Sonntag, 4. Juli 2021

Sonntagsflaneur

Sonntagsflaneur

An einem Sonntag im Juli durch Berlin
In schöner Begleitung flaniert wieder
Vom Helmholtzplatz gen Mitte auf die
Museumsinsel um dort zu erfahren dass
Am ersten Tag mit freiem Eintritt für alle
Es real nur Zutritt für all diejenigen gab
Welche sich lange vorher anmeldeten
So ging es über den Flohmarkt mit
Dort schönen Bücherfunden um dann
Etwas schwerer mit diesen bepackt
Das Humboldt-Forum genannte Schloss
Zumindest hofweise zu besichtigen
Wie von da in Honeckers Disneyland
Nikolaiviertel einen Rundgang mit
Berliner Küche im Nussbaum zu krönen
Dann gestärkt am Roten Rathaus vorbei
Über den grässlichen Alex wo einst die
DDR Großstadt sozialistisch spielte
Über die Volksbühne den Berg hinauf
An Wasserturm Synagoge wie dem
Kollwitzplatz vorbei heim zum Al Hamra
Sich von der Stadt unter Bäumen fast
Wieder am Helmholtzplatz zu erholen
Ein wenig Berlin in 15 km erlaufen

jens tuengerthal 4.7.21

Aufklärungsmagie

Aufklärungsmagie

Aufklärung huldigt dem Verstand
Sie ist geistige Befreiung zuerst
Aus selbstverschuldeter Unmündigkeit
Was mit Logik und Vermessung der
Welt als Lebensraum zu tun hat die
Also erklärt und verstanden werden will
Warum die Enzyklopädie das Projekt
Von Diderot für die Aufklärung steht
Die alles erklären und verstehen will
Sie heißt auch Zeit der Erleuchtung
Im englischen wie französischen was
Eine Brücke zur durch sie überwundenen
Magie etwa von Kant schlägt der zwar
Über die Träume eines Geistersehers
So trefflich lästerte und Swedenborg
Damit verriss der Hokuspokus als
Einträgliches Geschäft damals betrieb
Wie viele Scharlatane vor und nach ihm
Über die Greta de Francesco so trefflich
In die Macht des Charlatans schrieb was
Die Andere Bibliothek gerade verdienstvoll
Wiederauflegte und damit diese Welt als
Eine auch magische uns offenbarte aber
Auch außer den eher Gegnern des Lichts
Der Vernunft hatte auch die Aufklärung
Selbst ihre eigene Magie um das Licht
Die sich in den Ritualen der Freimaurer
Welche im 18, Jahrhundert entstanden
Niederschlug und symbolischen Ausdruck
Fand in den Werkzeugen der Freigeister
Die mit Winkelmaß und Zirkel sich vom
Rauhen Stein zum kubischen formen um
Ihren Platz im Tempel der Humanität als
Aufgeklärte Menschen zu finden in der
Grenzenlos gedachten Bruderkette die
Zwar erst ihren internen Rassismus
Überwinden musste ob gegen Juden
Wie in Hamburg wo Lessing darüber
Lästerte der seinen Freund Mendelssohn
Dort initiieren lassen wollte bei Absalom
Was deutsche Vereinsmeier nicht konnten
Wie er in seinen Gesprächen für Freimaurer
Treffend karrikierte oder in den USA wo 
Bis vor wenigen Jahren dunkelhäutige
Nicht in reguläre Logen durften weil sie
Nicht als freie Menschen in Land gekommen
Wären was so vorgestrig war wie es klingt
Aber den Verein gut spiegelt der aus der
Einst humanistischen Idee weltweit wurde
Weil es eben ein Verein wie alle auch ist
Der menschliche Bedürfnisse nach Geltung
Wie Eitelkeit mehr pflegt als seine Ideale
Frauen ausschloss und ähnlichen Unsinn
Bis heute als brüderliche Toleranz erhält
Doch sind diese Rituale die an die alte
Biblische Tempelgeschichte anknüpfen
Den Tod Meister Hirams der den einst
Vollkommenen Tempel Salomos baute
Zum Thema macht wie schon in der
Initiation der Lehrlinge den uralten Ritus
Der Reise durch die Elemente pflegt
Zwar der Aufklärung dienend aber auch
Zutiefst geistig magisch mit den eben
Symbolen eine geistige Welt kreierend
Und so hat die Aufklärung in ihrem Kern
Alle großen Aufklärer waren Logenbrüder
Zu dieser Zeit irgendwie verknüpft wie
Viele Akte der Aufklärung von der
Boston Tea Party bis zum Ballhausschwur
Wurden in den Logen vorgedacht geplant
Hier lag ein wichtiges Fundament der
Neuen geistigen Freiheit die kritisch
Fragte wie forschte um zu erkennen
Sich aus Unmündigkeit zu befreien
Doch dies Licht zu nennen das ganz
Im Gegensatz zur Dunkelheit der
Nacht steht wie die Königin derselben
In Mozarts Freimaureroper Zauberflöte
Wenn dann sich an den Händen haltend
Das weltweite Bruderband beschworen
Dient es vernünftig der Aufklärung mit
Den eben Mitteln der Magie dabei was
Dem Dichter als Teilnehmer immer auch
Etwas seltsam erschien wenn auch nicht
Ohne Faszination blieb was sich später
Im Orden der Illuminaten noch mehr fand
Der Aufklärungsideale politisch endlich
Umsetzen wollte mit von Knigge als Kopf
Aber auch gerne die Symbolik nutzte die
Sich höheres aus der Magie versprach
Obwohl der Aufklärung klar geweiht
Suchten auch Freimaurer immer wieder
Magische Welten etwa in ihren Hochgraden
Wo sie gern Ritterorden spielten statt
Handwerker bleiben zu wollen sich dabei
So lächerlich machen wie das Original
Doch wer die Brücke der Aufklärung
Zur Magie bis ins altägyptische fordert
Wird bei den Freimaurern fündig auch
Wenn es wenig zur Aufhellung beiträgt
Scheint es doch allzu menschlich zu sein
Bewegte auch einen Kant dorthin was
Ein Prädikat der Vernunft vielleicht verleiht
Oder Immanuels Eitelkeit uns offenbart
Die Aufklärung menschlich uns hält

jens tuengerthal 4.7.21

Geisterwelten

Geisterwelten

Als Aufklärer glaube ich nicht an
Geister Seelen Übersinnliches
Was ist ist Natur und außer ihr
Ist nichts im Sein was sein kann
Dessen bin ich durch Erfahrung
Völlig sicher zumindest zumeist
Anders ist es nur in der Liebe
Wie bei guter Literatur die den
Geist des Autors schweben lässt
Warum die Liebe mit Geistern
Kommuniziert die sich nah sind
Zumindest fühlen ob mit oder
Ohne Perspektive dahingestellt
Die bloß Konventionen huldigt
Ist nicht verwunderlich weil schon
Das Gefühl sich magisch nah ist
Was wir verstehen weit übersteigt
Wo es unverständlich wird erfinden
Wir aber zu gerne etwas dazu was
Dem Zauber ein höheres Fundament
Im geträumten Paradies der Liebe
Jenseits der verlorenen Zeit gibt
Der nur mit Worten sich berührt
Wie über große Ferne erspürt
Dabei zaubere auch ich zu gern
Verliebt einander schöne Welten
Die mit Worten Schlösser bauen
Für die Prinzessin der Ewigkeit
Im kleinen Ausschnitt des Seins
Was die Brücke zu den Geistern
Der Literatur zugleich mir baut die
Beständig um mich schweben wie
Goethe Mann Montaigne Proust
Als lebendige Spuren unserer
Vergangenheit die so verzaubert
Aus Büchern Gegenwart uns wird
Dann schaffen Worte Wirklichkeiten
In denen wir uns völlig verzaubert
Verlieren um mehr da zu sein was
Offenbart wie real irreal die Welt
Der Worte dazwischen schwebt
Wirklichkeit denen mit Phantasie
Fern jeder Realität allen ohne
Liebe die Literatur in der sich die
Geister der Zeiten vollkommen
Verkörpern als magische Welt
In der ich wirklicher lebe als in
Trister Realität einer vermessenen
Welt die Erbsenzähler prägen
Tue dies als Aufklärer mit festem
Glauben an den Verstand aber hoffe
Die Phantasie möge den Geist dabei
Genug beflügeln fliegen zu lassen
So liebe und lebe ich wie ich dichte
Von der Wirklichkeit weit gelöst die
Natur der Dinge anerkennend welche
Die Magie der Worte wiederum nach
Dem eigenen Bilde formt und dabei
Wie Prometheus und Pippi sich die
Welt macht wie sie mir gefällt womit
Die Zauberwelt der Worte weit mehr
Schöne Wege zeigt als die Liebe je
Vor allem entscheide ich das Ende
Wie damit über sein und nicht sein

jens tuengerthal 4.7.21

Samstag, 3. Juli 2021

Vertrauensliebe

Vertrauensliebe

Liebe ist Vertrauen in nichts
Als ein Versprechen ohne
Grund aber mit Hoffnung
Sie kommt ohne Fragen
Aber kann ohne Vertrauen
Nicht sein weil nichts ohne
Vom Gefühl übrig bleibt
Außer für sich und damit
Macht Liebe ohne Vertrauen
Einsam wie unsicher immer
Wer glücklich lieben will
Sollte darum zuerst sicher
Sein vertrauen zu können
Ohne bleibt nicht viel vom
Geteilten Gefühl übrig und
So vertraue ich lieber auf
Nichts statt ohne Liebe
Leben zu müssen aber
Es bleibt nicht viel mehr

jens tuengerthal 3.7.21

Seinswirklickeit

Seinswirklickeit

Manchmal denke ich und manchmal bin ich
Schrieb Paul Valéry in einem Aphorismus
In seinen Cahiers als eine Variation über
Descartes und seine Philosophie die einst
Das cogito ergo sum zum Maßstab des
Seins als Wesenheit des Menschen machte
Ist es ein revolutionärer Aufstand gegen
Das rationale Sein als gültigen Maßstab
Oder mehr ein ideeller Kontrapunkt der
Das Sein über das erhebt was unser
Denken überhaupt erfassen kann
Noch strenger vielleicht das Sein erst
Da beginnt wo Denken aufhört was
Wörtlich daraus auch lesbar wäre
Ist Sein also das Gegenteil von denken
Was für einen Philosophen absurd klingt
Aber vielleicht genügt es auch all dies
Relativ zu sehen womit Sein mehr
Wäre als Denken erfassen kann
Was eine Bescheidenheit wäre die
Dem preußischen Denken entspricht
Lasse es hiermit gut sein damit jede
Sich ihre Gedanken zum Sein auch
Jenseits der Gedanken machen kann
Was immer es ist bleibt Sein da

jens tuengerthal 3.7.21

Platzkonzert

Platzkonzert

Vom Einkaufen bepackt kommend
Einen Moment inne zu halten um
Dem Jazz am Helmholtzplatz dort
In der südöstlichen Ecke zu lauschen
Unterbricht den Tag sehr angenehm
Bestätigt den Platzbewohner in
Seinem hier sein als beste aller
Formen des gerade Daseins
Weil der Platz lebt wie sich an
Allen Ecken irgendwie beflügelt
Und also ist alles gut so
Denkt der manchmal auch
Heimatlos etwas fremdelt
Hier bin und bleibe ich

jens tuengerthal 3.7.21

Gefühlsvernunft

Gefühlsvernunft

Liebe die Frauen auch gegen
Alle Vernunft und Erfahrung
Was wenig Argumente für sich hat
Außer vielleicht was ohne bliebe
Die Vernunft lehrt immer Vorsicht
Statt einer allein zu vertrauen
Alles Gefühl in sie zu setzen
Zeigt auch die Erfahrung wie
Trügerisch die Frauenherzen sind
Wie es der Herzog von Mantua
Im Rigoletto so wunderbar singt
Auch wenn ich keinen Eid leistete
Dass Männerherzen verlässlicher
Immer wären denke ich diese
Zumindest zu verstehen was mir
Bei jenen immer schwer fallen wird
Bisher eher unmöglich war aber wer
Wollte alle Hoffnung aufgeben oder
Den klugen Worten gleich misstrauen
Was vermutlich der sicherste Weg
Ins Unglück oder zumindest zur
Dauernden Frustration wäre was
Sich zu ersparen mir klüger scheint
Aber dem zu vertrauten was ich
Nicht verstehe ist auch sehr gewagt
Alle Erfahrung und jede Vernunft
Sprechen kritisch betrachtet gegen
Ein solch gewagtes Verhalten jedoch
Sind beide auch keine guten Ratgeber
Was die Gefühlswelt betrifft in der ihr
Kompass gewöhnlich verrückt spielt
Wäre ich also ein vernünftiger Mann
Würde ich besser nicht mehr lieben
Gut auf mein Herz aufpassen um es
Im Notfall bei mir zu behalten doch
Leider bestehen zunehmend Zweifel
An dieser Eigenschaft bei mir fürcht ich
Das Liebesleben betrachtend was stets
Anders noch kommt als alle Vernunft
Sogar wenn von Erfahrung genährt
Eigentlich erwarten ließen was mal
Gut geht dann wiederum völlig schief
Selten ein gutes Ende hat aber eben
Ist was es ist und sich darum allen
Sonst gültigen Kategorien entzieht
Mal überschätze ich eine völlig dann
Traue ich einer nicht die es ganz
Ehrlich meinte voller Gefühl oder
Bin verletzt von einer die es doch
Nur gut meinte obwohl ich es wusste
Es gibt keine sichere Kategorie die
Für alle Fälle immer passte sondern ist
Mit jeder anders und die eine ist wie
Keine zuvor und danach dabei wäre
Es so einfach sich zu beschränken
Um nur auf eine zu bauen was aber
Verletzbares Vertrauen voraussetzt
Also mehr als verletzlich mich macht
Dann reagiere ich gegen alle Vernunft
Aus dem Bauch mit gekränktem Stolz
Wie anderem Unsinn mehr der die
Verständigung nahezu unmöglich macht
Vielleicht sollte ich für möglich halten
Dass es Frau im anderen Moment
Ganz genauso geht und ich sie darum
So wenig verstehen kann wie sie mich
Für das trotzdem bleibt nur die Liebe
Nehme es hin und lasse es wie es ist
Wobei es vermutlich vernünftigere
Wege zueinander gäbe aber die Liebe
Macht was sie will und lieber gestehe ich
Eigene Ohnmacht als sie aufzugeben
Am Ende bin ich eine Erfahrung reicher
Habe genug Gefühl und glaube noch
An die Vernunft ohne Gründe weil es
Völlig unvernünftig wäre nicht zu lieben

jens tuengerthal 3.7.21

Freitag, 2. Juli 2021

Liebesgrad

Liebesgrad

Der Grad der unausgesprochenen
Liebe zeigt sich weniger in Schwüren
Ewiger Treue oder ähnlicher Lügen
Wie sie sich Liebende versprechen
Als in Gesten der Zuneigung die ihre
Intensität zwischenzeilig eher zeigen
Statt sich in Worten zu übertreffen
Auch wenn es erst ungewohnt ist
Ist die Glaubwürdigkeit viel größer
Als bei Liebeseiden jugendlichen
Leichtsinns sonst die alles versprechen
Aber ähnlich wenig dann halten was
Aller Erfahrung wieder entspricht
Bestätigt es ähnelt sich vieles in
Üblichen Mustern aus denen aber
Die unausgesprochene Liebe ausbricht
Unklar nur ist was aus ihr wird wenn
Das Spiel es nicht zu sagen endet
Weil es ohnehin offensichtlich ist
Dass sie sich lieben es nur lieber
Nicht so nennen aus Gründen der
Erfahrung und zur lieber Vermeidung
Von Erwartung bleibt nur zu hoffen
Dass die Beteiligten sich dann so reif
Verhalten wie es der Umgehung der
Schlichten Muster eher entspricht
Aber das graduelle in der Liebe ist
Eben schwer messbar darum tut
Mancher gut daran mehr das zu
Genießen was war statt auf mehr
Gleich zu hoffen was sicher nur
Enttäuscht jedesmal wieder wird

jens tuengerthal 2.7.21

Rotrockgyn

Rotrockgyn

Gerade Julian Barnes wunderbares
Buch Der Mann im roten Rock über
Den Gynäkologen und Menschenfreund
Doktor Samuel Pozzi zu Ende gelesen
Noch ganz erfüllt von diesem klugen
Buch aus dem Fin de Siécle in Paris
Auch wenn es mit einer Reise dreier
Gentleman nach London beginnt ist
Dies kulturhistorisch wunderbare Buch
Nicht nur großartig recherchiert wie
Eine Ode an diese Zeit in der viele
Große Künstler sich begegneten wie
Von eben diesem Arzt behandelt oder
Mit ihm befreundet waren den Sargent
Auf dem Bild Dr. Pozzi at Home 1881
So treffend malte was dem Buch den
Titel auch gab es gäbe viele schöne
Anekdoten und Zusammenhänge zu
Erzählen über den Kulturmenschen
Pozzi seine Freunde wie über den
Großen Wissenschaftler der erst die
Gynäkologie in Frankreich etablierte
Wie neue Methoden der Operation
Auch zur Sicherheit der Patientinnen
Mit entwickelte denn Pozzi war ein
Mann der die Frauen liebte ohne hier
Weiter auf seine zahlreichen teilweise
Auch angedichteten Liebhaberinnen
Noch einzugehen Barnes lässt auch
Was unklar ist hier lieber offen aber
Sicher war er der Arzt und Liebhaber
Der großen Sarah Bernhardt wie wohl
Einiger anderer die er auch behandelte
Aber ohne auf seine weit herühmten 
Qualitäten als Liebhaber einzugehen
Für die es wenig Zeugnisse der daran
Beteiligten heute noch irgendwo gibt
Auch die große Kulturgeschichte des
Fin de Siécle die Julian Barnes hier
Als Netz um einen erzählt sei zwar
Erwähnt und empfohlen aber ganz
Am Ende möchte ich zu gerne an
Das erinnern was Pozzi auszeichnet
Als Arzt und Wissenschaftler was er
Vor allem anderen zuerst stets war
Ein Menschenfreund und Arzt aus
Überzeugung der Gutes tun will
Ein Helfer der seine Kraft nutzt
Um Medizin und Menschheit mit
Aller ihm gegebenen Begabung
Weiter zu bringen der so völlig Arzt
Im Sinne des Eides des Hippokrates
War wie es selten zu finden aber ein
Ideal ist was der Verehrung wert ist
Allein weil diese sind wie sie sind
Habe das bei meinem Vater schon
Früh und immer wieder beobachtet
Dem Radiologen der für jeden seiner
Patienten mit Überzeugung kämpfte
Sich für nichts dabei zu schade war
In seiner Berufung ganz aufging auch
Wenn ihn die Familie dadurch seltener
Sah als es vielleicht gewünscht war
Es war zumindest nicht so wie bei Pozzi
Dessen Ehe scheiterte auch an seiner
Liebe zu vielen Frauen wie dem strengen
Katholizismus seiner Gattin der ihm dem
Protestanten in Frankreich fremd blieb
Was uns und meinem Vater erspart wurde
Ohne sie außer in ihrer Liebe zum Beruf
Des Arztes und Forschers zu vergleichen
Vielleicht auch dank der Toleranz meiner
Mutter aber das ist ein zu weites Feld es
Weiter hier erörtern zu wollen denn
Es geht um die Ärzte aus Berufung die
Eine so seltene Spezies wohl immer waren
Bin trotz Jahren Tätigkeit im Krankenhaus
Sehr selten solchen begegnet und wie
Groß ist da die Freude eine zu treffen
Die ebenso glücklich darin arbeitet als
Ärztin aus Leidenschaft und Liebe die
Genau das von sich sagt denke ich
Lächelnd in Gedanken bei ihr dabei
Der ich dieses Buch nun passend lieh
Gespannt ob sie die Liebeserklärung
An ihren Beruf darin auch so liest
Wie sie mir seit Kindertagen präsent
Soll sie dies vielleicht auch als eine
An sie und ihren Beruf lesen was
Der Dichter mit einer Verbeugung
Statt Blumen für die Ärzte schreibt

jens tuengerthal 2.7.21

Berlinblicke

Berlinblicke

Berlin bietet dem Flaneur der die
Stadt durchquert tiefe Einblicke
In ihr Wesen was viel Geschichte
Vor allem im letzten Jahrhundert
Aber auch manche Geschichten
Von zarter Schönheit erzählt die
Ihr suchendes Wesen offenbaren
Ging heute von Wilmersdorf gen
Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg
Neben der grünen Mitte Tiergarten
Die schon anderweitig bedichtet
Ist dies auch ein Gang durch viele
Völlig verschiedene Dörfer immer
Die sich von Ecke zu Ecke wandeln
Vom Victoria Luise Platz gen KaDeWe
Ist die Umgebung ziemlich gediegen
Mit kleinen typisch Berliner Ausnahmen
Die aber an der Sache nichts ändern
Ab dem vornehmen Kaufhaus dann
Beginnt bis zum Tiergarten eine etwas
Gemischt buntere Zone im alten Westen
Der wie überhaupt die Gebiete dort noch
Seit langem gewachsene Bewohner aus
Allen Schichten und jeden Alters bieten
Was in Mitte und Prenzlauer Berg im
Alten Osten ganz anders ist typisch für
Mitte sind auch die Fassaden der Insel
Die an das späte 19. Jahrhundert noch
Eben museal erinnern dabei von entweder
Touristen oder jüngerem Volk überlaufen
Schrieb es schon mehr als einmal aber
Denke es bei jedem Spaziergang wieder
Mitte und Prenzlauer Berg haben nette
Gut sanierte Fassade sind eine Art von
Museum der Berliner Geschichte die
An etwas erinnern was es nicht mehr gibt
Doch sie sind nicht gewachsen lebendig
Schön anzuschauen aber das was eine
Stadt ausmacht die bürgerliche Kultur
Ist dort entweder tot oder künstlich
Manche nennen es Bionade Biedermeier
Vielleicht wächst eine in 50 Jahren
So lange zerstörte die DDR sie auch
In den Köpfen der Menschen denen
Die bürgerliche Kultur als spießig
Oder muffig gilt dabei waren es die
Kleingeistigen Funktionäre in dieser
Diktatur die spießiger waren als es
Bürgerliche Kultur je sein könnte die
Nur in rituellen Metaphern aus der
Bibel marxschen Denkens noch das
Negierten was Kultur ausmacht eine
Gewachsene städtische Gesellschaft
Die also logisch bürgerlich wäre dafür
Vermeintlich egalitäre Schlagworte
Nutzten die manche bis heute glauben
Als sei es nicht offenbar geworden wie
Die totalitäre Parteidiktatur nur einen
Staat ohne Freiheit errichten konnte
Aber es ging ja um Berlinblicke hier
Nicht um politische Einfalt derer die
Einem politischen Glauben folgen
Der Osten hat nette Fassaden einer
Untergegangenen bürgerlichen Welt
Im Westen lebt sie vielerorts weiter
Vielleicht verrät das mehr über Berlin
Als das sonst so gute Buch von
Jens Bisky über seine Heimatstadt
Dem die fehlende bürgerliche Welt
Kaum ein Wort bisher wert war
Was typisch für Berlin auch ist
Wo in der ehemals Singakademie
Die Gorki genannt wurde irgendwie
Betroffen peinliches Theater noch
Veranstaltet wird weil im Osten die
Bürgerlichen Wurzeln gekappt wurden
Aber es ist immer wieder spannend
Durch diese Stadt zu laufen die im
Osten nette Fassaden hat dafür weiter
Westlich ihr eigenes Museum ist mit
Gewachsenen Kulturen nebeneinander
Fand den Westen früher langweilig
Halte heute den Osten für viel Fassade
Mit etwas Party nebenbei

jens tuengerthal 2.7.21