Montag, 5. Januar 2026

Lektürentagebuch 5.1.26

Lektürentagebuch 5.1.26

In den Buddenbrooks kommt der
Konsul seine Tochter Tony besuchen
Nachdem Grünlich ihn schriftlich um
Eine große Summe gebeten hat

Die Begegnung von Vater und Tochter 
Ist wieder ein geniales Meisterstück
Von Thomas Mann das mit Etiketten 
Erwartungen und Gefühlen spielt

Der Konsul von seinem schlechten
Gewissen getrieben weil er Tony
In diese Ehe drängte will wissen
Ob diese ihren Mann wirklich liebe

Fragt sie zunächst sehr formell und
Tony antwortet wie es von ihr als
Tochter des Hauses Buddenbrook
In ihrer Rolle erwartet wird mit ja

Vorsichtig versucht er zu erfahren
Was sie von Grünlichs Situation weiß
Wobei offenbar wird dass sie nichts
Oder nahezu nichts bisher ahnt 

Auf weitere Nachfrage hin ob sie
Auch bereit sei ihrem Mann in
Schlechte Zeiten zu folgen antwortet
Tony erwartungsgemäß korrekt nur

Hier spielt Thomas Mann mit der
Eheformel in guten wie in schlechten
Zeiten die so formell auch nur von
Tony dabei nachgeplappert wird

Natürlich werde sie alles tun was
Der christlich moralische Vater von ihr
Erwarten konnte eine gute Tochter
Damit zu sein und spiele ihre Rolle

Daraufhin macht er ihr vorsichtig
Deutlich dass Grünlich bankrott sei 
Aber er könne ihn natürlich wenn
Sie ihn sehr liebe noch retten

Dazu müsste er der Firma aber
Die gerade herbe Rückschläge
Erlitt Kapital entziehen worauf
Tony sofort sagt auf keinen Fall

Sie hätte Grünlich immer gehasst
Nur ihre Rolle gespielt lieber käme
Sie mit ihrer Tochter mit ihm mit
Als der Firma Kapital zu entziehen

Damit hat der Konsul alles erreicht
Über das Stichwort Firma wurde die
Buddenbrook in Tony geweckt sie
Will die Firma vor Grünlich schützen

Noch bevor Grünlich aus dem Bad
Unten ankam während schon sein
Bankier Kesselmeyer im anderen
Salon wartete war sein Ende klar

Ein Spiel konventioneller Lügen
Endete als es um die Firma ging
Grünlich ist verloren und Tony darf
Nach vier Jahren Ehe ehrlich sein

Das bürgerliche Geschäft Ehe um
Das gerne Gefühle erlogen werden
Findet ein sachliches Ende sobald
Die heilige Firma bedroht ist

Die Buddenbrooks haben sich
Hochgearbeitet der Konsul zeigt
Gerne seine christliche Gesinnung
Die endet wenn es ums Geld geht

Zumindest soweit das Kapital der
Firma Schaden erleidet dann wird
Gerne eine Scheidung riskiert der
Ehe in die er seine Tochter drängte

Für kleine intim zärtliche Momente
Sind Vater und Tochter ganz ehrlich
Er möchte Absolution von ihr dafür
Sie in diese Ehe gedrängt zu haben

Tony möchte nichts lieber als weg
Von ihrem Ehemann den sie nie
Wollte und lieber geschieden sein
Als mit Grünlich bankrott gehen

Lieber geht sie zurück in die Heimat
Lebt gut im Elternhaus und ihr Vater
Kann so sein schlechtes Gewissen
Wieder beruhigen und christlich tun 

Eine Scheidung wegen Unfähigkeit
Des Gatten Frau und Kind noch
Angemessen zu versorgen ist
Legitim und bankrott ist wie tot

So endet das Kapitel Grünlich im
Leben von Tony wieder ganz im
Sinne der Firma und der Konsul
Darf ein gutes Gewissen haben

Wunderbar wie Thomas Mann
Diese verlogene christliche Moral
Des Konsuls hier bloßstellt der
Die bürgerliche Fassade hochhält

Auch das Umkreisen der beiden
Der formalen Erwartung zu genügen
Verliert alle Fassade im Schatten
Des Bankrott der schuldig macht

So kann der Konsul seine Tochter
Retten und aus der Ehe befreien
In die er sie gezwungen hat dabei
Geld sparen und sich gut fühlen

jens tuengerthal 5.1.26

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