Samstag, 10. Juli 2021

Proustata

Proustata

Marcel Proust wäre heute 150 Jahre
Geworden würde wer je so alt aber
Er brachte es lange vorher hinter sich
Seiner mit Jubel und Tatata gedenken
Passt nicht zu seiner Vornehmheit
Doch auf der eigenen Suche nach der
Für immer verlorenen Zeit die sich nur
In den Kellern der Erinnerung wiederfindet
Zieht sich der Dichter mit Verneigung
Hinter den Meister zurück um ihm hier
In Zitaten das Wort zu geben voller
Schöner Erinnerungen an Lesezeit
Mit ihm in wiedergefundener Zeit:

Das wahre Leben, das einzige von uns wahrhaft gelebte Leben, ist die Literatur.

Aus dem Umstand, dass mittelmäßige Menschen oft arbeitsam sind und die intelligenten oft faul, kann man nicht schließen, dass Arbeit für den Geist eine bessere Disziplin sei als Faulheit.

Das Lesen liegt an der Schwelle des geistigen Lebens; es kann uns darin einführen, aber es ist nicht dieses Leben.

Emerson begann selten zu schreiben, ohne vorher ein paar Seiten von Plato zu lesen.

Alle unsere endgültigen Entschlüsse werden in einem sehr vergänglichen Gemütszustand gefasst.

Das Denken erschafft die Welt in jedem Augenblick neu.

Das einzige Paradies ist das verlorene Paradies.

Das einzige, das noch schwieriger ist, als ein geordnetes Leben zu führen: es andern nicht aufzuzwingen.

Das Glück ist gut für den Leib, das Unglück für die Kunst.

Das Verlangen läßt alle Dinge blühen, der Besitz zieht alle Dinge in den Staub.

Denn nicht nur dadurch, daß man andere, sondern auch daß man sich selbst belügt, verliert man schließlich das Gefühl dafür, wann man eigentlich lügt.

Die Ausnahmen von der Regel machen den Märchenzauber des Daseins aus.

Die Gewohnheit ist eine zweite Natur; sie hindert uns, die erste kennenzulernen, deren Grausamkeiten und deren Zauber sie nicht hat.

Die wirkliche Entdeckungsreise bestehet nicht im Kennenlernen neuer Landschaften, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.

Einsamkeit hat den großen Vorteil, daß man die Flucht vor sich selbst einstellt.

Frauen sind austauschbare Instrumente für ein stets identisches Vergnügen.

Glücksgefühle sind wohltätig für den Körper, aber die Kräfte des Geistes werden durch Kummer entwickelt.

Wer liebt, sucht nicht das Glück, sondern das Unglück.

Marcel Proust

Aufrichtigkeitsfreiheit

Aufrichtigkeitsfreiheit

Ehrlich und aufrichtig zu sein macht frei
Lügen nehmen in einem Netz gefangen
Darum liebe ich die Klarheit soweit mein
Zugegeben beschränkter Horizont reicht
So einfach und klar wie nur möglich damit
Der Kopf für anderes frei ist statt sich in
Unklaren Geschichten zu verstricken die
Nur von Katastrophe zu Katastrophe
Führen statt zu genießen was ist denn
Es ist weniger wichtig was genau ist als
Wie gut die Umstände tun und wie frei
Diese von uns gewählt wurden um so
Ein selbstbestimmtes Leben zu führen
Was nur ehrlich aufrichtig möglich ist
Wenn du entscheidest wie es ist wie
Die Art zu leben selbst auswählst statt
Dich einem Korsett nur zu beugen was
Du dir nicht selbst gewählt hast womit
Die Umstände dich schnell versklaven
Wie immer mehr Lügen dich verstricken
Wogegen selbstbestimmte Klarheit ohne
Jede Gewissensnot glücklich macht
Denke ich und dagegen sind schon alle
Sonst Bedingungen egal weil Freiheit
All dies glücklich aufwiegen kann was
Weder Reichtum noch Erfolg oder sonst
Oft durch Schein und Lügen erworbenes
Dir je an Zufriedenheit bieten können 
Warum ich mich für die Freiheit wie den
Aufrichtig ehrlichen Weg zu ihr entschied
Der alles übrige entbehrlich macht weil
Wer ihn geht mit sich im reinen ist was
Der wohl kostbarste Schatz immer ist
Für alle die in Freiheit leben wollen

jens tuengerthal 10.7.21

Freitag, 9. Juli 2021

Liebesruhe

Liebesruhe

Liebe bringt immer Unruhe
In ein geordnete Leben was
Schönstes Glück sein kann
Aber auch größte Qual wenn
Sich keine Zuverlässigkeit findet
Alles wie so oft eher offen
Unklar bleibt weil sich beide
Alle Optionen offen halten
Um nichts zu verpassen
Bleibt es ewig unruhig
Nur die kleinen Momente
Nach dem Sex geben dann
Die Illusion anzukommen
Beieinander wie miteinander
Und vergehen so schnell wie
Ein Höhepunkt dauert um wieder
Im Nichts zu verschwinden
Auf das neue Unruhe wartet
Damit das Rad sich weiter dreht
Das Glück miteinander Ruhe
Genießen zu können ist der
Wohl kostbarste Schatz den
Liebe schenken kann doch
Zu oft geben wir ihn auf um
Etwas zu unternehmen was
Von der inneren Unruhe ablenkt
Wer ruhig miteinander genießt
Hat alles gefunden und braucht
Nichts und keine Suche mehr
Wenige merken es je dabei
Ist es das schönste was sein kann
Postkoitale Zufriedenheit als die
Stimmung einer Liebe zu leben
Dann ist alle Unruhe überwunden
Liebesruhe kam um zu bleiben
Vielleicht ist es nur ein Traum

jens tuengerthal 9.7.21

Naturpersönlichkeit

Naturpersönlichkeit

Gerade bei Hannah Arendt über
Rahel Varnhagen gelesen die sich
Sterbend ihrer Kultur wie ihrer
Wurzeln erinnert wie ihr Mann
Uns überliefert hat was Hannah
Neu nahebringt in der Betrachtung
Was unser Sein im Kern ausmacht
Ob die Persönlichkeit geprägt ist
Durch primär Kultur oder Natur
Was ist der Mensch noch ohne
Seine Geschichte die alles prägt
Älter als jedes Individuum ist
Weiter wirkt als wir denken
Es ist der alte Gegensatz von
Anlage aus der Natur also dem
Erbgut auch der Familie wie
Prägung durch Erziehung also
Kultur die auch in der Familie wurzelt
So sieht sich das Kulturwesen als
Ein Sein in seiner Geschichte die
Bloße biologische Existenz lange
Schon in den Schatten stellt weil
Im Anfang der Menschheit oder
Den erschöpfenden Sagen darum
Vor Urzeiten ewig wurzelnd
Während die biologische Existenz
Außer langen Worten wenig an
Geschichte bringt in der jeweils
Neukombination der Kodizes des
Genetischen Gerippes unseres Seins
Natürlich sind wir also wenig aber
Historisch werden wir zu Individuen
An der je Spitze ihrer Kultur während
Das nur Naturprodukt alleine nach
Nützlichkeit seine Werte sortiert
Liegt Kultur in ihrer je Tradition
Weit jenseits solcher Erwägung
Erhält auch scheinbar Unnützes
Sich als eigenen Schatz noch

