Sonntag, 28. September 2025

Ausstellungsdoppel

Ausstellungsdoppel

Heute zwei Ausstellungen besucht in der
Alten Nationalgalerie zum einen im Visier
Lovis Corinth die Nationalgalerie und die
Aktion ‘Entartete Kunst’ und ihre Folgen

Zum anderen eine Doppelausstellung
Camille Claudel und Bernhard Hoetger
Zweier Künstler deren Wege sich in Paris
Kreuzten auf der Suche nach Anerkennung

Begonnen im Hochparterre mit der sehr
Gut gemachten Ausstellung mit Werken
Von Lovis Corinth sowie seiner künstlerisch
Großartigen Frau Charlotte Berend-Corinth 

Von Lovis Corinth als einem der ganz
Bedeutenden deutschen Impressionisten
Besitzt die Nationalgalerie allein zwanzig
Teils großformatige Ölgemälde dabei wird

Durch Tafeln erläutert wie sie in den Besitz
Der Sammlung kamen und was mit diesen
Teils als entartet bezeichneten Bildern in
Der Zeit des Nationalsozialismus geschah

Auch über ungeklärte Provenienz wird hier
Aufgeklärt wie welche Bilder wann wie
Bewertet wurden dabei sind teilweise
Auch Reproduktionen nur zu sehen

In Farbe soweit sie in andere Sammlungen 
Kamen in schwarz weiß wenn sie verloren
Gegangen sind was den einst großen
Bestand der Sammlung deutlich macht

Sehr spannend sind auch die Bilder
Seiner aus Ostpreußen stammenden Frau
Charlotte Berend-Corinth die noch bis
1967 lebte und vielfach sein Modell war 

Zusätzlich wird noch erläutert wie die
Verluste der Sammlung nach dem Krieg
In Ost und West ausgeglichen wurden
Dabei war der Bestand im Westen größer 

Sehr fein und sehenswert ist die auch dort 
Präsentierte Sammlung von Zeichnungen
Aus dem Berliner Kupferstichkabinett die
Teils Vorzeichnung teils eigen waren

Nach diesem Gang durch das Werk
Der beiden Corinths und den Bestand
Ging es eine Etage höher hier zu den
Impressionisten wo die Plastiken standen

Camille Claudel und Bernhard Hoetger
In einem Satz und nebeneinander nennen
Ist schon relativ gewagt dachte ich und
Der Verdacht bestätigte sich dann auch

Camille Claudel ist elegant sinnlich groß
Überflügelt teils ihren einst Lehrer und 
Geliebten Rodin lässt ihre Figuren tanzen
Schafft eine spürbare Lebendigkeit

Bernhard Hoetger hat in Paris unter dem
Einfluss dort einige schöne Plastiken noch
Geschaffen später deutschtümelnd wird es
Eher peinlich etwas grober und schlichter

Obwohl Hoetger sich als Parteimitglied
Nach 1933 den Nazis andiente wurde er
Ab 1937 teils für entartet gehalten hat
Sich in dieser Zeit eher peinlich gezeigt

Schaue ich mir dagegen die eleganten
Meisterwerke von Camille Claudel an 
Die in der Mitte des Raumes mit den 
Französischen Impressionsten gezeigt

Dann überwiegt die Eleganz wie der Stil
Einer Camille Claudel gegen die eher
Gnomenhaften Plastiken Hoetgers was
Zumindest ihre Überlegenheit zeigt

Es ist spannend wie unterschiedlich sich
Zwei quasi Zeitgenossen auch wenn
Claudel zehn Jahre älter war entwickelten
Französisch weibliche Eleganz gewinnt

Gegen eher sagenhafte deutsche Kunst
Die immer tumber wird um so näher die
Beschränkte Ideologie der Nazis war
Während Claudel in die Psychiatrie kam

Es gab übrigens schon einmal 1905 in
Paris eine Doppelausstellung der beiden
Durch den Galeristen Eugène Blot was
Zu dieser Zeit noch passend schien 

Die vorher schon in Bremen dort im
Paula Modersohn-Becker Museum
Gezeigte Ausstellung wurde für Berlin
Um internationale Leihgaben bereichert

Dafür wanderte die Bremer Ausstellung
Ins Musée Camille Claudel in Frankreich
Während Berlin seine Rodins mit dem 2024
Erworbenen Werk Claudels ergänzt

Gab es in Paris noch eine gewisse Nähe
Der beiden Schüler Rodins scheint diese
Später eher absurd aber betont so das
Besondere Talent von Camille Claudel

Der männliche Teil der Ausstellung
Entwickelt sich künstlerisch zurück
Während der weibliche elegant bleibt
Dafür aber in der Psychiatrie endete

Tragisch und dramatisch ist wie die
Mutter und die Schwester Camille Claudel
Nach dem Tod des Vaters der für sie stets
Gesorgt hatte in die Psychiatrie brachten

Doch war dieses Drama nicht Thema
Der Ausstellung denn ab 1913 hat die
Große Künstlerin nichts mehr geschaffen
Zu lange wurde sie nur im Schatten

Des großen Rodin als dessen junge
Geliebte Auguste war 24 Jahre älter
Als Camille die eine vielfältig sehr
Schwierige Beziehung hatten 

Die psychischen Probleme und Dramen
Infolge der Beziehungen mit mehr als
Zwanzig Jahre jüngeren Damen sind
Dem Dichter und Flaneur nicht unbekannt

So hat dieser schöne Museumsbesuch
Noch weitere geistige Bezüge wie auch
Erinnerungen geweckt was lehrreich war
Nur nicht zur Nachahmung empfohlen wird

Ein spannender wunderbarer Besuch
In der Alten Nationalgalerie in zwei
Ausstellungen die durch Wahnsinn
Geprägt wurden staatlich und privat

Die Ausstellung von Lovis Corinth und
Charlotte Berend-Corinth läuft noch bis
Januar und ist sehr zu empfehlen auch 
Für das Verständnis der Natur Provenienz

Zurück über den Flohmarkt noch gelaufen
Ohne ein Buch zu kaufen dafür hatte ich
Zumindest zwei Lesezeichen noch in der
Alten Nationalgalerie im Keller erworben

In strahlend warmer Herbstsonne dann
Zurück zum Helmholtzplatz geradelt um
Über das gesehene zu dichten was nun
Die schöne Kür mit der Pflicht vereinte

Kann nur immer wiederholen wie sehr
Sich die Jahreskarte der Museen lohnt
Wie dankbar ich meiner kleinen Schwester
Bin diese dem Bruder zu schenken

jens tuengerthal 28.9.25

Lektürentagebuch 28.9.25

Lektürentagebuch 28.9.25

Zum Sonntag weiter im Geisterfrühstück
Von Wolf von Niebelschütz heute über die 
Konversation und was eine gute ausmacht
Wann sie gerne in Erinnerung bleibt

Sehr formelhaft werden hier bekannte
Plattitüden wiedergekäut was selten lohnt
Auch hier nur ein mildes Lächeln weckt
Oder sogar empört über die Damen 

Wenn Niebelschütz meint diese wären 
Am besten als Zuhörerinnen wenn sie
Schwiegen oder fragten würden jedoch
Peinlich meist wenn sie selbst redeten 

Amüsant zu lesen dennoch gibt es viele
Der Vorurteile aus der Generation noch
Unserer Großeltern weiter die meist sogar
Seines Alters selbst etwa noch waren

Nachdenkenswert ist wie bewertet wird
Was als gut und tauglich noch dabei bis
Heute gilt was eher lachhaft scheint als
Ratgeber untauglich aber unterhaltsam

Ein wenig umständlich schreibt diese
Koryphäe des Übergangs auch darum
Las ich den Roman nie zu Ende aber
Fein dabei über doch gute Themen

Der Edelmann ist edel unterhaltsam
Wie für ihn hier Konversation sein soll
Die er längst verloren glaubt zu mehr
Reicht es selten der Adel lernte reiten 

Nach der Überschrift Geister folgt das
Siebente Kapitel von Lázár des Nelio Biedermann der uns seine eigene
Familiengeschichte damit auch erzählt

Erzählt wird wie die Jahre über das große Habsburgerreich dahinzogen wie die
Roma mit ihren Zirkuswagen durch die im
Donausumpf versinkenden Monarchie

Sándor fährt nun häufiger nach Pécs wo
Er das erstmal liebte und nun eine neue
Geliebte fand der er zu ihrem Haus im
Arbeitetviertel gefolgt war und sie ansprach 

