Sonntag, 22. März 2026

Geschichtsmoral

Geschichtsmoral

Und die Moral von der Geschicht
Ist ein Zitat von Wilhelm Busch
Der im Sonntagsbad damit warnt
Nicht zwei in einer Wanne zu baden 

Das ist herrlich und auch komisch
Die typische Moral mit dem noch
Erhobenen Zeigefinger der damit
Mahnend Moral erreichen wollte 

Selbst in den Siebzigern groß
Geworden badete ich mit den
Freunden beiderlei Geschlechts
Was auch sinnlich schön war

Doch spannender als diese heute
Eher historische Pädagogik die mein
Vater aber als Kunst noch liebte bleibt
Die Frage nach historischer Moral

Dabei nicht nur was früher noch als 
Moralisch galt sondern vielmehr wie
Auf einer Metaebene die Betrachtung
Der Geschichte moralisch wirkt

Moral verändert sich im Laufe der Zeit
Manches wird liberaler anderes dafür
Moralisch strenger beurteilt während
Jeder theoretisch heute alles tun kann 

Der historische Weg zur Freiheit der
Bei den Epikuräern beginnt hat noch
Manch seltsame Wege fern aller Logik 
Bis zum heutigen Tag eingeschlagen

Sich dessen bewusst zu sein kann
Helfen die Geschichte zu verstehen
Warum Kant ein Anarchist schon war
Die Aufklärung noch so aktuell ist

Es weniger Romantik als Vernunft
Wie kritisches Denken noch braucht
Nur mehr Gefühl dafür wie Menschen
Den Mut zur Freiheit wieder finden

So kann die Beschäftigung mit der
Moral der Geschichte uns helfen
Die Zukunft moralisch zu gestalten
Mit möglichst großer Freiheit dabei 

Wie betrachten wir heute was war
Worin prägt uns die Vergangenheit
Für vernünftige Urteile bis in die
Gegenwart übersteigt also Zeiten

Kann ich überhaupt moralisch je
Urteilen ohne einen Blick in die
Geschichte die moralische Werte
Begründet und verständlich macht

Gestaltet somit die Beschäftigung
Mit Geschichte auch die Zukunft
Weil sie moralische Urteile erst
Auf eine vernünftige Basis stellt

Die Diskussion über die künftige
Bedeutung der Geschichte wird
Dabei wichtig sein für unsere
Freiheit im Umgang damit

Geschichte kritisch sehen lernen
Ist die beste Möglichkeit auch künftig
Historische Verantwortung zu leben
Damit Geschichte gerecht zu werden 

jens tuengerthal 22.3.26

Lebensmoral

Lebensmoral

Welche Moral braucht das Leben
Braucht es überhaupt eine oder
Lebt sich ohne viel besser weil
Diese nur den Genuss noch stört 

Moral ist die Gesamtheit aller in
Einer Gesellschaft geltenden Werte
Die menschliches Handeln als gut
Oder auch schlecht bewerteten

Sie basiert meist auf Traditionen 
Wie dem Aberglauben der sich 
Dabei dann Religion nennt ohne
Inhaltlich mehr bieten zu können

Was moralisch ist wird dann von
Einer Mehrheit akzeptiert die es
Als verbindlich für alle verkündet 
Um eine Gemeinschaft zu werden

Die Basis der moralischen Urteile
Auf denen unsere Moral steht ist
Also weniger vernünftig als mehr
Esoterisch transzendenter Unsinn

Darum wird nicht jede Moral wertlos
Manches ist traditionell gewachsen
Hat darum einen historischen Wert
Der auch ethisch gutes bewirkt 

Aber jede Definition der Lebensmoral
Beginnt im Gefühl für das was gut ist
Wie das kategorisch gültig sein soll
Bleibt so rätselhaft wie der Imperativ

Den Kant als Maßstab moralischen
Handelns unwiderlegt absolut setzte
Vernünftig und logisch dagegen ist
Weil er aus dem Verhältnis folgert

So hat der Königsberger Philosoph
Eine absolute Logik für etwas auf
Schwammig emotionaler Basis
Geschaffen als moralischen Kompass

Im Verhältnis zu anderen könnte der
Näherungswert des deutlich älteren 
Kategorischen Imperativ genannt KI
Unser Leben ohne Gesetz ordnen 

Wie das Gewissen als Maß für die
Gültigkeit jeder Norm ohnehin deren 
Nur relative Gültigkeit uns zeigt was
Den Menschen große Freiheit schenkt

So relativiert der KI jede Moral die der
Aufgeklärte Mensch an sich misst um
Dem Gewissen folgen zu können das
Oberster Maßstab damit in uns wird 

Am Ende scheint es viel weniger an 
Lebensmoral zu brauchen als mehr
Bewusstsein für die Verantwortung 
Moralisch urteilen zu können noch

Sapere aude nannte Kant in seiner
Beantwortung der Frage was denn 
Aufklärung sei es also habe den Mut 
Dich deines Verstandes zu bedienen 

Dem ist bis heute nichts anderes
Hinzuzufügen warum es gut ist es
Sich einmal einfach zu machen
Kant darin folgen und gut ist

Dafür dürfen wir dann auch den 
Ganzen religiösen Wahnsinn der
Jeder Moral logisch schadet als 
Moralisch irrelevant vergessen

jens tuengerthal 22.3.26

Liebesmoral

Liebesmoral

Muss die Liebe moralisch sein
Welche ist es und welche nie
Wer darf darüber jemals urteilen Frage ich mich und merke dabei

Das meine wunderbare Liebe 
Nach dem Urteil ganz vieler
Wohl unmoralisch ist weil die
Liebste ihren alten Mann mit

Dem jüngeren Geliebten betrügt
Was gut so und auch in vieler
Hinsicht wohl verständlich ist
Zumal mehr Männer genau das

Mit jungen Geliebten auch tun 
Aber ein moralisches Urteil
Hängt ja nach Kant nicht am
Verhalten der anderen sondern

Daran was Gesetz für jedermann ist
Was jede Frau einschließen soll
Egal wie chauvinistisch Sprache
Hier mal wieder benutzt nur wird 

Wie mehr Frauen als Männer sich
Fühlen und darum nun solidarisch 
Gegen Männer sind die solches tun
Womit ich nichts zu tun habe der

Als Flaneur nur Beobachter bleibt
Doch fragte ich mich was alle die
Moralisch über die Liebe urteilen
Wohl zu unserer Liebe sagten 

Wäre das Urteil kategorisch wohl
Vernichtend und dennoch 
Lieben wir uns ganz aufrecht
Und es fragt sich ob es ein

Faires moralisches Urteil zur
Liebe überhaupt geben kann
Ist nicht schon die Idee der
Monogamie ein krankes Diktat 

Aus dogmatischen Aberglauben
Hat die Liebe vielleicht immer recht 
Ist es das Recht der Liebe einfach
Dem Gefühl zu folgen wo es kommt

Jede Beziehung enttäuscht und lässt
Die Leidenschaft abkühlen auf Dauer
Geliebte erzeugen Spannung lassen 
So die Liebe besser weiter leben

Aber ohne sich in Detailfragen hier 
Zu verlieren fragt sich schon vorab
Ob Liebe moralisch beurteilt werden
Kann von egal wem und etwas dabei

Allgemeingültig ist oder alles stets
Vereinbarungssache bleibt auch
Weil Beteiligte anders urteilen als
Dritte und sich fragt was zählt

Würde mich gerne dazu enthalten
Als Flaneur daneben stehen und alles
Mit Liebe in Ruhe beobachten doch 
Bin ich zum Beteiligten geworden 

Weiß nicht was immer gilt in der
Liebe oder für jeden unter allen
Umständen noch Gültigkeit hat
Aber bin sicher wir lieben uns

Weil die Liebe immer richtig ist
Egal was irgendwo Recht ist
Sage ich lieber nichts dazu
Egal was nun moralisch wäre

Vielleicht wäre weniger Moral
Aber mehr Liebe besser für alle
Oder weniger sichere Urteile dafür
Mehr Möglichkeiten Liebe zu leben

Weiß es nicht und beobachte es
Als zugegeben Beteiligter weiter
Zumindest ohne moralisches Urteil
Aber voller Liebe sicher dabei

jens tuengerthal 22.3.26

Samstag, 21. März 2026

Lektürentagebuch 21.3.26

Lektürentagebuch 21.3.26

Samstags reise ich ja gerne
Natürlich nicht wirklich sondern 
Lesend in den dazu wunderbaren
Bänden der Anderen Bibliothek

Reale Reisen dieses ökologisch
Mehr als fragwürdige Hobby für
Menschen ohne geistige Welten
Die ständig Ablenkung brauchen 

Sind für Leser die noch dazu in 
Einer Bibliothek leben wirklich
Ein vorgestrig asoziales Hobby
Mit unverantwortlichen Folgen 

Da lese ich lieber in Ruhe während
Die Narren durch die Welt laufen
Entdecke so neue geistige Welten
Oder bewege mich in vertrauten 


Beginne heute mit dem Ehepaar
Heinrich und Christine Gondela
Auf der Reise ins Paradies mit der
Kutsche durch Deutschland 1802

Diese sind auf ihrer Fahrt mit der
Eigenen Kutsche von Bremen über
Göttingen Braunschweig
Dresden nach Carlsbad gekommen

