Dienstag, 11. November 2025

Lektürentagebuch 11.11.25

Lektürentagebuch 11.11.25

Entsprechend der Reiselust aus 
Der Anderen Bibliothek die sich
Nicht auf Reisende beschränkt
Sondern den geistigen Horizont

Von Kulturen lesend erkundet
Begann die Lektüre schon heute
Nacht im Geisterfrühstück von
Wolf von Niebelschütz mit den

Pilgerfahrten ins Leere der mit
Der weisen Erkenntnis beginnt
Auf Pilgerschaft gehen hieß ehedem
Etwas völlig anderes als heute

Was mich schon in den frühen
Morgenstunden so langweilte
Dass mir gleich die Augen davon
Zufielen und weitere Lektüre

Bis zum Dienstagabend noch
Sich gedulden musste doch welch
Täuschung die Geschichte ist so
Gut wie schnell und humorvoll

Hieß früher das Reisen Abschied
Nehmen vom Leben um Höheres
Zu gewinnen auf großen Pilgerpfaden
Dabei namentlich dem Jakobsweg

Der durch ganz Europa schon lange
Auch nach Santiago de Compostela
Die Pilger auf ihrer Suche führte 
Spirituelle Erlösung zu finden 

Während heute der Sonderzug nach
Santiago führe mit Bischof dabei wie
Kunsthistorischen Experten dazu wo
Die Gebete via Lautsprecher kommen 

Ganz bequem lassen sich dann noch
Lourdes oder Fatima mit Liegewagen
Wie Mahlzeiten im Speisewagen dazu
Quasi all inclusive Pilgern buchen

Dabei gibt es wie früher übrigens 
Schon die Ware Pilgerschaft zu
Gestaffelten Preisen der Erlösung
Individualisten nehmen das Auto

Sie rollen im eigenen Wagen dann
Mit Wohnwagen daran gen Rom
Über Mailand und Florenz noch
Ihre Kodak blitzt was zu blitzen ist

Auch wenn Postkarten es meist
Schon besser zeigten zählt auf
Dem eigenen Bild der Sonnenstand
Den Reisende persönlich erlebten 

Mit herrlich komischen Bildern
Spottet Niebelschütz über alles
Ringt um das richtige Wort für
Das besondere Erlebnis dabei

Als es noch keine Kameras gab 
Hätten Reisende noch Zeichnungen
Von besonderen Orten gefertigt
Die wertvoller waren als jedes Foto

Nur wer so eine Stadt erlebte
Sie malte oder selbst beschrieb
Könne von sich sagen sie zu kennen
Behauptet Niebelschütz ohne Grund

Wobei sein Argument die geistige
Eroberung eines Ortes ganz von
Innen her sei zentral da mit der
Liebe im Wesen auch verwandt 

Weil sie erst unsere Strahlkraft
Wenn wir von dort berichten noch 
Begründen kann was kein Foto die
Nur blasser Abklatsch sind kann 

Nicht was jeder gesehen haben
Muss oder soll erzählt noch die
Großen Geschichten sondern 
Wo wir uns dabei wiedererkennen

Für alle die auf Reisen gehen gäbe
Es nichts wichtigeres als sich völlig
Frei zu machen vom terroristischen
Bildungshochmut und Konventionen

Noch immer von Goethe wie von
Winckelmann in Italien infiziert dabei 
Ist was diese beschreiben heute in 
Griechenland viel besser zu sehen

Meint Niebelschütz doch fehlt dort
Die Renaissance wie auch die feine
Küche aus Italien ist alles eher noch
Osmanisch als mitteleuropäisch je

Doch bringt jedes Gewitter über
Delphi mehr Erinnerung uns als
Der noch so lange Gang durch ein
Nationalmuseum meint er dazu 

Halte diesen Erlebnishunger für 
Überschätzten Unsinn um sich die
Immer unerträgliche Seite aller Reisen
Schön zu reden was nichts bringt

Schlecht kann es uns auch Zuhause
Gut und dabei noch besser gehen
Nur scheint das vielen zu normal
Während Reisen nur Körper bewegt

Die allermeisten meiner nicht ganz
Wenigen Begegnungen mit ganz
Zauberhaften Damen fanden auf dem
Westöstlich stehenden Diwan statt 

Die weitesten geistigen Reisen
Habe ich in Büchern unternommen
Nichts kam mir innerlich näher als
Gute Lektüre in der eigenen Bibliothek

Darauf konzentriert wären viele viel
Zufriedener im Leben vor allem aber
Schändeten sie niemanden mehr als
Nötig wären friedlich zurückgezogen 


Gegen die Sklaverei ist dagegen
Fast kriegerisch der Abschnitt über
Die drei Monate von Alexander von
Humboldt und Bonpland betitelt

In einem Brief an Willdenow kommt
Seine Zufriedenheit mit seiner guten
Gesundheit zum Ausdruck die Tropen
Wären sein Element er fühle sich gut

Humboldt wurde auch in Havanna
Von einflussreichen Menschen der
Dortigen Oberschicht mit offenen
Armen dabei noch empfangen 

Dabei gab ihm die Kolonialverwaltung
Bereitwillig Einblick in den Handel
Bei dem wie er später schreibt jeder
Tropfen Zuckersaft Blut auch kostete

Er sah in den Monokulturen die der
Kolonialismus fördere wie auch in 
Der Sklaverei eine Zwangslage die
Nicht mehr von Dauer sein dürfe 

Dies begründet Humboldt aus einer
Natürlichen Ordnung und der dazu
Menschlichen Freiheit so seien die
Sklaven Haciendas unnatürlich 

In seinem politischen Essay über die
Insel Kuba führt er viele Gründe an 
Warum es ein Ende der Sklaverei
Bräuchte politisch wie ökonomisch 

Er nennt die Sklaverei das größte
Aller Übel welche die Menschheit 
Gepeinigt haben warnt davor dass 
Jede Ungerechtigkeit schon einen

Keim der Zerstörung in sich trägt
Der alles gefährden könnte dabei
War Humboldt von Dezember 1800
Bis März 1801 auf Kuba das er

Als die duftreichste Insel beschreibt 
Voller Schrecken sieht er dann den
Angriff der Matrosen auf Alcatrasse
Die in den Mangrowen lebten 

Auf dem Weg zur französischen
Expedition für die geplante dann
Weltumsegelung berichtet Humboldt
Noch aus Trinidad wie vom Empfang

Den die Spanier ihnen peinlicherweise
Mit schlechten Versen vorgetragen
Durch lokale Priester noch machten 
Was er sehr lebendig schildert 


Im 23. Brief immer noch aus Wien
Schreibt Johann Kaspar Riesbeck
Treffend über Joseph und seine
Frau Mama Maria Theresia

Es beginnt mit der Ankündigung
Wie gut es Österreich und Wien
Gehen wird wenn Joseph erst 
Allein ohne seine Mutter regiert

Dann plaudert er ganz nebenbei
Über Maria Theresia wie ihre Liebe 
Verbunden mit Treue für ihren nun
Verstorbenen Mann mit dem sie

Zehn Kinder zeugte und wie er
Wohl von der Natur dazu gut
Ausgerüstet worden war sie ihm
Immer treu war anders als er ihr

Erzählt von ihrer Herrschaft die
Milde und Großzügigkeit mit der
Christlichen moralischen Strenge
Mischte die Rom noch übertraf 

Von den unguten Einflüssen auf sie
Von konservativen Kräften etwa in
Böhmen die mehr schadeten und
Wie ohne Sklaverei alles besser wäre

Es wird berichtet was für eine soziale
Herrscherin sie wäre die alles täte 
Für jene die sie um Hilfe bitten wie
Zugleich ungerecht sie auch wäre

Ein mutiges Porträt von einer der
Mächtigsten Frauen Europas noch
Vor der französischen Revolution
Das sie auch kritisch betrachtet

So wird auch der cholerische
Charakter beschrieben bei zugleich
Genauem Blick auf ihre Person
Die eigentlich gerecht wäre

Riesbeck gibt damit als reisender
Franzose getarnt eine erstaunlich
Kritisch offene Sicht auf die große
Kaiserin Maria Theresia die einst 

Friedrich der Große eine der drei
Erzhuren nannte gegen die er Krieg
Über viele Jahre führen musste den
Er frech in Schlesien noch begann

jens tuengerthal 11.11.25




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen