Freitag, 11. Oktober 2024

Liebesglaube

Liebesglaube

An Liebe kannste
Glauben oder vergessen
Davon zu träumen

jens tuengerthal 11.10.24

Fußballgläubige

Fußballgläubige

Aufgeregt merken
Fußballgläubige plötzlich
Pöhler verdient Geld

Kloppo keuscher Held
Irrealer Träume vom
Kinderfußball weg 

Gläubige enttäuscht
Andere lachen lieber
Über Gläubige

jens tuengerthal 11.10.24

Bergglaube

Bergglaube

Der Glaube versetzt
Berge glauben Gläubige
Eher wirkt Wetter

jens tuengerthal 11.10.24

Lektürentagebuch 10.10.24

Lektürentagebuch 10.10.24

Heute in drei Büchern lesend gereist
Begonnen mit dem Zauberberg der
Noch in Hamburg gerade spielt
Während Hans in Davos schläft

Weiter mit Franz Hessel in Paris
Flaniert und Begegnungen gehabt
Wie am Ende noch auf einige
Seiten mit Bobkowski auf dem Meer


Erfahren wie gut es Hans Castorp
Beim Konsul Tienappel traf und
Wie er seinen Porter schon zum
Dritten Frühstück nach der Schule

Als Kind auf Anraten des Arztes
Genießen durfte wobei er blieb
Schon in Hamburg gerne rauchte
In Regen und Nebel aufwuchs

Den Hafen wie die Schiffe als
Sein Element als Ingenieur der
Er später werden sollte schätzte
Wer an Mutter statt sich bemühte

Wie korrekt der Konsul auch sein
Reichliches Vermögen anlegte
Wie sich dafür dann als guter
Kaufmann zwei Prozent nahm

Wie er sich schon vor dem Studium
Mit seinem Vetter Joachim Ziemßen
An der zugefrorenen Alster im Café
Auf einen Grog oder Porter trag

Ein gutes normales Leben führte
Wie es typisch für Angehörige der
Hanseatischen Oberschicht ist wie
Mit allem soweit auch zufrieden war

Ungerührt von den Schicksalschlägen
Die mit dem Tod sein Leben prägten
Wuchs er im Flachland so heran um
Zum Urlaub ins Hochland zu fahren

Denke an die noch geschlossenen
Gesellschaftlichen Schichten von
Denen meine Großmutter mir auch
Erzählte was später verloren ging

Ob diese republikanische Egalität
Eher ein Gewinn oder Verlust war
Soll hier nicht erörtert werden doch
Wahren manche Kreise es noch

Achten auf Abstand zu anderen
Die diesen nicht angehören so wie
Sie jene mit Leichtigkeit verbannen
Um etwas besonderes zu bleiben

Ein wenig kannte ich dies Gefühl
Aus der Großfamilie wie auch von
Der Bremer Großmutter die ohne
Dünkelhaft zu sein wusste mit wem

Wuchs wesentlich egalitärer auf
Was die Auswahl nicht immer so
Erleichterte und wenn es dann
Doch einmal passte kam mir dies

Eher so seltsam vor dass ich den
Kontrapunkt gerne noch suchte
Was nicht immer wirklich klug war
Keinen Netzwerker auszeichnet

Hans Castorp wuchs jedenfalls in
Geschlossenen Kreisen der typisch
Hanseatischen Oberschicht auf die
Dem ähnelten was meine Großmutter

Von sich und ihren Freundinnen wie
Ihrer Reitquadrille im Bürgerpark vor
Dem Krieg noch erzählte wie sich die
Sitten der Hansestädte sehr ähneln

Beim Besuch im Fockemuseum noch
In Bremen zeigte die Großmutter mir
Die Großväter ihrer Freundinnen die
Aussahen wie der alte Castorp auch

Der alte Hamburger Stadtadel hat
Den gleichen Dünkel wie sonstige
Sich für besser haltende Kreise die
In Bremen Understatement spielen


Mit Franz Hessel in Paris ist immer
Schön weil auch seine Art darüber
Zu berichten wie seine Ausreden
Als Flaneur so wunderbar sind

Immer mehr betont er nun aber
Wirklich dieses oder jenes mit
Dem klaren Ziel zu erledigen
Morgen etwas zu schreiben

Heute müsse er doch noch
Gönne er sich einfach weil
Alles doch schon vorbereitet
Ein wenig nur zu flanieren

Die zwei Seiten welche diese
Geschichte auf journalistischen
Spuren nur noch hat lassen wohl
Vermuten dass es dabei bleibt

