Sonntag, 14. Juni 2026

Turmbewohner

Turmbewohner

Wer in einer Bibliothek lebt oder
Zumindest mit einer zusammen
Wird dadurch zum Turmbewohner
Auch wenn der Traum den einst 
Michel de Montaigne auf seinem 
Schloss im Périgord jener feinen
Weinregion im Südwesten von 
Frankreich der besser viel mehr
Noch heute gelesen würde so
Selten wirklich wurde ist er zum
Symbol des Rückzugs geworden
In geistige Welten die uns eine
Bibliothek schenken kann wenn
Sie nicht nur ein Haufen Bücher
Sondern ein Leben symbolisiert
Das grenzenlos jenseits der Zeit
Zum schönsten Ort der Welt wird 
Für alle Leser die erkennen was
Dauerhaft Glück schenken kann
So lebe ich mitten in Berlin völlig
Zurückgezogen zugleich in der
Schönsten geistigen Welt die
Das größte Geschenk immer ist
Ein Geheimnis das kaum eine 
Die nur vorüberläuft erkennt
Wurde zum Turmbewohner meiner
Bibliothek und habe so alles mir 
Mögliche im Leben erreicht

jens tuengerthal 14.6.26

Gemeinschaftssklaven

Gemeinschaftssklaven

Viele unternehmen gerne was
Mit anderen und genießen das
Als Glück der Gemeinschaft dann
Was alles sonst ersetzen kann

Vor allem das Denken wird dabei
Völlig entbehrlich ganz nebenbei
Ob die Welt noch schöner wär
Schwiegen sie darüber noch mehr 

Werden sie vermutlich nie erfahren 
Haben sich als Sklaven verfahren
Wollen alles gemeinsam erleben
Statt nach Erkenntnis zu streben

Rennen ständig durch die ganze Welt 
Um zu sehen was sie nie verstehen 
Statt Horizont haben sie lieber Geld
Ihre Runden als Sklaven zu drehen

Kann wohl zugegeben mir keinen
Reim auf so etwas mehr machen
Muss dennoch darüber lachen
Oder sollte ich besser weinen 

jens tuengerthal 14.6.26

Zeitnahme

Zeitnahme

Viele finden keine Zeit mehr
Zum Lesen und konsumieren
Dann Hörbücher anstatt oder
Schauen Serien die doch auch
Gut unterhalten außer im Urlaub
Hat ja keiner mehr Zeit noch
In Ruhe Bücher zu lesen weil
Ja auch sonst noch etwas im
Leben erlebt werden will was
Sonst verpasst würde aber wenn
Dann am liebsten Coelho der
Wäre doch so gut und täte es
Sagte wie das Leben halt wäre
Höre oder lese ich häufiger was
Dann der Punkt ist wo ich lieber
Still gehe und für mich bleibe
Weil es da nichts mehr zu reden
Noch sich zu sagen gibt denk ich
Der mit Büchern und für sie lebt
Aber sich gerne viel weniger Zeit
Für Menschen als für gute Lektüre
Noch nimmt weil es erfüllender ist
Als das ganze Gerede was zu
Nichts führt als festzustellen dass 
Keine Zeit zum Lesen daneben blieb
Wie vermutlich im Leben der meisten
Denke ich und bin froh mir einfach
Zeit zu nehmen und niemals je
Einen Band Coelho zu lesen
Gibt ja genug gute Bücher
Die nicht sagen wie es ist

jens tuengerthal 14.6.26

Sonntagmorgenriesling

Sonntagmorgenriesling

Am Sonntagmorgen um Viertel
Vor zwei im Crossroads auf
Einen Riesling angekommen wo
Die Bar noch unten gut gefüllt ist 

Während oben schon keiner mehr
Anwest sitzen am Stammtisch
Tino Herti und Melanie während
Mo die Bar macht und sogleich

Den Riesling zu mir bringt sitzen
Am anderen Ende der Bar noch
Daniela mit den beiden Herren
Von gestern von denen einer

Bernd ist während der lange 
Dünne Volker ist planen nun
Melanie und Herti ihre Reise
Dann bekomme ich kurz Besuch

Daniela wollte mir erzählen wie 
Volker mal versuchte mit ihr ins
Bett zu kommen was sie aber
Völlig wohl befremdete nun

