Mittwoch, 23. Juni 2021

Gartenmitte

Gartenmitte

Wer Berlin ostwestlich durchquert
Läuft am schönsten durch den
Tiergarten mit seinen um die Säule
Inmitten gelegenen fünf Teilen
So auch ich wieder am Morgen
Von der Liebsten in Schöneberg
Über Victoria Luise wie Nollendorf
Plätze und Lützow Park am Ufer
Kommend auf nordwestlichem Weg
Das große südöstliche Viertel dabei
Durchquerend auf neuen Wegen die
Das satte Grün beregnende Sprenger
Forderten dabei Einblicke gaben die den
Schönen Garten in heute Berlins Mitte
In seiner reichen Vielfalt offenbarten
Wiesen die wie Lichtungen wirken
Neben Lichtblicken am Wasser die
Von dekorativen Figuren kaum gestört
Immer wieder neue Perspektiven auf
Den Tiergarten mir offenbaren die diese
Grüne Mitte so liebenswert machen
Es ist ein Park also angelegt und geplant
Zufällig ist die idyllische Natur hier nicht
Aber so gekonnt inszeniert dass es dem
Städter immer wieder vorkommt als ob
Er im Wald stünde der sich zufällig nur
Zur gut gemähten Wiese öffnet was die
Immer wieder wuchernden Brennesseln
Zu bestätigen scheinen ohne davon gleich
Auf den Charakter der Berliner schließen
Zu wollen die diesem Gewächs im alten
Jagdrevier so viel Freiraum geben auch
Wenn es vermutlich viel eher nur ein
Hinweis auf falsche Sparsamkeit ist was
Den geizigen Märker allein zeigt dabei
Trifft der Flaneur durch das was seit 1920
Die Mitte Berlins eigentlich ist auch wenn
Tiergarten immer noch genannt auf die
Verschiedensten Formen von Eingeborenen
Nicht untypisch für die Stadt viele mit Hund
Den manche radelnd andere laufend mit
Oder ohne Leine querbeet oder den Wegen
Folgend von sportlich bis schick gekleidet
Als Teil ihrer Identität oder gute Kameraden
Wie Freunde oder Familie spazieren führen
Bei Begegnungen mit anderen Haltern dabei
Munter plaudernd über die jeweils Zustände
Der geliebten Vierbeiner in die dann dezent
Die Klagen über die Welt eingefügt werden
Wie sie auch Berliner zu gerne äußern weil
Meckern hierzulande mehr Tradition als Lob
Hat was letzteres hier nur für sich selbst 
Besonders hoch ausgebildet wurde wie es
Fontane als Zugereister Hugenotte so gut
Wie feinsinnig zu beschreiben weiß warum
Zur Kenntnis des Charakters der Berliner
Bis heute unverändert an ihn verwiesen sei
Was die Erzählungen aus egal welchem 
Umfeld immer wieder bestätigen über die
Wir Zugereisten milde lächelnd dabei alle
Stets bemüht selbst Berliner zu werden
Also unfreundlich wie schlecht gelaunt
Ihre großmäulige Ahnungslosigkeit als
Lokalkolorit gerne tarnend aber dort im
Tiergarten wo wir Berliner gern flanieren
Sind die Flächen weit genug Gesprächen
Außer in Notfällen auch aus dem Weg
Gehen zu können ohne dabei gleich der
Einsamkeit der Wälder zu verfallen sich
Doch als gerne Großstädter für den Moment
Der Durchquerung als guter Deutscher
Wieder im Wald stehend zu fühlen der
Am Vormittag reichlich gegossen wird
Der Garten inmitten spiegelt Berlin in
Seiner Vielfalt an verschiedenen Ecken
Wunderbar wieder so auch die gehetzten
Kostüm oder Anzugträger auf ihren Rädern
Ins Amt oder Büro rollend dabei sogar
Gelegentlich die Sprenger ignorierend
Mit erwartbar feuchtem Ergebnis was
Dem morgendlichen Gang durch den
Tiergarten auch eine komische Note gibt
Weniger als eine erotische leider aber
Das war nie hohe deutsche Kunst
Lernten wir besser vom Nachbarn
Besonders Ungewöhnliches wird dann
Mit ditt is halt Berlin kommentiert um so
Alles zu relativieren aber vermutlich ist
Die bloße Beschreibung des Flaneurs
Schon wieder eine solche Relativierung
Die alles belächelnd auch relativiert aber
Vielleicht machen die Begegnungen am
Morgen im Tiergarten Berlin doch mehr
Aus als die vielen Sehenswürdigkeiten
Denk ich der typisch berlinerisch dabei
Sein Erlebnis für den Maßstab der Welt
Hält die keiner versteht wie die Berliner
Kann vermutlich nur froh sein nie einer
Gewesen zu sein als nur Zugereister wie
Die meisten halt hier irgendwie hoffentlich
Merkt es nur keiner sofort bis dahin sind
Wir so unfreundlich wie von uns erwartet
Ob am Ende wir oder ihr ist hier egal und
Schön ist der Tiergarten als Mitte immer

