Sonntag, 24. Mai 2026

Lektürentagebuch 24.5.26

Lektürentagebuch 24.5.26

Wie aus dem Oktober November wird 
Und dieser langsam verschwindet ist
Das Kapitel in Ghost Stories von 
Siri Hustvedt passend betitelt

Sie betrachtet darin ihre Ängste vor 
Dem Tod ihres Enkels Miles in der
Analyse ihrer Todesängste ein Thema
Grauenvoll Nebelhaft voller Geister 

Von der Frankfurter Buchmesse aus
Also Anfang Oktober meist ging es
Zur Preisverleihung nach Spanien
Wo sie den Prinzessin von Asturien

Preis verliehen bekam den vorher
Paul schon als er noch Prinz von
Asturien Preis hieß bekommen hatte
Der Prinz noch nicht König dort war

Sie traf Sophie Miles und Spencer
Sophie sang ein Lied für Paul sie
Gingen auf Tournee in Europa und
Siri fuhr allein nach New York 

Schreibt über ihre untergründige
Todesangst für Miles vor dem ersten
November der ihrer toten Enkelin
Die Daniel wohl mit Heroin tötete

Gedenkt und zugleich 11 Monate
Mit Miles wären der wunderbar wie
Gesund und gut heranwächst aber
Die Angst sitzt ganz tief in ihr 

Sie denkt an die Wahlen und hofft
Noch auf Harris während real über
77 Millionen Amerikaner einen
Verurteilten Verbrecher wählten

Ihr Unverständnis wie Menschen
Diesen primitiven Lügner wählen
Einen mafiösen Verbrecher lässt
Dennoch sehr differenziert auf die

Völlig unterschiedlichen Motive der
Wähler schauen die zumindest keine
Frau keine dunkelhäutige wollten oder
Immer schon Republikaner wählen

Gemischt mit der traumatischen
Angst vor dem 1. November wird
Die Stimmung von Siri langsam
Apokalyptisch dabei immer grau

Es ist ein halbes Jahr nach dem
Tod von Paul mit dem sie sonst
Dachte sie gut umgehen kann
Eine spürbar erdrückende Stimmung

Dann die Erinnerung an das
Thanksgiving bei Asti die diesmal
Die Füllung Paul zu Ehren machte
Der sie als einziger wohl mochte 

So schließt sie auch das Kapitel für
Den traurigen Monat November wie
Heine im Wintermärchen schrieb mit 
Einer auch lächelnden Erinnerung

Dieses massenhafte Truthahnfressen
Der Amis ist so widerlich wie vor Fett 
Tropfende Gänse an Weihnachten 
Denke ich der lieber ohne töten liebt

Aber selbst seit über fünfzig Jahren
An Weihnachten meist Wild auch aß
Weil es eben das übliche Essen ist
Wir mit grausamen Traditionen leben 

Herr Permaneder wohnt bei den 
Buddenbrooks benimmt sich auf
Seine Art anständig besucht alle
Veranstaltungen im Hause dazu

Tom nimmt sich Zeit ihn durch die
Stadt zu führen lädt ihn zum Essen
In sein Haus ein und stellt ihn auch
Engen Freunden an der Börse vor

In einer warmen Nacht liegt Tony 
Wach und ruft Ida Jungmann die
Nebenan gerade Socken stopft
Bald geht es nach Travemünde

Ida macht ihr einen kühlen Umschlag
Gegen ihre Kopfschmerzen eigentlich
Aber rief Tony Ida um mit ihrer alten 
Amme die schon über vierzig ist was

Der gerade Dreißigjährigen Tony ja
Uralt erscheint über Permaneder zu
Reden der ihr doch morgen einen 
Antrag machen soll oder muss

Der Bayer der in Lübeck eher
Ungewöhnlich erscheint ist keine
Gute Partie aber sie mochte ihn
In München doch sehr gerne 

Andererseits sieht sie wie andere
Verwandte am Kindertag die Augen
Über ihn ein wenig verdrehen aber
Weiß auch was ihre Pflicht ist

Sie soll wieder heiraten um so den
Ruf der Familie zu retten die alte 
Scharte der Scheidung von Grünlich 
Wieder auszubügeln was Tom will

Der tut alles für den Ruf der Firma
In München mochte sie ihn ja auch
So wird sie sich in das fügen was
Nun auf sie scheinbar zukommt

