Sonntag, 11. Januar 2026

Lustverlässlich

Lustverlässlich

Gibt es verlässliche Lust
Ist sie nicht wechselhaft
Wie die Launen derer die
Sie miteinander suchen

Welche Lust lohnte sich 
Was war immer eher
Vergebene Liebesmüh 
Horizontal oder aufrecht

Vieles probiert dabei auch
Immer wieder mit den für mich 
Allerschönsten Frauen was 
Natürlich Gefühlssache ist

Schönheit ist niemals ein
Objektives Kriterium sondern
Immer nur ein Empfinden das
Manchmal geteilt auch wird 

Wer Wettbewerbe dazu gewann
War nie schöner sondern nur der
Geschmack eines Durchschnitts
Den ich immer eher egal fand 

Genauso ist es mit der Lust
Am wenigsten empfand ich
Bei professionellen Damen
Die ihren Job dabei erledigen

Am geilsten schien es mir
Wenn das Gefühl stimmt und
Gemeinsam genossen wird 
Was sich gut tut echt ist

Der Gipfel der Lust ist es
Zusammen zu kommen
Wie dies sich dabei durch
Gemeinsames Tun zu schenken

Ob der Sekundenbruchteil des
Höhepunktes der sich auch ziehen 
Kann oder das danach gar das davor
Schöner ist bleibt in Summa unklar

Mehr als zusammen zu kommen
Kannst du in der Lust mit nichts
Erreichen warum ganz vieles auch
Überflüssig dabei wird verglichen

Weil das davor dabei oder danach 
Des Höhepunktes unklar bleibt in
Der relativen Bedeutung zeigt sich
Auch dieser wird überschätzt 

Ob diese Weisheit des Alters mehr
Von zunehmender Impotenz getragen
Wird oder Gipfel der Weisheit aus
Langer Erfahrung ist weiß ich nicht

Verlässlich sind alle Frauen noch
Immer unvergleichlich auch wenn
Die Anatomie sich ähnelt nach der
An Mustern orientierten Anatomie

Am schönsten schien es mir immer
Mit der die ich und die auch mich
Zufällig zeitweise liebte was doch 
Eine verlässliche Größe dabei ist

Sex braucht keine Liebe wie die
Liebe nicht nur im Sex sich zeigt
Wenn doch genieße was bleibt
Es ist verlässlich nicht von Dauer

Einige Geliebte konnte ich schon
Beim ersten mal nicht riechen 
So blieb oder endete es meist
Nicht immer traute ich den Sinnen

Wer sich stinkt kann sich dabei
Verlässlich nie genießen auch
Wenn alles andere perfekt scheint
Ist die Lust ganzheitlich zu sehen

Verlässlich ist auch mein Schwanz
Was nach geteilter Nacht auch am
Morgen erregend noch wirkt und 
Dauerhaft stehen auch lässt passt

Dabei zeigt die Natur uns noch viel
Zuverlässiger was passt als unser
Von vielem getrübter Wille der selten 
So verlässliche Aussagen macht

Alter oder Jugend Erfahrung oder
Keusche Jungfräulichkeit erhöhen 
Den Reiz dabei nicht wichtiger ist
Das Gefühl der Authentizität dabei

Ob dick oder dünn spielt keine
Rolle hinsichtlich der Frage ob 
Lust verlässlich kommt oder nie
Haar wie Hautfarbe sind egal 

Immer fand ich ältere reizvoller
Mit Erfahrung besser als ohne
Bei gelegentlichen Ausnahmen
Aber auch das ist eher egal

Verlässlich entscheidet das Gefühl
Was passt und sich anzieht dann
Findet es sich oder ist entbehrlich 
Gelassenheit tut verlässlich gut dabei

jens tuengerthal 11.1.26

Liebeverlässlich

Liebeverlässlich

Liebe basiert auf Glauben 
An ein Gefühl und nichts
Kann diesen je ersetzen 
Oder das Gefühl beweisen 