Die schönste Reportage ist nicht
Eine erlebte Story sondern alles
Das was anstatt nebenbei noch
Passierte so auch erzählt wird

Genau das macht Hessel perfekt
Der Großmeister des nebenbei
Welcher lieber weiter beobachtet
Als sich für eines zu entscheiden

Ein echter Flaneur bleibt stets
In jeder Lebenslage ein solcher
Lässt sich von keinen Aufträgen
Nachhaltig vom Leben ablenken

Wer fleißig sorgsam alles gleich
Erledigt und nichts aufschiebt
Kann am Ende stolz auf sich sein
Wir Flaneure leben inzwischen


Bobkowski an Bord nähert sich
Langsam real dem Wendekreis
Das Wetter wird wärmer wie die
Tage streng gleichmäßig dafür

Vergnügt sich auf gelegentliche
Drinks mit seinem Bekannten
Freut sich diesen so vorzuführen
Dass diesem der Appetit vergeht

Nachdem er vorher noch dessen
Immer so reichliche Freude am
Essen erwähnte musste er sie
Ihm durch bissige Ironie nehmen

Kein guter Zug wie der Autor des
Wendekreises an Bord einige eher
Weniger sympatische Züge zeigte
Was vielleicht daran liegen könnte

Längere Zeit an Bord eines solchen
Dampfers zu sein ist sicher eine der
Unangenehmsten Vorstellungen für
Einen Literaten und Intellektuellen

Nichts läge mir ferner als solch
Eine Kreuzfahrt oder ähnliches
Zur Auswanderung manchmal
Aber sind Hoffnungen seltsam

Es mag seine Ironie sein um mit
Dem Schicksal der dritten Klasse
Lächelnd zu überleben doch bringt
Ihn dies mir nicht wirklich näher

Bin gespannt wie es sich nun
Nach dem Wendekreis entwickelt
Im Gegensatz zur Zeit in Frankreich
War dies alles für Leser eher nervig

jens tuengerthal 10.10.24

Donnerstag, 10. Oktober 2024

Buchwelten

Buchwelten

Buchwelten waren
Immer besseres Zuhause
Als nur Wirklichkeit

jens tuengerthal 10.10.24

Liebesgewiss

Liebesgewiss

Der Liebe gewiss 
Enttäuscht sicher schneller als
Erwartungslos weg

jens tuengerthal 10.10.24

Teestart

Teestart

Tage beginnen
Für Teetrinker genüsslich
Mit etwas Warmem

jens tuengerthal 10.10.24

Erwartungssicher

Erwartungssicher

Erwartungen sind
Ganz sichere künftige 
Enttäuschungen nur

jens tuengerthal 10.10.24

Liebeserstaunlich

Liebeserstaunlich

Staune über die Liebe wie 
Alle Wunder die sie bewirkt
Was dieses magische Gefühl
Mit der gewohnten Welt macht

Verliebt verfärbt sich dann im
Blick den manche rosarot nennen
Andere für himmelblau eher halten
Alles um dich wird ein anderes

Sie kann das gegen jede noch
So schlechte Erfahrung wieder
Blendet alle Vernunft erfolgreich
Berauscht uns wie eine Droge

Dennoch gilt dieser schon oft
Tödlich endende Rausch als
Gesund gut ganz natürlich auch
Sein Wahnsinn als noch normal

Treffend beschrieb Erich Fried
In seinem nun hundert Jahre
Alten Gedicht Was es ist die
Liebe was sie ist als das

Es ist was es ist und jedes
Wort mehr wäre wieder das
Zuviel an der Waage der Liebe
Was wirklich erstaunlich ist

Sie kommt für die Ewigkeit
Soll bitte nie wieder enden
Verschwindet dann spurlos
Am besten ohne Erinnerung

Schaue staune wundre mich
Verstehe die Liebe bis heute
Noch nicht auch wenn sie mir
Näher kam als irgendwer je

Lasse es erstaunlich stehen
Auf neue Wunder gespannt
Von der die wirklich alles kann
Und doch nur ist was sie ist

jens tuengerthal 10.10.24

Lektürentagebuch 9.10.24

Lektürentagebuch 9.10.24

Der langweilige Kranke hat den
Leserinnen wenig neues von der
Lektürefront zu berichten außer
Es sind noch die beiden gleichen

Thomas Manns Zauberberg wie
Franz Hessels Reportage aus Paris
Beide verzaubern mich noch ganz
Wenn auch auf unterschiedliche Art

