Donnerstag, 19. Mai 2016
Kulturgeschichten 0227
Als Lust und Liebe noch die Staaten
Trugen in Erben ihrer Könige statt
Nur in spröden Wahlen wie heut
Hat auch die Leidenschaft manch
Spiel um Macht entschieden das
Jedoch wie alle Leidenschaft ein
Stetes Wechselspiel noch blieb
So auch zu König Heinrichs Zeiten
Dem VIII. von England der sich der
Leidenschaft folgend wie von Liebe
Weiter getrieben von einer noch zur
Nächsten schlief was jene eine nur
Schwer dulden konnte auch wenn
Solch Tun an Höfen der Renaissance
Wohl mehr als üblich war noch
Was Charles und Diana einst trennte
Wäre damals kaum ein Lächeln noch
Wert gewesen den meisten außer
Der Anne die Königin bleiben wollte
Am 19. Mai 1536 wurde Anne Boleyn
Die zweite Frau Heinrichs VIII. noch
Im Morgengrauen des Themsenebels
Im Tower von London hingerichtet
Womit vermutlich jung an Jahren noch
Die Mutter der späteren Königin Elisabeth
Wegen Ehebruchs und Inzest sogar
Mit Bruder George dazu Hochverrat
Was immer so hoch an Verrätern je
Sein soll oder es nur die Tiefe ihres
Falls eigentlich beschreibt denn
Zum Hochverräter wird meist nur
Wer ganz oben ankam nahe der Macht
Anne Boleyn die 1. Marquess of Pembroke
Wurde wir wissen nicht genau wann geboren
Wo können wir genauso wenig sicher sagen
Von Bedeutung bis heute wurde sie weil sie
Dem König die Hingabe noch verweigerte
Solange dieser verheiratet war um nicht
Nur zur Geliebten zu werden wusste sie doch
Einmal Mätresse immer solche nie mehr
Stets von der Laune nur des Königs künftig
Abhängig steter Gefahr plötzlichen Untergangs
Ausgesetzt war nichts was sie sein wollte
Die kluge am burgundischen wie auch
Französischen Hofe zu Paris noch groß
Gewordene die große Dame in London
Vor den verglichen Landpomeranzen spielte
Das wollte Anne die nach den Sternen griff
Nicht sein gebildet schön und frech wie sie war
Die Weigerung der schönen Anne als deren
Untertan sich der König längst bezeichnete
Trieb den König dazu seine Gattin jene
Katharina von Aragon zu vertreiben wie sich
Dem Papst gegenüber darauf zu berufen
Sie sei die seines Bruders schon gewesen
Was die Ehe schon biblisch als anfänglich
Nichtig möglich darstellte jedenfalls seinen
Wunsch nach Dispens aufgrund dringenderer
Triebe ausreichend für ihn wohl begründete
Vermutlich hätte es auch dem Papst noch
Genügt jenem Clemens VII. der sich sonst
Manchen Bescheid gut bezahlen ließ doch
Leider war dieser just in der Hand noch des
Neffen der Katharina von Aragon nämlich
Des Sohnes ihrer Schwester Johanna der
Da schon als wahnsinnig geltenden Erbin
Des vereinigte Königreichs Spaniens das
Katharinas Eltern Ferdinand und Isabella
Eben erst von den Mauren reinigten was
Sie Reconquista damals nannten sprich
Clemens war nach dem Sacco di Roma
In den Händen von Karl V. den er just
Zum Kaiser erst machte im Tausch gegen
Ein wenig Land in der Lombardei und so
Verweigerte der Papst den Dispens zur
Scheidung von Katharina die einzig nur
Maria als Kind und manch eingebildete
Fehlgeburt nach Scheinschwangerschaft
Wohl auch hatte worauf Heinrich handeln
Nun musste die anglikanische Kirche
Aus dem Stegreif gründete sich selbst
Damit den Dispens erteilte als Oberhaupt
Was englische Könige bis heute dort blieben
Anne leugnete alles und schrieb noch
Dem König flehentliche Briefe hatte sie doch
Zwei Fehlgeburten mit Knaben erlitten
Einem Mädchen eben jener Elisabeth schon
Das Leben geschenkt und es blieb doch
Ihre treue Liebe ihr Witz und Humor
Die aufrichtige Liebe ihres Dieners
Wie sich der König in vielen Briefen einst
Nannte doch die nach den Aborten teils
Depressive Gattin war ihm längst nicht mehr
Hehres Ziel seiner Träume sie ödete ihn an
Längst hatte er schon mit Jane Seymour
Die nächste Kandidatin für die Ehe ins Auge
Gefasst und Anne war nur noch nicht
Verlassen worden weil Heinrich fürchtete
Die katholische Ehe mit Katharina könne
Dann wieder aufleben war er keinesfalls
Irgend nur riskieren wollte zudem fürchtete
Der abergläubische König nach den vielen
Fehlgeburten Anne habe ihn behext
Heute wird vermutet es lag wohl eher
An einer Rhesusinkompatibilität bei der
Nur die erste Schwangerschaft noch völlig
Problemlos ist während alle folgenden zur
Antikörpern im Blut der Mutter führen die
Frühgeburten dann auslösen
Der vermeintlichen Hexe Anne die zuvor
Noch die Heilige Heinrichs war wurde ein
Verfahren wie viele Liebhaber angehängt
Von denen nur ein Musiker es zugab wohl
Um der grausameren Hinrichtung noch
Zu entgehen denn schlicht enthauptet
Wurde nur der Adel alle übrigen wurden
Noch gerädert gevierteilt und zerfetzt
Von der Folter vorab ganz abgesehen
Die Inzucht mit Bruder George bezeugte
Dessen Gattin Jane Parker was sie später
Kurz vor ihrer eigenen Hinrichtung einige
Jahre später bitter bereut haben soll
Womit sie den Tod wohl verdient hätte
´Wie die reuige Witwe vor ihrem Tod sagte
Aber auch das könnte eine Sage sein
Die interessierte Kreise später streuten
Auch um Elisabeth legitim zu machen
Immerhin ließ Heinrich noch zu der
Einst geliebten Gattin Hinrichtung
Den besten Henker aus der Region
Von Calais kommen damit es schnell
Wie sauber erledigt würde warum ihr
Tod sich noch um zwei Tage zu dem
Ihrer angeblichen Liebhaber wie
Dem Bruder George verschob dabei
Hielt sie noch eine rührende Rede
In der sie weder ihre Schuld bekannte
Noch den König anklagte was ihr
Andenken später erhob sie manchen
Zu anglikanischen Heiligen machte
Aufrecht mit verbundenen Augen ließ
Anne sich den Kopf vom Rumpf hauen
Elf Tage später heiratete Heinrich dann
Seine dritte Ehefrau Jane Seymour
Der Mutter des einzig männlichen Erben
Die ein Jahr nach der Hochzeit schon
Am Kindbettfieber starb ohne etwas
Für die ihr anhängenden Katholiken
Noch verändern zu können
Elisabeth berief sich offiziell zunächst
Nur auf ihren Vater dessen Erbe sie
Als die blutige Marie die Halbschwester
Wie zuvor noch der Halbbruder beide
Rechtzeitig verstarben antrat doch nahm sie
Den Kaplan der Mutter als Bischof nun
In ihre Dienste und kümmerte sich auch
Rührend um die Verwandtschaft die Boleyns
Übernahm unaufällig an ihrem Wappen
Annes Badge was eine heraldische nur
Bilddevise ist aber in der Sprache der
Höfe ein hohes Zeichen der Würdigung war
Angeblich sogar trug Elisabeth einen Ring
Mit dem Bild der Mutter und ihrem eigenen
Der Jakob nach ihrem Tod als Beweis erst
Für seine Thronfolge gesandt wurde
Doch war Elisabeth gerade zwei als Anne
Aus dem Leben gegangen wurde was wohl
Jede Erinnerung eher unwahrscheinlich macht
Die große Königin erbte von der Mutter wohl
Den scharfen Intellekt während vom Vater
Der Jähzorn gelegentlich funkelte doch sie
Blieb unverheiratet im Gegensatz zum
Über viele Frauenleichen liebenden Heinrich
Wurde zur längsten Königin bis Victoria und
Nun wieder Elisabeth ihr folgten baute erst
Mit Siegen gegen Spanien England zur
Weltmacht die das Empire lange war
Ließ damit das Opfer der Leidenschaft
Ihre Mutter Anne in sich weiterleben
In Britanniens ewiger Erinnerung
Auch musikalisch ist Anne noch immer
In England präsent ist doch jenes Lied
Auf dem die Phantasy on Greensleeves
Beruht wohl eine Komposition des einst
Verliebten Heinrich für die sich stets
Verweigernde Anne gewesen die sich
Erst als bereits höher geadelt von ihm
Nehmen und schwängern ließ um dann
Schon wohl gerundet den katholisch
Völlig illegitim geschiedenen König
Noch zu heiraten ohne dass sich die
Zu weit getriebene Spannung noch
Nach dem Vollzug der Ehe lange
Aufrecht erhalten ließ zumal sie
Heinrich seine Liebschaften vorhielt
Und eben jenes Lied erklingt noch immer
Jährlich zur Last night of the proms
Welche die Londoner Promenadekonzerte
Feierlich königlich abschließt was noch
Immer in alle Welt übertragen wird
Von königlicher Liebe eins zeugt
Die zu lange spielte um dann doch
Schnell langweilig zu werden auf dem
Schafott zu enden nach Hochverrat
Der so sich auflöste wie die Liebe
Die England anglikanisch machte
Weniger Leidenschaft als kühle nur
Verwaltung des nötigen prägt heute
Meist die Politik was wir eher gutheißen
Von den Zufällen und Launen der eben
Regierenden damit befreit zu sein
Mehr unter Recht und Gerechtigkeit
Noch zu leben statt der Wilkür des
Zufällig königlichen Geblüts noch
Ausgeliefert zu sein alle Zeit noch
Dahingestellt ob es uns damit
Ruhiger und gemütlich besser ging
Als in zertifiziert hektischer Zeit
Denn gerecht ist wichtiger als gut
Warum eine Anne nicht mehr
Sterben müsste vermutlich außer
Sie lebte zufällig im islamischen Raum
Weil dort die Sharia als gerecht gilt
Die sonst nur Aberglaubens Wilkür
Der Fall der großen Leidenschaft
Die sich zur Königin spielte um dann
Tief zu fallen weil eine Geliebte die
An Mängeln leidet wo doch alle wissen
Geliebte sind stets vollkommen
Kann und darf nicht sein und so litt
Anne am Leiden von dem sie wusste
Es könnte ihr Ende ohne Sohn sein
Auch wenn es nur an der Natur nie
Am Wesen der zuvor Liebenden lag
Verlorene Liebe halten wollen oder
Die Gelietbe zur Gattin machen das
Gelingt wohl selten nur zum Glück
Aller die von Liebe getrieben leben
In den Leidenschaften der Zeiten
Kühlt eine Liebe die nächste ab
Bleibt Wandel und Wechsel stetig
Privat daten wir via Finya oder Tinder
Nicht zu halten dabei als sei die
Zahl der Wechsel ein Wert je
Der Treue und Liebe gliche
Verwechseln viele Lust und Liebe
Dabei ist was bleibt was zählt
Was sich wechselte vergeht
Nur wie damit in der Demokratie
Politik mit Leidenschaft gemacht wird
Frag ich mich bis heute wohl
Auf der Suche nach dem Glück
Vielleicht muss sich manchmal auch
Alles ändern damit alles bleibt wie es ist
Schließe ich dem königlichen Anlass gemäß
Mit den Worten des Tomasi de Lampedusa
Die erklären warum sich in Sizilien gerade
Nichts ändert wenn sich alles ändert
Was den Zweifel gegenüber allem nährt
Der in der Politik wie manchmal auch
In der Liebe heilsam sein kann
Auf Dauer eher bindet
jens tuengerthal 19.5.2016
Mittwoch, 18. Mai 2016
Gedankenlust
Machen nur Gedanken Lust
Braucht es mehr als sie je
Um aneinander denkend allein
Sich ineinander zu versenken
Denk an dich voller Lust
Streichle und küsse dich
In Gedanken überall wo
Die Zunge nur hinreicht
Erklimme zarte Hügel
Sauge an den Spitzen
Versenke mich mittig
Zwischen geöffnete Lippen
Höre dich in Gedanken
Immer schneller atmen
Schmecke auf meiner Zunge
Deiner Lust feuchter Tiefe nach
Ob du wohl spürst wie sehr
Du gerade gewollt wirst
Deine Brüste schwellen beim
Gedanken wie deine Perle wächst
jens tuengerthal 18.5.2016
Kulturgeschichten 0226
Bevor ich mich mit den Kreuzzügen beschäftigte, um zu sehen, warum sie elend scheiterten, ein tödlicher Versuch blieben, fragte ich mich, was geht uns all das noch an, spielt es noch irgendeine Rolle.
Die Pegiden und andere der Rechtsradikalen berufen sich gern darauf bei ihrem im Kern rassistischen Protest gegen die Islamisierung des Abendlandes, die weniger droht als die Verblödung, doch Selbstanklage liegt wenigen, auf Werte, die sie meist nicht kennen, was es um so leichter macht, dagegen zu sein, dass sich etwas ändert. Der Mob startet einen Kreuzzug in der Gesellschaft gegen eine religiöse Gruppe, sogar die gleiche, gegen die sich die Kreuzzüge meist richteten, auch wenn bei starker Beteiligung des Mobs oft eher Juden oder orthodoxe Glaubensbrüder gemeuchelt wurden.
Die Fragen, die ich mir stellte, sollen dies kleine Essay zum Ende der Kreuzzüge einleiten und bilden so den Rahmen, der ein nur historisches Ereignis in den Bezug zur Gegenwart bringt, mein Denken beim Schreiben leitet, warum sollte sich jemand auch sonst mit so ollen Kamellen beschäftigen, wenn es nicht auch etwas bringt?
Eigentlich gilt das für all die alten Geschichten, die ich so schreibe, aber manchmal ist es ja ganz gut, etwas auch zu sagen - nicht was war, ist mir so wichtig, sondern was ich daraus jetzt machen kann, um zu verstehen, was ist, wie die Dinge ablaufen.
Hat Glaube Konjunktur oder beobachten wir das letzte Gefecht?
Gilt es das Abendland gegen den Islam zu verteidigen?
Verteidigt, wer sich auf die Vergangenheit beruft?
Warum wollen viele Menschen nach Europa?
Was macht Europa attraktiv und was gilt es zu verteidigen?
Verteidigt die Freiheit, wer Grenzen zieht, oder Kreuzzüge propagiert?
Während die Rechten Europas sich als Verteidiger des Abendlandes aufspielen, das sie gegen den Islam verteidigen wollen, von dem sie sich bedroht fühlen wie einst Karl Martell oder die Wiener, die immer noch gern beim Mocca von der türkischen Gefahr schwadronieren, auch wenn ihnen Mozart schon komponierte, dass sie vom Türkentrunk besser die Finger lassen sollten, um Tee zu trinken, wird der Islam immer mehr als bedrohliches Feindbild inszeniert und der Beobachter fragt sich, ob dies eher an einer Persönlichkeits- oder einer Wahrnehmungsstörung liegt.
Es kommen Millionen auch Muslime nach Europa, weil es ihnen in ihren und muslimischen Ländern überhaupt oft elend geht - sie fliehen nicht in die muslimischen Nachbarländer, weil diese zwar teilweise Wohlstand aber keine Freiheit haben, keine Perspektive bieten mit ihrem oft mittelalterlichen Weltbild und ihrer einseitig auf Rohstoffe fixierten Industrie. Sie kommen um der Freiheit Willen, des Reichtums und Erfolges des westlichen Modells wegen, in dem sie Rettung suchen, vor dem eigenen gescheiterten Modell, in dem Fundamentalisten wüten wie bei uns in den Religionskriegen auch, an Grausamkeit und Foltermethoden nicht zu unterscheiden.
Es ist dabei völlig egal, ob in der Masse derer, die hierher kommen wollen, einige wenige Verrückte sind, die anderes wollen, was zählt, ist, was die Mehrheit bewegt und als solche bleibt. Warum sollte, wer unter Lebensgefahr aus seiner Heimat für ein besseres Leben flieht, in der Ferne den gleichen Mist wie Zuhause wollen?
Manche schwadronieren dem Islam fehle die Reformation, er sei einfach noch zurück, weil 650 Jahre später gegründet, wie ich es selbst formulierte manches mal - aber, ehrlich gesagt, ist das schlicht Unsinn. Die Reformation hat nichts geändert, ist nur eine Zwischenstufe auf dem Weg, der in der Renaissance begann, in der sich die Menschen vom mittelalterlich religiös geprägten Denken langsam befreiten, der die Reformation, als halber Schritt zurück und halber nach vorn folgte, die entsprechend wenig änderte aber viel Gewalt in Folge mit sich brachte, auf dem die Aufklärung die nächste Stufe war, der gerade auf einer neuen Ebene implodiert. Das die Religionen laut zucken, bevor sie untergehen, ist wenig verwunderlich für die Beobachter der Menschheitsgeschichte. Der Islam ist auf der gleichen Stufe wie alle anderen Religionen, die Sozialstrukturen sind in islamischen Gesellschaften nur andere und das liegt an der Rolle, die Frauen spielen und einnehmen, wie sie ihre Söhne erziehen, mehr nicht. Solange muslimische Frauen das lächerliche Spiel ihres Aberglaubens mitspielen, weil es ihnen eine sichere Rolle gibt, wird sich nichts ändern dort. Nicht weil Muslime weniger intelligent sind oder der Islam stärker als andere Formen des Aberglaubens wäre, sondern weil Menschen sich gern in sicheren Modellen einrichten.
Europa wurde im römischen Kaiserreich religiös. Die griechische und römische Hochkultur hatte wie die Ägypter ihre Götter, die aber immer für eine gebildete Schicht nur eine unbedeutende Rolle spielten oder als Mittel der Machtausübung genutzt wurde. Wo ein Adel herrschte, der seine Macht von Gott her begründete, war dies anders. In Europa wurde der Unsinn epidemisch als Karl der Große auf die Idee kam, sich seine Herrschaft vom Papst segnen zu lassen. Das hat zu Kreuzzügen geführt, einem ewigen Machtkampf mit den Kirchen, bis diese zu Napoleons Zeiten auch in Deutschland faktisch entmachtet wurden, allerdings ging es, wie so vieles, lagsam vor sich.
Noch immer schicken Eliten ihre Kinder in Frankreich auf religiöse Schulen, kassiert der deutsche Staat die Kirchensteuer, gibt es Religionsunterricht nach Sekten separiert in den öffentlichen Schulen, wo er eigentlich nichts verloren hätte. Ob das zum Schaden oder Nutzen der Kultur ist, wäre eine andere Frage und mancher bleibt einfach aus Tradition dabei, was ein Wert an sich sein kann, den Menschen ohne Tradition nie verstehen werden.
Vorher gab es in Stämmen und Völkern verschiedene Formen der Naturreligion, wenige waren schriftkundig, kaum etwas ist überliefert, unsere Informanten sind oft Moorleichen oder Gletscherötzis, die heute kaum als Experten taugen würden für eine glaubwürdige Aussage in der zertifizierten Gesellschaft.
Das Christentum, das sich schnell mit der Herrschaft verbündete und so seinen Siegeszug begann, beherrschte die elegante Form, Armut zu predigen und Reichtum zu segnen, womit das Gewissen entlastet wurde. Es versprach eine Erlösung und hielt die Untergebenen damit in der Spur, die sich nach den Gründen für die Verteilung des Wohlstandes oder der Macht mehr fragten, es war eben Gott gewollt und so sollte es sein.
Zudem war es die Religion der Liebe, predigte von Liebe - und was liegt dem Menschen je näher? - erzählte von junfräulicher Geburt und verbat den Sex in Teilen, machte ihn so wieder spannend, nachdem die Römer relativ exzessiv alles bereits ausprobiert hatten, es langweilig wurde. Von Liebe predigen und Keuschheit, von göttlichem Frieden und in den Krieg ziehen, die Lust bebildern und sie verbieten - die materielle Dialektik der Wirklichkeit ist nicht marxistisch, sie ist katholisch und sie hat einer römischen Gesellschaft, die alles hatte und alles kannte über Jahrhunderte wieder den Spaß am Sex beschert, weil sie ihn verboten hat - fragt sich nun, was von dem Verein bleibt, wenn Franziskus wirklich große Schritte wagt?
Die Protestanten haben es seit Luther ihren Priestern erlaubt zu heiraten. Dass sie damit besonders sexy geworden wären, auch durch Frauen in höchsten Kirchenämtern, kann nicht behauptet werden. Es fehlt ihnen ein wenig die Spannung von Sünde und Verführung, die in verschiedenen Varianten durch höhere Moralität oder ökonomischen Erfolg kompensiert wurde. Bezeichnend dafür die Szene aus Monty Pythons Sinn des Lebens, in dem der protestantische Nordire sich seiner Frau gegenüber erregt, wieviel Sex sie haben könnten, ohne viel Kinder zu haben, anders als die Katholiken, denen bei jedem Sex ein Kind unten herausfällt, wie er es formuliert und wie sich seine Frau nach diesem fakultativen auch verhüteten Sex sehnt, der aber bloß theoretisch bleibt und so dürfen die Protestanten den besten Sex haben und haben ihn nicht und die Katholiken dürfen es nicht und haben dafür an dem, was sie trotz Verbot tun, mehr Spaß.
Was wem mehr liegt und welche Form des Sex oder nicht Sex besser zu einem passt, möge jeder für sich entscheiden, als die Kreuzfahrer ins Morgenland fuhren, um das Heilige Land zu befreien, wie sie es nannten, waren noch alle katholisch und es gab im Abendland nur eine Kirche, die Orthodoxie mal ignoriert, wie es Rom auch lange lieber tat, warum es im weiteren weniger auf den konfessionellen Sex ankommt, kann auch nicht sagen, wie es Orthodoxe tun, meine Erfahrungen mit Russinnen und Griechinnen sind relativ bescheiden, welche Prägung dabei größer ist, die sowjetische, die philosophische oder die religiösen wäre ohnehin noch der Frage wert.
Am 18. Mai 1291 fiel nach sechswöchiger Belagerung mit Akkon die letzte große Kreuzfahrerbastion in die Hände der Mamluken, womit die Kreuzzüge endgültig gescheitert waren. Damit verlor das frühere Königreich Jerusalem seine letzte Bastion und ging unter. Jerusalem selbst war schon seit 1244 in der Hand der Muslime, Tyros, Sidon und Beirut fielen zwischen Mai und Juli 1291.
Im August 1290 war es in Akkon zu einem Massaker an muslimischen Händlern gekommen. Verübt wurde dies durch betrunkene, demoralisierte, seit Wochen zum Nichtstun gezwungene lombardische und toskanische Kreuzfahrer aus meist bäuerlichen Verhältnissen, die als einzige dem Aufruf des Papstes nach dem Fall von Tripolis 1289 gefolgt waren. Den Herren von Akkon, die um proffessionelle Hilfe gebeten hatten, kam dieser Haufen christlicher Chaoten eher ungelegen. Eine Stadt, die von christlichen Flüchtlingen von überall her überquoll, musste nun auch noch undisziplinierte Söldner unterbingen und versorgen, was nur mäßig gelang.
Außerdem gab es einen vorläufigen Waffenstillstand mit den Mamluken, demgemäß die Italiener nicht in den Kampf ziehen durften und wieder muslimische Händler in die Stadt durften, wofür die Kreuzfahrer kein Verständnis hatten, im Gegenteil. Dadurch war es zu dem Massaker gekommen. Sultan Qalawun verlangte nun von den Christen eine extrem hohe Entschädigung und die Auslieferung der Kreuzfahrer. Daraufhin stellte der Sultan ein Heer auf die letzten Christen zu vertreiben, starb zwar auf dem Weg aus Ägypten aber sein Sohn setzte Vaters Pläne fort, verschob nur der Witterung wegen den Angriff auf das nächste Frühjahr.
Am 5. April 1292 schlug die riesige Übermacht der Mamluken vor Akkon ihr Lager auf. Derweil rüsteten sich die Verteidiger zum letzten Gefecht und jeder Mann, der noch gehen konnte, wurde mobilisiert. Der sonst in Zypern sitzende König ließ zumindest noch einen Teil der Frauen und Kinder evakuieren. Die Truppen der Stadt wurden durch Kräfte der vier Ritterorden unterstützt. Dazu entsandten Templer, Deutschritter, Hospitalier und der Lazarusorden je ein kleines Kontingent. Es sogar kam noch ein englisches und ein französisches Kontingent. Am Ende standen etwa 16.000 Kreuzritter den 60.000 Mamluken gegenüber. Dabei war Akkon gut befestigt, verfügte über einen doppelten Mauerring mit noch einigen Türmen dazwischen.
Die Mamluken begannen während der Belagerung brennende Pfeile und anderes in die Stadt zu schleudern und zu schießen, wie infektiöse Tiere. Die Belagerten wehrten sich nach Kräften, wogegen sich die Angreifer hinter Schildern verkrochen und Mauern sowie Türme zu untergraben begannen. Am 8. Mai stürzten die ersten Türme ein. Die Verteidiger versuchten es mit Ausfällen, die aber sämtlich zurückgeschlagen wurden. Die Kreuzfahrer hielten während der gesamten Belagerung den Hafen offen und konnten damit für Nahrung und Nachschub theoretisch sorgen.
Es gab über die Wochen verschiedene Vorstöße und am Morgen des 18. Mai unternahmen die Muslime einen erneuten Großangriff auf die Stadt. Bei diesem wurde der Großmeister der Templer Guillaume de Beaujeu getötet und es gelang den Angreifern den Turm der Verdammnis zu erobern, womit ihnen der Durchbruch in die Stadt gelang. Akkon war so gut wie gefallen. Es kam zu blutigen Gemetzeln und nur der König, ein Großmeister und wenige andere konnten noch über die Schiffe im Hafen fliehen.
Es blieb nur noch die Eisenburg der Templer uneingenommen und dort verschanzten sich unter dem Kommando des Großmeisters die letzten Überlebenden. Als am 27. Mai auch dort die Gespräche für eine friedliche Übergabe scheiterten floh der spätere Templergroßmeister Thibaud Gaudin im Schutz der Nacht mit dem Schatz der Templer auf einem Boot nach Sidon, wohin er den Templerschatz rettete.
Währenddessen hatten die Maluken die Eisenburg der Templer bereits soweit unterminiert, dass sie am Morgen des 28. Mai vollständig einstürzte und die letzten Verteidiger des Abendlandes im Morgenland endgültig unter sich begrub. Mit dem Fall von Akkon war der Widerstand der Kreuzfahrer endgültig gebrochen, die letzten Burgen wurden bald aufgegeben und der Sultan ließ sie schleifen, damit die Christen nie wieder auf die Idee kämen, sich dort nierzulassen.
Das Unternehmen Kreuzzug war damit endgültig gescheitert. Es war nicht gelungen die sogenannten heilgen Stätten zu erobern oder eine dauerhafte christliche Besiedlung dort zu schützen und aufrecht zu erhalten. Außer religiösem Wert hatte die Region nichts, was eine weitere Investition rechtfertigte - es waren genug hohe und wichtige Adelige dort oder auf dem Weg gefallen, der Blutzoll war enorm. Von Kaiser Barbarossa bis zu den Großmeistern der verschiedenen Ritterorden im letzten Gefecht waren schon zu viele dort geblieben. Es war von Anfang an ein nur vom Glauben getriebenes Geschäft, das nur bei einem Kreuzzug sich noch gegen die orthodoxe Konkurrenz richtete, im übrigen aber sich auf die Eroberung eines eigentlich wertlosen Landes richtete, was ökonomisch auf Dauer nie zu rechtfertigen war. Zumal wichtige Fürsten über Monate ihre Heimat verließen, die Dinge dort oft chaotisch liefen in ihrer Abwesenheit, wie wir aus dem Robin Hood Mythos wissen, als König Richard Löwenherz, allerdings schon auf dem Rückweg, noch fies gekidnappt wurde vom deutschen Kaiser und den Erzherzögen von Österreich, die da noch nicht so hießen, aber das ist eine andere Betrugsgeschichte vom Austria-Schwindel.
Der einzig erfolgreiche Kreuzzug war der von Kaiser Friedrich II., der nicht umsonst das Staunen der Welt hieß und über seine langen und alten Kontakte in die muslimische Welt einfach mit Saladins Nachfolger einen guten Deal um die Krone Jerusalems aushandelte, damit der Papst, der immer noch beleidigt war, weil Friedrich meinte, Sizilien sei seins, von Muttern geerbt und das ginge den Papst nichts an, ihn wieder in den Schoss der Kirche aufnähme. Für ihn hat es sich gelohnt, was er wollte, wäre immer im Verhandlungswege erreichbar gewesen, doch war die Kreuzfahrerei und ihr Mythos vom Heiligen Land und den edlen Rittern, die das Kreuz nahmen zu einträglich lange Zeit und spielte mit zu viel Macht, als dass es einer gewagt hätte, eingeladen darauf zu verzichten - es war eine lächerliche Frage der Ehre unter Rittern.
Bush jr. fing an wieder von Kreuzzügen zu sprechen, was schon Grund genug wäre, diesem gegenüber in allem, was er tat, misstrauisch zu sein - ähnlich erfolgreich wurde auch, was dieses Musterbeispiel eines amerikanischen Idioten anstellte - es kostete Millionen Menschenleben, verbreitete den Terror auf der ganzen Welt, zwang den Staat zu neuen Sicherheitsmaßnahmen, die ganz nebenbei in George Orwells Brave new world führten und all das für die Profilierungssucht eines texanischen Cowboys, der vermutlich von der Geschichte der Kreuzfahrer so wenig weiß, wie einen guten Plan für die Region im Nahen Osten hatte, die seitdem von einer Katastrophe in die nächste schlittert und die Unruhen in Kurdistan und in der Türkei, die zum Sturz von Sultan Erdogan irgendwann bevorstehen, werden uns womöglich das nächste Drama infolge solch kurzsichtiger Politik eines naiven Baptisten bescheren, der weder das Land verstand, noch wusste, was er dort tat, als er eine Führung beseitigte, ohne eine stabile Struktur auf Dauer dort zu etablieren.
Das sich der immerhin Friedensnobelpreisträger Obama dann so rasend schnell aus dem Irak zurückzog, brachte ihm vielleicht Stimmen an der Heimatfront, tat seine Ablehnung gegeüber dem Restmüll von Bush kund, änderte aber nichts, sondern löste in Syrien und im Irak mit dem IS die nächste Katastrophe indirekt aus und es wird nicht die letzte sein und was aus den auch von der Bundeswehr ausgebildeten Kurden wird, wenn sie sich einig zusammen tun, will auch noch keiner zu Ende denken.
Der Nahe Osten ist ein Pulverfass. Israel zu halten, lassen sich die USA genug kosten. Es sollte sie auf Dauer binden und beschäftigen, um die einzige Demokratie und den einzigen Rechtsstaat dort weit und breit zu erhalten und wenn der muselmanische Aberglaube endlich so überwunden ist wie der christliche, kann vielleicht auch dort endlich friedlich zusammengelebt werden. Nur sollte keiner meinen in dieser ältesten Kulturregion der Welt zwischen Sumer und Asyr, von Babylon bis Alexandria könne irgendetwas von außen oder mit Gewalt geregelt werden - wenn sie sich den Schädel einschlagen, tun sie das, egal, was wir dazu sagen.
Verkaufen wir ihnen keine Waffen oder allen gleich, dann hat es sich vielleicht irgendwann von alleine erledigt, aber meinen wir nicht, wir könnten diese Region von außen befrieden, die sich mit sich einigen muss, halten wir uns besser raus, als besser zu wissen, es könnte dem Frieden helfen, der sich nie mit Waffen schaffen lässt, sondern immer in den Köpfen der Mütter anfängt, wer Frieden will, muss die Mütter gewinnen und bilden.
jens tuengerthal 18.5.2016
Dienstag, 17. Mai 2016
Während du
Komme ich nackt zu dir
Lege mich ganz dicht
Neben dich um deine
Nackte Haut an meiner
Sich reiben zu spüren
Während du dich an mich
Drückst dich in meinen Arm
Einwühlst noch halb träumend
Wandern meine Hände über dich
Zart vorsichtig streichelnd bis
Dein Körper mir antwortet
Fest fasse ich deine Nacktheit
Eine Hand auf zarten Hügeln
Mit den Knospen spielend
Atmest du schon schneller
Während die andere in deine
Mitte wandert die sich
Längst feucht ihnen eröffnet
Helfe ich meiner stehenden
Mitte tief in dich hinein
jens tuengerthal 17.5.2016
Gedichtsurteil
In der causa Böhmermann
Versus Sultan Erdogan
Zunächst nur presserechtlich
Keine Frage des Strafrechts
Teilweise verboten
Teilweise erlaubt
Verkennt das Landgericht Hamburg
In erster Instanz das Gedicht
Als einheitliches Kunstwerk
Meint Böhmermanns Anwalt
Noch grinst der Erdogananwalt
Und doch wissen alle spätestens
Vor dem Bundesverfassungsgericht
Ist Schluss mit der Beschränkung
Auch der Satire auch wenn es gut ist
Zu sehen nicht alles ist erlaubt
Vielleicht verkennt das Landgericht
Wirklich die Satire als Kunstform
Übersieht den doppelten Boden
Dessen was nicht erlaubt sei
Wenn es so genannt wird
Doch fragt sich jenseits des weiten
Kunstbegriffes der Verfassungsrichter
Ob Vorurteilsverbreitung Schutz bedarf
Oder hier Grenzen gerade nötig sind
Damit auch die Pegigioten wieder
Umgangsformen im Diskurs lernen
Rassistische Beleidigung nicht frei ist
Eine andere Frage noch bleibt
Was in Mainz beurteilt wird
Ob eine Beleidigung vorliegt
Oder diese am Willen scheitert
Weil er zeigen wollte was nicht geht
Mit diesem Urteil aber einem Freispruch
In Mainz könnte Deutschland gut leben
Es muss nicht jeder auch rassistische
Unsinn geschützt werden dafür könnte
Eine Grenze im Diskurs gezogen werden
Die den Pegiden offensichtlich fehlt
Das Gedicht war weder komisch
Noch sonderlich intelligent
Es bediente Vorurteile
Auch wenn es teilweise richtig
Mängel der Türkei kritisierte
Dies wurde geschützt
Dumme Vorurteile nicht
Lächerlich macht sich der Sultan
Auch ohne unsere Hilfe
jens tuengerthal 17.5.2016
Kulturgeschichten 0225
Wer kennt die Wahrheit und wer ist der wahre Vertreter Gottes?
Ist Streit in der Kirche nicht der Beweis der Nichtexistenz Gottes?
Um was geht es beim Streit um die Macht in der Kirche?
Geht es eher um Macht oder um den Aberglauben?
Begann mit dem Schisma die Renaissance?
Beruht unsere Freiheit auf einem Streit?
Am 17. Mai 1410 kam das abendländische Schisma
Zu einen neuen Höhepunkt als mit Johannes XXIII.
Ein dritter Papst gewählt wurde nun in Bologna
Während neben ihm noch Gregor XII. in Rom
Sowie Benedikt XIII. in Avignon Papst waren
Das große abendländische Schisma war eine
Zeitweise Spaltung der lateinischen Kirche
Es dauerte von 1378 bis 1417 endlich mit
Martin V. auf dem Konzil zu Konstanz wieder
Ein von allen akzeptierter Papst erhoben war
An diesem Konflikt war kein Herrscher mit
Beteiligt sie stritten sich von ganz allein
Miteinander und untereinander vor allem
Zwischen Frankreich und Italien aber mit
Auswirkungen auf das ganze Abendland
Wenn mehrere Theologen für sich
In Anspruch nahmen Stellvertreter Gottes
Zu sein wie viel bleibt dann noch von der
Sonst verkündeten Wahrheit übrig
Wurde die Kirche menschlich fehlbar
Was bedeutete dies für das Denken
Angefangen hatte es mit einem Streit
Nach dem Tod von Gregor XI. welcher
Erst 1376 sein Exil in Avignon beendete
Nach Rom zurückkehrte wo er dann
Zwei Jahre später 1378 verstarb
Die Römer wählten daraufhin wieder
Einen Italiener zum Bischof von Rom
Urban VI. der sogleich 29 Kardinäle
Neu ernannte aus Italien was natürlich
Die verbliebenen übrigen ablehnten
Als Reaktion Clemens VII. zum dann
Gegenpapst wählten in Avignon
Bis 1409 beschuldigten sei einander
In wütenden Briefen und Reden der
Häresie gegenseitig was von heute
Aus betrachtet der Beginn eigentlich
Der Aufklärung im Geist der Renaissance
Erst wurde da wenn zwei sich streiten
Meist keiner Recht hatte setzte das
Konzil von Pisa Benedikt XIII. aus
Avignon wie Gregor XII. aus Rom ab
Dafür Alexander V. als Dritten ein
Erst das Konzil von Konstanz konnte
Unter Vermittlung von Kaiser Sigismund
Den Streit beilegen in dem Europa
Völlig gespalten verschiedenen anhing
Während Frankreich und Spanien klar
Zu Avignon hielten waren Polen Ungarn
Schweden und Engländer sich einig
Zu Rom zu halten wie der Norden Italiens
Das Königreich Neapel hielt dagegen
Zu Spanien gehörig eher zu Avignon
Wie auch die Schotten ganz klar
Während es im deutschen Reich
Je nach Region föderal wechselte
Es scheint als hätte sich nicht viel
Geändert in Europa ob sich dies
Nun über Päpste oder Asyl streitet
Während die Päpste in Rom noch
Relativ frei und autonom waren
Standen sie in Avignon umzingelt
Von Franzosen nahezu ohne Land
Machtlos dem französischen König
Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert
Was in der der Templerfrage für viele
Relativ fatal also tödlich endete
Auch Intellektuelle der Zeit wie etwa
Petrarca kritisierten schon das Exil
In Avignon nicht nur weil Rom der
Bischof in den Schuhen des Fischers
Schmerzhaft fehlte sondern weil dieser
Keine Autorität mehr war nur noch
Ein bloßer Büttel der Franzosen blieb
Gregor XI. hatte sich schließlich von
Zwei Frauen vor allem überreden lassen
Wieder nach Rom zurückzukehren
Diese waren Katharina von Siena und
Birgitta von Schweden wo er aber
Wie oben berichtet bald starb
Die alsdann anstehende Neuwahl
Wurde römisch chaotisch weil sich
Das französisch dominierte Kollegium
Der Kardinäle nicht den Italienern
Beugen wollten die einen Römer klar
Forderten doch wurde es dann doch
Ein Italiener im allerdings Chaos
Was den Franzosen die Chance gab
Die Wahlen später anzufechten
Als sich nun die Franzosen unter anderem
Vom gewählten Urban wieder abwandten
Der autokratisch regierte nutzte dieser
Die Chance 29 neue Kardinäle aus seinem
Lager zu ernennen für die gegangenen
Die ihn für geisteskrank erklärten
Diese Ausweitung gefiel den bisherigen
Kardinälen schon darum nicht weil die
Gelder dann durch mehr zu teilen waren
Für jeden Prupurträger weniger blieb
Nun wählten die empörten Kardinäle
Erstmals von sich aus selbst ermächtigt
Einen Gegenpapst eben jenen Clemens VII.
Womit das Schisma besiegelt war
Dies war kirchlich eine echte Revolution
Wie dies heute zu bewerten ist bleibt
Schwierig insofern die Wahl eines
Geisteskranken wohl ungültig wäre
Die Kardinäle zur Neuwahl ermächtigt
Also nach Kirchenrecht wären
So sahen Urban auch seine Beamten
Auch der Zwang bei der Wahl war real
Andererseits aber ist all dies nicht
Entschieden und sicher so kann
Bis heute nicht entschieden werden
Ob eher Clemens VII. Wahl ungültig
War oder Urban nie gültig Papst wurde
Sogleich spaltete sich das gesamte
Abendland in Obödienzen die jeweils
Dem einen oder anderen Papst ihren
Gehorsam schworen damit wurde die
Bisherige Autorität des Papstes auch
Im Machtgefüge des Reiches relativiert
Was so oder so sein kann muss auch
Gar nicht sein oder ganz anders
Wie es eben gerade besser passte
Um diesen peinlichen Streit schnell
Wieder zu beenden wieder die Einheit
Der Christenheit herzustellen wurde
Der Ruf nach einem Konzil immer lauter
So kam es zum Konzil von Pisa 1409
Wer nun für eine Entscheidung erst
Überhaupt zuständig war fand eine
Breite Debatte statt unter Theologen
Strittig war schon der Anfang da ein
Konzil eigentlich vom Papst nur
Einberufen werden konnte und wo
Dieser wahnsinnig war blieb er
Nicht mehr im Amt unklar war nur
Wer dann wen wozu einberief
Da der Zuständige ja nicht tot war
Der kritischen Umstände wegen
Die ein solches Konzil immer als
Zweifelhaft erscheinen lassen könnte
So waren auch die Kardinäle der
Anderen Obödienzen aus Sicht Roms
Illegitim während deren Papst keiner
Für die anderen mehr sein konnte
Dauerte es 30 Jahre bis sie einberiefen
Beim Konzil von Pisa 1409 welches
Über die parallel noch von Gregor
Wie Benedikt einberufenen siegte
Weil es viel mehr anzog wurde der
Konziliarismus erstmals Thema
Wonach das Konzil über den Papst
Richten darf und stehen kann
Wie es schon die Franziskaner
Im Armutsstreit vertraten etwa durch
Wilhelm von Ockham den später
Der geniale Umberto Eco als den
William von Baskerville in Roman
Name der Rose auftauchen lässt
Im Film gespielt von Sean Connery
Womit wir wieder in Schottland wären
Wie beim gerade Papst Franziskus
Auf den Spuren des gleichnamigen
Das Konzil von Pisa zitierte die beiden
Amtierenden Päpste Gregor und Benedikt
Vor das Konzil und als diese sich weigerten
Machte es ihnen einen Ketzerprozess als
Schismatiker die der Häresie schuldig wären
Als solche setzte es beide ab und wählte
Alexander V. als neuen Papst was jedoch
Das Schisma nicht beendete da die beiden
Papst bleiben wollten es nun drei statt zwei
Vorher gab der Streit verlagert bloß wurde
Zur endgültigen Überwindung des Schismas
Wurde 1414 das Konzil von Konstanz erst
Einberufen was ein Erfolg schon des Königs
Sigismund war der es Johannes XXIII. abrang
Johannes der Nachfolger Alexanders war
Rechnete mit seiner Bestätigung da die
Mehrzahl der Kardinäle Italiener waren
Doch wurde auf dem Konzil das Wahlrecht
Unerwartet reformiert und nach Nationen
Erstmals gestimmt von denen jede eine
Stimme nur erhielt was alles veränderte
Nun sollten alle drei Päpste abgesetzt werden
Um einig einen neuen zu wählen woraufhin
Johannes die Flucht ergriff und das Konzil
Nur durch Sigismund noch gerettet wurde
Das Konzil beschloss die Macht des
Papstes einschränken zu dürfen falls es
Das Wohl der Kirche erfordere woraufhin
Sigismunds Truppen Johannes fesnahmen
Ihn zurück nach Konstanz brachten wo
Ihm der Prozess gemacht wurde
Gregor der schon über 80 war trat
Auf Druck von Sigismund freiwillig zurück
Während Benedikt noch ein wenig dazu
Nun mit Hilfe Spaniens genötigt wurde
Womit der Weg für die Wahl eines Papstes
Der Martin V. wurde ein Italiener frei war
Er blieb es von seiner Wahl 1417 bis
Zu seinem Tode 1431 und beendete
Damit das abendländische Schisma
Der geborene Oddo Colonna war
Jurist von Hause aus und stammte
Mütterlicherseits aus dem Haus Conti
Auf dem Konzil hat er sich bereits
Einen Namen als Kardinal mit dem
Prozess gegen Jan Hus gemacht
Der entgegen des Versprechens
Des Kaisers verurteilt und verbrannt
Wurde warum die Hussitenkriege
Mit aller Heftigkeit erst ausbrachen
Das Konzil einigte sich nochmal
Doch der absolute Anspruch
Den die Kirche für sich vertrat
War längst relativiert worden
Die Macht der Kirche war damit
Gebrochen und keine 100 Jahre
Später folgte die Reformation
Fand breiten Zuspruch die Welt
Des Mittelalters endete dort
Dazu passte auch dass der
Sekretär von Johannes XXIII.
Pogio Bracciolini der damals
Arbeitslos wurde nach der
Absetzung seines Chefs sich von
Konstanz aufmachte um alte
Lateinische Texte in Klöstern
In Deutschland und der Schweiz
Zu suchen und dabei vermutlich
Im Kloster zu Fulda auf den als
Verschollen geltenden Lukrez stieß
Dessen de rerum natura abschrieb
Nach Florenz sandte und damit
Eine Wende einläutete die zum
Denken der Renaissance führte
Das erstmals den Menschen
In den Mittelpunkt des Denkens stellt
Sich fragt ob nicht alles Natur ist
Das Schisma hatte die Absolutheit
Der Stellvertreter Gottes auf Erden
Infrage gestellt und nun war der Weg
Frei wieder zum alten Denken der
Griechen und Römer zurückzukehren
Eine Entwicklung nahm ihren Lauf
Die konsequent weiter bis zur
Erklärung der Menschenrechte wie
Der Einführung der Demokratie führte
Der Weg der mit dem Streit in der Kirche
Begann läutete die Renaissance im Denken
Schuf einen Umbruch der nicht mehr endete
In dieser Tradition steht der Humanismus
Genauso wie Kants kategorischer Imperativ
Der das eigene Gewissen zum höchsten
Maßstab jeder moralischen Entscheidung
Erst machte den Menschen befreite weil
Es keine höhere Instanz mehr brauchte
Wenn Kant wie gestern beschrieben den
Mut sich seines Verstandes zu bedienen
Zum Wahlspruch der Aufklärung machte
Hat er jedes höhere Gesetz relativiert
Dies tut er nicht ausdrücklich und doch
Ist es die klare logische Konsequenz
Eines Denkens das sich nicht mehr
Einfach unterwarf sondern infragestellt
Was Kaiser Friedrich II. für sich begann
Fand im Schisma seine Konsequenz
Statt höherer Wesen stand plötzlich
Der Mensch und sein Streben nach Glück
Im Mittelpunkt menschlichen Seins
Das sich nicht mehr am Jenseits
Primär orientierte sondern was ist
Als unsere Natur genießen lernte
Wer dabei im Glauben noch glücklich ist
Mag es sein wem dies fremd ist der folge
Der Vernunft ohne das es noch um die
Immer von einem Lügner erfundene
Wahrheit noch geht die eine Kirche
Zu verkünden für sich in Anspruch nahm
Das Schisma war ein Streit der Kirche
Fern scheint er uns heute eigentlich
Und doch liegt dort die Basis erst
Des modernen Menschen und seines
Denkens wie der Menschenrechte
Weil auch Rom irren konnte
Kompromisse mühsam suchte
Es war ein theologischer Konflikt
Kein politischer der dem zugrunde lag
Sich daran heute zu erinnern
Kann helfen die Freiheit zu würdigen
Dort liegt auch die Antwort auf viele
Politische Fragen unserer Zeit in der
Manche wieder Angst schüren um
Ihre Ideen durchzusetzen mit einer
Absolutheit als gäbe es eine Wahrheit
Nicht nur die Suche nach einem für
Alle erträglichen Kompromiss denn
Auf nichts als Kompromisse kommt es
Am Ende an miteinander auszukommen
jens tuengerthal 17.5.2016
Kulturgeschichten 228
Aufklärungsliebe
Aufklärung ist Befreiung aus der
Selbstverschuldeten Unmündigkeit
Schrieb und begründete Kant 1784
Eigentlich schrieb er Ausgang aus
Und meinte damit davon loskommen
Indem wir uns selbst ermächtigen
Sapere aude forderte er uns auf
Wage zu wissen dabei unseren
Verstand zu nutzen statt zu trauen
Selig leben wir in unserer immer
Mehr Unwissenheit und geben
Dafür was uns angeht lieber ab
Die Gesellschaft lebt bis heute
Davon wie gern wir unmündig sind
Und nennt es Arbeitsteilung
Ist Unmündig wer sich nicht seines
Verstandes bedient sondern lieber
Unternehmen wie Google vertraut
Oder ist die Suche nach Wissen
Über das Netz schon Aufklärung
Die wir mündig nutzen müssen
Selbstverschuldet ist es danach
Wenn wir nicht zu doof sind
Sondern nur zu faul zu denken
Aufklärung ist also Mut haben
Selbständig zu denken statt
Erwartbares nur widerzukäuen
Nur ist diese Befreiung ein Glück
Oder ist sie eher eine Belastung
Weil sie etwas von uns fordert
Wann sind wir wirklich frei
Sind wir nicht immer natürlich
Von unserer Umgebung geprägt
Wer weiß wie die Geräte noch
Funktionieren die uns im Alltag
Leiten und führen ohne Freiheit
Was heißt also den Mut haben
Heute und wie wäre danach
Der Wahlspruch der Aufklärung
Misstraue lieber Google um dafür
Dir mehr zu trauen gegen das uns
Fesselnde System der Ökonomie
Ist freier wer viel hat oder eher wer
Wenig hat und nichts braucht um
Mit sich glücklich zu sein
Kommt es für die Aufklärung mehr
Auf die äußeren Umstände an
Oder nur unsere Haltung dazu
Es begann die Debatte damals
Zu der sich zuvor Moses Mendelsohn
Klug äußerte beim Thema Ehe
Etwas das von Liebe getragen sein soll
Ob die Kirche oder der Staat zuständig
Die Zivilehe allein künftig zähle
Heute zählt nur noch die Zivilehe
Kirchlicher Hokus Pokus ist privat
Eigentlich die beste aller Welten
Wir wählen ein Gefühl statt Vernunft
Einen Lebensbund zu begründen
Und haben mehr Scheidungen als je
Kann es bei der Aufklärung noch
Um Glück gehen oder ist dieses
Keine hierfür taugliche Kategorie
Was wäre etwas wert wenn es uns
Nicht glücklicher machte wie damit
Befriedigung und Zufriedenheit schenkte
Ist die Befreiung bereits ein Glück
Ohne dass es mehr noch bedürfte
Oder ist ohne Liebe alles nichts
Wenn Liebe tiefste Zuwendung ist
Fragt sich wie diese unfrei sein soll
Also Aufklärung ihre Bedingung ist
Ist die Befreiung durch Aufklärung
Der Schlüssel zum Glück erst
Weil wir nur so lieben können
Wo Liebe nur ein Gefühl wäre
Käme es nicht auf den Willen an
Wir blieben dabei logisch unfrei
Wenn was uns glücklich macht
Unfreiheit brauchte um zu sein
Wäre Freiheit nur eine Illusion
Vielleicht ist Glück weniger alternativ
Als vielmehr kumulativ gäbe erst
In Summa das große Glück
Dennoch lieben viele glücklich
Ohne zu wissen was sie tun
Weil es unsere Natur ist
Sind Aufklärung und Liebe je
Vereinbar oder war darum auch
Die Romantik die Gegenbewegung
Wie bringen wir das Bedürfnis nach
Glück mit der Vernunft in Harmonie
Warum ist es wichtig beides zu sein
Geht es immer um Liebe und Freiheit
Bei der Suche nach dem Glück
Wie bleiben wir frei und glücklich
Wie liebt der Aufklärer ganz real
Was bleibt ihm an Vernunft dabei
Ist das die große Freiheit
jens tuengerthal 17.5.2016
Montag, 16. Mai 2016
Kulturgeschichten 0224
"Es ist ausgeschlossen, dass alle Verhältnisse gut sind, solange nicht alle Menschen gut sind, worauf wir ja wohl noch eine hübsche Reihe von Jahren werden warten müssen."
Dies und die folgenden aus Thomas Morus, Utopia
"Setzt Schranken gegen die Aufkäufe der reichen Besitzer und gegen die Freiheit gleichsam ihres Monopols!"
Wo findet sich mehr Gezänk als unter den Bettlern?"
"Gerade den besten Gesetzen der Vorfahren geben wir leichten Herzens den Abschied."
"Und gewiß ist es ganz natürlich, daß einem jeden seine eigenen Einfälle zusagen. So findet der Rabe ebenso wie der Affe am eigenen Jungen seinen Gefallen."
Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, sagte einst der jüngst verstorbene große Sozialdemokrat Helmut Schmidt, was verständlich macht, warum er den meisten in seiner Partei trotz nachträglichem Lob immer fremd blieb, denn wer keine Visionen von einer besseren Gesellschaft hat, wird vermutlich kein Sozialdemokrat und was ist die Idee der Sozialdemokratie anderes als eine Vision, die Totgeburt Sozialismus mal hier beschwiegen, die kaum einer noch ernsthaft erstrebt - war der Sozialismus eine Utopie oder eine Vision?
Die Unterscheidung verwischt sich im Alltag eher, teilweise werden sie parallel gebraucht, wobei die Utopie eine bewusst fiktive Gesellschaftsordnung ist, während die Vision auch auf konkrete Ziele gerichtet sein kann, die realisiert werden sollen. Utopie kommt vom griechischen outopos, was nicht oder kein Ort heißt, während die Vision auch religiös oder nur konkret sozial sein kann. Der Sozialismus war, schauen wir uns die gewesenen Versuche der Realisierung an, immer nur eine Utopie, nicht wirklich realisierbar, auch wenn es kleine Gegenbeispiele gibt, wie etwa Klöster, Kibuzze und ähnliche Gemeinschaften, die auf Eigentum keinen Wert legen, was aber immer nur ein Teilbereich des vom Marxismus geprägten Weltbildes in seiner materialistischen Beschränkung war. Lange wichtig, aber inzwischen eher so erledigt, dass es wichtiger wäre, darüber nachzudenken, was alternativ realisierbar wäre und dabei menschlich ist, was dem Sozialismus in seinen staatlichen Varianten real eher nie gelang, auch wenn es an den Umständen lag.
Der erste, der eine Utopie als Gesellschaftsentwurf aufstellte, war Thomas Morus, der zwischendurch Lordkanzler von England, den es den Kopf kostete, dass er unter Heinrich VIII. seinem katholischen Glauben treu blieb, was ihn zwar später zum Heiligen und Märtyrer machte, ihm im Leben aber auch nicht mehr brachte, als die Hochachtung danach, für das ungewollt so verkürzte.
Am 16. Mai 1532 trat Thomas Morus vom Amt des Lordkanzlers zurück, um weiteren Konflikten mit Heinrich VIII. aus dem Weg zu gehen.
Geboren wurde er noch als Thomas More, Sohn des Anwalts und Richtes John More und seiner Frau Agnes. Thomas besuchte zunächst die Lateinschule und leistete ab seinem 12. Lebensjahr Pagendienste am Hof des Lordkanzlers und Erzbischofs John Morton von Canterbury, der ihn für zwei Jahre mit einem Stipendium nach Oxford schickte, damit er Latein und Griechisch dort studiere. Diese hohe Gelehrsamkeit war angesichts der sich im Norden erst langsam durchsetzenden Renaissance noch umstritten und wurde von Thomas Vater nicht gerne gesehen. Ab 1496 besuchte der da 17jährige Thomas die Rechtsschule Lincoln’s Inn, schloss sie 1501 mit dem Examen ab und begann Verse zu schreiben und zu lehren, woran sich wieder zeigt, die besten Juristen sind Dichter, wenn auch nicht alle guten Dichter solche waren, ist die Häufung doch erstaunlich.
Als erfolgreicher Rechtsanwalt und Unterhändler wurde er ab 1504 Parlamentsmitglied. Erstes Aufsehen erregte er mit seinem Widerspruch gegen die Steuererhöhung König Heinrichs VIII. - er überlegte, bevor er selbst heiratete, Mönch zu werden und lebte lange als Laie in der Londoner Kartäuserkomunität. Doch dann verheiratete John sich sogar zweimal, seine erste Frau starb nach sechs Jahren und ließ ihn mit drei Töchtern und einem Sohn alleine und die zweite brachte noch eine Tochter in die Ehe mit, bekam dann aber keine eigenen mehr. Seine zweite Frau stammte aus der Familie Middleton.
Ab 1510 wurde Morus für acht Jahre einer der beiden Unterscherriffs von London und lehrte am Lincoln’s Inn Recht. So wurde Heinrich VIII. auf ihn aufmerksam und schickte ihn auf diplomatische Missionen. Während die Karriere in königlichen Diensten begann schrieb er 1516 sein erstes und berühmtestes Buch Utopia. Ein Jahr darauf trat er ganz in den Dienst des Königs, wo er 1521 während der Londoner Mai Unruhen vermitteln durfte und im selben Jahr auch darum zum Ritter geschlagen und Parlamentssprecher wurde.
Als Gegner Luthers half er Heinrich eine Arbeit über diesen zu schreiben, die dem König noch den päpstlichen Titel Verteidiger des Glaubens einbrachte. Seine eigenen Schriften zum Thema wurden europaweit gelesen. Der Katholik Morus engagierte sich dabei sehr für die Bildung der Frauen und ließ seinen Töchtern die gleiche Ausbildung zukommen wie seinem Sohn. So galt seine älteste Tochter Margaret Roper als eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit überhaupt, korrespondierte auch mit Erasmus von Rotterdam und ihr späterer Ehemann wurde der erste und wichtigste Biograf des Vaters.
Für sein großzügiges Denken war er längst berühmt, so ernährte er während einer Hungersnot hunderte von Menschen aus eigener Tasche und entließ trotz mangelnder Arbeit keinen seiner Landarbeiter.
Als sich Heinrich VIII. schließlich von Katharina von Aragon scheiden lassen wollte, mit der er nur eine Tochter hatte, die spätere Bloody Mary und Vorgängerin der großen Elisabeth, der Papst dies aber nicht genehmigen wollte, musste der damalige Lordkanzler Thomas Wolsey, der Erzbischof von York war, zurücktreten. An seiner Stelle wurde nun Thomas Morus berufen. Dieser war jedoch nach seiner Kenntnis im Kirchenrecht davon überzeugt, dass über eine Anulierung nur der Papst entscheiden konnte, eine Scheidung war nicht vorgesehen.
Papst Clemens VII. als Renaissancepapst hätte dem sicher zugestimmt, gegen Zahlung von genug moralischem Ablass, jedoch war dieser seit dem Sacco di Roma wiederum in der Hand von Karl V, der selbst ein Neffe Katharinas war, König von Spanien und damit Nachfolger der Familie derer von Kastilien und Aragon und der wollte der Scheidung nicht zustimmen aus machttaktischen Gründen.
Nach der Ablehnung durch den Papst reichte es Heinrich, der endlich Anne Boleyn heiraten wollte, die Mutter von Elisabeth I., die ihn bis zur Hochzeit gerüchteweise nicht ranließ, auch wenn er sie später wieder aus wilden Gründen hinrichten ließ - er machte sich selbst zum Oberhaupt der Englischen Kirche und den Geistlichen wurde vorgeschrieben den sogenannten Suprematseid auf den König zu leisten und diesen damit als weltliches und geistliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche anzuerkennen.
Morus brauchte diesen Eid als Laie eigentlich nicht leisten, legte aber dennoch bald darauf sein Amt als Kanzler lieber nieder, statt einer aus katholischer Sicht sündigen Regierung weiter zu dienen. Einige Jahre später jedoch wurde er noch einmal aufgefordert auf eine verschärfte Variante dann den Eid zu leisten, der dem Papst den Gehorsam verweigerte und Heinrich als obersten Kirchenherren anerkannte.
Gemeinsam mit dem Bischof von Rochester weigerte er sich diesen Eid abzulegen und wurde dafür im Tower eingekerkert. Im Prozess wurden die beiden katholischen Eidverweigerer zum Tode verurteilt, das Morus gelassen hinnahm - zuvor hatte er schon seine Grabinschrift verfasst und sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Thomas Morus wurde im Alter von 57 Jahren zum Tod auf dem Schafott verurteilt. Eigentlich wäre die übliche Todesart für nichtadelige Hoverräter Hängen, Ausweiden und Vierteilen gewesen. Der König ließ das Urteil jedoch in bloße Enthauptung ohne vorherige Folter umändern. Ein Monat lang wurde danach noch sein Kopf auf der London Bridge ausgestellt, von der ihn erst seine hochgebildete Tochter Margaret gegen eine ordentliche Bestechung abholen konnte.
Thomas Morus gilt als einer der gebildetesten Männer seiner Zeit. Stand in ständiger Korrespondenz mit anderen Geistesgrößen wie Erasmus von Rotterdam, machte den Lurkez in England bekannt und erledigte als hervorragender Administrator sämtliche anhängen Gerichtsfälle seiner Zeit, was es noch nie gegeben hatte. Er setzte sich konsequent für die Autorität des Heiligen Stuhls ein, focht aber daneben auch für ein menschliches und von Toleranz geprägtes Miteinander, wie er es in Utopia beschrieb, ließ aber andererseits auch konsequent die Anhänger der Reformation und Luthers verfolgen und verbrennen.
In seinem bekanntesten Werk, eben Utopia, das vollständig Von der besten Verfassung des Staates und von der neuen Insel Utopia heißt, entwirft er eine gesellschaftliche Vision, die in vielem späteren kommunistischen Ideen entsprach, zumindest da Eigentum an Grund und Boden sozialisierte für die Gemeinschaft. Es bekäme auf dieser idealen Insel jedeman Bildung und genösse weitgehende religiöse Toleranz.
Neben seinen Werken, die in Leiden erschienen, blieb seine moralische Standfestigkeit in Erinnerung, die er schließlich mit dem Leben bezahlte, auch wenn der König noch versuchte, ihm Tore des Entweichens zu eröffnen.
Nach Morus’ Tod fand Erasmus von Rotterdam die rühmenden Worte:
„Thomas Morus, Lordkanzler von England, dessen Seele reiner war als der reinste Schnee, dessen Genius so groß war, wie England nie einen hatte, ja nie wieder haben wird, obgleich England eine Mutter großer Geister ist.“
Gerüchteweise soll sich der immer humorvolle Morus diesen Sinn auch bis zu seiner Hinrichtung bewahrt haben und den Henker gebeten haben, typisch englisch, doch bitte seinen Bart bei der Enthauptung nicht zu verletzen, da dieser nicht wegen Hochverrats verurteilt worden sei.
Thomas Morus wurde 1886 selig und 1935 heilig gesprochen. Diese Heiligsprechung wurde von einigen Seiten als Widerstand gegen das NS-Regime gesehen, das sich nicht an die Vereinbarungen des Konkordats hielt und Menschen massenhaft diskriminierte. So interpretierten einige die Heiligsprechung als Aufruf zum religiösen Widerstand gegen totalitäre Herrschaft. Er wurde zum Patron der Politik und ist der junger katholischer Gemeinden wie Studentengemeinden in Deutschland.
Ein Politiker, der so moralisch handelte, auch wenn seine konservativ katholische Sicht heute fremd erscheinen mag, verdient noch immer höchsten Respekt. Nicht warum er in den Tod ging, eine lächerliche Lapalie, wie viele falsche Eide wurden verzeihlich geschworen und das Leben dieses klugen Kopfes zu retten, wäre jeden Meineid wert, will ich sagen und halte doch inne - genau, weil er dies nicht tat, erscheint er uns moralisch in seiner Konsequenz. Dabei ein im Sinne der Renaissance aufgeklärt denkender Mann, der seinen Töchtern eine Bildung schenkte, die zu dieser Zeit noch ungewöhnlich war, auch waren katholische Kreise nicht unbedingt dafür bekannt, viel für die Emanzipation der Frauen getan zu haben, doch Morus ist hier ein sogar heiliges Gegenbeispiel, auch wenn er eher an Sokrates und seinen Schierlingsbecher erinnert als an sonst kirchliche Heilige.
Ein Humanist und Visionär, der es wagte die Utopie einer idealen Gesellschaft vorzudenken, nach der wir immer noch suchen und der über seine Kreise weit hinaus dachte, damit etwas bleibendes schuf. Muss wirklich jeder, der Visionen hat, zum Arzt gehen oder braucht es mehr davon, um jenseits der täglichen Pragmatik mit immer mehr angeblich alternativloser Politik, noch Ideen zu folgen und mit ihnen zu gestalten?
Was braucht das heutige Europa an Visionen, um wieder zum Ideal mehr zu werden, denn zum Hassobjekt der Kurzsichtigen, die ihre Chance nicht begrifen?
Manches entspricht heute dem morusschen Ideal, anderes scheint weiter davon entfernt als je - wir leben in der freisten Gesellschaft, die es in Europa bisher gab und wir sind zugleich in allen Abhängigkeiten unter dem Diktat der Zertifizierung und des Geldes, die unfreiste.
Woran liegt das und wo muss an der Stellschraube der Freiheit gedreht werden damit die Vision unserer Zukunft eine positive Utopie wird?
Was verliert, wer keine Utopien mehr hat?
Warum lohnt es sich auch, verrückten Ideen zu folgen, um Gedanken zu entwickeln?
Was braucht Europa um freier zu werden vom Geld?
Worin liegen die europäischen Werte jenseits des Marktes?
Wie sicherte Utopia seine Grenzen?
jens tuengerthal 16.5.2016
Wortzärtlich
Es ist so schön einfach wortzärtlich
Miteinander zu sein um sich zu sagen
Wie schön die Liebe ist die dabei
Miteinander spürbarer wird
Säuselnd liebevoll verliebter Umgang
Ist die Basis das Glück zu halten
Vielleicht mehr als alles was ist
Erkennt es das Glück miteinander
Ineinander wie verschlungen dabei
So ist es vielleicht nur der Ton
Der die ganze Musik macht
Die zwischen zweien klingt
Eine Liebe trägt
Und über die Zeit spielt sie
Das Lied über die Einsamkeit hinweg
Was sie zueinander singen lässt
Genießen wir das Glück der Harmonie
jens tuengerthal 16.5.2016
Nachteinsamkeit
Deinen Duft wie deine Haut
An meiner mehr vermissen
Jenseits aller Lust einfach
Dich im Arm halten wollen
Ist so schmerzvoll wie schön
Schmerzvoll weil du fehlst
Schön weil es das Gefühl
So groß spürbar macht
Manches scheint im Dunkeln
Uns viel größer als es ist
Gauckelt uns mit Schatten
Nur etwas geträumtes vor
Gefühle aber werden nun
Erst unabgelenkt spürbar
Träume dich in meinen Arm
Glücklich voller Sehnsucht
Rein zu spüren was Tags
Nur eine Idee von Liebe
Ganz real zu sein scheint
Im beleuchteten Dunkel
Der ungeteilten Nächte
So fehlt in der Einsamkeit
Was darum mehr da ist
Im Paradox der Liebe
Was immer es ist
jens tuengerthal 16.5.2016
Sonntag, 15. Mai 2016
Kulturgeschichten 0233
Viele Jahrhunderte wurden in Europa Glaubenskriege geführt und weit sind wir davon auch jetzt nicht, wenn entfesselte Pegiden und rechstradikale Islamhasser des AfD gegen Muslime hetzen, um den Frieden im Land zu ihrem Vorteil zu gefährden. Sie wollen mit ihren Vordenkern von Rechtsaußen festgestellt haben, der Islam verblöde und sei in einen modernen Staat nicht integrierbar.
Was für das Christentum vor 650 Jahren galt, hat keiner von ihnen beantwortet, auch nicht warum der zufällige regionale Aberglauben mehr sein sollte als eine alte Gewohnheit, die gepflegt wird wie in Bayern der Schuplattler oder in Friesland das Platt. Auch weiß vermutlich keiner der dummen Hetzer, dass die erste medizinische Fakultät Europas in Neapel ein Kind Friedrichs II. ist, des Staufers aus Sizilien, der sie mit dem Wissen im regen Austausch mit arabischen Ärzten errichtete, die in Sizilien wie die Griechen selbstverständlich neben den übrigen dort lebten, seien sie nun Schwaben oder Normannen.
Unsere Zahlen mit denen der starrsinnige Ökonom Thilo Sarrazin so gerne schön rechnete, als er noch Finanzsenator zu Berlin war, sind arabischen Ursprungs, aber natürlich folgt daraus, dass den Arabern das logische Denken schon genetisch nicht liege. Manchmal frage ich mich, ob manche Deutsche in den Bereichen Toleranz und Humanität einen schweren Gendefekt haben, der schon aus dem Erbgut stammt, von Generation zu Generation wieder neue schaurige Blüten der Dummheit ab, so nachweislich dumm er ist.
Dies sage ich, auch wenn sicher kein Multikulti-Fan und Kenner wie Freund der abendländischen Kultur und Freiheit eher, die sich heute bewusst von fundamentalistischen Dogmatikern abgrenzt, weil ihr Denken aus einer anderen Zeit stammt. Der Aberglaube stirbt langsam aus, zeigt auch in unseren Traditionen nur noch letzte Zuckungen, weil die Dummheit eben schwer auszurotten ist, doch der Sache nach, hat es sich erledigt, ist der Absolutheitsanspruch absurd geworden, hält nur noch die Tradition die Menschen in mehr oder weniger starken Fesseln.
Was die Welt derzeit erlebt sind letzte Gefechte sich aufbäumender Machtzentren, die ihrer Wirkung am Markt beraubt werden. Es dauert ein bis zwei Generationen, bis das kritische Denken fruchtet, beginnend oft in den Eliten, wandert es langsam weiter, spätestens, wenn sich die Menschen zu fragen beginnen, warum die Verhältnisse sind, wie sie sind. Das fragt sich jeder, der denken selbständig und kritisch lernt, statt eine Ordnung eingetrichtert zu bekommen, mehr hinterfragt. Wer es verbreiten will, muss Frauen und also künftige Mütter bilden und zum philosophischen Denken führen.
Wer sich von hier aus über den Orient erhebt, scheint sich seiner Geschichte nicht bewusst zu sein, wie kaiserliche Österreicher im Krieg gegen die Hussiten, diesen Köpfe und Hände abschnitten, auf der Karlsbrücke aufspießten und ans Tor zur Abschreckung für Jahrzehnte nagelten, bis sie abgefault vom Wind zerstreut wurden. Wie die Schweden den Gegnern einen Trunk aus dampfender Jauche mit Fäkalien per Schlauch und Trichter einflößten, um sie zu diskriminieren, wie Krankheiten zu verbreiten, effektiv zu quälen, amerikanische Kreuzritter auf ihrem Inselzipfel Kubas oder in Bagdad auf Araber pinkelten und sie ähnlich sexuell diskriminierten, um sie zu brechen, von den Spielen der Nazis und Russen in jeweils besetzten Gebieten im 2. Weltkrieg ganz zu schweigen, auch die Serben haben noch eine bunte Liste der Spielarten der Vergewaltigung an muslimischen Frauen noch in den 90ern des gerade vergangenen Jahrhunderts - gute orthodoxe Christen, die sich über muslimische Untermenschen erheben, um sie zu diskriminieren, ausprobierten, wie tief ein Gewehrlauf zwischen die Beine einer Frau geschoben werden kann, nachdem sie missbraucht wurde.
Besser ist scheinbar keiner, wenn es um den Aberglauben geht, manche sind schon etwas weiter und gelassener, aber Fundis gibt es überall, genau wie die Mehrheit eigentlich einfach nur gut leben will, statt sich für diesen Unsinn den Schädel einzuschlagen. Manchmal ging es nur am Rande um den Aberglauben, der bloß ein guter Aufhänger war, gegen die allgemeine Diskriminierung vorzugehen. So etwa im Bauernkrieg, in dem der plötzlich wieder einige Adel gegen aufständische Bauern mit aller Gewalt vorging.
Dabei wurde am 15. April 1525 nach der Schlacht bei Frankenhausen, die in einer völligen Niederlage des von ihrem Anführer zusammengerufenen Bauernhaufens endet, Thomas Müntzer, der eben Anführer und Reformator, gefangen genommen und nur eine Woche später am 27. Mai in Mühlhausen enthauptet. Zuvor wurde er noch auf Burg Heldrungen auf Befehl Georgs von Mansfeld in Gegenwart von Herzog Georg dem Bärtigen gefoltert. Er schrieb in Heldrungen seinen Abschieddbrief an die Bauern, in dem er diese dazu auffordert, alles weitere Blutvergießen einzustellen. Nach seiner Enthauptung vor den Toren Mühlhausens wurde sein Leib aufgespießt und sein Kopf zur Abschreckung auf einen Pfahl gesteckt.
Es sollte noch 124 Jahre voll blutiger Gemetzel dauern, bis sich die Religionen endlich im Frieden von Münster und Osnabrück auf einen friedlichen Umgang miteinander einigten. Dazwischen lag noch von 1618 bis 1648 der dreißigjährige Krieg, der Deutschland weitgehend verwüstete und bei dem Kriegsheere und Seuchen gemeinsam durch das gebeutelte Land zogen und der Achtzigjährige Krieg um die Befreiung der Niederlande von Spanischer Herrschaft.
Am 15. Mai 1648 schließlich beendete die feierliche Beschwörung des Friedens von Münster als Teil des Westfälischen Friedens nicht nur den Dreißigjährigen Krieg im ganzen Land sondern vor allem den Achtzigjährigen um die Niederlande, die sich in einen protestantischen freien Teil, die heutigen Niederlande, und einen katholischen spanischen Teil, das heutige Belgien etwa, teilen. Damit war die Unabhängigkeit der Niederlande endlich besiegelt worden.
Unterzeichnet war der Vertrag zwischen Spanien und den Niederlanden bereits am 30. Januar 1648 worden, viereinhalb Monate vor der Beschwörung in Münster. Diese fand im historischen Rathaus der Stadt statt. Mit der Anerkennung der Niederlande als souveräner Staat, scheiden diese aus dem Heiligen Römischen Reich aus.
Nicht ohne eine gewisse Komik dabei ist, dass die Hauptstadt Europas heute in den ehemals spanischen Niederlanden in Brüssel liegt, was auch als Hauptstadt, des im inneren tief zwischen Flamen und französischsprachigen Wallonen gespaltenen Belgiens noch dient. Dieses Problem wird versucht, mit Dezentralisierung zu lösen, mit bescheidenen Erfolgen, wie auch in Europa immer wieder nationale und regionale Kräfte gegen die zentrale Brüsseler Verwaltung aufmucken. Gerne halten alle die Hand für Brüsseler Gelder auf, wenig aber nur sind sie bereit, selbst etwas dafür zu tun, oder gar Privilegien für eine effektivere Verwaltung aufzugeben.
Es kämpfen die überall Lobbyisten gegen die Versuche europäisch einheitlicher Regelungen, wo sie sich durch sie gefährdet sehen und oft braucht es das Eingreifen neutraler Richter, um einen gemeinsamen Weg wieder zu finden. Manche Europäer fühlen sich, von den Einzelinteressen vertretenden Lobbyisten dazu aufgewiegelt, gegen Europa zu hetzen, von dem sie fast nur profitieren, das den Verbrauchern und Menschen in Europa mehr Rechte gewährt und ihre Freiheit auf dem ganzen Kontinent sichert. Wie naiv und schädlich das ist, kann am starken Zuwachs der Stimmen für rechtsradikale und europafeindliche Parteien bei Wahlen beobachtet werden, deren Abgeordnete ihre Politik der Destruktion aktiv weiter betreiben.
Der Frieden von Münster und die Niederlage des Bauernkämpfers Thomas Müntzer und seine folgende grausame Folterung und Hinrichtung sollte uns daran erinnern, wie gut Europa seinen Mitgliedern tut. Für Umverteilung des Reichtums sorgt, soziale und infrastrukturelle Projekte in allen Ländern finanziert, die kaum eine Gemeinde sich in Zeiten der neuen Sparsamkeit noch leisten könnte. Europa garantiert den Bürgern allen ihre Grundrechte und Freiheiten, sorgt für Freizügigkeit und den Schutz der Arbeitnehmer wie die Bedingungen eines Lebens auf einem offenen Kontinent ohne Grenzen, der friedlich miteinander lebt.
Diesen Schatz nach Jahrhunderten von Kriegen und Verwüstungen die Europa an den Abgrund des Elends brachten, können wir gar nicht hoch genug schätzen - schauen wir auf den Balkan, sehen wir, wie schnell die Menschen auch mitten in Europa wieder voller Hass und Brutalität aufeinander losgehen, gemordet und vergewaltigt wird. Wenn die Türkei nach Europa will, ist das wunderbar und zu begrüßen, weil es den Kontinent der Freiheit, der Freizügigkeit und der Herrschaft der Menschenrechte weiter ausdehnt. Das gleiche würde für Russland gelten.
Wer nach Europa will, muss sich dafür anpassen und sich an die europäischen Spielregeln halten. Das wird die Türkei unter ihrem gerade Sultan noch länger ausbremsen. Europa ist ein postnationales Gebilde, in dem die nationalen Eigenheiten nur noch kulturelle Bedeutung haben. Das macht manchen Angst, weil sie ihre und die Kultur nicht wertschätzen, pflegten sie diese besser und bemühten sie sich mehr, dieser einen Platz im einheitlichen Europa zu gewähren, würden sie merken, wieviel mehr Chance als Gefahr in Europa liegt, wenn wir es gemeinsam als vielfältigen Kulturraum gestalten.
Dabei gibt es immer wieder Probleme auch finanzieller Art, gerade bei denen, die lange Altlasten mit falschen Krediten schon mitschleppten, aber Probleme sind nur dazu da, gelöst zu werden. Wer einen offenen Raum will, in dem jeder überall leben und arbeiten kann, der Verkehr grenzenlos und der Warenverkehr frei ist, diesen riesigen reichen Markt nutzen will, wird sich um der Einheit willen, auch von manchen Gewohnheiten verabschieden müssen - wenn es absurd wird, wie bei den Vorschriften, die beinahe die großartige französische Käsevielfalt auch aus Rohmilch beseitigten, gibt es einen Aufschrei und einige Proteste, dann korrigiert der Tanker seinen Kurs und es geht gemeinsam weiter, es ist kein Grund, gegen Europa zu sein, sondern sich daran zu freuen, wie flexibel es auch sein kann.
Es sind immer noch die Probleme lächerlich, verglichen mit den Chancen, die Europa uns allen bietet, nutzen wir sie in Erinnerung der religiösen Kriege, an die am heutigen Pfingstsonntag gedacht wurde. Und überhaupt Pfingsten ist auch so ein seltsames Fest, aus jüdisch-christlicher Tradition kommend, 49 Tage nach dem Ostersonntag, wird die Entsendung oder Ausgießung des Heiligen Geistes gefeiert, unter dem sich in Europa kaum einer noch konkret etwas vorstellen kann. Ob das je jemand konnte oder es einfach nur geglaubt wurde, weil eben so festgelegt, dass der Heilige Geist zum jüdischen Fest Schawuot gedacht wird, wie das Christentum immer und überall, wo es sich ausbreitete, vorherige heidnische Feste sehr flexibel integrierte - wie bei der Wintersonnenwende, die Weihnachten wurde.
Schawuot als jüdisches Fest feierte die Offenbarung der Tora an das Volk Israel und gehört so zu den Hauptfesten des Judentums, der ältesten Schriftreligion. Es ist genau nach vollendeten sieben Wochen nach dem Pessachfest, also am 50. Tag. Es war gleichzeitig ein Entedankfest, da es den Abschluss, der mit Pessach beginnenden Weizenernte bedeutet. Auch im Neuen Testament wird von dem Hokuspokus erzählt, den es mit dem Heiligen Geist auf sich hat, so wäre ein Brausen vom Himmel gekommen, ihre Zungen hätten wie Feuer gebrannt und als alle vom Heiligen Geist erfüllt wurden, begannen sie in fremden Sprachen zu sprechen. Käme heute einer mit solchen Geschichten an, ihm würde vermutlich dringend eine Therapie geraten, ohne damit sagen zu wollen, dass religiös sein, eine Krankheit ist, aber doch einfach mal staunend.
In Berlin ist Pfingsten eher der Karneval der Kulturen, an dem Kreuzberg tanzt und feiert und seine bunte multikulturell vielfältige Identität zelebriert - was mehr, können wir uns wünschen am Tag des Friedens von Münster und der Gefangennahme Thomas Müntzers?
