Mittwoch, 25. März 2026

Rettungsglück

Rettungsglück

In schrecklichen Zeiten sind
Gute Nachrichten rar gesät
Dachte ich gerade genervt von
Einer Welt in der unverantwortliche
Männer nichts als Chaos stiften

Erinnere mich noch genau wie
Auch körperlich weh es mir tat
Als ich vom Brand in der noch
Von Goethe einst angelegten
Anna Amalia Bibliothek las

Mehr als einmal besuchte ich sie
Dachte an den Ururgroßvater der
Noch Hofbibliothekar in Gotha war
Las von 55.000 zerstörten Büchern 
Weit über 150.000 beschädigten

Natürlich war Gotha Sachsen-Gotha
Und Weimar Sachsen-Weimar die
Nur heute ein Thüringen sich nah 
Gefühlt liegen im braunen Sumpf
Der wenig Perspektive nur bietet

Was sollte aus den angekohlten
Resten der Bibliothek noch werden
War da noch irgendwas zu retten
Wenn der Dachstuhl verbrennt
Löschwasser den Rest zerstörte

Dreimal verschenkte ich damals
Die Gedenkbibliothek die um noch
Spenden zu sammeln aufgelegt
Worden war von der Süddeutschen 
Die dem FAZ Leser sonst fern lag

Emotional ging mir die Zerstörung
Einer der schönsten Bibliotheken
In Deutschland sehr nah es war
Als wären nahe Verwandte gestorben
Nur weil die Familie daher kam 

Doch dann kam die gute Nachricht
Nun sind über achtzig Prozent der
Bücher der Bibliothek gerettet als
Echte Bücher lesbar gemacht statt
Verkohlt feucht vergammelter Müll

Gute Nachrichten aus Thüringen
Welch schöne Überraschung dachte
Der Flaneur gibt es vielleicht doch
Noch Hoffnung auf eine Zukunft
Auch ohne den Grafen Harry Kessler 

Wer Bücher rettet und schätzt hat
Zumindest noch Kultur ganz anders
Als der peinliche Minister Weimer
Der lieber digitalisiert und zensiert
Gibt es noch erhaltene Kultur hier

Wo Bücher brennen da brennen
Bald auch Menschen ist ein Zitat
Von Heinrich Heine umgekehrt
Zeigt Leben und Kultur dafür wer
Angebrannte Bücher saniert 

jens tuengerthal 25.3.26

Dienstag, 24. März 2026

Lektürentagebuch 24.3.26

Lektürentagebuch 24.3.26

Bei der Verfeinerung der Deutschen
Geht es nun um die große Frage
Dorf oder Stadt schreibt Erwin Seitz 
Über Henrich Heine als Visionär

Was schafft die Sehnsucht nach der
Metropole ist die Frage und beginnt
Mit der Betrachtung eines Gemäldes 
Des Meisters des deutschen Kitsch

Der keine Menschen malen konnte
Darum Landschaften symbolisch wie 
Pathetisch mit viel freimauerischer
Symbolik immer auch überlud

Es handelt sich um das Gemälde der
Einsame Baum der natürlich eine gute
Deutsche Eiche leider halb tot ist von 
Caspar David Friedrich der hier ein

Mit Symbolen und möglicher Deutung
Mal wieder überladenes Bild 1822 für
Den Berliner Bankier Wagener malte
Ein national symbolisches Bild dazu

Es speist sich aus Studien noch aus
Der Mark Brandenburg und dem
Riesengebirge ist ein nördliches
Arkadien als Symbol für Deutschland

An der riesigen mächtigen Eiche lehnt
Winzig ein Schäfer der seine Herde
Dort hütet und eins mit der Natur so
Zu sein scheint während es dafür im

Hintergrund schon hell wird ist es im
Vordergrund des Bildes relativ dunkel
Eine Klosterruine und ein Weiler sind
Links von der Eiche noch zu sehen 

Etwas weiter hinten ein ebenfalls
Bewohntes Dorf was am aus dem 
Kamin steigenden Rauch sichtbar
Vorne Brandenburg hinten dafür

Das Riesengebirge soll es zumindest
Gut deutsch Aussehen dabei wird das
Bild durch die mittige Eiche noch in
Viel Teile unterteilt oben liegt Dunst