Mir empört noch erzählen wollte
Es ihnen gesagt hätte worauf ich
Meinte er konnte es ja mal probieren
Was sie wiederum völlig empörte 

Worauf sie sich schnell wieder
Verzog und ich endlich nun zum
Schreiben auch darüber kam ohne
Sich an der Diskussion zu beteiligen

Inzwischen ist sie weg und Volker 
Plaudert weiter mit Bernd während
Inzwischen Martha ankam die den
Platz von Herti vor der Bar einnahm 

Das Team junger Damen von Herti
Spielt nun mit ihm ein Ratespiel
Bei dem Begriffe erklärt werden
Müssen ohne sie zu nennen

Mo räumt die Bar auf und macht
Noch einen Gin Tonic für die Runde 
Am Spieltisch und so geht die Nacht
Bei coolem französischen Jazz weiter

Draußen cruisen noch einige Wagen 
Mit lauter Musik durch die Nacht und
Die drei jungen Damen spielen weiter
Während Herti Plätze noch wechselt

jens tuengerthal 14.6.26

Samstag, 13. Juni 2026

Lektürentagebuch 13.6.26

Lektürentagebuch 13.6.26

Auf der Reise ins Paradies sind 
Heinrich und Christine Gondela 
Am 14. September 1802 durch
Würzburg gewandert um sich

Dort von einem Lohnbediensteten
Alles zeigen zu sagen wobei sie
Mit dem Juliusspital heute ganz
Ohne Militär gleich begannen 

Von diesem schon im 16. Jahrhundert
Angelegten Hospital schwärmen sie
Sind von der Reinlichkeit wie auch der
Anlage im Ganzen völlig begeistert 

Es wäre dort unter dem vorigen
Fürstbischof Franz Ludewig von
Erthal der 1795 verstarb eine ganz
Ideale Anlage mit Garten entstanden

Sogar die Kirche die den Bremern
Fast protestantisch schlicht vorkommt
Wird gelobt wie die Aufteilung nach
Der die Armen hinten versorgt werden

Die Kranken im vorderen Teil und
Die Irren im Seitenflügel hinter ihren 
Vergitterten Fenstern leben könnten 
Jeder seinen guten Platz so hätte 

Die Armen bekämen zwei warme 
Mahlzeiten mit Suppe Fleisch und
Gemüse dazu wie jeder täglich eine
Zuteilung guten Wein noch erhielt

Als ihr Führer sie weil der Wechsel
Der Wache noch Zeit hatte in die
Jesuitenkirchen führen will handelt
Heinrich aus diese sei die letzte 

Auch diese sei verhältnismäßig
Schlicht gehalten aber auch ohne
Besonders nennenswerte Werke 
Heinrich nicht der Rede weiter wert 

Die sehr junge unerfahrene Wache
Absolviert den Wechsel wohl eher
Leger auch wenn der anstehende
Wechsel der Herrschaft überall

Thema ist und diskutiert wird von
Den zahlreichen Zuschauern dort
Die einer ungewissen Zukunft nun
Entgegensehen ohne die Kirche

Sie wandern erst noch auf einen
Berg einen Kreuzweg hinauf der
Zur von Balthasar-Neumann noch
Erbauten barocken Kirche dort

Dabei lästern sie reichlich über 
Die Frommen die vor jedem Bild
Sprüche lesen knien und beten was
Den Protestanten so fremd ist

Über das hässliche Kloster der
Kapuziner wie über diese wird
Ein wenig gelästert dafür die
Aussicht auf der Terrasse gelobt

Das Deckengemälde in der Kirche
Sei von Tiepolo behauptet Heinrich
Was nicht stimmt dieser malte nur 
Das Treppenhaus der Residenz aus

Heinrich besucht noch einen in der
Stadt bekannten Juristen den Hofrat
Kleinschrodt den Verfasser des 1802
Veröffentlichten Entwurfs für ein

Neues bayerisches Strafgesetzbuch
Bei dem sich später dann Feuerbach
Hervortat der sich auch um den
Kaspar Hauser gekümmert hat 

Davon schreibt er aber nichts der
Sich über die Unterhaltung freut wie
Über die Einladung an ihn und Nante
Von Seiten seiner Frau dabei 

