Samstag, 30. August 2025

Planlost

Planlost

Kennzeichnen des Flaneurs ist es
Ohne Ziel oder Aufgabe zu flanieren
Wir sind von Natur aus planlos und
Lassen uns als Beobachter treiben

Braucht es nicht auch einen Plan um 
Völlig planlos was wie erwartungslos
Schon klingt flanieren zu können fragt
Nur wer sich noch an etwas hält

Heute bei der schönsten Operndiva
Die ich kenne was aber zugegeben
Nicht so viele sind aber schöner ist sie
Dennoch schon durch ihren Geist

Was mich den Faden der Strophe fast
Verlieren ließ von dem Gedicht von
Jandl das ich bei ihr hörte über den
Unerfüllten Plan der so schmerzt 

Das kann mir völlig planlos natürlich
Nicht passieren fraglich nur wie ich
Das in ein Gedicht zum verlorenen Plan
Integrieren soll denke ich und lasse es

So sind am Ende alle Fragen offen wie
Die Pläne dazu auch längst verloren
Aber gut darüber ohne alle Folgen hier
Als planloser Flaneur gedichtet zu haben

Möge der Abend nun in die Nacht ziehen
Wohin es wen dabei auch immer treibt 
Könnte die Nacht lang wie museal werden 
Denke ich und warte was oder wer kommt

jens tuengerthal 30.8.25

Lektürentagebuch 30.8.25

Lektürentagebuch 30.8.25

Mit Sebastian Haffner unterwegs im 
Leben der Fußgänger kommt als erstes 
Vorsicht nicht zu neckisch! als kleine
Warnungstafel für Ferienfotografen

Er beginnt mit dem wunderbaren Satz
Zeig mir deine Aufnahme und ich will
Dir sagen wie sie entstanden ist was 
Zugleich prophetisch und komisch klingt

Die meisten Bilder entstünden weil ein
Junger Mann der eine stehende Figur in 
Allen Gesellschaften sei die Kamera zücke
Worauf sich alle noch schön machten 

Dann entsteht das Bild für das alle einen
Moment still standen und wird dann ins
Album gesteckt womit sein Zweck erfüllt ist
Danach wird es eingeklebt und vergessen

Dann gibt es die seltenen Glücksfälle wo
Durch langes Warten wie bei der Jagd ein
Wunderschöner Schnappschuss entsteht 
Sie sind selten und ernten Bewunderung

Solche Bilder können nie gestellt werden
Was leider keine allgemeine Erkenntnis sei
Warum die dritte Gruppe gerne Menschen
In der Natur leicht bekleidet inszeniert

Sie wirkten meist bemüht und taugten
Selten etwas als in der Idee des Fotografen
Die er krampfhaft zu realisieren versuche
Wonach ihre Opfer meist auch aussehen

Natürlich gestellt sind sie die Wachsblumen
Der Fotografie heute werden sie gerne mit
KI bearbeitet in sozialen Netzwerken dem 
Gelangweilten Publikum präsentiert

Sie wirken meint Haffner aufgedonnert 
Freuen niemand als den Fotografen und
Belegen das Hässlichkeit im menschlich
Hässlichen wurzelt Kitsch unmoralisch ist

Eine wunderbare kleine Geschichte die
Noch auf die Entwicklung der Bilder
Warten musste was heute digital sofort
Da ist und aller Welt aufgedrängt wird 

So wurden die sozialen Netzwerke zum
Fotoalbum der Gegenwart und sind nur
Dazu da schnell vergessen zu werden
Besser ist wohl darüber zu schweigen


Über Berliner Gedichte schreibt fein
Franz Hessel und beginnt mit Goethe 
Der einst sagte Oh wie ist diese Stadt
So wenig er fand für Musen keinen Ort

Echt Berlinische Lyrik entstand wohl erst
Wenn das tragische mit dem komischen
Zusammentraf sich die Empfindsamkeit
Unter nüchternen Allüren verbergen will

Als Großstadt hätte Berlin die Dichter nie
Dichten gemacht nur wer die anonymen
Reize dieser trotz alledem Schönheit je
Erlebte den wurde Berlin zum Gedicht

Dann hat der Straßenlärm eine Melodie
Wird die Trauer des Hinterhofs fühlbar
Die Landschaft am Kanal zum Spiegel
Wie Rahmen eigenen Erlebens noch

Dann wird die Stadt lieb gewonnen der
Dichter möchte sie wie Ringelnatz dann
Anziehen wie eine schöne Hose möchte
Mit Lichtenstein die Kaschemmen drücken

Sieht plötzlich die zementene Rose wie
Einst Becher oder haßt die Stadt mit einer
Leidenschaft die sie als Gegenspieler erst
Lebendig macht mit dem der Dichter ringt

Wie ich es mit dem Alex oder dem Berliner
Dom gerne tue die ich abgrundtief hasse
Der Frühling sei den Dichtern wie der
Dichtung gnädig auch in Berlin gelte dies

Doch kommt er nicht im Sturm sondern
Ist mit einmal wieder da schüchtern noch
Wie ein Kind zurückhaltend wie ein Gast
Und wird doch so dankbar hier begrüßt 

Noch der armseligste Balkon zu den 
Stadtbahngleisen füllt sich mit Blumen 
Die Berliner Dichtung erfüllt dann ein
Immer wiederkehrendes Anfangsglück

Die noch etwas frierende unverwüstliche
Daseinslust die selten noch so grandios 
Verzweifelt wie in Baudelaires Versen ist
Hier gedeihen keine Blumen des Bösen 

Dafür blüht manch holde Unschuld noch
Zwischen Unkraut und Gestrüpp wie die
Gräser zwischen Steinen im Hof sprießen
Leben finden in dem bisschen Erde

Allmählich hat was man Poesie nennt
Einige Berliner Orte erobert durch die
Kinderspielplätze im Tiergarten oder der 
Wunderliche Carrefour Potsdamer Platz 

Wo mitten im grau Blumen verkauft werden
Oder der Zoo und das Viadukt am Bahnhof
Wo die Hochbahn den Häuserblock quert
Diese Orte warteten noch auf ihre Dichter 

Da vom Frühling die Rede sei müsse er
Auch auf die Frauen kommen meint Hessel
Schon der Alliteration wegen denn wieviel
Sei noch auf die Berlinerin zu dichten 

Die lebensfleißig eifrig in allem Elend noch
Tapfere um möglichst viel Schönheit dabei
Wacker bemühte die Tucholsky so treffend
Mutterns Beste nannte die aller Worte wert 

Von der Berlinerin und ihrer Stadt dieser
Nomadensiedlung in Deutschlands leerem
Osten in der die Dichter noch heimatlos
Herumlaufen aber wartet nur sie kommt

Die Berliner Poesie schrieb Hessel fast
Prophetisch wenn es mit Europa gut noch
Weitergehe wir richtig inmitten siedeln
Käme bodenständige Berliner Poesie

Las als irgendwie Berliner Dichter die
Worte des großen Flaneur andächtig
Wie voller Freude so mag es weitergehen
Mit Berliner Poesie mitten in Europa

jens tuengerthal 30.8.25

Einschnittig

Einschnittig

Der Bundeskanzler fordert Einschnitte
Beim Sozialsystem weil wir seit Jahren
Über die Verhältnisse leben das damit 
Die Armen immer ärmer und die Reichen
Immer reicher wurden sagt er nicht der
Dafür lieber den Armen mehr nehmen will
Statt von den Reichen etwas zu verlangen
Damit es allen besser geht und so bleibt
Der Bundeskanzler asozial wie immer
Schlägt auf die Armen ein die uns zu
Teuer würden damit auf keinen Fall
Die Reichen mehr belastet werden
Was deutlich zeigt mit diesem Kanzler 
Gibt es für die Mehrheit keine Zukunft
Mehr in diesem Land damit eine kleine
Minderheit ungestört weiter ihren Reichtum
Genießen kann was schlicht asozial ist
Womit dem letzten klar sein muss
Dieser Kanzler sollte bald Geschichte sein
Eine Zukunft bietet er der Mehrheit nicht

jens tuengerthal 30.8.25

Liebeshoffnung

Liebeshoffnung

Liebe schenkt Hoffnung
Auf bleibende Gefühle
Schöne Illusion

jens tuengerthal 30.8.25

Teezeit

Teezeit

Teezeit ist immer
Sobald wir sie uns nehmen
Gesunder Luxus

jens tuengerthal 30.8.25

Hoffnungsschimmer

Hoffnungsschimmer

Rechtsstaat rettet uns 
Vor Zollpolitik Trumps hofft
Die freie Welt nun

jens tuengerthal 30.8.25

Liebesabsolutismus

Liebesabsolutismus

Bin als Anhänger der Aufklärung
Ein strikter Gegner des Absolutismus
Macht sollte nur auf Zeit wie prüfbar
Verliehen werden ist also relativ gültig

Nur die Liebe kümmert das nicht
Sie fordert Absolutismus und will
Alles ganz und nur für sich weil
Neben ihr nichts mehr Platz findet

Relativ gültige Liebe die sich den
Wechselnden Mehrheiten beugt gilt
Als ungenügend und führt meist zu
Schneller Erledigung als unerfüllt 

Dabei wollen viele alles oder nichts
Verlorene Liebe nie wieder sehen
Als sei die Verbindung vergessen 
Wird dabei gern radikal gedacht

Ist dieser emotionale Absolutismus
Noch zeitgemäß war er es je oder
Hat der Anspruch eher scheitern lassen
Als dauerhaft glücklich zu machen

Gefühlt leben noch alle meine Lieben
Weiter in mir und sollte Zuneigung wie
Harmonische Zärtlichkeit und schöne
Lust für mich besser niemals enden

Die Geschichte meiner Lieben ist auch
Die Geschichte meines Lebens warum
Sollte ich etwas davon vergessen wollen
Lieber liebe ich meine Lieben ohne Ende 

jens tuengerthal 30.8.25

Frühherbstriesling

Frühherbstriesling

Bei früh herbstlich feuchtem Wetter
Gegen halb eins vorm Crossroads
Platz genommen wo noch einige
Dem Wetter zum Trotz draußen sitzen

Während Tino schon einräumt bringt
Die schnelle Selma schon den guten
Rheingauer Riesling sitzen noch so
Einige gemischte Gruppen mit mir hier

Drei Paare und eine Gruppe von sechs
Spaniern gemischt um einen Tisch für
Ihre Nation dabei relativ leise hier dabei
Ist unklar ob Tino sie schon ermahnte 

Das eine Paar sind zwei Frauen von
Mittlerem Alter die den Durchschnitt
Ein wenig heben eine von ihnen ganz
In Jeans ist ziemlich kompakt gebaut

Die sehr hellblonde Damen mit ihrem 
Dunkelhaarigen Herren auf der Bank
Direkt vor mir spricht englisch mit ihm
Er sucht mehr Nähe sie beobachtet es

Zur rechten ein Paar beim Wein sie mit
Altgold blondierten Haaren trägt noch
Sommerlich elegante Schuhe zu langer
Hose und Trenchcoat passt zum Übergang

Um die Ecke sitzen noch einige Tische
Die nicht weiter der Rede wert sind da ich
Sie von hier nicht sehe ein Paar nahm 
Schon drinnen Platz wo auch Roy ist

Der Abend wandert bei guter Musik nun
Langsam in die Nacht Tino räumt weiter
Die Dame rechts redet rauchend und ihr
Älterer Herr kommentiert es ein wenig

jens tuengerthal 30.8.25

Freitag, 29. August 2025

Lektürentagebuch 29.8.25

Lektürentagebuch 29.8.25

Über Helen Hessel stolperte ich über ihren
Pariser quasi Chef den Korrespondenten
Der Frankfurter Zeitung dort mit Namen
Friedrich Sieburg der mir bekannt war

Nach kurzer Suche fand ich in meiner
Anderen Bibliothek den Band mit dem
Titel die Lust am Untergang der 2010
In dieser wunderbaren Reihe erschien

Seit mehreren Tagen schon las ich nun
Immer vor dem Einschlafen die sehr gute
Einleitung von Thea Dorn dem Pseudonym
Von Christiane Scherer aus Frankfurt

Das an Theodor W Adorno erinnernde
Pseudonym macht die heute Vorsitzende
Des deutschen PEN Club Berlin die auch
Philosophie studierte ideal zur Einleitung

In Paris war Sieburg übrigens auch der
Nachfolger von Joseph Roth der bereits
Ein deutlich größeres Renommee hatte
Der Frankfurter blieb er als FAZ treu

Insofern ich mit diesem Blatt aufwuchs
Bei Eltern und väterlichen Großeltern
Gab es schon einen Vertrauensbonus
Der politisch heute eher fragwürdig ist

Die Familie gab sich gerne liberal wie
Großbürgerlich was also keinesfalls mit
Kleinbürgerlich zu verwechseln worüber
Empört die Nase gerümpft wurde 

Sachliche oder gar finanzielle Gründe
Hatte diese Überheblichkeit nie die sich
Auf Bildung und den Brockhaus berief
Um so stolzer trug sie ihre Ehre dafür

Unklar ist ob Sieburg Josephine Baker
Persönlich schätzte doch kamen beide
Etwas um die selbe Zeit nach Paris
Wo er sein Vaterland lieben lernte 

Sein sehr erfolgreicher Band der zum
Geflügelten Wort dann als Leben wie
Gott in Frankreich wurde war Teil der
Suche nach natürlicher Nationalität

Ihm fehlte das nationale Selbstbewusstsein
Die eigene gepflegte Tradition und eine
Dies pflegende großbürgerliche Elite 
Welche der Kleinbürger verzweifelt suchte

Warum er später zum Feind wie Gegner 
Der Gruppe 47 werden musste in der sich
Günter Grass als verborgener SS Mann
Gerne postnational noch profilierte 

Die Liebe zu Nichtigkeiten die das Leben
In Frankreich so göttlich machte fehlte ihm 
In Deutschland noch völlig er wollte sein
Heimatland gerne als Person sehen

Dieses Leiden an der fehlenden Nation
Gab er Anfang der dreißiger in seinem 
Essay Es werde Deutschland Ausdruck
Was das abschüssige Gleis ahnen lässt

Hier verlor sich Sieburg peinlich kleinlich
Im nationalen Denken wurde Mitglied
Der nsdap und andere Peinlichkeiten mehr
Dennoch wurde es von den Nazis verboten

Dabei zu bedenken dass ein Thomas Mann
Seine nationale Verwirrung aus seinen 
Betrachtungen eines Unpolitischen bereits 
Im Zauberberg überwunden hat ist wichtig

Sieburg folgte einem dunklen Gefühl von
Dem ich auch in meiner Familie noch
Raunen hörte die nie Nazis waren aber
Lange noch Deutschnational sich gaben

Wenn ich nun Sieburg auch kritisch dabei
Von Thea Dorn im Vorwort beleuchtet lese
Ist das auch ein Stück Suche nach eigenen
Wurzeln der in der SPD immer fremdelte

Bin also gespannt auf die weitere Lektüre
Und was diese auch mit mir dabei macht
Welche familiären dunklen Spuren dies
Im eigenen Denken noch aufdeckt

Zumindest Antisemit war Sieburg nie
Der Vorgänger von Reich-Ranicki bei
Der FAZ noch war nannte die Nazis
Unterentwickelt und eher primitiv

jens tuengerthal 29.8.25

Lusverlust

Lusverlust 

Soziale Netzwerke zensieren
Worte wie Sex werden nicht mehr
Benutzt um nicht zensiert zu werden

Auch als Abgrenzung von sonstigen
Diensten professioneller Lust die es
Auf billige Befriedigung nur absehen 

Infolge geht das offene Gespräch über
Sex verloren und weicht dafür einem 
Peinlichen anstatt amerikanischer Prüderie 

Die Befriedigung der natürlichen Triebe 
Wie das offene Gespräch darüber sind
Ausdruck unserer persönlichen Freiheit

Diese hat Vorrang vor allem Aberglauben
Sie ist Teil unserer Gesundheit die dafür
Beschädigt wer dies ernsthaft infragestellt

Es gibt viele Gründe auf diese ekelhafte
Welt immer weniger Lust zu haben die 
Neue Prüderie aus den USA ist einer

Ob sich das gute alte Europa damit
Endgültig verabschiedet ist unklar
So hätte wohl keiner mehr Lust

jens tuengerthal 29.8.25

Deutschklassen

Deutschklassen

Deutsche Staatsangehörige sollen künftig
In NRW danach statistisch erfasst werden
Ob sie einen oder mehrere Pässe haben
Was dem AfD Rassismus Vorschub leistet

Dies geht so weit wie völkische Ideologie
Welche Geburtsdeutsche nach ihrem
Stammbaum unterscheiden will wie damit
Offenen Rassismus wieder alltäglich macht

Damit gibt es deutsche erster und dazu
Deutsche zweiter Klasse die noch einen 
Weiteren Pass haben was Vielfalt künftig
Als potentielle Gefahr definieren will

Welchen Wert hat solch eine Statistik 
Die ich für illegal noch dazu halte weil 
Sie rassistischer Diskriminierung dient 
Die nichts zur Aufklärung beiträgt

Damit lässt sich die CDU mal wieder
Von der rechtsradikalen AfD treiben
Ohne einen Gewinn als mehr Lärm 
Zu einem sensiblen Thema zu machen

Dies wird nur die rechtsradikalen Kräfte
Am Rand weiter stärken und keinerlei
Gewinn für die Aufklärung je bringen 
Nur rassistische Vorurteile verbreiten

