Donnerstag, 16. September 2021

Haustierhaltung

Haustierhaltung

Haustiere sind ja so süß
Zumindest manchmal für viele
Die Liebe und Gefühle auf Tiere
Projizieren statt Menschen nah
An sich zu lassen wird alles auf
Die gehaltenen Tiere übetragen
Die sie zu lieben meinen aber
Wie Sklaven rechtlich besitzen
Was keiner hören möchte der
Sein Tier doch liebt was die
Beste Offenbarung für das
Ewige Missverständnis ist
Ob und was Liebe sein kann
Die ein starkes Gefühl meint
Das aber bedingungslos sei
Um den Namen zu verdienen
Inwieweit Nutztiere anders sind
Wäre wohl der Diskussion wert
Dies überflüssig zu machen
Ein Ziel für die Zukunft aber
Wie Freiheit entstehen soll
In einer Gesellschaft von
Sklavenhaltern bleibt unklar
Es bräuchte da dringend einen
Bewusstseinswandel der aber
Bei den Haustieren den meisten
So fern liegt wie beim Reisen
Die Menschheit ist halt aus
Gewohnheit ein asoziales Pack
Bis sie endlich kritisch denken
Um sich aus Unmündigkeit zu
Befreien aber bis dahin würde ich
Wäre ich klug besser schweigen
Zu den Liebessklaven der Unfreien
Vielleicht merkt es ja eine noch
Begegnung ist nur möglich unter
Freien warum diese Worte wohl
Wie so viele echolos verhallen
Leben halt wer wollte sich noch
Über die Dummheit aufregen

jens tuengerthal 16.9.21

Mittwoch, 15. September 2021

Liebeszyklen

Liebeszyklen

Manche Tiere verlieben sich im Frühjahr
Viele Menschen träumen auch davon
Wenn es wieder warm wird und die Blüten
An allen Orten sprießen dabei können wir
Es immer tun nach Laune wie ich nicht
Sagen könnte welche Zeit sich bei mir
Für die Paarung am ehesten eignet
Der längste Versuch von fast einer
Decade begann Anfang Februar
Also mitten im frostigen Winter
Die anderen im Herbst oder auch
Frühjahr einiges fand sich sogar
Im Sommer trunken auf Wiesen
Von Mücken zerstochen selig wie
Liebestrunken natürlich aber das
Ist  bei dem Titel wohl jeder klar
Habe mit meinen 50 Jahren nun
Große Lieben zu jeder Jahreszeit
Kennengelernt und kann darum aus
Erfahrung behaupten es geht immer
Wenn der Rest gerade gut passt
Ineinander wie zusammen was oft
Bei erfolgreichem ersteren gerne
Übersehen wird was aber die danach
Enttäuschung nur potenziert wie
Verschiebt egal wann begonnen
Manche große Liebe währte Jahre
Wollte dabei ganz konventionell sein
Andere Monate mit Unterbrechungen
Von immer wieder ähnlicher Dramatik
Keine bisher ewig denn noch bin ich ja
Wobei sich fragt für wen das eine Freude
Noch ist aber solange ich es genieße
Wird es wohl keiner schnell bestreiten
Wir sind ja weder USA noch China
Auch Liebe selbst hat ihre Zyklen noch
Zwischen anfänglicher großer Sehnsucht
Wie erstem genervt sein was lieber mehr
Zeit für sich hätte oder anders halt liegt
Der übliche Ablauf zwischen Euphorie
Wie erwartbarer Enttäuschung was zur
Liebe gehört wie der Sonnenuntergang
Zu jedem neuen Tag am Ende aber
Manchmal strecken wir die Zyklen noch
Die in anderen Fällen komprimiert sind
Doch gibt es so wenig die reine Liebe
Ohne jedes materielle Interesse denn
Irgendwas will jede wie jeder noch
Sei es nur sich geliebt zu fühlen was
Für meinen Geschmack schon der
Aller kostbarste Schatz wäre dem aber
Manche konventionelle Werte vorziehen
Deren Gewohnheit sie sich lieber nicht
Entziehen wollen um glücklich zu sein
Dann sind sie ihre Liebeszyklen die mir
Wiederum völlig belanglos scheinen
Aber nicht jede Hingabe für Hergabe
Wird in unserer Kultur Prostitution noch
Genannt manche nennen es sogar
Ein heiliges Sakrament namens Ehe
Was aber mit Liebe weniger zu tun hat
Als mit sozialer Ordnung doch das soll
Nach der Romantik keiner mehr laut
Sagen und so glaube ich nach aller
Wechselnden Erfahrung nicht mehr an
Liebeszyklen sondern denke wir sind
So frei jeden Moment dazu zu machen
Wenn wir wollen oder können sofern
Frei und im Vollbesitz unserer Kräfte
Aber wer ist das schon je denke ich
Der gerne Opfer weiblicher Launen
Gegen alle Vernunft wurde aber wer
Wollte sich über gewährte Gunst je
Beschweren wenn die eben endet
Was ihrer Natur so ganz entspricht
Um neue später folgen zu lassen

