Samstag, 7. Dezember 2024

Außergewöhnlich

Außergewöhnlich

Wird Sex nicht irgendwann
Einfach gewöhnlich weil sich
Menschen in ihren Geschlechtsorganen
Nicht so gravierend unterscheiden

Auch die Zahl der Varianten des
Ineinander ist natürlich beschränkt
Wenn du einmal alles probiert hast
Ist nichts besonderes mehr zu erwarten

Überlege quasi rückblickend was es
Außergewöhnlich machte und warum
Es immer wieder wie ein Wunder mir
Scheint wenn es sich so findet 

Es waren selten besondere technische
Rafinessen die in Erinnerung blieben
Auch wenn manche Wünsche sicher
Außergewöhnlich dabei waren

Ob eine sich wünschte gefesselt
Angekettet oder vergewaltigt zu werden
Was ich immer eher absurd fand
Machte es nicht außergewöhnlich

Wer besondere Varianten wünschte
Tarnte damit meist eher die eigene
Unfähigkeit Befriedigung zu finden
Dann wurde es gewöhnlich sportlich

Die gemeinsam genießen konnten
Spürbar dabei kamen wussten meist
Genau was sie wie dabei wollten 
Selten schien das außergewöhnlich

Sicher war außergewöhnlich dass eine
Immer einen Lachanfall bekam wenn
Sie zum Höhepunkt kam der sie dann
Völlig hemmungslos wollustig überfiel 

Doch all dies wird irgendwas auch
Gewöhnlich wie erwartbar ist nichts
Was als außergewöhnlich noch lange
In lustvoller Erinnerung mir blieb 

Als außergewöhnlich schön habe ich
Die in Erinnerung die zusammen kamen
Egal wie gewöhnlich es vorher war doch 
Kein Typ ist dabei reizvoller erinnert 

Außergewöhnlich blieb für mich sexuell
Wo wir uns harmonisch spürten wie es
Einfach natürlich zu passen schien 
Was am Gefühl dabei liegen könnte

Der meiste Sex ist nur gewöhnlich
Ein sportlicher Akt des Fickens
Doch manchmal passieren Wunder 
Dann solltest du besser bleiben

Vielleicht aber auch lieber nicht
Um das Besondere nie zu etwas
Gewöhnlichem werden zu lassen
Dann bliebe es außergewöhnlich

jens tuengerthal 7.12.24

Liebesvielfalt

Liebesvielfalt

Staune immer wieder über
Die Vielfalt der Liebe die
Völlig unterschiedlich kommt
Wie ihren Charakter wandelt

Was sich leise anschleicht wie
Ein milder Sommerwind kann
Aus unerfindlichen Gründen
Zum wilden Orkan werden

Die mit Leidenschaft und Drama
Schon vor dem ersten mal die
Wildesten Hoffnungen weckt
Verliert sich bald in Langweile

Andere bleiben lange aufregend
Um überraschend nichts zu werden
Als wäre es nicht ständig um alles
Bei täglichen Dramen gegangen

Schüchterner Anfang schützt nicht
Vor später größten Dramen die
Von Gelassenheit träumen lässt
Beim Versuch damit zu leben

Was gelassen bliebe im Gefühl
Leidenschaftlich in der Lust wie
Zuverlässig auch im Alltag ist
Ein eher unrealistischer Traum 

Vielleicht könnte es helfen die
Liebe einfach sein zu lassen
Wie sie gerade kommt um die
Vielfalt einfach so zu genießen

Weniger von einer zu erwarten
Um mehr sein zu lassen wie es
Gerade kommt könnte helfen die
Immer Enttäuschungen zu vermeiden

Das setzte nur Gelassenheit im
Wesen voraus die wiederum zur
Leidenschaft selten irgend passt
Was nicht wirklich weiterhilft

Gelegentlich findet sich sogar
Alte Liebe wieder und wird dann
Überraschend wunderbar weil
Die Zeit alles relativieren kann

Mit allem zu rechnen könnte helfen
Komme es wie es wollte gelassen
Zu bleiben wenn wir uns dafür das
Leiden an der Leidenschaft sparen

Dann bliebe eine coole Schaftliebe
Ohne Leiden aber mit allem sonst
Was immerhin besser als nichts wäre
Denke ich und erhöhe so die Vielfalt

jens tuengerthal 6.12.24

Freitag, 6. Dezember 2024

Rheingaulust

Rheingaulust

Auf einen Rheingauer Riesling
Oder vielleicht auch zwei in der
Regenpause zum Crossroads 
Gelaufen mit kurzer Pause