Alle Liebesbeweise sind Unfug
Das Bedürfnis danach kündet 
Nur von bereits Zweifeln die 
Sich das Ende nicht gestehen

Dennoch bemühen sich viele
Liebende einander ihre Liebe
Zu beweisen in bester Absicht 
Die logisch das Gegenteil belegt 

Sind nun alle Liebenden verrückt
Zumindest teilweise umnachtet
Oder ist Wahnsinn in der Liebe
Normal also quasi ein Beleg 

Das paradoxe Ergebnis widerspricht 
Wohl aller Vernunft was oft genug
Der beste Beweis für viel Gefühl ist
Was Grundlage aller Liebe sicher ist

Wären wir noch vernünftig würde
Keiner versuchen Liebe jemals
Zu beweisen dass wir es dennoch
Tun und wollen verrät uns viel

Über die Liebe in ihrem Wesen
Die Grenzen der Vernunft in allen 
Fragen der Liebe erstaunlich ist
Nur dass wir es vernünftig finden

Vielleicht könnte es sein denkt
Sich die Vernunft dass so die
Unvernunft vernünftiger Beweis
Dessen wird was nicht beweisbar 

Doch höre ich auf mein Gefühl
Weiß ich sicher wann ich liebe
Obwohl es da kein Wissen gibt
Könnte die Gewissheit genügen

Was also verlässlich ist in der Liebe
Bleibt relativ ungewiss wie die Frage
Ob verlassen alles vorbei ist oder
Sogar das immer ungewiss bleibt 

Die Liebe steht ihrer Natur nach
Auf einem immer unsicheren 
Fundament von nichts als Gefühl
Auf das wir uns verlassen müssen

Mehr an Verlässlichkeit gibt es
In Fragen des Gefühls tatsächlich
Nie aber wir sind liebend immer
Vom Gegenteil völlig überzeugt

Mit dieser natürlich unlogischen
Eigenart der Liebe müssen wir
Wohl leben auch ohne sie je
Verstehen oder erklären zu können 

Weiß nicht ob es gut so ist aber
Wenn ich glücklich liebe war es
Zumindest solange nicht falsch
Vielleicht genügt das am Ende

jens tuengerthal 11.1.26

Mitternachtsriesling

Mitternachtsriesling

Um genau Mitternacht heute im 
Crossroads angekommen wo mir 
Phil II der mit Tino die Bar macht
Sogleich den Riesling brachte 

Oben ist heute leer so dass sich
Der Blick auf unten konzentriert
Wo ich beim reinkommen gleich
Nina und den Hundehalter begrüßte

An der Bar sitzen noch zwei Damen
Die ein Paar sein könnten und sich
Intensiv unverständlich unterhalten
Vermute irgendwas slawisches

Nina sitzt mit einem silberhaarigen
Herrn im Hoody mit modischer Brille
Am Stehtisch schick wie immer die
Beiden Stehtische am Fenster sind

Mit je vier teils gemischt gefüllt gut
Im Gespräch eine der Nymphen vom 
Einen Tisch kam eben kurz berockt
Dicht an der Flaneurloge vorbei

Die Musik ist heute etwas nervig
Unruhig aber die Gäste unterhalten
Sich laut genug darüber weg und
Kaum schrieb ich es wird es besser

Nun dudeln seltsame Oldies die
Zumindest melodisch sind so ist es
Erträglicher und schon kommt
Wieder ein zu schneller Beat

jens tuengerthal 11.1.26

Samstag, 10. Januar 2026

Lektürentagebuch 10.1.26

Lektürentagebuch 10.1.26

In den Buddenbrooks kommt der
Konsul nach dem Gespräch mit
Seiner Tochter Tony mit Grünlich
Wie seinem Bankier Kesselmeyer