Lange wendet sie vor Ida noch alle
Argumente hin und her die für oder 
Gegen Permaneder sprechen der
Ja nicht schön aber ehrlich wäre

Dann schläft sie irgendwann ein 
In dem Wissen als Buddenbrook
Wird sie wieder ihre Pflicht tun 
Wie es die Familie von ihr erwartet

Wieder rutscht Tony in eine Ehe 
Die ihr nicht ideal erscheint aber
Tut ihre Pflicht als Teil der Familie
Was wichtiger als alle Gefühle ist

Mit viel Humor und feiner Sprache
Inszeniert Thomas Mann dieses
Nächtliche Gespräch am Himmelbett
Von Tony die ihre Pflicht tun wird 

Im Zauberberg geht der Spaziergang
Weiter mit Settembrini und Naphta 
Wie Mynheer Peeperkorn und dem 
Rest wobei zum Streit der beiden

Der Holländer unter seinem Hut 
Nicht viel zu sagen hat den Mann
Mit feinem Humor ein torkelndes 
Mysterium nennt das wie immer

Vom Weg noch dazu angestrengt 
Nur Wortbrocken von sich gibt bis
Er anhält und aller Aufmerksamkeit
Zuerst für die klare Luft fordert dann

Den Blick nach oben wendet um
Mit scharfem Blick einen Steinadler
Zu erkennen dessen Merkmale er
An der Form der Flügel beschreibt

Daraus mit relativ klaren Sätzen
Die natürlich am Ende unvollständig
Dessen Jagd auf blutige Beute
Beschreibt auf die er niederstürzt

Nun war Peeperkorn wieder in seinem
Element und lud alle ein um gleich
Einzukehren noch eine Mahlzeit
Zwischendurch zu sich zu nehmen

Der großzügige reiche Holländer
Mit seinem Geld aus den Kolonien
War plötzlich wieder Herr der Lage
Macht alle zu seinen Gästen

Hier stand er wieder im Mittelpunkt
Steuerte das Geschehen durch den
Blick auf ein Naturereignis das fern
Allen Intellekts einfach da ist wie er

Während er zwischen den Diskursen
Von Settembrini und Naphta einfach
Verloren und dumm wirkte war er
Nun wieder der König der Hof hielt 

Ein wunderbares Bild was den 
Hohlkopf der er real war als König
Nach der Natur zeigt der in ihr mit
Scharfem Blick als solcher wirkt

Der Mann der eigentlich nichts im
Zusammenhang vernünftig sagt 
Regiert als König nach seiner Natur
Gestaltet die Wirklichkeit ungeistig

Auf keinen Fall sollte Joseph sich
Entmannen meint die entsetzte Mut
In Joseph und seine Brüder nun
Lieber solle er sich mit ihr vereinen

Das dürfe nicht sein meint Joseph
Darauf entschieden und klar was
Mut zu einem gefährlichen Wutanfall
Bringt in dem sie ihn bedroht

Sollte er sie nicht endlich nehmen
Wonach alles in ihr schreit werde 
Sie vor ihrem Mann schwören er
Habe sie gewalttätig vergewaltigt

Mit ihr getan was sie noch wolle
Nur gegen ihren Willen dann was 
Sein Ende zur Folge haben wird 
Das grausamer als grausam wird

Mit feinem Sadismus malt sie ihm
Die Todesarten aus die ihm drohen
Wie die Krokodile ihn fressen werden
Oder er Hunden vorgeworfen würde 

Sie ihn auf kleiner Flamme mit dem
Größten Schmerz rösten würden 
Bis er es nicht mehr aushielte 
Und schrie was keiner hörte 

Noch könnte er es abwenden wenn
Er ihr seinen Kranz endlich schenkte
Worauf er meinte es könne nicht sein
Weil er vor seinem Gott aufrecht

Mit reinem Gewissen bleiben müsse 
Auch habe sie recht er würde nicht
Widersprechen wenn sie ihn vor
Seinem Herren anschwärze 

Sie warnt ihn am Ende noch vor
Seiner Klugheit die ihm weh tun wird
Weil sie mit ihrem unermesslichen
Ungestillten Verlangen alles nun täte

Genial und dennoch humorvoll ließ
Thomas Mann die beiden Figuren
Der biblischen Geschichte auf das
Ende mit der Wende zusteuern

In genauer Kenntnis der großen
Emotionalen Not die Menschen
Als Opfer ihrer Triebe antreibt ist
Dies Ende noch dazu königlich 

Er wird jede Strafe ohne sie der
Lüge anzuklagen auf sich nehmen
Sollte sie ihn wirklich anklagen dafür
Sogar bis in den Tod gehen

Damit wird sie völlig hilflos die
Doch nur Liebe und Lust will 
Er verstärkt ihren Wunsch nach
Rache wegen verletzter Liebe 

Sie hat als Herrin die Mittel ihn
Bestrafen und vernichten zu lassen
Er aber bleibt ihr moralisch überlegen
Ihre grausame Rache verletzt sie

Durch sein Vertrauen auf seinen Gott
Den sie noch dazu nicht kennt zeigt
Joseph ihr wie wenig sie ihn erreicht
Nimmt ihr auch die letzte Hoffnung

Zugleich verstärkt er noch ihre Wut
Die endlich mit ihm schlafen will
Ihn ohnehin über alles auch liebt
Indem er sich unnahbar gibt

Ob Joseph ihre Tat taktisch klug
Mit kleinen Zugeständnissen noch
Hätte verhindern können also auch
Mitschuld trägt wird selten gefragt

Nach der biblischen Geschichte in
Alter männlich dominanter Gesinnung 
Ist nur Mut das böse rachsüchtige
Weib bei Mann ist anderes möglich

So bietet die biblische Geschichte 
Mehr Möglichkeiten der Deutung
Zeigt bei emotionalen Konflikte sind 
Immer beide Teil der Eskalation

Enttäuschte Erwartungen sind das
Häufigste Ende von Beziehungen
Meinen viele dabei starb die Liebe
Schon vorher mit der Erwartung

Welch gute Kenntnis auch der
Intimen Beziehungen zwischen
Den Geschlechtern zeigt diese
Interpretation der Ereignisse

Der keusche schöne Mann der
Durch seine Keuschheit die Frau
In den Wahnsinn treibt dem er
Zum Opfer fällt trägt Mitschuld

Folgt doch das sexuelle Spiel
Zwischen den Geschlechtern
Genauen Regeln die der keusche
Mann zu ihren Lasten nun bricht

Nichts erreichen zu können steigert
Das Begehren nach der Natur bis zum
Wahnsinn wer kennt das nicht auch
Denke ich und bewundere dabei

Wie Thomas Mann bei Umkehrung 
Der Verhältnisse offenbart die Natur
Folgt den Gesetzen des Marktes auch
Was für die Liebe seltsam noch klingt

Ist die Lust stärker und dominant
Besiegt sie die Güte der Liebe für
Grausame Rache im Ergebnis nach
Den Gesetzen des Marktes eben

Eine erstaunliche Geschichte über
Liebe und Lust die tief blicken lässt
Nachdenklich noch dazu macht wie 
Es eigene Reaktionen dabei betrifft

jens tuengerthal 24.5.26

Genusslust

Genusslust

Sein ist um zu genießen was ist
Es gibt keinen Zweck außer der
Lust am Genuss auf die zu bauen
Weiterführt als sich je zu quälen
Außer ich leide gerne was dann
Eine eigene Lust wieder ist die
Alle nach ihrer Fasson wählen
Sollen wie es ihnen gut tut
Erlaubt ist was gefällt außer
Andere werden dadurch gestört
Leben dreht sich besser um Lust
Mehr gibt es in ganz natürlich
Beschränkter Zeit nicht zu
Gewinnen und also nehme ich
Voller Lust den Hauptgewinn 
Lebe so lustvoll wie möglich

jens tuengerthal 24.5.26

Sinnlos

Sinnlos

Leben ist sinnlos
Sein Fortbestand
Ist nicht an etwas
Außer der physischen
Existenz geknüpft
Es ist mehr nicht
Dies können wir
Mehr oder weniger
Genießen was 
Vollauf genügt um
Glücklich damit
Seine ganz natürlich
Beschränkte Zeit zu
Genießen und mehr
Ist nicht alles darüber
Ist Aberglaube und Flucht
Vor der bloßen Wirklichkeit
Die aber besser sein kann
Als alles was uns die
Realität zu bieten hat
Warum die Phantasie
Vielen zum anstatt wird
Das mehr Genuss bietet
Sinnvoll ist das nicht aber
Das ist das Leben ja nie
Es ist was es ist mehr nie
Lustvoll zu genießen was
Bleibt alles was geht ganz
Ohne Sinn immer

jens tuengerthal 24.5.26

Pfingstmarketing

Pfingstmarketing

Pfingsten feiert den Heiligen Geist
Der über die Jünger kam um 50
Tage nach der Kreuzung wieder
Eine Motivation zu finden um ihre

Neue Sekte weiter zu verbreiten
Nicht zufällig fiel es genau mit
Einem jüdischen Feiertag noch
Zusammen was Tradition fortsetzte

Wie Weihnachten auf dem Weg des
Aberglauben nach Norden dazu kam
An Sonnenwendfeiern anzuknüpfen 
Dazu macht es eine bloße Idee

Den Spuk von heiligen Geistern
Zu einem realen Feiertag der Kirche
Dieser größten Organisation für
Kindesmissbrauch seit Anbeginn 

Was vermutlich weniger aus der
Sage vom Kindermord rührt als
Produkt klebriger Liebe nur ist
Die noch dazu keusch sein will 

Gegen unsere Natur die doch
Im sexuellen Erfüllung findet
Damit keiner der Konvertiten die
Pesach kannten fürchteten auch

Nur einen Feiertag zu verlieren 
Wurden die alten mit egal wie
Abstrusen neuen Behauptungen
Fortgesetzt und auch angenommen

Dabei war das Christentum mit
Seiner asexuellen Liebeslehre
Immer die weiteste Abkehr von
Aller Natur und Vernunft die so

Dialektisch den Reiz noch erhöhte
In diesem Sinne ist Pfingsten
Strategisch gutes Marketing für 
Das Produkt der neuen Sekte die

Damit zeigen schaut alle her 
Euch wird nichts fehlen bei uns
Das Volk feiert egal wie der Tag
Von den Priestern genannt wird

Hauptsache drei Tage feiern 
Gerne auch mit einem Ochsen
Wir könnten die Feiertage auch
Mit Abstand einfach nummerieren 

Wäre genauso passend dann
Aber Tradition ist ja auch ein Wert
Beim Marketing der Kulturen
So wie Pfingsten in Berlin halt 

Karneval der Kulturen heißt
War es den Juden Pessach und
Je absurder die Bedeutung desto
Fester der Glaube der Narren

Das war es zum Pfingstmarketing
Hokuspokus halt der ganz nüchtern
Ältere Traditionen fortsetzt damit
Keiner fürchtet was zu verpassen

jens tuengerthal 24.5.26

Zweifellos

Zweifellos

Zweifellos zu lieben 
Ist das schönste auch
Wenn zwischendurch
Krisen mal für Momente
Alles infragestellen sich
Dennoch sicher zu sein
Bleibt zweifellos was zählt
So dass die Summe stimmt
Immer die Liebe gewinnt 
Was zweifellos gut so ist
Mehr bleibt uns nie

jens tuengerthal 24.5.26

Pfingstriesling

Pfingstriesling 

Am Pfingstsonntag um 11 nach 1
Im Crossroads angekommen auf
Einen nächtlichen Riesling wo die
Musik für letzte Gäste ruhig ist

Vor der Bar noch vier Bekannte 
Im Gespräch beim Trinken wie
Eine bekannte Dame am Ende
Der Bar vorm Fenster für sich

Einige Gäste noch draußen
Tino und Selma räumen auf
Der Terrasse auf und einige
Gäste kommen rein plötzlich

Wandelt sich die Stimmung
Während die lustig gekleideten
Gäste im Retro-Look zahlen
Koordiniert Selma den Rest

Gespräche über Kinder am
Tisch und Planung für den
Geburtstag der Montag ist
Nun kehrt wieder Ruhe ein

Langsam wandert der Abend
Hier in die Nacht ohne große
Aufregung Platz genug für den 
Heiligen Geist der selten kommt

jens tuengerthal 24.5.26

Samstag, 23. Mai 2026

Lektürentagebuch 23.5.26

Lektürentagebuch 23.5.26

Über die guten englischen Manieren
Schreibt Curzio Malaparte herrlich fein
Ironisch eben sehr britisch auch in
Zwischen Erdbeben unter diesem Titel

Er fragt sich was wohl aus Europa
Geworden wäre wenn es den echten
Anglomanen gelungen wäre das alte
Geheimnis der Good Manners doch 

Noch zu lüften und ganz Europa dann
Plötzlich im Paradies der englischen
Manieren sich so höflich behandelte 
Wie es nur die Kinder Albions können

Albion ist dabei ein antiker Name für
Großbritannien der sich von den 
Weißen Kreidefelsen ableiten könnte 
Oder sogar keltische Wurzeln hat

Mit feiner Ironie taucht er dafür in
Die englische Geschichte ein nennt
Beau Brummell den bestangezogenen
Dandy aller Zeiten der überhaupt als

Gründungsvater dieses Stils zu gelten
Hat der mit George III befreundet war
Was diesem Hannoveraner dennoch
Nicht half sein Deutschtum abzulegen

Spottet über die niederländischen
Wie die deutschen Könige der Insel
Denen das wirklich große fehlt was
Das Geheimnis der Manners bilde

Durchstreift in diesem ironischen Text
Die englische Geschichte im Schatten
Der Idee was wäre wenn Europa das
Geheimnis der guten Manieren lüftete

Er zeigt mit diesem fein ironischen
Essay eine gute Kenntnis dessen
Was das englische Wesen ausmacht
Noch dazu mit britischem Humor

Beschreibt dabei sehr fein was den
Englischen Splean ausmacht mit so
Paten wie Walpole und Brummell
Was sogar Engländer treffend fanden 

Eine lohnende Lektüre die rasant von
Einem zum anderen springt im Ton 
Feiner Ironie konsequent dabei
Beschreibt was typisch britisch ist

Der Italiener hält den Engländern
Zumindest der feinen upper class
Den ironischen Spiegel vor mit
Soviel Humor wie Sachkenntnis 

Das ist ein Rule Britannia auf die
Feine intellektuelle italienische Art 
Lässt herzlich lachen und zugleich
Tief in englische Geschichte blicken 

Auf der Reise ins Paradies berichten
Heinrich und Christine Gondela nun
Am 11. September 1802 also genau
199 Jahre vor 9/11 lustigerweise

Mit wieder wunderbarer Ironie sehen
Die beiden Bremer Bamberg an und
Beschreiben mit kritischem Blick was
In dieser Stadt im Übergang zu sehen

Zunächst der Domplatz der Palast des
Bischof die Häuser der Domherren 
Wie die einst kaiserliche Burg in der 
Reihenfolge der Pracht eben auch

Der Dom von außen eher schlicht aus
Romanischer Zeit noch um das Jahr 
1000 stammend im Übergang schon
Zur Gotik hat die unter anderem die

Kaiserlichen Gebeine von Heinrich III
Seiner Frau Kunigunde und auch der 
Domherren mit Bildern auch der
Hauptaltar zeigt ein prächtiges Bild 

Beeindruckend schön und einem
Heutigen Kaiser würdig dagegen
Ist der hiesige Bischofssitz der
In der Zeit des Übergang verwaist ist

Auch die Häuser der Domherren
Sind prächtig wie kleine Schlösser
Dagegen ist die kaiserliche Burg
Eine eher spärliche Festung

Dort würde bestenfalls noch das
Personal des Palastes wohnen
Was als Pfalz des Kaisers der
Bamberg gründete noch steht

Von der Stadt aus geht es auf
Den Mönchsberg wo Benediktiner
Ein schönes Kloster mit bester 
Aussicht über die Stadt haben 

Die Stadt wächst langsam schon
Den Berg hinauf bevor sie den 
Ausblick genießen dürfen müssen
Sie noch mit ihrem Führer durch

Die hier Kirche mit den Reliquien
Des heiligen Bischof der Kranke
Hier nachweislich geheilt hätte 
Worüber sie spöttisch berichten

Vom endlich Ausblick sehen sie 
Einiges auch historisch interessantes
Wie die Burg auf der Stauferkaiser
Philipp noch ermordet wurde 

Vom übrigens Wittelsbacher die ja
Nun bald wieder neue Herren in
Bamberg sein sollen warum auch
So viele bayerische Soldaten überall

Auch die vorbildliche Anlage des
Spitals das der vorletzte Bischof
Hier nach den Grundsätzen der
Aufklärung anlegen ließ sehen

Sie zumindest die Anlage und
Ihre vorbildlichen Gärten die sie
Sodann besuchen und genau über
Die vorbildliche Ordnung berichten

Vieles davon ähnelt schon modernen
Krankenhäusern mit Zimmern mit je
Acht Betten für Kranke und einem
Für die Schwester und ein Notbett

Die Betten hätten jeweils Vorhänge
Für eine Privatsphäre der Patienten
Wie an jedem Bett Schilder auf denen
Name Diagnose Diät dazu standen