Es ist Montag der 6. September 1802
Der Tag beginnt nach Gewittern der
Nacht verhangen trüb ohne noch
Viel Hoffnung auf eine Besserung

Doch schon nach dem reichlichen 
Frühstück riss der Himmel auf die
Beiden machten sich auf den Weg
Um Carlsbad doch zu erkunden

Herrlich ironisch aber dabei doch 
Bremisch trocken schreiben sie über
Den Ort in der inzwischen Nachsaison
Wo eigentlich nichts mehr los ist

Von den beiden wichtigsten Straßen 
Im Zentrum der Stadt die um ihnen
Größe zu verleihen auch noch Platz
Wie Wiese genannt wurden ohne das

Eine oder andere davon zu sein noch
Sondern was andernorts höchstens
Eine etwas breitere Straße wäre wird 
Es im engen Tal der Töpel so genannt 

Nahezu nichts war los im Ort und
Die meisten Geschäfte waren in 
Der Nachsaison schon geschlossen 
Nur aus einem Laden schaute einer

Wie viele touristische in Orte heute
Wird Carlsbad in der sommerlichen
Saison von einem vielfachen ihrer
Etwa 4000 Einwohnern überrannt 

Außerhalb dieser aber herrscht
Eher provinzielle Tristesse im Tal
Das von dunklen Tannen bestanden
Die keine helle Aussicht bieten

Sie besichtigen die beiden Häuser
Die als eine Art von Kurhaus dort
In der Saison wöchentlich wechselnd
Bälle und Unterhaltung bieten

Irgendwo mussten die dort Erholung
Oder Gesundung suchenden ja ihre
Kurschatten finden was die Gondelas
Amüsiert betrachten und berichten 

Sie probieren auch die Quellen die
Teilweise sogar heiß sprudelten den
Ort als Kurort berühmt machten den
Auch Goethe ab 1785 besuchte

Regelmäßig fuhr der Dichter bis
1825 als ihn dort eine Liebe noch
Mit über 75 enttäuschte von Weimar
Im Sommer nach Carlsbad in Böhmen 

Zur Wirkung der Quellen halten sich
Die Gondelas lieber zurück was auf
Den kurzen Aufenthalt höflich dann
Noch geschoben werden kann

Bei inzwischen Sonnenschein sind
Für den Nachmittag noch weitere
Ausflüge geplant zu besonderen
Aussichten und Orten die dort der

Reiche schottische Lord Findlater
Der sonst mit seinem Freund bei
Löschwitz Weinbau auch betrieb
Am Hammerberg errichten ließ

Dieser englische Garten mit einem
Tempel aus Holz an wunderbarer
Aussichtsstelle war gerade erst vor
Ihrer Ankunft vollendet worden 

Für einen anderen Freund oder auch
Liebhaber des Lords worauf die Art
Der Formulierung hindeutet wurde 
Eine Bank unter einer Buche gebaut

Berauschend fanden die Gondelas
Carlsbad eher nicht auch sei die
Umgebung mit Felsen und Tannen 
Ohne Sonne doch eher düster

Dankbar für den Sonnenschein am
Spätsommertag sagt der Bericht was
Die Gondelas von diesem für sie eher
Böhmischen Dorf halten fast nichts

Schön hätten sie es nochmal gehabt
Den Tag auch genossen aber dort
Häufiger hinfahren werden sie wohl
Weniger und sagen es sehr höflich 

Erinnere mich wie wir zu Zeiten der
Ersten Verlobten noch also bevor ich
Die 30 erreichte die mich dann schon
In Berlin erwischten dorthin von ihren 

Freunden aus dem Klüngelumkreis
Zu einem Ball geladen wurden aber
Nicht nur meiner geringen Qualitäten
Als Tänzer wegen darauf verzichteten 

Die feine hanseatische Ironie mit der
Das Ehepaar Gondela berichtet hat
Großen Witz bis heute und erzählt
Genug nichts später zu bereuen


Nun begleite ich wieder den guten
Johann Gottfried Seume auf seinem
Spaziergang nach Syrakus der noch
Auf dem Weg nach Wien berichtet

Auch dieser frühe Reisebericht der
Anderen Bibliothek es ist der 3. Band
Erst 1985 gewesen ist von 1802 also
Aus dem gleichen Jahr wie Gondelas 

In dem mit Znaym überschriebenen
Nächsten Abschnitt geht es von Prag 
Wo er nichts gesehen hätte wie er 
Dem Freund gesteht aber auch ob

Schinken oder Wurst gegessen wurde
Ziemlich egal ihm sein kann es von da
Nichts weiter zu erzählen noch gäbe
Weiter in Richtung Wien bei Sonne

Es geht vorbei an Kolin wo Daun Friedrich erstmals schlug 1757 im
Noch frischen siebenjährigen Krieg
Prompt findet er es angenehm dort 

