Dienstag, 28. April 2026

Lektürentagebuch 27.4.26

Lektürentagebuch 27.4.26

Schon heute Nacht mit dem Kapitel
Der Eisfahrt im großen Traum von
Bildung Christian Graf von Krockows
Zu lesen begonnen wo es endlich

Auf die Suche nach dem sagenhaften
Südkontinent ging geschildert in den
Teils fiktiven Tagebüchern von Georg
Forster und James Cook dazu kursiv

Da ich dieses Kapitel gerade erst bei
Georg Forster selbst las war es mir
Noch sehr präsent und ich konnte
Die literarischen Gedanken sehen

Das ist nicht schlecht gemacht auch
Wenn etwas bemüht teilweise und
Eher gegenwärtiges Denken über
Konflikte dabei offenbarend

Die Problematik sich in die Gefühle
Historischer Figuren einzufinden ohne 
Sie zugleich für unser Denken zu 
Vereinnahmen bleibt die Aufgabe

Ob es der kurzzeitige Verlust des
Vaters im Ruderboot im Nebel ist
Wie die Reaktion von Cook darauf
Die mir sehr pädagogisch vorkommt

Dennoch macht diese Gestaltung
Weiter neugierig auf das Verhältnis
Von Cook und Forster auch wenn
Vieles davon fiktiv sein mag 

Der unbemerkte Geburtstag an Bord
Die anonymen Glückwünsche dazu
Die undichte Kabine des Vaters ist
Eine gute Story die noch erzählt wird

Die dabei auch thematisierte ganz
Entsetzliche Langeweile in südlicher
Polarregion ist sehr gut beschrieben
Bestätigt den Flaneur ganz darin

Lieber an Land zu bleiben statt über
Bord zu kotzen was nie wirklich lohnt
So erleben sie auch erste Unwetter
Was viele Verwüstungen verursacht

Eine schöne Idee von Krockow die
Besser noch wäre wenn er sich mit
Schlichter Pädagogik mehr zurück
Hielte was ihm wohl nicht so liegt 

Weiter ging es mit Ghost Stories von
Siri Hustvedt mit einem Brief den
Paul Auster an seinen Enkel schrieb
Worin er von Sophies Kindheit erzählt

Das ist wundervoll wie liebevoll und
Zeigt was für süße und aufmerksame
Eltern Paul und Siri wohl schon waren 
Wie süß sie sich als Großeltern auch

Kümmern und Gedanken machen um
Den Enkel Miles wann auch immer er
Diese Briefe des dann toten Paul an 
Seinen Enkel vielleicht lesen wird 

Der Leser erfährt neues auch über
Die großartige Sängerin Sophie 
Auster wie den Stolz ihrer Eltern und
Ihre frühe Leidenschaft fürs Malen

Das ist voller Liebe und Zärtlichkeit
Aufmerksam und schön beschrieben
Eine herzerfüllend schöne Lektüre
Die so sehr rührt wie lächeln lässt

Diese Briefe zu veröffentlichen des 
Schon präfinalen Paul Auster ist eine
Wunderschöne Verneigung vor der
Liebe und Größe dieses Autors

Was davon wirklich ist und was
Der Phantasie der großartigen Autorin
Siri Hustvedt entspringt ist dabei viel
Weniger wichtig als die Liebe darin

Es sind Eltern die ihr Kind lieben
Wie eine Autorin die ihren am Krebs
Verstorbenen Mann liebt und beides
Ist in diesem Buch so spürbar

Auch weil dieses Buch von einer so
Schönen zarten Liebesgeschichte 
Erzählt ist es so wundervoll gemacht
Trotz des immer präsenten Tod 

Als letztes noch drei wunderbare
Geschichten von Peter Altenberg 
Dem großen Wiener gelesen aus 
Dem Band Diogenes in Wien

Neun und elf erzählt von zwei ganz
Zauberhaften genauso alten Mädchen 
Wie ihren Ausflügen mit einem Herren 
Sogar im Ruderboot mit zarter Erotik

Es passiert dabei nichts was irgend
Eindeutig sexuell gar pädophil wäre
Aber es schwingt die Erotik darin
Zwischen den Zeilen zärtlich mit

Wenn die ältere etwas ermüdet den
Kopf in seinen Schoß legt oder die
Jüngere hingebungsvoll singt wie
Dem Untergrund der großen Gefühls 

Das ist noch zarter und feiner als es
Nabokov in Lolita beschreibt ohne nur
Etwas sexuelles auszusprechen weil
Es ja noch Kinder sind vibriert es doch


In Siebzehn bis dreißig der nächsten
Feinen Geschichte geht es um die
Unausgesprochenen Wege der Liebe
Wie die ernüchternde Wirklichkeit

Dabei werden Begegnungen mit dem
Gleichen über Jahre wiederholt und
Der erwartbare Verlauf dazu erzählt
Von Liebe Lust und ihrem Vergehen 

Wie Altenberg dies in dem kurzen 
Text voller Weisheit inszeniert ist
Von mitreißender Schönheit die dabei
Ganz zauberhaft schlicht bleibt


Als dritte impressionistische Skizze
In feiner kurzer Prosa las ich das 
Stück Café-chantant über ein Paar 
Das wunderbar aneinander vorbei

Sehr intensiv aber miteinander dabei
Redet in teilweise nur Andeutungen 
Was einen wunderbaren Moment hier 
Inszeniert der lohnend zu lesen ist

Peter Altenberg der eigentlich
Richard Engländer hieß ist einer
Der feinen Wiener Kaffeehaus
Literaten der eng befreundet

Mit Egon Friedell auch war der
Einige seiner Prosaskizzen nach
Seinem Tod 1919 herausgab blieb
Als Autor Zeitlebens auf Spenden

Angewiesen die besonders Friedell 
Verdienstvoll für ihn noch sammelte
Sitzt heute als Figur im Café Central
In dem er lange auch Stammgast war

War er real wie der Flaneur hier ein 
Gescheiterter Jurist und ebenfalls
Gescheiterter Buchhändler der ein 
Armer Autor bis zum Ende blieb 

jens tuengerthal 27.4.26

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