009f Naturmoral
Liegt die Moral in unserer Natur oder ist sie uns natürlich eher fremd?
Was Moral ist und woher sie kommt, wurde bereits besprochen, auch wie relativ die Setzung ihrer Werte ist und was das bedeutet. Es ist immer der gerade Konsens einer Gesellschaft, der einer steten Wandlung unterworfen ist. Es ist alles ganz natürlich relativ, gerade wenn es uns ganz fest und sicher scheint, was das Urteil dazu nicht wirklich einfacher macht.
So war es in Deutschland lange moralisch untragbar sich offen rassistisch zu äußern oder eine Bevölkerungsgruppe aus populistischen Gründen zu diskriminieren. Dies hat sich seit dem Auftreten von AfD und Pegida gewandelt und beide Gruppen haben einen neuen Ton salonfähig gemacht, der lange als tabu galt.
Plötzlich melden sich Menschen zu Wort, die ihre bisher Vorbehalte lieber für sich behalten hatten oder nur hinter vorgehaltener Hand äußerten. Sie haben damit ein Stück Freiheit gewonnen und fordern nun Akzeptanz und Toleranz auch gegenüber von der Mehrheit bisher abgelehnten Anschauungen, die plötzlich auch ganz normal sein will.
Kämpfen die Verfechter von mehr Intoleranz also einen Freiheitskampf?
Alles in mir sträubt sich dagegen, diesen Vorurteilen mehr Raum zu geben und ihren Wunsch nach freier Meinungsäußerung als ein Grundrecht zu verteidigen. Aber ist das moralisch richtig oder urteile ich damit nach einer Doppelmoral, die Meinungsfreiheit nur denjenigen zugesteht, die mit der herrschenden Meinung und Moral übereinstimmen?
Dies stellt die Frage, ob es richtig sein kann, dass die Forderung nach mehr Intoleranz und Unfreiheit, die gleichen Freiheitsrechte beanspruchen darf, wie jene, die noch die Freiheit verteidigen. Ist es wirklich gut, sich für mehr Zuwanderung einzusetzen und Menschen aus einem fremden Kulturraum Schutz zu bieten, auch wenn dies die eigene Freiheit oder die Art wie wir leben, infrage stellte, fragen die gern populistisch genannten Rechten.
So sehen sich beide Seiten als Verteidiger eines unterschiedlichen Modells von Freiheit und dessen, wie sie zu schützen ist. Warum wir die einen schlecht und die anderen gut finden, ist die Frage einer moralischen Setzung. Ist es falsch den Kampf um mehr Freiheit nach der eigenen Vorstellung auf die Straße zu verlagern und warum ist der Kampf der Frauen in ihrem Marsch gegen Trump, der schon viele belästigte, nach amerikanischer Lesart, richtig und scheint uns moralisch gut, wie es die meisten Medien, die darüber berichteten, darstellten.
Der neue Präsident etwa hat in seiner Antrittsrede, die so martialisch wie seine Wahlkampfauftritte war, davon gesprochen, den IS vernichten zu wollen, um unsere Freiheit zu verteidigen und diese Fundamentalisten daran zu hindern, weiter Terror auszuüben. Doch verteidigt einer, der zu einem Vernichtungsfeldzug aufbricht, je die Freiheit?
Was ist mit den Muslime, die sich nach langer amerikanischer Politik der imperialen Herrschaft entschlossen haben, den Kampf um Freiheit mit dem IS zu führen, weil sie das bisher erfolgreichste Modell waren?
Ist es gut, wenn Putin hilft, die Lage in Syrien zugunsten des herrschenden Assad zu stabilisieren?
Europa hat, um den Strom der Flüchtlinge auch über das Mittelmeer zu beenden, ein großes Interesse daran, die Situation dort zu befrieden. Die Instabilität im Nahen Osten ist auch ein Produkt amerikanischer Politik wie dem Krieg gegen den Irak. Auch verschiedene Terrorgruppen wurden unterstützt, um einen Umsturz in bestimmten Staaten zu erreichen, die in anderen Ländern vorher noch massiv bekämpft wurden.
Wie konsistent ist diese Moral und wer soll darauf vertrauen?
Geht es in der Weltpolitik überhaupt je um Moral oder immer nur um Macht?
Der Krieg in der Ukraine und die Annektion der Krim sprechen wie alle historische Erfahrung eher dafür, dass es in der Weltpolitik nur um Macht geht und der Stärkere sich eben durchsetzt. Manche Konflikte werden heiß ausgefochten, dann nennen wir es Krieg, andere beschränken sich auf Drohungen und Sanktionen, was hohe Diplomatie bei uns heißt. Bei beiden geht es nur um Macht, wirtschaftliche Interessen und die Moral, die keinen Marktwert hat, spielt nur eine sehr kleine Rolle dabei.
Liegt das Streben nach Macht und Vorherrschaft in unserer Natur?
Es ist für die Urteile der Rechten nicht von Interesse, ob die von ihnen geschürten Ängste auf Tatsachen beruhen oder ob sie ein Mittel haben, diesen abzuhelfen. Wichtig ist, dass viele Menschen das Gefühl bekommen, es drohe ihnen eine Gefahr und allein sie kümmerten sich um sie.
Dieses Kümmern und vermeintliche Verständnis hat auch einen Milliardär stark gemacht, der sich offen ungebildet gab, viel dummes Zeug und Lügen erzählte, um sich als Gegner des Systems zu profilieren, dass ihn erst reich machte. Es ist im postfaktischen Zeitalter dabei völlig egal, dass er als Spekulant und Unternehmer auch Teil dessen war, was viele als Feind sehen. Die erklärte Solidarisierung und zu sagen, was sich sonst keiner traute, genügte, um glaubwürdig zu wirken.
Wem soll überhaupt noch geglaubt werden?
Welche Moral trägt die sogenannten Populisten und warum soll sie schlecht sein?
Populismus ist ein typischer politischer Kampfbegriff, der erstmal keine Werte enthält, sondern sie durch die Zuordnung bestimmter Meinungen darunter erst erhält. Das Wort stammt aus dem lateinischen von dem Wort Populus, was Volk heißt. Populismus kann aber nicht einfach mit völkisch übersetzt werden, da er vom linken wie vom rechten Lager gern verwendet wird, um es dem je anderen zum Vorwurf zu machen. Nach dem Duden ist es eine opportunistische Politik, welche die Gunst der Massen zu gewinnen sucht.
Grundsätzlich muss sich jede Politik um Mehrheiten und also auch die Gunst der Massen oder zumindest einer Mehrheit bemühen. Tut sie es nicht, muss sie mit dem Vorwurf leben, fern vom Volk und seinen Bedürfnissen zu leben, wie er gerade momentan wieder gern erhoben wird. Der Ansatz des Populismus ist also ein demokratischer und nicht von vornherein moralisch schlecht. Die Bewertung dieses Populismus als moralisch gut und jenes als verwerflich, hängt nur von der politischen Meinung ab und dient eher als Vorwurf der Rechtfertigung einer auch unpopulären Politik.
So nutzt gerade die Linke, die es der Rechten am lautesten vorwirft, den Populismus gern für ihre Zwecke, wenn es zu ihrer Moral passt. Beispiel dafür ist die Diskussion um Hartz IV oder immer wieder die provokativen Äußerungen einer Sahra Wagenknecht, die den Konflikt genauso sucht und geschenkt bekommt wie der AfD und seine Repräsentanten und beiden Seiten wird genau das mit dem Schlagwort Populismus von der eher realistischen Mitte immer wieder zum Vorwurf gemacht.
Gäbe es eine Moral in der Natur, die sagt, was gut und richtig ist, könnten wir den einen oder anderen Populismus sicher bewerten oder beide als verwerflich betrachten, da sie nur Mittel zum Zweck sind, ohne eine realistische Politik zu betreiben. Doch woher soll eine solche natürliche politische Moral kommen, die zu einem richtigen Urteil befähigt und einem immer ganz natürlich sagt, welche Position moralisch ist und welche nicht?
Infrage kämen die Menschenrechte oder das Grundgesetz als Ausfluß des Menschenbildes der Aufklärung. Ob dies allerdings mehr unserer Natur entspricht als der Kampf ums Überleben, bei dem der Stärkere einfach gewinnt, wie wir ihn täglich auch an der Börse etwa erleben können, scheint fraglich.
Manche Menschen neigen ihrer Natur nach eher den Menschenrechten zu, andere dem Markt und dessen darwinistischen Prinzipien, die sie unterschiedlich stark moralisch abschwächen. Welches Prinzip moralischer ist, scheint keine Frage, da wir den Wertekonsens der Menschenrechte oder auch des Grundgesetzes für hochmoralisch halten, ob sie darum einer natürlichen Moral entsprechen und was diese wäre, bleibt dabei völlig offen.
Ob der Mensch von Natur aus gut oder böse ist, war lange auch unter den Philosophen sehr strittig. Je nach Überzeugung entstanden unterschiedliche Modelle für die Organisation des Menschen daraus, die dabei auch noch intern ihre Überzeugungen stark wandelten und so verschwamm es immer mehr.
Wer davon überzeugt ist, dass es Herrenrassen gibt und welche, die weniger wert wären, findet es moralisch gut und richtig, dass sich die Herrenrasse durchsetzt und dafür alles tut. Dagegen werden alle, die meinen die Menschen hätten alle die gleichen Rechte, sich dafür einsetzen, dass jeder diese auch leben kann. Diese beiden Sichten sind unvereinbar, weil sie von einem unterschiedlichen Menschenbild ausgehen und dem, was den Menschen dabei gut macht.
Wer sich als natürlich überlegen sieht aufgrund rassischer Kriterien, wird es ganz natürlich gut finden, sich durchzusetzen und unmoralisch dagegen, diese natürliche Überlegenheit nicht zu leben und zu fordern. So taten es die Nationalsozialisten und zumindest solche Forderungen wären in Deutschland heute illegal und ihre Verbreitung kann bestraft werden.
Doch wer sagt, dass die Bewertung eines Menschen als von Natur aus gut oder schlecht von der gerade politischen Überzeugung abhängt?
Es schiene Unsinn und es bräuchte zur Klärung der Frage, was der Mensch von Natur aus ist, eines allgemeineren Maßstabs als die politische Auseinandersetzung. Fraglich scheint aber, wo wir je unpolitisch sind und ob sich die Beurteilung des Menschen als moralisches Wesen im luftleeren Raum vornehmen lässt. Gerade unsere politischen Urteile weisen ja auf unsere Haltung als sittliches Wesen hin. Sind diese aber je unabhängig von der Umgebung oder immer in dieser relativ zu betrachten?
Welche Chance zu einer natürlichen moralischen Beurteilung etwa der Flüchtlingsfrage hat ein Jugendlicher in der sächsischen Schweiz und welche einer in Berlin Prenzlauer Berg, wie sehr spielen die sozialen Verhältnisse dabei eine Rolle und
warum urteilen viele Jugendliche, die etwa in Pankow groß werden, anders über diese Frage als jene, die in Prenzlauer Berg groß werden, was ja ein Teil des Bezirks Pankow nominell ist?