Warum meine Eindrücke bei der
Lektüre gerade wichtiger sind als
Zu erzählen was dabei geschah
Was die Geschichten mit mir taten

Hessel durch seinen so liebevollen
Blick auf eine Stadt die ich kenne
Die mit der Liebe verbunden ist auch
Für mich auf ganz seltsame Art dabei

Er durchquert Paris allein als
Flaneur und Beobachter besucht
Gelegentlich alte Freunde oder
Trifft frühere Geliebte zufällig nur

Wieviel offener und freier ist damit
Sein Blick als es meiner dort je war
Immer an der Seite wunderschöner
Frauen die dies von sich wussten

Gefühlvoll fand ich sie natürlich
Wenn gemeinsam dem Bett erst
Entstiegen konkurrenzlos schön
Im Rausch der Hormone geblendet

Habe die Pariserinnen darum eher
Griesgrämig zu sehr geschminkt
Ewig gehetzt und nie der Rede wert
Gefunden statt sie zu beobachten

Die Wertung war bedeutend zur
Abgrenzung der Musen bei mir
Sowohl ihret als auch meinetwegen
Ganz zweifellos zu bleiben was

Das Leben in Gegenwart schöner
Damen immer angenehmer macht
Sich vieles erspart was doch nie
Der Mühe sonst wert auch wäre

Drei davon waren Pariserinnen wie
Sicher bildschön und flanierten selbst
Auf Laufstegen für Chanel damals
Was kein intellektueller Ausweis war

Doch waren alle Damen deren Nähe
Der Flaneur in Paris genoss sowohl
Intelligent wie gebildet und dazu noch
Wunderschön zumindest für mich

Neige ein wenig dazu wohl das
Erbe meines seligen Vaters für die
Damen in meiner Gegenwart gerne
Besonders begeistert zu schwärmen

Was den Blick auf alle anderen trübt
Geschuldet den schlechten Augen
Auch so ein Erbe von obigem wirkt
Der eigene Blick gelegentlich starr

Es gab also genug Gründe in der
Gegenwart meiner Grazien lieber
Keine anderen schön zu finden
Was meiner Natur eher fern liegt

Dennoch fehlen mir die einsamen
Spaziergänge durch Paris wie die
Blicke im Café voll liebevoller und
Bewundernder Neugier irgendwie

Sie darum nun mit Franz Hessel
Zu einer wunderbaren Zeit dazu
Erleben zu dürfen ist Glück genug
Muss nichts mehr dort nachholen

Könnte sogar sollte es sich irgend
Zufällig ergeben in Begleitung dort
Spazieren ohne Sorge noch etwas
Verpasst zu haben was ich doch las

Was mich zumindest darin bestätigt
Wie überflüssig gute Lektüre doch
Alles Reisen macht was viel eher
Für Analphabeten nötig nur scheint


Auf dem Zauberberg in aller Ruhe
Vom Sterben und dem Erlebnis des
Todes für den jungen Hans Castorp
Gelesen beim Tod des Großvaters

Damit also im Haus in Hamburg
Nicht in Davos am Zauberberg
Dennoch im so vielfältigen wie
Schönen Zauberberg vertieft

Dieser war nun schon der dritte
Seiner nahen Verwandten den er
Als Kind gerührt aber unberührt
Betrauerte wie es sich so gehörte

Eine gewisse Professionalität im
Umgang mit den Ritualen hilft 
Genug innere Distanz zu behalten
Welche beim Tod besser tut

Bevor er zum dann nächsten Paten
Konsul Tienappel kommen sollte
Erlebt er noch die Aufbahrung des
Großvaters wie den Anblick des Toten

Vom Sterben hatten sie den Jungen
Lieber fern gehalten weil es am Ende
Doch wohl ein hustender Kampf war
Den kein Kind miterleben mehr muss

Wie spannend aus diesen doch
Kindlichen Erlebnissen sich später
Im Sanatorium seine Berufung zum
Besuch moribunder Patienten ergab

Denke daran wie ich gerade erst
Den Tod meines Vaters erlebte
Eigentlich nicht erlebte weil er
In der Kurpfalz starb und ich in

Berlin noch weilte aber auch dort
Nicht das Bedürfnis hatte noch die
Leiche beim Bestatter zu besichtigen
Um von ihm Abschied zu nehmen

So wie Hans Castorp mit dem alten
Fiete im Frack mit Nasenring noch
Am offenen Sarg stand den Toten
Vor sich sah sah ich ihn nie 