Die Sachsen werden den Preußen 
Wohl ewig den Überfall nachtragen
Dabei war er strategisch so nötig
Darum lieber kein Wort weiter dazu

Dort hört er in einer Gastwirtschaft
Wo er wieder etwas belangloses aß
Was er uns dennoch erzählt ein ihm
Unbekanntes Instrument spielen

Weder Zither noch Lauthe erinnerte
Es ihn klanglich an die Balalaika wie
Das Böhmische ihn klanglich an das
Russische noch erinnert das er kennt

Die Straße von Prag nach Wien 
Scheint ihm die befahrenste in 
Ganz Europa zu sein so viele
Wagen mit Waren sah er dort

Wunderbar lästert er über die so
Schlechten Wirtshäuser in Böhmen
Aber es geht auch in Deutschbrot 
Noch ähnlich übel weiter dort war

Entweder vom Militär ausgebucht
Oder er musste mit Hebräern wie er
Die jüdischen Händler nennt eng
Auf dem Stroh noch schlafen

In Iglau sah er einen schönen hellen
Markt der von nahen wie fast alles im
Leben wie Seume weise meint eher
Mäßig wirkte warum Abstand lohne

Er berichtet von zwei Pyramiden 
An der Grenze von böhmischen
Wie mährischen Ständen errichtet
Zur Zeit von Maria Theresia noch

Ihm schien in Mähren herrsche mehr 
Liberalität und Bonhomie als noch in
Böhmen in Stannern dann fanden sie
Das erste gute Wirtshaus seit Prag

Berichtet von der dort Wollmanufaktur 
Die alles zu niedrigen Preisen anbot
Wer zu Fuß unterwegs sei müsse sich
Huronisch helfen was handfest heißt

Mehr Sorgen machen ihm die noch
Einquartierung gewisser weißer dann 
Schwarz besattelter Tiere die in Polen
Wie Italien gut gedeihen sollen

Es ist ihm im übrigen einerlei ob er
Sich auf Daunen oder Stroh wälzt
In Znaym musste er erstmals Wein 
Trinken weil es kein Bier mehr gab

Die liebliche Gegend gefällt ihm hier 
Möchte er wohl wohnen schreibt er 
Weingärten und Klöster rahmen sie
Es gäbe sogar römische Ruinen 

Auf der Grenze von Mähren nach
Österreich fand er kein Zeichen nur
Die Wege seien deutlich schlechter
Viel gut Boden würde mit Wein eher

Verdorben als sinnvoll genutzt spricht
Hier der unkultivierte Germane eher
Aus ihm als der kultivierte Römer als
Philanthrop dabei nicht als Trinker 

Am Ende berichtet er von Münzen
Die wenig oder kein Gold enthielten
Was an Preußen zur Zeit noch von
König Friedrich II eher erinnerte 

Eine spannende Erinnerung in der
Heute EU an die finanzielle Vielfalt
Schon allein im deutschen Reich
Der föderalen Monarchien


Seume kurz vor Wien verlassen 
Um bei Johann Kaspar Riesbeck 
Über die Gelehrten in Wien zu lesen
Im 26. Brief voller Spott und Ironie

Wer in Wien nicht als Gerber noch
Schmutzige Finger habe oder als
Klempner sei Gelehrter oder sonst
Schneider die nichts unterscheide

Zumindest kein Wissen denn hier
Nennen sich alle Gelehrte die einmal
Ihrer Liebsten schlechte Verse reimen
Egal ob sie etwas lehren könnten 

So macht er sich nebenbei auch über
Maria Theresia und Joseph lustig die
Jeden der etwas gelehrt sei belohnen
Eine Sammlung von Narren hätten 

Das ist ironisch politisch gewagt wie
Spöttisch über die Habsburger da
Zustände die das Reich auch schon
Bald gegen Napoleon untergehen ließ 

Doch diese noch vor der Revolution
Verfasste mutige Kritik beobachtet
Die kritischen Zustände im Reich
Sehr genau und aufmerksam dazu 

jens tuengerthal 21.3.26


Naheliegend

Naheliegend

Liebe wird gerne
Naheliegend mehr desto
Ferner du dir bist

jens tuengerthal 21.3.26

Planlos

Planlos

Planlos zu leben
Wird dem möglichen allein
In Vielfalt gerecht

jens tuengerthal 21.3.26

Morgenstimmung

Morgenstimmung

Morgenstimmung mit 
Tee ist vielfältig besser
Wohlig warm dazu 

jens tuengerthal 21.3.26

Liebeswachstum

Liebeswachstum

Kann Liebe wirklich wachsen
Wird sie dann echt größer 
Was wächst dabei als das
Gefühl das nicht messbar 
Doch fühlt es sich so an
Als ob plötzlich mehr da ist
Du dir noch näher kommst
Egal wie nah real dabei
Gerne auch aus Sehnsucht
In die Ferne noch intensiver
Könnte sich fragen wie wirklich 
Die gefühlte Illusion ist doch
Solange es sich so anfühlt
Ist das Gefühl Wirklichkeit
Was vollkommen genügt
Damit glücklich zu sein
Ganz egal was mehr ist

jens tuengerthal 21.3.26

Blaulichtrotwein

Blaulichtrotwein

Kurz vor eins im Crossroads
Angekommen wo gerade noch
Gegenüber ein großer Einsatz
Der Feuerwehr stattfindet

Dennoch ist die Bar rappelvoll
Doch kaum saß ich nach der
Begrüßung von Phil II und Tino
Brachte ersterer schon den Wein

Während das Blaulicht eine etwas
Seltsame Atmosphäre hier schafft 
Reden die Gäste noch lauter gegen
Das unruhige blaue Blinken an

Die Musik tut ein übriges die heute
Unruhigen Atmosphäre zu steigern
Ständig laufen hektische Gäste hier
Vorbei und eine junge Dame ringt

An der Bar zusätzlich um genug 
Aufmerksamkeit der Herren ihrer
Umgebung nun im Gespräch mit
Einer etwas älteren Dame kommt sie

Langsam etwas runter bis ihre Herren
Wieder auftauchen dann steht sie
Erneut im Mittelpunkt und zuppelt
Rauchend ständig an ihrem Oberteil

Die Dame sitzt nun neben den drei
Herren die sich wieder gemeinsam
Um die Aufmerksamkeit der jungen
Frau kümmern warum bleibt unklar

Der Flaneur winkt der nun einsamen
Bekannten freundlich zu ohne weiter 
Das Gespräch mit ihr zu suchen was 
Letztes mal schon nicht weiter führte

Dann kam sie doch vorbei um sich
Wieder über das Schreiben des 
Flaneurs am Telefon zu wundern
Worauf ich wieder das gleiche sage

Noch blinkt es von draußen weiter
Blau und die Gäste reden lauter 
Als ob es das seltsame Licht so
Übertönen könnte dann kommt Nina

Sie begrüßt und umarmt erstmal alle
Vielleicht bringt sie etwas Ruhe was
Angenehm wäre nun plaudert sie
Erstmal in Ruhe mit Tino es wird 

jens tuengerthal 21.3.26

Freitag, 20. März 2026

Lektürentagebuch 20.3.26

Lektürentagebuch 20.3.26

Die Verfeinerung der Deutschen geht
Weiter wo Erwin Seitz in seiner etwas
Anderen Kulturgeschichte nun über
Bürgerliche Lebenskünstler schreibt 

Er möchte die Menschen gerne so 
Unpathetisch wie möglich sehen um
Die Entwicklungsfähigkeit zu sehen
Grundlage ist dabei seine Natur

Biologie Libido Neurologie die Freude
An Nahrung und Fortpflanzung mit
Essen und Trinken Liebe und Sex
Die Lust am atmenden Leben mit

Sinnlichen Empfindungen geistigen
Möglichkeiten durch Sprache und
Denken die Fähigkeit zu lernen wie
Sich anzupassen wie das Wesen

Mit der Kunst auch das Angenehme 
Schöne hervorzubringen dem Talent
So eine Chance zu geben um den
Genuss und die Lust daran zu heben 

Daraus entsteht eine menschliche 
Geschichte die selbst Orientierung
Uns bietet was kulturell möglich ist
Die Historie bleibt unabgeschlossen

Das Bewährte kann dabei helfen
Während das Neue durch Versuch
Und Irrtum erprobt wird beides hat
Michel de Montaigne auch schon

Angewandt in seinen Essais woran
Karl Popper sich später anschloss
Es ist die Kulturformel von also
Tradition und Erneuerung dabei

Jacob Burkhardt unterschied dazu
Natur und Geschichte weil erst das 
Erwachte Bewusstsein einen Bruch
Mit der Natur vollzog so gab er der

Historie keine metaphysischen Züge
Sondern mehrere Möglichkeiten es
Bleibt der Mensch nach seinem einst
Ursprung ein reißendes Tier oder er

Folgt dem Trieb andere zu knechten
Kann aber auch als Drittes noch den 
Staat wie Gesellschaft verfeinern was
Die hochkultivierte Alternative dann ist

Manche gilt heute als genetisch schon
Gesteuert anderes bleibt geschichtlich
Kulturell bestimmt ohne sagen zu 
Können wo was beginnt und endet

In Geschichte und Kultur liegt noch
Ein Potential von Freiheit es kommt
Dabei darauf an die drei Stufen die
Burkhardt beschrieb zu durchlaufen