jens tuengerthal 15.5.2016
Liebeserklärung
Die Liebe erklären wollen ist Unsinn
Sie erklärt sich von selbst wenn sie ist
Wer mit der Liebe spielt verspielt
Sie schnell ohne Wertschätzung
Wem die Liebe alles war der geht
Wie Werther ohne wohl unter
Was ist schon alles wenn nichts
Mehr bleibt als virtuelle Existenz
Am Ende bleibt nichts mehr übrig
Als löschbare Datensätze davon
Darum erkläre ich mir meine Liebe
Lieber nicht wer weiß was bliebe
Lieber nicht mehr lieben um nicht
Verletzt zu werden ist auch Unsinn
Macht Liebe glücklich oder ist das
Nur eine Illusion mit weniger Freiheit
Kann mir die Liebe selbst nicht erklären
Wie sollte ich sie da jemand erklären
Von was ich nicht weiß muss ich
Schweigen ist in der Liebe eine Illusion
Unerklärlich schon erklärt bleibt immer
Mehr als gesagt irgendwo zurück
Wer es wagt könnte glücklich werden
Weniger gibt es immer überall noch
Schweigen wenn das Herz überläuft
Ist Unsinn unvernünftig wäre zu reden
Zwischen alles oder nichts bleibt viel
Manchmal auch nicht was immer es ist
Liebe lieber ganz oder gar nicht als halb
Im Leben leben viele es eher umgekehrt
Weiß nicht ob ich die Liebe erklären sollte
Wenn ich es doch so meine oder lieber nie
Vielleicht ist alles nur eine Illusion aber dann
Geht es noch mehr darum sie zu genießen
Kann die Liebe weder erklären noch nicht
Weil es nichts ist wo sie bei uns bleibt
Frage nicht mehr weiter nach dem möglichen
Sondern liebe lieber glücklicher als wäre es
jens tuengerthal 15.5.2016
ESC-Glück
Politisch geworden nicht mehr
Nur peinlich schlecht
Da wir doch Weltmeister sind
Exportweltmeister sowieso
Das Deutschland letzter wird
Woran sich Beliebtheit zeige
Ob es eine Frage der Qualität
Deutscher Meistersinger ist
Fragt hier keiner eher nur
Wird gemutmaßt es wäre
Die Qittung für peinlichen AfD
Der allen Nachbarn übel aufstößt
Freute mich wäre wirklich soviel
Sinn im Schlagerscheiß
Vielleicht war es wieder die
Peinliche Nachnominierung
Ohne Xavier Reichsdeutscher
Was ins selbe Horn stößt
Das Russland und die Ukraine
Konkurrieren zeugt sicher von
Der großen Demokratisierung
Dort und überhaupt zumindest
Wird mehr über Politik geredet
Als über schlechte Schlager
Was schon ein Wert an sich ist
Den Sängerwettstreit sollten wir
Künftig wieder den Heidehasen
Oder den Meistersingern aus
Nürnberg bei Bayreuth überlassen
jens tuengerthal 15.5.2016
Liebesfluchten
Kann zumindest liebevoll sein
Vor der Liebe fliehen ist es selten
Darum fliehe ich lieber weniger
Als ich mich flüchte ohne zu
Wissen wenn es sich nur
Richtig so anfühlt als gäbe es
Eine Lösung in der Flucht
Dabei ist sich lösen leichter
Als sich binden und doch
Ist es besser da zu sein
Als weg zu wollen vor dem
Was ist dabei warten wir nur
Darauf anzukommen wenn wir
Nicht fürchten es sei zu flüchtig
Vielleicht wären manche sogar
Glücklicher mit in statt vor
Weil die Furcht sich zu verletzen
Weniger gestaltet als der Wille
Miteinander zu sein wenn es ist
Was es ist was nur erfährt wer
Es wagt einfach zu lieben
Darum bin ich lieber furchtlos in
Als noch ängstlich vor was bleibt
Ist das Glück zu lieben
jens tuengerthal 15.5.2016
Kulturgeschichte 0222
Während Frankfurt heute an der Weser
Das Grauen der Niederlage in vorletzter
Minute erlebte noch um seinen Platz
In der Liga mit der Relegation bangt
Sei an die andere schwerste Niederlage
Der freien Reichsstadt erinnert die sie
Am 14. Mai 1389 in der Schlacht bei
Eschborn während der Kronberger Fehde
Im Städtekrieg erlitt gegen
Ruprecht II. von der Pfalz
Ulrich V. von Hanau
Sowie die Ritter von Kronberg
Die Fehde erlangte auch der Schlacht
Bei Eschborn wegen Berühmtheit die
Zur schwersten Niederlage Frankfurts wurde
Die wachsende Reichsstadt die sich
Aufgrund eines Privilegs selbst verteidigen
Durfte seit 1356 geriet zunehmend in
Konflikte mit benachbarten Adligen
Grundlage waren die Bündnisse
Mit den wetterauischen Reichsstädten
Friedberg Wetzlar und Gelnhausen
Die zu bewaffneten Bündnissen
Gegen den niederen Landadel führten
Dessen wirtschaftlicher Niedergang
In dieser Zeit begann warum die
Raubritter Kaufleute überfielen die
Auf dem Weg zur Messe in Frankfurt
Mit reichen Waren und Gütern waren
Die Stadt nahm dann entweder die
Fehde gegen die Adeligen auf oder
Verbündete sich mit ihnen was
Lange Fehden beendete zuvor hatte
Die Stadt in vielen Fehden bereits
Zahlreiche Burgen im Umkreis zerstört
Zwischen 1382 und 1425 war die Stadt
In 225 Fehden verwickelt bei denen
Sich viele Adelige auch verbündeten
Im Städtekrieg im Rahmen des
Schwäbischen Städtebundes dem
Frankfurt beigetreten war hatten sie
Bereits zahlreiche Niederlage erlitten
So wie Stuttgart heute mit Frankfurt
Im Abstiegskampf der Bundesliga
Unterlag die Schwaben bereits als
Absteiger feststehen während die
Eintracht zumindest noch eine
Chance auf Klassenerhalt hat
Vor der Schlacht bei Eschborn hatte
Frankfurt bereits die Niddabrücke bei
Nied abreißen lassen und die Burgen
In Bergen Bonames und Rödelheim
Mit Mannschaften verstärkt und die
Söldner brannten mal Wallau nieder
Dafür nahm die Gegenseite einige
Sachsenhäuser in den Weinbergen
Gefangen konnten aber noch nicht
Nach Sachsenhausen eindringen
Im Mai 1389 plante Frankfurt eine
Offensive mit einem Aufgebot von
2000 Bürgern sowie einigen Söldnern
Die zu dem Raubrittersitz Burg Kronberg
Gesandt wurden einem alten Gegner
Heute leben in Kronberg vornehmlich
Die reichen Bänker womit wir wieder
Fast beim Raubrittertum wären wenn
Dies auch von Frankfurt noch begrüßt
Heute wird weil Geld und Handel eben
Die Domäne der Stadt noch sind
Die Streitmacht Frankfurts bestand aus
Angehörigen der vornehmen Ratsfamilien
Mit ihren Knechten die Fußtruppen wurden
Von den einzelnen Zünften gestellt
Obwohl nur schwach bemannt unternahmen
Die Kronberger einen Ausfall und wurden
Dabei zurückgeschlagen und teilweise
Bereits gefangen genommen jedoch sandten
Sie in höchster Not noch einen Boten gen
Oppenheim zum Pfalzgrafen und während
Die Frankfurter nun einträchtig die Burg
Umschlossen wurden bereits 150 Gleven
Kurpfälzische Reiter gen Kronberg gesandt
Ein Gleven ist ein berittener Ritter mit
Etwa drei bis vier bewaffneten Männern
Um ihn als kleinste militärische Einheit
Auch die Hanauer schickten Hilfstruppen
Was schnell bekannt wurde warum die
Weitere Belagerung gefährlich wurde
Die Frankfurter schnell die Gefangenen
In die Stadt schickten und den Wald
Um Kronberg ein wenig verwüsteten
Am 14. Mai 1389 schließlich griffen die
Vereinigten Streitmächte von Pfälzern
Hanauern und Kronbergern die Stadt
Bei Eschborn mit 400 Reisigen an
Reisige waren im Mittelalter
Bewaffnete Reiter insofern damals
Reisen soviel wie Kriegsfahrt hieß
Wobei das städtische Aufgebot
Den Kronbergern und ihren Verbündeten
Mit deren Berufssoldaten unterlegen war
Als diese beim zweiten Angriff dann
Den Frankfurtern in den Rücken fielen
Ergriff das Frankfurter Fußvolk ängstlich
Bereits die Flucht worauf sie auch
Die Reisigen von dort mitrissen noch
Am Ende hatte Frankfurt 100 Tote
Sowie 612 Gefangene zu beklagen
War chancenlos unterlegen
Auch das Reichsbanner der damals
Schwarze Reichsadler auf rotem Grund
Ging verloren warum seitdem das
Stadtwappen der Weiße Adler auf rot ist
Es waren darum soviel mehr Gefangene
Als Gefallene in der Schlacht weil schon
Von Beginn an die Flucht regellos verlief
Mit Gefangenen zumindest Lösegeld
Noch zu erpressen war doch hatten sie
Noch Glück mit der einbrechenden Nacht
Dass die Kronberger nicht gleich die Stadt
Auch angriffen und nahmen dafür musste
Frankfurt 73.000 Gulden für die Gefangenen
An die Sieger alle zahlen und es dauerte
Über 100 Jahre die dafür aufgenommenen
Schulden wieder zu tilgen insgesamt betrugen
Die Schulden das doppelte des jährlichen
Einnahmen der Stadt die über keinerlei
Barvermögen verfügte darum war für
Frankfurt wichtig künftig ungestört Messen
Stattfinden zu lassen was durch Bündnisse
Mit den Siegern erreicht wurde warum
Die Stadt künftig mehr auf die Macht
Des Geldes setzte und Fehden vermied
Das Kunstwerk Schiefer Wald mit 26
Schief gepflanzten Bäumen auf dem Feld
Bei dem die Schlacht stattfand erinnert
Seit 2014 in Schieflage an die Niederlage
Frankfurt hat keine Streitmacht mehr
Wird wie das ganze Land nur von außen
Von der Bundeswehr verteidigt und auch
Fehden finden nur noch zwischen Gangs
Von Rockern und Verbrechern statt
Der Landfriede hält inzwischen gut
Raubritter residieren nur noch in den
Glänzenden Hochhäusern und betrügen
Nur den Staat um Steuern wie ihre
Kunden um das große Geld
Mit dem der Staat sie spielen lässt
Um seinen Anteil zu bekommen
Sie tragen eher Anzüge als noch
Ritterrüstungen und haben in ihren
Limosinen mehr Pferdestärken als
Ein ganzes Ritterheer aufbot
So geht es in Frankfurt immer noch
Um das große Geld das seinen
Einfluss im Staat wacker verteidigt
Ob das soviel besser ist möge
Die Nachwelt entscheiden zumindest
Sterben beim Geschäft hier weniger
An Kriegen wird anderswo verdient
jens tuengerthal 14.5.2016
Samstag, 14. Mai 2016
Bremerliebe
Gerade heute ganz besonders
Auch wenn ich nur mal vor bald
46 Jahren da geboren wurde nur
Ein Jahr in der Stadt mit Roland
Rathaus Schütting Sögestraße
Schnorr Bürgerpark Hafen und
Weserstadion gelebt habe was
Eigentlich wenig ist nüchtern
Betrachtet doch gerade läuft mir
Das Herz über voller Zuneigung
Zu meiner Geburtsstadt der doch
Irgendwie spröden eher nüchternen
Hanseatin im feucht kühlen Norden
Denke daran wie ich mein erstes Jahr
An das ich mich nicht erinnere
Am Osterdeich verbrachte ganz nah
Dem Weserstadion und wie mir die
Mannschaft von Werder Bremen immer
Gefühlt nahe war ohne näheren Grund
Nicht weil sie besonders gut spielten
Noch das mich Fußball sonderlich
Eigentlich interessierte sonst
War noch nie im Stadion und werde
Vermutlich auch nie hingehen
Viel zu viele Menschen auf einmal
Aber gerade hat Werder Bremen
Seine Erstklassigkeit gerettet
Noch dazu gegen Eintracht Frankfurt
Wo ich doch viele Jahre länger lebte
Und doch geht mir das Herz auf
Über die bescheidenen Hanseaten
Die Spieler die bei den Bayern dann
Karriere machten oder sonstwo
Mit großem Applaus begrüßten
Nicht wie beim BVB einfach alle
Die gingen auspfiffen weil es nur
Eine wahre Liebe geben könne’
Bescheidenheit und Würde zeichnet
Die Hanseaten aus die nun diesen
Nichtabstieg feiern als seien sie
Gerade Meister geworden
Und da schlägt mein Bremerherz
Hoch und ich freue mich mit
Bescheiden und still von Berlin aus
Gut gemacht Werder
jens tuengerthal 14.5.2016
Theatererotik
Wir wurden in die 3. Etage gebeten, bevor wir in den als Café mit erotischen Bezügen inszenierten Raum gelassen wurde, der weitgehend dunkel zunnächst blieb, bis auf die brennenden Teelichter in den Gläsern auf den Tischen und so schon eine spezielle Club Atmosphäre kreierte. Schick machen sollten wir Zuschauer uns, in Abendgaderobe erscheinen und so folgte ich dem Wunsch der Darstellerin und kam im Anzug, auch wenn ich mich ein wenig verkleidet fühlte, schuf diese Situation schon eine sinnliche Stimmung besonderer Art.
Gut angezogene Menschen, die sich zum Thema Erotik zusammensetzen und darauf warten, was das Thema wohl mit ihnen macht - das hatte schon einen Kitzel, wie der beobachtende Flaneur beim Blick in die Runde immer wieder feststellte, wenn Blicke länger als gewöhnlich hängenblieben. All das war eine wunderbare Vorbereitung und alle waren gespaannt, was käme.
Marie Golücke saß auf einem Ikea-Tisch inmitten bereits als wir hereingelassen wurden und murmelte etwas, vor sich hin, was in der Unruhe des Ankommens noch nicht verstanden werden konnte. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch angezogen, sprach Sätze aus dem Manifest der Erotik, wie die Zuschauer erst später, als sie es entrollte und vorlas begriffen.
Bald spielte der Tisch unter Marie seine große Rolle, wurde ihr zur Basis einer bis zum Wahnsinn getriebenen Wiederholung von etwas, das nach einer Yoga-Übung aussah, die sie mit tiefer hängendem Kopf an einem Ende durch stetes Aufschlagen ihres Hinterns zum Höhepunkt bringen sollte, während sie das Mantra von The Erotism stets wiederholte.
Lesungen, ein kurzer Filmeinspieler, eine Talkshow aus der Büchse und eine schöne Beteiligung des Publikums, die zu einer wunderbaren Inszenierung mit der schließlich doch ganz nackten Marie Golücke führte, beschlossen die erotische Performance, die uns Grenzen zeigte und sie zugleich überschritt, wie sie infrage stellte. Eine starke, sehr präsente Marie trägt diese Performance, die zum nachdenken sicher anregte, aber weit darüber hinaus auch eine seltsam erotische Spannung schuf, von der sich mancher noch fragt, ob sie sich wieder auflöst, wenn wie und worin und wo die Erotik letztlich bleibt.
Können wir uns der Erotik intellektuell nähern oder ist schon dieser Vorgang absurd?
Was löst die intellektuelle Auseinandersetzung mit Erotik in uns aus?
Zum Abschluss die Beschreibung der Performance von deren Facebookseite, die den Anspruch sehr schön beschreibt, um den es in dieser Performance geht, die ein sehr empfohlenes Erlebnis ist, wer kann, gehe hin und verkleide sich in Abendgaderobe, der Stimmung wegen, es lohnt sich und Marie Golücke ist immer wieder stark und beeindruckend.
“Erotik wird in der Regel mit Sexualität und Pornographie in Verbindung gebracht. Medial werden wir mit sexualisierten Bildern überschwemmt, Intimität wird beleuchtet, verhört und seziert. Die vermeintliche Offenheit kaschiert die nach wie vor bestehende große Unsicherheit und auch das Unwissen in Bezug auf Sexualität und Erotik. Eigene Phantasien finden kaum Raum, sich zu entwickeln.
