Sonntag, 13. Oktober 2024

Regenbogenangst

Regenbogenangst

Manche haben Angst
Vor Regenbogenfahnen
Heißt Intoleranz

jens tuengerthal 13.10.24

Herbststürmchen

Herbststürmchen

Bisschen windig heut
Achtundsiebzig Einsätze
Meldet Feuerwehr 

Keiner bemerkt es
Berliner Normalität
Fällt immer was um

jens tuengerthal 13.10.24

Liebesehrlich

Liebesehrlich

Wären wir ehrlich
Wollten alle nur geliebt
Werden voller Glück 

Warum wir lieben 
Als sei Gegenteil besser
Bleibt ewig unklar

jens tuengerthal 13.5.24


Nachtliebe

Nachtliebe

Manchmal findet sich die
Liebe in der Nacht und
Erwacht dann nebeneinander
Manchmal noch glücklich
Häufiger eher erschreckt
Von dem was geschah im
So oft schon angetrunkenen 
Zustand ohne Erinnerung 
Dann suchen wir das Wunder
In der Leere des Herzens
Das sich zu schnell verlor
Dann bleibt von der heißen
Nachtliebe nur noch ein 
Trauriges Morgengrauen
Gelegentlich scheint dazu
Ganz unpassend die Sonne
Dann ist es zumindest schön 

jens tuengerthal 13.10.24

Nachtroter

Nachtroter

Noch um nach halb zwei
Auf einen Rotwein im
Gerade Regen ins Crossroads
Gelaufen das noch gut gefüllt

Einige bekannte Gesichter
Sitzen um die Bar vertieft
Wie leicht trunken schon
Einander sehr zugeneigt

Alle bekannten Damen zuerst
Gebührend begrüßt um dann
Auf der Theaterbank wieder in
Der Zwischentage Platz zu nehmen

Selma brachte zuverlässig schnell
Den italienischen Wein wie Wasser
Dann kommt auch ein Bekannter
Autor mit Schwester und Freundin

Plötzlich tauchen von hinten noch
Bekannte Nachtgesichter auf dazu 
Läuft heute sehr gute Musik es ist
Gehobene Samstagsstimmung hier 

Wie unterschiedlich doch Nächte
Auch hier immer wieder sind ist
Für den kontinuierlichen Flaneur
Eine überraschende Freude

So finden alle immer wieder in
Wechselnder Konstellation doch
In der gleichen Bar zusammen
Um die Nacht zu verbringen

jens tuengerthal 13.10.24

Lektürentagebuch 12.10.24

Lektürentagebuch 12.10.24

In vier Büchern gelesen heute
Begonnen mit dem Zauberberg
Auf den Franz Hessel folgte was
Stephen Greenblatt dann fortsetzte
Vollendete Dieter Borchmeyer mit
Thomas Mann Werk und Zeit womit
Das Ende um den Anfang ging

Das erste Erwachen im Sanatorium
Berghof erholt und früher als gedacht
Mit viel Zeit für die Morgentoilette die
Hans Castorp sich zu gerne nimmt

Sogar schon auf den Balkon geht
Um dort sogleich das russische
Ehepaar nebenan bei ihren frühen
Spielen sehr nah hören zu müssen

Als er rein geht stellt er fest dass
Dies nichts verbessert im Gegenteil
Er nun direkt miterlebt wie sie vom
Fangenspielen zum Verkehr kommen

Innerlich ein wenig empört ob der
Ungefragten Teilnahme überlegt
Der gute Bürger wie er damit nun
Umgehen soll und ist verwirrt

Zuvor sah er noch eine ältere
Dame im Park murmelnd laufen
Die offensichtlich Trauer trug ihm
Etwas befremdlich doch vorkam

Joachim wird ihn dann im nächsten
Kapitel aufklären was es mit der
Armen tous les deux auf sich hat
Deren beide Söhne hoffnungslos sind

Erinnere mich noch sehr gut daran
Lass es noch offen stehen um ein
Wenig noch weiter zu lesen nach
Der Rückkehr an den Zauberberg


Franz Hessel philosophiert unter
Dem Titel Hermes über jene höhere
Kraft die wir verehren aber zumindest
Als Juden nicht benennen was damit

Den Titel der befremdlichen aber
Fein beobachteten Geschichte erklärt
Die mir besonders fremd ist insofern
Außer Natur nichts für mich dort ist

Werde sie diszipliniert auch lesen
Irgendwann aber vielleicht kommt
Vorher noch einiges anderes wie
Das nächste Buch im Stapel etwa