Dabei sollte die dritte Stufe als feine
Lebensart kultiviert erstrebt werden
Burkhardt sah drei Hauptkräfte noch
Am Werk mit Religion Staat und Kultur

Die ersten beiden seien stabil 
Während die Kultur spontan frei
Beweglich gesellig Künste Dichtung
Wie Wissenschaft dabei fördert 

Er unterschätzte aus heutiger Sicht
Die Wirtschaft die er der Kultur nur
Zuschlug und überschätzte noch die
Religion die heute als Kultur gilt

Ob der private Aberglaube allerdings
Wirklich kultiviert ist oder nicht doch
Für ein kultiviertes Dasein künftig
Überwunden werden sollte ist offen

Seitz sieht dagegen heute Wirtschaft
Politik und Kultur als die drei Kräfte
Der Geschichte und möchte noch die
Verfeinerung mit dazu hier nehmen

Norbert Elias sah die aristokratische
Gesellschaft der Höfe in der frühen
Neuzeit als Labor der Verfeinerung 
Eine Schule gebildeten Geschmacks

Manieren Stil und das Gefühl für das
Was sich gehöre sei dort Zuhause
Aber schreibt nichts über Pomp und
Tyrannei die dort auch herrschten 

So meint Seitz dass die wahre
Menschliche Verfeinerung geschah
Wo sich Bürger und Adel treffen
Wie in den Stadtrepubliken der Antike

Aus diesem Milieu stammten all jene
Schriften die der menschlichen wie 
Kulturellen Verfeinerung dienten von 
Homer Aristoteles Cicero Ovid Horaz

Im bürgerlichen Umfeld diente die
Lebenskunst noch der Lebensfreude 
Im späten Mittelalter wie natürlich in 
Der Renaissance wurde wieder an 

Die klassischen Autoren angeknüpft
So gab es in England people of gentle
Birth also vornehme Geburt welche 
Gentry bildeten quasi zwischen dem

Adel und dem wohlhabenden Bürgern 
Gentleman und Lady eben lebte zum
Großen Teil auf dem Land während
Die gleiche Schicht in Deutschland

Eher städtisch war das bürgerliche
Patriziat die Geschlechter heißen
Was von Familie Sippe auch kam
Das Großbürgertum dann wurde 

Jene Gruppe die Thomas Mann
In den Buddenbrooks karikiert
Im Zauberberg historisiert der meine
Großeltern sich zugehörig fühlten 

Seitz beschreibt wie sich der alte
Aristokratisch autoritäre Stil eher
Erledigte für einen Mischstil der
Elemente beider dabei vereint

Der Begriff Gentry und Gentleman
Hätte dabei seine Bedeutung auch
Gewandelt vom Geschlecht zum
Höflichen verfeinerten Verhalten 

In diesem Sinne ist auch etwa 
Der Band Manieren aus der geliebten
Anderen Bibliothek von Prinz 
Asfa-Wossen Asserate zu sehen

Der Enkel von Kaiser Haile Selassie 
Studierte in Tübingen und war Korps
Student dort beschreibt die Sitten mit
Feinem Blick für die Zustände dabei

Hat der in Frankfurt lebende Nachfahr
Der Königin von Saba viel Tradition
Aber auch Humor beim Blick auf
Die Menschen und ihre Sitten

Traf seine kaiserliche Hoheit mal
Rauchend auf der Buchmesse in
Leipzig im Innenhof wir plauderten
Über gemeinsame Bekannte noch

Neuerdings meint Seitz tauche der
Begriff Gentrifizierung auf für die
Verdrängung der ursprünglichen
Einwohner eines Gebietes auf

Er wurde in den sechziger Jahren
Von der Londoner Soziologin Ruth
Glass geprägt und meint soziale
Veränderung der Bewohner

Lebe in Prenzlauer Berg selbst
In einem von Gentrifizierung wohl
Betroffenen Gebiet was ich aber
Weniger dramatisch bisher finde

Es kann dieser Prozess zu einer
Verdrängung der ursprünglichen
Bewohner führen die sich dann
Die Mieten nicht mehr leisten

Aber so ist der Markt eben auf
Dem Angebot und Nachfrage
Bestimmen und Orte damit auch
Verändern es bleibt nie alles gleich

Die schöne Bausubstanz der noch
Altbauten in Berlin zieht viele an 
Entsprechend steigen die Preise was
Andere wiederum verdrängt

Ob das negativ oder positiv dabei
Zu bewerten ist bleibt umstritten
Halte es auch für einen natürlichen
Prozess der Verfeinerung 

Dieser wird politisch noch etwas
Abgefedert mit Eingriffen die das
Eigentum mehr oder weniger stark
Infolge dann gefährden was strittig ist