Über dem reich bewaldeten Gebirge
Leuchtet schon der Morgenhimmel
Der nationalen deutschen Zukunft
Was Grund zur Übelkeit mir gibt

Wie schrieb Goethe es noch den
Neuen nationalen Kräften im Land
Ins Stammbuch die vergebens zur
Nation sich nun bilden wollten sie 

Sollten lieber freier zu Menschen
Sich ausbilden darum erwarte ich
Geistig von diesen Bildern eher
Wenig Gutes aber sehe die Gefahr

Dazu kommt der religiöse Aspekt
Der menschliche Kultur und Werke
In Nebenrollen nur gegenüber der
Göttlichen Natur hier drängt

Bescheidenheit auch der Kunst die
Sich gegenüber vollkommener Natur 
Lieber zurücknimmt kann elegant
Wie stilvoll dabei sogar sein

Beides trifft auf dieses Gemälde das
Mit dem Erbe von Bankier Wagener
In die Berliner Nationalgalerie kam 
Eher nicht zu es trieft vor Bedeutung

Halte Caspar David Friedrich für den
Am meisten überschätzten deutschen
Maler der aber den deutschen Geist
Bis heute noch ganz innig berührt 

Hier fühlen sich deutsche Betrachter 
Abgeholt und tief verstanden egal ob
Kreidefelsen Meer Berge oder Wald
Das fühlt sich tief nach Heimat an

Witzig leitet Seitz die Gründung der
Grünen aus der deutschen Romantik
Wie ihrer Verklärung der Natur ab was
Mit Stifter gegen Goethe begründet

Warum das Museum der Romantik
In Frankfurt ausgerechnet neben das
Goethehaus geklatscht wurde wäre
Auch Ausgang vieler Diskussionen

Ginge es dabei wirklich noch um
Den elenden Geist nationaler 
Romantik den Ricarda Huch in ihrer
Studie so treffend beschrieb die

In der geliebten Anderen Bibliothek 
Schön ganz in grün wieder erschien
Was schon auch weiter denken lässt
Vielleicht wird die künftige Koalition

Des moralischen Grauens jene 
Zwischen CSU und Grünen die
Autoritär alles besser noch weiß 
Aber darum geht es bei Seitz nicht

Doch nicht nur die Deutschen haben
Den Gegensatz von Natur und Stadt
Thematisiert auch der inkontinente
Rousseau wollte zurück zu dieser

Moses verfluchte die Hure Babylon
Damit sich die Juden mit dem eher
Frugalen unkultivierten Wüstenleben
Noch weiter zufrieden gaben 

Hesiod in der griechischen Antike
Varro und Cicero beschworen das
Ländliche Leben letzterer zumindest
Wenn es Garten und Bibliothek gab

Städte dagegen boten mehr Vielfalt
An Reizen und Beschäftigung was 
Philosophischen Landeiern schnell
Verdächtig und unerhört auch schien 

Besonders Freiheit und Freizügigkeit
Die sich in Stadtkulturen zeigt schien 
Religiösen Menschen bald verdächtig 
Die Sage von der Hure Babylon kam

Dabei feierte Babylon sich nur selbst
So heißt es auf einer Tafel die sich im
Pergamon Museum in Berlin findet
Es sei die Stadt von Fest und Freude

Babylon als Stadt deren Bewohner
Fortwährend Feste feierten sei damit
Privilegiert befreite die Gefangenen 
Die reine Stadt mit Hab und Gut

Die Tafel auf der sich Babylon so
Selbst lobt stammt aus dem Jahre
700 vor unserer Zeitrechnung noch
Hundert Jahre später dann unter

König Nebukadnezar II gab es noch
Eine Glanzzeit der Stadt in der etwa
Das Ischtar Tor gebaut wurde wie
Die Prozessionsstraße dort auch

Beides wurde von Archäologen
Wiederentdeckt und rekonstruiert
Ab 1930 im Pergamonmuseum in 
Berlin gezeigt und irgendwann wieder

Sie offenbart verfeinerten Geschmack 
Der Metropole Babylon etwa mit den
Blauen gebrannten Ziegeln schon die 
Tiere Drachen und Blumen zeigten 

Die Stadt war reich und luxuriös
Einige der biblischen Propheten
Befanden sich dort in Gefangenschaft 
Sie verdammten die Stadt natürlich

Sie schrieben Babylon sei wegen
Selbstüberschätzung und zu viel an
Feinheit dem Untergang geweiht 
Etwa Jesaja fluchte übel dazu

Der deutsche Magier Luther der
Mit seiner Reformation die feine
Hochkultivierte Renaissance hier 
Beendete erklärte Rom zum

Babylon der Gegenwart weil dort
Weniger an Gott geglaubt als sich
Dem Genuss hingegeben wurde 
Sagte der frühere Mönch der die 

Ehemalige Nonne Katharina von
Bora schwängerte er schrieb dem
Papst er sei schändlicher noch als
Sodom Gomorrha oder Babylon 

Der antisemitische Reformator
Fürchtete alles städtische weil es
Die Menschen von Einfalt und Tugend
Ablenke schwärmt vom Landleben

So sollten die Deutschen lieber brave
Bauern und biedere Handwerker sein
Schrieb der Doktor aus der Provinz
Den Deutschen ins Stammbuch

Wunderbar lästert Seitz über die
Quasi Caspar David Friedrich Kapelle
Im zentralen Raum der Alten Berliner
Nationalgalerie hier betet die Nation

Neben dem Einsamen Baum findet
Sich der Mönch am Meer oder die
Abtei im Eichwald in fast allen Bildern
Verträumte Ruinen Bäume Wälder

Allerdings irrt er mit der zentralen
Stelle der nationalen Friedrich Kapelle
Vor dieser steht als solcher noch der
Säulengerahmte Tempel für Schinkel

Dazu dann Nebel oder Mondschein
Ganz zauberhaft und still es ist als
Ob sich die geaberglaubte deutsche 
Seele hier zeige auf Heimatsuche

Seitz zitiert dazu Verse aus
Dem Taugenichts von Eichendorff
Die ich mir der Fettflecken wegen
Lieber ganz nüchtern erspare

Spannend ist Friedrichs Kitsch wie
Das Ischtar Tor befinden sich nur 
Wenige Schritte voneinander auf
Der Berliner Museumsinsel

Bald sind sie auch unterirdisch
Alle miteinander verbunden für
Das große Publikum der Metropole
Kultur und Beschwörung der Natur


In den frühen Morgenstunden bis
Gegen halb sieben noch ein wenig
Curzio Malaparte gelesen was
Jobst Welge über diesen italienischen

Intellektuellen alles zu erzählen hat
Was zwischen sagenhaft und dann
Realistisch betrachtend wechselt
Ein buntes spannendes Leben zeigt

Vielleicht ist der Fehler vieler bei
Der Betrachtung Malapartes dass 
Sie eine konsistente Linie suchen
Wo die kreative Schöpfung zählt

Wie er den ursprünglich noch von
Den Vorfahren Napoleons die ja
Bekanntlich Bonaparte hießen
Stammenden Namen sich nahm

Die Täuschung mit Bon wegließ 
Zum ursprünglichen Mal also
Schlecht und böse zurückkehrte 
Für sein künstlerisches alter ego

Warum seine Reiseberichte und sein 
Blick auf die Welt noch spannender
Sei als sein Romanwerk das teils
Dem Faschismus huldigte aber

Auch mit ihm bei immer noch
Seltsamer Gewaltverherrlichung
Abrechnet und frei bleibt als einer
Der für die armen Arbeiter schrieb

Wage noch kein Urteil zu dieser
Vielfältig spannenden Person die
Sich auch zahlreiche Duelle lieferte
Egal ob auf deutsch oder italienisch 

Über sich sagte Malaparte er sei in 
Wahrheit weder schlechter noch
Besser als sein dummer Ruf aber
Er sei anders verstehen könnte ihn

Nur wer nicht vergisst dass in ihm
All die Romantik und der Wahnsinn
Der Deutschen sei er sei nicht ein
Italiener wie andere sondern in ihm

Wäre was ein Barbara genannt
Auch würde im übrigen läge der
Falsche Eindruck an ihm der gern
Schlauer scheine als er wirklich ist

Eigentlich hieß er Kurt Erich Suckert
Wurde 1898 als Sohn eines nach
Italien ausgewanderten deutschen 
Textilfabrikanten und einer Mutter

Die aus bürgerlichen Mailänder 
Verhältnissen kam seinen Namen
Legte er 1925 für den italienischen
Nom der plume ab der aber dann

Erst 1929 rechtlich anerkannt wurde
Als seine wahren Eltern betrachtete
Er seine proletarischen Pflegeeltern
Die den Namen Baldi trugen

Zeitweise spielte er sein deutsches 
Erbe herunter und stilisierte sich als 
Erz-Italiener sein Name ist zugleich
Aristokratisch und provinziell populär

Der Name ist eine sowohl anmaßende
Wie selbstironische Maske die zu dem
Leben voller Widersprüche passte das
Sich ständig neu selbst erfand

Er war ein Faschist ein Kommunist
Ein Anarchist ein Wendehals großer 
Egozentriker Narziß Dandy Snob
Enfant terrible Kriegs- und Frauenheld 

Ließ als Intellektueller keine der
Ideologischen Sünden seiner Zeit aus
Er selbst nennt sich unangepasst als
Unabhängiger autonomer Künstler

Dabei befand sich seine politische
Orientierung oft im Widerspruch zur
Allgemeinen Lage so fühlte er sich
In der Gegenwart besonders von 

Botschaftern Ministern Prinzessinnen
Wohl aber schlug sich immer wieder
Auf die Seite des einfachen Volkes
Egal wo auf der Welt er gerade war

Die ideologischen und politischen
Richtungen wechseln aber es bleibt
Freude an aristokratischen Kontakten
Wie die Identifikation mit dem Volk

Das Spiel mit Masken war ein Teil
Seines Wesens obwohl Journalist
Ist sein Umgang mit Fakten eher
Wohl phantasievoll zu nennen

Entsprechend passte er auch seine
Autobiographie immer wieder an
Keine Information über ihn ist ohne
Widersprüche und Ungewissheiten

Vielen ist er vor allem durch seine
Villa auf Capri bekannt die auch
Casa Malaparte hieß die Godard 
In seinem Film Verachtung zeigte

Malaparte sagte über das Haus auch
Es sei ein Casa come me ein Haus
Wie ich und so sind seine Schriften
Immer auch autobiographisch

Literatur war für ihn stets ein
Spielerischer Umgang mit seiner
Eigenen Identität einem gewissen
Draufgängertum mit Provokationslust

So verglich er sich mit Autoren wie 
Cellini Aretino Casanova Brummel
Lord Byron oder Chateaubriand am 
Liebsten noch zentral jedoch blieb

Immer seine Selbstinszenierung
Die ihn zum Teil der Kultur der
Moderne machte dabei zeigt er
Beweglichkeit und Unabhängigkeit

Er bewahrt einen ganz traditionellen
Erzählstil mit einer Ästhetik der
Dekadenz aber zum Teil auch
Ganz bewusst populär ist

Seine Literatur ist journalistisch
Während sein Journalismus auch
Literarisch ist er vermengt Fiktion 
Mit Wirklichkeit ist postmodern

Ganz erstaunlich ist seine
Europäische Bildung und Identität
Politisch korrekt war er nie und bleibt
Eine Provokation und ein Rätsel

Viele seiner Positionen scheinen uns 
Heute als grotesk falsch aber er ist
Mit historischem Abstand betrachtet
Als erstaunlicher Zeitzeuge zu lesen

So lief er mit siebzehn Zuhause weg
Nimmt 1914 als Italien noch neutral 
Mit einer garibaldischen Legion am
Krieg in den Argonnen teil

Kämpft auf französischer Seite gegen
Die Deutschen kehrt 1915 zurück 
Nach Italien wird Mitglied der dort 
Alpenjäger wird dabei ausgezeichnet 

Während der Schlacht bei Bligny wird 
Seine Lunge schwer durch Kampfgas
Geschädigt worunter er lebenslang litt
Am Ende starb er an Lungenkrebs

Nach dem Krieg ist er zeitweise als
Attaché in Warschau kurz vor dem
Marsch auf Rom 1922 wird er Mitglied 
Der faschistischen Partei Italiens

So will er sich um die Rechte der
Arbeiter in Florenz kümmern dann 
Übernimmt er die Leitung einer
Politischen Wochenschrift

Dort spricht er sich für einen
Spartanischen radikalen Faschismus
Aus der Mussolinis Kompromisse
Mit dem liberalen Staat kritisiert

Dabei tritt er als Verteidiger der
Deklassierten Massen auf denen
Er in Viva Caporetto seinem ersten
Werk ein literarisches Denkmal setzt

Das Werk machte ihn berühmt und
Zu einem viel diskutierten wie auch
Umstrittenen Autor er war geprägt
Vom Engagement für die Arbeiter 

Er wurde stark durch Georges Sorel
Wie den Anarcho-Syndikalismus noch
Beeinflusst in seinem Denken der 
Auch der Lehrmeister Mussolinis war 

Schon 1926 gründete er die Zeitschrift
900 - Cahiers d’Italie et d’Europe die
Ganz auf französisch verfasst wurde 
Alle drei Monate erschien sie sollte 

Italienische Kultur im europäischen
Geist erneuern dort schrieben auch
James Joyce D.H. Lawrence Ilja
Ehrenburg Stefan Zweig und mehr

Im Rahmen einer Kulturgeschichte
Gewordenen Diskussion zwischen
Ultramodernisten und einer eher
Ländlich populistischen Interpretation

Der faschistischen Kultur vertrat er
Die These Italien sei das Land der
Gegenreformation warum sich die 
Wahre Identität des Landes im

Radikalen Gegensatz zur modernen
Protestantischen Kultur des Nordens
Befinde wobei sich der Gegensatz
Zwischen kosmopolitisch europäisch

Und ethnisch lokal definierter Kultur
Durch sein ganzes Werk zöge er
Wurde 1929 durch den Turiner
Unternehmer Giovanni Agnelli

Zum Chefredakteur der Zeitung
La Stampa er erreichte dabei
Hohe Auflagen mit seinen Reportagen
Aus der Sowjetunion wohin er für

Geschäfte Agnellis gereist dabei
Schrieb er auch über Lenin und
War von der Revolution fasziniert
Was Mussolini sehr missfiel

Er ließ nachfragen ob es sich nun
Für die Leitung der Prawda bewerbe 
Malaparte kritisierte auch die neue
Faschistische Oligarchie als Antwort

Seine Bücher über Lenin und die
Sowjetunion wurden in Italien Opfer 
Der Zensur immer erschienen dann
In Frankreich doch er lästerte weiter

Er machte sich in Artikel über die
Krawatten von Mussolini lustig und
Schrieb nach Besuch Deutschlands
Une femme: Hitler

Nach Differenzen mit einem noch
Antifaschistischen Mitglied der
Geschäftsführung wurde er im
Januar 1930 einfach entlassen 

Mehr zu seiner Zeit in Paris und
Der Begründung warum Hitler
Eine Frau sei kommt morgen damit 
Es heute noch ein Ende findet

jens tuengerthal 24.3.26

Liebeslaster

Liebeslaster

Liebe als Laster 
Wäre manche Sünde wert
Denk ich unschuldig

jens tuengerthal 24.3.26

Loslassen

Loslassen

Loslassen können
Ist aller Freiheit Anfang
Festhält das Ende

jens tuengerthal 24.3.26

Verlassen

Verlassen

Verlass mich nicht sagt
Die Liebe Treue fordernd lass
Mich ziehen der Tee

jens tuengerthal 24.3.26

Fernstenliebe II

Fernstenliebe II

Als ich am 21.12. noch von der
Fernstenliebe dichtete war sie
Bloß theoretisch weil die Liebste
Relativ nah für Monate noch war 

Nun im Frühling wurde es praktisch
Wir sehen uns vermutlich erst im
Juni wieder und schreiben uns
Bis dahin voller Liebe täglich 

Finde es immer noch viel intensiver
Als alle Versuche in der Realität
Die gewöhnlich ernüchtert enden
Wenn sich Träume nicht erfüllen

Sehnsucht in die Ferne enttäuscht
Viel weniger Erwartungen mit der 
Realen Unvollkommenheit warum
Dante sie so erfolgreich betrieb