Dieses Vorgehen muss gerichtlich nun
Als diskriminieren gestoppt werden was
Sicher die rechtsradikalen Kräfte stärkt
Die ihre Lügen damit weiter verbreiten

Wohin will die CDU in Deutschland die
Weiter sich aus der Mitte entfernt und
So die AfD stärken wird überlege ich 
Es ist mehr Achtsamkeit nötig

jens tuengerthal 29.8.25

Liebeskraft

Liebeskraft

Liebe ist stärker
Als alle Kräfte der Welt
Auch als die Vernunft

jens tuengerthal 29.8.25

Kulturfern

Kulturfern

Ferne der Kultur
Macht Verständigung schwerer
Als Nähegefühl

jens tuengerthal 29.8.25

Inkompatibel

Inkompatibel

Manche Stecker sind
Inkompatibel dann passt
Es nicht zusammen

jens tuengerthal 29.8.25

Donnerstag, 28. August 2025

Goethegedenken

Goethegedenken

Goethe gedenken an seinem
Geburtstag ist dies zugegeben
Wenig überraschend mehr
Wie jährlicher Ritus schon

Gibt es überraschend neues
Zum 276. Geburtstag überlege ich
Nicht ernsthaft weil völlig egal
Anders als bei Thomas Mann

Wo zum 150. Geburtstag nun
Seine homosexuelle Natur als
Thema wiederentdeckt wurde
War Goethe schlicht eine Hete

Ob wir nun nur Gutes über die
Verstorbenen reden sollten weil 
Diese sich nicht wehren können
Dahingestellt finde ich es doch

Spannend an den Opa Göthé der
Gewandschneider zu Frankfurt war
Aber fast zwanzig Jahre vor der
Geburt seines Enkels verstarb

Eine kleine Erinnerung zu schreiben
Die Goethe in Dichtung und Wahrheit
Sich Sparte weil der Großvater zwar
Aus Thüringen stammte aber noch

Mit seinem Handwerk das er einst in
Lyon gelernt gutes Geld verdiente
Genug dass schon Goethes Vater
Nicht selbst mehr arbeiten musste

Ob er darum so viel Zeit für den
Knaben Johann Wolfgang hatte
Dass dieser zum Genie wurde
Ist eher zweifelhaft als belegbar

Hiermit sei zu seinem Geburtstag
Damit Goethes Großvater auch
Geehrt der als Auswanderer aus
Thüringen erst erfolgreich wurde

Ob Auswanderung auch heute wieder
Die einzig sichere Zukunft noch im
Braunen Thüringen ist wird die Zeit
Zeigen und für Wurzeln kann keiner was

Zumindest haben Goethe und ich damit
Beide Vorfahren aus Thüringen wie dabei
Sich erstaunlich nahe liegende Wurzeln
Aus denen rein gar nichts leider folgt

Der Ururgroßvater von mir war noch
Hofbibliothekar zu Gotha was heute
Auch Thüringen damals aber noch
Sachsen Gotha ein anderes Land war

Aber jenseits der Wettiner Erbteilung
Die den Freund Goethes den jungen
Herzog Carl August zu einem von
Sachsen-Weimar machte bleibt die

Räumliche natürlich rein zufällige Nähe
Zum hoch geschätzten Dichter den ich
Als Kind in Frankfurt kennen lernte wo
Er wie ich die Kindheit verbrachten 

Das die schönste und belesenste
Opernsängerin die ich je kannte 
Zufällig auch aus Thüringen stammt 
Mag ein Zufall sein der lächeln lässt

So ging der Frankfurter Goethe der
Stolz von seinem mütterlichen
Großvater Textor schrieb quasi zurück
Zu den Wurzeln seines Wohlstandes

Diesen erwähnte der Herr von Stand
Mit keinem Wort weil ein Handwerker
Den Poeten nicht zierte aber er lebte
Gut von dessen Vermögen lebenslang

Was zum Abschluss zu noch einer sehr
Schönen Gemeinsamkeit mit Goethe führt
Wir lieben beide den Rheingauer Riesling
Den seiner Mutter ihm schicken ließ 

Kistenweise vermutlich häufiger kam 
Der edle Tropfen nach Weimar von dem
Goethe mehr als einen Liter täglich trank 
Was meine Fähigkeit weit überschreitet 

Doch heute zum Geburtstag Goethes
Wird wieder ein Schluck Riesling aus
Dem Rheingau vom hiesigen Lidl auf
Das Wohl des Kollegen getrunken

jens tuengerthal 28.8.25