jens tuengerthal 15.9.21

Grabblumen

Grabblumen

Gerade bei Alphonse Karr in seiner
Reise um meinen Garten über die
Grabblumen und das Friedhofsgrün
Gelesen wie das was wir mit ihm so
Gern verbinden von kleinen Astern
Die versehentlich bei Benn schon im
Bierfahrerbauch landeten was hier ein
Somit gekennzeichnetes Zitat sein soll
Aber egal ist weil der Autor für nichts
Kandidiert oder konkurriert und lieber
Genießt was ist und bleibt statt sich
Von wem erwählen zu lassen noch
Was ein völlig überschätzter Verdienst
Ist in Zeiten der Massendemokratie
Wie des tollkühnen Populismus der
Meint Volkes Stimme spräche darum
Weise weil sie es sei was genauso
Der Logik nach das Gegenteil auch
Begründen könnte aber zurück auf
Den Friedhof und seine Stilblüten
Die manchmal das dort Modern noch
Überdecken sollen um so eine gute
Atmosphäre zu schaffen die künftig
Jeden mit diesem Duft Friedhöfe
Verbinden lässt was es den Floristen
Im benachbarten Handel leichter macht
Wobei diese gerne noch unterscheiden
Zwischen Grabbeigaben und Bewuchs
So geht eine Rose in die Grube immer
Wie die Bierfahrerbauchaster als dann
Wie überraschendes Zeichen der Liebe
Ob das Immergrün der Kränze eher für
Unvergänglichkeit der Vergangenheit
Endlose Trauer oder Pragmatismus steht
Wird nach Anlass und Region debattiert
Besonders rührend sind auch immer
Sonnenblumen auf Kindergräbern die
Wirken ohne viele Worte auf eine sehr
Schmerzvoll Art und Weise dazu geht
Das Gerücht um märkische Junker noch
Die sich Äpfel oder Birnen ins Grab geben
Ließen um der Jugend auch künftig noch
Großzügig Obst zu spenden wenn ihre
Geizigen Erben sich das schon verbaten
Wie uns Fontane vom Herrn von Ribbeck
Dichtete der einen Birnbaum im Havelland
Auf seinem Gute wie später aus dem Grab
Wuchernd hatte der genau das tat was
Zuvor der alte Ribbeck der Dorfjugend noch
Als Anreiz geboten hat ob damit heute die
Jugend in Brandenburg zu begeistern wäre
Die lieber an Alleebäumen noch klebt
Oder mehr Schüler unter den Versen litten
Dahingestellt wäre ein Obstbaum im Grab
Eine fruchtbringende Investition die noch
Über Jahre an den Verstorbenen erinnert
Auf fruchtiger gesunde Art als es sonst
Aberglaube je erreichte denk ich dem
Beerdigungen und Gräber außer aus
Ästhetischen Gründen völlig egal sind
Der gerne verbrannt würde oder seine
Reste der Charité zur Forschung lieber
Still vermachte nützlich noch zu sein
Zumindest ein wenig danach wieder
Karr verbindet eine Blume im Garten
Mit seinem Vater der sie pflanzte so
Denkt er zu ihrer Blüte wie bei deren
Duft an den bereits Verstorbenen der
Nur pflanzte aber nie blühen sah
Denk ich an meinen Vater fällt mir eher
Keine Blume ein die er nicht in seinen
Gärten schon blühen ließ oder im Wald
Auf der Suche nach Orchideen voller
Glück sich bestimmte warum ich also
Bei jedem liebevollen Garten auch an
Ihn denke egal ob er einst irgendwo
Ein Grab mit was auch immer hat was
Die schönere Erinnerung als Blüte seines
Lebens ist als das Friedhofsgrün
Aber manche mögen das ja auch
Möge jeder damit selig werden
Ein Kräuterbeet als Grab fände ich
Irgendwie nett aber wollte nie den
Angehörigen Pflege zumuten wollen

jens tuengerthal 15.9.21

Berlinerregen

Berlinerregen 

Berlin im Regen ist besonders gemütlich
Dann findet sich Zeit und Ruhe
Zum Lesen und Teetrinken was
Zwar in Wuppertal oder Jever
Wo es noch deutlich mehr regnet
Genauso ist aber hier macht die
Dann fehlende sonst Alternative
Diese Tage noch kostbarer weil
Woran Mangel herrscht teurer wird
Der Nachfrage entsprechend heißt
Es in einschlägigen Lexika zur
Volkswirtschaft auch wenn sie es
Mit Wirtschaft hier in der Zone ja
Bis heute nicht so wirklich haben
Aber gerne so tun als hätten sie
Mehr Ahnung davon als alle sonst
Aber da das für alles in Berlin gilt
Niemand ein solcher Besserwisser
Ist wie der Berliner an der Bar was
Für die Berlinerin nicht weniger gilt
Sind diese gemütlichen Regentage
Ein Segen für alle Zugereisten die
Vielfach länger hier wohnen als jene
Stolzen Berliner alt sind die aber
Dafür hier seit Generationen geboren
Auch wenn es kein Bären-Gen gibt
Zumindest bisher keiner es entdeckte
Was natürlich nichts heißt hier scheint
Der typische seit Generationen Eingeborene
Sich natürlich überlegen zu fühlen qua
Seiner irgendwie rassischen Abstammung
Dabei heilt der generationenlange Stamm
Den zufälligen Geburtsort eher als die real
Hier verbrachte Zeit denn mit nun 21 Jahren
Lebe ich länger hier als viele echte Berliner
Käme aber nie auf die Idee einer zu sein
Lieber bleibe ich Beobachter als Flaneur
Von diesem seltsamen märkischen Stamm
Der sich durchgehend für hochgeboren hält
Seine Großzügigkeit für Kleinigkeiten gerne
Öffentlich preist warum entsprechende Clubs
Hier ein anderes Leben führen als etwa in
Hansestädten wo dezente Spender sich
Lieber zurückziehen damit nur hinter
Vorgehaltener Hand über sie geredet wird
Wofür die Berliner gerne einen Orden wollen
Den sie doch mindestens ihrem Glauben
Nach als Gönner der Menschheit verdienen
Wenn sie zum Schulfest eine halbe Flasche
Ketchup ganz kurz nach Ablauf spendeten
Aber da alle hier so sind und keiner einen
Zu ernst nimmt auch in seinem eitlen
Bedürfnis als großer Gönner zu wirken
Um sich nach Zweifuffzich für die Armen
Noch Austern im KaDeWe zu gönnen weil
Es ja nach all dem wirklich verdient ist
Auch mal an sich zu denken und so ist
Der Berliner Regen ganz wunderbar
Weil er viel Raum gibt sich mit sich
Zu beschäftigen statt andere noch
Bewundern oder loben zu müssen
Was keiner hier jemals gerne tut
Würden sie lesen gar noch Gedichte
Könnten diese Tage lehrreich werden
So gehen sie vor dem Spiegel vorbei
Weil wo siehste was schönes wenn es
In Berlin gerade irgendwo regnet was
Selten heißt überall denn wenn der
Süden halb absäuft scheint am Berg
Gern noch die Sonne während wo es
Hier heftig regnet alles Schlechte von
Westen nur kam was auch für die
Guten Randbezirke westlich gilt denn
Dort ist westlich schon Brandenburg
Und was willste da noch erwarten so
Kommen wir hier vom Regen in die
Traufe und sind alle am Ende nass
Was auch sein gutes haben kann