Nannte ist der Kosename von
Christine Gondela wie die Leser
Des Berichtes schon wissen könnten 
Während die anderen es nun erfahren

Weil es nach dem gestrigen Regen
Noch so schön wäre beschließen sie 
Einen öffentlichen Garten am Main
Auf Trauben und Kuchen zu besuchen

Das Lokal war ihnen empfohlen aber
Sie fanden es eher mäßig wenn
Auch Trauben und Kuchen gut waren
Gingen in der Dämmerung in ihr Hotel

Dort waren die Trauben was wohl der
Wein heißen soll noch besser und
Heinrich nutzt die Zeit zum Vergleich
Von Bamberg und Würzburg 

Ersteres wäre landschaftlich schöner
Dafür als Stadt dunkler während das
Umland von Würzburg nur Weinberge
Hätte ohne schöne Wälder dort

Beides wären Städte unter Herrschaft
Der Kirche in Würzburg gäbe es dank
Bischof Franz Ludewig gute Wohlfahrt
Aber zu viele Klöster in der Stadt

Diese hoch vermauerten Anlagen 
Verdüsterten das Stadtbild unnötig
Es seien zu viele Mönche und auch
Nonnen dort und zu wenig Handel 

Auch darum sieht Heinrich die 
Zukunft der Stadt nach deren
Bevorstehender Aufhebung eher
Düster außer Wein gäbe es nichts 

Ein sehr klares kritisches Urteil über
Die Macht der Kirche und wie fern 
Ihm alles katholische ist aber auch
Voller Sorge auf das was kommt

Diese Reise fand noch vor dem
Reichsdeputationshauptschluss statt
Der die kirchlichen Güter verstaatlicht
Aber weist auf die Gefahren schon hin

Was würde aus vielen Bediensteten
Wobei er auch lästert die Armee hätte 
Mehr hohe Offiziere als es Truppen im
Bistum gab und zu viele Diener auch

Vom sehr gelobten verstorbenen
Bischof Franz Ludewig wird noch
Erzählt sein Beichtvater hätte ihn 
Keiner Heiligung würdig befunden

Dies allerdings wohl nicht mangels
Sozialer Verdienste sondern weil er
Den Armen mehr gab als den dort
Klöstern die Kirche ist sich näher

Diese kleine böse Spitze gegen
Die katholische Kirche war wohl
Nach dem vielen Lob für den jüngst
Verstorbenen Fürstbischof nötig

Bleibe im Jahr 1802 und gehe nun
Mit Johann Gottfried Seume weiter 
Im Spaziergang nach Syrakus der
Nun aus Prewald schreibt wie es

Von Laybach aus den Berg hinauf
Geht es gen Oberlaybach wo die
Laybach entspringt bis dahin hat
Die Landschaft noch viel Kultur

Ab da aber würde es wild und es
Gibt nur noch wenig Häuser bis
Nach Planina wo das Wasser wieder
Unfug trieb alles unter Wasser stand

Besuchte dann bei Adlersberg zwei
Grotten mit einem Führer was auch
Etwas abenteuerlich noch wird doch 
Die Höhle bei Lueg sah er nicht mehr

Das ganze Land wäre voller Höhlen 
Damit wohl der Bereisung durch einen
Geologen wert meint Seume auch
Gäbe es dort seltene Echsen noch

Ein wenig spöttisch ironisch aber
Doch auch begeistert von der Natur
Erzählt Seume von seinem Abenteuer
In der Höhle und den Sagen dazu

Nun geht es ins mittelalterliche Indien
Wo im Papageienbuch Kalahaprija
Einen Tiger und einen Schakal in die
Flucht schlägt die dort 41. Erzählung

Wieder fragte die Prinzessin den 
Papagei der meinte wenn sie im
Erfinden von Listen so gewandt wäre
Wie die Tigertöterin solle sie gehen

Auf ihre Nachfrage erzählte er die
Geschichte welche die vorige von
Der Tigertöterin fortsetzt die den 
Tiger durch Lügen einfach verjagte

Auf der Flucht vor dieser traf nun
Der Tiger einen Schakal der ihn 
Fragte wovor er denn weglaufe
Ihn verfolge doch niemand

Tatsächlich blieb der Tiger stehen
Erzählte dem Schakal die Geschichte
Von der Tigertöterin vor der er floh
Worauf der Schakal ihn auslachte

Er sollte doch mit ihm zurückgehen 
Dann würde er schon merken wer
Der Stärkere wäre und wenn er Angst
Hätte er liefe weg bot er ihm an 

Ihn an seinen Hals zu binden nun
Fragte der Papagei die Prinzessin
Durch welche List die junge Mutter
Nun wohl beide Tiere besiegte

Als die Prinzessin dann auch über
Nacht keine Idee hatte erzählte ihr
Der Papagei wie es war als nun
Schakal und Tiger zu ihr kamen 

Daraufhin sprach die Tigerfresserin
Zum Schakal wieso er wieder nur 
Einen Tiger bringe sie hätte doch 
Zwei Kinder zu füttern wofür ein

Tiger nicht reichen würde ob sie
Ihn jetzt verspeisen sollten worauf
Der Tiger voller Angst die Flucht
Ergriff und den Schakal mitzog

Wenn sie über solche Listen auch
Verfüge könne sie ruhig gehen und
Ihren Geliebten treffen was wieder
Doppelt genial lehrreich auch ist

Es wird die Kultur der klugen Lüge 
Die sich eine Welt erfindet noch
Hochgehalten und dazu noch die
Freiheit die der Mut schenkt gelobt

Wieder starke Frauen die durch
Ihren Mut die gefährlichsten Tiere
Besiegen und austricksen obwohl
Sie nach Kraft keine Chance hätten 

Was heißt du kannst tun was du 
Auch immer willst wenn du nur 
Klug genug bist mutig zu lügen 
Was über aller Moral damit steht

Der Mut besiegt die Angst egal
Wie realistisch etwas auch ist
Zeigt es wo die größte Kraft liegt
Mit der die Mutter den Tiger besiegt

jens tuengerthal 13.6.26

Lustvoll

Lustvoll

Das Streben nach Lust sei das
Natürliche Bedürfnis des Menschen
Lehrte Epikur was viele später nur 
Oberflächlich hedonistisch fanden

Besonders die Religionen die ihr
Märchen von Himmel und Hölle
Wie dem jenseitigen Glück uns 
Verkaufen wollten empörten sich

Gottlos und sündig sei es bloß
Danach zu streben was Lust macht
Wurde Epikureern vorgeworfen weil
Sich manche lieber quälen wollten 

Doch warum wollen sich manche
Lieber quälen statt zu genießen
Um Höheres zu erreichen sagen sie
Was dann wohl ihre große Lust ist 

Wer meint es gäbe Götter deren
Befehlen er folge um nach dem
Tod in den Himmel zu kommen 
Hat also ein lustvolles Ziel auch

Ob ich dies auf Erden suche
Oder im Reich der Phantasie
Das der Aberglaube uns öffnet
Ist am Ende Geschmackssache

Finde es nur vernünftig dazu die
Natur wie sie ist zu nutzen um
Das zu würdigen was da ist weil
Alles am Ende nur Natur ist

Darum ist Sex natürlich lustvoll
Folgt Bedürfnissen unserer Natur
Wie es gut tut seiner Natur zu folgen
Kann solches nie schlecht sein

Nach Erfüllung streben wir alle
Wie wir diese definieren ist
Am Ende unsere Entscheidung
Was gut tut wird auch gut sein

Sicher ist nur es gibt kein Leben
Nach dem Tod weil dann nichts
Mehr lebt nach der Natur warum
Dieser völlig irrelevant für mich ist

Das ergibt sich aus dem natürlichen
Gegensatz von Leben und Tod wie
Eines nur ist wo das andere nicht ist
Was einmal begriffen alles erledigt

Alles andere ist nur Hokuspokus 
Wie lächerlicher Aberglaube jener
Die nicht logisch denken können
Seltsam genug eine Mehrheit sind 

Lebe darum lieber so lustvoll
Wie es meiner Natur möglich
Solange ich bin und entscheide 
Wann es Zeit ist zu gehen

jens tuengerthal 13.6.26

Lebenszähler

Lebenszähler

Was zählt im Leben wirklich
Sind es die strahlenden großen
Ereignisse für die wir alles andere
Auch unter Qualen ertragen 
Wie eine jubelnde Masse etwa
Höhepunkte die sich abheben 
Oder eher die stillen Momente
Um für sich bei sich zu sein
Überlege ich und neige als Leser
Eher den stillen Momenten zu
Andere leben für ihren Urlaub
Um irgendwohin zu fahren
Dann dagewesen zu sein
Was mir fern liegt der lieber
Der Welt lesend nah kommt
Statt überall Spuren zu lassen
Wäre auch im Leben am Ende
Weniger mehr um was bleibt
In Ruhe wirklich zu würdigen 
Statt nur herumzurasen was 
Infolge stille Schönheit zerstört
Überlege ich nicht mehr wirklich
Sondern lebe es lieber für mich
Der damit glücklicher ist wie
Völlig zufrieden statt ständig
Mehr und neues zu wollen
Lieber was ist in Ruhe genießt 
Was am Ende wirklich zählt
Weiß ich natürlich nicht aber
Werde zufrieden sein mit dem
Was ist und bleibt für mich
Damit noch allein zählt

jens tuengerthal 13.626

Liebestiefe

Liebestiefe

Ist Liebe das tiefste Gefühl
Frage ich mich und denke
An manche oberflächliche
Liebe die völlig spurlos 
Wieder verflog oder die
Vermeintlich ganz tiefen
Die zwar Spuren hinterließen 
Dennoch im Nichts verflogen 
Spätestens mit der nächsten
Wieder verschwunden sind
Oder leben noch alle Lieben
Weiter in mir zumindest die
Für immer und ewig sich
Voller Überzeugung einander
Versprochenen dann doch 
Bis sie im Schatten der neuen
Liebe ganz nebenbei dann
Einfach verloren geht weil 
Das Leben weitergehen muss 
Irgendwie mit oder ohne nur
Ob wir dann oberflächlich sind
Oder die Liebe immer nur
Aktuell tief ist und dann 
Mit der Zeit nach oben
An die Oberfläche kommt 
Was immer sie nun ist
Bleibt am Ende offen

jens tuengerthal 13.6.26

Nachtriesling

Nachtriesling 

Kurz vor Zwei im Crossroads doch
Auf einen Nachtriesling angekommen
Vor der Tür noch Tino begrüßt der
Die Terrasse noch fertig aufräumte

Drinnen dann Nina Selma und auch
Christoph der von oben kam jeden 
Auf seine Art gegrüßt bevor ich mit
Tisch in die Flaneurloge zog wo ich

Mit Selma die schon meinen guten
Rheingauer Riesling brachte dann 
Zusammen zur Umarmung eintraf 
Gleich die Beobachtung begonnen 

Die Stimmung ist ruhig ausgelassen 
Unten noch drei Stammgäste mit
Christoph und Nina am Stammtisch
Vor der Bar und vier junge Damen 

Ins Gespräch vertieft vorm Fenster
Schöner Anblick mit sich beschäftigt
Während oben noch drei Herren beim
Wein im Gespräch vertieft sind

Tino inzwischen wieder drinnen lässt 
Ein neuer weiblicher Gast mich ganz
Überrascht feststellen dass noch ein
Tisch oben voll besetzt schon war

Die drei jungen Damen sind attraktiv
Dreimal blond und einmal brünette 
Rauchen leuchtende E-Zigaretten
Und sind vermutlich auch so

Dann kommt ein Knabe aus der
Oberen Ecke der mit verkehrt herum
Aufgesetzter Schirmmütze viel von
Zonen-Gaby in weiblich hat

Noch so ein riesiger Knabe mit
¾ Cargo Hosen sucht die hier 
Örtlichkeiten auf und lässt vermuten
Dass dort bebrillte Basketballer sitzen

Die Musik eher getragen spacig
Klingt ein wenig nach Drogen der
Siebziger Jahre die Mädels zahlen
Die Nacht nimmt ihren ruhigen Lauf

jens tuengerthal 13.6.26

Freitag, 12. Juni 2026

Lektürentagebuch 12.6.26

Lektürentagebuch 12.6.26

Wieder unterwegs mit Franz Hessel
Auf der Rundfahrt in dem Band 
Spazieren in Berlin geht es vom 
Molkenmarkt auf einen stillen Platz 

