Mittwoch, 22. April 2026

Lektürentagebuch 21.4.26

Lektürentagebuch 21.4.26

In Der große Traum von Bildung 
Des Christian Graf von Krockow 
Heute über Vater und Sohn Forster 
Gelesen und ihren Weg zum Ruhm

Sehr gut recherchiert führt Krockow 
In die Geschichte der Familie Forster
Ein die von der Herkunft her ganz
Erstaunlich der Coocks auch ähnelt

Nur gab es hier schon bevor der
Autor und Forscher Georg Forster
Bekannt wurde zwei Generationen
Von Akademikern im Kirchendienst

Unter Cromwell königstreu noch
Floh die Familie lieber nach Polen
Danzig suchte da dringend Siedler 
Zur Entwässerung der Sümpfe

Das verschlug sie nach Preußen 
Was damals noch Polen war schrieb 
Der schlesischem Adel entsprungen
Krockow was mich etwas erstaunte

Sie landeten in Dörfern in der Nähe 
Von Danzig wo der Vater wie auch
Georg geboren der Vater studierte 
In Halle was damals Elite Uni war

Auch wenn dies beim heutigen Blick
Auf braunen anhaltinischen Sumpf
Wundert war es damals so wenig
Preußisch wie Danzig was dies erst

Nach der polnischen Teilung wurde 
Als Friedrich nicht länger mehr nur 
König in sondern von Preußen wurde
Was ein Graf Krockow wissen sollte

Beeindruckend ist der Bericht über
Die frühe sprachliche Entwicklung
Des Wunderkindes Georg der bald
Vom Vater zur Arbeit genutzt wurde 

Diesen Zustand geraubter Jugend 
Wie verlorener Kindheit klagt Krockow 
Im Geist politischer Korrektheit wie sie
Unserer Zeit entspricht klar an 

Ob dies dem Geist der Zeit von
Vater und Sohn Forster entspricht
Fragt Krockow nicht um dafür den 
Cholerischen Vater anzuklagen 

Dieser war zunächst Theologe im
Dorf beschäftigte sich aber lieber
Mit Naturkunde und kaufte viele
Bücher auch zur Bildung seines

So wissbegierigen Sohnes der
Alle Pflanzen und Tiere gerne
Benennen wollte und kaufte daher
In Danzig die Werke Linnées

Es gab sieben Geschwister von
Denen untypisch für die Zeit der
Frühen Aufklärung 6 überlebten 
Georg war dabei der älteste

Die Aussagen über die Ehe wie vom 
Vater beschriebene Krankheiten der
Eheleute und Georgs klingen eher
Nach unserer Psychoanalyse 

So gut Krockow teilweise noch
Recherchiert so unpassend sind
Seine nur politisch korrekten
Bewertungen dabei immer wieder

Was mit psychoanalytischem Unsinn
Auf historischem Kontext schaut sieht
Selten über den Horizont dieser Sekte 
Die in Wien begann hinaus schauen

Psychoanalyse ist keine Wissenschaft
Sondern eine postreligiöse Sekte die 
Auf geaberglaubten Thesen aufbaut 
Die nicht natürlich beweisbar sind

Dazu gehört zentral das behauptete
Unterbewusstsein das keinen Ort
Im Gehirn hat sondern der geglaubten
Seele dabei eher noch gleicht

Moralische Bewertungen außerhalb
Des historischen Kontext sind eher 
Unseriös und machen damit die sonst
Gute Arbeit ohne Gewinn lächerlich

Das ist schade weil es völlig genügte 
Die Fakten zu beschreiben mit denen
Sich Leser ein eigenes Bild machen
Moralische Verführung ist unnötig

Wie der Leser Kants begreift dass
Es auf das moralische Gesetz in uns
Allein und zuerst ankommt für ein
Moralisches Urteil sind diese

Autoritären Bewertungen der Sache 
Eher abträglich als nützlich also 
Sittlich wie tatsächlich nur peinlich
Besser ersparten wir sie uns

Vor allem aber entmündigt diese
Uns Leser als selbständig kritisch
Denkende Wesen denen dafür einer 
Sagen muss wie es moralisch ist

Die rein faktische Gegenüberstellung
Der rechtlichen Situation statt ihrer
Schon moralischen Bewertung erst
Ermöglicht erst ein vernünftiges Urteil

Sowohl Forster wie Cook waren dem
Geist der Aufklärung verpflichtet die
Verschuldung des wohl manischen
Büchersammlers Forster wird wieder

Relativ einseitig moralisch beurteilt 
Es fehlt dabei an Verständnis außer
Für die arme Mutter die keinerlei
Kulturelle noch Spuren hinterließ

Natürlich sind Frauen wichtig und 
Soll ihre historische Rolle gerne auch
Kritisch betrachtet werden um künftig
Etwas noch besser zu machen

Dies den Leser einer Biographie von
Cook und Forster aber zu sagen ist
Weniger Aufklärung noch sachlich
Von Bedeutung sondern Propaganda

