Dienstag, 4. November 2025

Lektürentagebuch 4.11.25

Lektürentagebuch 4.11.25

Bei Egon Friedell in seiner feinen
Kulturgeschichte der Neuzeit über
Die Malerei unter Ludwig XIV also
Im Louis Quartorze Stil gelesen

Danach waren auch die Maler von
Den Cartesianischen Prinzipien ganz
Erfüllt bei Poussin sogar so sehr dass
Er den Zeitgenossen zu streng schien

Dabei bildete er sich am antiken 
Relief seine Figuren haben typische
Gesichter sind Gattungsexemplare
Wie Pflanzen in einem Herbarium

Keine seiner Gestalten kommt einem
Irgendwie bekannt vor dabei war er
Ein gelehrter Maler und Kenner auch
Des Altertums hat große Verdienste

Die Landschaft ins Bild gebracht zu
Haben aber tat dies als Archäologe
Der immer antike Gegenden malte 
Dabei sieht er alles mathematisch

Alles wirkt bei ihm abgemessen was
Friedell wunderbar beschreibt ohne
Sich über ihn zu erheben sondern ihn 
Als Meister der Stimmung zu loben

So sieht er den echten Barockmaler
Als Wegbereiter der subtilen Kunst
Claude Lorrains der als Virtuose des 
Lichts und Vordergrunds gesehen gilt

Bei ihm ist die Natur wirklich Natur
Aber nur in der domestizierten Form
Wie sie mit Saison und Hofsitte noch
Vereinbar war wie es sein sollte

Hyacinthe Rigaud sei der Hofmeister
Wie Obergarderobier des Zeitalters
Malte Menschen in der richtigen Art
So hatten sie würdig auszusehen

Die Manufacture royale für königliche
Möbel entwickelte sich unter dem
Hofmaler Lebrun zur Musterfabrik
Für gehobene Kunsttischlerei

Den ausgedehnten Parks wurde
Durch antike Figuren ein stolzes
Aussehen noch verliehen dazu 
Wurden Bäume und Hecken geformt

Schon damals wurde der Aufzug 
Erfunden der etwa dem heutigen
Entsprach aber nur in den großen
Palais unsozial benutzt wurden 

Dies entsprach dem Geist dieser
Epoche niemand wäre auf die Idee
Gekommen eine neue Erfindung
Außer für die Oberschicht zu nutzen

Eine kleine zarte Bemerkung nur am
Ende der Ausführungen zur Kunst
Im Zeitalter Ludwigs XIV verändert
Den Blick auf diese Epoche völlig

Es war die Kunst einer winzigen
Elite die sich die ganze Welt nach
Ihrem göttlichen Anspruch formte
Der logisch zur Revolution führte


Noch ein wenig Florian Illies gelesen
Der wohl meint witzig zu sein wenn er
Sich spöttisch über alle erhebt dazu
Aus den Tagebüchern meist zitiert 

So wird uns offengelegt dass der viel
Wert auf Fitness legende Kollege im
Hotel nebenan Lion Feuchtwanger
Mit Frau und Sekretärin schlief

Diese wohnt übrigens bei Manns
Im Palast Hotel nebenan dabei 
Schützt sich Feuchtwanger vor der
Exil Krankheit Depression auch

Aus Sicht von Thomas Mann mit
Seiner Ichsucht dieser sei notiert
Mann nach gemeinsamen Tee
Ausschließlich mit sich beschäftigt

Als Feuchtwanger Tage später einen
Steifen Hals hat diagnostiziert seine
Frau das sei sicher Syphilis die er sich
Bei seiner Sekretärin geholt habe

Worauf Feuchtwanger notiert Marta
Habe die Tendenz hinter allem gleich
Eine Schuld zu wittern was ihm wie
Illies anmerken muss wohl fremd sei

Den Besuch der beiden Brüder
Heinrich und Thomas Mann nannte 
Feuchtwanger nett den von Klaus und
Erika recht nett nun wissen wir es

Dafür lobt Thomas Mann das Wetter
Am 24. Mai 1933 als herrlich was er
Trotz allem Elend zu bewundern wohl
Bereit war das ist doch mal nett 

