Mittwoch, 4. Dezember 2024

Boxen

Boxen

Boxen erzeugt ganz
Echte Schmerzen damit sich 
Zuschauer freuen

Ferner liegt wenig
Als leiden sehen wollen
Welch kranke Haltung

jens tuengerthal 4.12.24

Sexklusiv

Sexklusiv

Sex mit wenigen
Wird immer reizvoller mit
Aller Erfahrung

Eine ist doch der
Höhepunkt wenn zusammen
Gekommen genügt

Lebenstraum

Lebenstraum

Such dir einen Traum
Der niemandem schadet dann
Sind alle glücklich

jens tuengerthal 4.12.24

Lustzufällig

Lustzufällig

Kommt die Lust eher zufällig
Oder ist beim Sex das nie 
Ist sie Produkt des Willens
Der auf Befriedigung zielt 

Nie sollte wer einer Frau nah
Oder intim sein darf etwas nur
Dem Zufall noch überlassen
Was auch Folgen haben kann

Noch weniger darf sich ein Mann
Anmaßen zu wissen was sie will
Oder dies gar besser zu wissen
Könnte relativ endlich bald sein 

Am schlimmsten aber finden die
Meisten Männer die dabei nicht
Wissen was sie wollen wobei
Der Rest ihnen völlig egal ist

Dazwischen bleibt auf dem
Hochseil der Lust nur wenig
Raum zu balancieren was sich
Mann besser nicht klarmacht

Warum wir trotz aller Hindernisse
Die sich in ihrem Kopf türmen bei
Schrumpfender männlicher Potenz 
Gelegentlich Höhepunkte finden

Zeugt von der Kraft der Natur auch
Wider alle Vernunft weiter zu gehen
Sofern es nur der Lust dient die schon
Epikur als höchstes Ziel definierte 

Was ich nie verstehen kann noch
Vernünftigen Regeln je folgt ist ein
Produkt des Zufalls was auch alle
Ergebnisse und Ziele erfasst dabei

Damit bin ich frei lustvoll zu
Genießen was zufällig bleibt
Weg gehen sie sicher von alleine 
Wenn wir es dem Zufall überlassen

Ganz wichtig jedoch bei allem 
Mann sollte Frau niemals vom
Zufall überzeugen wollen wenn
Sie es als gesteuert ansieht

Die Flucht zu ergreifen sei allen
Geraten wenn sie zu ihm sagt
Mach mit mir was du willst
Außer es geht dir nur um sie

Dieser Satz kommt nahezu nur
Von Missbrauchsopfern die nie
Eigene Befriedigung dabei kannten
Kenne keine einzige Ausnahme

Was dann passiert bleibt unfrei
Setzt bekannte Erfahrung fort 
Kann nie gemeinsam werden
Ist mit Gefühl bezahlte Prostituion

Aus diesen Ketten befreien sich
Alle nur mit Verletzungen schmerzvoll
Egal was wir uns vorher vorgaukelten
Selten wird das für wen lohnend

Gelungener gegenseitiger wie
Befriedigender Sex ist selten
Häufiger passiert Fortsetzung
Bekannter Muster des Missbrauch

Dies nicht zu wollen um dafür
Was sein kann lieber dem Zufall
Zu überlassen scheint mir nach
Aller Erfahrung relativ vernünftig

Meist kommt es viel schlimmer
Als gedacht wenn du unter der
Gespielten Schale nachschaust
Was keinem geraten dabei sei

Überlasse es lieber dem Zufall
Ohne etwas dabei je nur ihm
Überlassen zu wollen wie ihr
Das Gefühl zufällig zu geben

Es bleibt also wahrlich höllisch
Komplex miteinander zu vögeln
Wenn du sie verstehen willst nur
Zeige dabei stets viel Verständnis

Warum es dennoch so viele
Lustvoll gerne tun wie dabei
Gelegentlich sogar genießen
Kann keiner erklären als Zufall

jens tuengerthal 4.12.24

Liebeszufällig

Liebeszufällig

Ist auch die große Liebe
Wie so vieles im Universum
Ein Produkt des Zufalls nur
Über den es keine Kontrolle gibt

Entscheiden wir uns nicht mit
Willen und Bewusstsein für eine
Liebe die bleiben soll oder ist
Das eine Illusion von vielen nur

Es wirken als Gründe am Gefühl
So unüberschaubar viele Faktoren
Zusammen dass kein Mensch je
Alle überblicken noch könnte

Zur Erfahrung kommen Hormone
Die wechselnd wirken können der
Geruch und Geschmack ist nicht
Zu vergessen im großen Spiel

Prägungen der Kindheit wie sogar
Früher noch halten Gläubige der
Psychoanalyse für ständig relevant
Im erfundenen Unterbewusstsein

Die Kontrolle über ihre Vernunft
Verlieren ohnehin Verliebte gerne 
Der Wahnsinn hat also Methode
Scheint Bestandteil der Liebe oft

Ob Bedingung ohne welche es
Keine geben kann ist streitig wohl
Doch genügen mir die Zweifel hier
Den Zufall für zuständig zu halten 

Wo die Liebe zufällig kommt wie
Sternenstaub es manchmal regnet
Folge ich keiner Bestimmung dabei
Noch muss ich sie je verstehen

Vielleicht hat sie insgeheim auch
Viele tausend magische Gründe
Die nur keiner erfassen kann doch
Liebt sich zufällig so viel leichter 

So halte ich es mit der Liebe gerne
Wie mit den Damen die vom Planeten
Venus zu uns kamen als Marsianer 
Kann und muss ich Aliens nie verstehen

Überlasse es also dem Zufall was
Sich findet oder wieder verliert womit
Unendliche Zweifel erspart bleiben
Die sicher gute Gründe hätten 

Weiß nicht und werde nie wissen
Was Liebe alles begründet aber
Der Zufall schenkt mir die Freiheit 
Es zu nehmen wie es kommt

Doch wenn eine verliebt zu mir sagt
Wir seien füreinander bestimmt 
Ergreife ich entweder die Flucht
Oder küsse sie statt vieler Worte

Dann ist alles für alle ganz klar
Auch wenn für jede wieder anders
Können sich alle damit lieben was
Vielleicht zum Glück genügt

jens tuengerthal 4.12.24

Dienstag, 3. Dezember 2024

Lektürentagebuch 3.12.24

Lektürentagebuch 3.12.24

In der Nacht noch eine feine
Kurzgeschichte von Franz Hessel
Gelesen die eine Reihung der
Romantischen Erinnerungen war

Unter dem Titel Baumschmuck
Zählt er das folgende auf wie
Seine Gedanken dazu die
Zwischen rührend und ironisch
Literarisch fein changieren

Zittervögel aus kaum sichtbarem Glas
Goldfrüchte als das Obst am Baum
Marzipanherz über die magere Beate
Engelhaar erinnert Ilse an ihres früher
Heiliger Dreikönig einsam übrig im Baum
Trompete blasender Engel ebenso einsam
Pampeln heißen so und hängen farbig
Pappschiffchen mit Watterauch von Oma
Reflexkugel die alles Licht zurückwirft
Lametta Sommerfäden im Winterbaum

Wunderbar nah berührend diese kleinen
Episoden um den Baum den doch alle
Zu gerne geschmückt aufstellen um dann
Zu sagen früher war mehr Lametta


Nach der literarischen Nacht den
Tag mit Egon Friedell begonnen in
Der Kulturgeschichte der Neuzeit
Gelesen wie der Barock sich über die

Kirchen ausbreitete nach deren kurzen
Rückzug in Reaktion auf die Reformation 
Sich wieder die Sinneslust breit macht
Kommt die barocke Sicht in allem wie ein

Theaterstil und die verzauberte Illusion
Breitet sich ungehemmt aus sogar Natur
Wird im Theater inszeniert in barocken
Gärten mit ihrer gerne auch Dramatik

Feuerwerke oder Wasserfälle und
Dazu wilde Höhlen die wiederum
Säulenumstanden in fein beschnittene
Bäume und Hecken dann münden

Bernini als genialer Regisseur dieses 
Theaters beherrschte alles spielt ständig
Mit einer schwülen Erotik welche auch
Die sexuelle Schönheit wieder entdeckt 

So gilt Berninis heilige Theresa als 
Wohl überwältigendster Ausdruck davon
In seliger Verzückung wie frisch befriedigt 
Wird im Marmor die Religion zum Theater
Des erfundenen Gottes

Menschen welche gerne die Kunst der 
Renaissance für wertvoller halten als die
Des Barock finden ein Kunstwerk auch nur 
Erhaben weil es langweilig ist meint er

Was eine Geschmacksfrage nach Friedell
Bloß ist jedenfalls sei Barock für ihn
Naturalistischer was das 19. Jahrhundert
Bezweifelte das Barock unnatürlich fand

Jede neue Epoche ist ein Aufstand gegen 
Die vorige um damit aus ihrer Sicht viel
Natürlicher zu sein bis sie wieder von
Ihren Nachfolgern verdrängt wird

Wie unsere Kinder irgendwann über uns
Lachen wie wir herumlaufen oder reden
Im Stile der Vergangenheit sie die doch
Unsere Gegenwart eben noch war


Sehr fein und gefühlvoll erzählt
Thomas Mann im Zauberberg wie sich
Hans Castorp vor Hermine Kleefeld und 
Joachim zu laut aufspielt peinlich wird

Um Clawdia Chauchats Aufmerksamkeit
So zu erlangen die ihm nur einen kurzen 
Noch dazu desinteressierten genervten Blick 
Zuwirft der ihm in elend leiden lässt 

Bereitwillig erschüttert folgt Hans Joachim
Nach dem peinlichen Theater in die Liegekur 
Was ihn dann tagelang depressiv verstimmt 
Bis er an einem wunderschönen Herbsttag

Sie vor sich laufen sieht den Schritt 
Beschleunigt Joachim schnaufend
Mitzieht sie überholt und grüßt wie
Von ihr dabei lächelnd gegrüßt wird

Fast erwartungsgemäß ist wie darauf
Seine Temperatur wieder auf 38° ansteigt
Die emotionale Aufregung oder doch
Tuberkel die ihr hier Unwesen treiben 

Der feine Spott über die angebliche
Krankheit die ja auch bei Katia Mann
Aus heutiger Sicht eine Fehldiagnose war
Mischt sich mit dem zarten Ton der Liebe

Die wiederum Hans treibt sich völlig
Unmöglich zu benehmen um nur die
Aufmerksamkeit der Holden für
Einen Moment zu bekommen

Wie eine totale Blamage durch den
Gefühlten Blick auf seinen Stiefel ihn
In eine Depression stürzt aus der dann
Ein schlichter Gruß ihn befreien kann

Spottet Mann hier über die Liebe
Wie das ewige hin und her das so
Manchen in den Wahnsinn schon trieb
Den Autor dieser Zeilen eingeschlossen 

Oder trifft er zartfühlend den Kern
Wenn Nichtigkeiten uns plötzlich zum
Vieldeutigen Universum werden das
Den Blick aufs Sein völlig verkehrt

Wer jemals liebte kennt diese ach
So unvernünftigen Zweifel an sich
Wie an der ganzen Welt die dann ein
Hauch von einem Lächeln verzaubert 

Dies spürbar auch wenn natürlich
Leicht distanziert ironisch aus der
Geschichte heraus zu machen zeigt
Thomas Manns große Kunst

jens tuengerthal 3.12.24

Teeliebe

Teeliebe

Tiefe Liebe gleicht
Teetrinken mit aufgießen
Und ziehen lassen

Wohltemperiert ein
Feiner Genuss innerlich
Wärmend wunderbar

jens tuengerthal 3.12.24

Schneefrieden

Schneefrieden

Schnee schenkt Ruhe
Frostige Hülle über
Allem Weltenlärm 

jens tuengerthal 3.12.24

Unstaatlich

Unstaatlich

Brauchen wir Staaten
Um zufrieden zu leben
Stören sie eher

jens tuengerthal 3.12.24

Rauschkontinuum

Rauschkontinuum

Immer berauschen
Sich Menschen gern mit Drogen
Es auszuhalten

Verbote machen
Konsum kriminell ohne
Etwas zu ändern

Klüger wäre es
Steuern zu erheben vom
Legalen Rausch

Rauchen und Trinken
Werden weiter toleriert
Zufall der Strafe

jens tuengerthal 3.12.24

Lektürentagebuch 2.12.24

Lektürentagebuch 2.12.24

Schon in der Nacht zum Sonntag
Begann ich Franz Hessels wunderbare
Sonnabendnovelle zu lesen über die
Liebe zur Rahmenmacherin Käthe

Die aus Ermunterungen zum Genuss
Entnommene Geschichte erzählt fein
Vom werden schüchterner besonderer
Liebe die lange nicht gewöhnlich wird

Eine echte Berliner Liebesgeschichte
Vom armen Osten und reichen Westen
Wo auch Erwin wie der Autor leben in
Gediegenen Wohnungen dort wie mit

Damen ihrer Kreise dabei verkehren
Die sich alle so ähneln in ihrem ganz
Gesittet erwartungsgemäßen Manieren
Die so gut zur Einrichtung passen

So flieht er gelangweilt einen Abend
Vom Tanz mit diesen Damen seiner
Klasse um noch etwas zu erleben
Streunt er durch die Straßen Berlins

Erwin sah die beiden Damen auf der
Straße und folgte ihnen unauffällig
Als sie für günstige Karten anstanden
Die leider ausverkauft waren da fasst er

Den Entschluss sie beide in eine Loge
Ganz Mann von Welt hierbei einzuladen
Verbringt einen zauberhaften Abend mit
Bestaunen der kleineren der beiden 

Diese etwas schüchternrere die 
Leicht mollig in ihrer Zartheit wirkt
Ging noch mit ihm und ihrer Freundin
In ein Tanzlokal wo er fliehen möchte

Doch wer die Gegenwart von Frauen
Genießen will in der Nacht muss sich
Diesen hüpfenden Sitten hingeben so
Bleibt auch Erwin und fährt später die

Beiden mit seinem Wagen nach Hause
Es entwickelt sich eine zarte Liebe sie
Lässt ihn noch eine Woche zappeln
Bis sie mit zu ihm kommt und bleibt

Danach teilen sie jedes Wochenende
Wie gelegentlich auch unter der Woche
Er lässt sich ihre Welt von Festen die
Berlin günstig zu bieten hat zeigen

Er vermeidet es seine Kleine auch
Den Freunden vorzustellen damit
Er sein zauberhaftes Geheimnis
Noch etwas unverstellt genießt

Schließlich treffen sie doch den
Freundeskreis zufällig auf einem
Großen Volksfest und die Damen
Nehmen sich gleich der Kleinen an

Besonders eine kümmert sich
Ganz rührend um sie und die
Feinen Damen aus dem Westen
Übernehmen ihre derbere Rede

Dann kommt sie in die Modebranche
Er freundet sich mit ihrem Bruder an
Der engagierter Gewerkschafter ist
Während sie nun Karriere macht

Unter den Fittichen der Damen aus
Dem goldenen Westen wird sie auch
Langsam wie eine von ihnen dann
Sein Interesse beginnt zu erlahmen

Darauf trifft er sich mit ihrer Freundin
Die ihn mit lauter derber Rede auf
Wilde Feste mitnimmt um dort ein
Ihm unbekanntes Leben zu erleben

Eine wunderbare Novelle über die
Folgen eines Samstagabend wie
Wohin die Umstände einen führen
Was wie schnell gewöhnlich wird

Berlin typisch ist vielleicht das dort
Welten nebeneinander existieren
Die sich völlig fremd sind wie im
Alltag und Sitten nie berühren

Fein beschreibt Hessel wie jede
Welt ihren Zauber verlieren kann
Wenn wir sie mit anderen mischen
Sie sich besser fremd bleiben

Steckt in der Imitation der Sprache
Des Mädchens aus dem Osten
Durch die gebildeten Westmädchen
Herablassung oder mehr Sympathie

Erfolgreich aber gelingt es diesen
Jene zu einer von ihnen zu machen
Was sie Erwin nun entfremdet der
Seinen besonderen Schatz wollte

Wollte Erwin sie gern konservieren
Als einfaches Mädchen eben das
Auch etwas derber redete wie auf
Arbeit ging statt zur fragt sich hier

Seine Hinwendung zu ihrer noch
Unverdorben verdorbenen Freundin
Spricht für diese museale Haltung
Auch wie er sie nie vorstellen will

Passen manche Welten einfach
Nicht zusammen oder ist es doch
An uns sie zusammenzubringen
Im Sinne idealer Gleichheit

Wer je online datete merkt wie
Nah oder fern sich Welten sind
Manchmal schon sprachlich die
Verständigung unmöglich scheint

Doch seltsam aufregend können
Die Grenzen überschreitenden
Lieben gelegentlich sein wie damit
Ein erhaltenswerter Schatz dann

Wie wir diese Lieben auch bewerten
Ist diese Samstagabendnovelle von
Franz Hessel sehr lesenswert in der
Feinen wie liebevollen Beobachtung

jens tuengerthal 2.12.24

Montag, 2. Dezember 2024

AlteLiebe

AlteLiebe

Alte Liebe wird
Nie neue Liebe ohne
Veränderungen

Also eher nie
Lehrte Erfahrung wäre
Wer vernünftig da

jens tuengerthal 2.12.24

Neuwahlen

Neuwahlen

Neuwahlen zeigen
Kompromissunfähigkeit
Aller Beteiligten

jens tuengerthal 2.12.24

Umdenken

Umdenken

Umdenken könnte
Neuanfang erleichtern 
Außer politisch

Dort erwarten sie
Kontinuität immer
Bis zum Untergang

jens tuengerthal 2.12.24

Heldensterben

Heldensterben

Wenn Helden sterben 
Werden Träume beerdigt
Bleibt Raum für neues

jens tuengerthal 2.12.24

Lektürentagebuch 1.12.24

Lektürentagebuch 1.12.24

Zum ersten Advent in drei Büchern
Voller Lust und Liebe gelesen um
Den Tag angemessen zu genießen

Friedells Kulturgeschichte wie das
Indische Papageienbuch und den
Immer wunderbaren Zauberberg


Einen kleinen Abschnitt nur heute
In Egon Friedells Kulturgeschichte
Der Neuzeit der auf seine Art wieder
Liebenswert auch zu lesen war 

Dies auch wenn Friedell manche
Abschreckende Superlative nutzte
Vor den Gedanken zu warnen die
Dieser Denker auf die Welt losließ

Er scheut sich nicht auch zu meinen
Wie das Gesehen zu bewerten um
Geschichte gefühlvoll zu erzählen
Wir ihr seinen Sinn damit zu geben

Der Versuch die Sinnfreiheit des Seins
Bei Spinoza die Friedell unverständlich
Bleibt als geisteskrank zu erklären sie
Zumindest für absurd zu halten weil 

Diese doch unmenschlich sei hätte
Doch alles ein Ziel und einen Sinn
Sogar bei den Materialisten ein bloß
Kausales Sein wäre doch wertlos

Kenne diese Diskussion zu gut
Habe sie noch mit meinem Vater
Geführt der richtig zornig wurde
Als ich sagte Sein sei sinnlos

Meinte dann könnten wir uns doch
Gleich umbringen wenn nicht alles
Was wir täten einen Sinn verfolgte
Auch wenn wir dabei scheitern

Konnte ihm nicht begreiflich machen
Warum es ein Stück Freiheit ist das
Sein sinnlos sein zu lassen um dafür
Was bleibt auch sinnfrei zu genießen

Erstaunlich ist wie lächerlich sich ein
Großer Geist wie Friedell damit macht
Als bloß Gläubiger der Spinoza sein
Jüdisch sein abspricht wie auch zu

Weil es doch typisch sei wie der
Aus jüdischer Familie stammende
Friedell meint wenn wieder Juden
Die polarisierendste Sicht hätten

Warum das Sein einen höheren
Geistigen Sinn haben müsste
Zumindest irgendwo hin strebe
Begründet Friedell dabei nicht

Nur sein Unwohlsein wird in
Den Ausführungen zu Spinoza
Deutlichn die außergewöhnlich
Lang ohne stichhaltig zu werden

Diese von viel Meinung des Autors
Auch geprägten Diskurse über die
Geschichte und ihre Denker sind es
Die Friedell so lesenswert machen

Wer Geschichte mit viel Herzblut
Aber ohne allen Kitsch betrachtet
Lesen möchte sollte Friedell lesen
Der den Horizont stets erweitert

Dies auch und gerade wenn
Seine Meinungen abgelehnt wie
Kritisch als Leser betrachtet werden
Was den Geist noch tiefer formt


Von der Geschichtstbetrachtung ging
Es zu einer literarischen Geschichte
Im Papageienbuch die 9. Erzählung
Gelesen hier zum rettenden Betrug

Der Papagei erzählt die alte Geschichte
Wie der Student brahmanischen Wissens
Seinen Freund vor der Bestrafung rettet
Der eine fremde ungefragt Frau küsste

Die Frau des Kaufmanns hatte am Teich
Wasser geholt den Brahmanen der dort
Studierte und übte um Hilfe gebeten der
Ihr sodann den gefüllten Krug aufsetzte

Er kam dabei ihrem Gesicht ganz nah
Was er nutzte ihr in die Lippe zu beißen
Das beobachtete leider deren Mann
Der ihn zum König zur Anklage schleppte 

Unterstützt von einer moralisch empörten
Menge die sich in solchen Fällen immer
Gerne findet vor der ihm drohenden Strafe
Will sein Freund ihn trickreich bewahren

Er trägt ihm auf nichts zu sagen als Küssen
Nur den Kopf dabei irre zu bewegen um als
Besessen zu erscheinen was er zu seiner
Verteidigung vor dem König dann vorbringt

Worauf der König den ganz offensichtlich
Von bösen Geistern besessen frei spricht
Warum der Papagei rät wer täusche
Solle mindestens so trickreich sein


Wirklich um die Liebe und ihre Folgen
Ging es in Thomas Manns Zauberberg
Wie sich Hans Castorps Verliebtheit
In Clawdia Chauchat ganz klar zeigt

Dies wird in kleinen Szenen beschrieben
Wie beim Zusammentreffen am Eingang
Den längeren Blicken untereinander und
Wie er sie vor einem Sonnenstrahl rettet

Der sie vielleicht nur blenden könnte
Dafür den ganzen Saal durchquert
Die Lücke im Vorhang zu schließen
Was so rührend zart verliebt ist

Er tut dies bewusst und mit Stolz
Übersieht Frau Stöhrs Lästern gern
Für den dankbaren Blick Clawdias
Der lange dafür auf ihm ruht

Ungebührlich direkt und schamlos
Lange für eine Dame wie er noch
Bei seiner Ankunft gedacht hätte
Wundervoll wie er es nun fühlt

Dabei passiert eigentlich nichts
Es sind geträumte Empfindungen
Die das Nichts bedeutungsvoll für
Liebende allein verständlich machen

Sie sind von feinsinniger Zartheit
Mit einem Gespür für die großen
Aufregungen der Liebe als Idee
Bei der praktisch nichts passiert

Was so gut zur Liebe passt die
Real auch nichts ist als eine Idee
Von gegenseitiger Zuneigung die
Wo nicht besonders schwer wiegt

Haben wir uns nicht alle schon
Für die Liebe zum Narren gemacht
Denke ich lächelnd lesend und wie
Nah ist dieser normale Hans mir da

Ganz anders mehr ironisch sind
Dagegen die Beschreibungen
Der Berghof Gesellschaft die sich
In der Sonne nach der Mahlzeit 

Für freie Momente jenseits des
Sonst getakteten Lebens der
Patienten gut gehen lässt um
Einzelne Charaktere vorzustellen

Dies wieder im ironischen Stil
Der den kleinen romantischen
Ausflug in Hans Gemüt wieder
Mit feinem Witz vergessen lässt

Was ist der Zauberberg nun eher
Eine ironische Kulturgeschichte
Der Sanatoriumsroman mit der
Obligatorischen Liebesgeschichte

Nichts von alledem und mehr in
Teilen die er einfach in sich noch
Aufnimmt um über diese Themen
Kleine Melodien zu variieren

Die große Symphonie des Zauberbergs
Hat viele kleine Lieder inmitten die sich
Solitär betrachten lassen Meisterwerke
Der mannschen Erzählkunst stets sind

Die Beschreibung von Charakteren
Welche bedeutungslos auftauchen
Mit gleicher Liebe wie die Figuren
Des Stücks ist ganz grandios

Mal sind sie nur ironisch eingefügt
Ein Geschehen zu beleben dann
Werden sie zu großen Figuren
Wie Settembrini und Naphta

Der lauernde Leser noch ganz
Im Bann der Liebesgeschichte
Liest diese Beschreibungen die
Häufig völlig folgenlos bleiben

Da spielt Thomas Mann als
Artist mit seiner Kunst lächelnd
Betrachtet sein Figurentheater
Wie sein Puppentheater als Kind

Dankbar als Leser diese große
Fähigkeit des Zauberers einfach
Genießen zu können möge sich
Jede lachend lesend ein Bild machen

jens tuengerthal 1.12.24