jens tuengerthal 15.9.21

Großstadtnähe

Großstadtnähe

Du kannst in Berlin einsam sein
Verloren im Moloch der Großstadt
Aber du musst es nicht sein wenn
Du dich in deinem Kiez irgendwo
Vor ein Café setzt kommt wer oder
Schreibt dir eine Nachricht und schon
Werden graue Tage wieder heller
Natürlich interessiert keine Sau hier
Was wirklich mit dir ist aber wenn
Du gegen idiotische Tipps kämpfst
Ringen musst zu Wort zu kommen
Weil die dir Trost sprechen so oft
Mehr Sorge haben nicht auch zu
Wort zu kommen dann bist du schon
Abgelenkt genug nie mehr zu leiden
Selig später deine Ruhe zu haben
So spendet die Großstadt Trost
Zwischen Wein und Wodka gerade
Durch die Relativierung denn jede
Muss ihr schlimmeres Unglück noch
Zur Bekräftigung ihrer Glaubwürdigkeit
Ausmalen bei gleichzeitiger Versicherung
Es ginge ja nicht um sie sondern allein
Um dich der aber ja froh sein könnte
Die endlich los zu sein denn sie hätten
Zwar keine Ahnung was los wäre aber
Wüssten schon wie sowas läuft und da
Könnte ich doch selig sein es so schnell
Hinter mir zu haben weil jeder Tag mehr
Wäre nur Quälerei gewesen was dich 
Nun zwingt die zu verteidigen die dich
Eigentlich gerade sehr genervt hat aber
Das ist eben Berlin manchmal verdreht
Es alles und so wird am Ende es gut so
Oder doch zumindest relativiert weil
Sich immer eine findet die es noch
Besser weiß und dir sagt wie es ist
Mit dir und deinen bloß Gefühlen
Dabei betrinken sich die anderen gern
Fordern dich zum mitmachen auf was
Dir eigentlich völlig fern noch lag aber
Wer will schon so asozial immer sein
Gerade wenn der Nähe mal bedürftig
Woran du sehen wie messen kannst
Wie sehr sie sich dein Leiden doch
Zu Herzen nehmen was Anteilnahme
Auf berlinisch ist aber so aufregt wie
Ablenkt dass alles vorher danach
Schnee von gestern und egal ist
Berlin halt musst du lieben oder
Gehen fragt sich nur wohin

jens tuengerthal 15.9.21


Dienstag, 14. September 2021

Liebeswege

Liebeswege

Die Wege der Liebe sind manchmal
Seltsam verwirrend für einen Mann
Von wohl schlichtem Gemüt der auf
Das Wort vertraut aber vielleicht ist
Genau das der Schlüssel um das
Ewig rätselhafte andere Geschlecht
Zu verstehen wie es ist wenn es
Je etwas logisch zu verstehen gibt
Nicht die Beschwörung des einen
Mit dem Gegenteil rechnen lässt
Wie es alle Erfahrung bestätigt
Warum sich Mann auf das eine
Naiv noch vertrauend besser
Auf das Gegenteil einstellt was
Wie immer irgendwann kommt
Wenn du am wenigsten damit
Rechnest aber berechenbar
Möchte natürlich keine sein
So gibt es wohl kein Rezept
Sich auf den richtigen Weg
Einzustellen wir können nur
Versuchen mit dem zu leben
Was gerade ist egal wie zählt
Am Ende glücklich zu bleiben
Darum nichts zu nah zu lassen
Was als schwankend erkannt
Nur verpassen wir ohne mehr
Als wir mit riskieren warum ich
Eher planlos so weitermache
Wie immer weil der liebende Mann
Ewig unbelehrbar bleibt
Vielleicht ist es gut so

jens tuengerthal 14.9.21

Schwankungskontinuität

Schwankungskontinuität

Das einzig sichere in der Liebe
Ist die Schwankung der Gefühle
Darin ähnelt sie auch dem Sex
Rein raus geht immer irgendwie
Sagt aber noch nichts darüber
Aber mehr ist mal oder auch nicht
Verlass ist auf nichts aber das
Zumindest kontinuierlich noch was
Eine Abwechslung im Leben ist
Auf die ich gerne verzichtete für
Kontinuierliches Glück oder ein
Postorgiastisches Wohlbefinden
Aber wer nicht auf langen Wegen
Dort gemeinsam hinritt wird kaum
Je ganz oben ankommen fällt mir
Dabei ein und so nehme ich die
Eben Schwankungskontinuität als
Teil der Natur und bin froh wenn ich
Nicht real diese Wellen reiten muss
Manche suchen solche Erlebnisse
Andere lieben einfach denk ich der
Lieber im Strandkorb liest als auf
Einem Segelboot nur zu kotzen
Neugierig wie das Leben weitergeht
So lange das Herz noch schlägt
Schwankt es ja auch hin und her
Im auf und ab der Kammern dazu
Solange wir es mitnehmen ist es
Teil der Bewegung aller Natur
Wer sich dagegen stellt wird schnell
Von den Wogen der Liebe erschlagen
Ist mir heute viel zu gefährlich
Lieber mit der Welle gelassen gehen
Alles übrige bringt die Zeit von allein
Wer sich gegen die Strömung stellt
Wird irgendwann weggespült aber
Sich tragen lassen wie es ist hilft
Dabei sein Lächeln zu behalten
Sieht am Ende zumindest besser aus