Dort steht die älteste Kirche Berlins 
Die Nikolaikirche die sich darum bis
Heute mit der Marienkirche streitet
Aber das älteste Fundament hat

Es stammt noch aus dem Jahre 
1230 ist aber 1330 abgebrannt 
Dann wieder aufgebaut worden
Heute Teil des Märkischen Museum

Dort gibt es noch Erbbegräbnisse
Die von Schlüter geschaffen wurden
Die gotische Halle hat viel große und
Kleine Kapellen mit Denkmälern

Es finden sich alle Kunstepochen
Sie wurde protestantisch aber hätte
Noch etwas von der alten Pracht
Hessel fehlt nur der Weihrauch

Hier hätte auch der Ablasskrämer
Tetzel gepredigt umlagert vom ganzen 
Damaligen Tout-Berlin wie Hessel 
Ein wenig spöttisch hier erzählt

Der Platz war früher Nikolaikirchhof
Was zu den vielen Gräbern passte
Dort standen ein paar sehr alte
Häuschen die winzig und eng waren

Eines hier rühmte sich noch Berlins 
Kleinstes Haus zu sein es ist nur vom
Nachbarhaus zu betreten und bloße 
Drei Fenster breit davon gab es wohl

Noch einige im alten Berlin erzählt
Hessel sie sind heute Geschichte
Über den Mühlendamm geht es über
Die Inselbrücke nach Neukölln

Hier und gegenüber auf der großen 
Friedrichsgracht gibt es wieder einige 
Sehr alte Häuser doch ist der Wagen
Zu eilig um alles noch anzusehen 

Dort gäbe es das Relief eines Mannes
Der eine Tür trägt angeblich soll er an
Das Köpenicker Tor noch erinnern 
Deren Haspen dort aufbewahrt waren

Witziger findet er die Deutung die vom
Alten Schuster erzählt der hier lebte
Der ein Los in Friedrichs Lotterie sich
Kaufte und an seine Tür klebte

Als er nun wider Erwarten gewann 
Musste er die Tür zur Lotterie tragen
Diese Lotterie an der Friedrich gut
Verdiente und die Bürger viel kostete

Leitete wiederum Direktor Casalbigi
Der aus Casanovas Erinnerungen
Auch bekannt ist der selbst in Paris
Die erste Lotterie gegründet hatte

Aus Dankbarkeit für seinen Gewinn
Ließ der Schuster das Bild an seinem
Haus anbringen solche Sagen gibt es 
In Berlin noch einige zu erzählen

Im Vorbeifahren wirft er einen Blick
Auf die Brücken welche noch der
Stadtbaurat Hoffmann dem Berlin so 
Viel verdankt gebaut hat

Sie hätten das Neue dem Alten dabei
Angepasst ohne in Historismus zu
Verfallen wie unter Wilhelm II hier ist
Meisterwerk das Märkische Museum 

Cöllnischer Park hieße der Garten da 
Vor der Front der Museumsburg die
Verschiedene Stilperioden vereinigt 
Im Innern gibt es viel Heimatkunde

Heute leider durch den Leiter der
Auch das nervige Berlin Museum
Im Humboldt-Forum verantwortet 
Ideologisch pädagogisch ruiniert

Hessel erzählt wie schön es damals
Noch war und wünscht sich ein 
Museum für Berliner Interieur wo auch
Als Kuriosum der Wilhelminismus 

Seinen Platz fände ohne zu stören 
Vor dem Museum steht noch ein
Nachgemachter Roland nach dem
Brandenburger weil Berlin seinen 

Schon früh unter Kurfürst Friedrich II
Verlor den Bären der Stadt unter
Seinen Adler zwang und erzählt
Vom neuen Roland tief im Westen

Sie sehen den Abbruch der alten
Jannowitzbrücke beim Bau der
Neuen die es heute noch gibt sieht
Die Trümmerreste dort schwimmen 

Am Stadthaus sieht er den Bär von
Wrba der heute im Bärensaal des 
Auch von Hoffmann gebauten 
Stadthauses seinen Platz fand 

Nebenbei steht eine Replik auch
Im Tierpark dem Ost Berliner Zoo
Auf dem meine Tochter schon
Kletterte der Bär ist also bekannt

Warum er zum Stadtier wurde ist
Dabei unklar Hessel nennt es eine
Volksetymologie weil Berlin nichts mit
Bär zu tun hat Wendisch Wehr heißt

Ein solches Wehr verband noch in
Wendischer Zeit die Spreeufer so
Gab es schon vor dem Mühlendamm
Eine Verbindung der beiden Orte

An der Parochialkirche vorbei stehen
Ein paar alte abzureißende Häuser
Ein Spukhaus ohne Fenster und ein
Antikriegsmuseum das Hessel sehr

Liebevoll beschreibt mit Stahlhelmen
Als Blumentöpfe und schrecklichen
Bildern innen und darum auch hofft
Es finde einen würdigen Platz wieder

In der Jüdenstraße öffnet sich der
Durchgang zum großen Jüdenhof
Der kleine unweit von dort fiel schon
Der Straßenverbreiterung zum Opfer

Dort steht ein alter Akazienbaum
Unter dem die Juden als sie mal
Wieder vertrieben wurden ihr Gold
Vergraben haben sie wussten wohl

Bald würden sie wieder gebraucht
Sie hausten damals noch hinter 
Eisentoren und durften nur in ihrer
Zwangsuniform auf die Straße gehen

Das war ein Kaftan und spitze Hüte
Festen Wohnsitz durften sie nicht
Erwerben nicht auf Messen handeln 
Und mussten Schutzgelder zahlen

Offenbar gefiel es ihnen dennoch
Denn aus jeder Verbannung sind
Sie wieder zurückgekehrt schreibt 
Hier der selbst Berliner Jude Hessel

Der aber schon als Kind getauft
Wenig damit je zu tun hatte erzählt
Er erzählt die Geschichte von der
Hinrichtung des Hofjuden Lippold

Der auch Münzmeister Lippold
Wurde wegen Zauberei und Mord 
Angeklagt und gestand unter Folter 
Wurde dann öffentlich gevierteilt

Vor der Hinrichtung befragt ob
Sein Geständnis stimme widerrief er
Wurde im spanischen Stiefel gefoltert 
Gestand und wurde gevierteilt

Etwas Ghettoähnliches gäbe es
Heute an anderer Stelle schreibt
Hessel und meint das von vielen
Osteuropäischen Juden zuerst

Gewählte Scheunenviertel das
Zwischen Alexanderplatz und
Bülowplatz gelegen war wo es
Noch Männer mit langen Bärten

Wie Schläfenlocken gäbe und
Schwarzhaarige Fleischertöchter
Die noch Jiddisch reden was 
Heute eher in der Rikestraße

Noch in Prenzlauer Berg zu sehen
Ist wo die Lauder Foundation noch
Orthodoxe Rabbiner für den Osten
Ausbildet neben der Synagoge dort

Im Scheunenviertel aber hätten 
Auch Läden und Stehbierhallen
Hebräische Inschriften gehabt
Wären noch eine Welt für sich

Sobald sie akklimatisiert dann
Weiter nach Westen ziehen
Tun sie die Zeichen ihrer Eigenart ab
Was Hessel schade findet

Von einer Privatstraße erzählt er noch
Die neues Ghetto genannt doch findet
Er diese des Scherzes nicht würdig
Dort fände sich keiner im Kaftan


Noch einen Artikel im Katalog von 
Cassirer und der Durchbruch des
Impressionismus gelesen über die
Welt von Berlin und von dort in diese

Über das Tiergartenviertel schreibt 
Gesa Kessemeier unter dem Titel
Vom vornehmen Wohnviertel das
Seinen Rahmen durch Mode und

Kunst erhält erzählt über die
Viktoriastraße 35 die mehr als
35 Jahre lang die Adresse der
Kunsthandlung Cassirer war

Durch Monet und Manet zu Money
Wollte Cassirer dort kommen wurde 
Bereits 1899 gewitzelt es war damals
Das eleganteste und wohlhabendste

Wie gleichzeitig kunstsinnigste Viertel
Mit eleganten Sandsteinhäusern im
Französischen Villenstil das einzig
Vornehme Viertel in ganz Berlin

Hier gab es Berliner Kultur auch trotz
Wilhelm II und hier blühte sie auch auf
Rathenau etwa lebte Viktoriastraße 3
In Sichtweite von Cassirer noch

Paul Cassirer den Max Liebermann
Einen Charmeur von bezwingendem
Talent nannte passte perfekt hierhin
Er wollte seine Nachbarn begeistern

Bald zog Cassirer auch privat aus
Charlottenburg ins Tiergartenviertel 
Lange lebte er mit Blick auf die
Matthäikirche dort dazu gibt es

Im Katalog eine Karte die zeigt wer
Dort alles lebte und handelte mit
Allein schon 44 Erläuterungen dazu
Welche die Kunstdichte zeigen

Nahezu nichts davon steht heute 
Noch an diesem Ort wo Philharmonie
Gemäldegalerie mehr ausstellen als
Noch neue Kunst je handeln

Den Anfang machte ein Onkel von
Max Liebermann Adolph Liebermann
Mit seiner Villa mit eigener Galerie
Mit Oberlicht von 1872 bis 1876

Der Salon Cassirer und sein Erfolg
Zog weitere Händler und sonst im
Kreativen Bereich tätige in das Viertel
Berliner Dependancen kamen hierher 

Auch Kunstmöbel wurden bald hier
Gehandelt so zogen etwa bald die
Deutschen Werkstätten mit ihrem
Leiter Lucian Bernhard dort hin

Die Reformkleid Pionierin Fia Wille
Eröffnete mit ihrem Mann dort ein
Geschäft wie als Highlight das
Hohenzollern Kunstgewerbehaus

Ab 1911 fand es sich im Viertel
Mehr und mehr an Antiquitätenhandel
Inneneinrichtung wie etwa auch
Leni Michels Fougner als Meisterin

Mehr als 35 Privatsammlungen die
Zum Teil der Öffentlichkeit zugänglich
Auch waren finden sich dort um die
Jahrhundertwende schon

Herausragend war die Sammlung des 
Textilindustriellen Hermann Simon der
Die Nofretete nach Berlin brachte die
Von Alfred Messel gebaute Villa war

Ein Kunstwerk an sich alles hatte dort
Den idealen Platz gefunden der
Unternehmer Eduard Arnhold feierte 
Als bester Kunde Cassirers bei sich

Den Impressionismus sein Haus
Stand wo heute die Gemäldegalerie
Ihren Platz gefunden hat zeigte alles
Manet Monet Pissaro Sisley Degas

Renoir Liebermann von Uhde im
Saal mit eigenem Oberlicht dazu
Meinte Tschudi 1909 die Sammlung 
Sei die künstlerisch wertvollste

Auch Margarete Oppenheim die
Cézanne besonders liebte aber auch
Manet und van Gogh wurde zwar
Lange für verrückt gehalten aber

Ab den Zwanziger Jahren wurde ihr
Früher Mut sehr bewundert der nur 
Seinem Geschmack gefolgt war
Der ihre Sammlung berühmt machte

Das Ehepaar Julie und Julius Elias 
Hatten ihre Wohnung voller Monet
Manet Renoir Munch Liebermann
Corinth oder Slevogt dort auch

Der Kunst folgten ganz exklusive 
Modesalons etwa Gerson mit dem
Sammler Hermann Freudenberg
Es kamen die Stars der Szene

Dort kleidete sich auch die Frau
Von Cassirer Tilla Durieux ein bei
Johanna Marbach Olga de Bayer
Clara Schultz die Kleidkunst kam

Cassirers Galerie wurde von dem
Architekten und Designer Henry
Van der Velde modern ausgestattet 
Paul Cassirer machte die Bauleitung 

Ende der Zwanziger Jahre hatte das
Tiergartenviertel seinen Zenit erreicht 
Doch im Herbst 1929 kurz nach dem
Freitod von Eduard Simon begann

Das Ende der Tiergartenkultur und
Die Kunst wanderte nach Amerika
Die Nationalsozialisten zerstörten 
Jenes kunstsinnige Viertel komplett

Heute sind nicht mal die Spuren 
Des Viertels noch zu erkennen 
Es wurde von Nazis abgerissen
Für deren wahnsinnige Projekte

Immerhin fanden Kunst und Kultur
Hier mit Kulturforum Philharmonie
Wie Neuer Nationalgalerie und bald
Berlin Modern eine neue Heimat

jens tuengerthal 12.6.26