Sah genug Leichen im Leben
Gesehen geborgen gewaschen im
Krankenhaus in den Keller gefahren
Ist eben kaltes totes Fleisch mehr nie

Die Auseinandersetzung mit dem
Tod der nahen Angehörigen wie das
Erleben ist für mich als Leser ein
Anderes als zur Zeit erster Lektüre

Wie wirken die Worte auf mich nun
Die mir damals noch fremd waren
Von Beerdigungsritualen erzählen
Wie der Rolle des kleinen Hans 

Selbst älter inzwischen als Mann
War als er den Zauberberg schrieb
Weit von Hans und dem Knaben
Schon lange entfernt und doch

Nun das ein Halbwaise sein
Mit ihm teilen gibt der Lektüre 
Neues Gefühl wie eine andere
Färbung damit die heiter bleibt

Finde das Nichts nicht schrecklich
Was ich selbst davon erlebte als
Das Herz umgefahren stillstand
Ist nicht der Rede wert war nichts

Erlöst von allen Sorgen die mit
Dem erwachenden Bewusstsein
Langsam wieder kommen scheint
Das Ende eher als große Freiheit

Wie schön ist es den Zauberberg
Mit seinen existenziellen Fragen
Des Lebens neu zu lesen wie zu
Sehen was mich davon prägte

Die leicht ironische Distanz auch
Zum Tod der nur mit Würde so
Wie es sich gehört begangen wird
Ist geblieben und lässt gut leben

Spannend ist wie sehr so viele
Gedanken und Worte dabei
Teil meines Denkens wurden es
Sich anfühlt als wäre es von mir

Nicht in der Anmaßung damit dem
Großen Thomas Mann zu gleichen
Sondern sich in seinen Worten so
Ganz vertraut nun wiederzufinden

Wer weiß wie alt ich noch werde
Wieviele Jahre bleiben doch sollte
Noch eine Generation mir bleiben
Wäre nochmalige Lektüre spannend

Vor über dreißig Jahren las ich den
Zauberberg das erste mal noch in
Einer anderen Welt da lebend wie
Sehe ich seine Bilder heute in mir

Klassiker der Literatur und große
Werke wie der Zauberberg sind
Für mehrfache Lektüre gemacht
Lerne ich gerade und genieße es

jens tuengerthal 9.10.24

Mittwoch, 9. Oktober 2024

Literar

Literar

Immer seltener
Wird gute Literatur
Wiederholung hilft

jens tuengerthal 9.10.24

Liebesqualen

Liebesqualen

Liebe quält gerne
Spürbar damit zu bleiben
Alles nur Gefühl

Himmel auf Erden
Mit hohem Preisrisiko
Lohnt eher selten

jens tuengerthal 9.10.24

Handschriftlich

Handschriftlich

Handschrift von Quallen
Ist krakelig natürlich
Gleichen dem Dichter 

jens tuengerthal 9.10.24

Bettruhe

Bettruhe

Bettruhe ist ein 
Perfektes Rezept ohne
Alle Albträume

jens tuengerthal 9.10.24

Liebesübung

Liebesübung

Braucht die Liebe Übung
Liegt sie nicht in der Natur
Zieht es uns nicht nach ihr
Zueinander wie aneinander

Denke ich zurück an alle
Versuche Liebe zu finden
Welche Fehler ich machte
Was ich leichtsinnig verspielte

Würde ich sagen es bräuchte
Dringend Übung bevor wir mit
Großen Gefühlen es versuchen
Doch was bringt dabei Theorie

Waren die ersten Lieben dann
Übungen nicht ernst zu nehmen
Oder nur eben unerfahren noch
Weil es an Übung noch fehlte

Damals mit fünfzehn noch vor
Bald vierzig Jahren nun schon
Oder noch länger her mit den
Ach darüber schweige ich hier

Brauchte es all die Versuche
Bei keiner bleiben zu können
Lieber allein zu leben mit dem
Glück gelegentlicher Treffen

Mit 46 noch stürzte ich mich
Voller Gefühl verliebt in eine
Echte Werther Liebe mit allem
Nur vorstellbaren Drama ohne

Glückliches Ende aber doch
Wie alle Liebe eben endlich
Was vermutlich besser so war
Seitdem vorsichtiger Genießer

Verlier ich dennoch zu gerne
Das Herz was ich liebend dann
Mit offenen Armen verschenke
Das Erbe meines Vaters wohl

Komme am Ende zu dem nur
Zurück von dem ich stamme
Da hätte es keine Übung je
Gebraucht schön war es doch

