Samstag, 29. November 2025

Siegesgewiss

Siegesgewiss

Siegesgewiss sein
Sicherer Weg zum Abgrund
Ganz ohne Hoffnung

jens tuengerthal 29.11.25








Deutsche Helden

Deutsche Helden

Deutsche Helden sind
In Gießen auf der Straße
Gegen die Nazis

jens tuengerthal 29.11.25

Lustteilung

Lustteilung

Wenn die Liebste mir selig schreibt
Es sei ihr gerade im Traum mit mir
Gekommen und es war wunderbar
Leckte ich zu gerne die Spuren der
Lust zärtlich von all ihren Lippen 
Fühl mich ihr noch viel näher
Als hätten wir wirklich Sex gehabt 
Selig im Superlativ von Liebe mit
Größter denkbarer Lust weil es
In der Phantasie am schönsten ist
Denk ich die geteilte Lust ist doch
Die schönste ganz egal wo weil 
Wenn wir gewollt eins werden
Liebe und Lust sich infolge
Gemeinsamer Höhepunkte
Um vielfaches potenziert 
Also hochgenommen wird
Wie ich sie auf den Arm
Nehme zumindest in die
Sobald wir es können 
Verdoppelt die Lust sich
Geteilt nicht nur was ja da
Zwei Beteiligte logisch wäre
Sondern nimmt sich mit sich
Dabei auch noch mal was
Der Natur des Sex entspricht
Am Ende fließt wieder alles
Ohne dass darum gleich auch
Holland in Not ist wenn alle
Deiche im Sturm brechen
Weil wir dann einfach jede
Scheu fallen lassen um im
Überfluss auch zusammen
Schwimmen zu gehen

jens tuengerthal 29.11.25

Liebessuperlativ

Liebessuperlativ

Gibt es die eine große Liebe
Ist alles bis dahin nur Vorspiel
Oder gibt es eher eine Summe 
Von Lieben die jeweils aktuell
Als die ganz große uns scheinen 
Überlege ich und weiß es nicht

Oft schon dachte ich so schön
Wie wunderbar und heiß war
Es noch nie mit einer gemessen
An der Summe aller ist aber die
Der großen Lieben eher kleiner
Zumindest war es nicht nur eine 

Wäre ja auch seltsam irgendwie
Mit 55 noch nie geliebt zu haben
Da fehlte ja jede Erfahrung auch
Wenn nicht alle so wunderbaren 
Frauen denen ich nah sein durfte
Auf die eine oder andere Art gleich

Eine große Liebe auch waren
Sicher nicht alle aber ich mag die
Vergleiche ohnehin nicht bin lieber
Glücklich immer noch so lieben zu
Können dass die Liebste mir auch
Völlig einmalig wunderbar scheint

Liebe liebt den Superlativ wenn
Wunderbar frisch verliebt kann 
Nichts und keine schöner scheinen 
Was sich für beide irgendwann
Wieder auf ein Normalmaß dann
Reduziert aber beides ist Liebe 

Mag es gerade zu denken so
Wunderbar sinnlich wie geistig
Emotional nah war es noch nie
Zugleich alle Leiden zu vergessen 
So ist der Superlativ der Liebe
Eine Art von Betäubungsmittel

Ob dieser Liebesrausch gleich
Körperlich abhängig macht ist
Nicht ganz sicher zumindest werden
Zuständige Regionen beim bloßen 
Gedanken schon besser durchblutet 
Was sich zauberhaft anfühlt wie 

Die morgendliche Erektion die
Frech schon absteht wenn ich
Nur ihre Küsse im Telefon sehe
Was sie aber auch schon beim 
Aufwachen ungefragt gerne tat
Weil ich wieder von ihr träumte

Falls ausnahmsweise nicht aber 
Trotzdem steht ist das halt Natur
Genug einen Mann von 55 wie
Einen Jungen zufrieden lächeln 
Zu lassen  schon der Wunsch
Alles auf sie zu beziehen genügt 

Um all diesen Unsinn zu ertragen 
Wie für wirklich wertvoll zu halten
Obwohl es nur um Natur geht
Braucht es wohl den Superlativ
Als sagenhaften Antrieb in 
Ungeahnte Galaxien der Liebe

Spätestens wenn von der gerade
Größten Liebe im Plusquamperfekt 
Nur noch die Rede ist wird auch der
Superlativ zum Komparativ der
Irgendwann in Vergessenheit wieder
Verschwindet als sei nichts gewesen

Bis dahin aber ist meine Liebste
Nur im Superlativ angemessen mit
Liebe bedacht was doch ganz logisch
Wie ziemlich seriös dabei noch klingt 
Weil größer natürlich gerade keine ist
Alles andere völlig egal damit wurde
Und sie ist gekommen um zu bleiben

jens tuengerthal 29.11.15

Freitag, 28. November 2025

Lektürentagebuch 28.11.25

Lektürentagebuch 28.11.25

Egon Friedell berichtet in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit wie
Die Einrichtung der Post auch die
Entstehung der Zeitung brachte

Sie waren erst handschriftliche
Mitteilungen die hochgestellte 
Personen von Korrespondenten
Erhielten und als dann Gazetten

In den Handel brachten dabei wurden 
Erste gedruckte Zeitungen von den
Postmeistern verbreitet bei denen alle
Neuigkeiten stets zusammenliefen

Sie erschienen wöchentlich und 
Enthielten der Zensur wegen nur
Bloße Tatsachen ohne Kritik wie ein
Nachrichtenticker heute

Viel freier waren die Flugschriften
Die mit der Reformation aufkamen
Und heimlich verbreitet wurden so
Zu einer politischen Macht wurden 

Besonders holländische Pasquilanten
Also Verfasser von Schmähschriften
Waren bei europäischen Regierungen
Gefürchtet aufgrund freierer Presse

Das erste Wochenblatt erschien 1605
In Straßburg die erste Tageszeitung
Der Daily Courant erst hundert Jahre 
Später dann natürlich in London 

Von großer Bedeutung waren auch
Die wissenschaftlichen Zeitschriften
In Pariser das Journal de Savants in 
Londoner Philosophical transactions

Rom mit Giornale de Letterati und
Aus Leipzig Acta eruditorum die 1682
Für Verhandlungen unter Gelehrten
Gegründet worden war als Zeitung

Eine staunenswerte Entwicklung
Nahm das wissenschaftliche Leben
Von Pascal über Spinoza dessen 
Auch bibelkritische Forschung bei
Richard Simon eine Fortsetzung fand

Er blieb zwar in der Tradition aber
Zeigte dabei große Kühnheit in der 
Historischen Erklärung warum ihn 
Theologen beider Lager anfeindeten

Ebenso unabhängig und kritisch
Zeigte sich Mézeray in seiner großen
Histoire de France die nach Boileau
Das Wahre mit dem Schönen vereinte

Er hieß Francois Eudes fügte dazu
Das de Mézeray an um seine eher
Einfache Herkunft als Sohn eines
Chirurgen geschickt zu verdecken

Er studierte in Caen und in Paris
An der Sorbonne und verdiente
Seinen Unterhalt durch satirische
Schriften und als sonstiger Autor

Die Diplomatik also die Erforschung
Historischer Urkunden begründete
Jean Mabillon während Pierre Bayle
Das geistreichste Wörterbuch schrieb

Sein Dctionaire historique et critique
Gilt als so gelehrt wie scharfsinnig
Dabei zugleich auch noch amüsant
Nie war ein Wörterbuch geistreicher 

Alle Phänomene des Staats wie der
Kirche werden darin anatomiert wie
Bayle es laut Friedell nannte nach 
Der cartesianischen Methode auch

Auf diesem verwegenen Skeptiker
Meint Friedell geht die französische
Aufklärung zurück so versucht er noch 
Zum credo quia absurdum zu finden

Diese alte Weisheit besagt danach
Ich glaube weil es absurd ist was
Heißt alles übernatürliche sei für
Den Verstand ohnehin nicht fassbar

Zunächst deckt er alle Widersprüche
Zwischen Philosophie und Religion
Wie Vernunft und Offenbarung auf
Erklärt den Sündenfall als Paradox

Entweder sei der Mensch unfrei
Dann wäre sein Handeln keine Sünde 
Oder er ist frei dann wollte Gott diese
Was seiner Güte aber widerspräche

Hat er sie nicht gewollt bloß nicht
Verhindern können sei er auch nicht 
Allmächtig doch schließt er aus allen
Bedenken nicht die Nichtigkeit des

Glaubens sondern der Vernunft
Diese habe dich dem Glauben
Zu unterwerfen und kritiklos zu 
Glauben ihre Ohnmacht erkennen

So sei Bayle zwar Skeptiker aber
Nicht der Religion sondern allein
Der Philosophie brachte jedoch
Viele Argumente gegen den Glauben

Dies zwar in der erklärten Absicht 
So den blinden Glauben zu stützen 
Bewirkte jedoch logisch das Gegenteil
Was das 18. Jahrhundert dann vollzog 

Voltaire sagte sehr treffend zu Bayle
Es fände sich kein Angriff gegen das
Christentum in seinen Schriften aber
Keine die nicht Zweifel begründete 

So sei Bayle nicht ungläubig gewesen
Aber die Lektüre seiner Schriften 
Mache jeden Denkenden ungläubig 
Was ihn damit auch zum Großvater

Der seinen Gedanken dann in Freiheit
Zum Licht der Vernunft führenden
Aufklärung machte weil er wirklich
Konsequent kritisch erstmals dachte

Nicht ohne Grund heißt diese Epoche 
Im englischen und französischen auch
Zeitalter der Erleuchtung was mit dem
Kritischen Denken verbunden ist

Oder wie Kant es treffend formulierte 
Sapere aude habe Mut dich aus der
Unmündigkeit durch dann kritisches
Denken wirklich zu befreien

Daraus resultierte dann eine Moral
Wie eine Philosophie die das eigene
Gewissen als höchstem Maßstab der
Prüfung aller Kritik festschrieb

Ob danach noch etwas kam was 
Diese Aussage infrage stellen könnte
Wird bis heute mit meist schlechteren
Argumenten noch immer gestritten

Sicher nur dachte der Schwabe Hegel
In Berlin ihn nicht weiter sondern eher
Sein Schüler Max Stirner aber das 
War heute kein Thema bei Friedell

So wenig wie die Dialektik der 
Aufklärung die von Horkheimer und
Adorno nur ethischer Umkehrschluss 
War was nicht als Beleg je taugt

Mit weitem Blick über die geistigen
Gründe der Epoche und noch über
Diese hinaus beschreibt Friedell so
Der Rede werte Zusammenhänge

Das Denken in großen kulturellen
Zusammenhängen lässt so den
Europäischen Geist erfassen wie 
Seine Entwicklung verstehen

jens tuengerthal 28.11.25


Tagesverschiebung

Tagesverschiebung

Dichte und lese zu gerne nachts
Während andere schlafen mehr
Ruhe im immer unruhigen Berlin
Sich nicht nur scheinbar findet
Sondern gefühlt ganz real wird

Schlafe vier bis fünf Stunden
In den frühen Morgenstunden
Dann bin ich besonders produktiv
Also ist dieser Rhythmus richtig
Für mein Leben und passt zu mir

Damit verschieben sich die Tage 
Was in Berlin völlig egal ist
Während es etwa in Walldorf 
Bei meiner Familie dort eher
Ungewöhnlich ist weil sie im
Rhythmus der Zeit leben die
Schulen oder Unternehmen
Von dem meisten fordern

Manchmal verschiebt sich
Die eigene Zeit und dann
Ist es besser dieser zu folgen
Wie es dem eigenen Gefühl
Am ehesten entspricht was
Nur wenige unter der Knute
Der Durchschnitts je können

Weniger Zeitdruck dafür mehr
Freiheit mit der eigenen Natur
Leben zu können täte allen gut
Um ihre Fähigkeiten wirklich
Entfalten zu können aber nicht
Viele wagen Freiheit gegen die
Uns ein Leben lang antreibenende
Zeit um sie sich dienen zu lassen 

Noch weniger können je tolerant 
Mit dem Zeitgefühl anderer umgehen
Weil wir gewohnt sind zu funktionieren
Warum es besser sein könnte
Erst die eigene Zeit zu finden

Bevor wir uns fremder unterordnen 
Schule macht es leider umgekehrt
Und wundert sich über das Ergebnis 
Nehmen wir uns lieber Zeit für uns
Nichts ist wichtiger im Leben

jens tuengerthal 28.11.2

Kompromisskunst

Kompromisskunst

Die hohe Kunst Kompromisse
Miteinander zu finden ist was
Politik als Fähigkeit ausmacht
Nicht Durchsetzung einer Sicht 
Sondern keiner bekommt alles 
Jeder ist ein wenig unzufrieden
Aber es genügt für eine Mehrheit
Zumindest das hat die Koalition
Geschafft und das ist auch gut so
Weil es Stabilität garantiert
Ohne Radikale zu stärken
Populisten tun gerne so als
Sei Politik wünsch dir was 
Mit ganz großen Versprechen
Real aber ist Politik die Kunst
Des Machbaren die über
Kompromisse Wege sucht
Die eine Mehrheit im Land
Tragbar finden kann auch
Wenn einige immer nörgeln
Ist was Lars Klingbeil hier 
Mit dem Kanzler erreichte
Ein relativ fairer Kompromiss
Nicht toll und großartig aber
Mit diesem Kanzler und seiner
CDU eben das noch machbare 
Diese kleine Randmeldung nur
Ist ein Grund zur Freude weil
Die Demokratie einfach funktioniert
Auf Kompromisse kommt es an
Wer nur laut rumschreit erreicht
Keine Kompromisse miteinander
Dies ist ein Zeichen der Stabilität
Gut für Freiheit und Demokratie
Auch positives darf einmal freudig
Bemerkt werden statt nur Nörgelei

jens tuengerthal 28.11.25

Liebesrisiko

Liebesrisiko

Liebe ist immer
Hohes Risiko ohne
Gewinnsicherheit

Dafür verschwindet
Jedes Gefühl danach ganz
Ohne noch Hoffnung

jens tuengerthal 28.11.25

Verbrennerausnutzen

Verbrennerausnutzen 

Verbrennerausaus
Für Populisten nutzen
Schadet nur Deutschland

jens tuengerthal 28.11.25

Verbrenneraus

Verbrenneraus

Das Verbrenneraus
Auszuhebeln schadet der
Autoindustrie

jens tuengerthal 28.11.25

Lustbilanz

Lustbilanz

Nun mit 55 Jahren nachdem
Das Leben mir viel mehr so
Schöne wie wunderbare Frauen
Als GIück der Begegnung schenkte
Denke ich dichtend schon 
Über korrekte Formulierung
Nach die keine diskriminiert
Und frage mich dabei zugleich
Wäre es Zeit für eine Bilanz
Was lohnte was weniger
Worauf stand ich wirklich
Welche blieb in Erinnerung
Nicht nur als zufällig letzte 
Aber merkte dabei schon das 
Ist Unsinn für Erbsenzähler
Darüber lachen so verrückte
Poeten um Viertel nach zwei
Lieber statt etwas zu zählen 
Weil es nicht viele je braucht
Noch eine Statistik der Frauen
Eine Konkurrenz im Bett gar 
Die Umfang gegen Enge als
Maßstab mit realen Höhepunkten
Verrechnet auf der nach oben
Offenen Skala die ich früher
Einmal als Luststatistik mit einem
Punktesystem führte ohne dabei
Die eigene Lächerlichkeit noch
Zu bemerken wurden schlicht 
Beischlafgelegenheiten nummeriert 
Lieber erlebte ich nur die eine
Statt immer andere jedes mal 
Drei am Wochenende klingt toll
Es blieben Spuren der Erinnerung
Wie die Sucht nach Bestätigung
Eine fürs Leben zeigte Qualität
Geliebt gelitten gevögelt gelitten
Gewonnen an Erfahrung dafür 
Mehr gelitten als genossen
Bliebe ich lieber bei einer 
Die bliebe statt zur dritten 
Null noch aufzubrechen
Beieinander bleiben weil 
Mehr am Ende nie war 

jens tuengerthal 28.11.25

Liebesabschluss

Liebesabschluss

Eigentlich hatte ich gerade mit
Der Liebe abgeschlossen weil
Die Bilanz zu schlecht war
Zwar die schönsten Momente
Aber auch die schrecklichsten
Erlebt und die Prüfung meiner
Bilanzen der Liebe ergab trotz
Vieler hundert Versuche doch 
Noch die Richtige eine zu finden
Eine eklatant negative Bilanz
Zu Lasten des Dichters der
Lieber nur noch Musen wollte
Statt auf die eine zu hoffen
Lieber die eine oder andere
Zwischendurch eventuell mal
Aber keine mehr ganz nah
Na wie das so geht mit den 
Plänen in Sachen Liebe
Endet selten vernünftig
Aber scheint völlig logisch
Wenn es ist was es ist
Wird jede Bilanz egal

jens tuengerthal 28.11.25

Lektürentagebuch 27.11.25

Lektürentagebuch 27.11.25

Noch in der Nacht oder am frühen
Morgen bis gegen halb sechs den 
Guten Egon Friedell gelesen der
Über Kaffee und die Post schrieb

Wie dessen Aufkommen schon
Mitte des 17. Jahrhunderts die
Welt und das Zusammenleben
Plötzlich wieder stark veränderte 

Die ersten Kaffeehäuser also
Cafés gab es in London wo diese 
Sogleich sich in verschiedene 
Klassen der Nutzer aufteilten

Wie die Engländer ja bis heute
Gern in Klassen denken wie sich
In diesen entsprechend benehmen 
Was hier aber kein Thema war

Es gab die literarischen Cafés
Politische für jede Fraktion auch
Die Handwerker und Huren wie
Theaterleute hatten ihre Kaffeehäuser 

Der Kontinent mit Wien und Paris 
Zog erst zwanzig Jahre später nach 
Mit rasanter Expansion dafür dann
Um 1720 gab es 300 Kaffeehäuser

Egon Friedell nennt in seiner 
Kulturgeschichte der Neuzeit den
Kaffee das Charaktergetränk der
Hochbarocke der von Arabern kam

John Dryden ein berühmter Dichter
Wie Literaturkritiker der Zeit hielt
Seine Cercle im Literatencafé wessen 
Verse dort gelobt hatte es geschafft

In Deutschland kamen erste Cafés in 
Den 1680ern in Wien wurde das vom
Serbischen Kundschafter Kolschinsky
Gleich nach der Belagerung eröffnet

Hier wurde von den Türken erbeuteter
Kaffee zuerst ausgeschenkt zusätzlich
Gab es dabei Billard und l’Hombre 
Rauchen ging nur in billigen Lokalen

Der Kaffee als Rauschmittel das die
Aufmerksamkeit noch nervös erhöhte
Passt nach Friedell gut zur Epoche
Der Aufklärung die auf Wachheit setzt

So war Voltaire leidenschaftlicher
Kaffee Trinker wenn auch wohl nicht
Wie behauptet 50 Tassen am Tag
Doch konnte er ohne nicht arbeiten

Ob sich dies wie Friedell meint in 
Seinem nervösen durchsichtigen 
Überreizten überbelichteten Stil
Zeigt bin ich nicht ganz so sicher 

Neben dem Kaffee kam auch der
Schaumwein auf der Champagner
Erst etwa ein Jahrhundert später
Mit der Erfindung der Flaschengärung 

Auch die Schokolade wurde gezuckert
Zur Mode in Spanien sogar zum dann
Volksnahrungsmittel der Armen die
Diesen statt teurem Essen tranken 

Der Alkohol aber wurde durch den
Kaffee nicht verdrängt vor allem die
Deutschen waren als wüste Säufer
Berühmt bewundert oder gefürchtet

Auch Franzosen und Engländer
Standen dabei nicht sehr zurück
Nur die Südländer waren von jeher
Eher gemäßigt auch beim Saufen 

Endlich findet auch die Gabel als
Nützliches Esswerkzeug Zuspruch
Was am französischen Hof ab 1650
Begann imitierte bald ganz Europa 

Als neue Sitte kam auch das
Hutabnehmen auf dagegen war
Die Reinlichkeit bis in höchste Kreise 
Nicht wirklich verbreitet mehr 

Die öffentlichen Bäder noch aus der 
Renaissance wie im Mittelalter waren
Verschwunden und verpönt es wurde
Gepudert und parfümiert anstatt

Unter der Überschrift Post lerne ich
Wie primitiv die Fortbewegung war
Erst Ende des 17. Jahrhunderts tritt 
Der Wagen neben das Reitpferd

Langsam kamen in großen Städten
Droschken auf die in Paris fiacres
Genannt wurden wobei der Wiener
Friedell lächelnd an Fiaker denkt

Die zweispännigen Lohnkutschen
Verkehren in Wien ja bis heute der
Mittelstand damals nutzte eher die
Portechaise oder Sänfte noch

Menschen als Tragtiere zu nutzen
Wurde dabei vielfach missbilligt
Höhere Stände hielten sich dafür
Mindestens vierspännige Karossen

Diese wurden von Läufern begleitet
Des schlechten Zustands der Straßen 
Wegen war dies nötiger als der sonst
Allgemeinen Prunksucht wegen 

Um diese Zeit kommt auch die
Fahrpost auf entweder staatlich
Oder als privates Unternehmen
Aus dem Gasthaus zur Post

Entstanden erste Hotels der erste
Bequeme Reisewagen die Berline
Wurde 1660 in Berlin gebaut um in
Ganz Europa nachgeahmt zu werden

Die Geschwindigkeit war noch gering
Von Oxford nach London etwa was 
Der Zug in einer Stunde fährt dauerte
Noch zwei Tage von Stadt zu Stadt

Unfälle und Überfälle waren normal
Noch unsicherer war es auf dem
Meer eine Seefahrt war ein echtes
Abenteuer mit Schiffbruch und Piraten

Geschichten über diese Katastrophen
Füllen die Reiseromane der Zeit dabei
War die Unterbringung unhygienisch
Wie die Verpflegung eher mangelhaft

Ob sich eine Verbindung fand war
Eher Sache eines glücklichen Zufalls
Erst Anfang des 18. Jahrhunderts 
Gab es regelmäßige packet-boats

Immer wieder spannend schafft es
Friedell auch beim Blick auf die
Kleinigkeiten des Alltags einen 
Guten Blick für die Zeit zu geben 

Wie ungewöhnlich waren große
Reisen noch zu dieser Zeit
Welch Aufwand war dagegen
Noch die Fortbewegung lange

Vielleicht täte mehr davon unserer 
Zeit besser als noch erhöhtes Tempo
Wovon Friedell leider nichts schrieb 
Denn mit einer Bibliothek und Internet

Hast du die ganze Welt um dich
Musst dich nirgendwo hinbewegen
Was sicher allen viel besser täte
Die ständig täglich unterwegs sind 

Ob das zu meinen Lebzeiten noch
Wer mitbekommt und merkt scheint
Fraglich in einer Welt die ständig
Unterhalten werden will trotz allem


So reise ich nun literarisch gen
Lübeck mit Lektüre der Buddenbrooks 
Was eigentlich nicht ganz stimmt
Weil es ein Brief aus Hamburg ist

Tony Grünlich inzwischen schreibt 
An ihre Mutter und plaudert über
Das Haus was ansehnlich würde
Der Familie alle Ehre machte

Sie erzählt länger über den Freund
Von Grünlich Bankier Kesselmann 
Den sie auch die Elster nenne der
Sage was für ein Glück sie sei

Ein wenig wundert sie sich wie
Selten sie nur nach Hamburg rein
Fahren würden aber ihre Nachbarn
Wären auch alle wirklich sehr nett 

Ob das schon ein Alarmsignal für
Die Familie sein könnte was sich
Später leider traurig bestätigt sei
An dieser Stelle dahingestellt 

Thomas Mann legt mit viel Humor
Kleine Zeichen schon aus die so
Vermutungen wecken können im
Harmlosen Geplauder von Tony

Dann lädt sie ausdrücklich noch
Ihre Eltern ein es wäre ihr eine
Besondere Freude sie zu begrüßen 
Grünlich traue sich nur nicht

Dann nach zwei Seiten Geplänkel
Über harmlose Belanglosigkeiten
Erzählt sie ihr sei schlecht gewesen
Worauf der Arzt sie untersuchen kam 

Nun erfährt ihre liebe Mutter noch
Dass der Arzt grünliche Haare hätte 
Die er früher schwarz färbte wie einen
Grauen sehr langen Bart dazu 

Um schließlich kund zu tun es ginge
Ihr bestens sie müsse nun aber
Mineralwasser mehr trinken was
Sie dem Vater beunruhigen solle 

Tony Grünlich geborene Buddenbrook
Ist also schwanger was nicht mal im
Brief an die Mutter ausdrücklich so
Ausgesprochen wurde zu dieser Zeit

Es könnte sich wohl wer fragen wie
Kinder entstanden wenn über Sex
Nicht geredet oder geschrieben wurde
Doch schafft die Natur das von alleine

Eine kleine Reise durch Raum und
Zeit erinnere mich an Geschichten
Der Bremer Großmutter von ihrer 
Hugenottischen Grandmere noch

Wann werde ich wohl Großvater
Überlege ich und vermute meine
Tochter lässt sich noch Zeit oder
Lässt es ökologisch vernünftig


Einen kleinen hochphilosophischen
Abschnitt im Zauberberg gelesen
Der dabei völlig harmlos noch tut
Den Handelnden gerecht zu werden

Täglich ging Joachim nun seinen
Rachen pinseln und kam dadurch
Gelegentlich zu spät zum Essen
Was er höflich korrekt entschuldigte

Ansonsten redete er nicht weiter
Über das was ihn betraf bekam nur
Suppe Brei und passierte Kost das
Verschlucken möglichst zu vermeiden

Die anderen Patienten nannten
Joachim höflich Herr Leutnant und
Erkundigten sich bei Hans der dazu
Sehr schweigsam eher blieb 

Fein formuliert Mann hier zu den
Gründen die einerseits ehrenhalber 
Nur vom ernsten Vorfall sprachen 
Wollte aber Joachim nicht preisgeben

Zumindest noch nicht und so mischt
Sich in der formellen Höflichkeit die 
Das Thema meidet oder beschweigt
Ganz dezent ein wenig Feigheit ein

Sie machen täglich dreimal den hier
Dienstlich gebotenen Lustwandel
Aber sprachen nie vom Thema was
Zwischen ihnen mit dem Tod stand

Dies entspräche wohl ihrer großen
Sittensprödigkeit die sich höchstens
Im äußersten Fall beim Vornamen
Nannte hanseatische zurückhaltend

In Hans Castorps Zivilistenbrust
Kam es zeitweise sehr hoch doch 
Darüber reden zu wollen aber es war
Völlig unmöglich und so schwieg er

Joachim ging aufrecht mit leicht
Gesenktem Kopf und grüßte mit
Höflichkeit und Bienséance wie
Mann hier den Anstand nennt

Unglaublich schien es Hans wie
Dieser proper korrekte Joachim
Schon zur Erde gehören soll was
Natürlich wir alle irgendwann tun 

Aber doch nicht so bald und so
Jung als gerade frischer Leutnant
Der nicht im Kampfe schnell fällt
Sondern langsam nun sterben soll

Doch scheint der Tod dem bald
Erdmann Joachim viel weniger
Schlimm als dem neben ihm
Gehenden Hans weil für den

Betroffenen der Tod doch eher einen
Akademischen statt realen Charakter
Noch hat es mehr die Sache der
Anderen als seine Sache noch ist

Tatsächlich schreibt Mann nun und
Hier wird es philosophisch spannend
Sei unser Sterben doch mehr eine
Sache der Weiterlebenden als unsere

So hätte das Wort eines witzigen
Weisen egal ob wir es nun auch
Zu zitieren wüssten hier volle
Gültigkeit und hier meint er Epikur

So lange wir sind der Tod nicht ist
Wo er aber ist sind wir nicht mehr
Warum wir keine reale Beziehung
Zum Tod haben er uns nichts angeht

Das ist ein Kernsatz der Philosophie
Der Epikuräer die in diesem Wissen
Nach einem guten Leben streben um
Zumindest zu genießen was bleibt

Mehr an Sinn hätte und bräuchte
Das Leben nicht als das Streben 
Nach Lust die wir befriedigen wollen
Was sexueller klingt als gedacht

Der Tod geht nur die Natur etwas an
Wie die Weiterlebenden die das Ende 
Wie die Entsorgung danach leider
Organisieren müssen nie Sterbende

Darum blickten folgert Mann hier klug
Alle Wesen ihm mit großer Ruhe wie
Gleichgültigkeit verantwortungslos
Egoistischer Unschuld entgegen

Von Verantwortungslosigkeit wie
Unschuld fand Hans viel in Joachim
In diesen Wochen dieser wisse zwar
Aber es fiele ihm darum nicht schwer

Über sein Wissen zu schweigen weil
Er keine Beziehung zum Tod hatte
Dabei verhinderte Schicklichkeit die
Weitere Erörterung dieses Themas

Die auch das Gespräch über sonst
Funktionelle Unanständigkeiten zu
Verhindern weiß die zum Leben 
Gehören über die wir aber lieber

Mit Bienséance schweigen um so
Den Anstand zu wahren wie weil es
Zum Ende nach der Natur einfach
Nichts mehr zu sagen gibt dann

Vermutlich ist dies auch einer der
Gründe warum so viele Menschen
Zuflucht bei Göttern oder sonst
Aberglauben suchen im Leben

Die haben immer noch was zu sagen
Wie sichere Antworten auch auf die
Letzten Fragen im Glauben aber das
Geht die Toten dann nichts mehr an

Die noch spirituellen Sitzungen 
An denen Hans später teilnimmt
Wo sie Joachims Seele rufen sind
Entsprechend ironisch beschrieben

Kenne diesen ganzen Hokuspokus 
Zu gut kann darüber auch lachen 
Halte dennoch lieber Abstand weil der
Tod mich mit Epikur nichts angeht 

Eigentlich wollte ich noch ein wenig
Joseph und seine Brüder lesen
Aber diese Stelle war auf zwei
Buchseiten wieder so intensiv

Dass ich lange darüber nachdenken
Kann und überlege wie mir wohl das
Zitat von Epikur mit 18 vorkam als ich
Den Zauberberg das erste mal las

Arbeitete zu dieser Zeit neben der
Schule schon in der Lungenklinik in 
Heidelberg Rohrbach war dort auch
Mit dem Tod immer konfrontiert 

Das Sterben war für mich normal
Hatte ich selbst schon fast geschafft
Als ich klinisch tot auf der Straße lag
Danach Monate bewusstlos war

Kannte die Lehren des Epikur damals
Nicht so gut wie heute und hatte nicht
Die Verse des Lukrez in seinem so
Großartigen de rerum gelesen

Doch scheint mir bei der nun
Wiederholten Lektüre des Zauberberg
Dies Wort ganz nah und natürlich
Als hätte ich immer so dazu gedacht

Realer wie geistiger Tod den die
Freimaurer den Meister bei seiner 
Erhebung erleben lassen sind nichts
Was zu fürchten noch wäre 

Von nichts kommt nichts und das
Nichts geht mich nichts mehr an 
Mehr bleibt am Ende wohl nie
Was beruhigend belanglos ist

jens tuengerthal 27.11.25

Donnerstag, 27. November 2025

Liebeshoffnung

Liebeshoffnung

Hoffnung auf Liebe
Bleibt am Ende alles was
Leben ausmachte

jens tuengerthal 27.11.25

Zukunftssicherung

Zukunftssicherung

Zukunftssicherung
Ohne Vergangenheit ist
Bloß gegenwärtig

jens tuengerthal 27.11.25

Hoffnungsvoll

Hoffnungsvoll

Hoffnungsvoll bleiben
Macht aussichtslose Zeiten
Perspektivreicher

jens tuengerthal 27.11.25