jens tuengerthal 23.6.21

Victorialuisig

Victorialuisig

Sitze am Victoria Luise Platz
Mitten in Schöneberg im einst
Goldenen Westen Berlins wo
Einst Billy Wilder auch lebte
Benannt nach der Tochter von
Wilhelm II. Prinzessin Victoria Luise
Der späteren verheirateten Herzogin
Von Braunschweig und Hannover
Was zum Ausgangspunkt der heute
Wanderung gut passt wie ich lächelnd
Mit liebevollen Gedanken bemerke
Als er am 9. Juni 1900 mit einem
Großen Fest eingeweiht wurde
Die Namenspatin war da sieben
War Schöneberg noch nicht Teil
Berlins das wurde es erst 1920
Sondern gehörte zum Kreis Teltow
Auch war der heute teils noch von
Zauberhaften Altbauten umstandene
Platz noch nicht umbaut was heute
Eine zauberhafte Vorstellung ist hier
Mitten im dichtbesiedelten Westen
Der da vorher westberlinisch noch
Seine alte Sozialstruktur behielt
Wobei es heute durchmischter ist
Als ursprünglich gutbürgerlich geplant
So sitzt auf der Bank nebenan ein
Paar in den späten 50ern rauchend
Beim inzwischen dritten Bier was
Für halb zehn schon wacker ist
Nebenan toben Kinder staubaufwirbelnd
Im Rondell mit Säulen zur Regensburger
Sie kommen sichtbar aus allen Kulturen
Die das bunte Bild von Berlin prägen
Bringen ihre Eisbecher ordentlich zum Müll
Ihre Lehrerin im Sommerkleid mit
Hochgestecktem Haar zur langen
Grauen Strickjacke wäre apart in ihrer
Schlanken Gestalt trüge sie nicht
Silbrige offene Gesundheitssandalen
So vergessen wir sie schnell wieder
Junge Damen ihre Reize kaum dezent
Betonend laufen plaudernd vorbei
Zeigen schöne Figuren unter eher
Der Dekoration dienenden entsprechend
Hohl wirkenden Köpfen sind sie doch
Ästhetisch weniger Belästigung als
Manche die sich in sportlicher Absicht
In Leggins über den Platz quälen ihre
Nicht vorhandenen Reize schaukelnd
Von den Herren in grellen Farben am
Anderen Ende in sportlicher glänzender
Kleidung vom Discounter sei lieber
Nichts erwähnt den zauberhaften Platz
Im schönen Viertel der Liebsten nicht
In ein völlig falsches Licht zu tauchen
Auch die namensgleiche U-Bahn Station
Am anderen Ende des Platzes gilt als
Eine der schönsten der Stadt wie die
Stimmung sehr gelassen ist und das
Ursprünglich angedachte gutbürgerliche
Publikum sitzt ja um diese Zeit im Büro
Während die sonst friedlichen Nachbarn
Beim vierten Bier inzwischen ankamen
Der Dichter friedlich dazu dichtet
Prüft ein Gärtner die Grünanlagen
Hier in der westlichen Kleinstadt
Zwischen gediegen und gewöhnlich
Sitze ich auf einer Bank und hänge
Zärtlich schönen Erinnerungen nach
Im einst goldenen Westen Berlins

jens tuengerthal 23.6.21


Dienstag, 22. Juni 2021

Liebesglückswille

Liebesglückswille

Ist Liebe einfach ein Glück
Oder weniger Zufall als Wille
Zu leben was sich gut tut um
Genießen zu können was nach
Seiner Natur zusammenpasst
Wie ineinander irgendwie 
Bestimmt dann unsere Natur
Wen wir warum wollen oder
Ist dies eher willkürlich also
Von einer Entscheidung 
Abhängig deren Grundlagen
Aber Natur wie Prägung folgen
Vermutlich wie so oft von allem
Ein wenig aber nichts allein
Gefühl nennen wir gerne
Die Basis der Liebe dabei
Behaupten wir etwas über
Ein Ding dessen Wurzeln
Wir nur sehr teilweise kennen
Ob wir verliebt noch vernünftig
Entscheiden scheint fraglich
Aber ohne den Willen dazu
Würden wir fremdbestimmt lieben 
Womit Liebe keine Entscheidung
Füreinander wäre und damit
Moralisch ethisch völlig wertlos
Will mich für meine Liebste
Ganz bewusst entscheiden
Sie auch ganz wollen wie mich
Ihr ganz schenken wollen weil
Sich das dann richtig anfühlt
Ob diese Entscheidung füreinander
Vernünftig ist bestimmen noch
Viele auch soziale Faktoren 
Die wir selten überblicken wenn
Das Gefühl dem Körper folgend
Eine Entscheidung treffen will
So Gefühl vernünftig betrachtet
Also schon paradox auch ist
Bevor ich mich zwischen Natur
Wille und Gefühl nun verirre
Mache ich es lieber wie alle
Folge dem Gefühl dabei weil ich
Glücklich sein will was Grund
Genug ist wenn es passt
Wo nicht ist es nicht weiter
Der Rede wert und bin froh
Was Erfahrung mich lehrte
Als Basis einer Beziehung
Wenn beide sich wollen
Auch vernünftig zu betrachten
Weil im richtigen Moment
Die Natur macht was sie will
Und wir ihr willentlich blind folgen
Lobe das Glück weil ich mehr
Kaum davon verstehen kann
Und das alles geht irgendwie
Auch gerne durcheinander

jens tuengerthal 22.6.21

Begeisterungsglück

Begeisterungsglück

Willst du glücklich sein und bleiben
Lebe deine Träume und tu genau
Das was du willst und kannst wie
Wenige die irgendwas machen tun
Was ihr Glück ist warum so viele
Mehr klagen als genießen was
Leben beschwerlich nur macht
Dr. Samuel Pozzi einst Gynäkologe
Wie innovativer Chirurg im Paris
Des Fin des Siècle war einer
Den tout Paris kannte und liebte
So zerstritten sie untereinander
Oft in der Kultur tätig waren
Blieb er als begeisterter Arzt
Der viele Leben rettete positiv
Und wurde so wahrgenommen
Außer von seiner Frau die wohl
Sehr katholisch auch im Bett blieb
Warum Pozzi sie nach verschiedenen
Versuchen ihrem Glauben überließ
Dafür mit dem schwärmenden Rest
Wie etwa Sarah Bernhardt die eine
Seiner Patientinnen wie Geliebten
Über lange Zeit auch war all die
Schönen Freuden der Lust lebte aber
Auch männliche Freunde egal ob
Schwul oder Heten schreiben meist
Positiv über ihn etwa der sonst
Gern bissige Edmond Goncourt
In seinem Tagebuch wie heute
Julian Barnes der in seinem Buch
Der Mann im roten Rock schwärmt
Mit einer Liebe zum Thema welcher
Die Begeisterung anzulesen ist
Nur Frau und Tochter sahen auch
Die kritische Seite des Mannes den
So viele für seine Berufung liebten
Meckern und nörgeln über ihn
Die Söhne versagten oder wurden
Wahnsinnig anstatt und wie gut
Kann ich mir ihr Leiden vorstellen
Wie nah oder fern liegend das nun ist
Hatte einen Vater der Arzt aus
Überzeugung und Begeisterung
Immer war solange dabei tätig
Sich nie beschwerte sondern
Lieber engagiert begeisterte
Für alles von Klinik bis Wiese
Dachte lange er wäre wohl
Ein singuläres Unikat doch
Aus einer anderen Zeit noch
Im Weltkrieg gezeugt wie auf
Der Flucht aufgewachsen
So etwas gäbe es nicht mehr
Dann treffe ich völlig unerwartet
Eine die auch so ist wie die beiden
Aus Berufung mit Begeisterung wie
Viel Liebe in eben diesem Beruf
Betrachte die Liebste begeistert
Nicht nur weil sie so toll ist was
Sicher Grund genug wäre das
Leben mit ihr zu lieben sondern
Weil sie diese positive Begeisterung
Trägt die Menschen glücklich macht
Fühlte sich gleich so an schon
Bei der ersten Umarmung
Am Gleis der U-Bahn noch
Wurde immer mehr zur Gewissheit
Verleiht Flügel und bestätigt was
Oben geschrieben wurde denn
Glücklich macht wer seine Träume lebt
Dies teilen zu dürfen ist wunderbar
Was mehr könnte im Leben sein

jens tuengerthal 22.6.21

Regenbogenneutral

Regenbogenneutral

Die Allianz Arena zu München darf nicht
In Regenbogenfarben erstrahlen solange
Die UEFA dort als Gast spielen lässt was
Empörend reaktionär klingt aber schlicht
Logische Konsequenz der Satzung ist
Die jede politische Parteinahme verbietet
Warum der geplante Protest gegen den
Ungarn Orban unzulässig sein muss
Außer sie haben Mut genug sich selbst
Den Regenbogen als Motto zu setzen
Was ein starkes Bekenntnis wäre für
Mehr Normalität im Fußball endlich
Um natürliche Sexualität frei zu lassen
Statt verlogene Moral die diskriminiert
Noch länger zuzulassen so nötig ist
Wie zeitgemäß endlich doch gegen
Alle Regeln zur Neutralität verstieße
Konservative Gemüter wohl provozierte
Manche werden befürchten ein solches
Bekenntnis würde den Rechten noch
Wähler zutreiben doch ist diese Gefahr
Vermutlich minimal gegen den Gewinn
An neutraler Normalität warum es nie
Eine Frage sein darf die Freiheit dort
Zu verteidigen wo ihr Gefahr droht
Eine Verpflichtung das Stadion in
Budapest so zu beleuchten wäre gut
Könnte Fortschritt und Bewegung
In verkrustete Strukturen bringen
Ob der ehemalige Ostblock mit
Russland schon so weit ist
Scheint dagegen eher fraglich
Dort wäre politische Provokation
Was im Westen längst normal ist
Fraglich was der Maßstab ist der
Einen Kompromiss leiten kann
Ob Freiheit und Fortschritt die Welt
In eine bessere Zukunft führen
Oder Tradition noch weiter fesselt
Ist eine Frage der Aufklärung
Was hier vor 50 Jahren normal
Ist im ehemaligen Ostblock noch
Immer aktuell weil die Befreiung
Vom totalitären System keine Freiheit
In den Köpfen der Menschen brachte
Was eben Jahrzehnte noch dauert
Es unterscheidet sich in Nuancen
Ist aber überall dort sichtbar von
Polen über Ungarn bis Russland
Warum auch in Neufünfland dem
Etwas zurückgebliebenen Osten
Deutschlands Populisten noch am
Erfolgreichsten sind wenn auch
Weniger als bei östlichen Nachbarn
Doch brauchen die Reaktionäre kein
Verständnis um das Rad der Geschichte
Wieder zurückzudrehen sondern könnten
Nun in der Gegenwart abgeholt werden
Im Warteraum der Kulturgeschichte wo die
Orbans Erdogans Putins und Trumps
Das Vorgestern hochleben lassen
Als sei es eine Vision der Zukunft
Diesem Theater ein Ende zu machen
Ist nicht die Aufgabe des Fußballs
Wie der Regelwächter des Verbandes
Aber gäbe es dort Mut und Perspektive
Eine Normalität der Natur zu leben wird
Sich auch der zurückgebliebene Osten
Daran schneller anpassen um noch
Irgendwo dabei sein zu können nur
Als verspottetes Überbleibsel was wohl
Einige Jahre dauern wird aber wenn
Diese pandemisch unmögliche EM
Ein sinnvolles Ziel haben könnte
Sollte sie normale Freiheit zum Inhalt
Sich machen etwas zu bewirken was
Ohnehin kommt nur mancherorts
Eben erst hundert Jahre später
Neutral sein wollen ist nicht schlecht
Innovativ oder zeitgemäß aber besser
Wo Neutralität zur Verteidigung einer
Reaktionären Ansicht nur dient wird
Was als Enthaltung erschien zur
Parteinahme für Intoleranz die
In Europa keinen Raum hat
Es beginnt langsam aber geht
Ruhig seinen Weg zur Freiheit
Fußball hatte eine Chance dort
Vorne mit dabei zu sein als eine
Innovative Kraft der Mitte dabei
Sind Formalien nur eine schlechte
Ausrede nicht zeitgemäß zu sein
Es steht keinem gut sein geistiges
Tempo vom Langsamsten bestimmen
Zu lassen wenn es um Toleranz geht

jens tuengerthal 22.6.21

Montag, 21. Juni 2021

Organfete

Organfete

Zur Fete de la musique
Das Organ aufgesucht
Was zuerst eine lange Suche war
So verborgen liegt dieser Ort hier
Zwischen Containern und Eisenbahn
Verborgen mit Schrottplatzazmosphäre
Die wie ein Kontrapunkt zum Konzert wirkte
Wo Laura Dee und Frieda Lee spielten 
Mit Keyboard Gesang und Cello
Diesen verborgenen Ort verzauberten
Mit wunderbaren Liedern die von
Chanson bis zur virtuellen Liebe reichten
Wobei Laura mit ihrer Bühnenpräsenz
Schon zur Begeisterung genügte die
Frieda noch kongenial auf dem Cello
Dem sie magische Töne entlockte
Während sie mit Leidenschaft und Lachen
Zur sinnlich variantenreiche Stimme spielte
Steigerten sich beide mit jedem Song
Rissen das Publikum zu euphorischem
Beifall wie sogar zum Mitsingen mit
Von Lehrerin Laura dabei dirigiert
Quittierten sie den Jubel noch mit
Zwei Chanson Wiederholungen was
Immer mehr bejubelt wurde
Schafften die beiden eine traumhafte 
Atmosphäre in dieser längsten Nacht
Des schon so heißen Jahres was der
Begeistert lauschende Dichter voller
Freude genoss die noch durch den
Anblick der beiden Schönen in ihren
Wunderbaren Kleidern ergänzt diese
Mittsommernachtsfete zu einem so
Vielfältig schönen Traum machte
Der allen hier in Erinnerung bleibt

jens tuengerthal 21.6.21

Wendepunkte

Wendepunkte

Heute wendet die Sonne
Die Tage werden wieder
Bis der Winter beginnt
Kürzer und irgendwann
Die Nächte wieder länger
Wendepunkte im Leben
Bemerken wir oft erst
Hinterher um dann so
Zu nennen was zuerst
Nur im Fluss war aber
Später als großer Fels
In der Brandung des Lebens
Markant merkwürdig scheint
Ernst Jünger sagte einst
An den Wendepunkten des
Lebens steigt ein neuer
Steuermann an Bord und
Der Kurs richtet sich nach
Den Sternen statt Landmarken
Aufschauen könnte da helfen
Als etwa die Mauer fiel
War ich noch fern von Berlin
Schien es mir weniger besonders
Heute ist es ein Wendepunkt der
Auch mein Leben später veränderte
Der ich als Wessi im Osten lebe
Eine beginnende Liebe etwa
Fängt schüchtern vorsichtig an
Später feiern wir den Anfang
Von dem wir noch nichts wussten
Oder vergessen ihn lieber
Falls das Glück sich verliert
Wir feiern unsere Geburtstage
Als erinnerten wir uns noch
An diese Wendepunkte die
Wenn sie denn auftauchen
Erstmal harmlos scheinen
Noch alles offen lassen
Vielleicht wären viele viel
Glücklicher wenn sie mehr
Für das was kommt feiern
Statt Erinnerung festzuhalten
Leben was sie lieben um
Damit zufrieden zu sein