Doch was ist Erotik eigentlich und welche Rolle spielt sie? Marie Golüke versucht dieser Frage in ihrer installativen Performance THE EROTISM nachzugehen und erstellt eine erotische Momentaufnahme aus intellektueller, medialer und vor allem persönlicher und individueller Sichtweisen. Ausgehend von Erotik als ein Paradox aus Schönheit und Zerstörung wird sie in erster Linie als eine innere Erfahrung verstanden, die zuerst bei sich selbst gesucht werden muss, bevor sie mit anderen geteilt werden kann.
Die Zuschauer werden gebeten, in Abendgarderobe zu erscheinen, um eine dem Abend entsprechende Atmosphäre zu kreieren. Im Anschluss an die Performance gibt es die Möglichkeit, zu einem Gespräch mit der Performerin zum Thema Erotik und deren Zuschreibungen.
Marie Golüke studierte Theaterwissenschaft an der LMU-München und Performance Studies an der Universität Hamburg. Ihren inhaltlichen Schwerpunkt legt sie vermehrt auf die Erforschung von Erotik, Sexualität in Verbindung mit Philosophie, Kunst und Kultur. Sie beschäftigt sie sich mit der Darstellung von Erotik, Sexualität und BDSM auf der Bühne. Unter anderem arbeitete sie zu diesen Themenfeldern mit Felix Ruckert und RP Kahl und modelt seit Jahren leidenschaftlich gerne für die künstlerische Aktfotographie.”
Karten gibt es unter www.ballhausost.de Telefonnnummer: 030 / 44049250
Liebestraum
Ist die Liebe nur ein Traum
Der im Alltag schnell verfliegt
Von Eifersucht und Missgunst
Verdrängt getrieben von Angst
Zu kurz zu kommen am Ende
Verlieren und vertreiben wir
Was wir lieber traumhaft hielten
Oder ist wenn Misstrauen schon
An die Stelle von Zuwendung trat
Längst keine Liebe mehr da
Wüsste ich es könnte ich sagen
Was die Liebe wirklich ist doch
Weiß ich nichts davon nochnoch
Verstehe ich die Frauen je
Liebe nur wie ich bin
Was bleibt will liebend gönnen
Alles andere verschwindet einfach
Denke ich und möchte doch halten
Was nie zu halten ist
Wenn es nicht da ist
Warum lieben wir nicht einfach
Sondern zu oft kompliziert
Betrachte es und wundere mich
Vielleicht ist es nur Liebe
Wenn es Umwege nimmt
Und am Ende alles ein Traum
Bleibe nur Zauber der Worte
jens tuengerthal 13.5.2016
Freitag, 13. Mai 2016
Erotik
Außer der Anziehung von
Zweien die sich dann gern
So schnell wie nur möglich
Ausziehen oder auch mal
Ganz langsam um mehr
Von der Sinnlichkeit noch
Miteinander zu haben in
Sinnlicher Stimmung
Ansonsten ist es wohl
Immer anders wie wir
Durchschnittliche Erotik
Wird nicht mehr als sie
Sonst ist übersinnliche
Anziehung dagegen lässt
Uns manchmal schweben
Auch wenn es Unsinn ist
Hormone im Körper tanzend
Ruckartige Bewegungen oft
Geschmeidig zugleich suchend
Schnell und langsam
Mal so mal anders
Überall gerne und
Eigentlich alles
Wenn wir es wagen
Ein Wunder die es ja
Bekanntlich nicht gibt
Außer für Gläubige
Bin ich also ein Gläubiger
Der Erotik fragt sich nur
Wer Schuldner dabei ist
jens tuengerthal 13.5.2016
Kulturgeschichten 0221
Ansteckung macht uns Angst
Gerne schieben wir was krank
Entzündet eitrig von uns weg
Um bei voller Gesundheit weiter
Miteinander zu tun als gäbe es
Krankheiten nicht stürben die
Moribunden in einer Parallelwelt
Wie auf dem Zauberberg wo
Wenn eben mal einer wieder
Ausgehustet hatte und auch der
Letzte Ballon Sauerstoff ohne
Folgen fürs Heil vernascht wurde
Während Europa unten im Tal
Vom Kaiserreich in den Weltkrieg
Von Sterbenden nahezu unbemerkt
Stolperte weil letzte Humanisten
Mit warnendem Ton echolos blieben
Bei Castor und Pollux dort in einem
Der russischen Lust hingegeben
Zumindest im Faßnachttraum
Der seine Ende vor Verdun fand
Womöglich oder nie ankam
Doch wer will von Tod und Krankheit
So genau noch wissen denn auch
Die Schwarzwaldklinik faszinierte mehr
Mit Liebe und Sehnsucht als Infektion
So schoben sie auch in Berlin noch
Die Siechen und Kranken lieber
Wieder vor die Mauer nahe der
Immerhin sie aber ihnen ein Heim
Errichteten am 13. Mai 1710 wurde
Auf Befehl des zum König da schon
Mutierten Kurfürsten Friedrich I. draußen
Vor dem Spandowschen Tore mit der
Errichtung eines Quarantänehauses
Begonnen der späteren Charité
Charité was französisch ist auch ohne
Hugenotten heißt Nächstenliebe und
Barmherzigkeit dazu wurde das als Pesthaus
Gegründete Siechenhaus bald umfunktioniert
Zunächst wollte doch der König in Berlin
Für die grassierende Pest gerüstet sein
Welche schon Ostpreußen teilweise
Entvölkerte nun sich der Mark näherte
Jedoch war die Vorsorge diesmal größer
Als die kranke Realität kam die nur oben
An der Uckermark Brandenburg streifte
Während Berlin mit neuem Siechenhaus
Diesmal verschont blieb und da das bereits
Errichtete Lazarett nicht benötigt wurde
Lebten zunächst Arme und unehelich
Schwangere wie Prostituierte dort
Parallel zum Garnisonslazareth was
Sicher gut passte aber zumindest noch
Von Fürsorge mehr zeugt als andernorts
Friedrich Wilhelm I. der Soldatenkönig der
Gern in Erinnerung des Großen Friedrich
Als Dummkopf gescholten wurde wie als
Hohler Militär und Possenreißer ohne Kunst
Verfügte am 9. Januar 1727 das Haus solle
Bürgerhospital werden und Charité heißen
Und macht seinen Leibarzt den Eller zum
Ersten Direktor des Bürgespitals in Berlin
Das ursprüngliche Pesthaus war ein
Quadratischer zweigeschossiger Bau
Mit einer Länge von 48m bei dem die
Angestellten im Erdgeschoss lebten
Während die Kranken jeweils nach
Männern und Frauen getrennt im
Also zweigeteilten Obergeschoss
Dazu kam noch als Erweiterung 1713
Ein Theatrum anatonicum sowie 1724
Ein Collegium medico-chirurgicum
Es erfolgten dann bis 1800 einige
Erweiterungsbauten und durch die
Vergrößerung Berlins lag die Charité
Ab 1800 mitten im Stadtgebiet
Vorher hatte noch eine erste Kommission
Zur Prüfung der Zustände dort gravierende
Mängel in der Klinik offenbart worauf
Der König und die Bürger mit Spenden
Die Mittel aufstockten die Charité künftig
Zweckmäßiger auch einzurichten
Noch 1795 wurde die Pépinière gegründet
Zur Aus- und Weiterbildung der Militärärzte
Die nach 1809 auch das Collegium übernahm
Virchow und Helmholtz waren dort Stipendiaten
Leitender Arzt der Charité wurde 1801 dann
Hufeland der auch Dekan der neuen Berliner
Medizinischen Fakultät wurde ab 1810 sowie
Natürlich königlicher Leibarzt auch war
Die Universität bildete künftig zivile Ärzte aus
Während die Charité Militärärzte auch praktisch
Weiter ausbildete und damit weniger theoretisch
War als die Berliner Universität welche eben auch
Dem humboldtschen Bildungsideal entsprechend
Theoretisch allgemeinbildend war und sein sollte
Hufeland aber sah die Vorteilder der praxisnahen
Ausbildung der Ärzte und erstrebte eine engere
Verbindung beider Institutionen was sich dann
Auch langsam parallel durchsetzte
Virchow wurde 1856 Direktor des pathologischen
Instituts und der Grundsatz seiner Zelllehre brachte
Eine revolutionäre Änderung der Medizin parallel
Arbeiteten am Berliner Gesundheitsamt Forscher
Wie Behring Ehrlich und Koch die bald schon die
Die Erreger von Milzbrand Tuberkulose wie
Cholera entdeckten im Umkreis der Charité
Wurde vielfältig da schon geforscht
Bis 1917 wurde die Charité nun erweitert durch
Zahlreiche Neubauten sowie Umbauten
Ihr höchstes Ansehen genoß die Charité
Von 1870 bis 1918 doch war sie bald arriviert
Als Sauerbruch sich 1927 an das Haus rufen ließ
Hat er seinen Zenit wohl schon überschritten
Die Liste der berühmten Ärzte der Klinik ist lang
Allein acht Nobelpreisträger kamen aus dem
Berühmten Krankenhaus am Rande Berlins
Das heute inmitten und verteilt liegt als der
Universitäre Zusammenschluss der Kliniken
Während der Zeit der Teilung wurde auch die
Berliner Charité geteilt im Westen gab es die
Zur Freien Universität gehörende Klinik
Bejamin Franklin im Osten die Charité
Als Teil der Humboldt-Universität ergänzt
Dazu kam im Westen noch später das als
Ersatz für das Westend Krankenhaus
Errichtete Virchow Gelände im Wedding
Alle Gebäude und Kliniken wurden dann
Nach dem Vereinigung genannten Beitritt
Zusammengelegt unter dem Namen
Charité Uninversitätsmedizin Berlin seit 2003
Der die vier Standorte der Klinik umfasst in
Buch Lichterfelde Mitte und dem Wedding
Skandale gab es soviele wie immer wieder Lob
Auszeichnungen parallel zu Peinlichkeiten
Mehr Überleben als Sterben und immer noch
Steht das alte Pesthaus an erster Stelle unter
Allen Kliniken im Lande landet hier wer Ruf
Oder Rang auf seinem Gebiet genießt
Über 3000 Betten und 13.100 Mitarbeiter
Davon wiederum über 3700 Ärzte unter denen
Mehr als 230 Professoren einen Massenbetrieb
Der wie vieles in Berlin irgendwie läuft zugleich
Spitzenklasse und immer etwas chaotisch ist
Deutlich sichtbar thront das grauenvolle
Bettenhaus frisch saniert über Mitte
Es gehört halt dazu und wer irgend kann
Meidet es wie es nur geht wer will schon
Krank sein auch wenn die Pest bis heute
Berlin meidet und auch Ebola nur etwas
Hysterie war und in Mitte parallel noch
Auf einer Etage Spätabtreibungen neben
Den mehr als Frühchen liegen zeigt es
Wie es halt irgendwie weiter funktioniert
Aus einem Pesthaus wurde die Eliteuni
jens tuengerthal 13.5.2016
Lustblüten
Küssen wie sich unter meinen
Lippen öffnen sehen im immer
Überfluss deiner tiefen Quellen
Mich am Feuchtbiotop ergehen
Was uns miteinander wieder
Versumpfen lässt meine Liebste
Lippenblüherin deren Vorfreude
Fühlbar meine Lust erhebt
Zumindest in Gedanken
Wäre ich dir gern näher als nah
Jetzt im blühenden Frühling
Durch den Sommer verliebt
In tiefer Liebe im Herbst
Sich ineinander wärmend
Noch im Winter blüht die
Liebe mit neuer Lust
Jeden Tag solange wir
Sie hingebungsvoll gießen
jens tuengerthal 13.5.2016
Eheliebesex
Wollen wir lieber Liebe
Oder eher Sex um zu
Erfahren was Liebe sein
Könnte oder hat das eine
Mit dem anderen eher
Nichts zu tun wird nur
Gern in der Ehe vermischt
Bei der es in Wirklichkeit
Um etwas ganz anderes
Geht als nur die Lust
Auch die Liebe nicht muss
Weil Kontinuität zählt
Manche wollen trotzdem
Eher lieber Sex als gar
Keine Liebe auch wenn
Es zusammen schöner
Sein soll behaupten doch
Noch welche mit Träumen
Weiß nicht ob sie mehr
Lieben oder besser vögeln
Weiß nur dass ich ein Träumer
Wohl bin der Sex eher mag
Ohne zu wissen was wahr wäre
Genieße ich es wie es ist
Was sollte ich auch sonst tun
Lassen wir die Blüten blühen
Um uns daran zu freuen
Mehr ist es vermutlich nie
Irgendwann sind wir Tod dann
Ist es vorbei mit der Liebe
Mit der Lust sowieso meist
Lange vorher schon und so
Scheint es gut so alles zu
Wollen und zu nehmen
Wie es ist voller Lust
Um beim Abschied zu sagen
Schön war es und nun ist gut
Habe voller Lust ein Leben geliebt
jens tuengerthal 13.5.2016
Liebeszitat
Zu lieben welch ein Glück
Schrieb Goethe eins mit
Übervollem Herzen im Elsaß
Seiner Friederike zum Willkommen
Und Abschied doch mehr noch
Geliebt zu werden verdiente
Er nicht und lasse ich nun
Die angerufenen Götter weg
Stimme ich ihm dankbar
Staunend noch in allem zu
Weiß nicht was es ist
Nur das es ist was es ist
Um späteren Fried zu zitieren
Hangle mich so entlang am
Unberschreiblichen dankbar
Es erleben zu dürfen
Mit nur geliehenen Worten
Dir als Geschenk
Und wäre es das letzte was
Habe ich doch geliebt
Ginge mit vollem Herzen
Hoffen noch zu bleiben
Um gemeinsam zu genießen
Was es ist mehr nicht
jens tuengerthal 13.5.2016