jens tuengerthal 14.9.21

Biographisches

Biographisches

Heute biographisches gelesen über
Andere Autoren die sich auch plagen
Mit Worten und dem Sein als Dichter
Was ja nie wirklich was war aber doch
Hinterher in seltenen Fällen viel gilt
Warum manche noch immer hoffen
Einige der wenigen zu werden die
Nicht im Meer überflüssiger Bücher
Untergehen über die vielleicht noch
Irgendwann wer sogar biografisches
Zum besten geben will um sich so
Einen Namen an ihnen zu machen
Lese als Kulturgeschichte gerne mal
Biografisches gelegentlich sogar als
Auto mit Anhang weil es hilft sich im
Meer der Worte zurechtzufinden wie
Verwirrte Vorgänger auch die noch
Litten wie wir vor zu langer Zeit bis
Wir uns damit abfinden so zu sein
Wie keiner sein wollte aber eben
Zu müssen weil die Worte da sind
Die Geschichte oder Vers werden
Wollen um als solche zu sein wie
Wir die immer noch da sind aber
Ohne Bedeutung neben dem was
Erzählt werden muss warum die
Echten Leser Happenings wie es
Lesungen sind selten überschätzen
Aber eine Freude ist es dann doch
Sich für Momente weniger einsam
Als Buchstabenschubser zu fühlen
Dann ist es wieder wie immer aber
Manchmal erinnere ich mich daran
Wenn das nicht reicht nehme ich
Biografische Kulturgeschichten dann
Kommt das Gleichgewicht wieder
Bis der Kopf zu schwer wird aber
So ist das eben als Dichter wer mit
Wasserkopf auf kleinen Füßen steht
Muss die Arme manchmal ausstrecken
Um nicht im Lärm umzufallen

jens tuengerthal 14.9.21

Wahlkämpfchen

Wahlkämpfchen

Zum Wahlkampf gehört auch Kampf
Damit in der Konfrontation deutlich
Wird wer für was womit steht statt
Sich nur ununterscheidbar noch
Anzusäuseln mit aller Höflichkeit
Hier muss keiner zensiert werden
Der völlig daneben liegt auch wenn
Randgruppen wie der III. Weg nicht
Wirklich ernst genommen werden
Von den meisten Bürgern macht
Ihre hässlich gewalttätige Art doch
Deutlich wohin es mit ihnen geht
Sie darum zu zensieren wäre falsch
So falsch wie deren Wähler alle wie
Die der AfD für Nazis zu erklären
Während Linke doch als aufrechte
Antifaschisten nicht so schlimm wären
Hier besteht ein Ungleichgewicht ohne
Jede Logik oder Notwendigkeit noch
Mit dem wer die Mitte stärken will
Statt Radikale zu stärken lieber
Offen umgehen sollte denn Blindheit
Auf einem Auge kann im Verkehr
Schnell tödliche Folgen haben
Sind diejenigen schlimmer die den
Antifaschistischen Schutzwall einst
Errichteten oder jene welche noch
Die Verbrechen voriger Diktatur gerne
Verharmlosen darum ist es gut wenn
Die Freiheit verteidigt wird auch wo
Sie völligen Idioten zu gute kommt
Wo alles verschwimmt hat keiner
Mehr die Wahl wohin es geht was
Allerdings zur bloßen Leitung der
Verwaltung besser passte als das
Theater was Wahlkampf heißt der
Aber wenn er Bedeutung haben soll
Nicht auch noch zensiert werden darf
In zwei Wochen ist der Unsinn vorbei
Vielleicht sollten wir noch überlegen
Ob wir mit Polen nicht lieber Sachsen
Gegen Ostpreußen eintauschen oder
Pommern was vielen besser täte die
Noch nicht in ruhiger Mitte ankamen
Welche dies Land erfolgreich macht
Unklar nur was aus Berlin würde der
Insel des politischen Aberglaubens
Wo jeder sein kann wie er will weil
Sich keiner um ihn kümmert außer
Er wird Schrebergartenpartei was
Berliner so sehr interessiert wie
Ihre elenden Haustiere die nie die
Freiheit kennenlernen was vielleicht
Auch so ein Berliner Problem ist