Als Neunjähriger sah er Beatrice
Einmal in Florenz danach blieb sie
Ewiger Traum und starb früh was 
Der Idealisierung Vorschub leistete

In Vita Nova beschreibt Dante so
In Versen und in Prosa auch jene
Reinigende Kraft der Liebe zu
Seiner idealen Liebe und Muse 

Dafür führt die früh verstorbene
Beatrice Dante dann in seiner
Göttlichen Komödie im Paradies
Wo sie von Vergil übernimmt

Der Traum dieser Liebe war der
Grund warum Dante seine Reise
Ins Jenseits überhaupt antrat so
Wird die ferne Liebste zum Ideal

Real war sie ja da einfach tot 
Schon länger nicht mehr sondern
Ein elend verfaulter Rest nur der
Eher gruselig als schön noch war

Spirituell überhöht noch dem alten
Aberglauben der jüdischen Sekte
Genannt Christentum verbunden
Gibt seine Muse ihm Grund zu sein

Kritisch aufgeklärt also aus der
Unmündigkeit des Aberglaubens
Befreit liegt mir aller Hokuspokus
Der sich spirituell nennt eher fern

Dennoch scheint mir diese Liebe
Zur fernen Liebsten als Dichter
Geradezu ideal und vollkommen
Weil ich sie nicht täglich ertrage

Die allerliebste Muse wird auch
Gerne nicht nur geistig verehrt
Sondern wenn mal da auch ganz
Konkret mit Lust dabei gevögelt

Theorie und Praxis ergänzen sich
In unserer Konstellation vollkommen
Der Geist findet erstmals sein Echo
Unser Sex am Ende langer Nächte 

Falls zufällig noch irgendwem der
Beteiligten etwas absteht oder sonst
Bereitschaft signalisiert nach unserer
Je Natur ist so ziemlich vollkommen

Nenne diese Liebe ohnehin lieber
Unvergleichlich was alle weiteren
Fragen dazu ausschließt alles was
Bleibt und ist vollkommen findet

Die Chance zu haben von den
Alltäglichen so gewöhnlichen
Umständen nicht behelligt zu
Werden hilft zu idealisieren

Wenn dir dann bei Gelegenheit
Die Liebste noch schreibt wie 
Wunderbar sie einschlief in der
Ferne nachdem sie sich selbst

In Gedanken mit mir befriedigte
Denke ich der Olle Dante war 
Doch ein armer Hund verglichen
Und fast denke ich an Peter Maffay 

Der sang noch … und sie war 17
Und es war das erste mal was
Heute schon eher nach Phantasie
Klingt als wirklich zu berühren

Nun als ich neun Jahre alt war
Wie Dante als er seine Beatrice
In Florenz nur sah bei der es dann
Zoom bei ihm machte war sie 17

Zumindest so ungefähr und der
Rest ist Dichtung und Wahrheit 
Denke ich als heutiger Dichter
Der damit sein Ideal gefunden

Da kann ich in Ruhe geduldig sein
Auf die zweimal drei Monate im Jahr
Mehr oder weniger jedenfalls in 
Denen wir Dante viel voraus haben

Das nur halbe übrige Jahre wird dann
In zweimal drei Monate separiert noch
Geteilt was lächerlich wenig scheint
Das dann Glück zu genießen

Habe als Dichter der sich niemals 
Amaßte auf Dantes Spuren zu sein
Es ganz konkret viel besser als er
Da gilt es die Zeit voller Sehnsucht

Mit Versen in die Ferne zu nutzen
Von denen sie sich liebkost fühlt
Wie der Rest zumindest amüsiert
Der Dichter ist im Paradies schon

Dies ohne darum alle Versuche
Vorher als Form von Hölle gleich
Benennen zu wollen es genügt ja
Die Gegenwart so zu genießen

Wohin auch immer Futur oder das
Plusquamperfekt uns noch ganz
Konkret verführen wollen sage ich
Am Ende einfach es ist was es ist

jens tuengerthal 24.2.26

Exzentrikerzuwachs

Exzentrikerzuwachs

Heute bekam die Andere Bibliothek 
Zuwachs mit Curzio Malaparte zog
Ein neuer Exzentriker in meine noch
Bescheidene Sammlung ein den ich
Auf dem Rückweg vom Einkauf bei
Gestehe es ohne rot zu werden Lidl
Die einen hervorragenden Riesling
Aus dem Rheingau und nun auch
Einen spanischen Bio Tempranillo
Im Programm haben was aber egal
Wurde als ich am Antiquariat in der
Prenzlauer Allee vorbei kam und der
Nicht unbekannte Antiquar mich auf
Einen neuen Schatz in seinem eher
Sonst großen Chaos aufmerksam
Machte eben jenen Curzio Malaparte 
Der 2007 in der Anderen Bibliothek 
Noch bei Eichborn erschien dieser
Vielfältige deutsch italienische Autor
Exzentriker Dandy Faschist Held 
Egozentriker Kommunist Wendehals
Der keine Sünde im Leben ausließ
Wie zugleich ein großer Reisender
Scharfer Beobachter und dabei noch 
Origineller Denker war noch in seinen
Teils völligen Fehlurteilen erhellend 
Ein Mann mit der angeblich schönsten
Villa auf Capri der auch Diplomat war
Bis er zu undiplomatisch wurde bin 
Nun gespannt auf mehr von diesem
Mann der eigentlich ganz deutsch
Kurt Erich Suckert hieß und von
1898 bist 1957 lebte für seine
Radikalen Romane berühmt wurde 
Wie immer umstritten auch war 

jens tuengerthal 23.3.269

Montag, 23. März 2026

Lektürentagebuch 23.3.26

Lektürentagebuch 23.3.26

Ausführlich schreibt Erwin Seitz in
Die Verfeinerung der Deutschen am
Ende über bürgerliche Lebenskünstler
Der Bourgeois und Bohemien vereine

Diese Zwischenform bei der die
Protestantisch geschäftigen Teile
Der Bourgeoisie auf die Lebenslust
Städtischer Bohemiens trifft

Dem heutigen Zeitgeist doch sehr
Entsprechend geht es um ein eher
Gebildetes Grünes Publikum das
Sein Leben bewusst gestaltet

Statt ständigem Konsum lieber 
Weniger ausgewählt ökologisch 
Um bewusst mit gutem Gewissen
Seinen Luxus genießen zu können

Dafür werden verschiedene Beispiele
Gebracht wie der Zeitgeist eines eher
Gebildeten städtischen Publikums
In dem der Flaneur lange schon lebt 

Dies beschreibt Seitz der auch in 
Berlin lebt treffend und zeigt so die
Konstruktiven Perspektiven einer
Entwicklung zur Verfeinerung

Maßvoller Konsum hochwertiger vor
Ort mit kurzen Wegen verkaufter
Nachhaltig produzierter Güter mit
Menschlicher Verbindung vor Ort

Diese Bourgeois Bohemiens auch
Abgekürzt BoBos genannt sind ein
Wichtiges künftiges Publikum das
Zwei Eigenschaften in sich vereine 

Der bürgerlich geschäftig liberale
Aspekt verbindet sich mit einer
Neuen Ästhetik beim Genuss die
Aus weniger wieder mehr macht

Weniger Verpackung dafür mehr
Regionale ökologisch produzierte
Waren mit viel weniger Schadstoffen
Sorgen für mehr an gutem Gewissen 

Das hat seinen Preis der es dem
Wohlhabenden Publikum wert ist
Ein positiver Aspekt der natürlichen
Gentrifizierung für den Autor dabei

Andererseits sollten auch politisch
Sozialwohnungen gesichert werden
Städtisches Leben bezahlbar bleiben
Genossenschaft vor Investoren gehen

Eine wichtige Verbindung dabei von
Wirtschaft nun und Politik welche 
Die Zukunft städtischen Wohnens auf
Neue Art schön und attraktiv macht

Auch das eine Verfeinerung einer
Lebenskultur die wichtig ist und so
In den letzten Jahren entwickelte als
Neue Form der nachhaltigen Kultur

Diese ist technikaffin tolerant wie 
Für neue Lebensformen auch offen
Das Gegenteil von MAGA und AfD
Die jene wählen die Angst haben