Wer Liebe üben kann nutze es
Nur halte nie eine nur für eine
Übung und lernen tust du nichts
Als zu merken wie die eben bist

Doch lohnte sich jede Übung so
Schmerzvoll manche waren und
Was bleibt war alles wert denk ich
Dem Ende näher als dem Anfang

jens tuengerthal 9.10.24

Lektürentagebuch 8.10.24

Lektürentagebuch 8.10.24

Noch ein wenig bettlägrig blieb ich
Zum Lesen in Davos und Paris
Wollte es zumindest doch dann
Ging es plötzlich nach Hamburg

Nach der reichlichen sehr guten
Mahlzeit die Hans Castorp lobte
Während sein Vetter Joachim wie
Dort üblich nörgelte schlief der

Besucher aus dem Flachland schon
Am Tisch ein und wurde darauf von
Seinem Vetter schnell aufs Zimmer
Gebracht nur unterbrochen von der

Kurzen ersten Begegnung mit dem
In Wollsocken und Sandalen sehr
Deutsch gekleideten Doktor Krokowski
Der ein wenig beleidigt reagierte

Dies weil Hans sich nur als Besucher
Der im Kern gesund sei und keiner
Behandlung bedürfe vorstellte was
Dem Analytiker unvorstellbar schien

Wie Analytiker eben aus Überzeugung
Immer und überall Probleme suchen
Statt sich um Lösungen zu bemühen
Die sie überflüssig dann machten

Diese Begegnung verfolgt den bald
Eingeschlafenen Hans auch noch in
Seine Träume mit denen ein Kapitel
Endet um im nächsten dann in die

Hamburgische Heimat zu gehen
Mehr über den Protagonisten zu
Erfahren und seine Familie auch
Die Taufschale beim Großvater

Warum das frühe Waisenkind die
Eltern so früh verlor dass er sich
Kaum überhaupt noch erinnert was
Grund ist es im Schlaf zu erzählen

Wie ähnlich die Einrichtung der
Räumlichkeiten dem Haus meiner
Großeltern in Bremen war was die
Alten Traditionen gerne auch pflegte

So scheint mir auch die Pflege der
Traditionen dort sich kaum von denen
Ihrer Großeltern zu unterscheiden die
Doch noch Anfang des Jahrhunderts

Im Kaiserreich geheiratet hatten wo
Die eigenen Großeltern geboren wie
Alte hanseatische Familien scheinbar
Lieber nichts ändern an ihren Sitten

Es mischt sich da doch manches in
Den Familien aus denen ich komme
Doch erstaunlich vertraut sind mir die
Rituale mit dem Großvater dennoch

Der Welt in der auch Thomas Mann
In Lübeck einst aufwuchs von alten
Kaufmannsfamilien was meine nie war
Auf keiner Seite je und doch so ähnlich

Sind es die bürgerlichen Welten wie
Ihre vertrauten Rituale die dies Buch
Zu einer so nahen Heimat machen
Überlege ich und fühle mich lesend

Wieder wie zuhause in dieser Welt
Das Lungensanatorium erinnert mich
An die Klinik in Rohrbach in der ich
Über Jahre als Aushilfe arbeitete

Natürlich hat sich manches gewandelt
Doch anderes blieb mir innig vertraut
Ist mir mehr Heimat als jeder Ort denn
Mit dem Zauberberg wurde ich Leser

Waren die Buddenbrooks noch eben
Familiengeschichte in vielem ähnlich
Der Bürger Künstler Konflikt mir noch
Fremd als ich sie las und gruselig auch

Ist diese europäische Kulturgeschichte
In Davos wo ich einst Skifahren lernte
Als kleines Kind während mein Vater
Einen Kongress besuchte so vertraut

Wollte erst Joseph und seine Brüder
Den biblischen Roman fertig lesen
Welcher auch wunderbar ironisch ist
Doch mir nie zum Zuhause wurde

Ägypten ist weit weg für mich und
Die Bibel ein fremdes Märchenbuch
Was ich nicht ohne Zorn sehen kann
Die Josephsgeschichte sehr seltsam

Im Sanatorium Berghof fühle ich mich
Wie zuhause angekommen in vielem
Sehe nun auch die immer Ironie des
Großen Erzählers Mann seinen Witz

Diese Feinheit mit über fünfzig also
Nach über dreißig Jahren nochmal
Genießen zu dürfen ist ein Glück
Denke ich der vieles anders liest

