Lektürentagebuch 25.4.26
Von der Mode schreibt Franz Hessel
In Berlin kenntnisreich und spannend
Auf verschiedenen Ebenen welche die
Kenner vermuten ließ es sei Helen die
Als Modekorrespondentin in Paris für
Die Frankfurter Zeitung arbeitete wie
Die Liebe mit Pierre-Henri Roché übte
Auch wunderbar schreiben konnte
Manches am hohen Tempo dieses
Textes aus Spazieren in Berlin spricht
Eher für Helen als für Franz doch sind
Einige Betrachtungen typisch Franz
Doch das mehr am Ende zunächst
Geht es in Begleitung der Dame in
Den eher düsteren Osten zu einem
Resteverkauf im Hinterhof wo sich
Alles ohne große Schau aber doch
Weibliches Begehren weckend findet
Nur mit leichten Schäden eben darum
So günstig im armen Osten verkauft
Doch fänden sich dort auch Damen
Der ersten Gesellschaft die gerne
Mal ein Schnäppchen noch suchen
Was gerade nicht allererste Wahl ist
Von dort ging es zu Warenhäusern
Wertheim und Tietz mit ihrem großen
Angebot bei dem die Mode eher nur
Schüchtern modisch ist unauffällig
Lieber bleibt damit vielseitig noch
Einsetzbar für alle die von der Stange
Ihre Kleider noch kaufen müssen
Wo die Kochtöpfe eleganter wären
Gut geschult im Verkauf wären die
Vielen jungen Damen dort jedoch
Welche genau studierten wie sie die
Ware erfolgreich feilbieten können
In einem der eleganteren Häuser
Zeigten Modelle den Damen die
An Tischen sitzen Kleider die schon
Etwas exklusiver dabei wirken
Die wirkliche Eleganz und das große
Geld zeige sich am Tiergarten wo in
Villen die exklusiven Designer ihre
Mode nach Pariser Chic präsentieren
Dennoch komme es in Paris vor
Dass sich 3 Damen im gleichen Kleid
Nach natürlich neuester Pariser Mode
Auf einem Empfang treffen es bleibe
Berlin modisch doch eher Provinz
Es fehle der Dame die Eleganz der
Pariserin die auch ein Tuch noch
Gekonnt zu inszenieren wisse
Diese Beschreibungen könnten
Auch aus Helens schneller und
Teils scharfer Feder stammen
Passen vom Tempo sehr zu ihr
Der letzte Abschnitt aber der sich
Den jungen Damen auf und um
Den Kurfürstendamm widmen ist
Wieder ganz typisch für Franz
Zwar wird Helen ihn auf die neuen
Modegeschäfte auch im Bayerischen
Viertel wie Nebenstraßen aufmerksam
Gemacht haben jedoch zeigt sich
In der liebevollen Beschreibung dieser
Jungen und ganz jungen Damen die
Feder vom Flaneur Franz deutlich der
Vom guten Jahrgang 1910 schwärmt
Schildert wie sie durch die Straßen
Mit ihren ewig langen Beinen staksen
Die nicht enden wollen und dabei mit
Armen crawlen wo andere bloß
Brustschwimmen würden hätte die
Neue Berliner Jugend eigenen Stil
Kombiniere gewagt mit Eleganz statt
Nur angezogen zu wirken dabei
Es ist für jeden der schon beide las
Eine große Freude das vermutlich
Zusammenspiel des Paares zu sehen
Was wir aus Jules und Jim kennen
Im letzten fünften Band meiner so
Schön grünen Gesamtausgabe von
Franz Hessel fand sich nun in der
Verstreuten Prosa was ja schon
Ziemlich elegant und fast verwegen
Klingt tatsächlich das schöne Stück
Spazieren in Berlin was sehr schön
Vom Versuch als Tourist erzählt
Wie er genau dem Baedeker folgen
Wollte am Vormittag in den Dom und
Die Nationalgalerie und nachmittags
Mit dem Boot nach Grünau fahren
Doch dann kommt seinen Plänen
Ein Spreekahn dazwischen den es
Schon in seiner Jugend gab und der
Einen echten Wal zu sehen verspricht
Er geht mit einer Gruppe Knaben
Die wohl davor standen und die er
Vermutlich einlud entschuldigt es
Jedenfalls mit es war ziemlich billig
Beschreibt dann diesen Walfisch der
Zeitgenossen nun an Timmy denken
Lässt der bei Wismar rumlungert
Der geruchsneutral präpariert sei
Dies ist mit Liebe und Komik schon
So wunderbar beschrieben dass der
Spott über das Grauen des Berliner
Doms eine elegante Spitze wird
So stand er vor Schinkels schönem
Museum und blickte auf den selbigen
Fragte sich ob er hinein wollte und
Entschied eigentlich lieber nicht
Mehr gibt es zu diesem völlig
Missglückten Protzbau nicht zu sagen
Lieber nicht hinein gehen und besser
Abreißen in jeder Hinsicht peinlich
Berliner die diesen ihren Dom noch
Hochhalten von denen es erstaunlich
Auch heute noch viele gibt belegen
Nur Größe an Geschmacklosigkeit
Zum Glück denke ich da bin ich ja
Kein Berliner sondern nur ein bloß
Zugereister Flaneur auf Zeit bis
Besseres sich irgendwo findet
Hessel lässt sich darauf gerne von
Einem auf sächsisch fragen wo denn
Das berühmte Eckfenster sei am
Schloss worauf er gerne die Zeit
Sich nimmt und diesen zur Wohnung
Von Wilhelm I unter den Linden zu
Führen wo der Kaiser dann ganz
Bürgerlich auch wohne und beschreibt
Die Räumlichkeiten mit gewissem
Spott aber auch Liebe als Bewohner
Der Republik der er inzwischen wurde
Das ist voller schöner Anekdoten
Beschreibt die untere Etage in der
Wilhelm vollgestopft lebte und starb
Wie die obere der Kaiserin die sich
Für eine besonders begabte
Innenausstatterin hielt wovon er
Wenig zu berichten weiß außer dass
Es heller ist als unten das Paar
Lebte und schlief glücklich getrennt
Die Bootsfahrt nach Grünau wird
Nichts er muss bis Woltersdorfer
Schleuse buchen und wird bis zur
Abfahrt noch ins Restaurant geschickt
Wie er dabei die typische Dreistigkeit
Von Berliner Service Personal das
Sich im Dienst befugt sieht beschreibt
Ist wunderbar elegant komisch noch
Die Fahrt wird ein Grauen er ist auf
Deck zwischen dicken Biertrinkern
Mit den entsprechenden Damen nur
Eingeklemmt und möchte schnell weg
Sieht am Treptower Park Kinder im
Park spielen und will nur noch weg
Aber kann nicht und beschreibt Grün
Mit zwischendurch Schornsteinen
An der Woltersdorfer Schleuse soll
Dann die ganze Schiffsladung zum
Eisbein essen gehen wovor er flieht
Durch die Kiefernwälder zur Bahn
Das ist der feine Spott von Hessel
Der ohne böse zu werden sich lustig
Machen kann mit Stil und Eleganz
Was wenigen so gut noch je gelingt
jens tuengerthal 25.4.26
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