Im Rauchersalon zusammen was 
Thomas Mann als Zusammenbruch
Von Grünlich mit feinen Spitzen die
Alle treffen gekonnt inszeniert hat

Schon zur Begrüßung bekommt der
Sich dafür sorgsam ankleidende
Grünlich mit seinen goldgelben
Favories den ersten Schlag ab 

Er begrüßt den Konsul devot mit
Vater und dankt für sein Kommen
Dieser sagt nur das sei seine Pflicht
Aber wohl alles was er tun könne 

Der Vater schickt seine Tochter
Nach oben zu ihrem Kind während
Die Herren im Rauchersalon ihre 
Plätze am Spieltisch einnehmen

Konsul Buddenbrook bekommt den
Ehrenplatz am oberen Ende der Tafel
Grünlich und Kesselmeyer sitzen sich 
Gegenüber auf den Tisch die Bücher

Neben anderen Unterlagen der Firma
Der Konsul vertieft sich nach kurzer
Verzweifelter Intervention Grünlichs
Der seine Unschuld beteuert in das

Hauptbuch der Firma und sagt nach
Kurzer Lektüre mit Notizen sie armer
Mann und Grünlich laufen Tränen in
Seine goldgelben Favories dabei

Einen Moment ist der Konsul gerührt 
Aber ist schnell wieder Herr seiner
Gefühle und fragt nur wie das in so
Wenigen Jahren möglich wäre

Kinderspiel antwortet darauf der
Sichtlich amüsierte Kesselmeyer
Erwähnt die Gebrüder Westphal aus
Bremen als Stich gegen den Konsul

Dort hatte die Firma Buddenbrook
Gerade viel Geld verloren während
Er darüber grübelte warum das alles 
Ausgerechnet jetzt zusammenbrach

Er hätte schon vor drei Jahren dort
Stehen können wo er jetzt steht aber
Es wurde ihm weiter Kredit gegeben 
Weil ihm weiter das Ansehen seines 

Schwiegervater zugute kam da er
Den Eindruck erwecken konnte dieser
Sei solidarisch mit ihm doch diesem
Eindruck wollte er nun vorbeugen 

Die Banken hatten ihm zu immer
Höheren Wucherzinsen noch weiter
Geld geliehen der Konsul nennt
Grünlich unglücklich aber schuldig

Dessen verzweifelten Ausruf Vater
Weist er mit den Worten zurück dies
Klinge schlecht in seinen Ohren und
Benennt die Forderung Kesselmeyers

Auf die Frage ob er unter keinen
Umständen verlängern würde beginnt
Der Bankier lauthals zu lachen worauf
Der Konsul es für erledigt erklärt

Die Dinge würden ihren Weg nehmen
Er sehe sich nicht in der Lage sie 
Aufzuhalten Grünlich solle sich fassen
Lieber Trost und Kraft bei Gott suchen 

Der Konsul beendet die Unterredung
Worauf Grünlich zu jammern beginnt
Er könne ihn doch retten das Elend 
Von seiner Tochter noch abwenden

Darauf erwidert der Konsul knapp
Er hätte sein letztes Wort gesprochen
Worauf Kesselmeyer ihn fragt ob er
Wirklich nicht könne es wäre doch

Eine gute Gelegenheit die Stärke 
Der Firma Johann Buddenbrook zu
Beweisen was der Konsul wiederum
Ganz entschieden zurückweist

Er müsse um das Ansehen seiner
Firma zu belegen sein Geld nicht
In die nächste Pfütze werfen was
Im übrigen allein seine Sache sei

Über den Ausdruck Pfütze amüsiert
Sich nun Kesselmeyer der wieder fies
Fragt ob der Konkurs von Grünlich 
Nicht auf seine Firma abfärbe

Hier geht es um Kreditwürdigkeit 
In der Geschäftswelt doch bleibt
Der Konsul hart worauf Grünlich
Erneut um Gnade bittet für Tony

Der Konsul könne doch nicht wollen
Dass seine Tochter und sein Enkel
Ins Elend gestürzt würden und wieder
Mit seinem Selbstmord hier droht

Diese tiefen Gefühle erschüttern
Den Konsul der als Zeitgenosse der
Romantik für große Gefühle schon
Empfänglich ist einen Moment lang

Doch dauert diese kurze Schwäche
Nur eine Sekunde wie Mann schreibt
Er würde verhindern dass sie leidet 
Worauf Grünlich fragt was das hieße

Das würde er schon zu gegebener
Zeit erfahren und sich erhob um den
Raum zu verlassen darauf bekommt
Kesselmeyer einen Lachanfall

Mit bösem Spott erzählt er wie
Grünlich schon vor vier Jahren
Am Ende eigentlich war und ihn 
Nur die Ehe mit Tony noch rettete

Der Konsul weist diesen Angriff 
Streng zurück er habe sich keine
Vorwürfe zu machen sondern
Vorher Erkundigungen eingeholt 

Empört geht er zur Tür und will nichts
Mehr hören aber Kesselmeyer ruft
Ihm hinterher alle waren verwickelt 
Der Konsul geht türenknallend ab


Das siebente Kapitel im Zauberberg
Beginnt mit dem Strandspaziergang
Dieser ist ein Spaziergang durch die
Zeit und ihre natürlich relative Größe

Spannend ist es dabei auch den
Kulturhistorischen Kontext der Zeit
Der Entstehung dieses Romans sich
Kurz in Erinnerung nochmal zu rufen 

Es ist die gleiche Zeit zu der Proust
Über die Suche nach der verlorenen
Zeit sein Epos schrieb und Joyce aus 
Einem Tag einen Roman zauberte

Parallel forschen Einstein wie auch
Niels Bohr zur Physik der Zeit und
Wittgenstein und Heidegger dachten
Philosophisch neu darüber nach

Hier zeigt sich Thomas Mann als ein
Humorvoller Philosoph der Zeit was 
Mit Gedanken über Worte des gerade
Verstorbenen Joachim beginnt

Die Musik fülle die Zeit anständig aus
Hatte dieser einmal wohl anlässlich
Der sonntäglichen Konzerte im oder
Vor dem Sanatorium Berghof gemeint

Das nimmt der Autor zum Anlass über
Die Zeit zu philosophieren wie ihr 
Vergehen unter den besonderen
Umständen der Patienten dort

Gedanken zur Zeit in der Musik wie
In der Erzählung und ihre Bedeutung
Für den Verlauf und das Empfinden
Werden vielseitig dabei beleuchtet 

Das ganze natürlich wieder mit der
Für Thomas Mann typischen Ironie
Die auch Sein und Wahrnehmung
Ihres Protagonisten gerne relativiert

Dankbar könnte dieser dem guten
Settembrini sein der ihn gelegentlich
Der irdischen Zeit gemahnt wie der
Pflicht zum Leben dabei auch

Die flache goldene natürlich gravierte
Taschenuhr von Hans Castorp ist wie
Alle bürgerliche Welt vornehm erst 
Zugrunde geht dabei eine Glashütte 

Ein edles zuverlässiges Gerät das
Der Ingenieur noch ordnungsgemäß
Wohl täglich aufzieht zeigt ihm die
Stunden an nicht Jahre oder Tage

Ein Sekundenzeiger unterteilte den
Ablauf verstrichener Zeit noch feiner
Wie die fünf Mahlzeiten neben der
Liegekur den Tag dort einteilen

In der kleineren Teilmenge Liegekur
Wiederum unterteilt die Messung der
Temperatur diese noch in ein davor
Wie danach mit klarer Ordnung darin 

Doch wie wäre es mit der Zeit die für
Uns gleichmäßig abläuft auf einem
Kleineren Planeten in einer Art von
Miniaturwelt wo sie für uns raste

Was denen eine Sekunde empfunden
Könnte für uns eine Stunde sein weil
Die Zeit anders damit empfunden wird
Umgekehrt auf riesigen Planeten

So wird das absolute Verständnis der
Zeit was wir für gewöhnlich haben
Wenn wir genau wissen wann unsere 
Stunde geschlagen hat völlig verwirrt

Nebenbei erfahren wir noch wie sehr
Der Schnee Hans Castorp an die
Heimatlichen Dünen und damit auch
Strandspaziergänge erinnert 

Dies genügt an Meer für den Titel
Dieses Kapitels während dabei noch
Die verstrichene Zeit zu relativieren 
Von einer Rückkehrerin erzählt wird 

Mehr als das Madame Chauchat
Wieder zurückkehrt erfährt aber
Der neugierige Leser noch nicht
Wir dürfen uns auf folgendes freuen

Am Ende dieses philosophischen
Kapitels über die Zeit was auch mit
Neuen Erkenntnissen der Physik noch
Spielt wird um Verständnis geworben

Für den zeitlichen Schlendrian den 
Der Protagonist betrieb der kaum
Mehr sagen könnte wie lange er
Schon dort mit und ohne Vetter weilte

Die lästerliche Zeitwirtschaft wie das
Schlimme Getändel mit der Ewigkeit
Könnten durch letalen Ausgang von
Joachims ‘Biereifer’ entschuldigt sein

Welch wunderbares Ende denke ich
Der nahe Tod rechtfertigt den sonst 
Moralischen Schlendrian mit der Zeit
Weil er ohnehin alles entschuldigt

jens tuengerthal 10.1.25

Entdeckerreichtum

Entdeckerreichtum

Der größte Reichtum ist in der
Langsamkeit zu entdecken die
Allem seine Zeit lässt um sich
In Ruhe entfallen zu können 

Von ganz alleine kommt dann
Was passt ohne zu drängen
Oder etwas unbedingt zu wollen
Es auf seine Art sein zu lassen

Gemächlich im Tempo ohne ein
Ziel auch wie ein Flaneur treiben 
Lassen ist mehr als etwas zu wollen
Dies zu können zeigt echte Größe 

Entdecken wir die Langsamkeit
Neu als Glück aus der Ruhe die
Sein lässt was ist um sich daran
Ohne allen Druck freuen zu können

Es braucht viel weniger um mit dem
Was ist glücklich zu sein als alle die
Ziele noch erreichen wollen meinen 
Langsamkeit ist das Rezept für Glück

jens tuengerthal 10.1.26

Wintertempo

Wintertempo

Kaum kommt ein wenig Schnee
Schon steht die Bahn wieder
Schimpfen so manche Pendler
Früher warben sie im Gegenteil

Unabhängig vom Wetter zu sein
Doch sollten wir nicht besser
Mehr auf der Bremse stehen
Wenn es ungemütlich kalt draußen ist

Es uns drinnen gemütlich machen
Unsere Fettschicht lieber pflegen
Statt sie mit Sport abzutrainieren
Weil sie uns im Winter vor Kälte

Besser schützt als jede Jacke
Sie Teil unserer Natur einfach ist
Viele andere Säugetiere von denen
Wir nur eine Spezies mit besonders 

Destruktiven Fähigkeiten halt sind
Halten jährlich ihren Winterschlaf
Besser wir reduzieren das Tempo
Brauchen und wollen weniger

Genießen in Ruhe was nun ist
Flexibel zu sein heißt nicht das
Ganze Jahr gleiche Hektik machen
Sondern sich anpassen können

Also im Winter für sich bleiben 
Lesen Tee trinken viel schlafen
Kraft für den Frühling sammeln 
Jahreszeiten sind wechselhaft

Wie wir Menschen natürlich auch
Hören wir auf zu funktionieren
Genießen wir mehr was bleibt
Der Winter ist Ruhezeit die wir 