Komme ich in der Sache zu einem anderen moralischen Urteil, wenn meine Tochter von nordafrikanischen Jugendlichen belästigt wurde oder muss ein sittliches Urteil, wenn es auf einer natürlichen Moral beruht, nicht immer gültig sein?
Was sagt mir die natürliche Moral zu dem seit langer Zeit anderen Verständnis der Haltung gegenüber Frauen in bestimmten Regionen der Welt?
Es ist bei bestimmten indigenen Völkern in Brasilien üblich, dass ein Vater dem Gast, seine Frau oder Tochter zur Begrüßung in der Nacht in die Hängematte schickt und wer dies zurückweist, um nach unserer Moralvorstellung den Gastgeber durch Sex mit seiner Frau oder Tochter nicht zu kränken, beleidigt ihn dadurch viel mehr.
Glauben wir Tacitus, der in seinem Buch über die Germanen schrieb, dass die Frauen die Häuser hüteten und die Schlüsselmacht hatten, während die Männer alle paar Jahre den Hof und damit die Frau wechselten, um damit Gerechtigkeit bezüglich Leistungskraft und Bodenqualität herzustellen, ist dies schwer mit unseren heutigen Begriffen von Ehe und Familie zu vereinbaren.
In vielen Gesellschaften im mediterranen Raum, war die Stellung als Hausherr wesentlich wichtiger, denn die genetische Zugehörigkeit der jeweiligen Kinder. Die Befriedigung der Sexualität war im römischen Kulturkreis, bevor er unter den Einfluss der jüdischen Sekte Christentum kam, ein natürliches Vergnügen und unabhängig auch von gerade familiären Strukturen, wobei diese Gesellschaft wohl stärker patriarchal geprägt war. Die Männer durften also immer ihren Spaß haben und die Frauen mussten dabei auf ihre Verantwortung achten.
In den Kommunen, die infolge der Hippie Bewegung auch am Anfang der 70er und Ende der 60er große Mode waren, wurde die Sexualität auch sehr frei gelebt und es galt, wer zweimal mit der gleichen pennt bereits als dem Establishment zugehörig, wie ein berühmtes Schlagwort der Zeit lautete.
Lesen wir die Berichte der Cook Expedition etwa von Forster über die Reisen in die Südsee, erfahren wir, wie frei und offen dort mit Sexualität umgegangen wurde. Zumindest wird es angedeutet und der Rest der Phantasie der Leser überlassen, die zugleich erfahren, dass sehr zur Empörung von Cook die Eingeborenen ein gänzlich anderes Verständnis von Eigentum, Besitz und Respekt hatten, was möglicherweise einer der Gründe war, die später auf Hawaii zur Tötung des großen Reisenden durch erzürnte Eingeborene führte. Dies könnte auch auf religiösen Gründen und Verletzung dortiger Tabus beruhen, was aber nichts an dem immer wieder Mißverständnis in moralischen Fragen auch etwa mit den Eingeborenen in Neuseeland führte unter denen es auch zu Massakern kam.
Galt noch bis ins 19. Jahrhundert in einigen Regionen Europas das ius prima noctis, des jeweiligen regionalen Herrschers als ganz natürlich, wonach der Landesherr das Recht hat die erste Nacht mit einer jungfräulichen Braut zu verbringen, diese also zu deflorieren, was immer daran so toll sein soll, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben, tat sich der Bundesgerichtshof doch schwer mit der Verurteilung des Patriarchen einer muslimischen Familie wegen Vergewaltigung, da dieser, als Onkel bekannte, behauptete davon überzeugt gewesen zu sein, sein natürliches Recht wahrzunehmen und also fraglich war, ob der subjektive Tatbestand einer Vergewaltigung vorlag, die es ganz objektiv gab.
Auch bei den aktuelleren Ehrenmordfällen, gehen die Täter meist davon aus, auf Grundlage eines ihrer Kultur entsprechenden Ehrgefühls, ganz rechtmäßig zu handeln, wenn sie die nicht ihrer Moral entsprechend handelnde Tochter oder Schwester töten. Es konnte dort meist dennoch immer verurteilt werden, weil diese lange genug hier lebten, um zu wissen, dass ein solches Verhalten hier nicht toleriert würde. Auch wird dann gerne das allgemeine Rechtsempfinden eines billig und gerecht denkenden aus der Kiste geholt, um zu begründen, es müsste doch offensichtlich jeder merken, dass töten nicht ok ist.
In Indien wurden jahrhundertelang Witwen mit ihren Männern lebendig verbrannt und dies galt als ein sehr ehrenwerter Tod, egal was die Witwe dazu dachte oder wie alt sie war. Jules Verne schildert aus unserer moralischen Sicht dann die Entführung einer solchen Witwe vom Scheiterhaufen durch den Lord, der in 80 Tagen um die Welt reiste. Dieser heiratet sie dann später, als er doch wieder Erwarten pünktlich in London eintrifft und seine Wette gewonnen hat. Im Schatten dieser am Ende glücklichen Liebe scheint uns das moralische Urteil in der Angelegenheit völlig klar und natürlich.
Montaigne berichtet von einigen Fällen in denen Hunde oder andere Tiere oder Diener ihren Herren freiwillig in den Tod folgten, weil sie das ganz natürlich fanden. Dies geschah ohne Zwang und nur aus dem freien Willen der Tiere, falls wir diesen einen solchen zugestehen wollen.
Ganz aktuell sind auch wieder die Fälle von Klitorektomie, in denen jungen Mädchen vor Erreichen der Gechlechtsreife oder teils auch mit Einsetzen der Regel die Klitoris ausgeschabt und die Schamlippen vernäht werden. So werden nach unserer moralischen Sicht diese armen Mädchen verstümmelt, zu lebenslangen Leiden gezwungen und können nie auf natürlichem Wege vaginal Freude am Sex genießen. Für ihre Mutter, die selbst diese Prozedur erlitten, scheint es dagegen ganz natürlich, mit ihren Töchtern dasselbe zu tun, da diese sonst moralisch unrein wären, damit schlechtere Chancen am heimischen Heiratsmarkt hätten und es ihnen einfach normal erscheint, sie es ja schon immer so machten.
Dagegen wehren sich verschiedene Gruppen, um den Opfern zu helfen und die Mütter von dieser grausamen Praxis abzubringen. Beide Seiten beanspruchen dabei eine natürliche Moral und Menschenrechte für sich. Die aus eingeborenen Kulturen stammenden Riten, die sich in Afrika und Teilen Arabiens verbreitet haben seit langer Zeit, sind Teil der heimischen Tradition, die wir aber für eine so starke Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Kindes halten, dass wir ihre Zulassung verbieten und die Beteiligten daran bestrafen. Dies hat zur Folge, dass diese Beschneidungen nur unter geheimen noch gefährlicheren Bedingungen stattfinden, was das Leben der Betroffenen mehr gefährdet als eine staatliche Toleranz, die diesen unmenschlichen Akt in Krankenhäusern unter Betäubung vornehmen ließe.
Es scheint uns ganz natürlich richtig, dies zu verbieten, die armen Mädchen vor der Verstümmelung zu beschützen, die nur grausam ist und keinen Mehrwert hat außer dem regionalen Aberglauben und dortigen moralischen Riten zu genügen. Damit halten wir unsere Moral für überlegen, wollen sie weltweit herrschen lassen, erzwingen deren Durchsetzung zumindest hier.
Auf welcher natürlichen Grundlage von Moral, meinen wir so urteilen zu können?
Soweit es um die Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen geht, halten wir diese dagegen für tolerabel, auch wenn sie nicht medizinisch indiziert ist, weil sie aus unserer Sicht auf den Menschen keinen großen Schaden hervorruft, wir religiöse Juden und Muslime hier nicht vor den Kopf stoßen wollen und damit auch verhindern können, dass die Beschneidung dann illegal unter schlechteren hygienischen Bedingungen im Untergrund durchgeführt wird.
Rechtlich betrachtet dürften wir beide Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit eines Kindes aufgrund von Aberglauben nicht unterscheiden, müssten also die Beschneidung genauso bestrafen wie die Kliteroktomie, auch wenn bei letzterer die Folgen für eine spätere sexuelle Erfüllung noch gravierender sind.
Dennoch unterscheiden wir beides Verhalten aus moralischen Gründen und halten das auch teilweise für ganz natürlich, da wir uns aus Respekt vor der grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit nicht in diese Riten mischen dürften, solange es den für uns tolerablen Rahmen nicht überschreitet.
Nicht dabei berücksichtigt wird von den Vertretern dieser Sicht, dass der Schutz der körperlichen Unversehrtheit auch vor religiösen Eingriffen eigentlich höherrangiger ist als die nur Freiheit zum Aberglauben gleich welcher Art. Zumindest soweit sie irreversible Schäden hervorruft. Dies tun wir auch aus unserer moralischen Verantwortung den Juden gegenüber, die im Namen Deutschlands in der Zeit von 1933 bis 1945 staatlich diskriminiert und vernichtet wurden, was aber nichts an der Beachtung der Grundrechte ändern dürfte, auch wenn uns dieser Schaden im Verhältnis zur deutschen Schuld gering scheint.
Der Schutz der körperlichen Integrität der Kinder und die deutsche historische Verantwortung haben aber eigentlich nichts miteinander zu tun und dürften rechtlich nicht vermischt werden. Rechtlich ist eine Beschneidung ohne ärztliche Indikation eine Körperverletzung auch wenn sie durch ärztlichen Eingriff unter Betäubung erfolgt. Kinder davor zu schützen, könnte als moralische Pflicht genauso aus der Erfahrung mit Auschwitz abgeleitet werden und hätte nicht weniger moralische Berechtigung. Was deutlich macht, die herrschende Moral ist nicht unbedingt logisch oder konsistent, im Gegenteil, sie genügt vielfach auch nur Gewohnheiten und die Grenze des erlaubten verschwimmt im Nebel der Sitten und des schlechten Gewissens.
Die Religionsfreiheit besteht auch passiv, das heißt es muss auch geschützt werden, frei von jedem Aberglauben aufzuwachsen. Dies wird bei Millionen Kindern in Deutschland ganz legal verletzt durch die Taufe. Damit werden sie, ohne darüber erwachsen und mündig entschieden zu haben, was eine solche Mitgliedschaft eigentlich erforderte, Teil einer Sekte, deren Aberglauben hier halt zufällig herrschend ist.
Beim moralischen Urteil über die christliche Taufe sind wir relativ milde, weil sie eben auch Teil unserer Tradition ist und wir es so gewohnt sind. Vom Freiheitsbegriff des Grundgesetzes ausgehend und nach einer natürlichen Moral fragend, scheint dies jedoch mehr als fragwürdig. Wie sollen Kinder ein natürliches Verhältnis zu ihrem Glauben oder ihrer Vernunft entwickeln, wenn sie schon von Kindesbeinen in einer solchen Gemeinschaft sind?
Können Kinder, die schon religiös geprägt aufwachsen, je eine natürliche Moral entwickeln?