Auf dem Weg vor der Speiche
Dort dem Altherrenrock von der
Härteren Nummer zu lauschen
Sich ein Bild zu machen was abgeht

Angekommen erst die gute Selma
Begrüßt die mir so schnell wie immer
Zuverlässig den gewünschten Riesling
In die Zwischenetage brachte

Noch ist es eher mittelvoll so bleibt
Tino und Selma noch Zeit für ein kleines
Schwätzchen hinter der Bar über was
Auch immer sie so wichtig reden 

Unterbricht das kurze Bedienen die
Weltbewegende Unterhaltung nur
Kurz doch kaum staunte ich noch
Über relative Fülle füllen sechs

Neue Gäste den oberen Raum 
Machen drei aufbrechende Knaben
Mit vermutlich arabischem Hintergrund
Auch in der Lautstärke locker weg

Unter Bowie sitzen sehr schlanke
Große junge Damen mit Herren in
Unklarer Zusammengehörigkeit wären
Sie theoretisch einen Blick wert

Bleiben vom Flaneurplatz aus jedoch
Meist eher unsichtbar außer bei den
Üblichen Besuchen der Örtlichkeiten
Die den Betrachter dann erfreuen 

Unverhofft kommt noch eine siebte
Dame die dritte im Bunde zu der
Um das andere Sofa platzierten sechs
Mit Haarfarben von schwarz bis türkis

Doch im Gegensatz zu ihrer farbig
Etwas absurden Kopfbedeckung ist
Ihr Lachen schon im Vorübergehen
Zauberhaft bemerkenswerter noch

Zumindest verglichen denen die gleich
Kamen was bestätigen könnte dass 
Immer die Besten am Schluss kommen
Der Rest war eher nett alternativ

Nun treffen noch vier Knaben ein
Typ ITler und Muttis Lieblinge was
Keine großen Überraschungen hier
Erwarten lässt aber dafür Umsatz 

Die Herren am Tisch der sehr 
Schlanken Damen plaudern in
Englisch und arabisch das mit
Deutschen Brocken sich mischt

Genieße den frischen Riesling der
Zum wieder wärmeren Regenwetter
Zumindest farblich gut passt auch
Wenn Kenner ihn golden nennen

Inzwischen läuft ruhiger Country
Der die Laune hebt und keinen
Stört außer vielleicht Bowie aber
Der hängt ja nur noch hier rum

jens tuengerthal 6.12.24

Lektürentagebuch 6.12.24

Lektürentagebuch 6.12.24

In der Nacht zu Nikolaus sah ich
Die irgendwie ganz nette Verfilmung
Des Zauberbergs von Geisendörfer
Die zumindest schöne Bilder hat

Ein Gefühl für die Landschaft gibt
Den Ort relativ getreu zeigt auch
Wenn sie mit der Zeit des Romans
So leichtfertig umspringt wie üblich

Was soll auch ein Leser von den
Rasenden Bildern erwarten die nur
Kurze Ausschnitte ergreifen vieles
Der Dramaturgie wegen weglassen

Es ist der Film ein anderes Medium
Was ich als selbstdenkender Mensch
Dem die Aufklärung nahe steht wie
Settembrini auch immer missachte

Eine Berieselung mit Bildern die nur
Erlebnisse und Eindrücke schaffen
Statt wie gute Lektüre das Denken
Zu befördern wird nur konsumiert

Es ist ein Rausch der Sinne statt
Kritischem Denken tauchen hier
Die Zuschauer in Bilderwelten ein
Werden vom Denken befreit

Davon aber abgesehen dass dies
Ein mangelhaftes geistloses Medium
Immer ist war dieser zumindest nicht
So schlecht wie die meisten davon

Vielleicht regte der Film sogar noch
Die eine oder den anderen auch zur
Lektüre des weit überlegenen Buches
Doch an was eine Freude wäre

Ansonsten eben ein Film der uns mit
Musik und Bildern berieselt die vom
Kritischen Denken eher ablenken
Dafür in eine Stimmung einlullen

Filme selbst wenn sie gerne so tun
Als vermittelten sie Bildung sind nur
Berieselnde Unterhaltung die niemals
Zum eigenen Denken kritisch anregt

