Mittwoch, 8. Januar 2020

Biblioheim

Lebe in einer kleinen Bibliothek
Die egal wo Heimat und Rückzug
Seit fast zwanzig Jahren in Berlin
Über neun am Helmholtzplatz steht
Den ich mit seinen Cafés gut kenne
Aber Zuhause bin ich erst
Bei meinen Büchern die
Tradition der Familie so sehr
Wie mein Sammlerleben spiegeln
In dieser geistigen Heimat wurzelt
Was ich schreibe und denke
Dort komme ich her das bin ich
Ein Büchermensch der Tee trinkt
Der sich als Erfüllung am liebsten
Bücher gönnt wo andere eher
In Urlaub fahren oder sich sonst
Technische Kleinigkeiten kaufen
Stehen bei mir vor allem anderen
Fast sogar noch vor Lebensmitteln
Die Bücher die als geistige Quellen
Hauptnahrungsmittel mir fast wurden
Damit ordnet sich der Bibliothek
Vieles in meinem Leben auch unter
Was aus Sicht mancher unfrei macht
Die lieber Reisen oder unterwegs
Auf schöne Erfahrungen hoffen
Dagegen fühle ich mich grenzenlos
Frei erst in meiner Bibliothek die
Keine geistigen Grenzen kennt
Auch die der Zeit leicht überwindet
So scheint mir die Beschränkung
Dort niemals eine im Gegenteil
Während jede Reise notwendig
Den Zugriff auf die Bibliothek
Ausschließt zumindest beschränkt
So ist meine kleine Bibliothek
Im 3. Stock des Seitenflügels mir
Was Montaigne sein Turm war
Als ganze Welt längst genug
Heimat dem bibliophilen Narren
Der in ihr hat was ihn ausmacht
Wie spannend ist es doch sich
Mitten im unruhig trubeligen Berlin
In seinen Turm zurückzuziehen
Denke ich wenn ich ihn gelegentlich
Für einen Besuch im Café verlasse
Im Wissen diesen Ort sicher zu haben
Zum Rückzug wie als stete Quelle
Aus der ich Gedanken ins Netz sende
Die zwischen Büchern wurzeln
Was bräuchte es sonst als Liebe
Die wo sie bleiben soll sich auch
Hier miteinander Zuhause fühlt
So geht doch am Ende alles über
Die Bibliothek in der mein Diwan steht
Auf dem sich lesend liebend alles findet
In einer Welt voller Bücher lebend

jens tuengerthal 8.12.20

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