Ist die Frage nach der natürlichen Moral in einer Gesellschaft wie der unseren nicht moralisch fragwürdig, da Kinder immer mit irgendwelchen Moralvorstellungen aufwachsen und ist es dann nicht besser, sie in einem bewährten Rahmen aufwachsen zu lassen?
Weiß keine klare Antwort auf diese Fragen und denke es braucht vielfacher Kompromisse, damit eine Gesellschaft dauerhaft friedlich funktioniert. Ein Heidenkind hat es im ländlichen Bayern schwerer als in meiner Wohngegend wo eher das Gegenteil normal ist, was zwar an der grundsätzlichen Beurteilung der Sache nichts ändert, aber manchmal geht es gerade mit Kindern auch weniger um Prinzipien, als sich das Leben so leicht und gut wie möglich zu machen. Mehr als genießen, können wir das Leben nicht, dies so sehr wie möglich tun zu wollen, könnte besser sein, als viele moralische Vorstellungen.
Doch steht mir aus meiner freiheitlichen moralischen Sicht darum ein Urteil über andere zu?
Neulich hat mein bester Freund seine Tochter taufen lassen. Zu diesem schönen familiären Ereignis hatte ich auch das Glück, geladen worden zu sein. Konnte es dennoch nicht ganz lassen auch dem Täufling gegenüber meine Sicht der Dinge darzustellen, um der Kleinen auch eine andere Perspektive zu eröffnen, als des von mir kritisch beurteilten Aberglaubens. Dennoch respektiere ich seine alten familiären Traditionen und seine moralische Sicht auf diesen Akt. Achte ihn nicht weniger, weil er etwas tut, was ich ganz grundsätzlich betrachtet, moralisch eigentlich für verwerflich halte, weil es nicht meinem Verständnis von Freiheit entspricht. Gehe also, um eines sozialen Kontaktes wegen, der mit aus Gefühl und Tradition wichtig ist, wir kennen uns bald 25 Jahre, einen Kompromiss ein, der mir moralisch nur halb schmeckt und doch sinnvoller erscheint, als meine Sicht hier zu verfechten. Tue dies, weil ich auch Teil einer Gesellschaft bin und darum Kompromisse eingehe, die Toleranz gegenüber anderen Weltsichten dazu gehört. Geschadet wird dem Kind der Tropfen Wasser und die salbungsvollen Worte danach sicher nicht haben, was es mir auch leichter machte, hier keine zu große Konsequenz von mir zu verlangen. Lasse ihn diesen Text lesen, im übrigen kennt er meine Meinung ja schon und behandle ich ihn so respektvoll, wie er es verdient.
Was würde ich aber tun, lüde mich ein gläubiger jüdischer Freund zum Beschneidungsfest seines Sohnes ein?
Eigentlich müsste ich ihn meiner Überzeugung nach anzeigen, weil er eine Körperverletzung begeht, die unwiderruflich ist. Dennoch werde ich mich auch da vermutlich außer in Worten eher zurückhalten. Doch streiten gerade bei diesem Beispiel mehrere moralische Ansätze in mir und es fällt mir sehr schwer, hier eine klare und nüchterne Entscheidung zu treffen.
Sehe mich in der historischen Verantwortung als Deutscher auch gegenüber dem jüdischen Volk stehend, gerade aufgrund unserer Geschichte und das scheint mir auch natürlich und gut so. Dagegen streitet meine Abneigung gegen jeden Aberglauben, das natürliche Freiheitsbedürfnis, mein Verständnis von Grundrechten und mein Sinn für Gerechtigkeit. Auch davon scheint mir einiges ganz natürlich und es fragt sich, ob eine historische sittliche Verantwortung, die ja nicht persönlich ist, schwerer wiegen kann, als die immer geschützte körperliche Integrität des Kindes.
Leicht machen kann ich es mir hier, wenn ich mir sage, die Beschneidung ist bei uns erlaubt, es liegt also nicht der Tatbestand einer Körperverletzung vor und es ist völlig ok, was er tut. Unsere Gesellschaft toleriert dieses Verhalten auch nach langer Diskussion im Bundestag und ich muss darüber nicht moralisch neu entscheiden, es ist nicht meine Verantwortung, diese Legalität zu beurteilen, was erlaubt ist, muss ich nicht für verboten halten.
Jedoch widerspricht eine solche Haltung jeglicher Moralvorstellung. Danach könnte auch, den Nürnberger Rassegesetzen folgend, die Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus gerechtfertigt werden, wie es einige angeklagte Täter später taten, die ja nur Gesetze befolgten. Ihre dennoch Anklage aufgrund der Radbruch’schen Formel halte ich ja aus bereits dargelegten Gründen für nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar und daher fragwürdig.
Dies Gebiet ist gerade moralisch und politisch sehr heikel. So könnte schnell der Vorwurf erhoben werden, ich setzte die jüdische rituelle Beschneidung mit dem Holocaust gleich, was mir völlig fern liegt, denn auch dieser Akt ist gesundheitlich relativ harmlos meist, wenn auch irreversibel. Moralisch nach dem kategorischen Imperativ aber sind die Fälle ähnlich zu beurteilen, da in beiden Fällen ein Handeln, das nach meiner moralischen Überzeugung illegal sein müsste, staatlich legitimiert wird, aufgrund anderer moralischer Vorstellungen von Toleranz.
Wollte ich nach dem mir höchsten moralischen Maßstab handeln, also dem kategorischen Imperativ folgen, müsste ich das Handeln des jüdischen oder auch des muslimischen Freundes verurteilen, weil es für mich ein Grundrechtseingriff ist, der dem der Klitorektomie moralisch gleicht. Es gibt konsequent gedacht, keinen Grund dies anders zu behandeln und dies Verhalten länger zu tolerieren.
Doch stelle ich damit meine moralischen Vorstellungen und Prinzipien über die des Freundes, maßte mir also an, es besser zu wissen als er und seine jahrtausende alte Tradition, nur weil dies gerade einer aktuellen gesellschaftlichen Mode der Moral entspricht. Vielleicht darum wäre ich vermutlich de facto lieber bescheiden und sagte, was ich darüber denke, klagte aber nicht an, denn wer wäre ich, mich zum moralischen Richter über andere zu machen, auch wenn es mir ganz offensichtlich scheint.
Diese Bescheidenheit in Erkenntnis der eigenen Grenzen ist rechtlich nicht ganz konsequent und vielleicht auch moralisch fragwürdig im Sinne des kategorischen Imperativs aber sicher die menschlichere und sozialverträglichere Variante angesichts der gerade herrschenden Moral.
So muss sich eine Moral eben auch in der Praxis bewähren und Ausgrenzung und Diskriminierung in der Wirkung vermeiden. Es sollte bedacht werden, welche Folgen ein Verbot hätte, wem es nutzte und wem schadete, auch wenn mir moralisch eigentlich alles klar scheint und so ist die rechtliche Umsetzung einer Moral manchmal viel schwieriger, als sie nur konsequent zu denken.
Was dabei die natürliche Moral ist und was eine spätere Sitte nur ist, bleibt schwer zu entscheiden. Die unter Echnaton in Ägypten eingeführte Sitte der Beschneidung hatte dort gute gesundheitliche Gründe. Die Juden übernahmen sie und Mohamed passte sie auch gut in seine Sekte, die aus den anderen vorigen auch noch ein best off zusammen mixte. Diese Ideen sind tausende von Jahren alt, stehen in einer langen Tradition und sind für viele Menschen wichtiger Teil ihrer ganz natürlich gewachsenen Moral, auch wenn diese religiös eben geprägt noch ist, wie bei den meisten Menschen der Erde noch irgendwie.
Wer bin ich, über jahrtausende alte Traditionen aus dem engen Horizont meiner westlichen Sicht, ein moralisches Urteil zu fällen?
Was würde ich sagen, wenn Muslime oder Buddhisten meine lieb gewordenen Traditionen verurteilten und verbieten wollten?
Es ist eine sehr weiche moralische Entscheidung, die mich Toleranz üben lässt gegenüber der Körperverletzung der gläubigen Muslime und Juden an ihren Kindern. So erlaube ich einem irgendwie Gefühl von Toleranz und Bescheidenheit sogar einen Körperverletzung zu legitimieren, auch weil mir das gerade noch relativ opportun erscheint und die Alternativen mir noch weniger gefallen. Das ist juristisch eigentlich sehr unsauber gedacht. Auch der kategorische Imperativ bekommt da Schluckauf vor Schreck. Aber pragmatisch menschlich erscheint es mir gerade dennoch - und jetzt wird es ganz paradox, weil ich in Fragen der Moral eben auch dem Gefühl einfach folge.
Ob das dann am Ende die natürliche Moral ist, die dem Gefühl folgt, statt der Konsequenz der Vernunft, warum auch immer Gefühl natürlicher sein soll als Vernunft, die genauso Teil unserer Natur ist, weiß ich nicht. Denke es ist mal wieder irgendein Kompromiss, den ich eingehe, um so glücklich wie möglich zu leben und darum geht es ja nur, wie ich immer wieder feststelle, auch wenn damit alle Fragen offen bleiben und wir immer weiter beobachten müssen, was sich gerade als moralisch richtig anfühlt oder uns ganz kategorisch so erscheint, wenn wir dem Imperativ vernünftig folgen wollen.
jens tuengerthal 22.1.2017
Sonntag, 22. Januar 2017
Samstag, 21. Januar 2017
Gretasophie 009e
009e Tier oder nicht
Wenn es uns richtig gut geht, sagen wir manchmal wir fühlen uns gerade tierisch wohl, um auszudrücken, dass uns gerade alles so richtig erscheint, wie es ist. Ob damit das Sein der Tiere zugleich als höher bewertet wird als das menschliche, scheint zumindest fraglich bei jenem Wesen, das sich nach eigenem Selbstverständnis als Krönung der Schöpfung sieht.
Den Unsinn mit der Schöpfung lasse ich mal weg, weil ich auch nicht an einen Schöpfer aberglaube und um die Evolution weiß, mir keine Schöpfung einreden muss, um die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Aber als das am meisten differenzierte und intelligenteste Produkt der Evolution und also der Natur, die alles mir ist, weil nicht mehr sein kann, sehe ich mich schon oder sah ich mich lange und frage mich inwieweit da religiöse Erziehung im weitesten Sinne prägend war und was es mit der Realität zu tun hat.
Die Lektüre von Montaignes Essay, der Apologie für Raimond Sebond, den er im Auftrag seines Vaters übersetzt hatte und in dem er die menschliche Anmaßung so wunderbar in Frage stellt, hat mich dabei ganz neu nachdenken lassen und diese Frage ist im Zeitalter der teilweise moralischen Diskussion über den veganen Lebensstil, nicht ohne Bedeutung im sozialen Kontext. Vor allem aber trägt sie viel zu unserem Selbstverständnis bei und zu unserem Umgang mit der Natur und den Dingen in ihr.
Warum sollte der Mensch dem Tier überlegen sein?