Der gute Bremer Kaufmann darf alles
Besichtigen und berichtet sowohl über
Die Ordnung der Klinik wie auch die
Kosten für das Bett pro Nacht genau

Sichtlich angetan von dieser ganz
Modernen Klinik mit eigenem Park
Wird das Wirken des Bischofs als
Vorbildlich von ihnen dargestellt  

Der Besuch bei einem großen
Ausflugsziel ist erstmal eher 
Enttäuschend es war heiß aber
Viel wäre noch nicht los gewesen

Auf dem Rückweg sehen sie auf
Dem Domplatz einen Wagen mit
Kindern und Soldaten um den ein
Reges Gedränge auch herrscht

Als Heinrich sich nach vorne drängt 
Hört er die Geschichte eines wohl
Rattenfängers der den Bauern die 
Kinder mit kaiserlichen Versprechen 

Nahm und gerade überführt und
Verhaftet worden sei auch die
Kinder auf dem Wagen bestätigten
Die sehr seltsame Geschichte

Trotz genauer Erkundigung aber
Hörte er später nichts weiter davon
Danach beschließen sie eine Pause
Auch in Anbetracht der großen Hitze

Bei milderem Licht scheint ihnen
Das vorige Ausflugslokal nun doch
Wieder verlockend und sie folgen
Dem Fluss bis dahin aber kommen

Im schließlich dunkel dann dort an 
Hatten schönes Licht unterwegs
Die Lage in Bamberg voller armer 
Bettler und Studenten denen er gerne

Noch etwas gab zumal ihr Führer 
Deren Bedürftigkeit noch bestätigte
Die politische und ökonomische
Situation der Stadt sieht er kritisch

Der bayerische Kurfürst residieren
Nicht vor Ort schröpfe nur zu sehr
Gäbe aber nichts um von Franken
Nur zu profitieren was dort aber

Keine Entwicklung verspreche und
Sieht den Übergang der Herrschaft
Vom Fürstbischof auf den da noch
Kurfürsten von Bayern kritisch

Der Kurfürst hatte sich nach der
Auflösung des Deutschen Reiches
Unter Napoleon bald erledigt dafür
Wurde der Bayer dann zum König

Zunächst aber wird im folgenden
Januar dann mit dem berühmten 
Reichsdeputationshauptschluss
Bamberg auch legal Teil Bayerns

Bisher waren die Soldaten dort
Nämlich eher illegal weil der früher
Herzog von Bayern nur Truchseß
Des Fürstbischof von Bamberg

Womit sich der stolze Bremer zurecht
Über die anarchischen Zustände im
Reich gegen alle Ordnung empörte 
Deren Auflösung noch bevor stand 

Politisch nennen wir so etwas heute
Normative Kraft des Faktischen die
Der Kurfürst mit seinen Soldaten in
Bamberg im September schon schafft

Ein also die Zeit auch politisch sehr
Brisanter Bericht der auch vieles 
Über das schwierige Verhältnis von
Bayern und Franken wohl erklärt

Mit Johann Gottfried Seume nach 
Graz gewandert wo er erstmal bleibt
Weil ihm Stadt und Leute gefallen
Es besonders schön dort wäre

Auf dem Weg hätte er viel über die
Gerechtigkeit und Billigkeit gegrübelt
Warum ein gerechter Fürst nicht
Noch gnädig sein müsste

Der Staat sei besser gerecht aber
Gnade bräuchten nur Verbrecher
Wie die französische Revolution
Die Idee von Gerechtigkeit beflügelte

Welche dann wieder im Sumpf der
Menschlichen Unvollkommenheit
Versank und wie gut Gerechtigkeit
Wäre auf die Verlass auch ist

Beschreibt dann den schönen Weg
Ins zauberhafte Graz und was es
Hinauf und hinab alles noch am
Lauf der Flüsse zu sehen hab

Schwärmt vom Theater in Graz
Das sogar Iffland kürzlich besuchte 
Wie die Besucher auch neben der
Vorstellung noch unterhalten werden

Das schlechteste Theater hätte er
Bei sich Zuhause in Leipzig gehabt
Alles unterwegs wäre viel besser
Sperrte die Masse nicht nur ein

Auch würden die Leute in Graz 
Besser und verständlicher deutsch
Sprechen als noch in Wien was 
Alle die Wiener hörten nicht wundert

