Lektürentagebuch 15.8.26
Im 6. Kapitel lässt Sebastian Teruel
Die Reisegruppe zur Oase kommen
Wo sie herzlich begrüßt wie als
Freunde aufgenommen werden
Eigentlich wollte Heinrich gerne sofort
Zum Eremiten gehen doch davor liegt
Das Abendessen mit den Ältesten der
Siedlung was Heinrich ungeduldig
Mehr erträgt um dafür auch auf eine
Harte Probe gestellt zu werden mit
Esoterischem Gerede über die Seele
Als gäbe es eine solche in der Natur
Wobei Heinrich ja noch auf der Suche
Nach höherer heiliger Wahrheit ist
Die er im Rausch schon vor sich sah
Wieder schwer erträgliches Gelaber
Küchenesoterik mischt sich mit den
Standardformeln schlichter Weisheit
Durch die Seiten gekämpft und es mit
Humor dabei zumindest genommen
Diesmal macht der kluge Georg
Zumindest eine Bemerkung die
Kritisch denkenden Menschen den
Ganzen Irrsinn leicht offenbart
Gut recherchiert hat Sebastian zu
Sitten und Gebräuchen der Völker
In der Wüste und gibt sein Wissen
Im Gespräch dabei auch weiter
Mal referiert der Oberst von Schick
Dann übersetzt oder meint Umma
Eine kleine romantische Szene die
Mehr versprach wird einfach nichts
Es mit Humor zu betrachten ist wohl
Der beste Weg zum Umgang mit
Diesem Hokuspokus darüber lachen
Hilft den Irrsinn lächelnd zu ertragen
An Life of Brian denken ist dabei
Vielleicht der Schlüssel es mit einem
Lachen lieber zu lesen als diesen
Religiösen Wahn ernst zu nehmen
Nach zu viel Esoterik noch ein wenig
In die Epoche der Aufklärung wie den
Blick auf sie mit Egon Friedell in der
Kulturgeschichte der Neuzeit
Unter der Überschrift Pleiß-Athen wird
Über Leipzig als geistige Hauptstadt
Deutschlands berichtet als Sitz der
Messe wie der vornehmsten unter
Den deutschen Universitäten wie
Friedell hier meint ohne es weiter
Zu begründen als Metropole des
Buchhandels war sie modisch galant
Worauf heute vermutlich keiner mehr
Käme der an Sachsen noch denkt
Dennoch sei alles was Sachsen
Damals hervorbrachte eine pure
Korrepetitionsliteratur gewesen sei
Methodisch verkniffen verprügelt wie
Pedantisch korrekturwütig dabei noch
Unermüdlich im Wiederholen dieser
Einzig liebenswürdig dabei sei noch
Christian Fürchtegott Gellert gewesen
Den Friedrich der Große coulant als
Kompliment nannte er schrieb ganz
Harmlose Weisheiten mit Zärtlichkeit
Die vor allem vielen Frauen gefielen
Erinnert an den Grossvater der im
Kinderzimmer seine Witze erzählt
Seine Fabeln und mehr sei von ihm
Nicht übrig geblieben wirkten als ob
Sie Stücke für die Unterstufe seien
Waren etwas altjungferlich dabei
So wie Gleim etwas vom alternden
Junggesellen hatte mit den um ihn
Gescharten Anakreontikern eher
Linkisch als je amourös wirkte
Sie waren verliebt in die Idee von
Verliebtheit waren nie betrunken
Sondern nur von der Idee berauscht
Weshalb Kant sie läppisch nannte
Seit 1730 war Gottsched der absolute
Literaturdiktator durch sein Hauptwerk
Die critische Dichtkunst in der er ganz
Streng Aristoteles und Horaz folgte
Aber schon ein Jahrzehnt später
Wurde er wieder gestürzt durch die
Schweizer Bodmer und Breitinger
Die Poesie sollte danach besonders
Außerordentlich und wunderbar sein
Aber müsse immer wahrscheinlich
Dabei noch bleiben was sie bei Äsop
Am ehesten verwirklicht sahen
Dabei waren die Standpunkte im
Grunde relativ ähnlich im einzelnen
Uneinig wie feindliche Brüder jedoch
In ihrer Kunstfremdheit sich ganz nah
Jedenfalls wurde der Tyrann durch
Sie gestürzt und Goethe schrieb 1765
Ganz Leipzig verachte Gottsched was
Zumindest eine Befreiung doch war
Zeitweise war er noch das literarische
Gewissen der Neuberin die in der
Deutschen Theatergeschichte eine
Wichtige Rolle wohl spielte
Später überwarf sie sich mit ihm
Brachte ihn als Parodie auf die Bühne
Sie war hübsch gescheit gebildet
Temperamentvoll nur wie alle Stars
Die auch noch Direktorinnen sind
Sehr herrschsüchtig und dabei auch
Rechthaberisch spielte nicht nur auf
Der Bühne am liebsten Hosenrollen
Als Gründerin der Leipziger Schule
Setzte sie auf pünktliche fleißige
Proben Ehrbarkeit sorgfältige
Versdeklamation und runde wie
Gepflegte anmutige Posen berühmt
War ihre Verbrennung des Harlekin
Auf offener Bühne aber sie wurde
Mit der Zeit unmodern und ließ es
Währenddessen kam in Wien die
Hanswurstdynastie zur höchsten
Blüte und hätte sich dort bis heute
Erhalten und alles folgende überlebt
So blieb die barocke Stegreifposse
Noch in Fortsetzung bis Nestroy
Dabei lässt der auch Theaterkritiker
Friedell offen ob das gut so ist
Mit wunderbar spitzen Kommentaren
Blickt Friedell hier auf das Theater
Wie die Literatur der Aufklärung und
Spottet dabei wieder sehr menschlich
jens tuengerthal 15.8.26