Am besten genau so verbringen 
Sich im Geist des dänischen Hygge
Zeit für Gemütlichkeit nehmen
Ist was jetzt dran ist und gut tut

Eine Ökonomie die global agiert
Das ganze Jahr Wachstum will
Statt sich Ruhe auch zu gönnen
Ist unmenschlich und eher krank 

Sein wir lieber menschlich wie es
Unserer Natur auch entspricht
Lassen wir uns einfach Zeit um
Den Winter in Ruhe zu genießen

jens tuengerthal 10.1.25

Lustrezept

Lustrezept

Bei der Liebe mit der Suche
Nach einem Rezept lyrisch
Schon gescheitert sei nun
Bei der Lust geschaut ob ein
Rezept sicher zum Erfolg führt
Was als erstes die Frage stellt
Worin eigentlich der Erfolg besteht
Ob es nur um Befriedigung geht
Oder der lustvolle Reiz genügt
Der aufstellt oder sich öffnet 
Um tiefer eindringen zu können
Ins Thema oder auch ineinander
Was nur der Vollzug der Lust
Am Ende wäre die geweckt
Doch schon da ist warum das
Ende hier dahinstehen kann
Weil die erweckte Bereitschaft
Nach der Natur ihren Gang geht
Ein Rezept sich also allein um
Die Erweckung kümmern müsste
Doch stoße ich schon dabei an
Die Grenzen der Komplexität
Weil es keinen Knopf gibt der
Gedrückt immer die Lust weckt
Auch wenn manche Knöpfe
Im richtigen Kontext wirken
Ist der komplexe Kontext dabei
Wichtiger als der Knopf ohne
Der nur mit funktioniert aber
Bevor es nun zu abstrakt wie 
Damit alle Lust erstickend wird
Belasse ich es lieber dabei die
Geweckte Lust zu erfühlen was
Bisher erfolgreicher immer war
Als alle Rezepte die ich nicht kenne
So endet es mit der Lust wie mit
Der Liebe bleiben am Ende
Wie immer alle Fragen offen 

jens tuengerthal 10.1.25

Liebesrezept

Liebesrezept

Gibt es ein Rezept für die Liebe 
Mit dem sie immer gelingt wie ein
Gutes Brot oder ein Hefezopf die
Gleichung mit vielen Unbekannten
Glatt aufgeht statt sich in üblichen
Gefechten zu verbrennen bei denen
Es mehr um Macht als um Gefühl 
Geht als wollten wir uns besiegen
Statt sich ganz nah zu kommen
Überlege ich und kenne es nicht
Gerne wird Ehrlichkeit als eine der
Wichtigsten Zutaten angeführt die
Lügen zur Erhaltung der Liebe
Ignoriert und darum untauglich
Meist ist da vor allem zu Beginn
Sich die Liebenden am liebsten
Selbst noch belügen bevor sie
Einander ihre Gefühle gestehen
Die sie für die ganze Wahrheit
Dann halten und nicht nur für 
Eine Laune ihrer Natur wieder
Die sie schon kennen könnten 
Doch immer wieder überraschend 
Was irgendwie wunderschön ist
Aber ein Rezept kenne ich nicht
Sie passiert eher einfach und
Dann ist sie da und geht auf
Was zum Glück genügt

jens tuengerthal 10.1.25

Freitag, 9. Januar 2026

Schneesturmriesling

Schneesturmriesling

Zum angekündigten Schneesturm
Auf den üblichen Riesling doch ins
Crossroad gegangen ohne Sturm
Der scheinbar im Norden blieb 

Trotz der Unwetterentwarnung hält
Sich der Andrang in überschaubaren
Grenzen aber langsam füllt sich die
Bar unten mit üblichen Stammgästen

Um die Ecke der Bar sitzen die beiden
Ältesten Gäste sie Nachbarin er war
Nachbar mit Hund kommt nun mit 
Seinem ferrariroten E-Mobil hier an

Daneben noch vier männliche
Stammgäste und am Ende der Bar
Zwei Damen in blond und brünett
Die miteinander beschäftigt sind

Phil II brachte gleich den Riesling
Während Tino die Bar versorgte
Die nun zehn Minuten später auf
Allen Plätzen unten voll besetzt ist

Oben nach Geschlechtern getrennt
Sitzen zwei Herren und zwei sehr
Junge Damen in blond und dunkel
Die Herren plaudern auf russisch 

Die jungen Damen tauschen sich
Gickelnd mit ihren Telefonen in der
Hand mutmaßlich über intime Details
Ihrer letzten Dates intensiv auf

Die Dunkle gelassen im Ledersessel
Zurückgelehnt die Blondine engagiert
Nach vorne gebeugt in Bewegung
Mit wundervollen langen Haaren 

Inzwischen haben noch vier junge 
Herren einen Stehtisch unten besetzt
Sehen aus wie ITler und sind mit sich
Beschäftigt nun kam auch Ferdinand

Letzterer trinkt sein Bier aus der 
Flasche im Stehen mit Parka die
Reste von Haupthaar gut gescheitelt
Phil II bedient dazwischen noch

Die Musik ist wechselhaft amüsant
Inzwischen nach etwas nervigen 
Beats noch zur Ankunft geht nun
Alles langsam seinen Gang hier 

jens tuengerthal 9.1.26

Winterbibliothek

Winterbibliothek

Während draußen Schnee und
Eisige Winde toben wird es in 
Der Bibliothek noch schöner wo
Gedruckte Paradiese warten
Erlese ich mir geistige Welten
In der schönsten Höhle geborgen
Höre ich den elektrischen Kamin
Knistern und sehe die Flammen
Aus Licht dort wundervoll spielen
Was könnte schöner sein als bei
Winterwetter auf dem Diwan in
Der eigenen Bibliothek zu liegen
Ein Ort voll schönster sinnlicher
Wie geistiger Erinnerungen von
Den größten Lesereisen wer so
Leben darf denke ich dankbar
Hat im Leben alles Glück erreicht
Alles mehr wäre nur eine Illusion
Vor allem muss wer genug für ein
Leben zu lesen hat nirgendwo hin
Kann in seiner Bibliothek bleiben

jens tuengerthal 9.1.26

Mercosurda

Mercosurda

Das Gegenteil von Trump tun
Der Zölle erhebt und droht ist
Schon darum gut und besser
So ist der Beschluss für die
Größte Freihandelszone der
Welt mit der EU und Südamerika
Eine ganz hervorragende Nachricht
Weil sie Freiheit groß schreibt wie
Ein Abkommen unter Partnern
Damit geschaffen auch hat was
Die früheren Kolonien versöhnt
Auch wenn hiesige Landwirte 
Teilweise Nachteile befürchten
Ist es Zeit für mehr Freiheit
So ist der Beschluss dieses
Abkommens erstmal ein gutes
Zeichen für die Zukunft Europas
Wie eine Ohrfeige für Trump 
Beides am Ende erfreulich

jens tuengerthal 9.1.25

Deutschlich

Deutschlich

Sprechen sie bitte deutlich
Dann werden sie auch verstanden
Soweit sie die gängige Mundart
Wie ihren Singsang beherrschen

Deutsch vom Scheitel bis zur Sohle
Nannte Prinz Asfa-Wossen Asserate
Sein Buch über deutsche Sitten die
Alle wirklich typisch deutsch sind

Der Neffe von Kaiser Haile Selassie
War zum Studium nach Deutschland
Gekommen und dort auch ein guter 
Corpsstudent in Tübingen geworden

Vieles listet er gut sortiert in seiner
Lexikalischen Abhandlung zum ach
So deutschen Wesen dabei auf was
Auch Eingeborene noch lachen lässt

Doch was ist heute wirklich deutsch
Überlegte ich bei der Lektüre schon 
Die Handtücher auf Liegen im Hotel
Welche schon vorm Frühstück da sind

Die Kehrwoche oder die Kuckucksuhr
Sind eher süddeutsch während das
Fischbrötchen zur Küste gehört was
Aber ist gesamtdeutsch typisch

Dann erzähle die Liebste dass sie
Morgens um halb sieben heute im 
Dunkeln schon Schneeschippen war
Weil bis sieben geschippt sein muss 

Dies muss sein egal ob Neuschnee
Weniger glatt ist als geschippt was 
Nicht mit gechipt verwechselt werden
Darf was Impfgegner noch fürchten 

Das ist Vorschrift und ansonsten droht
Falls jemand stürzt eine Haftung der
Hauseigentümer was disziplinierend
Wie abschreckend zugleich wirkt

Die Deutsche Angst vor Haftung
Wie was die Nachbarn sagen ist
Vermutlich am deutschesten nur 
In Berlin räumt keiner die Wege

Berlin ist bei Glatteis lebensgefährlich 
Was besser ist als ganz sauber 
Sich darüber aufregen ist Provinz
Noch fallend zu lachen berlinisch

Was nun toll oder besser ist will ich
Lieber nicht entscheiden müssen nur
Ist die deutsche Hauptstadt damit
Ungeräumt am wenigsten deutsch

jens tuengerthal 9.1.25

Wetterorakel

Wetterorakel

Es drohte Schneesturm in Berlin
Kündigte die täglich wechselnde
Vorhersage an warum auch die
Schüler Zuhause bleiben durften 

Real wird es nun ein wenig nur
Schneien kaum der Rede wert
Zumindest wurde vorher gewarnt
Als drohe der Weltuntergang

Die leichte Neigung zur Panik
Wie die übertriebene Hysterie
Ist typisch für unsere Zeit aber
Schafft mehr Probleme als sie löst

Weil der Bürgermeister während
Des Stromausfalls in Teilen seiner
Stadt dennoch Tennis spielte statt
Nichts zu tun herrscht große Panik

Dass er dummdreist gelogen hat
Wird er bezahlen müssen mit den 
Vorhaltungen der Opposition aber
Sonst ist das Thema völlig egal

Weniger Aufregung über alles was
Niemanden sonst etwas angeht wäre
Eine Rettung für unsere Nerven die
Wesentlich nachhaltiger wohl wirkte

Wenn sich zeitgleich alle Medien
Mit hysterischen Vorhersagen noch
Überbieten wollen um so genug
Aufmerksamkeit zu bekommen

Ist das Ergebnis natürlich der
Drohende Weltuntergang aus
Dem es kein Entkommen gibt
Obwohl es nur etwas schneit

Natürlich ist es gut so wenn wir
Rechtzeitig vor drohendem Unwetter
Gewarnt werden in Sicherheit alle
Das reale Nichts dann zu erwarten 

Deutschland hat meist ein völlig
Durchschnittliches Wetter ohne
Alle großen Extreme bisher was 
Vermutlich so bleiben auch wird

Ein bisschen Wind macht nix aber
Besser übers Wetter zu reden als 
Über Politik denke ich dabei wieder
An die dort noch größere Hysterie

Viel Lärm um nichts ist eine Komödie
Um Liebe und Ehe von Shakespeare
In der die Liebe in Messina seltsame
Wege infolge von Intrigen nimmt

Vielleicht täte es manchen besser
Über alles mehr zu lachen statt die
Vorgewarnte Menschheit noch ernst
Weiter nehmen zu wollen in Zukunft

So gehen wir in Berlin heute ganz
Gelassen durch den Schneesturm
Der doch nicht so wild wird um uns
Ein wenig darüber lustig zu machen

jens tuengerthal 9.1.25