jens tuengerthal 21.6.21

Achtflach

Achtflach

Wer die 8 flach legt
Erhält das Zeichen
Für unendlich und ist
Also ohne Ende dabei
Was wo wir Schöpfen
Also zeugen ohne Zeugen
Wohl erschöpfend sein mag
Voller Lust ein Traum ist
Gekommen um zu bleiben
Solange nur ein Traum bleibt
Das Paradies den Gläubigen
Sportlich den Realisten steht
Die 8 mit zwei Löchern auch
Manchen für anderes was hier
Vermutlich kein Ende fände
Darum endlich kein Thema ist
Aber da es nur um Mathematik
Das Symbol der Unendlichkeit
Hierbei geht muss keiner hier
Weiter denken als nötig aber
Was fest steht findet sein Ziel
Alles übrige wäre ein endloses
Thema zwischenmenschlich
Auf der Suche nach Glück
Dabei ging es nur darum
Wer hier die 8 flach legt
Als Zeichen für mehr als
Irgendwer zählen könnte

jens tuengerthal 21.6.21

Berlinliebe

Berlinliebe

Von Westen nach Osten durch Berlin
Gewandert dem Wetter zum trotz weil
Du manchmal ankommst wenn du
Einfach los gehst um da zu sein
Nur fast auch zerflossen dabei
Losgegangen bin ich schon Sonntag
Etwas mehr als eine Stunde vor
Mitternacht im Osten gen Osten
Noch schwitzend immer warm
Um am Lichtspiel ohne Haus
Am östlichen Rand des Hains
In der Nacht anzukommen
Wie zusammen dann offen
Auch oben gen Westen zu rollen
Wo auf dem Dach angekommen
Das sich mir überraschend öffnete
Sternenblick verklärt gen Westen ging
Etwas tiefer ostwestlich dann
Gemeinsam ungeteilt in der einst
Geteilten Stadt die Nacht verbracht
Solange nah bis der Morgen wieder
Voneinander entfernte um dann
Nordöstlich bis wie dort ostwestlich
Den Tiergarten zu durchqueren
Ab durch die Mitte gen Nordnordost
Den Berg schwitzend hinauf nach
Zwölf Kilometern nach Zwölf schon
Dort hinter dem Ventilator am
Helmholtzplatz wieder angekommen
Liebe ich diese Stadt irgendwie
Wie in ihr gelegentlich um wenn
Geliebt wo auch immer zu bleiben
Angekommen zwischen Ost und West

jens tuengerthal 21.6.21

Sonntag, 20. Juni 2021

Klimakonto

Klimakonto

Schuldrecht hilft nicht zur Gerechtigkeit
Sondern begründet Ansprüche oder nie
Spannend aber wird es wenn wir die
Maßstäbe von Haftung und Ausgleich
In der real existenten Klimakrise nun
Auf individuelle Verantwortung umrechnen
Also jeden einzelnen verantwortlich machen
Für die Folgen seines Handelns statt Staaten
Allein würden Bürger und Firmen haften
Anstatt und dies über ein Klimakonto für
Jeden Menschen natürlich egalitär dabei
Auszugleichen damit jeder bekommt
Was verdient oder Verursachung gemäß
Persönlich für Klinaschäden anteilig haftet
Würde Klimaschutz gerecht wie lohnend
Wer sich klimaschädlich verhielte bekäme
Logisch die Quittung für Vielflieger wie
Geländewagenfahrer würde es teuer
Während jene die rücksichtsvoll leben eine
Gutschrift erhielten ebenso wer auf
Individualverkehr und Reisen verzichtet
Ein Flug nach Malle als Jahresbudget
Bedeutete alles weitere wird teuer
Löst die Haftung mit aus von der
Nur Bonuspunkte selten befreien
Wer zuhause Bücher liest statt
Fernzusehen würde energetisch belohnt
Da die Bilanz deutlich besser ist
Gleiches gilt für Entwicklungsländer
Die großes Kapital ansammelten
Ein gerechter Ausgleich zwischen den
Tätern und Opfern des Klimas
Wo Vernunft und große Appelle
An die Vernunft nicht greifen käme
Der nüchterne Kapitalismus mit
Einer privaten Rechnung ins Spiel
Könnte Gerechtigkeit herstellen
Ließe Täter persönlich haften
Zugrundegelegt würde der durchschnittliche
Energieverbrauch jedes Menschen
Wie dessen Auswirkung aufs Klima
Bitcoins würden nicht lohnend mehr
Arme Länder würden gewinnen
Plötzlich lohnte sich grüne Technik
Die Energie wie Ressourcen spart
Der Umbau der Volkswirtschaft würde
Zum kapitalen Eigeninteresse bei dem
Gewinnt wer mehr spart was gut ist
Netflix würde teuer Bücher billiger
Nachhaltigkeit würde endlich lohnend
Wenn sich bald die Auswirkung des
Flugverkehrs auf das Klima zeigt
Bekämen die Firmen die Rechnung
Wie die Fluggäste gleich mit womit
Sich diese gefährliche Gewohnheit
Für das Klima bald erledigt hat
Worauf also warten wir noch um
Klimagerechtigkeit für alle zu schaffen
Mit Bedingungen freier Märkte

