Samstag, 8. November 2025

Lektürentagebuch 8.11.25

Lektürentagebuch 8.11.25

Florian Illies wird wieder unerträglich
In seinen Urteilen über Thomas Mann
Wie die Sucht der Familie nach der
Anerkennung durch den Zauberer

Er hat sicher viel recherchiert und
Gibt den Inhalt der Tagebücher der
Protagonisten seiner Kolportage wohl
Korrekt wieder nur mit Wertung halt

Diese kleingeistig billigen Urteile
Nach durchschnittlichem Horizont 
Sind wohl Teil der Produktion eines
Bestseller der sich gern lustig macht

Beginnend mit Thomas Träumen 
In denen Klaus Heuser auftauchte
Aus denen er glücklich erwachte
Wie dann der auch moralischen 

Bewertung und Verurteilung aller im
Umfeld dieses ach so verklemmten
Schwulen der nie seine Neigungen
Auslebte wie es doch geboten wäre

Das wissen alle Leser schon lange
Wem sonst soll davon erzählt werden
Geht es um Literatur oder um den
Alt gewordenen Promi-Klatsch noch

Das ist so anmaßend wie immer
Nervig und eher unerträglich in
Billig reißerischer Manier als das
Was Bunte sonst gerne bringt

All das passte zum billigen Klatsch
Ohne viel sachliche Information noch
Bieten zu können nur gelegentliche
Lichtblicke lassen noch weiterlesen

Bisher ist dieses Buch zu 98% nur
Billiger schlecht erzählter Klatsch 
Für 2% gut recherchierte Information
Wenn Illies dann noch etwas meint

Also seine Bewertung als Meinung
In die Gegend bläst täte ich diesem
Machwerk gerne Gewalt an aber bin
Leider zu friedliebend mit Büchern 

Noch mehr über den Fitnesskult wie
Die organisierte Produktivität der
Beiden Feuchtwanger Lion und
Marta klingt auch nach Bunte

Das alles ist einfach überflüssig
Lohnt die Lektüre nicht und lässt
Einen genervt verärgerten Leser 
Ratlos nur den Kopf schütteln

Dann plötzlich ganz unerwartet
Kurz davor die Lektüre dieses
Buches abzubrechen kommen 
Wunderbare Seiten über Sanary

Liebevoll mit wohl Kennerblick
Wird das Nest am Mittelmeer dort 
Beschrieben und das Leben fein
Wie sehr aufmerksam beschrieben

Was es dort überhaupt nur gibt vom 
Café über den Bäcker zum Tabac
Was sich um den Hafen alles zu
Wechselnden Zeiten versammelt

Sich dabei nahezu jeder Wertung
Enthaltend teils sogar liebevoll
Wird ein guter Eindruck hinterlassen 
Der ein Gefühl für Frankreich gibt

Stimmung und Alltag am Hafen
Um den sich alles dreht wird sehr
Aufmerksam gefühlvoll beschrieben
Ohne gleich zu kitschig zu werden

Diese kurzen guten Abschnitte die
Zeigen Illies kann schreiben wenn
Er denn will statt nur altbekannte
Billige Vorurteile zu verbreiten 

Sind der Grund der das scharfe 
Urteil über den Mist seiner nur 
Meinung so nötig begründet die
Das meiste unerträglich machen


Statt mich noch weiter über Illies
Mit seinem schlechten Bestseller
Zu ärgern las ich lieber Mann selbst
Was er in Sanary wohl schrieb

Versank länger als ich erst wollte
Als ich noch überlegte vielleicht
Ins Museum heute zu radeln was
In schönster Begleitung bald kommt

So hat das Museum noch Zeit bis
Die Kunstgeschichte lebendig wird
Joseph und seine Brüder lese ich
Seit bald 33 Jahren was auch was ist

Heute erfuhr ich dort in der dem 
Zauberer eigenen Kunst taktischer 
Sprachlicher Verzögerung endlich
Von den sieben Gründen des Joseph

Gründe die ihm am Sex mit Mut
Der verliebten wie geilen Herrin
Was letzteres im Wort schon paradox
Hinderten aus vielfältigen Ursachen

Es ist natürlich die Moral wie seine
Religion die aber nur vorgeschoben
Eine Mischung aus Verantwortung 
Tradition aber auch Eitelkeit mit dem

Leichtsinnigen Übermut dazu noch
So mischen sich die sieben Gründe 
Die sich aus verschiedenen Wurzeln
Speisen die teils bestraft auch werden

Wir wissen alle was nun droht aus
Der biblischen Geschichte die den 
Blick in den Abgrund uns öffnet doch 
Wie fein ironisch spielt Mann hier

Variiert zwischen göttlicher Moral
Jugendlichem Leichtsinn und der
Tradition wie schlicht der Natur die
Ein ähnliches Alter uns nahelegt

Das ist ein so grandioses Spiel mit
Der Geschichte wie mit der Sprache
In dem sich eine tiefe Kenntnis der
Menschlichen Psyche auch zeigt

Da wusste einer der sein Leben
Lang sich bemühte die Versuchung
Seiner Homosexualität zu besiegen
Genau wovon er humorvoll schrieb

Es wird teils fein verklausuliert mit
Altbekannten Vorurteilen der Völker 
Übereinander dann wieder ganz 
Konkret auch ausgesprochen

Da variiert ein Autor großartig
Feinsinnig auf dem Tableaux
Der Sexualität ohne sie zu nennen
Was humorvoll elegant gelingt 

Was denkt sich wer so etwas
Schreibt damit die Bibel belebt 
Komisch wie ernsthaft zugleich
Über unsere Natur dichtet 

Bewusst von dichten hier nun
Gesprochen denn der Josephsroman
Ist immer wieder große Dichtung
Spielt ein Lied auf die Bibel damit

Es scheut sich Mann hier im
Biblischen Roman und Stil auch
Nicht die Schuldfrage einfach
Umzukehren zu Lasten Josephs

Dieser habe durch sein Verhalten
Wie die ihm innewohnende sowohl
Eitelkeit und Gefallsucht provoziert
Hätte die Treffen verhindern können

Hat Joseph nicht sondern ist ganz
Bewusst bis an den Rand gegangen
Auch seine Eitelkeit zu pflegen der
Klar sein musste was Mut wollte

Ein verliebtes Wesen dem es 
Ganz offensichtlich an aller 
Nötigen Vernunft mangelt so
Weit zu provozieren ist Vorsatz

Könnte zugunsten von Mut nun
Argumentiert werden die ein Opfer 
Von Josephs Eitelkeit auch wurde 
Weil die Geschichte weitergeht

Das ist ganz großes Theater was
Die Untiefen des menschlichen
Charakters dabei gut beleuchtet
Mit Lust und Liebe fein spielt

Diese wunderbaren Seiten eines
Großen auch Dichters zu genießen
Um Illies Niedrigkeiten zu vergessen
Ist wieder eine große Freude


Diese Kunst ist literarisch nicht mehr
Zu übertreffen warum ich mich nun
Kurz Egon Friedell zuwende der über
Den Komponisten Lully schreibt 

In seiner Kulturgeschichte der Neuzeit
Die immer eine Freude auch ist weit
Über das historische hinaus als eben
Kulturgeschichte Zeitgefühl schenkt

Die Musik stellte sich hauptsächlich
In den Dienst des Theaters wobei 
Jean Baptiste Lully der eigentlich
Lulli hieß und Florentiner war

Der Schöpfer der tragédie lyrique
Also der großen Oper dabei schuf
Philippe Quinault die Verse dazu
Dabei hatte Lully fast ein Monopol

Durch einen königlichen Erlass war
Danach allen Theatern außer seinem
Verboten mehr als zwei Sänger und
Dazu sechs Musiker zu halten

Lully war zugleich Komponist wie
Intendant Dirigent Regisseur und
Vortragmeister der von seiner Kunst
So besessen war dass er an ihr starb

Er hatte bei einer Aufführung so
Wütend mit dem Rohrstock den Takt
Geklopft dass er sich tödlich am Fuß
Verletzte wie Friedell hier erzählt

Lully brachte auch den Chor der
Nur noch Staffage war wieder zur
Vollen Geltung und verlieh den
Rhythmus Primat vor der Melodie

Dass sich zu Tode klopfte wer auf
Das Primat des Beat im Barock
Setzte ist bis heute nicht ohne
Ironie nach den Beatles zu lesen

Es soll bei ihm die Musik nur die
Wirkung der Worte verstärken so
Ist seine Kunst Deklamation wie 
Wie Rhetorik in schönster Form

Damit ist er das vollkommenste
Gegenstück zu Racine und auch
Corneille er arbeitet rein rezitatorisch
Ohne alle Koloraturen und Arien

Dafür gab es große Ausstattung
Mit zusätzlich Ballett und mehr
Die Musik gehorchte dabei noch
Mehr dem Cartesianischen Ideal

Wie fein Friedell mit seinem so
Weiten Blick auf die Oper schaut
Uns ihre Entwicklung verdeutlicht
Auch bezüglich der Kammeroper

Ist so großartig wie sein Blick auch
In die ganze Epoche dabei durch
Kleine Bemerkungen dazwischen
Die das Netz der Geschichte zeigen

jens tuengerthal 8.11.25



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