jens tuengerthal 9.7.21

Wahrheitssuche

Wahrheitssuche

Aufklärer suchen die Wahrheit
Dabei wissen wir längst sie ist
Die Erfindung eines Lügners
Weil keiner sie kennen kann
Der Anspruch systematisch
Lügen erfordert welche ein
Netz weben was uns fesselt
Vielleicht sagen wir künftig
Lieber wir streben danach
Aber auch das wäre gelogen
Wer Wahrheit erreichen will
Strebt mit totalitärem Anspruch
Beerdigen wir diese Lüge lieber
Es ist schwer genug mit der
Wirklichkeit zu leben die wir
Uns lieber nicht eingestehen
Weniger verletzlich zu sein
Wüsste die die ich wirklich
Liebe wie sehr ich es tue
Während ich das Gegenteil
Zur Rettung des Herzen in
Letzter Freiheit sage aber
Auch meine mich selbst
Zu überzeugen etwa als
Ein abstruses Beispiel nur
Fern jeder Wirklichkeit
Aber doch passend denn
Gibt es Liebe je wirklich
Diesen fliegenden Gedanken
Was könnte wahrer sein uns
Als Gewissheit dabei aber
Was nichts ist verschwindet
Auch wieder im Nichts
Wer weiß was wirklich ist
Wenn sogar die Liebenden
Lügen um wertvoll zu wirken
Vielleicht wäre es Aufklärung
Zumindest bei dem was uns
Am nächsten kommt ehrlich zu sein
Aber was machte es mit unserer
Wirklichkeit der wir ausgeliefert
Denke ich und belüge weiter
Zuerst mich über die Liebe
Die völlig egal sein sollte
Wäre ich wirklich frei aber
Die eine wird es merken
Denk ich zugegeben naiv
Alle anderen werden dann egal
Als gäbe es die wahre Liebe
Manche Lügen aber machen
Das Leben viel schöner
Damit auch die Wirklichkeit
Und so ist es am Ende
Egal wie besser so
Und die Liebe egal
Irgendwann

jens tuengerthal 9.7.21

Risikolotto

Risikolotto

Heute wurde es wieder Spanien
Wer dort gerade im Urlaub ist
Darf anschließend noch verlängern
Für 10 Tage Quarantäne zu Hause
Vielleicht schon ein Hauptgewinn
Die EM mit Zuschauern die Japan
Vernünftig verantwortlich verbannt
Tut ein übriges zur Expansion der
Indischen Delta Variante während
Der Fußball nach Hause kommt
Verseucht die kranke Nation den
Kontinent wieder wie erwartet
Von der Wissenschaft angekündigt
Gegen alle Vernunft und Vorsicht
Bin das Mahnen so leid schon lange
Lass sie doch machen denk ich
Nur sterben nicht die Idioten die
Partys in Malle feiern oder in
Wembley jubeln vielmehr trifft es
Die Alten Schwachen Kranken
Sie bräuchten dringend Schutz
Aber haben keine Verteidiger
Wer jetzt nach Normalität ruft
Beschleunigt ihr Sterben nur
Aber das kann jeder wissen
Wer es ignoriert offenbart sich
Alles mehr scheint überflüssig
Leben eben wie immer wohl
Irgendwann hört es auf wer
Übrig ist macht weiter und
Der Rest ist nicht mehr da
Nicht der Rede weiter wert
Wir nennen es Natur

jens tuengerthal 9.7.21

Liebeswarten

Liebeswarten

Manchmal kommt die Liebe einfach
Mit der Lust oder ihr folgend als quasi
Echo der gefühlten Nähe dann wieder
Verschwindet was groß schien im Nichts
Zufälliger Begegnungen spurlos wieder
Dann bist du einen Moment verwirrt
Aber die Erfahrung lehrt dich was
Bleibt kommt wieder um zu sein
Was es miteinander gleich war
Manche merken es später erst
Nur was nichts war verschwindet
Ohne Spuren zu hinterlassen
Wer nicht will ist nicht zu halten
Selten kommt alles gleichzeitig
Häufiger lieben wir noch aneinander
Vorbei ín falscher Hoffnung gefangen
Auf die Erlösung wartend die sich
Gerne mehr Zeit lässt als wir aushalten
So fragt sich zwischen verpassten Lieben
Gibt es die romantische Form noch
Oder hat sie keine Perspektive mehr
Weil nur im Moment schönes Gefühl
Aber im Alltag nicht überlebensfähig
Zu sicherer Enttäuschung nur führt
Lebten wir besser ohne Beziehung
Wie damit ohne enttäuschte Erwartung
Entspannt den Augenblick genießend
Der kommt und wieder geht denn
Nichts ist quälender als auf Liebe
Zu warten die keine Erfüllung findet
Oder sich ungleichzeitig verpasst
Freier lebt sich nichts zu wollen
Um sich an dem zu freuen was ist
Manchmal aber lohnt sich zu warten
Weil was bleibt kommt wenn es kann
Nur ist es hoffnungslos erträglicher
Wenn du weißt es ist was es ist
Findet sich was zusammengehört
Mit der Zeit von ganz alleine
Verlor immer wo ich unbedingt wollte
Aber fand überraschend erwartungslos
Womit ich länger glücklicher lebte
Vielleicht ist die größte Übung der Liebe
Gelassenheit für sich zu bewahren
Also die Geduld zu genießen um
Im richtigen Moment da zu sein
Manches werde ich nie wissen
Denke ich und warte was bleibt
Erschreibe mir Gelassenheit die
Real auf dünnem Eis noch steht
Aber die Zeit lässt es wachsen und
Wer einbricht kann gerettet werden
Am Ende ist wieder Zeit vergangen
Womit zumindest etwas blieb

jens tuengerthal 9.7.21

Donnerstag, 8. Juli 2021

Lebenslust

Lebenslust

Genieße das Leben gerne
Voller Lust wie es ist was
Eine immer wieder Aufgabe
Ist wenn scheinbare Zwänge
Sich ungefragt aufdrängen
So tun als müsste etwas
Unbedingt erledigt werden
Oder ein Ziel schreit laut nach
Erreichung um sich dann
Toll zu fühlen und angeben
Zu können aber seit ich das
Nichts muss oder bleibt
Verinnerlicht habe ganz gegen
Das bürgerliche Streben nach
Ruhm oder Aufstieg bin ich
Wirklich frei geworden
Sterben werden wir alle
Am Ende von alleine aber
Bis dahin genossen zu haben
Scheint die höchste Kunst
Die dauerhafte Zufriedenheit
Inzwischen mir schenkt die
Nur in Anfällen von Leichtsinn
Frauen gelegentlich stören
Wenn die Natur zu wollen treibt
Was nie erzwungen werden kann
Nur bleibt wenn es also sie will
Darin zu genießen was kommt
Statt sich erschüttern zu lassen
Von denen die nicht wollen oder
Was noch häufiger wohl ist
Nicht wissen was sie wollen
Aber etwas anderes unbedingt
Noch erreichen möchten
Schenkt dauerhafte Gelassenheit
Ein wunderbares Wohlgefühl
Was es zu genießen gilt
Wie wo möglich zu teilen
Macht aus weniger mehr
Jeden Ort dir zum Paradies
Liebt das Leben wirklich so
Wie es dies auch verdient
Liege auf dem Diwan die
Geliebten Bücher neben mir
Dankbar für alles was ist
Zufrieden mit dem was ich bin
Habe ich im Nichts wie einst
Als Kontrapunkt zur Dunkelheit
In die Abhängigkeit stürzen ließ
Alles gefunden mit weniger als
Noch Leben planend möglich schien
Diesem Zustand der Zufriedenheit
In Dankbarkeit für dies Glück
Zu erhalten solang ich lebe
Scheint mir wichtiger als alles
Teile es gerne wenn es passt
Aber werde nie die Ruhe für
Hoffnung auf Bestätigung 
Fahren lassen und kämpfen
Alles fließt und kommt wie es passt
Denke ich dabei lächelnd manchmal
Nur muss ich mich daran erinnern
Eine kleine Bibliothek am Platz
Wie Ruhe in sich ist alles was
Mensch noch erreichen kann
Glücklich zu bleiben also die
Vornehmste Aufgabe im Leben
Habe mich darum bemüht
Und es ist gut so in einen
Leben voller Lust

jens tuengerthal 8.7.21

Gespensterkunde

Gespensterkunde

Gespenster sind nichts als Aberglaube
Im Sinne der Aufklärung als bloße
Geisterwesen erfundener Seelen die
Nur die Angst vor dem Tod benutzen
Unfreiheit mit Furcht zu begründen
Dabei weiß alle Vernunft längst
Nach dem Tod endet das Leben
Mehr ist völlig irrelevant für ein
Gutes glückliches Leben immer
Und doch spielt der Hokuspokus
Eine große Rolle für viele Menschen
Die sich gern mit dem Jenseits
Beschäftigen über das wir nie etwas
Wissen können aber dafür lieber
Jeden Unsinn noch glauben solange
Gläser wackeln und Türen knarren
Es sich den aufgeregten Anschein
Höherer Welten noch gibt weil sich
Reales Nichts gern transzendent tarnt
Um etwas zu sein wo nichts ist
Denkt mein kritischer Geist den
Jahrzehnte als Aufklärer und Freimaurer
Den nötigen Abstand zur Magie lehrten
Anders schaut dagegen der Autor
Aus mir auf magische Welten die
Alte Familien wie meine umgeben
Von beiden Seiten seltsam verwoben
Die Sagen von den Vorfahren oder
Das zunehmende Alter bei dem ab 50
Die Zahl der bereits Verstorbenen die
Der noch Lebenden immer schneller
Auch im engsten Kreise übersteigt
Der Geschichtenerzähler der sich
Vor 30 Jahren aufmachte schon
Seiner Familien Geschichte noch
Zu erzählen was ewige Suche wurde
In der ich gleich dem Zauberlehrling
Mit all den Geistern nun ringe die
Der Blick zurück in mir wachrief
Die schwerhörige Großtante die
Im hundertsten vor 20 Jahren starb
Die Großeltern deren letzte noch
Bis 2010 kurz vorm 100. lebte
Der Großvater als Kadett in Berlin
Wie er die Revolution 1918 erlebte
Die Geister weiterer Vorfahren
Tauchen aus dem Nebel auf
Urgroßvater der Bordingenieur
Vom roten Baron noch der einst
Ostfriesland elektrifizierte am
Ersten Torfkraftwerk nah der Küste
An der Kaisers Marine wuchs dessen
Tochter in London die jetzt Queen
Als junges Mädchen schaukelte
Urgroßvater der vor Verdun 16 fiel
Dessen Schwiegervater noch der
Hofbibliothekar zu Sachsen-Gotha
Im heute thüringischen Herzogtum
War wo die Familie herkommt wie
Die einst Göthes bevor noch der
Großvater des Dichters als Schneider
In Lyon französische Mode lernte
Es ist ein sprudelnder unendlicher
Fundus von Anekdoten gemischt
Mit Märchen und Sagen der Zweige
Der Familien mir lokaler Färbung
Ist der Zwerg Zippelzapp von dem
Die auch eher kleine Großmutter mir
Als ihrem Enkel in ewigen Geschichten
Die immer fortgesetzt wurden erzählte
Ein nur Kindermärchen beim Wandern
Im Harz erfunden oder vielmehr ein
Hinweis  auf alte Wurzeln der bremischen
Familie in den grünen Wäldern dort
In der Mitte Deutschlands irgendwie
Wo hochdeutsch gesprochen wird
Die Brüder Grimm Märchen sammelten
Welche längst Kulturgut wurden
Sind diese nur Varianten alter Mythen
Von der Gründung unserer Kultur
Stamme ich von Zwergen im Harz ab
Wo verschwimmt erfundene mit der
Erforschten Geschichte und wie ist
Diese in Familien noch präsenter
Als es Realität je sein könnte als
Gemachte Wirklichkeit aus der
Erinnerung gelebter Tradition

jens tuengerthal 8.7.21

Liebesunfreiheit

Liebesunfreiheit

Liebe ist nur dann wertvoll
Wenn sie in Freiheit entstand
Also eine freie Entscheidung
Füreinander und damit gegen
Die Freiheit zu wählen wird
Wer sich füreinander bestimmt
Fühlt entscheidet nicht sondern
Ist Opfer nur eines Gefühls das
Die Basis in der es wurzelt zerstört
Was logisch untauglich ist hier
Keiner weiteren Worte bedarf
Doch auch wo frei gewählt
Zerstört Liebe die Freiheit da
Wer freien Willens anders könnte
Längst nicht mehr liebt sondern
Optionen nach Perspektive sortiert
Was sicher sehr vernünftig ist
Allen Opfern von zuviel eher
Immer zu empfehlen noch
Aber nichts mit Liebe zu tun hat
Die immer alternativlos bleibt
Sonst längst schon verschwand
Ohne Freiheit zur Aufgabe dieser
Freiheit ist die Liebe wertlos
Was nicht dazu führt ist keine
Wie das dauerhaft funktionieren soll
Bleibt ein unergründliches Rätsel
Vielleicht ein Wunder der Natur
Wir begeben uns freiwillig in
Unfreiheit die nur wertvoll wo
Es in Freiheit geschah die aber
Solange sie herrscht Liebe stets
Ausschließt was paradox bleibt
Aber ich muss nichts verstehen
Da es auch ohne funktioniert
Liebe halt wie üblich und
Gegen alle Pläne immun
Schön ist es trotzdem
Manchmal zumindest noch
Für kleine Momente wenn
Es ist was es ist

jens tuengerthal 8.7.21

Freiheitslieblich

Freiheitslieblich

In Freiheit zu leben klingt wunderbar
Lieblich geradezu sei ihr Echo aber
Hart und brutal ihre Realität ist die
Übliche Litanei der Mahner welche
Unmündige Bürger vorm Wagnis
Der Verantwortung schützen wollen
Warum der Staat nur zur Sicherheit
Mit Gesetzen die Bürger bewahre
Vor unkalkulierbaren Risiken wie
Zum Preis der Freiheit versorgt
Aufklärung erforderte dagegen
Befreiung aus selbstverschuldeter
Unmündigkeit was fraglich scheint
Wenn der besorgte Staat lieber
Seine Bürger zu ihrer Sicherheit
Vorab entmündigt wie versorgt
Es ist ja bequem und besser so
Bewahrt vor vielen Gefahren
Wenn die Verfassung dazu noch
Freiheit wie Würde garantiert
Können wir doch unbesorgt sein
Im gut kontrollierten Rechtsstaat
Denkt der gute Bürger in mir
Aber das Gewissen brüllt ihn an
Du unwürdiger feiger Sack
Verspielst was Freiheit ausmacht
Nichts spricht gegen Sicherheit
Im Sozialen durch ein Bürgergeld
Was Markt und Freiheit stärkte
Aber alles gegen Sicherheit durch
Kontrolle mit dem Ziel Gerechtigkeit
Die eine irreale Egalität erzwingt
Der hohe Preis der Freiheit ist
Nicht ihr etwaiges Risiko noch
Vor dem der Staat zu schützen
Nur vorgibt seine Existenz wie
Den zu seiner Erhaltung dabei
Betriebenen Aufwand zu rechtfertigen
Der Freiheit weiter beschränkt
Wie Ungleichbehandlung rechtfertigt
Es bräuchte für mehr Verantwortung
Weniger Staat wie klare Systeme
Die diesen Weg erst ermöglichen
Erst wenn wir die Sozialdemokratisierung
Des Denkens überwinden kann auch
Beim Bürger die Basis für Verantwortung
Wachsen die Mündigkeit ermöglicht
Welche andererseits aber die Basis ist
Auf die jede Demokratie setzen muss
Was zeigt wie verlogen das System ist
In dem Freiheit gegen Sicherheit
Nach Wechselkurs eingetauscht wie
Mündigkeit gegen Gleichheit
Ohne eines bieten zu können
Als erfundener Preis der Stabilität
Für unmündig gehaltene Bürger
Nur wer verteidigt heute noch die
Freiheit im sicheren Wohlfahrtsstaat
Wo hat sie eine neutrale Stimme
Jenseits parteilicher Chöre als
Wichtigste Lobby der Demokratie
Die ihre Basis erst stabilisiert
Dann klingt der Ruf nach Freiheit
Wieder lieblich weil er eine Chance gibt
Mit der Aufklärung gut zu leben

jens tuengerthal 8.7.21

Mittwoch, 7. Juli 2021

Lebenswanderung

Lebenswanderung

Wenn das Leben eine große Wanderung ist
Die wir teilweise gemeinsam unternehmen
Uns zu beglücken statt zu konkurrieren
Weil es nicht darum geht als erster
Anzukommen sondern unterwegs zu sein
Spielte Zeit keine Rolle mehr dafür
Käme alles wie es passt wenn es passt
Als Flaneur in der Großstadt bin ich
Ein Wanderer der beobachtet was
Für Momente am Weg verweilt um
Den Augenblick dort zu genießen
Bin ich nie ein Reisender aber immer
Unterwegs und so im Wechsel der
Beobachteten Begegnungen lebendig
Manchmal muss ich in die Sterne
Schauen den Weg zu finden aber
Häufiger mir noch versichern wie
Gut so alles ist auf dieser
Lebenswanderung
Um zu genießen
Was ist

jens tuengerthal 7.7.21

Ungewissheiten

Ungewissheiten

Wenn du dir einer Liebe gewiss bist
Kommt es meist ganz anders noch
Als in naiven Träumen gedacht
Was sicher und passend schien
Sich so richtig und gut anfühlte
Längst zärtlich vertraut Nächte teilte
Verzieht sich weil für perspektivlos
Befunden war also der anderen
Nie wirklich etwas wert was nur
Seltsame Leere hinterlässt während
Wo du vorsichtig distanziert bliebst
Sich eine wach geküsst als Prinzessin
Aus fernen Märchen dir offenbart
Andere die freundschaftlich verbunden
Zeigen liebevoll vertraute Nähe die
Du anderswo zu fühlen meintest
Kommen gerne um zu bleiben
Zeigen dabei mehr echte Größe
Hinter der anderes klein wird
Was dich real nur klein machte
Immer wieder auch weh tat in der
Gewissheit nicht zu genügen
Doch dann sagt dir dein Gefühl
Dem du gerne trauen würdest
Es könnte ganz anders sein
Frau vielleicht das Gegenteil
Von dem sagen was sie meint
Andere Motive haben für ihr Tun
Als es offensichtlich scheint
Was kluge Frauen bestätigen
Die sagen all dies sei typisch
Für das Gegenteil doch würde
Frau das nie so sagen weil sie
In Wirklichkeit wirklich gut sei
Aber sich zurücknähme um der
Liebe Freiheit zu geben was
Die Frage stellt wie wirklich
Die erlebte Wirklichkeit je ist
So bleiben Ungewissheiten
In viel mehr als real sein kann
Verwirrt versuchst du dann
Zwischen den Stühlen Platz
Zu nehmen im Wissen dabei
Kannst du nur auf den Hintern
Fallen ohne von unten jemals
Den Überblick zu gekommen
Dann bist du vielleicht ganz
Unten gelandet hast aber am
Ende als einziger Durchblick
Im Chaos der Ungewissheiten
Das sich alles offen gern hält
Weißt du zumindest was Liebe ist
Nichts sicheres aber ohne Ende
Und so geht es ewig weiter bis
Das Herz nicht mehr schlägt
Zumindest das ist gewiss
Ein starker Trost im Nichts

jens tuengerthal 7.7.21

Multikiez

Multikiez

Heute morgen war ich beim Araber
Der christlicher Palästinenser ist
Um die Ecke mit meiner jeminitischen
Freundin frühstücken gegen Mittag
Wo sie sich mit dem Palästinenser
Auf arabisch sehr gut verstand die
Vom Onkel Mohammeds abstammt
Eine orientalische Prinzessin ist
Die sich angekommen hier fühlte
Später einen Rheingauer Riesling
Auf dem Platz mit einer Eingeborenen
Aus Pankow getrunken danach leicht
Angetrunken vor der englischen Bar
Einen Moment Italien gegen Spanien
Mit Fans aus vielen Nationen geschaut
Die später unterschiedlich jubelten
Als ich längst nicht mehr schaute
Dann mit einem kurdischen Aleviten
Vorm Wohnzimmer gesessen um über
Das Kulturfestival dieser in Berlin
Zu reden wozu sich noch ein Bruder
Der Gemeinschaft gesellte um beim
Nächsten Wein nach dem ersten
Sommerregen das Gespräch mit
Diesem wie einer Eritreerin auf dann
Englisch fortzusetzen über Kulturen
Wie ihre Heimat London aus der sie
Gerade auf den Berg zog wo sich
Die Kulturen spontan mischen um
Gemeinsam durch die Nacht zu reden
Nachdem der Regen sich wieder verzog
Gegen alle Ankündigungen wurde es
Eine Nacht länger als gedacht in der
Ein Flaneur viel lernen konnte aus
Einer zufälligen Begegnung was
Zum Leben am Helmholtzplatz passt
Wo Kultur am Platz spontan entsteht

jens tuengerthal 6.7.21