So ist die Lektüre dieses Romans
Der eine Kulturgeschichte auch ist
Eine Reise zu mir und meinen
Wurzeln als liebender Leser

Sie beflügelt mein Sein als Erzähler
Neu und lässt lange liegen gelassenes
Neu beflügelt langsam wieder erwachen
Zeigt was sich verbinden darin sollte

Muss nicht wie Heinrich Mann noch
Mit etwas abrechnen oder irgendwen
Bloßstellen sondern lieber sichtbar
Werden lassen was Welten baute

Worauf ruht die bürgerliche Welt
Was ist von ihr geblieben heute
Hundert Jahre nach dem Erscheinen
Wie 117 Jahre vor der Handlung

Lese nicht einfach ein Meisterwerk
Nochmal sondern durchlebe es nun
Zum Glück etwas weniger hustend
Ganz neu und es formt mich wieder

Etwas älter inzwischen als Mann
Zur Zeit des Erscheinens war der
Noch seinen 50. vor sich hatte
Dafür bereits vielfacher Vater war

Was mir soweit ich weiß nur einmal
Mit der zauberhaftesten Tochter die
Ein vorlesender Vater finden konnte
Gelang damit genug der Vergleiche

Bei der ersten Leseerfahrung war
Hans Castorp mit schon Examen
Älter als ich der noch nicht mal sein
Abitur gemacht hatte ein anderer

Heute ist er ein junger Knabe mit
Kaum Lebenserfahrung denke ich
Milde sein Liebesspiel belächelnd
Dem Erzähler selbst viel näher

Lese- und Lebenserfahrung
Ändert den Blick auf die Lektüre
Kann ihn noch mehr genießen
Ohne etwas erledigen zu wollen

Kann jedem frühen Leser nur raten
Große Bücher noch einmal zu lesen
Wie mit Liebe neu zu betrachten was
Diese Bücher auch aus uns machten

Bin ich Settembrini eher gefolgt als
Freimaurer und Humanist der stets
Die Aufklärung gegen die Romantik
Als unvernünftige Zeit gerne lobte

Was vom Hans ist noch in mir oder
Sind die Vettern mir heute fern mit
Ihren jugendlichen Bedürfnissen
Noch etwas im Leben zu werden

Habe inzwischen auch wie Hans
Den eigenen Vater beerdigt was
Innerer Reifung nicht schaden muss
Betrachte die Lektüre vielfältig neu

Lange vertrautes neu zu erlesen
Sich in bekannte Welten zu begeben
Aber als ein anderer der längst in
Ganz anderen Ligen Leben spielt

Ein wunderbares Erlebnis was ich
Allen Leserinnen nur raten kann
Weil es neue Welten entstehen lässt
Die sich mit vertrautem in mir verbinden


Schön war es auch wieder mit dem
So liebevoll freundlichen Flaneur
Franz Hessel in Paris zu Besuch
Im Moulin Rouge beim Tanztee

Wie dieser noch kostenlos um
Eine Probevorführung der noch
Debütantinnen nächtlicher Shows
Erweitert wurde und wie es wirkte

Auch hier betrachtet Hessel als
Inzwischen älter gewordener das
Jugendliche Treiben beim Tanz
Was ihm so seltsam vertraut ist

Die jungen Damen die sich noch
Ein wenig verkleiden für die Rolle
Von der sie noch nicht wissen wie
Sie welche länger spielen wollen

Fein beobachtet Hessel das Treiben
Wie den Umbau der Bühne und die
Dort Ballettshow mit leicht sinnlichen
Einlagen nach dem dort Tanztee

Er freut sich am erlebten immer noch
Auf der Suche nach einem für ihn
Guten Feuilleton der sein Dasein als
Journalist rechtfertigen könnte doch

Wo diese Tanzstunde schon gut schien
Kamen doch Fragen auf bezüglich der
Leser und was er erzählen wollte wie
Bei der Teilnahme am Auflauf zum 1. Mai

Das seltsam revolutionäre Volksfest
Was französisch mit Sozialismus spielt
Eine ältere eigene Revolution hat die
Europa mehr gab als Sozialismus je

Er wahrt die Distanz und sucht doch
Nähe um dabei zu sein als Flaneur
Der unberührt berichtet von Parolen
Die im munteren Volksfest enden

Es ist eine Freude mit Hessel durch
Paris in seine Geschichte wie damit
In Erinnerungen in die eigene auch
Zu reisen auf dem Diwan bleibend

jens tuengerthal 8.10.24