Berichtet dann noch von Geschichten
Von der Bärenjagd die er erzählt dort
Bekam ohne zu wissen wie wahr es
Damit wäre staunt er darüber

Er hätte immer gedacht Bären und
Wölfe gäbe es nur noch in Polen
Wie in östlicher Wildnis davon was 
An Polen ihn erinnert und den

Korporal den er hier eine Melodie
Aus einer Oper zur polnischen
Revolution pfeifen hörte die er in 
Warschau hörte ohne zu verstehen

Vom Weg berichtete er noch von
Vielen riesigen Fuhrwerken die wohl
Alte Kanonen vielspännig zurück aus
Italien nach Wien transportierten 

Zumindest bereiteten die schweren 
Gefährte einen Weg auf dem sich
Gut laufen ließe wie ihm Soldaten 
Mit Waffe Vertrauen schenkten 

Er begründet dies weil nur die Guten 
Auch fahren dürften weniger Angst 
Vor Räubern war es wohl auch so oft
Er vorher schon davon schrieb

jens tuengerthal 23.5.26

Entdeckungsreisender

Entdeckungsreisender

Reise schon mein ganzes Leben
Entdecke jeden Tag neue Welten
Auch in mir und bin außer in meiner
Bibliothek heimatlos immer noch
Warum auch meine engste Beziehung
Die zu Büchern immer schon war
Muss darum nirgendwo mehr hin
Genieße lieber was bleibt wo ich bin
Weil genug in mir täglich passiert
Welten sich finden und verlieren
Gedanken bis über den Rand auch
Des Universums gerne streifen das
Im Reich der Phantasie vor allem
Keine Grenzen mehr kennt und
In Frieden miteinander lebt statt
Sich besiegen zu wollen lieber
Hingebungsvoll einander liebt 
Was die schönste Entdeckung 
Eines geteilten Universums ist
So bleibe ich immer ein großer
Entdeckungsreisender ohne je
Irgendwohin weg zu müssen

jens tuengerthal 23.5.26

Zeitnahme

Zeitnahme

Wofür nehme ich mir Zeit
Was braucht auch seine
Um in Ruhe zu reifen und
Wieviel Zeit habe ich noch
Dieses oder jenes doch
Zu erledigen überlege ich
Was muss ich überhaupt
Je erledigen solange ich
Ledig bleibe wohl weniger
Als in Beziehungen die gern
Zeit miteinander verbringen
Unbedingt etwas machen wollen
Aber sie viel zu selten dabei
Auch füreinander Zeit finden
Zumindest gerne so reden
Weil eigentlich sind so Typen
Wie ich einer bin am liebsten
Für sich ohne viel zu reden
Dafür mehr Zeit zum Lesen
Wofür ich mir besser viel mehr
Zeit nehmen würde statt noch
Etwas anderes zu wollen denn 
Wer liest verpasst nichts dabei
Ist dafür immer auf angenehmste 
Art noch beschäftigt ohne die
Zeit mit Unsinn totzuschlagen
Nehme mir zu gerne dafür 
So viel Zeit wie nur möglich
Und alle Zeit die ich mir nehme
Ist damit meine was mich so
Reich gelassen wie glücklich
Für möglichst lange Zeit macht

jens tuengerthal 23.5.26

Vierundzwanzigstundenregel

Vierundzwanzigstundenregel

Sich in allem Zeit zu lassen 
Lieber mehr statt weniger
Scheint mir in schnelllebiger Zeit
Wichtiger als etwas zu erledigen
Um was auch immer in Ruhe
Vernünftig bedenken zu können
Statt schnell emotional auf etwas
Reagieren zu wollen was selten
Gut geht vor jeder Entscheidung
Mit gravierend wichtigen Folgen 
Immer 24 Stunden abzuwarten
Vom Einkauf bis zur Liebe
Wird viele Katastrophen verhindern
Uns so einiges wohl ersparen
Aber auch viel Übung brauchen 
Weil gerade dann wenn etwas
Besonders wichtig scheint
Noch 24 Stunden nichts tun
Eine harte Prüfung schon ist
Aber war diese nicht besteht
Ist vermutlich wenig wert 
Bewahrt jedenfalls sicher
Vor mehr Katastrophen
Als das Nichtstun auslöst
Abwarten und Tee trinken
Könnte die Idee heute sein
Statt irgend Beschleunigung
Es braucht viel weniger
Was allen einiges erspart
Wertvoller macht was blieb

jens tuengerthal 23.5.26