jens tuengerthal 14.9.21

Liebesromantik

Liebesromantik

Was ist von der romantischen Liebe
Im Zeitalter des virtuellen Dating noch
Zu halten oder ist sie eine Illusion die
Durch optimierte Rechenmaschinen
Im Zielbereich der Algorithmen nur
Für zeitweise Begattung ersetzt wurde
Viele Fakten sprechen für letzteres
Dennoch erwacht die Sehnsucht nach
Der romantischen Liebe immer wieder
Die alles teilt und vollkommen glücklich
Ein erfülltes Leben miteinander führt
Was immer nur zeitweise klappt wie
Mit Ehe oder Schwangerschaft bei zu
Vielen wenig überraschend endet
Weil wir in übliche Muster verfallen
Denen jede Mühe umeinander fehlt
Auch wenn die romantische Liebe
Der meistgenannte Ehegrund ist
Bleibt sie der am wenigsten geeignete
Welcher am häufigsten scheitert
Was wenige zum nachdenken bringt
Den Autor vielfach eingeschlossen
Auch wenn die Verlobung nur als der
Versuch der Ehe gewertet wird gilt im
Strafrecht dieser genauso als strafbar
Sofern es ein taugliches Mittel je war
Wovon dabei meist auszugehen ist
Also war ich schon mehrfach unbelehrbar
Wie gelegentlich auch hoffnungsfroh
Diesmal könnte es für immer sein
Was sich ja auch zu schön anfühlt
Vielleicht können wir diesen Traum
Vom Wahn der Romantik lösen um
Eine lebenswerte Form zu finden
Die nicht logisch wieder enttäuscht
Früher wurden Ehen von der Familie
Vermittelt aber diese erwiesen sich aus
Verschiedenen Gründen durchschnittlich
Als wesentlich haltbarer denn die von
Großer Liebe geleiteten Verbindungen
Doch ist diese Form heute wohl nicht
Mehr unbedingt mehrheitsfähig aber die
Vernünftigen Verbindungen waren immer
Weniger aufreibend als die romantischen
Ließen Raum für ein eigenes Leben noch
Während die romantische Liebe alles will
Wie frustrierend ist wo nicht gegenseitig
Also sichere Enttäuschung in sich trägt
Ist die sichere gute Partie eine Form die
Vernünftige Einigung ohne große Dramen
Eher ermöglicht was aber eher als eine
Zu wenig romantische Form gesehen wird
Natürlich dreht das Gefühl erstmal durch
Wenn Lebensträume platzen doch lehrt
Die Erfahrung es geht immer noch weiter
Bis es halt nicht mehr weiter geht aber
Das kommt später als Liebeskummer
Denkt oder hofft was wohl gut so ist
Außer wir sind romantisch verstrahlt
Wie ich berichten kann ist die dabei
Verstrahlung ansteckend wie ungesund
Kostete mich so viele Zähne wie andere
Schwangerschaften im Vergleich aber
Hinterlässt nichts irgend bleibendes
Was weiterer Verklärung wert wäre
Auch ohne jedes Bedürfnis nach einer
Abrechnung am Ende die mir fern liegt
Kann ich sagen romantische Liebe ist
Am wenigsten lohnend dagegen wäre
Eine vernünftige Verbindung die Liebe
Mit Lust und Vertrauen verbindet viel
Entspannter und genussreicher als die
Hölle der Eifersucht die manche leben
Warum ich sicher bin was ich will nur
Unklar ist ob im richtigen Moment noch
Der Verstand regiert wie er es sollte
Auch bin ich ohne romantische Liebe
Viel zuvorkommender und entspannter
Es gibt die Basis der Freundschaft die
Vernünftig genießt was sein kann aber
Bei aller Liebe auch erkennt dass beide
Viel Raum für sich auch brauchen um
Auf Dauer glücklich zu leben wie nicht
In erwartbare Muster zu verfallen was
Der Anfang vom Ende immer ist warum
Wer bleiben will gelegentlich Abstand hält
Im Wissen es macht was danach kommt
Noch schöner und vertrauter miteinander
Die vollkommene Symbiose ist eine nur
Zeitweise Illusion der Liebe die uns eher
In die Irre leitet als vorsichtige Näherung
Wie ein Sein auch mit Abstand was aber
Vermutlich Übungssache auch ist um das
Vermissen als Vorbereitung des Genuss
Zu sehen wie zu teilen was gut passt um
Damit langfristig glücklich zu bleiben denn
Keine ist da meine Erwartungen zu erfüllen
Aber wir können sie gemeinsam übertreffen
Um nebenbei zu genießen was ist zumindest
Geht es mir damit wesentlich besser als ohne
Wie zugleich stressfreier als mit Beziehung
Wie ich sie bisher immer kannte die sich
Dann voll aufeinander ständig bezog wie
Über kurz oder lang genervt war

jens tuengerthal 13.9.21

Montag, 13. September 2021

Romantikmuseal

Romantikmuseal

Heute wurde in Frankfurt das
Deutsche Romantik Museum
Neben Goethes Geburtshaus
Eröffnet als wichtiger Epochenbau
Vom Freien Deutschen Hochstift
Was sich dem Erbe der Klassik
Auf den Idealen der gescheiterten
Revolution von 1848 widmen sollte
Gegründet am 100. Geburtstag Schillers
Steht es in einer freiheitlich liberalen
Tradition des gebildeten Bürgertums
Was eine geistige Heimat der Freiheit
Als bürgerliche Tradition werden sollte
Dieser jedem Bürger offenstehende
Verein entstand in der späten Romantik
Deren Ideen Goethe wie Schiller ein
Graus waren und über die beide noch
In den Horen schimpften jedoch hat
Goethe nach Schillers Tod auch gern
Die Verehrung der Romantiker noch
Genossen und ihnen gegenüber die
Ideale der Aufklärung weniger verhement
Vertreten als etwa Schiller dahingestellt
Ob aus persönlicher Sympathie oder
Größerer Gelassenheit im Alter das
Sein später Freund nicht erreichte
Das Hochstift erwarb das Goethehaus
Machte es zum Museum und erwarb sich
Durch Sammlungen und Publikationen
Über die Jahre viele Meriten bis heute
Ob es nun im Sinne der Klassiker ist
In deren Namen gegründet wurde die
Epoche der Romantik museal zu machen
Scheint mir eine spannende Diskussion
Was wir im Museum dann mit Abstand
Wie Ruhe betrachten ist Geschichte
Museen sind so gesehen Orte der
Aufklärung auch wenn sie vielleicht
Versuchen romantische Stimmungen
Wie Erinnerungen zu wecken sind sie
Ein Platz für Bildung und Vernunft der
Epochen darstellt wie damit auch ihre
Wirkungen bis in unsere Gegenwart
Als Freund der Aufklärung ist mir die
Romantik in vielem ein Graus mit ihrer
Hinwendung zu Mittelalter und Phantasie
Der Betonung des Gefühls vor dem
Verstand wie der Vernunft die sich
Lieber auf Intuition als auf Messung
Wie Erkenntnisse der Wissenschaft
Verließ auch wenn ein Sigmund Freud
Den romantischen Seelengedanken am
Ende der Romantik in seine Psychologie
Überführte die Wissenschaft wurde mit
Seinem behaupteten Unterbewusstsein
Sind doch immer wieder große Zweifel
An dieser Idee angebracht welche die
Menschliche Freiheit so sehr gefährdet
Wie es der Geist der Romantik ganz im
Gegensatz zur Aufklärung auch tat die
Mit der Enzyklopädie das Sinnbild des
Gesuchten vernünftigen Wissens noch
Schuf und damit jenen Geist der in der
Benachbarten Paulskirche Parlament
Einst wurde zwar in der Hochzeit der
Romantik noch aber vom Wesen her
Dem Geist der Aufklärung nahe war
Über Demokratie und Menschenrechte
Sehe ich das Hochstift zuerst in dieser
Tradition fragt sich warum es ein Museum
Der Romantik braucht ob es nicht eine
Beleidigung Goethes quasi ist es direkt
Neben sein Geburtshaus zu stellen weil
Der Geist der Romantik zu Nationalismus
Mystizismus der sich heute spirituell nennt
Aber von gleicher Unfreiheit getragen ist
Führte aber vielleicht kann die unselige
Epoche die im Führerkult um Hitler einen
Späten Höhepunkt fand was auch zur
Romantischen Rückwendung gerade der
Nationalsozialisten zu Deutschland dabei
Führte die viele noch romantisch geprägt
Zu gerne bejubelten weil es am kritischen
Geist den Kant uns hochhielt im Taumel
Des Gefühls eben fehlte woraus danach
Das Grundgesetz seine Lehre zog was
Dem Menschenrecht der Aufklärung eher
Verpflichtet ist als nationalem Geist der
Auch in Reaktion auf Napoleon erstarkte
Natürlich ist ein Romantikmuseum ein
Touristischer Hit und wird viele reizen
Doch wäre gerade heute ein Museum der
Aufklärung viel nötiger noch während sich
Verschwörungstheorien im Netz verbreiten
Denen zu viele ohne Verstand wie vor allem
Ungeimpft andere gefährdend folgen
Während eine nationale Partei wieder
Zu viele Stimmen bekommt als bloße
Randerscheinung übersehen zu werden
Hätte das Freie Deutsche Hochstift sich
Verdient gemacht wenn es an den Geist
Der Klassik wie der Aufklärung lieber
Auch in Frankfurt museal erinnert hätte
Egal wie gut das Museum gemacht ist
Sogar unter Berücksichtigung dass dort
Über eine dunkle Epoche aufgeklärt wird
Bedarf es mehr Erinnerung an den Mut
Der Aufklärung wie ihre Revolution im
Denken der Freiheit welche die danach
Romantik schändlich verriet was am Ende
Mit der Psychoanalyse manifest wurde
Welche mit der Pathologisierung des
Unterbewusstseins die Selbstbestimmung
Raubte und vom Priester auf den dann
Analytiker übertrug der aber auch nur
Eigentlich religiösen Annahmen folgt
Sogar wenn seine Schemen wie ihre
Umsetzung wissenschaftlich ist wie auch
Das Deutsche Romantik Museum sicher
Eine gute wissenschaftliche Begleitung
Zu wunderbaren Exponaten hat ist es
Ein Ort den unsere Zeit weniger braucht
Aber vielleicht ist es zumindest gut die
Elende Romantik dort museal endlich
Abzuschließen und auszustellen als
Mahnmal für die Unfreiheit auch wenn
Diese sich als Befreiung von der so
Logischen Strenge der Aufklärung sah
Freue mich über ein schönes neues
Museum was sich auch der Literatur
Wie der Bildung widmet aber kann doch
Nicht umhin vor der Romantik darum
Als Ungeist deutlich zu warnen aber
Wenn der Staat aufgeklärt regiert wird
Können wir die Romantik ins Museum
Endlich auch stellen und vielleicht ist es
Ein gutes Zeichen wenn zum Ende der
Epoche Merkel dieser großen Aufklärerin
Unter Europas Regierungshäuptern die
Romantik ins Museum kommt damit sie
Als abgeschlossen betrachtet werden kann
Dafür dann aufgeklärter wieder zu leben
Es braucht dringend mehr Aufklärung
Aber weniger gefühlt romantische Ideen
Stellen wir diese ins Museen sind sie
Zumindest nett anzusehen auch wenn
Dies nicht dem Geist der Gründung des
Freien Deutschen Hochstift entsprach
Sind neue Museen immer etwas schönes

jens tuengerthal 13.9.21

Quietscheentchenfrage

Quietscheentchenfrage

Die deutschen Medien sind anständig
Nacktheit gibt es hier nur wenn Kinder
Schon schlafen in eher Andeutung
Sex wird nur gespielt nicht gezeigt
Gewalt ist in Maßen in Ordnung
Politische Duelle etwa in denen
Sich seriöse ernsthafte Herren
Wüst beschimpfen sind längst
Geschichte aber selten nur noch
Gegenwart mal werden wenn dann
Erinnern sie mehr an Loriot wo
Herr Müller-Lüdenscheid mit
Dr. Kloebner in wie um die Wanne
Wie den Zugang für das
Einzige Quietscheentchen streiten
So auch gestern Scholz und Laschet
Dazwischen stand Annalena Baerbock
Weil Frauen ja öffentlich nicht nackt
Sein dürfen ließ sie die Herren planschen
Wer weiter so will weiß was er wählt
Der Rest wählt lieber die Dame
Aber ansonsten ist es auch nicht so
Wichtig weil alle als Leiter der Verwaltung
Ihre Aufgabe ordentlich erledigen sollen
Das können sie alle irgendwie doch
Wer etwas ändern will wählt weder
Ein Mitglied der Regierung hinter
Dem keine Mehrheit der Partei steht
Noch Muttis offiziellen Erben jemals
Damit alles bleibt wie es ist und sich
Zugleich alles etwas ändert wird der
Wähler mit Erfahrung der vom
Politischen Zirkus eher genervt ist
Wenn zwei sich streiten einfach die
Dritte wählen und gut ist denn ich
Dusche lieber in der Wanne
Sitzend heute entspannt
Mit oder ohne Entchen

jens tuengerthal 13.9.21


Müller-Lüdenscheid: “Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber ich wäre jetzt ganz gerne allein.”
Kloebner: “Wer sind Sie denn überhaupt?”
Müller-Lüdenscheid: “Mein Name ist Müller-Lüdenscheid.”
Kloebner: “Kloebner, Doktor Kloebner.”
Müller-Lüdenscheid: “Angenehm.”
Kloebner: “Angenehm.”
Müller-Lüdenscheid: “Können Sir mir sagen, warum Sie in meiner Badewanne sitzen?”
Kloebner: “Ich kam vom Pingpong-Keller und hatte mich in der Zimmernummer geirrt. Das Hotel ist etwas unübersichtlich.”
Müller-Lüdenscheid: “Aber jetzt wissen Sie, dass Sie in einer Fremdwanne sitzen und baden trotzdem weiter.”
Kloebner: “Von Baden kann nicht die Rede sein, es ist ja kein Wasser in der Wanne.”
Müller-Lüdenscheid: “Als ich das Bad betrat, saßen Sie im warmen Wasser.”
Kloebner: “Aber Sie haben es ja wieder abgelassen.”
Müller-Lüdenscheid: “Weil Sie es eingelassen haben, Herr Doktor Kloebner. In meiner Wanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen.”
Kloebner: “Na, dann lassen Sie’s doch jetzt ein.”
Müller-Lüdenscheid: “Mein Badewasser lasse ich mir ein, wenn ich es für richtig halte.”
Kloebner: “Gewiss, natürlich.”
[Verlegenes Pfeifen…]
Kloebner: “Es sitzt sich recht kühl, einfach so in der Wanne.”
Müller-Lüdenscheid: “Ich sitze gern mal ohne Wasser in der Wanne.”
Kloebner: “Ach.”
Müller-Lüdenscheid: “Was heißt ‘Ach’?”
Kloebner: “Ach. Sie sagten, dass Sie gerne ohne Wasser in der Wanne sitzen und ich meinte ‘ach’.”
Müller-Lüdenscheid: ‘Aha.’
Kloebner: “Ich hätte auch ‘Aha’ sagen können, aber ich wollte meiner Verwunderung darüber Ausdruck geben, dass Sie es vorziehen, ohne Wasser in der Wanne zu sitzen.”
Müller-Lüdenscheid: “Herr Doktor Kloebner, ich leite eines der bedeutendsten Unternehmen der Schwerindustrie und bin Ihnen in meiner Badewanne keine Rechenschaft schuldig.”
Kloebner: “Nein, nein.”
Müller-Lüdenscheid: “Ich entscheide persönlich, ob ich mit Wasser bade oder ohne.”
Kloebner: “Ja, ja.”
Müller-Lüdenscheid: “Im übrigen sagte ich nur…”
Kloebner: “Herr Müller-Lüdenscheidt…”
Müller-Lüdenscheid: “Bitte lassen Sie mich ausreden. Ich sagte, dass ich, wenn es die Situation erfordert, durchaus in der Lage wäre, auch mal ein Wannenbad ohne Wasser zu nehmen.”
Kloebner: “Ja, ja.”
Müller-Lüdenscheid: “Und die Entscheidung darüber, ob ich mein Wannenbad mit oder ohne Wasser zu nehmen habe, lasse ich mir von niemandem aufdrängen.”
Kloebner: “Nein, nein.”
Müller-Lüdenscheid: “Auch von Ihnen nicht, Herr Doktor Kloebner.”
Kloebner: “Herr Müller-Lüdenscheidt, es wäre ja immerhin denkbar, dass es gewisse Argumente gäbe, die dafür sprächen, das Wasser jetzt einlaufen zu lassen.”
Müller-Lüdenscheid: “Wie wollen Sie das beurteilen?”
Kloebner: “Mein Gott, ich bade ja auch nicht zum ersten Mal.”
Müller-Lüdenscheid: “So?”
Kloebner: “Und nach meiner Erfahrung ist eben ein warmes Wannenbad mit Wasser zweckmäßiger als ohne.”
Müller-Lüdenscheid: “Das ist Ihre ganz persönliche Meinung, Herr Doktor Kloebner. Aber man darf ja wohl noch anderer Ansicht sein.”
Kloebner: “Ach, was.”
Müller-Lüdenscheid: “Sie können Sich in meiner Wanne eine eigene Meinung überhaupt nicht leisten.”
Kloebner: “Herr Müller-Lüdenscheidt!”
Müller-Lüdenscheid: “Herr Doktor Kloebner! Ich lasse jetzt das Wasser ein, wenn Sie mich höflich darum bitten.”
Kloebner: “Bitte.”
Müller-Lüdenscheid: “Höflich.”
Kloebner: “Höflich.”
Müller-Lüdenscheid: “Na, also.”
Müller-Lüdenscheid: “Was machen Sie da?”
Kloebner: “Ich lasse etwas kühleres Wasser ein.”
Müller-Lüdenscheid: “Das ist sehr aufmerksam, aber ich hätte doch gerne noch eine Kleinigkeit von dem heißen.”
Kloebner: “Wenn ich jetzt einen Schuss von dem kalten dazunehmen könnte.”
Müller-Lüdenscheid: “Das war eine Idee zu viel.”
Kloebner: “Ach.”
Müller-Lüdenscheid: “Ich glaube, noch ein paar Tropfen heißes und man könnte sich einigen. Geht es so?”
Kloebner: “Oh, ja. Vielen Dank.”
Müller-Lüdenscheid: “Oh, bitte sehr. Die Ente bleibt draußen.”
Kloebner: “Herr Müller-Lüdenscheidt!”
Müller-Lüdenscheid: “Die Ente bleibt draußen!”
Kloebner: “Herr Müller-Lüdenscheidt, ich bade immer mit dieser Ente.”
Müller-Lüdenscheid: “Nicht mit mir.”
Kloebner: “Ich kenne Sie ja erst seit heute.”
Müller-Lüdenscheid: “Wenn Sie die Ente hereinlassen, lasse ich das Wasser heraus.”
Kloebner: “Das sind wohl die Erpressermethoden Ihrer Gangsterfirma.”
Müller-Lüdenscheid: “Herr Doktor Kloebner!”
Kloebner: “Herr Müller-Lüdenscheidt!”
Müller-Lüdenscheid: “Akademiker wollen Sie sein? Ha.”
Kloebner: “Also, was ist jetzt?”
Müller-Lüdenscheid: “Ich lasse das Wasser heraus, wenn Sie die Ente hereinlassen.”
Kloebner: “Ich nehme meine Ente herein.”
Müller-Lüdenscheid: “Wo ist der Stöpsel?”
Kloebner: “Sie sitzen drauf.” Wissen Sie eigentlich, dass viele Menschen überhaupt kein Bad besitzen?”
Müller-Lüdenscheid: “Ach, Sozi sind Sie wohl auch noch?”
Kloebner: “Herr Müller-Lüdenscheidt!”
Müller-Lüdenscheid: “Herr Doktor Kloebner! Also lassen Sie die Ente in Gottes Namen herein.”
Kloebner: “Nein, mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht.”
Müller-Lüdenscheid: “Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!”
Kloebner: “Ich denke nicht daran.”
Müller-Lüdenscheid: “Dann tauche ich jetzt so lange, bis Sie die Ente zu Wasser lassen.”
Kloebner: “Bitte sehr…”
Müller-Lüdenscheid: “Es ist mir ernst! Ich zähle bis drei. Eins, zwei, drei… Hmmmmm…..”
Kloebner: “Da sind Sie ja schon wieder.”
Müller-Lüdenscheid: “Jawohl.”
Kloebner: “Passen Sie mal auf!”
Müller-Lüdenscheid: “Herr Doktor Kloebner? Hören Sie? Wenn Sie nicht sofort auftauchen, verlasse ich die Wanne. Die Luft anhalten kann jeder.”
Kloebner: “Was sagen Sie nun?”
Müller-Lüdenscheid: “Sie langweilen mich.”
Kloebner: “Aber ich kann länger als Sie.”
Müller-Lüdenscheid: “Es gibt Wichtigeres im Leben.”
Kloebner: “Was denn?”
Müller-Lüdenscheid: “Ehrlichkeit, Toleranz…”
Kloebner: “Ja…”
Müller-Lüdenscheid: “Mut, Anstand…”
Kloebner: “Ja… Ja…”
Müller-Lüdenscheid: “Hilfsbereitschaft…”
Kloebner: “Ja…”
Müller-Lüdenscheid: “Tüchtigkeit, Zähigkeit…”
Kloebner: “Ja…”
Müller-Lüdenscheid: “Sauberkeit…”
Kloebner: “Aber ich kann länger als Sie.”
Müller-Lüdenscheid: “Es kommt auf den Charakter an.”
Kloebner: “Aber ich kann länger als Sie.”
Müller-Lüdenscheid: “Und das glaube ich ihnen nicht.”
Kloebner: “Dann tauchen wir jetzt gleichzeitig.”
Müller-Lüdenscheid: “Wie Sie wünschen.”
Kloebner: “Dann werden wir’s ja sehen.”
Müller-Lüdenscheid: “Das werden wir sehen.”
Kloebner: “Ich habe schon ganz verschrumpelte Finger.”
Müller-Lüdenscheid: “Ich auch.”
Kloebner: “Also. Eins, zwei…”
Müller-Lüdenscheid: “Drei… Hmmmmm….”
Stimme: “Ist hier jemand? Hallo? Entschuldigen Sie, ist das hier Zimmer 107?”

Berlinbrandung

Berlinbrandung

Berlin liegt mitten in Brandenburg
Hat aber nichts mit der Provinz
Die ihren sandigen Rahmen bildet
Zu tun zumindest wo es urban ist
Also cool und städtisch was gern
So tut als hätte es Landleben nur
Nicht so provinziell eben aber doch
Weiß es ist ganz anders in allem
Der Städter sehnt sich nach Ruhe
Wie heiler grüner unbetonierter Welt
Aber erstickte an zäher Landluft
Wagte er wirklich dort zu leben
Wo sich Hase und Igel noch eher
Gute Nacht sagen als Nachbarn
Ihre gewachsenen Vorurteile aufgeben
In Wellen wogt die Provinz zu gern
Am Wochenende zur Party gen Berlin
Wie hippe Berliner auf Festivals in
Grün staubiger Provinz wo sie gut
Getestet  Party auf dem Land feiern
Während das Provinzvolk dafür die
Bars der Hauptstadt belagert wo
Die Anpassung an die Provinz beginnt
Flatratesaufen und Bierausschank
In ausaustauschbar Umgebung
Ohne jeden Stil und Geschmack
Während Brandenburg bleibt wie es ist
Säuisch matschig öde was allen ein
Gefühl von Wacken vermittelt dabei
Ist es nur das Berliner Umland wo
Berliner Kinder sich musikalisch noch
Ausprobieren während ihr Publikum
Mit Pilzen ihre Drogenerfahrung noch
Erweitern darf verkommen Straßen
Wie Odeberger oder Kastanienallee
Immer mehr zu Partymeilen der zu
Knapp bekleideten zu sehr tätowierten
Oben zu bunt gefärbten unten nackten
Dorfjugend und schon passen sich
Erste Kneipen daran an was so weder
Nach Berlin noch diese hierher passen
Wo die Brandenburgerin sehr cool ist
Wirkt sie als käme sie aus Marzahn
Zum Rest wird besser geschwiegen
Nicht wenige der Landmädels denn
Damen wären hier eher unpassend
Laufen herum und schauen als ob
Sie einschlägig arbeiten bis Kevin
Kommt ihr tätowierter Macker mit
Ausrasiertem Nacken der auch dem
Anschein nach mehr als Handwerker
Auf Stadtbesuch durchgeht denn
Zuhälter glaubhaft spielen könnte
Während ich gestern mit meiner
Tochter ihren Freund nach einem
Festival in der Provinz abholte
In seinem sportlichen Wagen wurde
Der Gegensatz wieder zu deutlich
Dachte ich und freute mich noch
Am Helmholtzplatz einen zu trinken
Wo aber seltsam genug schon am
Sonntag um 23h die Bürgersteige
Hoch geklappt wurden bis auf das
Wohnzimmer was so jugendlich
Wie seltsam auch wirkte um es
Kurz zu sagen ich kam aus der
Dunklen Brandenburger Provinz
Aber in Prenzlauer Berg war schon
Nix mehr los und so wachsen mit
Kindern und Schwaben langsam
Provinz und Stadt zusammen
Es ist ein einziges Grauen aber
Vermutlich der normale Wahnsinn

jens tuengerthal 13.9.21