Stephen Greenblatts Wills Welt
Erzählt klug und detailreich über
Shakespeares familiäre Hintergründe
Wie den verschuldeten Vater

Wie namentlich festgestellt wurde
Dass er zu denen gehören könnte
Die aus Angst vor Verhaftung nicht
Den Gottesdienst mehr besuchten

So tolerant das elisabethianische
England war wurde doch zumindest
Regelmäßiger Besuch der Predigten
In den anglikanischen Kirchen erwartet

Wo sonst wurde das Volk einfach
Geistig auf Kurs gehalten durch als
Gottgewollt geltende Predigten noch
Warum notiert wurde wer nicht kam


Schließlich als letzten Band in der
Großen werkorientierten Biografie
Von Dieter Borchmeyer über den
Zauberberg weiter gelesen was

Parallel mit der Lektüre noch viel
Spannender ist weil die Einblicke
Wieder aktuell präsent wie auch
Als Leser ganz neu erlebt werden

Im heutigen Kapitel ging es um
Settembrini und Naphta als zwei
Gegensätzliche Figuren die sich
Als Lehrer von Hans gerieren

Ludovico Settembrini der typisch
Italienische Humanist und auch
Aufgeklärt kritische Intellektuelle
Machte wie im Buch den Anfang

Ein Freimaurer und Freigeist der
An einer Enzyklopädie des Leids
Die es tatsächlich gab dort schrieb
In humanistischer Tradition steht

Dagegen Naphta der konvertierte
Östliche Jude der dem ungarischen
Intellektuellen Kommunisten Georg
Lukács pysiognomisch ähnelt

Warum Thomas Mann hier einen
Juden die präfaschistfische Haltung
Die Naphta vertritt unterstellt bleibt
Eine Frage künftiger Auslegung

Borchmeyer weist darauf hin dass
Die Argumentation von Naphta
Gegenüber Settembrini eigentlich
Ein Musterbeispiel für eristische

Dialektik nach Schopenhauer ist
Die dem Gegner eitel Argumente
Zerschlägt mit der dabei Kunst
Am Ende Recht zu behalten

Der wohlhabend lebende Jesuit
Im Prunk seiner Wohnung gegen
Den spartanischen Humanisten
Leben und Tod stehen sich hier

In zwei Figuren gegenüber in
Denen Hans bei beiden auch
Eine gewisse Nähe verspürt
Die seine Lehrer sein wollen

Andere sehen in Naphta ein Beispiel
Für das totalitäre Denken das sich
In Dostojewskis Großinquisitor zeigt
Dennoch Hans in manchem nah

Zwar bemerkt er im Schneekapitel
Was wie die beiden erst später
Kommt als ich gerade noch lese
Beide seien unterträglich eher

Doch könne Settembrini zumindest
Die gute Absicht unterstellt werden
Was in Anbetracht des folgenden
Duells nach Gerechtigkeit klingt

Viel Freude macht es diesen weiten
Interpretationen geistig zu folgen wie
Verweisen auf Figuren nachzuspüren
Die teils überraschendes ergeben

jens tuengerthal 12.10.24

Samstag, 12. Oktober 2024

Pastaglück

Pastaglück

Pasta macht glücklich
Spaghetti mit Tomaten
Sauce ist genug

jens tuengerthal 12.10.24

Lieblos

Lieblos

Lieblos klingt furchtbar
Aber befreit häufiger
Von langen Leiden

Ohne Liebe fehlt
Etwas ganz wunderbares
Der Liebeskummer

Mit Liebe verfliegt 
Sehnsucht nacheinander schnell
In Beziehungen

jens tuengerthal 12.2.25

Rückzug

Rückzug

Rückzug ist manchmal
Die beste Verteidigung
Eigener Ruhe

jens tuengerthal 12.10.24

Meinungsfrei

Meinungsfrei

Ganz ohne Meinung
Jenseits aller Kämpfe lebt 
Sich viel entspannter

jens tuengerthal 12.10.24

Enthaltsamkeit

Enthaltsamkeit 

Weniger ist mehr
Erscheint relativ logisch
Gier macht unglücklich

jens tuengerthal 12.10.24

Liebesverloren

Liebesverloren

Denke ich an meine verlorenen
Lieben bin ich glücklich wieviel
An Liebe ich erleben durfte wie
Immer noch neugierig auf sie bin

Kommt die eine und gibt es sie
Wird alles irgendwann austauschbar
Wiederholt sich über hundert nicht
Alles irgendwie immer wieder

Was sich nur fragt wer nie liebte
Weil jede Liebe einmalig ist wie
Keine der anderen je vergleichbar
Das Herz immer völlig anders brennt

Manche entzünden sich erst ganz
Langsam wenn schon fast verloren
Andere brennen gleich lichterloh
Dazwischen sind die meisten irgendwo

Dankbar zu sein für alles erlebte
Ohne irgendetwas zu erwarten
Gibt der Liebe die große Freiheit
Aus der die Wunder wachsen

Jene Momente die wir erinnern
Mit Glück und Schmerz waren
Den Weg zum Glück immer wert 
Auch ohne je anzukommen

Wer bei einer bleibt hat alles
Wie schön wenn glücklich damit
Die weiter gehen entdecken neues
Bleibe noch dankbar dafür

Zu lieben welch ein Glück dichtete
Goethe einst für Friederike die er
Verließ um weiter zu ziehen sein
Verlorenes Herz findet sich im Werther

Späte Liebe blühte im Diwan dafür
Nichts ist je aussichtslos solange
Das Herz weiter für eine schlägt
Die manchmal auch viele sind

Am Ende füllt die Summe der
Verlorenen Lieben ein Leben
Mehr als jede Erlebnis denke ich
Dankbar für alles was war

jens tuengerthal 12.10.24

Flaneurbeobachtungen

Flaneurbeobachtungen

Der Flaneur sitzt gerne etwas
Abseits um Teil von nichts zu
Sein dafür alles was geschieht
In Ruhe beobachten zu können

Dies möglichst erwartungslos
Um das Geschehen so auf sich
Wirken zu lassen wie zugleich
Die besonderen Momente doch

Ganz nebenbei zu bemerken
Was alles was geschieht für ihn
Zu einem Erlebnis macht womit
Das Leben am Rand intensiv wird

So betrachte ich alles um mich
Irgendwie unbeteiligt als Genießer
Den nichts tangiert der dafür aber
Ein reiches Leben arm führen kann

Sehe die große Tragik der wieder
Gescheiterten Begegnungen die
So viel häufiger sind als glückliche
Welche übliches erwarten lassen

Kann so in einer Bar etwas abseits
Das ganze Leben erleben ohne eine
Meinung dazu haben zu müssen
Was wunderbare Freiheit schenkt

Betrachte alles dankbar diesmal
Nicht Teil des Dramas zu sein
Wie keinerlei Erwartung zu wecken
Die niemand je erfüllen könnte 

So hat der Flaneur ein glücklicheres
Leben in Summa als die meisten nur
Manchmal kuschelte er nachts gern
Was aber immer einen hohen Preis hat

jens tuengerthal 11.10.24

Freitag, 11. Oktober 2024

Feierfreitagsriesling

Feierfreitagsriesling

Den ersten Freitag wieder fit genug
Um rauszugehen genieße ich den
Riesling im Crossroads an der üblichen
Kreuzung und staune erstmal wie leer

Es dort kurz vor elf noch war doch kaum
Nahm der Flaneur seinen Platz auf der
Kinobank inmitten ein kamen schon
Zwei Gruppen und ganz schnell

Waren die Plätze überall gut gefüllt
Herren und Damen gemischt sprechen
Verschiedene Sprache und für doch
Noch größeren Umsatz für Tino

Der gleich wieder seinen Platz
Hinter der Bar einnahm um sich
An seine hörbar schüttelnde Tätigkeit
Zu machen während Selma eifrig

Wie korrekt alle bedient mit ihrem
Zauberhaften Lächeln unter Locken 
Wie immer in Kleid und Turnschuhen
Freut sich der Flaneur am Geschehen

Wie den unerwartet vielen die hier
An ihm vorbei flanieren wie sogar 
Ihm gelegentlich ein Lächeln noch
Schenken während der Laden brummt

Da ertrage ich sogar die gerade eher
Heftig krachige Musik die mir sonst
Eher fremd vorkäme doch passt sie
Zur neuen Unruhe die ich als stiller

Flaneur und Beobachter genieße
Feiere so überraschend meine
Weniger überraschende Gesundung
Beim Rheingauer Riesling nun doch

Im überraschend großen Kreis
Genieße die Stammbar mit ihren
Vielen verschiedenen Gesichtern
Die in der Menge verschwimmen

Bedaure nur das Konzert in der
Philharmonie heute noch lieber
Abgesagt zu haben doch ist was
Hier zu sehen ist zumindest eine

Eine Entschädigung was nicht für 
Alles was ich höre gerade gilt
Doch lasse ich mich vom Blick
Verwöhnen der hier reichen soll

Riechen muss ich ja noch nichts
Und der Riesling schmeckt dafür
In gewohnter Qualität heimatlich gut
In der besten aller gerade Wellen

jens tuengerthal 11.10.24

Lektürentagebuch 11.10.24

Lektürentagebuch 11.10.24

Gestern Nacht bevor der Morgen
Graute noch einige Seiten gelesen
Mit Franz Hessel in Paris gewesen
Wie in Hamburg im Zauberberg

Auf den letzten Seiten besuchte
In der Vorschule des Journalismus
Hessel noch einen Jahrmarkt im
Dorf vor Paris und war verzaubert

Mit Begeisterung las ich seine
Beschreibungen der fröhlichen
Menschen auf dem Land wie der
Städter auf Landpartie im Glück

Finde Jahrmärkte eigentlich eher
Gräßlich Volksfeste mit Massen
Die betrunken grölen wie sich an
Vielen Stellen gerne noch drängeln

Zu gräßlicher Musik singend tanzen
Wie sich sonst peinlich benehmen
Als sei das Leben eine Kreuzfahrt
Wie griesgrämiger Abneigung mehr

Mied solche Orte also eher die ich
Als Kind wenn Markt war so liebte
Weil es mir meist zu voll wie zu laut
Dort gewesen ist nichts für Leser

Wie zärtlich liebevoll dagegen der
Blick Hessels auf das Geschehen
Der mich lehrte es anders zu sehen
Als Flaneur von außen voller Lust

Lust an den schönen Momenten
Wie an der Freude der Menschen
Die sich herausgeputzt haben um
Zu sehen und gesehen zu werden

Es ist immer ein Jahrmarkt auch
Der Eitelkeiten wie der Paarungen
Suche nach Zuneigung und Nähe
Wie Freude am kleinen Augenblick

Wie schön kann so etwas mal sein
Als Flaneur und stiller Beobachter
Von außen betrachtet ohne gleich
Ein Teil des ganzen sein zu wollen

Vielleicht sollte ich mal wieder so
Einen Jahrmarkt besuchen statt
Nur darüber zu urteilen wie mir
Gerade eine Geliebte ein Bild

Von sich im Dirndl schickte war ich
Ganz hingerissen auch wenn mir in
Gedanke an Oktoberfeste graust
Sind Damen im Dirndl wunderschön

Vielleicht lohnt manche Schönheit
Sich daran mehr zu freuen als über
Etwas kritisch urteilen zu wollen auch
Wenn das Treiben mir fremd bleibt

Kann immer noch wie Hessel es tat
Nach der Rückkehr nach Paris am
Montmartre im Café Wein genießen
Um dort darüber dann zu schreiben

So kann mehr Toleranz gegenüber
Egal welchem Unsinn der feiert den
Genuss wie die Lust dabei viel eher
Teilen um sich daran zu freuen

So habe ich vom immer liebevollen
Franz Hessel wieder etwas gelernt
Woran ich mich neu freuen kann
Was die Lektüre so dankbar macht

Einige Seiten bis die Augen zufielen
Noch im Zauberberg gelesen der
Noch von Hans heranwachsen in
Hamburg wie seinem Weg erzählt

Wie ein Freund des Großvaters
Genauer der alte Wilms diesem
Rät er solle doch auch Schiffbauer
Werden etwa bei Tunder & Wilms

Dort werde er ein Auge auf ihn
Haben und so studierte Hans
Den Schiffsbau und wollte nun
Nach dem Urlaub dort anfangen

Was ihm mehr lag als so eine
Freiluftkarriere wie sie Joachim
Als Offizier für sich noch plante
Wo ihm doch Arbeit eher fern lag

Doch waren die Verhältnisse des
Ererbten Vermögens nicht so gut
Dass er nicht über Arbeit weiter
Nachdenken noch musste wie

Konsul Tienappel ihm eröffnete
Wenn auch genug um später im
Sanatorium gut leben zu können
Bis alles irgendwann ein Ende hat

Vom Erbe arbeiten oder für Arbeit
Leben um in ihr Erfüllung zu finden
Waren weniger die Alternativen als
Das eben nunmal nötige zu tun

So bleibt Hans durchschnittlich in
Seiner Begabung wie Begeisterung
Doch offen und neugierig dabei aus
Dem nötigen das beste zu machen

jens tuengerthal 11.10.24

Aberglaube

Aberglaube

Aber Glaube hilft
Keinem beim ausfüllen des
Steuerformular

jens tuengerthal 11.10.24