Weil er das komplexere Gehirn hat und sich in der Evolution eben die besten durchsetzte, könnte hier argumentiert werden. Dagegen sprechen wiederum die Neandertaler, die ein komplexeres Gehirn hatten als der Homo Sapiens, ein größeres jedenfalls sicher und dennoch ausstarben, vermutlich vom konkurrierenden Homo Sapiens ausgerottet, aber auch das sind bisher nur Spekulationen, die Entwicklung dieser Spezies aus den gemeinsamen Homo Vorfahren in Afrika dagegen ist sicher und dass diese Variante des Vormenschen mit dem größeren Gehirn, der teilweise bei Düsseldorf, in der Türkei oder in Zentralasien vorkam, vor rund 30.000 Jahren einfach ausstarb.
Ansonsten scheint der Homo Sapiens, wie er heute noch existiert, die Gattung mit dem komplexesten Gehirn zu sein mit den Milliarden Nervenzellen und den Billionen von neuronalen Verbindungen zwischen ihnen wiederum. Montaigne führt nun eine Vielzahl von Beispielen auf, warum Tiere im Einzelfall sehr wohl hohe Intelligenz und Lernfähigkeit beweisen würden, die zum größeren Teil heute von Zoologen und Ethnologen als widerlegt gelten würden, weil die Tiere angeblich nur repetierten, aber nicht bewusst denken würden.
Auch die Forschungen des Gänsevaters Konrad Lorenz oder die Beobachtungen vieler Zoologen und Forscher über die letzten Jahrzehnte scheinen in die Richtung zu weisen, dass es den Tieren möglicherweise am Bewusstsein fehlt - anderes spricht wiederum für tierisches Empfinden und Bewusstsein. Doch bleibt der Mensch biologisch betrachtet, egal was Tiere nun fühlen können oder nicht, immer auch ein Tier, das sich auch fleischlich ernährt und seiner Natur nach diese Produkte in seiner Nahrungskette braucht, um sich gesund zu ernähren und wo sie fehlen, diese anderweitig ersetzen muss, wie es bei allen Fleischfressern eben so ist.
Der aufrechte Gang galt lange als Besonderheit, aber auch dieser ist nicht so ungewöhnlich und muss vom Menschen individuell erlernt werden, ist kein Selbstverständnis. So wenig wie die tätige Vernunft, die steter Schulung und Herausforderung bedarf und sich andererseits auch zu solch absurden Dingen entwickeln kann, wie wir sie etwa im Privatfernsehen beobachten können, die auf keinerlei Intelligenz schließen lassen und den Unterschied zum Primaten völlig verwischen.
Das menschliche Gehirn entspricht im Aufbau dem anderer Primaten, ist jedoch etwas größer und komplexer und besitzt ungefähr 86 Milliarden Nervenzellen, allein in der Rinde des Großhirns befinden sich cirka 16 Milliarden davon. Es ist also alles sehr komplex, besonders wenn wir bedenken, dass nach neuesten Forschungen der Neurologie nahezu jede Zelle neu programmierbar ist und die Funktionen anderer Zellen mit übernehmen kann. Rhesusaffen dagegen haben nur etwa 6 Milliarden Nervenzellen. Dagegen haben Elefanten 257 Milliarden Gehirnzellen, von denen aber nur etwa 6 in der Großhirnrinde tätig sind.
So vermuteten manche die Unterscheidung der Intelligenz könnte vielleicht an der Zahl der Zellen in der Großhirnrinde liegen, andererseits wissen wir inzwischen, dass Grindwahle etwa 37 Milliarden Zellen allein im Neocortex haben, also doppelt so viele wie wir Menschen und käme es darauf an, uns also von der Intelligenz her weit überlegen sein müssten, was uns bisher noch nicht aufgefallen wäre, auch wenn unklar ist, ob das vielleicht an uns liegt.
Auch die Orientierung bestimmter Tierarten ist deutlich besser als jene der Menschen, wenn wir an den Vogelflug denken oder ausgesetzte Tiere, die es manchmal über tausende von Meilen schafften den Weg zu ihrem Zuhause zu finden. Von den Fischen, die immer ihre gleichen Laichplätze finden oder den Insekten, die hochsensibel auf bestimmte Wetteränderungen reagieren und darum vielfach von den Menschen für Vorhersagen in diesem Bereich erfolgreich genutzt wurden. Bekannt wurde dabei der Wetterfrosch, der allerdings mehr eine Sage ist, die jedoch auf einen wahren Kern hinweist. Die häufig sensiblere Art der Tiere ihre Umgebung wahrzunehmen und mit ihr zu leben.
Schauen wir uns die Probleme an, die unsere menschliche Entwicklung in der Natur und Umwelt verursacht hat, gibt es gute Gründe an den menschlichen Fähigkeiten zu zweifeln, die in erster Linie dann destruktiv erscheinen könnten. Wir zerstören die Ozonschicht, ohne zu wissen, wie wir sie reparieren können, bauen Atomkraftwerke, die mit Hilfe der Kernkraft Energie erzeugen, die wir für unsere elektrischen Geräte brauchen und haben keine Ahnung, was wir mit dem giftig strahlenden Müll machen sollen, noch wie wir verseuchten Grund wiederherstellen und so bleiben manche Gegenden der Welt mindestens die nächsten 10.000 Jahre für uns unbewohnbar und unbetretbar.
Ist der Mensch, der sich so gern für die Krönung der Schöpfung hält, damit weniger deren bestmöglicher Abschluss als nur das vorläufig katastrophale Ende, weil er mit dem, was ist, nicht verantwortungsvoll umgehen kann?
Machen die meisten Tiere es wissentlich besser oder instinktiv und hilft uns unser Gedächtnis dabei, es besser zu machen oder schadet es eher dabei, weil wir immer wieder zu wissen meinen, was wir nur zu Bruchteilen bisher in seiner ganzen Komplexität verstehen und ist darum vielleicht, so absurd es klingt, eine erfundene Lehre von der Schöpfung besser, wenn sie den Menschen dazu bringt, respektvoll mit der Natur und den Dingen um sich umzugehen?
Gerade gewann ein Donald Trump die Wahlen, wurde 45. Präsident der USA und wird als solcher alles zurückdrehen, was sein Vorgänger für Umwelt und soziales Miteinander in Gang brachte. Ist dies nun unmenschlich oder einfach eine andere Sicht auf die Dinge der Welt?
Dass dieser typische Amerikaner, der stolz auf sein Vermögen ist und sich damit brüstete, noch nie ein Buch gelesen zu haben, ungebildet wie er offensichtlich ist, eine Gefahr für die Welt oder nur eine natürliche Gegenbewegung auf einen Hoffnungsträger, der so wenig von dem realisieren konnte, was er plante, eine fast erwartbare Reaktion der USA war, die immer wieder zyklisch wählten und auf Hoffnungsträger von der Welt als Idioten angesehene folgen ließ, deren Schäden dann die nächsten Hoffnungsträger in höchstens acht Jahren reparieren mussten, übersieht nur, wer sich zu sehr vom Aktuellen beeindrucken lässt.
Es wird die Welt nicht groß verändern ob dieser oder jener Präsident mit der eingeübten Administration kooperieren muss und er wird vielleicht Nuancen setzen und verändern gegenüber seinen Vorgängern, aber in Wirklichkeit werden Demokratien von Ämtern regiert und vom Rechtsstaat, der nie einem allein alle Macht gibt und so könnte diese gerade mal Gegenbewegung auch mal spannend sein und dazu beitragen, ein wenig die Hysterie aus der Welt zu treiben.
Wie ein römischer Kaiser kündigte er an den islamischen Terrorismus eliminieren zu wollen und doch wird er ganz natürlich längst zu Staub und Asche geworden sein, bevor der religiöse Fanatismus von dieser Erde verschwindet, denn, solange es Aberglauben gibt, wird er auch terroristische Wege in der Konsequenz teilweise einschlagen und es gibt keinen, bei dem es je anders war.
Aber zurück zum Thema, von dem dies Trumpeltier, wie ihn manche Gegner beschimpfen, nicht ablenken sollte, denn auch dieser wird den Weg kaum verändern nur das Tempo in der einen oder anderen Sache ein wenig beschleunigen oder nachlassen können. Die globale Welt geht ihren Gang und hängt eng verknüpft seit tausenden von Jahren zusammen.
Es gibt Zeiten in denen der Handel mal etwas weniger florierte aufgrund politischer Unruhen oder militärischer Auseinandersetzungen aber solange es Menschen gab, hat er nie aufgehört und wenn einer laut tönt, ändern sich nur Nuancen in der Ausführung ein wenig. Wer Milliarden hat, wird immer mehr auf sie achten, als ein armer Poet, für den Geld keine Rolle spielt und also auf keinen Fall eine Weltwirtschaftskrise für kurzsichtige Politik riskieren und seine Wähler damit im Ergebnis noch mehr vor den Kopf stoßen.
So wird weiter gehandelt werden und einige Unternehmen werden ihre Produktion mehr in die USA legen, dafür weniger Gewinn machen, der dafür aber steuerlich begünstigt wird und am Ende werden nur einige Milliarden von hier nach dort verschoben und sich freundlich angelächelt. Am Wesen des Menschen als einem stets Handel treibenden Wesen, wird all dies nichts ändern und so überlebte der Handel auch alle Vernichtungskriege und war immer das erste, was wieder auftauchte, weil es unserer Natur entspricht und wir unsere Bedürfnisse dort befriedigen.
Wir entwickeln unsere Technik ein wenig weiter, haben irgendwann bald, vielleicht noch in der Ära Trump, Batterien, die sich in sekundenschnelle laden lassen mit einer einfachen Technik und dann werden wir bald mehr Strom brauchen, weil Elektroantriebe einfach effektiver sind. Dann wird es dringend erneuerbare Energien mehr brauchen, weil wir an unsere Grenzen mit den fossilen logisch stoßen. Dann kommen noch die Fusionsreaktoren, mit der natürlichen Kraft des Wasserstoffs und so wird die Entwicklung, von momentanen Aufregungen abgesehen, ihren ruhigen Gang gehen und alles weniger katastrophal werden als alle fürchten. So dumm wie er manchmal scheint, ist der Mensch doch nicht und wer möchte sich schon unnötig quälen oder beeinträchtigen.
Natürlich wird nicht alles gut, weil immer gegenläufige Kräfte um die Mehrheit streiten werden, aber es wird auch nicht alles schlimm, sondern wir werden uns alle irgendwie durch lavieren müssen, um einen Weg zu finden, mit dem möglichst viele, glücklich sein können, was ja immer noch das einzig sinnvolle Ziel allen Seins ist, was sonst sollte je lohnen?
Ist alles was natürlich scheint nicht auch Natur, frage ich mich und warum meinen die einen so sicher, besser zu wissen, was gut für Natur und Umwelt ist als die anderen und ist ein zurück der bessere Weg oder ein vorwärts immer?
Könnte jenes America first, nicht eine Chance für die wunderbare Umwelt auch in den USA sein, besser erhalten zu werden, auch wenn der Präsident nur ein Bauunternehmer ist, der nie ein Buch las?
Tiere lesen, so weit es uns bekannt ist, keine Bücher, haben keine Schriftsprache und ob sie eine Tradition des Erzählens haben, wissen wir nicht, zumindest haben sie uns bisher nichts davon überliefert. Trotzdem trauen wir den Tieren aus ihrem Instinkt, der nie Bücher las und einfach nur ist, täglich um sein Überleben kämpft, wie ein Bauunternehmer am Markt, eher zu, instinktiv das richtige und bessere für ihre Umwelt zu tun, als einem Milliardär, der zumindest als Geschäftsmann in seinem Leben schon eine Menge in Bewegung setzte, der aber möglicherweise genauso wenig las wie ein Gorilla.
Könnte der instinktiv handelnde Geschäftsmann mit viel Gefühl für die einfachen Leute nicht zur einer natürlicheren Politik wieder führen als die abgebrühten Profis aus Washington, aus deren Reihen auch Hillary kam?
Will nun nicht fragen, was Donald Trump von jener berühmten Ente gleichen Vornamens unterscheidet, noch was ihn von anderen Oberaffen unterscheidet, die ähnlich viel Geld in ihrem Leben sammelten. Halte die Tiervergleiche immer für etwas fragwürdig, egal von welcher Seite sie kommen.
Spannender finde ich, dass menschliche Entwicklung immer auch aus der Durchbrechung von Gewohnheiten resultierte. Hier durchbricht einer alle diplomatischen Gewohnheiten, verhält sich mal unverschämt frech, dann geradezu dumm, ohne erkennbares Konzept und schließlich auch mal sehr weise, was auch zufällig sein könnte. Ist nun dieses Verhalten von Trump, den manche nur für ein neureiches, unkultiviertes Vieh halten, das eben keine Bücher bisher las, eine Durchbrechung der Gewohnheiten in Washington nur eine anfängliche Provokation oder unterscheidet es ihn gerade von der Demokratin Clinton, die nur als Teil des Systems agierte?
Diese Fragen geben die Antworten ja fast schon vor und sind also getrost rhetorisch zu nennen und der etwas einfältige Autor gesteht, die gewiss intellektuell überlegene Leserin hier dahin lenken zu wollen, sich zu fragen, ob Hillary in diesem Sinne nicht viel, tierischer war als Trump, weil sie nur wie gewohnt und auswendig gelernt agierte.
Ist, was uns tierisch scheint nun gut oder schlecht und wie kommen wir zu der einen oder anderen sicheren Bewertung, wohin führt sie uns?
Vom Gefühl her, finde ich diesen dummen und ungebildeten Populisten grässlich. Seine Verachtung gegenüber Frauen ist mir, der ich die Frauen liebe, völlig fern. Doch, was weiß ich schon und vielleicht ist sein Verhalten, was mir unkultiviert scheint, geradezu chauvinistisches Balzverhalten, eher tierisch und natürlich als meine intellektuelle Herangehensweise an die Frauen und traute ich Woody Allen, ahnte ich schon welcher Weg Männer eher impotent macht, was viele Frauen instinktiv zu ahnen scheinen.
Es gibt dieses Beispiel, dass ich längst verlassen wollte, doch so ungeheuer viel her, für das Verhältnis von Mensch und Tier, weil es unsere eigenen Vorurteile so schön offenbart und klarstellt, wie verschwommen diese Grenze in vielem doch ist.
Für Feministinnen ist klar dieser Trump mit seinen verblödeten Miss-Wahlen und seinen widerlichen Grapschereien ist indiskutabel, benimmt sich viehisch und bespringt doch jede, die ihm gerade vor den Schwanz kommt. Er zerstöre mutwillig, was Jahre der Emanzipation mühsam erreichten. Verkünde ein Frauenbild, was Barbie und Ken entspricht, wobei seine Potenz statt in Muskeln in Dollar messbar sei.
Für viele einfache Männer, die auf emanzipierte Frauen eher genervt reagieren, verkörpert dieser Trump, mag er auch sonst ein Idiot sein, wie Putin, der sonst allerdings eher sehr intelligent wirkt, eine Form von männlicher natürlicher Freiheit, nach der sie sich sehnen.
Auch manche Frauen fühlen sich in klassischen Rollen wohl, wie Tiere eben ihrer Herde folgen und denken, so schlimm wird es schon nicht werden und die Frauen an seiner Seite werden ihn schon zähmen, wie sie es mit ihren Männern, die Trump aus Trotz wählten, auch tun oder zu tun meinen.
Auch manche Intellektuelle fanden an diesem Kontrapunkt zu ihrem eigenen Sein Gefallen und fragten sich auch, ob es nicht gut für ihre Potenz wäre, mal wieder wie ein Kerl aufzutreten, statt immer den Frauenversteher zu mimen, auch wenn sie nicht ganz sicher sind, welche Rolle ihnen am Ende besser steht.
Viele Frauen sind hin und hergerissen. Die ehrgeizige Hillary ist ihnen auch kein Ideal ihrer Weiblichkeit, so wollen sie nicht sein und die Rolle des Tusschen an der Seite des Milliardärs finden viele auch nicht so schlecht, wie es offiziell verkündet wird. Vor allem sind viele Frauen davon überzeugt, dass solche einfachen harten Kerle tausendmal besser im Bett sind als ihre ganzen intellektuellen Freunde, die sich für ihre Rechte stark machen und ihnen Gedichte schreiben, wo sie nur gefickt werden wollen.
Es gibt viele Sichten auf dieses Phänomen und erstaunlich unterschiedliche verbinden die jeweiligen Gegner oder Anhänger dabei mit Parallelen zum Tierreich. Ob dies mehr für oder gegen eine Nähe zum Tierreich spricht, weiß ich nicht zu beurteilen, da ich mit eigener Meinung natürlich auch irgendwo dazwischen liege und mich frage, wer Recht hat und wie es wäre, den einen oder anderen Weg natürlich zu Ende zu gehen.
Wie wäre es wieder ganz natürlich Mann zu sein, wie ein Hengst die Stuten zu besteigen und sie zu vögeln, auch wenn sie sich anfänglich noch wehren, weil sie es doch eigentlich so wollen und die Natur es so will?
Oder wollen vernünftige Frauen so etwas nie, weil langfristig nur Geist erfolgreich ist, du dich eben gedulden musst, um die Richtige zu treffen und auch wenn die sportlichen Kerle dir vorher all die süßen Mädels wegschnappen?
Es scheint da eine Divergenz zwischen unserer tierischen Natur und unserem geistigen Anspruch zu geben und der wird beim Sex besonders deutlich und vielleicht können wir auch diese Wahl in diesem Sinne verstehen, als ein zurück zu den Wurzeln und weg von zuviel politischer Korrektheit, hin zu eher wildem, natürlichen Umgang, der zwar nach aktuellen Formeln frauenverachtend sein soll, andererseits aber auch als natürlich männlich betrachtet werden könnte und was wäre daran gut, sich gegen seine Natur zu entwickeln?
Die Biologie sagt, natürlich ist der mensch gattungsmäßig ein höheres Säugetier, das zufällig aufrecht geht und daher seine Hände anderweitig nutzen kann. Schaue ich auf die Politik gerade, frage ich mich, ob wir wirklich ein höher entwickeltes Tier sind aber kann ansonsten der Parallele zur Natur nur zustimmen, ohne einzelne Politiker hier besonders mit Tiernamen zu versehen. Deutlicher wird dies noch bei unserem Begattungsverhalten und den natürlichen Reaktionsmustern der Frauen auf bestimmtes Verhalten und seine soziale Konnotation, je nachdem, was sie durch eine Hingabe erreichen wollen.
Die Unterscheidung vom Tier scheint mir so eher zufällig und nicht einer festen Grenze zu folgen, diese fließt eher immer, je nachdem, was ich damit sage oder erreichen möchte, erscheint mir anderes als natürlich oder tierisch und kann ich mich mit dem einen oder anderen Sein, als Tier oder Mensch mehr identifizieren - gerne gebe ich den feingeistigen Intellektuellen, der die Frauen liebt und Verse für sie schreibt. Im Bett möchte ich aber auch klar als wilder Hengst wahrgenommen werden, dessen Potenz nicht von geistigen Zufälligkeiten abhängt. Die Erfahrung hat mich manch anderes gelehrt. Frau möchte manchmal auch einfach gern genommen werden und nicht lange darüber diskutieren, dann wird es zwar manchmal etwas tierisch aber geil. Andererseits kann ich auch nicht aus meiner liebenden Natur heraus, die geistige Nähe sucht und keine Frau auf Dauer lieben könnte, die nicht auch Bücher liebt und frage mich dann, ob das noch natürlich ist und wo führt es uns hin, wenn wir diesem konsequent folgen, was macht uns als Mensch aus und was als Tier, welcher Anteil an unserem Wesen macht uns glücklicher und wo sind wir ganz wir selbst. Antworten darauf zu finden, werde ich den Rest meines Lebens die Dinge neugierig betrachten und erleben, mit und ohne Frauen, irgendwie tierisch menschlich halt.
jens tuengerthal 21.1.2017
Wenn es uns richtig gut geht, sagen wir manchmal wir fühlen uns gerade tierisch wohl, um auszudrücken, dass uns gerade alles so richtig erscheint, wie es ist. Ob damit das Sein der Tiere zugleich als höher bewertet wird als das menschliche, scheint zumindest fraglich bei jenem Wesen, das sich nach eigenem Selbstverständnis als Krönung der Schöpfung sieht.
Den Unsinn mit der Schöpfung lasse ich mal weg, weil ich auch nicht an einen Schöpfer aberglaube und um die Evolution weiß, mir keine Schöpfung einreden muss, um die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Aber als das am meisten differenzierte und intelligenteste Produkt der Evolution und also der Natur, die alles mir ist, weil nicht mehr sein kann, sehe ich mich schon oder sah ich mich lange und frage mich inwieweit da religiöse Erziehung im weitesten Sinne prägend war und was es mit der Realität zu tun hat.
Die Lektüre von Montaignes Essay, der Apologie für Raimond Sebond, den er im Auftrag seines Vaters übersetzt hatte und in dem er die menschliche Anmaßung so wunderbar in Frage stellt, hat mich dabei ganz neu nachdenken lassen und diese Frage ist im Zeitalter der teilweise moralischen Diskussion über den veganen Lebensstil, nicht ohne Bedeutung im sozialen Kontext. Vor allem aber trägt sie viel zu unserem Selbstverständnis bei und zu unserem Umgang mit der Natur und den Dingen in ihr.
Warum sollte der Mensch dem Tier überlegen sein?
Weil er das komplexere Gehirn hat und sich in der Evolution eben die besten durchsetzte, könnte hier argumentiert werden. Dagegen sprechen wiederum die Neandertaler, die ein komplexeres Gehirn hatten als der Homo Sapiens, ein größeres jedenfalls sicher und dennoch ausstarben, vermutlich vom konkurrierenden Homo Sapiens ausgerottet, aber auch das sind bisher nur Spekulationen, die Entwicklung dieser Spezies aus den gemeinsamen Homo Vorfahren in Afrika dagegen ist sicher und dass diese Variante des Vormenschen mit dem größeren Gehirn, der teilweise bei Düsseldorf, in der Türkei oder in Zentralasien vorkam, vor rund 30.000 Jahren einfach ausstarb.
Ansonsten scheint der Homo Sapiens, wie er heute noch existiert, die Gattung mit dem komplexesten Gehirn zu sein mit den Milliarden Nervenzellen und den Billionen von neuronalen Verbindungen zwischen ihnen wiederum. Montaigne führt nun eine Vielzahl von Beispielen auf, warum Tiere im Einzelfall sehr wohl hohe Intelligenz und Lernfähigkeit beweisen würden, die zum größeren Teil heute von Zoologen und Ethnologen als widerlegt gelten würden, weil die Tiere angeblich nur repetierten, aber nicht bewusst denken würden.
Auch die Forschungen des Gänsevaters Konrad Lorenz oder die Beobachtungen vieler Zoologen und Forscher über die letzten Jahrzehnte scheinen in die Richtung zu weisen, dass es den Tieren möglicherweise am Bewusstsein fehlt - anderes spricht wiederum für tierisches Empfinden und Bewusstsein. Doch bleibt der Mensch biologisch betrachtet, egal was Tiere nun fühlen können oder nicht, immer auch ein Tier, das sich auch fleischlich ernährt und seiner Natur nach diese Produkte in seiner Nahrungskette braucht, um sich gesund zu ernähren und wo sie fehlen, diese anderweitig ersetzen muss, wie es bei allen Fleischfressern eben so ist.
Der aufrechte Gang galt lange als Besonderheit, aber auch dieser ist nicht so ungewöhnlich und muss vom Menschen individuell erlernt werden, ist kein Selbstverständnis. So wenig wie die tätige Vernunft, die steter Schulung und Herausforderung bedarf und sich andererseits auch zu solch absurden Dingen entwickeln kann, wie wir sie etwa im Privatfernsehen beobachten können, die auf keinerlei Intelligenz schließen lassen und den Unterschied zum Primaten völlig verwischen.
Das menschliche Gehirn entspricht im Aufbau dem anderer Primaten, ist jedoch etwas größer und komplexer und besitzt ungefähr 86 Milliarden Nervenzellen, allein in der Rinde des Großhirns befinden sich cirka 16 Milliarden davon. Es ist also alles sehr komplex, besonders wenn wir bedenken, dass nach neuesten Forschungen der Neurologie nahezu jede Zelle neu programmierbar ist und die Funktionen anderer Zellen mit übernehmen kann. Rhesusaffen dagegen haben nur etwa 6 Milliarden Nervenzellen. Dagegen haben Elefanten 257 Milliarden Gehirnzellen, von denen aber nur etwa 6 in der Großhirnrinde tätig sind.
So vermuteten manche die Unterscheidung der Intelligenz könnte vielleicht an der Zahl der Zellen in der Großhirnrinde liegen, andererseits wissen wir inzwischen, dass Grindwahle etwa 37 Milliarden Zellen allein im Neocortex haben, also doppelt so viele wie wir Menschen und käme es darauf an, uns also von der Intelligenz her weit überlegen sein müssten, was uns bisher noch nicht aufgefallen wäre, auch wenn unklar ist, ob das vielleicht an uns liegt.
Auch die Orientierung bestimmter Tierarten ist deutlich besser als jene der Menschen, wenn wir an den Vogelflug denken oder ausgesetzte Tiere, die es manchmal über tausende von Meilen schafften den Weg zu ihrem Zuhause zu finden. Von den Fischen, die immer ihre gleichen Laichplätze finden oder den Insekten, die hochsensibel auf bestimmte Wetteränderungen reagieren und darum vielfach von den Menschen für Vorhersagen in diesem Bereich erfolgreich genutzt wurden. Bekannt wurde dabei der Wetterfrosch, der allerdings mehr eine Sage ist, die jedoch auf einen wahren Kern hinweist. Die häufig sensiblere Art der Tiere ihre Umgebung wahrzunehmen und mit ihr zu leben.
Schauen wir uns die Probleme an, die unsere menschliche Entwicklung in der Natur und Umwelt verursacht hat, gibt es gute Gründe an den menschlichen Fähigkeiten zu zweifeln, die in erster Linie dann destruktiv erscheinen könnten. Wir zerstören die Ozonschicht, ohne zu wissen, wie wir sie reparieren können, bauen Atomkraftwerke, die mit Hilfe der Kernkraft Energie erzeugen, die wir für unsere elektrischen Geräte brauchen und haben keine Ahnung, was wir mit dem giftig strahlenden Müll machen sollen, noch wie wir verseuchten Grund wiederherstellen und so bleiben manche Gegenden der Welt mindestens die nächsten 10.000 Jahre für uns unbewohnbar und unbetretbar.
Ist der Mensch, der sich so gern für die Krönung der Schöpfung hält, damit weniger deren bestmöglicher Abschluss als nur das vorläufig katastrophale Ende, weil er mit dem, was ist, nicht verantwortungsvoll umgehen kann?
Machen die meisten Tiere es wissentlich besser oder instinktiv und hilft uns unser Gedächtnis dabei, es besser zu machen oder schadet es eher dabei, weil wir immer wieder zu wissen meinen, was wir nur zu Bruchteilen bisher in seiner ganzen Komplexität verstehen und ist darum vielleicht, so absurd es klingt, eine erfundene Lehre von der Schöpfung besser, wenn sie den Menschen dazu bringt, respektvoll mit der Natur und den Dingen um sich umzugehen?
Gerade gewann ein Donald Trump die Wahlen, wurde 45. Präsident der USA und wird als solcher alles zurückdrehen, was sein Vorgänger für Umwelt und soziales Miteinander in Gang brachte. Ist dies nun unmenschlich oder einfach eine andere Sicht auf die Dinge der Welt?
Dass dieser typische Amerikaner, der stolz auf sein Vermögen ist und sich damit brüstete, noch nie ein Buch gelesen zu haben, ungebildet wie er offensichtlich ist, eine Gefahr für die Welt oder nur eine natürliche Gegenbewegung auf einen Hoffnungsträger, der so wenig von dem realisieren konnte, was er plante, eine fast erwartbare Reaktion der USA war, die immer wieder zyklisch wählten und auf Hoffnungsträger von der Welt als Idioten angesehene folgen ließ, deren Schäden dann die nächsten Hoffnungsträger in höchstens acht Jahren reparieren mussten, übersieht nur, wer sich zu sehr vom Aktuellen beeindrucken lässt.
Es wird die Welt nicht groß verändern ob dieser oder jener Präsident mit der eingeübten Administration kooperieren muss und er wird vielleicht Nuancen setzen und verändern gegenüber seinen Vorgängern, aber in Wirklichkeit werden Demokratien von Ämtern regiert und vom Rechtsstaat, der nie einem allein alle Macht gibt und so könnte diese gerade mal Gegenbewegung auch mal spannend sein und dazu beitragen, ein wenig die Hysterie aus der Welt zu treiben.
Wie ein römischer Kaiser kündigte er an den islamischen Terrorismus eliminieren zu wollen und doch wird er ganz natürlich längst zu Staub und Asche geworden sein, bevor der religiöse Fanatismus von dieser Erde verschwindet, denn, solange es Aberglauben gibt, wird er auch terroristische Wege in der Konsequenz teilweise einschlagen und es gibt keinen, bei dem es je anders war.
Aber zurück zum Thema, von dem dies Trumpeltier, wie ihn manche Gegner beschimpfen, nicht ablenken sollte, denn auch dieser wird den Weg kaum verändern nur das Tempo in der einen oder anderen Sache ein wenig beschleunigen oder nachlassen können. Die globale Welt geht ihren Gang und hängt eng verknüpft seit tausenden von Jahren zusammen.
Es gibt Zeiten in denen der Handel mal etwas weniger florierte aufgrund politischer Unruhen oder militärischer Auseinandersetzungen aber solange es Menschen gab, hat er nie aufgehört und wenn einer laut tönt, ändern sich nur Nuancen in der Ausführung ein wenig. Wer Milliarden hat, wird immer mehr auf sie achten, als ein armer Poet, für den Geld keine Rolle spielt und also auf keinen Fall eine Weltwirtschaftskrise für kurzsichtige Politik riskieren und seine Wähler damit im Ergebnis noch mehr vor den Kopf stoßen.
So wird weiter gehandelt werden und einige Unternehmen werden ihre Produktion mehr in die USA legen, dafür weniger Gewinn machen, der dafür aber steuerlich begünstigt wird und am Ende werden nur einige Milliarden von hier nach dort verschoben und sich freundlich angelächelt. Am Wesen des Menschen als einem stets Handel treibenden Wesen, wird all dies nichts ändern und so überlebte der Handel auch alle Vernichtungskriege und war immer das erste, was wieder auftauchte, weil es unserer Natur entspricht und wir unsere Bedürfnisse dort befriedigen.
Wir entwickeln unsere Technik ein wenig weiter, haben irgendwann bald, vielleicht noch in der Ära Trump, Batterien, die sich in sekundenschnelle laden lassen mit einer einfachen Technik und dann werden wir bald mehr Strom brauchen, weil Elektroantriebe einfach effektiver sind. Dann wird es dringend erneuerbare Energien mehr brauchen, weil wir an unsere Grenzen mit den fossilen logisch stoßen. Dann kommen noch die Fusionsreaktoren, mit der natürlichen Kraft des Wasserstoffs und so wird die Entwicklung, von momentanen Aufregungen abgesehen, ihren ruhigen Gang gehen und alles weniger katastrophal werden als alle fürchten. So dumm wie er manchmal scheint, ist der Mensch doch nicht und wer möchte sich schon unnötig quälen oder beeinträchtigen.
Natürlich wird nicht alles gut, weil immer gegenläufige Kräfte um die Mehrheit streiten werden, aber es wird auch nicht alles schlimm, sondern wir werden uns alle irgendwie durch lavieren müssen, um einen Weg zu finden, mit dem möglichst viele, glücklich sein können, was ja immer noch das einzig sinnvolle Ziel allen Seins ist, was sonst sollte je lohnen?
Ist alles was natürlich scheint nicht auch Natur, frage ich mich und warum meinen die einen so sicher, besser zu wissen, was gut für Natur und Umwelt ist als die anderen und ist ein zurück der bessere Weg oder ein vorwärts immer?
Könnte jenes America first, nicht eine Chance für die wunderbare Umwelt auch in den USA sein, besser erhalten zu werden, auch wenn der Präsident nur ein Bauunternehmer ist, der nie ein Buch las?
Tiere lesen, so weit es uns bekannt ist, keine Bücher, haben keine Schriftsprache und ob sie eine Tradition des Erzählens haben, wissen wir nicht, zumindest haben sie uns bisher nichts davon überliefert. Trotzdem trauen wir den Tieren aus ihrem Instinkt, der nie Bücher las und einfach nur ist, täglich um sein Überleben kämpft, wie ein Bauunternehmer am Markt, eher zu, instinktiv das richtige und bessere für ihre Umwelt zu tun, als einem Milliardär, der zumindest als Geschäftsmann in seinem Leben schon eine Menge in Bewegung setzte, der aber möglicherweise genauso wenig las wie ein Gorilla.
Könnte der instinktiv handelnde Geschäftsmann mit viel Gefühl für die einfachen Leute nicht zur einer natürlicheren Politik wieder führen als die abgebrühten Profis aus Washington, aus deren Reihen auch Hillary kam?
Will nun nicht fragen, was Donald Trump von jener berühmten Ente gleichen Vornamens unterscheidet, noch was ihn von anderen Oberaffen unterscheidet, die ähnlich viel Geld in ihrem Leben sammelten. Halte die Tiervergleiche immer für etwas fragwürdig, egal von welcher Seite sie kommen.
Spannender finde ich, dass menschliche Entwicklung immer auch aus der Durchbrechung von Gewohnheiten resultierte. Hier durchbricht einer alle diplomatischen Gewohnheiten, verhält sich mal unverschämt frech, dann geradezu dumm, ohne erkennbares Konzept und schließlich auch mal sehr weise, was auch zufällig sein könnte. Ist nun dieses Verhalten von Trump, den manche nur für ein neureiches, unkultiviertes Vieh halten, das eben keine Bücher bisher las, eine Durchbrechung der Gewohnheiten in Washington nur eine anfängliche Provokation oder unterscheidet es ihn gerade von der Demokratin Clinton, die nur als Teil des Systems agierte?
Diese Fragen geben die Antworten ja fast schon vor und sind also getrost rhetorisch zu nennen und der etwas einfältige Autor gesteht, die gewiss intellektuell überlegene Leserin hier dahin lenken zu wollen, sich zu fragen, ob Hillary in diesem Sinne nicht viel, tierischer war als Trump, weil sie nur wie gewohnt und auswendig gelernt agierte.
Ist, was uns tierisch scheint nun gut oder schlecht und wie kommen wir zu der einen oder anderen sicheren Bewertung, wohin führt sie uns?
Vom Gefühl her, finde ich diesen dummen und ungebildeten Populisten grässlich. Seine Verachtung gegenüber Frauen ist mir, der ich die Frauen liebe, völlig fern. Doch, was weiß ich schon und vielleicht ist sein Verhalten, was mir unkultiviert scheint, geradezu chauvinistisches Balzverhalten, eher tierisch und natürlich als meine intellektuelle Herangehensweise an die Frauen und traute ich Woody Allen, ahnte ich schon welcher Weg Männer eher impotent macht, was viele Frauen instinktiv zu ahnen scheinen.
Es gibt dieses Beispiel, dass ich längst verlassen wollte, doch so ungeheuer viel her, für das Verhältnis von Mensch und Tier, weil es unsere eigenen Vorurteile so schön offenbart und klarstellt, wie verschwommen diese Grenze in vielem doch ist.
Für Feministinnen ist klar dieser Trump mit seinen verblödeten Miss-Wahlen und seinen widerlichen Grapschereien ist indiskutabel, benimmt sich viehisch und bespringt doch jede, die ihm gerade vor den Schwanz kommt. Er zerstöre mutwillig, was Jahre der Emanzipation mühsam erreichten. Verkünde ein Frauenbild, was Barbie und Ken entspricht, wobei seine Potenz statt in Muskeln in Dollar messbar sei.
Für viele einfache Männer, die auf emanzipierte Frauen eher genervt reagieren, verkörpert dieser Trump, mag er auch sonst ein Idiot sein, wie Putin, der sonst allerdings eher sehr intelligent wirkt, eine Form von männlicher natürlicher Freiheit, nach der sie sich sehnen.
Auch manche Frauen fühlen sich in klassischen Rollen wohl, wie Tiere eben ihrer Herde folgen und denken, so schlimm wird es schon nicht werden und die Frauen an seiner Seite werden ihn schon zähmen, wie sie es mit ihren Männern, die Trump aus Trotz wählten, auch tun oder zu tun meinen.
Auch manche Intellektuelle fanden an diesem Kontrapunkt zu ihrem eigenen Sein Gefallen und fragten sich auch, ob es nicht gut für ihre Potenz wäre, mal wieder wie ein Kerl aufzutreten, statt immer den Frauenversteher zu mimen, auch wenn sie nicht ganz sicher sind, welche Rolle ihnen am Ende besser steht.
Viele Frauen sind hin und hergerissen. Die ehrgeizige Hillary ist ihnen auch kein Ideal ihrer Weiblichkeit, so wollen sie nicht sein und die Rolle des Tusschen an der Seite des Milliardärs finden viele auch nicht so schlecht, wie es offiziell verkündet wird. Vor allem sind viele Frauen davon überzeugt, dass solche einfachen harten Kerle tausendmal besser im Bett sind als ihre ganzen intellektuellen Freunde, die sich für ihre Rechte stark machen und ihnen Gedichte schreiben, wo sie nur gefickt werden wollen.
Es gibt viele Sichten auf dieses Phänomen und erstaunlich unterschiedliche verbinden die jeweiligen Gegner oder Anhänger dabei mit Parallelen zum Tierreich. Ob dies mehr für oder gegen eine Nähe zum Tierreich spricht, weiß ich nicht zu beurteilen, da ich mit eigener Meinung natürlich auch irgendwo dazwischen liege und mich frage, wer Recht hat und wie es wäre, den einen oder anderen Weg natürlich zu Ende zu gehen.
Wie wäre es wieder ganz natürlich Mann zu sein, wie ein Hengst die Stuten zu besteigen und sie zu vögeln, auch wenn sie sich anfänglich noch wehren, weil sie es doch eigentlich so wollen und die Natur es so will?
Oder wollen vernünftige Frauen so etwas nie, weil langfristig nur Geist erfolgreich ist, du dich eben gedulden musst, um die Richtige zu treffen und auch wenn die sportlichen Kerle dir vorher all die süßen Mädels wegschnappen?
Es scheint da eine Divergenz zwischen unserer tierischen Natur und unserem geistigen Anspruch zu geben und der wird beim Sex besonders deutlich und vielleicht können wir auch diese Wahl in diesem Sinne verstehen, als ein zurück zu den Wurzeln und weg von zuviel politischer Korrektheit, hin zu eher wildem, natürlichen Umgang, der zwar nach aktuellen Formeln frauenverachtend sein soll, andererseits aber auch als natürlich männlich betrachtet werden könnte und was wäre daran gut, sich gegen seine Natur zu entwickeln?
Die Biologie sagt, natürlich ist der mensch gattungsmäßig ein höheres Säugetier, das zufällig aufrecht geht und daher seine Hände anderweitig nutzen kann. Schaue ich auf die Politik gerade, frage ich mich, ob wir wirklich ein höher entwickeltes Tier sind aber kann ansonsten der Parallele zur Natur nur zustimmen, ohne einzelne Politiker hier besonders mit Tiernamen zu versehen. Deutlicher wird dies noch bei unserem Begattungsverhalten und den natürlichen Reaktionsmustern der Frauen auf bestimmtes Verhalten und seine soziale Konnotation, je nachdem, was sie durch eine Hingabe erreichen wollen.
Die Unterscheidung vom Tier scheint mir so eher zufällig und nicht einer festen Grenze zu folgen, diese fließt eher immer, je nachdem, was ich damit sage oder erreichen möchte, erscheint mir anderes als natürlich oder tierisch und kann ich mich mit dem einen oder anderen Sein, als Tier oder Mensch mehr identifizieren - gerne gebe ich den feingeistigen Intellektuellen, der die Frauen liebt und Verse für sie schreibt. Im Bett möchte ich aber auch klar als wilder Hengst wahrgenommen werden, dessen Potenz nicht von geistigen Zufälligkeiten abhängt. Die Erfahrung hat mich manch anderes gelehrt. Frau möchte manchmal auch einfach gern genommen werden und nicht lange darüber diskutieren, dann wird es zwar manchmal etwas tierisch aber geil. Andererseits kann ich auch nicht aus meiner liebenden Natur heraus, die geistige Nähe sucht und keine Frau auf Dauer lieben könnte, die nicht auch Bücher liebt und frage mich dann, ob das noch natürlich ist und wo führt es uns hin, wenn wir diesem konsequent folgen, was macht uns als Mensch aus und was als Tier, welcher Anteil an unserem Wesen macht uns glücklicher und wo sind wir ganz wir selbst. Antworten darauf zu finden, werde ich den Rest meines Lebens die Dinge neugierig betrachten und erleben, mit und ohne Frauen, irgendwie tierisch menschlich halt.
jens tuengerthal 21.1.2017
Freitag, 20. Januar 2017
Gretasophie 009d
009d Liebesunsterblichkeit
Ach, ewig wollen wir lieben und nie voneinander lassen und schon die Trauformel, die kirchlich lautet, bis das der Tod euch scheidet, kündet vom grenzenlosen Ausmaß der Liebe, auch wenn es die Ehe als Liebesbund ganz sachlich bis zum Tod beschränkt.
Stirbt mit dem Partner die Liebe oder nur die Ehe als juristisches Bündnis zweier Menschen?
Wir Menschen sind immer sterblich, weil wir Natur sind. Nach Meinung einiger, die einem Aberglauben anhängen, bleibt so etwas wie eine Seele übrig, davon schrieb ich bereits zu Anfang und möchte nicht mit noch mehr Wiederholungen langweilen, als sie bei meinem schlechtem Gedächtnis, das mühsam seine nächste Umgebung erkennt, schon von alleine passieren. Für das Überbleibsel, gibt es keine Beweise, die Annahme beruht nur auf Phantasie und interessiert mich darum nur als Idee nicht als Tatsache. Als Glaube und als Hoffnung ist dieses Hirngespinst aber für viele Menschen so wichtig, dass sie es in einem Dreiklang mit der Liebe sehen und so für ganz real halten.
Wie real die Liebe ist und sein kann, weiß jeder, der schon an ihr litt. Doch fragt sich trotz des ganz wirklich gefühlten Herzschmerzes, was überhaupt je wirklich an der Liebe ist oder ob sie immer nur eine hormonell beeinflusste Wahnvorstellung ist, die den Horizont so weit beschränkt, dass uns der geliebte Mensch als der einzig wahre dann erscheint. Die Liebe hat immer wieder viel von dem, was wir heute als psychische Krankheit, zumindest auffälliges Verhalten beurteilen würden, ginge es darum. Wer verliebt ist, wird eben immer wieder ganz schön verrückt, was wir aber meist relativ normal finden und was wiederum die Relativität aller Grenzen deutlich zeigt.
Besonders mit der Liebe verbinden wir die Idee der Unsterblichkeit, weil derjenige, der übrig bleibt, seine Liebe nicht mit der Nullinie auf dem EEG des anderen wieder zurück bekommt, sondern sich meist traurig und einsam fühlt, auch wenn die Ehe juristisch damit beendet ist, wieder geheiratet werden könnte. Sozial wird nach dem Tod des Partners immer eine gewisse Karenzzeit erwartet, bevor sich der andere neu bindet. Rechtlich ist das bei uns irrelevant. Emotional kommen manche nie vom anderen los und fühlen die ewige Liebe, die der andere mit ins Grab nahm, wie es in Redensarten heißt.