Golo schafft es tatsächlich über die
Diplomatenpost der Franzosen noch
Die 60.000 Reichsmark zu schicken
Was ihm große Anerkennung bringt

Klaus Mann sitzt währenddessen im
Hotel in Sanary arbeitet an seiner
Idee von der Exilzeitschrift die den
Namen Die Sammlung tragen soll

Dafür schreibt er Stefan Zweig wie
André Gide an und schreibt ganz
Empört an Gottfried Benn der zu
Den Nazis übergelaufen war

Das ist mal eine interessante neue
Information über die ich gerne mehr
Als den kleinen Absatz gelesen hätte 
Stattdessen Kitsch aus Sanary

Den muss Illies noch mit der dazu
Platten Bemerkung krönen das Klaus
Eben doch ein Romantiker wäre nur 
Halt ein hoffnungsloser Romantiker 

Das ist wieder peinlich und daneben
Angesichts Klaus Manns häufigen
Leiden an seinen Depressionen das
Ihn am Ende auch das Leben kostet

Dann wird von der brüderlichen
Eintracht erzählt mit der Thomas und
Heinrich beim Wein vor dem Hotel
In Bandol sitzen etwas sentimental

Vom früher vielen Streit wird erzählt
Mit wenig weiterführenden Details 
Die entscheidendes dafür ignorieren
Wie die Einigung am Totenbett der

Gemeinsamen Mutter das den Streit
Beendigt der noch in Betrachtungen
Eines Unpolitischen Ausdruck fand
Doch sie sind eben verschieden

Heinrich ist hemmungslos dagegen
Diszipliniert sich Thomas vor allem
Sexuell was Spannung erzeugt die
Hier wohl keine Rolle mehr spielt

Heinrichs Frauen tragen in der Familie
Mann den Namen Heinrichs Braut was sehr weibliche offenherzige wie
Zarte Musen meint die er versorgt 

Dabei soll Heinrich anderseits so
Steif hanseatisch noch gewesen sein
Dass er seine Geliebten im Bett sogar
Siezte wie einige später berichteten

Dann bewertet es Illies als Eifersucht
Wenn Thomas die psychische
Gesundheit von Heinrich für viel
Robuster als seine eigene hält 

Weil dieser Abends eine Flasche
Rotwein trinkt wie danach noch zwei
Cognac was er auch gerne täte aber
Heinrich sei allein lebend besser dran

Dann kündigt Heinrich wohl nach
Langem Zögern den Besuch von
Nelly an einer Heinrichs Braut also
Die er vorab für geistesgestört erklärt

So warnt der mit 62 Jahren schon
Eigentlich erwachsene Heinrich
Den Bruder mit einer Notlüge vor
Weil er dessen Urteil so fürchtet 

Nachdem Illies so Heinrich bloßstellte
Wird Thomas schwacher Charakter 
Beim Blick in die Buchhandlung an 
Der Promenade von Bandol gezeigt

Dieser soll sich laut Illies der dies
Vermutlich aus dem Tagebuch hat
Über zwei Bände von sich aber
Keinen von Heinrich gefreut haben

Wer frage ich mich will so etwas
Wissen und wem nutzt dieser nur
Herablassend wertende Bericht
Aber vermutlich soll es witzig sein

Dieser geschmacklose Humor auf
Kosten anderer ist ja heute in der
Comedy Szene sehr beliebt weil
Viele gerne über andere lachen

Das ist platt und reduziert einen
Der größten deutschen Autoren
Auf lächerliches Klatschniveau
Nur wer profitiert irgend davon

Florian Illies wohl sicher mit 
Einem zu Unrecht bejubelten
Bestseller der nur deutlich macht
Masse zeugt nicht für Qualität 


Nach diesem erwartbaren Ärgernis 
Gönne ich mir noch etwas schönes
Helen Hessels Ich schreibe aus Paris 
Berichtet vom Besuch bei Paul Poiret

Um 11 Uhr am Vormittag öffnet ihr
Der Portier hoch wie ein Grenadier
Wie die kluge Preußin treffend den
Mann mit dem sanften Lächeln nennt 

Sie erzählt von der Decke über den
Geweißten Wänden die golden und
Blau in Schrift und Bild den Tierkreis
Zeigt und den tippenden Mädchen 

Niedrige Gatter aus durchbrochenen
Silberrosen führen in das Rechteck 
Des Schauraums welche Bilder
Schafft diese Künstlerin der Sprache

Sie beschreibt die Gestalten die
Mit ihr um den leeren Teppich sitzen
Eine sehr angezogene geschwätzige
Frau pudere nichts als ihr Doppelkinn

Dabei macht sie ihrer Freundin noch
Schmeichelhafte Vorwürfe die doch 
So viele Millionen hätte während sich
Die Empfangsdame noch bemüht

Eine vornehme Engländerin schaut
Durch ihr Lorgnon die Wände hinauf
Vollkommene Beine hat die Frau ihr
Gegenüber am leeren Teppich dafür 

Einem unverkennbar provinziell doch
Geschäftig aussehenden Paar werden
Ganze Berge von Kleidern gebracht
Die vor ihnen ausgebreitet werden

Immer mehr Plätze füllen sich mit
Frauen deren eilige Männer stets
Nach der Uhr sehen das ganze zielt
Spürbar auf Effekt und Business

Dies zeige schreibt Hessel die enge
Bindung von New York und Paris
Den Einfluss von Film und Dollar
Auf den französischen Geist 

Plötzlich ist der Meister Paul Poiret
Im Raum und geht plaudernd von
Gruppe zu Gruppe dabei hing ein
Kittel um seine imposante Gestalt

Dies schafft eine Art von Intimität
Er tritt wie ein liebenswürdiger
Hausherr auf der seine Gäste begrüßt
Dann zitiert sie den Meister treffend

Nun beginnt die Vorführung und die
Typen von Mannequins variieren so
Wie die Formen der Modelle es gäbe
Kecke und ganz weiche Blondinen

Gestellte Schwarze mit heller Haut
Sie schreiten bist nah wenden kurz
Heben die Arme schlingen Schals
Öffnen Knöpfe lassen Einblicken

Genau und mit viel Sachkenntnis
Beschreibt die Mode Korrespondentin
Der Frankfurter Zeitung hier die
Kleider und ihre Besonderheiten 

Erfahre dass die Röcke nicht mehr
Ganz so kurz sind und Gürtel nun
Die Mitte ein wenig höher heben
Schmal begrenzen sie nur die Weite 

Doch nicht die Fülle der vielen
Phantasievollen Einzelheiten ist es
Sondern die Überzeugungskraft
Dieser Schöpfungen in der Welt

Etwas verzweifelt und sehr mondän
Ist die junge Frau im rostroten Kleid
Dessen Jacke von enggewellten
Rüschen durchzittert ist klingt toll

Schweigsam blutarm dagegen sei
Das junge Mädchen im Gobelin das
Priesterlich hinabfällt amerikanische Vorstellung von Montmartre dabei

Prüde Jugend drücke sich in dem
Delft Muster dagegen aus während
Lachende Freude im hellgelben 
Schottisch mit Fransen aufkäme

Alternder Koketterie dagegen gehört
Das kostbare Cape das Büschel von
Straußen umschmeicheln dagegen
Wären silberne Schals wie verliebt 

Sie sieht die Erregung einer ersten
Ballnacht auf weit offenen Blüten von
Magnolien duften erzählt von der
Begeisterung einer Amerikanerin

Die Schau ist nun zu Ende die 
Mannequins sind abgetreten dafür
Sind die Vendeusen an der Arbeit
Draußen fällt funkelnder Sonnenregen

Er trifft auf die Köpfe der blaublusigen
Arbeiter die trotz Trams und Autos
Das Straßenpflaster reparieren überm
Platz spannt sich ein Regenbogen 

Grandios mit welchem Tempo wie 
Zugleich Schönheit Helen Hessel 
Hier über eine Schau in Paris als
Großes Naturereignis auch schreibt 

Diese wunderbare Autorin die meist
Als Ehefrau von Franz Hessel wie
Mutter von Stephane Hessel und
Geliebte von Henry Pierre Roché 

Also nur durch ihre Männer statt
Für sich gewürdigt wird verdient 
Als ganz feine Autorin mit großer
Lyrischer Kraft gelesen zu werden

jens tuengerthal 4.11.25

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen