Seinsfrage
Sein oder nicht sein sei die Frage
Meint Hamlet in Anbetracht des
Schicksals seines toten Vaters
Überlegt ob Leben noch lohne
Am 30.4.1987 verunglückte ich
Tödlich mit dem Fahrrad aber
Wurde wie lesbar reanimiert
Nur ab wann war ich wieder
Klinisch tot war ich mit Glück
Keine zehn Minuten bis ein
Arzt die Reanimation begann
Bewusstlos noch für Monate
Bin ich noch oder wieder
Eher nicht mehr solange
Nicht bei Bewusstsein
Was macht Sein aus
Sind Fragen die verflucht real
Plötzlich wurden für meinen Vater
Der überlegte die Maschine lieber
Abzuschalten angesichts der noch
Aussichten seines Sohnes aus
Medizinischer Sicht die weniger
Gut waren als sie sein sollten
Je wieder gesund zu werden
War ich der nichts mehr erinnert
Vom Unfall und Monaten danach
Oder da noch nicht wieder weil
Bewusstsein menschlich macht
Ist Schlaf mehr kleiner Tod als
Der Höhepunkt beim Sex je
Wann sind wir wirklich wie
Bewusst muss ich mir sein
Habe keine einfache Antwort
Als ich nicht da war war nichts
Was also nichts macht warum
Der Tod mich nichts angeht
Nichts macht nichts mehr aus
Sein spielt dann keine Rolle mehr
Alles wird damit relativ egal auch
Was die größte Freiheit schenkt
War ich solange nicht wieder bei
Bewusstsein überhaupt wieder
Im Sinne eines cogito ergo sum
Bringt die Reanimation Leben
Glaube an keine Seele die nur
Aberglauben ist der unfrei macht
Wie soll ich reanimiert worden sein
Denke ich darüber lachend heute
Weiß es auch 39 Jahre später
Nicht mit letzter Sicherheit zu
Sagen doch gilt dann auch ein
In dubio für das eigene Sein
Denke ich über mein Sein nach
Scheint mir zweifelhaft ob es
Ohne Bewusstsein sein kann
Nur mit Maschine würdig ist
Ohne wochenlangen Einsatz
Aber der Maschinen die mich
Atmen ließen wäre ich nicht mehr
Sein oder nicht sein blieb fraglich
Sein definiere ich als frei durch
Die Fähigkeit für oder gegen das
Nichtsein sich zu entscheiden
Dann war ich da länger nicht
Depression als Zweifel am Sein
Macht dies immer wieder deutlich
Warum es heute auch für mich so
Betrachtet nichts zu feiern gibt
Bewusst wurde ich erst Monate
Später langsam und länger wieder
Könnte nicht genau sagen wann
Sein oder nicht sein bleibt fraglich
Dankbar heute über das Sein noch
Bei Bewusstsein nachdenken zu
Können bin ich vermutlich noch
Mehr als ein Schatten an der Wand
Doch ohne zu wissen was das
Sein vom Nichtsein unterscheidet
Weiß ich lustvoll zu genießen was
Bleibt ist zumindest lohnend
jens tuengerthal 30.4.26
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