Der urbane Instinkt zur Verfeinerung
Wirke seit 5000 Jahren in der Kultur
Habe sie weiterentwickelt auch wenn
Ängstliche immer bremsen wollten 

Spannend ist es als Flaneur auch
Teil dieser Bewegung zu sein wie
Diese weiter zu kultivieren um so
Zukunft neu zu gestalten auch

Vom städtischen Leben nach der 
Anderen Kulturgeschichte geht es
Zur Naturbeobachtung bei Selborne
Mit Reverend Gilbert White der im

Nun 12. Brief vom 14. November 
1767 an Thomas Pennant Esquire 
Schreibt wobei letzteres eine typisch
Angelsächsische Höflichkeitsform ist

Mit ihr werden bis heute Anwälte als
Angehängter Titel geehrt so freut er 
Sich zunächst dass der übersandte
Vogel kein gewöhnlicher Falco war

Mehr hätte es ihn nur noch gefreut
Wenn auch der Freund diesen nicht
Gekannt hätte was aber wohl ein zu
Schwieriges Unterfangen wäre

Sodann berichtet er von den Mäusen
Die er sich geholt und gut konserviert
Hätte wie ihrer Art zu leben dass die
Eichhörnchen farblich ähnliche Art

Ihre Nester am Feld oder in Disteln 
Sich baut und in den kleinen fein aus
Halmen geflochtenen Kugeln bis zu
Acht Junge Platz fänden und überlegt

Wie ihre Mutter sie wohl dort säugt
Keinesfalls passt sie in dieses so
Kunstvoll geflochtene Nest selbst
Mit hinein so fragt er sich ob sie es 

Wohl an einer Seite dazu aufreißt 
Diese Kugel mit acht Jungen fand er
Auf halber Höhe einer Distel selbst
Am Feldrand gut geschützt

Nicht gut genug um nicht von dem
Naturforscher entwendet konserviert
Zu werden aber vielleicht ist das der
Preis dieser Lektüre auch

Immer wieder dabei den Wind in 
Den Weiden in Gedanken vor mir
Schützte ich zu gerne alles Leben
In der so wundervollen Natur

White berichtet noch von einem
Gentleman der sich auch für Vögel
Interessierte und ihm einen eher
Seltenen deutschen Seidenschwanz

Zeigte den sein Diener schoss und
Enttäuscht war dass er ihm kannte 
Berichtet davon dass 1685 eine
Größere Population schon kam

Dann grübelt er noch über die spät
Geschlüpften Schwalben überlegt
Ob diese auch wandern oder eher
Irgendwo geschützt überleben 

Erzählt von der nordischen Sage 
Dass sie Unterwasser überlebten 
Fragt sich ob das möglich wäre
Was sie sonst im Winter hier tun 

Wieder ein schöner Brief der auch
Mit einer gehörigen Portion noch
An Selbstironie bezüglich des Falco
Den er ihm schickte Humor zeigt

jens tuengerthal 23.3.26

Wahlkonsequenz

Wahlkonsequenz 

Nach Wahlen fordern alle gerne
Besonders wenn sie verloren gingen
Konsequenzen dabei ist doch das
Ergebnis Konsequenz genug

Wenn nach längerer Regierungszeit
Eine Partei abgewählt wird ist das
Gut so demokratisch und normal
Niederlagen überstehen ist groß

Besonders die SPD ist groß darin
Ihr Führungspersonal bei nächster 
Gelegenheit zu demontieren was
Weniger nach Solidarität klingt

Wenn nun die Ex vom Ex-Kanzler
Die auch die Ex vom amtierenden
Verteidigungsminister ist diesen als
Vizekanzler vorschlägt ist das so

Peinlich wie es eben klingt doch 
Besser schwiegen alle dazu und
Machten ordentlich ihre Arbeit
Statt Stimmungen zu folgen

Wer Verantwortungsgefühl hat
Sollte diese in der Not übernehmen
Wer über andere redet zeigt damit
Nur eigene Bedeutungslosigkeit 

jens tuengerthal 23.3.26

Liebeslehre

Liebeslehre

Liebe lehrte mich
Ständig unzuverlässig
Ist ganz natürlich

jens tuengerthal 23.3.26