Unter dem Titel Alltagserzählungen
Schreibt Alexander Bastek sein Essay 
Über die Genremalerei im deutschen Impressionismus in unserem Band

Zur Liebermann Ausstellung im
Barberini in Potsdam unter dem
Titel Avantgarde Max Liebermann und
Der Impressionismus in Deutschland

Der edel gemachte Katalog lässt die
Buchstaben in einer Vertiefung ganz
Weiß in weiß gehalten dabei fühlen
Wenn der Schutzumschlag ab ist

Anhand verschiedener Gemälde von
Liebermann und Kollegen wird hier
Spannend neu das Gebiet der
Genremalerei auch betrachtet

Beginnend mit der holländischen
Dorfstraße zu Waisenhausbildern
Von Kuehl Lübeck und Liebermann
Aus Amsterdam und ihre ganz

Eigenen Besonderheiten wie die
Auffällig Fläche füllenden typisch
Impressionistischen Lichtflecken
Bei Liebermann die zentral sind

Bei Kuehl dagegen wird wieder
Spontanität inszeniert durch den
Blick ins Bühnenbild mit einem
Spontan umgefallenen Tisch 

Auf der holländischen Dorfstraße
Ist die Inszenierung von der
Begegnung der Mädchen bis zum
Durchs Bild schlappenden Bauern 

Eigentlich schon komisch genug
Doch sogar ein durch das Bild
Stolzierender Hahn wird noch als 
Bildwürdig angesehen und die

Vielen Nebengeschichten zu der
Begegnung der Mädchen machen
Die eigentliche Erzählung fast zur
Nebensache schon wieder

Auch die Serie der Waisenhausbilder
Erzählt noch einige Geschichten dazu
So hat Kuehl im Bild zwei völlig sonst
Getrennte Institutionen vereint was

Aber wohl nur merkt wer beide kennt
So die Geschichte im Bild sieht mit
Kuehl hat Liebermann für die große
Weltausstellung in Paris 1889

Die wegen des Revolutionsgedenkens
Bismarck gehorchend offiziell keinen 
Deutschen Betrag hatte eine eigene
Schau der Gegenwartskunst gebaut

Kuehl inszeniert seine Bilder mehr
Liebermann wirkt spontaner aber
Ist dafür sehr ums Licht bemüht
Was ja zum Impressionismus passt 

Bastek diskutiert dann noch die
Genremalerei beim Tennis das
Als idealer Ort der Partnersuche
Oder Heiratsvermittlung galt 

Das Tennisturnier in Bad Homburg 
Von Ferdinand Brütt wird den 
Tennisspielern am Meer von
Liebermann hier gegenüberstellt

Was früher die Bälle waren ist heute
Der Sport Club drücken sie auch aus
Was naturgemäß ähnlich komisch
Wie Tinderprofile betrachten ist

Spannend ist hier noch der Vergleich
Von Brütts Aufsichtsratssitzung das
Mit Hasenclevers Lesekabinett von
1843 ironisch im Aufbau spielt

Damit wird eine Bild Inszenierung
Aus dem Vormärz für ein ironisches
Bild zur modernen Industrie genutzt
Was eine schöne Genre Idee ist

Eine schöne Geschichte wird noch
Zum Verhältnis zur Familie Linde
Aus Lübeck erzählt wo der ältere
Bruder Augenarzt und Sammler ist

Die beiden jüngeren Maler sind
Wobei hier das Bild Heinrich Eduard 
Linde-Walter besprochen wird das
Den Zuschauer durch einen ganz 

Direkten Kinderblick ins Bild zieht
Was mit einem Bild von Degas spielt 
Der direkte Blick zeigt auch wie sehr
Der Impressionismus damals noch

Auf Unverständnis in deutschen
Öffentlichkeit stieß die Freiluftmaler
Lenkten noch die Blicke auf sich
Zumindest der unverstellten Kinder

Ein sehr wichtiger Gedanke der auch
Von der Selbstwahrnehmung der
Künstler bei ihrer Arbeit erzählt wie
Ironisch Ablehnung thematisiert

jens tuengerthal 20.3.26

Realismuss

Realismuss

Wie wirklich die Wirklichkeit ist
Weiß keine ganz genau auch
Niemand hat wenig Ahnung
Sogar wenn er Physiker ist 

Bin schon lange aus der nur 
Realität in das Reich der feinen 
Literatur geflüchtet die mir viel
Näher steht als sie wirklich ist 

Habe genug Phantasie mir die
Schönere Welt zu erlesen der
Unruhige Menschen immer nur
Hinterherlaufen beim Reisen 

Längst verschwimmt die Wirklichkeit
Mit dem Reich der Phantasie ohne
Darum je schlechte Phantasy noch
Irgend konsumieren zu wollen

Dem Hobbit noch geschätzt wenn
Auch nur milde belächelt dann aber
Den Herrn der Ringe gelangweilt von 
Schlechter Unterhaltung abgebrochen

Es lohnt nie schlechte Literatur noch
Weiter zu lesen wenn gute in deiner 
Bibliothek daneben steht nimm lieber
Diese mehrmals noch in die Hand

Träume mir die Welt gerne so wie
Sie mit gefällt statt mit einer nur 
Schnöden Wirklichkeit dafür dann
Nüchtern vorlieb nehmen zu müssen

So beginnt die Geschichte meiner
Uralten Familie schon lange in der
Bronzezeit sind für mich Zeiten nur 
Relative Größen des Bewusstseins

Habe als Kind mit meinem Vater noch
Ammoniten aus Schieferplatten schon
Geklopft die über 200 Millionen Jahre
Alt aus dem Erdmittelalter stammen 

Der Name meiner Familie stammt aus
Den Jahre 1198 was Unsinn ist denn
Dort werden nur Wappen und Name
Zuerst irgendwo in Thüringen erwähnt 

Dies war im Hochmittelalter noch als
Die Staufer mit den Welfen hier um
Die Macht im römischen Reich rangen 
Friedrich II in Sizilien geboren wurde 

Stupor mundi das Staunen der Welt
Wurde der auch König von Sizilien
Genannt der die normannische Krone
Dort von seiner Mutter geerbt hat

Er wurde berühmt für seine Reform
Auch der Verwaltung im Reich und
Vielleicht darum auch wurde der
Name meiner Familie dann zuerst

In vermutlich einem Kirchenbuch
Erwähnt das nicht wie so viele
Zwischen Gotha und Weimar nahe
Ohrdruf irgendwo verbrannten

Ist der Thüringer Wald in dem die
Vorfahren tausende Jahre lebten 
Damals schon Sachsen-Gotha wohl
Darum meine eigentliche Heimat

Liegt dies tiefer in uns als alle nur 
Wechsel danach die uns dafür im
Ganzen Land herumschickten sind
Die Geburtsorte dabei relevant

Die mütterlich väterliche Familie kam
Über viele Generationen aus Uchte
Bevor sie nach Bremen zogen die
Mütterlich mütterliche kam noch

Aus Hannover bis der Urgroßvater
Nach Bremen als guter Bürger zog 
Im Harz erzählte meine kleine Omi
Geschichten von Zwerg Zippelzapp

Der lebte mit seiner Familie unter
Den Bäumen dort nahe Goslar bei
Hahnenklee falls ich richtig erinnere
In Mecklenburg dafür gab es früher

Der Sage nach die Unterirdischen
Die ihre Kulturen unterirdisch bauten
Dort in der Hansestadt Güstrow wurde
Der Vater des Flaneurs geboren

Dieser wuchs in Frankfurt auf wie ich
Jahre später dann auch aber geboren
In der alten Hansestadt Bremen noch
Am grünen Richard laufen gelernt

Was prägt meine Wahrnehmung der
Wirklichkeit heute noch mehr der ich
Ein Muttersohn immer auch war die
Den Krieg in Uchte noch überstand

Liegen mir die von da näher als die
Mecklenburger und Thüringer je ist
Heimat ein Ort oder eine Idee eher
Die sich nur an Orten zufällig sucht

Haben 40 Jahre DDR Diktatur die
Östliche bürgerliche Heimat so
Endgültig zerstört wie den Geist
Des Bürgertums im Osten

Bin also im doppelten Sinne damit
Westöstlich und liege diese Verse
Dichtend auf dem Diwan mit nun
Gedanken ziemlich nah an Uchte

Dass dieser auch noch westöstlich 
Unweit der alten Zonengrenze steht
Macht die Geschichte noch komisch
Im fernsten literarischen Bezug dabei

Welcher Ort wirklich Heimat ist
Ob ich Reisender im Geiste je
Irgendwo ankomme oder wenn
In meiner Bibliothek weiß ich nicht

Weniger Realismus dafür mehr
Phantasie könnte schön werden
Zumal wenn ich betrachte was
Aus der Wirklichkeit gerade wird 

Bücher statt Kriege und dabei
Mehr Lektüre statt Kampf wie 
Leben um davon zu erzählen
Was alles nie wirklich passiert

So träum ich mir die Welt lieber
Statt sie noch zu erleben weil 
Das nur noch selten lohnt es
Dem Alter entspricht zu bleiben

jens tuengerthal 20.3.26

Liebesbleiben

Liebesbleiben

Würde die Liebe
Einfach bleiben wäre das
Wunderbar anfangs

jens tuengerthal 20.3.26