Mária die seit Lajos Geburt eine Meisterin
Im Lügen geworden war durchschaute die
Lügen ihres Mannes der Geschäfte als
Grund vortäuschte sofort aber tat nichts

Sie hatte nach zu vielen kleinen Kriegen
Die es täglich zwischen ihnen gab längst
Aufgegeben sie wusste nur noch nicht was
So besucht Sándor Frau Virág wöchentlich

Er hatte ihre Wohnung gekauft wie Kleider
Elegante Stiefeletten und vieles mehr auch
Ließ er immer genug Geld da dass sie bald
Nicht mehr sonst etwas arbeiten musste

Doch sie liebte nicht sein Geld sondern
Seine Eleganz die ihr natürlich vorkam
Auch wenn die Maske ihn sehr anstrengte 
War er für sie Verkörperung der Eleganz 

Dennoch war sich der Baron nicht zu
Schade sein Gesicht in ihren nur selten
Gewaschenen Schoss zu versenken
Im Gegenteil vergötterte er ihren Körper

Sie hatte ihn immer für gewöhnlich nur
Gehalten doch war es was er suchte
Márias Körper war zur Tempelruine einer
Längst erloschenen Religion geworden

Dagegen war Frau Virágs Körper die
Stätte blühenden Glaubens dem er
Huldigte indem er in ihren feuchten Schoss
Stieß und Dreck von ihren Füßen leckte

Seine Nase bohrte er in ihre Achseln
Platzierte ihren Hintern auf seinem Gesicht
Unter diesem konnte er alles vergessen
Das zerbröckelnden Reich wie die Familie

Mit Leidenschaft und Schönheit wird die
Liaison von Sándor beschrieben wie der
Steife Baron der Lust folgt und so aus
Dem inszenierten Leben ausbricht

Es ist diese Mischung der Welten die
Mit feinen Details von Schuhen bis
Mantel beschrieben wird und was das
Feuer seiner Lust brennen lässt

In der Ehe spielt er seine Rolle als
Der Herr Baron von Lázár aus dem
Waldschloss bei Frau Virág wurde
Ein anderer Teil von ihm lebendig

Ob es in der Ehe echte Leidenschaft
Geben kann oder nur mit Geliebten
Wie Mària sie mit dem Knecht fand
Ist unklar oft schläft die Lust ein 

Wäre es vollkommen alles in einer
Person finden zu können oder teilen wir 
Es besser auf weil nicht alle Welten
Alles haben können glücklich zu sein

jens tuengerthal 28.9.25

Liebesgeschichte

Liebesgeschichte

Die Liebesgeschichte
Endet niemals es kommen
Stets neue dazu

jens tuengerthal 28.9.25

Nichtstun

Nichtstun

Das konzentrierte
Nichtstun könnte wichtigste
Aufgabe werden

jens tuengerthal 28.9.25

Endlichkeit

Endlichkeit

Endlichkeit hat doch
Viele Vorteile anders
Als Unendlichkeit

jens tuengerthal 28.9.25

Liebesheilung

Liebesheilung

Liebesleiden sind heilbar
Zumindest theoretisch
Praktisch wird es eher
Kompliziert meistens

Am effektivsten ist dabei
Ablenkung durch verlieben 
Nehme inzwischen lieber
Bücher anstatt weil sie

Weniger leiden lassen
Was jede neue Liebe
Irgendwann doch tut
Kenne keine Ausnahme

Die Liebe geduldig auch
Nach Pausen erwidern 
Es für jede Stimmung die
Passenden Bände noch gibt 

Du nie mit ihnen reden musst
Sie noch nie launisch waren
Keinerlei Eifersucht kennen
Aber alle Freunde ersetzen

Vollkommen glücklich machen
Sogar Befriedigung schenken
Seitdem leide ich fast nicht mehr
Solange ich bei Büchern bleibe

Waren sie die beste Heilung
Die mehr gab als jede Liebe
Warum ich heute meiner
Heilerin für immer treu bleibe

Ohne etwas zu vermissen
Zumindest theoretisch
Denke ich Samstagnacht
Allein in meiner Bibliothek

jens tuengerthal 28.9.25

Samstag, 27. September 2025

Phantasieflucht

Phantasieflucht

Wie ist die Welt gerade schrecklich 
Ist ein Gedanke der schlicht lähmt
Welche hätte ich viel lieber endlich 
Setzt Geister frei die keiner zähmt

Angesichts der Wirklichkeit ist eine Flucht
Ins Reich der Phantasie so naheliegend
Wie wohltuend und so mache ich mir
Die Welt lieber wie sie mir gefällt

Prometheus der einst den Menschen
Die Macht des Feuers in gab wurde 
Dafür von den Götter hart bestraft
Auf ewig an den hohen Atlas gekettet 

Möchte den Menschen lieber keine 
Neuen Waffen geben sich zu befreien
Es genügt das vorhandene Werkzeug
Phantasie im Bündnis mit Vernunft

Sage keinem wie seine Welt sein soll
Damit es allen gut geht auch keiner 
Damit alle angesprochen sind sondern
Macht euch die Welt wie sie euch gefällt 

Flüchtet euch mit Pipi Langstrumpf aus
Grauer Realität in die Villa Kunterbunt
Findet heraus was euch dort gut tut
Dann haben alle ihre wundervolle Welt

Diese wird bunt wie vielfältig sein sich
Nie in nur einer Sprache verständigen
Können aber alle werden glücklich dort
Leben nach ihrer Phantasie eben

Wenn wir das etwas wirklicher werden
Lassen könnte es sich für alle lohnen
Um nach der Flucht ins Reich der 
Phantasie bei sich anzukommen

jens tuengerthal 27.9.25

Wahnsinnsherrschaft

Wahnsinnsherrschaft

Es herrscht der Wahnsinn wieder
Über die schon verrückte Welt
Wer wird sich da noch wundern
Wenn alle den Verstand verlieren

Ein Trump schickt Truppen der Armee
Gegen Bürger des eigenen Landes um
Die terroristische Bedrohung durch die
Antifa die er erfand zu beseitigen

Tatsächlich sind alle Städte in die der
Totalitäre Machthaber aus Washington
Bisher Truppen entsandte stets noch
Von Demokraten regiert worden

Von seiner peinlichen Rede vor den
Vereinten Nationen schweigen wir
Lieber hier es war wieder nur das
Übliche in Wortbausteinen dazu

Noch dreister log nun der bekannte
Verdreher der Wirklichkeit Lawrow
Vor der UN Versammlung machte
Russlands Propagandalügen publik

Der Westen sei schuld am Krieg in 
Der Ukraine dieser provoziere nun
Einen Krieg gegen Russland mit den
Angeblichen Luftraumverletzungen

Weil sich die NATO den ständigen
Provokationen aus Moskau deutlich
Entgegenstellt provoziere diese den
Weltkrieg gegen Russland weiter 

Noch immer wird es Menschen geben
Die diesen Wahnsinn glauben weil ihr
Führer Putin doch ein guter Mann sei
Statt das Problem hier zu erkennen

Im Westen wie im Osten herrscht so
Der Wahnsinn von der Diktatur in
China die allein zur Weltherrschaft will
So siegen könnte ganz zu schweigen 

Es ist der Wahnsinn ausgebrochen
Aussichten auf Heilung bestehen nicht
Wie die Welt zu retten ist bleibt unklar
Zeit endlich alle Staaten abzuschaffen

Wer braucht noch diese Ansammlung 
Von Macht die stets zu Missbrauch führt
Den Wahnsinn stoppt nur wer sie bricht 
Keine Macht für niemanden mehr gibt

Damit wir machtlos friedlich leben können
Genügt der kategorische Imperativ der
Das Gewissen zum Gesetz erhebt was 
Kein Staat kann der Normen anstatt setzt

Keine Staaten keine Nationen keine 
Grenzen zwischen Menschen die
Miteinander mit Vernunft wieder leben 
Um das wenige was bleibt zu genießen

Wagten nur mehr vernünftig kritisch
Wieder zu denken statt nur kollektiv 
Dem Wahnsinn zu verfallen wären
Die Probleme der Welt bald gelöst

Unklar ist an dieser Stelle nur ob alle
Die mehr und lieber auf ihren Bauch
Künftig hören wollen was viele sagen
Sich dieser Vernunft entgegenstellen

Es wird um die Welt nochmal zu retten
Wohl eine neue Aufklärung brauchen
Die vom Aberglauben uns befreit das
Macht nötig und nützlich je wäre

Vom übrigen Aberglauben an Jenseits
Wiedergeburt und Götter befreiten sich
Die aufgeklärten Menschen dann selbst
Was die beste Erledigung der Religion ist

Frage ich mich aber wann eine längst
Vernetflixte Gesellschaft so weit ist 
Die sich lieber berieseln nur lässt statt
Statt endlich kritisch zu denken

Bleibt nur die Hoffnung auf eine bald
Letale Lösung von der Menschheit den
Planeten in Frieden leben zu lassen
Das folgte dann Natürlicher Intelligenz

jens tuengerthal 27.9.25

Lektürentagebuch 27.9.25

Lektürentagebuch 27.9.25

Im fünften Kapitel ist die Familie Lázár
Im gleichnamigen Roman von Nelio 
Biedermann im Urlaub den alle auf
Ihre Art in der Kurstadt Héviz genießen 

Ilona genießt die Ruhe und das Licht
Wie vor allem die bald Abwesenheit
Ihres Vaters dessen Rascheln mit der
Zeitung ihr schon schlechte Laune machte

Sie liebte den Duft der Bettwäsche die
Mit Lavendelseife gewaschen wurde
Wie die Geräusche der Straße die in
Ihr Zimmer drangen ohne zu stören

Es war alles wie jedes Jahr und der
Gedanke beruhigte sie dass alles
Dort so gewohnt war ganz unabhängig
Von ihr wirkte wie nichts anderes sonst

Auch Mária blühte in der Kurstadt
Auf weil sie unter Menschen war ihre
Kur war Sehen und Gesehen werden
Gesehen zu werden war das Mittel

Das einzig wirksame dazu gegen das 
Gefühl nicht zu existieren nur aus Worten
Oder Gedanken zu bestehen doch meist
Kam sie dort nicht zum nachdenken 

Die Osterzeremonien beanspruchten alle
Zeit mit beten essen und rot bemalte Eier 
Zu suchen und so zu tun als habe sie den
Osterhasen gerade verschwinden sehen

Nach Ostern entspannte sie sich von den
Feiertagen und dem vielen Essen dann im
Thermalbad traf Bekannte mit denen sie
Über andere Bekannte tratschte

Dazu gab es Einladungen zum Dinner
Bälle Kino und Theater also endlose
Möglichkeiten etwas zu tun was ihr im
Schloss so sehr fehlte 

Auch Ida das Kindermädchen blühte 
Im dort Frühling mit roten Wangen da
Sie wenn der Vater nach sechs Tagen
Wieder abfuhr wenn die Kinder schliefen 

Abends über Nacht ihren Paul zu sich 
Kommen lassen durfte doch schlief Ilona
Nicht sondern lauschte gespannt allen 
Geräuschen der Lust im Zimmer über ihr

Dies erregte sie wie die Vorahnung von 
Etwas Großem und gegen das Kribbeln
In ihrem Unterleib half nur sich ein Kissen
Zwischen die Schenkel zu schieben

An diesem rieb sie dann ihren seltsam
Kribbelnden Unterleib morgens früh musste
Paul gehen der bei Grünfelds gegenüber Diente und gab seiner Ida einen Stirnkuss

Seine schweren Schritte auf der Treppe
Weckten Mária die an ihren Pál dachte
Wie Ida die der Kuss weckte an ihren Paul
So genossen alle auf ihre Art den Urlaub

Im sechsten Kapitel lernen wir neu den
Jakub Jakubowski kennen der vierzig
Jahre als Schreiber bei einem Hauptmann
An der Grenze zur Ukraine diente 

Dort schrieb er ausschließlich Liebesbriefe
An die sieben im ganzen Habsburgerreich
Verteilten Frauen und Geliebten seines
Hauptmanns dazu las er auch ihre Briefe

Entsprechend fühlte er sich von sieben
Wunderbaren Frauen aus dem ganzen
Bunten Reich geliebt und wurde aber
Durch seine Arbeit immer unsoldatischer

Doch er wurde älter und wurde dann
Entlassen war kein Teil der Armee mehr 
Sondern einfacher galizischer Bürger
Ganz allein in der endlos weiten Welt

In das Dorf mit dem Waldschloss kam er
Weil dort Judika lebte die ihm stets die
Liebste der sieben gewesen war durch
Ihre Briefe war sie ihm vertraut geworden

Er ging zu ihrem Haus dessen Adresse
Von all den Briefen er gut kannte und
Klopfte an die Tür immer wieder bis
Sich gegenüber ein Fenster öffnete

Eine Nachbarin rief ihm zu da könnte
Er lange warten die Judika sei tot
Nachdem Jakub erst dachte nun müsse
Er auch sterben kaufte er das Haus

Als Lajos fünf wurde stellte der Baron
Jakub als Hauslehrer für den Jungen an
Mit dem Auftrag er solle ihn hart ran
Nehmen damit er ein Baron Lázár würde 

Keiner wusste dass Jakub zuvor nur
Liebesbriefe geschrieben hatte nur Lajos
Spürte es und lernte voller Eifer vor allem
Schreiben wurde seine Leidenschaft

Wie von einem Zwang getrieben musste 
Lajos all seine Gedanken aufschreiben
Ihnen eine Form zu geben doch die
Meisten dieser Zettel verschwanden

Wie der Junge nun seinen Onkel Imre
Fragt wie das sein könne meinte dieser
Das Schloss verschlucke sie es lebe von
Erinnerungen was nach Hoffmann klingt

Nur eine besonders schön geschriebene
Aus dem Jahr 1906 die er auf kostbares
Büttenpapier schrieb tauchte immer
Wieder auf womit das Kapitel endet 

jens tuengerthal 27.9.25



Lieblos

Lieblos

Lieblos lebt es sich
Leichter als weiter verliebt
Auch in das Ende

jens tuengerthal 27.9.25

Zwischen

Zwischen

Zwischen beinah schon
Glücklich und immer traurig
Kann wenig liegen

jens tuengerthal 27.9.25

Nochnichtsein

Nochnichtsein

Noch wäre kein Krieg
Nur kein Frieden mehr meinte
Der Bundeskanzler

Im noch nicht suchen
Menschen noch eine Zukunft
Ohne Sicherheit

jens tuengerthal 27.9.25

Liebesflucht

Liebesflucht

Liebe kommt gerne für immer
Bleibt manchmal ewig lang
Aber ist immer schnell flüchtig
Verschwindet dann spurlos 
Als wäre nie etwas gewesen
Von für immer redet dann keiner
Mehr wenn weniger bleibt wohin
Die Flucht der Liebe geht
Weiß meistens niemand der
Sie verloren hat und den anderen
Fehlte ja meistens eher nichts
So bleibt die Liebesflucht
Am Ende auch egal

jens tuengerthal 27.9.25

Herbstnachttiesling

Herbstnachttiesling

Gegen halb eins im Crossroads
Das oben und unten gut gefüllt ist
Angekommen und erstmal gratuliert
Dem letztwochigen Geburtstagskind

Als ich oben schließlich ankam hatte
Die gute Selma schon meinen immer
Riesling unbestellt mir hingestellt die
Übrigen Bekannten in Ruhe begrüßt

Tino noch unten begrüßt und an ihm
Vorbei den Weg auf meine Bank mit
Flaneureüberblick wieder Erwarten
Leicht gefunden hier sitz ich nun

Ob mit dem ersten Schluck Riesling
Intus noch so klug wie zuvor ist wohl
Ungewiss aber nicht weiter auffällig
Selma ist wieder bunt schick

Am Ende des Tresens ist Volker im
Wie immer intensiven Gespräch mit
Einem bebrillten Herren der es tapfer
Erträgt und gelegentlich was sagt

An den Stehtischen sitzen verschiedene
Unklarer Zusammengehörigkeit von
Mindestens zwei Geschlechtern der Rest
Entzieht sich dem Blick von oben

Oben vier Paare und eine Minigruppe
Eines Herren mit zwei Damen auch hier
Entzieht sich die sonst geschlechtliche
Bindung der Beteiligten dem Blick

Gerade knutscht oder fummelt keiner
Aber alle plaudern überall teils auch
Über die Tische hinweg nur Selma
Umarmt mit gewohnter Herzlichkeit

jens tuengerthal 27.9.25