Montag, 10. November 2025

Lektürentagebuch 10.11.25

Lektürentagebuch 10.11.25

In Joseph und seine Brüder nun im
Siebten Hauptstück unter dem Titel
Die Grube über Süße Billets gelesen
Die von Mut über Dûdu kommen

In feiner auf das höchste gesteigerter
Ironie beschreibt Thomas Mann wie
Der niederträchtige Zwerg alles tut
Mut und Joseph doch zu verführen

Zuvor wird noch in guten Worten
Beschrieben wie Mut sich in die
Angelegenheit immer weiter noch
Hineinsteigert mit wachsendem Wahn

Wie er ihm geschwätzig Vorsicht
Nahelegt die er verhindern will
Wie Joseph ihn zurechtweist er 
Möge sich um seine Angelegenheit

Alleine kümmern und sich im übrigen
Aus seinem Kreis dringend verziehen
Worauf der kleine Kerl mit dem Billett
Von Mut erst herausrückt um dann

Weiter niederträchtig zu schwätzen 
Das ist genial komponiert um so die
Ereignisse auf die Spitze zu treiben
Die Joseph scheitern lassen doch

An der bewussten Keuschheit mit
So vielfältigen Angriffen zu nagen
Erinnert an die Verführung noch 
Der Nonnen durch Casanova


Bei Florian Illies geht weiterhin
Die Sonne unter und manchen
Etwa Klaus Mann in Paris ist
Ohnehin schon ganz düster

Erfahre wie Klaus dort weiter 
Im Café Deux Magot sich bei
Der Lektüre deutscher Zeitungen
Über all die Umfaller echauffiert

Auch der Industrielle und Vater
Alfred Schwarzenbach will nicht
Dass seine Tochter nun sein Geld
In Klaus neues Projekt investiert 

Mit Gottfried Bermann Fischer
Führt er lange laute Diskussionen
Über die nötige Anpassung liest
Zugleich vom Verbot der SPD 

Er sitzt im Deux Magot noch mit
Anderen Emigranten am Tisch
Joseph Roth Hermann Kesten
Egon Erwin Kisch Harry Kessler 

Da hätte ich auch gern gesessen
Die hätten mich auch alle viel mehr
Noch interessiert als der kleine Klaus
Der aber nicht nur nervig war

Lion Feuchtwanger macht aus
Dem Vermissen der Heimat gleich
Einen erfolgreichen Roman noch
Die Geschwister Oppermann den

Er seiner Sekretärin Lola diktiert
Die ausnahmsweise die gerade 
Abwesenheit der Gattin nicht für
Sex nutzen will worauf Lion joggt 

Im Roman kommt eine indirekte
Anklage gegen Gottfried Benn
Mit dem er einige Geliebte noch
Zu Berliner Zeiten teilte

Dann klagt Klaus Mann über die
Bei Benn gebliebenen Geliebten 
Tut dies bei einer alten Freundin
Die inzwischen auch Benn Geliebte

Erfahre von der Beschlagnahme
Des Palais Pringsheim durch die
Nazis und den Schock den dies
Bei den beiden Bewohnern auslöst

Keiner dürfte sich noch über das
Schwanken von Thomas Mann
Ob des richtigen Quartiers vor
Dem Umzug nach Sanary wundern

Die krisenhaften Situation im Exil
Der bevorstehende Umzug aus
Dem Grand Hotel nach Sanary
Das alles brachte viel Unruhe

Alles was Thomas Mann hasste
Vermied wie er nur konnte um
In Ruhe arbeiten und dafür in
Geistigen Welten zu leben

Ballte sich über ihm dazu noch
Eine schwere Entscheidung die
Langfristig Folgen haben konnte 
Wer würde da nicht schwanken 

Scheinbar Florian Illies so wie
Er über dies Schwanken lästert
Vermute er kann nicht anders
Möchte dabei witzig noch sein

Was ich davon halte dürften die
Werten Leserinnen wissen alle
Anderen an interessiert es nicht 
Heute war es eher gemischt 


Als Beispiel für das echte Leben
Voller Gefühle und mehr stellt der
Kluge Egon Friedell in seiner 
Kulturgeschichte der Neuzeit 

Die Maximen des bekannten
Herzogs von La Rochefoucauld
Den er den ersten Aphoristiker
Der Neuzeit nennt uns vor

Sie seien einerseits auch vom
Geometrischen Geist geprägt
Als komprimierte moralische
Psychologische Abhandlungen

Daneben ist er Weltmann wie
Salonmensch in seinem Stil
Seine Apercus sind geistreich
Wie elegant und anmutig duftend

Seine Philosophie ist sehr einfach
Wie die Psychoanalyse alles auf
Sex zurückführe setzt er ganz auf
Eitelkeit oder Eigenliebe im Zentrum

Entsprechend sucht er überall nach
Dem Bodensatz der Eitelkeit noch
So redet einer lieber böse noch
Über sich als nichts zu hören

Wer Lob ablehne wolle dafür nur
Zweimal gelobt noch werden so
Verzeihen wir leicht den langweiligen
Aber nie denen die wir langweilen 

Auch für die Tugend gilt sie verliere
Sich in der Selbstsucht wie die Flüsse
Im Meer wir gäben uns einem Laster 
Nur nicht hin weil wir zu viele haben

Wo uns die Laster verlassen wird
Sich mit dem Glauben geschmeichelt 
Wir hätten diese bewusst verlassen
Ähnlich sei es auch mit dem Alter 

Alte Leute geben sich moralisch um
Zu verdecken dass sie nichts sonst 
Mehr können so seien die Laster
Stets eine Ingredienz der Tugend

Wie die Gifte eine der Heilmittel sind
Klugheit mischt sie beide zu einem
Gesunden Verhältnis zum Nutzen
Gegen die Übel des Lebens

Auch die Liebe beurteilt nur nach
Der Mehrheit ihrer Wirkungen ähnle
Mehr dem Hass als der Freundschaft
So sei es auch mit der wahren Liebe

Sie ähnle einer Geistererscheinung
Jeder rede von ihr aber keiner habe
Sie in Wirklichkeit gesehen gleichwohl
Sei Rochefoucauld kein Zyniker

Vielmehr ein Skeptiker voller noch
Geheimer Herzensregungen dem
Es darum geht nobles und zartes 
Zu denken und gut zu wollen

So bestehe das sicherste Mittel um
Betrogen zu werden darin 
Sich für noch gerissener zu halten
Entsprechend seine Bonmots

Es sei eine größere Schande
Seinen Freunden zu misstrauen 
Als von ihnen betrogen zu werden
Wer zu schnell seine Schuld zahlt 

Zeige damit nur Undankbarkeit
Leicht trösten wir uns danach
Über das Unglück unserer Freunde
Was uns nur Gelegenheit gibt ihnen

Ihnen unsere Liebe zu zeigen was
Eine Mischung aus Frivolität und
Edelmut zeigt als Materialismus 
Gemischt mit empfindsamen Takt 

Er gilt als der freieste Geist aus 
Dem Umfeld Ludwigs XIV dabei
Spiegelt der Spruch Lächerlichkeit 
Schändet mehr als Schande den 

Geistigen Charakter dieser Welt
Wozu sein Ausspruch zur Welt
In der jeder seine Miene mache
Als etwas dort zu erscheinen passte

jens tuengerthal 10.11.25

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen