Lektürentagebuch 21.2.26
In den frühen Morgenstunden bevor
Es hell wurde las ich noch etwas
Amüsiert Tucholsky aus dem Band
Vorne Ostsee hinten Friedrichstraße
Zuerst ironisch breitgetreten den
Mann mit der Mappe der typisch
Für die geschäftigen Berliner wäre
Das ist nett gemacht aber nervt
Denke ich brauche nun einige
Tage Pause vom ewig moralischen
Zeigefinger linker Betroffenheit die
Dabei noch witzig sein möchte
Große Kunst und gute Satire aber
Finde den Kurt irgendwann immer
Etwas zu moralisch deutlich mit
Zeigefinger den Ironie ausbügeln soll
Auch das nächste Gedicht über
Mutters Hände geht wieder in
Diese Richtung und berlinert sehr
Was mir immer bemüht vorkommt
Mag sein dass wer aus ähnlichem
Miljöh das zart und komisch findet
Dem Dichter hier kommt es immer
Etwas bemüht dabei vor aber
Etwas Pause lässt mich wieder
Über Kurt gerne lächeln er ist
Schon gut nur manchmal etwas
Zu deutlich es zu bleiben
Bei John Berger in Das Kunstwerk
Über das Geheimnis des Frans Hals
Gelesen in dem der Autor vermutlich
Ein nur erfundenes Bild beschreibt
Spannend wie ein Krimi wird hier
Ein Gemälde beschrieben das die
Elemente verschiedener anderer
Gemälde der Kunstgeschichte vereint
Natürlich suchte ich nach dem Bild
Aber es gibt nichts vergleichbares
Im umfangreichen Werk von Hals
So fragt sich was sollte es hier
Gut gemacht die nebenbei noch
Aufklärung über Hals Leben wie
Das Spiel mit dem sexuellen
Element das Kunst gern umgibt
Die Lektüre natürlich genutzt Thesen
Von Berger zu prüfen wie in das
Leben des großen Niederländers aus
Der goldenen Epoche einzutauchen
Herrlich hat sich Berger hier ein Bild
Einfach ausgedacht das zwischen
Courbets Ursprung der Welt und
Rembrandts Frauenbildern liegt
Das beides passt nicht zu Hals
Aber die Geschichte dazu lässt
Den Blick tiefer gehen und so
Besser verstehen was zählt
Auch Kunst die es nicht gibt kann
Das Verständnis für Kunst deutlich
Erhöhen und zur Auseinandersetzung
Mit dem Künstler uns bringen
Das ist eine etwas verrückte Idee
Vielleicht typisch englisch wieder
Aber erhöht die Sensibilität für
Künstler und ihr Werk noch weiter
Kunst ist mehr als Geschichten über
Bilder zu erzählen es ist eben auch
Schauen zu lernen um verstehen
Zu können was ein Werk groß macht
Das Geheimnis des Frans Hals am
Beispiel eines erfundenen Bildes im
Biographischen Kontext zu erzählen
Hilft Mensch und Künstler zu sehen
Bei Olaus Magnus noch einige Seiten
Zur mittelalterlichen Kartographie die
Vielfach eher symbolisch noch war
Gelesen und den Geist verstanden
Das Mittelalter vermaß die Welt noch
Nach Osten hin mit Jerusalem als
Zentrum einer spirituellen Welt die
Weniger an der Wirklichkeit orientiert
So auch die Maßstäbe damaliger
Karten und deren Linierung nach
Östlich orientieren Rosetten statt
Einer klaren Nordung aller an Karten
Das Mittelalter passte noch den Blick
Auf die Welt der geistigen Welt an
Statt diese der Wirklichkeit als einer
Belegten Tatsache unterzuordnen
Diese kluge Beschreibung verrät
Mehr über die revolutionäre auch
Veränderung des Denkens das die
Renaissance zuerst mitbrachte
Spannend den Flüchtling aus
Dem hohen Norden zu sehen
Der noch im Mittelalter steckte nun
In Italien im Geist der Renaissance
Seine Heimat kartographierend
Den Übergang deutlich machte
Eine tief symbolische Leistung
Zwischen Weltreich und Nation
jens tuengerthal 21.2.26