jens tuengerthal 20.6.21

Genusswachstum

Genusswachstum

Wie erreiche ich Wachstum
Ohne mehr zu wollen außer
Mehr an Genuss um somit
Schadlos mehr zu genießen
Wäre das die Quadratur des
Kreises die manche träumen
Oder nur die Konsequenz aus
Weniger ist mehr bei zugleich
Konzentration auf wesentliches
Dies hingebungsvoll zu genießen
Monogamie scheint langweilig
Wenn du viele haben kannst aber
Macht manches auch beliebig wie
Sich beim Sex noch besser zeigt
Als in gerne umfassenderer Liebe
Wenn das große Gefühl noch oft
Varianten findet interessant zu bleiben
Auch in multiplen Konstellationen
Weil von zu vielem dabei abhängig
Wird der Sex im Ergebnis langweilig
Zwar könnte Unterwäsche vielleicht
Den Anschein der Bestätigung geben
Wo ein String mit wenig auch viel mehr
Bewirken kann als deutlich mehr Stoff
Bei guten Miederwaren etwa doch
Gleitet die auch erotische Thematik
Schnell in Anscheinsbereiche ab die
Nur vorgauckeln dies weniger sei mehr
Vor allem bei viel mehr an Masse wäre
Zu wenig schnell auch eher entstellend
Weil der Überfluss nur überschwappte
Doch jenseits solcher ästhetischen
Kriterien der Auswahl vorm Genuss
Welche sich all denen stellen die etwa
Leggins im Überfluss bewerten müssen
Die beides meist eher verhindern
Weil zwar gut ist was gefällt aber
Gefallen wo es wertlos ist es bleibt
Primitiv hässlich unkultiviert ist
Spannender jedoch wird die Frage
Wo die Beschränkung zum Glück
Wird was sich langsam offenbart
Manche Leute unternehmen viel
Aber kommen zu wenig außer ihr
Persönliches Klimakonto zu ruinieren
Andere konzentrieren sich lieber
Auf weniges für sie entscheidendes
Sind damit mehr bei der Sache wie
Im Sinne globaler Verantwortung
Deutlich unschädlicher leben also
Mit besserem Gewissen logisch freier
Während Touristen wie Autofahrer mit
Verbrennungsmotor oder Flieger sich
Wären sie je ehrlich schlecht fühlen
Müssen wie unfrei im Sinne einer
Kritisch aufgeklärten Gesellschaft
Auch wenn viele bis heute noch ihre
Schädliches Dasein hinter Konventionen
Wie Gewohnheit der Masse tarnen doch
Könnte ein nachhaltiges Genusswachstum
Diese Schule der Dummheit beenden
Wobei das spannende an diesem Prozess
Bleibt wie durch bloße Umbewertung
Schädliche Gewohnheiten verkehrt werden
Verantwortung ethischer Luxus wird der
Die so autonomen Bürger völlig befreit
Wenn dem letzten offensichtlich wurde
Dass die Gretas dieser Welt recht hatten
Wer weiter macht Mittäter der Vernichtung
Wird die keine Perspektive mehr öffnet
Als den damit beschleunigten Untergang
Während wer sich willentlich Wege suchte
Die wirklich klimaneutrales Leben erst
Dauerhaft ermöglichen sich guten Gewissens
Auf seinen Lorbeeren ausruhen kann

jens tuengerthal 20.6.21