Auch wenn dem Filmkritiker sicher
Widersprechen werden zumindest
Für gute Verfilmungen wie vorliegend
Bewegen sie sich nur ihrem Sumpf

Die Konvention der Berieselung
Meint weniger eine solche zu sein
Wenn sie sich große literarische
Stoffe als Grundlage noch nimmt

Diesen Irrtum angesichts rasender
Bilder die so Bewegung vortäuschen
Ein Schattenspiel der Realität nur sind
Aufzuklären ist vergebene Liebesmüh

Gab mich zum Krankenbesuch gerne
Der Unterhaltung mit Film auch hin doch
Viel lieber las ich heute wieder im Buch
Das Kapitel mit dem Titel Enzyklopädie

Ein Name der schon das Herz eines
Jeden Aufklärers höher schlagen lässt
An Diderot und Baron Holbach erinnert
Den großen Pfälzer in Paris in dessen

Salon sich die Enzyklopädisten trafen
Die Idee vielleicht geboren wurde der
Dann d’Alembert noch den Namen lieh
In der Diderot Holbach Voltaire aber

Wie viele andere einst genial schrieben
Mit dieser Zeitbombe des aufgeklärten
Wissens die Lunte der Revolution wie
Damit der Freiheit einst entzündeten

Es beginnt mit der Verliebtheit des
Hans Castorp und wie er darum nach
Orten sucht Clawdia zu begegnen so
Die sonntägliche Briefausgabe ersehnt

Bei dieser aber nimmt ihn mal wieder
Geradezu hellsichtig Settembrini unter
Seine Fittiche und belehrt ihn in einem
Diskurs über die neue Enzyklopädie

Eine Fortschrittsgesellschaft deren
Ideen und Ideale sich lesen wie die
Des Großen Orient von Frankreich
Also zutiefst freimaurerisch sind

Wie zugleich der Wahrheit also dem
Geist der Aufklärung humanistisch
Im besten Sinne verpflichtet darum
Nach geistigem Licht suchend

Diese wird Herausgeberin der großen
Enzyklopädie menschlichen Leids
In geistiger und körperlicher Hinsicht
Und Settembrini literarischer Autor

Welch wunderbare Ironie von Mann
Welcher die Lichtsucher damit mal
Im Dreck und Elend wühlen lässt
Die Welt so zu verbessern

Damit zuständig für einen Band der
Sein Spezialgebiet der Literatur wie
Deren Wirkungen behandeln soll was
Den Humanisten mit Stolz erfüllt

Settembrini spricht vom Geist des
Westens gegen den düsteren Osten
Bringt Freiheit Demokratie Aufklärung
Gegen östliche Mystik in Stellung

Dies ist immer auch ein Schuss
Gegen Hans Schwärmerei für
Clawdia Chauchat dieses östlich
Triebhafte weibliche Gewächs

So regt sich in Hans das Bedürfnis
Zum Widerspruch um damit auch
Seine Liebe zu verteidigen stellt er
Den Lehrer als Wissenden infrage

Gelegenheit dazu findet er als der
Humanist wider den Körper redet
Am Beispiel des großen Erdbeben
Von Lissabon das Voltaire empörte

Wie er den Autor und Philosophen
Damit in eine Reihe mit seinen
Großen Vorfahren stellte die schon
Ihre Pfeile gen Himmel schleuderten

Dies um die Götter nicht zu achten
Wie es schon ein Prometheus tat
Diese Natur verachte er zutiefst
Weil sie gegen alle Vernunft wirke

Keinen Naturgesetzen gehorche
Was sie zwar auch tat aber egal
Sondern wie willkürlich spukte die
Die erfundene Seele mit dem Geist

Den er höher als den fehlerhaften
Uns an die Natur bindenden Körper
Verwechselt denn Seele sei bloßer
Hokuspokus Geist dagegen Größe

Eine wunderbare für mich zentrale
Stelle dieses Buches in der sich die
Abwendung Thomas Manns vom
Östlichen Geist der Bekenntnisse

Wie die Hinwendung zur westlichen
Also französischen Aufklärung zeigte
Die amerikanische Demokratie damit
Als menschlichere Lösung bejahte

Der unpolitische wird politisch weil
Der Krieg mit dem auch der Roman
Nach sieben Jahren auf dem noch
Zauberberg endet ihn dazu lehrte

Diese Diskurse mit Settembrini
Wie später auch Naphta dem so
Geschmeidig kluge konvertierten
Juden der zum Jesuit wurde sind

Ein kostbarer philosophischer Schatz
Den der Zauberberg noch enthält
Wo ein Settembrini die Freiheit noch
Verteidigt gegen den Aberglauben

Während ein östlicher Naphta mit
Kommunistischen Versprechen die
Jungen Leute zum Glauben locken will
Steht Settembrini für das gute Europa

Er verteidigt ein Europa der Freiheit
Den Hort von Demokratie und Aufklärung
Am Vorabend des Ersten Weltkrieges
Wie in den aufgeheizten Jahren davor

Dagegen stehen die dunklen Mächte
Des Aberglaubens wie des Osten die
Hans wie viele Menschen bis heute
Wider alle Vernunft noch anziehen

Ohne den Osten hierbei einheitlich
Als undemokratisch unfrei wie der
Aufklärung unzugänglich darzustellen
Scheint es doch erschreckend aktuell

Wo sammeln Populisten Mehrheiten
Entscheiden Stimmungen alles statt
Vernunft mit abgewogenem Urteil
Fragt sich der Freund des Westens

Schaue dabei tief gen Westen sehe
Einen kommenden Präsidenten Trump
Beraten vom Scharlatan Musk die im
Duett mit Putin unmenschlich klingen

Als käme ein neuer Absolutismus
Den Gläubige sich frei wählten um
Ihren Henkern von morgen zuzujubeln
Aber wer will schon nur schwarz malen

Wagenknecht und Weidel etwa als
Regierende Führerinnen von Putins
Gnaden sorgen für Ordnung im so
Visionären wie nahen Deutschland

Die Welten verschwimmen wie auch
Sicher geglaubte Vorstellungen von
Freiheit und dem Wert der Demokratie
Der Zauberberg bleibt brandaktuell

jens tuengerthal 6.12.24

Liebesdienst

Liebesdienst

Liebe dient keinem
Völlig nutzloses Gefühl
Darum wunderbar

jens tuengerthal 6.12.24

Nachtwache

Nachtwache

Nächte durchwachen
Um Gedanken zu sammeln
Erhellt Dunkelheit

jens tuengerthal 6.12.24

Nikolausi

Nikolausi

Stiefel vollgestopft
Mit guten Gaben schenken
Liebende zu gern

Aberglaube ist's
Lehrt die Vernunft die Liebe
Lacht darüber nur

Darum schenken wir
Voller Liebe noch günstig
Gefühle dazu

jens tuengerthal 6.12.24

Nieselregen

Nieselregen

Nieselregen fällt
In Streifen durch Berliner
Nächte stundenlang

jens tuengerthal 6.12.24

Donnerstag, 5. Dezember 2024

Bücherparadies

Bücherparadies

Lebe im Bücherparadies
Habe dort alles wovon ich
Als Leser immer träumte

Eine Wohnung voller Bücher
Regale bis zur Decke sogar
Eine Bibliotheksleiter gibt es

Genug gutes zu lesen für
Den Rest meines Lebens
Einen Diwan vor Regalen

Der Albtraum des Marktes
Ein zufriedener Leser der
Nichts neues mehr braucht

Ignoriere nahezu alle
Neuerscheinungen für die
Lektüre geliebter Klassiker

Zufriedenheit finden um
Alles gehabt zu haben
Wovon du einst träumtest

Dankbar glücklich lebe ich
Im Paradies voller Bücher
Einem Kosmos der Literatur

Vielleicht ist damit schon
Das Leben glücklich erfüllt
Was könnte schöner sein

Dies zu erkennen scheint
Höchste Kunst der Welt die
Endlose Zufriedenheit schenkt

jens tuengerthal 5.12.24

Liebeslauf

Liebeslauf

Liebe ist ziellos
Beieinander ankommen
Läuft ohne Orte

jens tuengerthal 5.12.24

Lebenslauf

Lebenslauf

Leben läuft weiter
Lücken im Lebenslauf sind
Stets Ausdruck davon

jens tuengerthal 5.12.24

Zuverlässig

Zuverlässig

Zuverlässig ist
Wer sicher verlassen wird
Also das Leben

jens tuengerthal 5.12.24

Morgenstimmung

Morgenstimmung

Stimmung richtet sich
Nach Befindlichkeiten aus
Egal welche Zeit

jens tuengerthal 5.12.24

Naturlust

Naturlust

Liegt Lust in der Natur allein
Regieren die Triebe ganz ohne
Einfluss der Gefühle zumindest
Im Moment höchster Befriedigung

Folgen wir nur unserer Natur
Wenn wir es miteinander Tun
Oder braucht es Willen dazu
Wie willenlos machende Gefühle

Gerne wollen viele Sex nur mit
Liebe weil sie auf mehr hoffen
Dann ist es Hingabe für Hergabe
Kurz gesagt Prostituion bloß

Sex braucht nichts als Sex um
Gut und ein Genuss zu sein
Im Gegenteil stört mehr oft 
Mehr als es die Lust hebt 

Dabei folgen wir der Natur
Doch wie nah wir dieser sind
Ob nicht die Psyche mehr stört 
Könnte dabei fraglich sein

Gefühlloser Sex aber ist völlig
Entbehrlich weil nur kalte Gymnastik
Da onanieren wir besser friedlich
Und finden mehr Befriedigung

Erfüllender Sex mit schöner Liebe
Ist der Gipfel allen Glücks weiß
Wer je die seltene Kombination
Erleben durfte von der alle träumen 

Vielleicht täte es vielem besser den
Sex gefühlvoll zu genießen um ihn 
Zum Lustgewinn für beide zu machen
Statt alles gleich daran zu hängen 

Ob wir dazu frei und fähig sind ist
Eine Frage von Übung die auch
Absprachen dazu ermöglicht die
Jenseits aller Konventionen liegen

Folgen wir unserer Natur um so
Lustvoll einander zu genießen
Ohne Erwartung alles zugleich
Voneinander zu bekommen

jens tuengerthal 5.12.24

Atheistenliebe

Atheistenliebe

Atheisten glauben an nichts
Zumindest nichts höheres was
Unser Sein beeinflusst kann ich
Als Atheist gerne bezeugen

Es gibt nichts außer der Natur
Die alles ist und eine Seele ist 
Eine unfreie Erfindung für mich
Natur folgt logischer Konsequenz

Liebe ist nichts als Glaube an
Ein höheres Gefühl das eine 
Bindung zu etwas besonderem
Für die Liebenden dann macht 

Habe ein Leben für die Liebe 
Immer gelebt alles andere war
Zweitrangig nur verglichen mit
Dem schönsten aller Gefühle

So hat der Glaube an ein Gefühl
Das ganze Leben für mich bestimmt
Etwas das nie beweisbar war noch
Einen Nachweis in der Natur hat 

War mein Sein also unsinnig ohne
Glaube oder wird die Liebe da erst
Wirklich menschlich weil sie nur auf
Einen andere gerichtet noch ist

Liebe bleibt immer unvernünftig
Weil mit Vernunft nicht erklärbar
Aber macht die Welt wunderschön
Was zu wollen wäre vernünftiger

Vielleicht könnte der Glaube an
Ein zwischenmenschliches Gefühl
Als Teil meiner Natur die nach der
Größten Lust strebt vernünftig sein

Zumindest lässt sich auch ohne
Seele und Götter gut lieben nur
Dann eben Menschen und was 
Anderes kann auch egal sein

jens tuengerthal 4.12.24

Mittwoch, 4. Dezember 2024

Lektürentagebuch 4.12.24

Lektürentagebuch 4.12.24

Franz Hessel schreibt mit Liebe wie
Der gelassenen Erfahrung über die
Kunst spazieren zu gehen welche
Den Flaneur zu einem erst macht

Dies wie der Autor vorneweg noch
Ankündigt allein mit der Absicht
Seine Stirnfalten zu glätten was der 
Einzige Zweck seines Schreibens sei 

Auch wenn die kosmetische Industrie
Mit ihren so exklusiven wie völlig
Überflüssigen Produkten aufschreit 
Wirkt gute Literatur stets nachhaltiger

Nur bei der Beseitigung der dabei
Auftretenden Lachfältchen ist sie
Nicht sonderlich erfolgreich was aber
Angesichts der Weltlage verzeihlich scheint

Warum es in unserer Zeit zu einem
Zweckentbundenen Genuss werden
Sollte spazieren zu gehen weil es
Doch viel zweckmäßigere Formen

Der Fortbewegung für Eilige längst gibt
Wie etwa private und öffentliche
Benzinvulkane als Vehikel zum Ziel
Für den Sport Joggen wir lieber

Während das weder nützliche noch
Hygienische Spazieren dazu dient
Nach links und rechts zu schauen
Ohne einen Zweck zu verfolgen

Kein Shopping kein Wandern wie
Keinesfalls Walken denn ach wie
Lächerlich wäre der Flaneur der
Mit Stöcken die Welt durchstakste

So steckt im spazieren nach Hessel
Auch immer ein Sichgehenlassen was 
Kaum noch wer sich irgendwo traut
In Zeiten organisierter Fitness

So fällt der Spaziergänger quasi
Balancierend von einem Fuß auf
Den anderen im seligen Schweben
Als Kindertaumel mit Gleichgewicht

Spazieren sei der Genuss der Armen
Er könnte es gefahrlos empfehlen
Wer keine Zeit zu haben meint soll
Sie sich dafür wieder nehmen

Spazieren gehen sei wie Ferien
Vom Alltag nur dabei in gewohnter 
Umgebung ohne allen Reisestress
In jedem stecke ein Müßiggänger

Dann wird die Straße ein Wachtraum
Schaufenster werden zu Landschaften
Firmennamen mit & inmitten bald zu 
Mythologischen Wesen voller Zauber

Was nur vorübereilt und dabei ganz
Geschäftig wieder verschwindet mahnt
Den Spaziergänger die Vergänglichkeit 
Seines zwecklosen Tuns zu bedenken

Spazierengehen sollten die Aspiranten
Zum Flaneur in gewohnter Umgebung
Um nichts neues zu entdecken sondern
Im Gewohnten das Besondere zu sehen

Beobachten wie andere sich hetzen
Wo kleine Gärten plötzlich wachsen
Sich wie grüne Inseln noch erhalten
Wie Straßen sich zeitweise verändern

Mal ist überall ein Drängeln dann kommt
Lange keiner mehr als der Flaneur der
Sich Zeit nimmt zu genießen was den
Anderen im Trubel oft verborgen bleibt

Nutze bei der Wanderschau die Zeit
Für ambulante Nachdenklichkeit die
Im provisorischen Wunder entdeckt
Die keiner sieht der nur vorübereilt 

Verfolge ganz en passant rät Hessel
Die Lebensgeschichte der Läden wie 
Sich einreihender Gastronomie und
Merke dir wo es immer wieder wechselt

Der Spaziergänger muss nirgendwo
Eintreten auch wenn er heute eine sie
Genauso sein mag sondern lässt sich
Treiben gehört nirgendwo dazu

Spazierengehen löst dich zugleich
Von deinem Leben um mit Fremden
Blickweise nur zu kommunizieren
Darum ist es selten nur gesellig

Der Flaneur bleibt gern für sich
Um zu sehen was es alles gibt
Ohne irgendwas zu wollen wie
Noch viel weniger zu müssen

Der Spaziergänger gleicht dem
Leser der ein Buch alleine zum
Vergnügen und zur Unterhaltung
Liest statt um etwas zu erreichen

Viele meinen alles sogleich auch
Beurteilen zu müssen was ein
Elend der Leere oft offenbart
Weil jeder an seine Meinung glaubt

Wie schön wäre die Welt doch 
Wenn Kritiker alles was sie nur
Besprechen behandelten wie 
Zauberer die Krankheiten

Die Straße ist eine Lektüre die
Du lesen lernen sollst ohne dabei
Zu urteilen sondern beobachte nur
Lass dich täuschen und verführen

Was lässt Berlin und seine vielen
Kleinen Dörfer so erleben ohne
Irgendwo speziell hinzugehen doch
Genieße was alles zu sehen ist

Freue dich an Schönheiten wie
Der gerade modischen Verkleidung 
Die mehr oder weniger entstellt ohne
Es je beurteilen zu wollen noch

Doch gibt auch die Vorstadt viel her
Mit abgeschnittenen Häuserreihen wie
Dem Laubhüttenfest der Kleingärten 
Welch Genuss für den Flaneur dort

In die Schule des Genuss möchte
Franz Hessel uns alle schicken um
Eine holde strenge Zucht zu erhalten
Die zum echten Genießer macht

Doch am Ende gibt es diese nicht
Wer sie lustvoll gründen möchte
Merkte schon ganz bald es käme
Ein hässlicher Ernst des Lebens raus

jens tuengerthal 4.12.24