Das wird heute so erwartet von
Frauen und verkauft sich wohl
Am Buchmarkt besser aber wird 
Gegenstand und Zeit nicht gerecht

Krockow schreibt gut und lesbar
Kenntnisreich wie unterhaltsam
Aber historisch ist das wohl eher
Schädlich als ein kritisches Bild

Dies nicht nur weil der Flaneur als
Autor und Büchersammler besonders
Viel Verständnis für beide Forster hat
Sondern aus historischem Verstehen

Sicher schreibt Krockow hier eher
Als Autor denn als Wissenschaftler
Ist dieser Erzählstil wohl populär aber
Klärt nicht auf sondern vernebelt nur 

Sich ein Bild von der Zeit zu machen
Ist es wichtig in die Zeit zu gehen
Nicht fälschlich zu vereinfachen was
Keine korrekte Sicht uns liefert

Auch moralische Urteile aus der
Gegenwart verbieten sich da sie nur 
Der Selbstdarstellung des Autors hier
Dienen statt die Zeit zu betrachten

Nach der leichten Frustration über
Krockows Fehler und Schlamperei
Lieber dem guten Friedell zugewandt
Der sich genau in die Zeit fühlt

In der Kulturgeschichte der Neuzeit 
Von Egon Friedell über das Rokoko 
Als Epoche der Feminisierung unter 
Dem Thema Schönheitspflästerchen

Gelesen und wie diese geradezu ideal
Den kranken moribunden Geist des
Rokoko offenbaren das gesund und
Kräftig für blass und kränklich ablehnt 

So wurden Perücken und Gesichter
Grau oder blass gepudert obwohl
Viele früher noch Leben erlebten 
Du ab vierzig schon alt warst

Dies spiegelt sich auch in der
Mode wie in den Farben wieder
Die in dieser Zeit beliebt waren
Rosa Pastell bis Flohfarben 

Von der tragischen Maske des Rokoko erzählt Friedell einiges
Anhand der kranken Kostüme
Mit geschnürten Taillen oder 

Den natürliche Bewegung völlig
Unmöglich machenden Reifröcken
Wie Schuhen mit hohen Absätzen
Die natürliche Bewegung verhinderten 

Dieser zumindest eher behinderten
Solche konkreten Bilder aus der Zeit
Die eine konkrete Vorstellung vom
Leben geben gibt Friedell wertfrei

Wer seiner sicher ist muss nicht 
Aus der Zeit fallen um zu urteilen
Was manchen wohl schwer fällt
Die lieber aus der Zeit völlig fallen

Dann ergeben sich wie bei Krockow
Moralisch unpassende Urteile ohne 
Einen Bezug zum Geist der Zeit
Die damit unglaubwürdig werden

Friedell enthält sich lieber ganz um
Die Zeit verständlich zu zeigen was
Leser erst kritisch urteilen lässt also
Aufgeklärt frei statt bevormundet

So erzählt Friedell noch weiter zur 
Spiegelleidenschaft des Rokoko mit
Der sie Räume unendlich machten 
Wie sich selbst zu sehr betrachteten

Unter Theatrokratie erzählt Friedell 
Warum das Theater als dabei ganz
Natürliche Lust zur Prostitution überall
Kultiviert wurde und zentral war

In diese Epoche ideal passte die sich
Gerne um der Lust wegen verkaufte
Was nach Friedell zum Theater als
Kunst der Prostitution perfekt passt

Friedell philosophiert dabei noch
Ganz nebenbei zur Prostitution als
Natürliche Neigung aller die sich
Gerne nackt zeigen wollen auch

Das ist klug und baut eine Brücke
In die Gegenwart auch seiner 
Eigenen Erfahrungen mit seiner
Vorliebe für Kinderhuren vom Balkan

Sicher wäre dieses Verhalten gegen
Das Nabokovs Lolita erwachsen war
Heute kriminell doch bleibt Friedell 
Historisch präzise genialer als alle

Dies alles kann ohne jedes dabei
Unnötige moralische Urteil betrachtet
Werden aber weitet deutlich den 
Horizont ist also echte Aufklärung

Spannend ist was auch Friedell an
Verschiedenen Stellen bedachte wie
Eine Epoche der Unvernunft die
Stärkste Aufklärung uns brachte

Stelle immer wieder fest Friedell
Lohnt betrachtet Geschichte stets
Historisch aus ihrer Zeit statt nur
Gegenwärtig moralisch zu urteilen

Solches Verhalten offenbart nur
Die Enge des eigenen Horizont
Gibt keinen Blick in die Zeit und
Klärt damit niemanden weiter auf

Mit Friedell dagegen zeitgemäß
Schauen ist eine Befreiung die
Aufgeklärt tiefer blicken lässt als 
Viele Diskurse unserer Zeit kamen

jens tuengerthal 22 4.26

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