Lektürentagebuch 11.11.25
Entsprechend der Reiselust aus
Der Anderen Bibliothek die sich
Nicht auf Reisende beschränkt
Sondern den geistigen Horizont
Von Kulturen lesend erkundet
Begann die Lektüre schon heute
Nacht im Geisterfrühstück von
Wolf von Niebelschütz mit den
Pilgerfahrten ins Leere der mit
Der weisen Erkenntnis beginnt
Auf Pilgerschaft gehen hieß ehedem
Etwas völlig anderes als heute
Was mich schon in den frühen
Morgenstunden so langweilte
Dass mir gleich die Augen davon
Zufielen und weitere Lektüre
Bis zum Dienstagabend noch
Sich gedulden musste doch welch
Täuschung die Geschichte ist so
Gut wie schnell und humorvoll
Hieß früher das Reisen Abschied
Nehmen vom Leben um Höheres
Zu gewinnen auf großen Pilgerpfaden
Dabei namentlich dem Jakobsweg
Der durch ganz Europa schon lange
Auch nach Santiago de Compostela
Die Pilger auf ihrer Suche führte
Spirituelle Erlösung zu finden
Während heute der Sonderzug nach
Santiago führe mit Bischof dabei wie
Kunsthistorischen Experten dazu wo
Die Gebete via Lautsprecher kommen
Ganz bequem lassen sich dann noch
Lourdes oder Fatima mit Liegewagen
Wie Mahlzeiten im Speisewagen dazu
Quasi all inclusive Pilgern buchen
Dabei gibt es wie früher übrigens
Schon die Ware Pilgerschaft zu
Gestaffelten Preisen der Erlösung
Individualisten nehmen das Auto
Sie rollen im eigenen Wagen dann
Mit Wohnwagen daran gen Rom
Über Mailand und Florenz noch
Ihre Kodak blitzt was zu blitzen ist
Auch wenn Postkarten es meist
Schon besser zeigten zählt auf
Dem eigenen Bild der Sonnenstand
Den Reisende persönlich erlebten
Mit herrlich komischen Bildern
Spottet Niebelschütz über alles
Ringt um das richtige Wort für
Das besondere Erlebnis dabei
Als es noch keine Kameras gab
Hätten Reisende noch Zeichnungen
Von besonderen Orten gefertigt
Die wertvoller waren als jedes Foto
Nur wer so eine Stadt erlebte
Sie malte oder selbst beschrieb
Könne von sich sagen sie zu kennen
Behauptet Niebelschütz ohne Grund
Wobei sein Argument die geistige
Eroberung eines Ortes ganz von
Innen her sei zentral da mit der
Liebe im Wesen auch verwandt
Weil sie erst unsere Strahlkraft
Wenn wir von dort berichten noch
Begründen kann was kein Foto die
Nur blasser Abklatsch sind kann
Nicht was jeder gesehen haben
Muss oder soll erzählt noch die
Großen Geschichten sondern
Wo wir uns dabei wiedererkennen
Für alle die auf Reisen gehen gäbe
Es nichts wichtigeres als sich völlig
Frei zu machen vom terroristischen
Bildungshochmut und Konventionen
Noch immer von Goethe wie von
Winckelmann in Italien infiziert dabei
Ist was diese beschreiben heute in
Griechenland viel besser zu sehen
Meint Niebelschütz doch fehlt dort
Die Renaissance wie auch die feine
Küche aus Italien ist alles eher noch
Osmanisch als mitteleuropäisch je
Doch bringt jedes Gewitter über
Delphi mehr Erinnerung uns als
Der noch so lange Gang durch ein
Nationalmuseum meint er dazu
Halte diesen Erlebnishunger für
Überschätzten Unsinn um sich die
Immer unerträgliche Seite aller Reisen
Schön zu reden was nichts bringt
Schlecht kann es uns auch Zuhause
Gut und dabei noch besser gehen
Nur scheint das vielen zu normal
Während Reisen nur Körper bewegt
Die allermeisten meiner nicht ganz
Wenigen Begegnungen mit ganz
Zauberhaften Damen fanden auf dem
Westöstlich stehenden Diwan statt
Die weitesten geistigen Reisen
Habe ich in Büchern unternommen
Nichts kam mir innerlich näher als
Gute Lektüre in der eigenen Bibliothek
Darauf konzentriert wären viele viel
Zufriedener im Leben vor allem aber
Schändeten sie niemanden mehr als
Nötig wären friedlich zurückgezogen
Gegen die Sklaverei ist dagegen
Fast kriegerisch der Abschnitt über
Die drei Monate von Alexander von
Humboldt und Bonpland betitelt
In einem Brief an Willdenow kommt
Seine Zufriedenheit mit seiner guten
Gesundheit zum Ausdruck die Tropen
Wären sein Element er fühle sich gut
Humboldt wurde auch in Havanna
Von einflussreichen Menschen der
Dortigen Oberschicht mit offenen
Armen dabei noch empfangen
Dabei gab ihm die Kolonialverwaltung
Bereitwillig Einblick in den Handel
Bei dem wie er später schreibt jeder
Tropfen Zuckersaft Blut auch kostete
Er sah in den Monokulturen die der
Kolonialismus fördere wie auch in
Der Sklaverei eine Zwangslage die
Nicht mehr von Dauer sein dürfe
Dies begründet Humboldt aus einer
Natürlichen Ordnung und der dazu
Menschlichen Freiheit so seien die
Sklaven Haciendas unnatürlich
In seinem politischen Essay über die
Insel Kuba führt er viele Gründe an
Warum es ein Ende der Sklaverei
Bräuchte politisch wie ökonomisch
Er nennt die Sklaverei das größte
Aller Übel welche die Menschheit
Gepeinigt haben warnt davor dass
Jede Ungerechtigkeit schon einen
Keim der Zerstörung in sich trägt
Der alles gefährden könnte dabei
War Humboldt von Dezember 1800
Bis März 1801 auf Kuba das er
Als die duftreichste Insel beschreibt
Voller Schrecken sieht er dann den
Angriff der Matrosen auf Alcatrasse
Die in den Mangrowen lebten
Auf dem Weg zur französischen
Expedition für die geplante dann
Weltumsegelung berichtet Humboldt
Noch aus Trinidad wie vom Empfang
Den die Spanier ihnen peinlicherweise
Mit schlechten Versen vorgetragen
Durch lokale Priester noch machten
Was er sehr lebendig schildert
Im 23. Brief immer noch aus Wien
Schreibt Johann Kaspar Riesbeck
Treffend über Joseph und seine
Frau Mama Maria Theresia
Es beginnt mit der Ankündigung
Wie gut es Österreich und Wien
Gehen wird wenn Joseph erst
Allein ohne seine Mutter regiert
Dann plaudert er ganz nebenbei
Über Maria Theresia wie ihre Liebe
Verbunden mit Treue für ihren nun
Verstorbenen Mann mit dem sie
Zehn Kinder zeugte und wie er
Wohl von der Natur dazu gut
Ausgerüstet worden war sie ihm
Immer treu war anders als er ihr
Erzählt von ihrer Herrschaft die
Milde und Großzügigkeit mit der
Christlichen moralischen Strenge
Mischte die Rom noch übertraf
Von den unguten Einflüssen auf sie
Von konservativen Kräften etwa in
Böhmen die mehr schadeten und
Wie ohne Sklaverei alles besser wäre
Es wird berichtet was für eine soziale
Herrscherin sie wäre die alles täte
Für jene die sie um Hilfe bitten wie
Zugleich ungerecht sie auch wäre
Ein mutiges Porträt von einer der
Mächtigsten Frauen Europas noch
Vor der französischen Revolution
Das sie auch kritisch betrachtet
So wird auch der cholerische
Charakter beschrieben bei zugleich
Genauem Blick auf ihre Person
Die eigentlich gerecht wäre
Riesbeck gibt damit als reisender
Franzose getarnt eine erstaunlich
Kritisch offene Sicht auf die große
Kaiserin Maria Theresia die einst
Friedrich der Große eine der drei
Erzhuren nannte gegen die er Krieg
Über viele Jahre führen musste den
Er frech in Schlesien noch begann
jens tuengerthal 11.11.25
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