seines Herren Vertrauen geschenkt

Dies obwohl ein Zugereister aus einer
Anderen Kultur der noch fremdelte im
Vielfältig freien Ägypten ist er bald allen
Weiteren Dienstbaren darin überlegen

Er sammelt auch Feinde die wissen
Sie verspielten die Gunst ihres Herren
Integrierten sie gegen Joseph der wie
Ein Ägypter längst die Güter verwaltet

Er steigt im Dienst des ersten Dieners
Des Pharaos immer höher und doch
Deutet Mann schon das drohende
Scheitern und die Gefahr dabei an

Wie der Hofzwerg den neuen jungen
Ersten Diener des Herren so sehr lobt
Dass er der Herrin Interesse weckt was
Schließlich ins Verderben führt wie die

Biblische Geschichte der Mann folgte
Es schon erzählte aus dem dann erst
Eine wundersam kluge Vorhersage in
Höchster Hungersnot wieder befreit

In feinen Andeutungen umkreist Mann
Das drohende Geschehen um sich auf
Den Handlungsablauf voll zu konzentrieren
Welcher immer schon im Schatten steht

Dieses fast thrillerartige Element in der
Neuerzählung der biblischen Geschichte
Ist ein elegantes Spiel mit der Kunst die
Thomas Mann wie keiner sonst beherrschte

Viel ist es nicht was die Bibel uns vom Weg
Des Josef nach und in Ägypten erzählt doch
Ein Universum öffnet dafür Mann in dem alle
Großen Gefühle ihre eigene Rolle tanzen

Es ist die Josefsgeschichte noch dazu im
Biblischen Ton erzählt welcher noch weiter
Die Wirklichkeit zu verschleiern scheint die
Droht wie dabei unabwendbar auch ist

Auch wenn es mir beim Josephs-Roman
Wie bei Proust geht ich häufig schon nach
Einige Seiten wieder genug habe ist die
Tausend längst begeistert überschritten 

Große Autoren der Weltliteratur die es
Schaffen dich mit in ihr Werk zu nehmen
Um im geschaffenen Kosmos zu leben
Sind ein seltener wie schöner Genuss

Wo sie es dabei noch mit Ironie wie
Einem ganz eigenen Humor tun der
Nie herablassend wird sondern die
Handelnden sich selbst spielen lässt

Fällt es fast schwer aufzuhören auch
Wenn ich beide in winzigen Portionen
Der hohen Küche bevorzuge damit
Sie ein besonderer Genuss bleiben

Gerne möchte ich von Joseph wie
Der Suche nach der verlorenen Zeit
Noch lange als Leser profitieren der
Selig lächelnd in Sprachreiche taucht

jens tuengerthal 22.7.24

Teezeitig

Teezeitig

Teezeit ist immer
Wenn Teetrinker Tee trinken
Egal welche Zeit

jens tuengerthal 22.7.24

Herzpuzzle

Herzpuzzle

Bei Herzbruch hilft kein
Puzzlen der verlorenen
Teile der Liebe

jens tuengerthal 22.7.24

Selbstliebe

Selbstliebe

Selbstliebe ist kein
Anstatt oder Vergleich mehr
Genügt sich allein

jens tuengerthal 22.7.24