Als mein Großvater starb, den wir Grotepater nannten, was ich nicht der Löchrigkeit meines Gedächtnisses wegen wiederhole, sondern um diesen Vater meines Vaters von dem meiner zu unterscheiden, lief meine Großmutter durchs ganze Haus und hielt die Uhren an. Ein ergreifender Moment für alle Anwesenden, so wurde es mir geschildert. Nach einer großen Liebe endete plötzlich die Zeit und meine Großmutter hörte erstmal auf zu sein, auch wenn sie alles, was nun zu erledigen war, pflichtgemäß mit ihren Söhnen hinter sich brachte.
Dieser wie ohnmächtige Zustand änderte sich schlagartig, als meine Omie die Briefe meines Großvaters an seine Geliebte fand, die seine langjährige Sekretärin im Amt war. Damit brach eine heile Welt der Liebe für sie zusammen, die über 50 Jahre gehalten hatte und an die sie immer geglaubt hatte, was ihr andererseits half, aus der Welt der Trauer wieder herauszufinden und wäre nicht eine zunehmende Demenz hinzugekommen, vielleicht hätte sie noch bis in ihre neunziger nun fröhlich gelebt, so wurde sie leider es erst etwas depressiv und dann manchmal verwirrt.
Um so stärker ihr Gedächtnis nachließ, desto liebevoller sprach sie wieder von ihrem Mann und ihrer wunderbaren Ehe, der großen Liebe, die für sie offensichtlich unsterblich war, auch wenn die Realität diesen Traum etwas beeinträchtigte. Es hat mich dieser Fund nicht weiter verwundert, im Gegensatz zu meiner Großmutter, noch empört. Erstaunt hat mich die Blödheit meines Großvaters, der die Briefe vergessen haben muss und besser vorher entsorgt hätte, um seiner fraglos großen Liebe, diesen Kummer zu ersparen. So etwas sollte einem erfahrenen Casanova nie passieren, denn wer die Frauen liebt, will auch, dass es ihnen gut geht, egal was er real nun tat.
Seine große Liebe zur Großmutter stellt diese kleine Affäre, und es ist bisher die einzig bekannt gewordene, für mich nicht infrage. Vielleicht offenbart es eher Kontinuitäten, so war mein Großvater, obwohl klein von Wuchs, als großer Casanova bekannt, bis er bei Bülows seine große Liebe kennenlernte und gegen den Rat seiner Familie heiratete, um mit ihr glücklich zu sein. Und die beiden waren immer ein glückliches Paar, auch wenn es schwere Zeiten wohl gab, in denen sie nichts hatten und der Großvater dennoch lieber Antiquitäten kaufte, statt Hosen für seine Jungens. Sie verschwanden auch mit über 80 noch glücklich glucksend im Schlafzimmer, küssten sich zärtlich und waren ganz Kavalier und Dame, so lange sie irgend konnten.
Ein Mann, der wie mein Großvater, die Frauen liebte, im Paris der 20er das wilde Leben kennenlernte und manche Legende dort traf, mag zwar seine große Liebe finden und mit ihr glücklich den Traum von Familie leben, sein Schwanz wird ihn dennoch weiter gejuckt haben, wenn eine Frau ihn neugierig machte. Es mag Männer geben, die ehrlich treu sind, wie es auch Frauen geben soll, die es aus Überzeugung sind, dahingestellt, ob diese jemals erfahren haben, wie schön das Leben sein kann, so wie es in der Natur ja alle seltsamen Dinge und Mutationen gibt und mich kaum noch was wundern kann. Für ganz normal halte ich diese, der herrschenden Moral entsprechende Sicht auf Liebe und Lust aber nicht und ich könnte solches auch nicht, ohne rot zu werden, für mich beanspruchen, im Gegenteil, warum ich es lieber lasse.
Dennoch bleibt der Gedanke an die unsterbliche Liebe in mir wach, auch wenn ich dann schon ziemlich viel Unsterblichkeit mit mir herumschleppte, da ich mich fast immer in eine Frau verliebte, wenn wir uns einander hingaben, die wenigen Ausnahmen glatt vernachlässigt werden können, finde ich die Vorstellung irgendwie schön. So fragte ich Mitte der neunziger in einem Liebesgedicht voller Herzschmerz an die just Verflossene und die neu angeschwärmte, die es noch nicht war und nie wurde, ob noch alle Lieben in mir lebten und erst ihre Summe mir Quelle des Glücks wäre, was ich nun, zwanzig Jahre später, so nicht widerlegen kann. Immer wieder habe ich mich endlos verliebt, gab mein ganzes Leben gern der Liebe hin und starb für sie zumindest in Gedanken, real bin ich ja immer noch da, auch wenn unklar ist, wem das zum Vorteil gereicht und was es offenbart.
Ginge es in der Liebe um Quantität, wäre ich schon näher am Glück, als ich es mit 17 war. Zählte allein Qualität, werde ich nie Caro vergessen, in die ich mit 14 unsterblich verliebt war und mich dann doch für ihre Freundin entschied, weil die Aussicht mit dieser zu schlafen größer schien, wollte ich es ganz nüchtern männlich beschreiben, was mir als Liebenden natürlich völlig fern liegt. Doch als ich sie mit 19 wiedersah - sie war damals wohl 18, verliebte ich mich wieder und betete sie in langen Briefen an, in denen ich auch liebend zu gerne Novalis zitierte, den sie nicht kannte und warum sie es für meine Verse hielt, was mir noch weniger verständlich macht, warum sie mich dann nicht sofort heiratete. Nun, es wurde nichts, sie blieb bei ihrem Freund und ich weiß nicht, was je aus ihr wurde. Angeblich soll sie in Hamburg studiert haben, aber ich habe jede Spur verloren und auch kein Interesse gehabt, weiter nachzuforschen, um nicht enttäuscht zu werden und so bleibt die Frau, die ich am meisten liebte, zumindest theoretisch, auf ewig unberührt von mir, was allem einen sehr romantischen Anklang doch gibt und wie es zu gut zur Liebe passt.
Vermutlich hielte ich heute eine, die nicht mal Novalis kennt, für eine langweilige Schnecke und wer weiß, was aus dieser Jugendliebe überhaupt wurde, ob sie schon die Kinder im Reihenhaus mit Mann hütet oder sonst normale Wege ging, wenn sie nicht heimlich voller Sehnsucht noch von mir träumt, der unerfüllten Liebe, die nur darum uns so schön erscheint, weil wir sie nie haben werden.
Vermute mit der Unsterblichkeit der Liebe ist es ähnlich. Das Gerücht rührt daher, dass wir Probleme mit dem Abschiednehmen immer haben und dann lieber sagen, die Liebe lebt fort, als zu sagen nun ist der andere tot und es ist aus mit Liebe und sonst was. Die Illusion, die überhaupt große Bedeutung in der Liebe hat, spielt bei der unsterblichen Liebe eine noch größere.
Nichts bleibt, wenn wir tot sind, von dem, was uns als Wesen ausmachte. Als solche sind wir tot, kehren nie wieder, empfinden nichts, müssen nur noch als Restsache irgendwie entsorgt werden. Um das möglichst kompliziert zu machen und einzelnen Ständen ihr Auskommen auch künftig zu garantieren, haben wir dafür idiotische Rituale geschaffen, die uns längst zur wertvoll rührenden Gewohnheit wurden und so lieben wir auch die Friedhöfe der Dichter und jene Orte der Stille, in denen manche sich phantasievoll vom Geist vergangener Zeiten angeweht fühlen.
Viele Frauen mögen diesen leicht gruseligen Hokuspokus, wie überhaupt Magie den Schoss der Weiber leichter öffnet als Vernunft und Erfahrung, warum ich mich früher auch viel mit diesem Unsinn immer wieder zielführend abgab, allerdings mich nicht dauerhaft selbst belügen konnte. Ob es nun das Lesen in Sternen, Händen oder Karten war, geheimes Wissen, seherische Träume, Kontakt zu Geistern und sonstiger Unsinn, nichts war mir zu dumm, sich einer Angebeteten zu nähern oder Neugier zu wecken früher. Heute belächle ich diesen mir so wesensfremden Eifer nur noch und denke, wer nicht ganz real Lust hat, lohnt den Aufwand mit Magie nie und Lügen war nie meine Stärke.
Warum sich Frauen so gerne vom Unsinn verführen lassen und was dieser mit Sex zu tun hat, habe ich lange überlegt. Dass es eine Verbindung gibt, ist offensichtlich und zeigt sich an ganz vielen Punkten. Während der kurzen heißen Liebe mit dem einen Modell von Chanel und dem folgenden späteren sehr heißen Sommer mit ihr und zwei ihrer Freundinnen Anfang der neunziger, habe ich auf Wunsch der Damen häufig aus diesem Fundus geschöpft, las in ihren Händen oder legte die Karten und fand diesen Unsinn immer grässlicher. In der Glitzerwelt zumindest, in der diese jungen Frauen lebten, die zwar etwas älter als ich damals waren, war solcher Zauber sehr beliebt und ich hätte in Paris eine wunderbare Karriere als gutbezahlter Wahrsager und Scharlatan machen können, die Damen waren schon dabei das zu organisieren und mein miserables französisch, wäre dabei vermutlich sogar eine Hilfe gewesen und für die Vernunft war ich ja damal noch im GO zur inneren Rechtfertigung.
Dachte an Casanova, der auch mit manchem Hokuspokus und Betrug viel Geld verdiente, große Schulden machte, bis er irgendwann immer wieder fliehen musste, sogar aus den Bleikammern und das hatte ich nicht vor. Mochte diese Scheinwelt nicht wirklich, auch wenn ich Karl Lagerfeld im Gespräch über Montaigne sehr gebildet und angenehm in Erinnerung habe. Wollte kein Wahrsager sein und kein Geisterseher, wie Swedenborg, den Theosophen, der von mir verehrte Imanuel Kant auch als Mystiker verspottete für seine Vorhersage des Brandes von Stockholm aus der Ferne etwa und der viele Jünger um sich scharte zum Spott des klaren Königsbergers. Wollte ich vom Betrug leben, hätte ich auch an der Börse oder bei einer Bank Karriere machen können, dache ich damals.
Es gibt keine ernsthaften Wahrsager, die keine Betrüger sind, ob sie nun aus Sternen, Händen oder Karten zu lesen meinen. Stets ist ihr Metier Betrug und Täuschung, wie in der heute üblichen Magie auf großer Bühne, warum auch viele Magier gern in diesen Modekreisen verkehren und von den Damen verehrt werden. Wo beide Seiten von Schein und Lüge leben, gesellt es sich wohl gern, denkt der Spötter, der dem gerade noch entkam und manchmal noch dem Wunsch der Damen widerstehen muss, doch mal einen Blick in ihre Hand zu werfen. So leicht ist es mit der Magie auch erotisch zu verzaubern, dass es fast auf der Hand zu liegen scheint, sich daran zu beteiligen. Beginnen die Damen bei einem Fest von ihren Sternzeichen zu fabulieren, wollen sie Sex und suchen nur einen Umweg dahin, doch wenn du das nüchtern feststellst, verbaust du dir diesen Weg meist. Allerdings brauchte es einige Reife, um festzustellen, dass die, welche auf Magie auch im Bett vetrauen, es real selten wirklich lohnen und ich darum konsequent vernünftig blieb, was manche mit dem magischen Moment der Liebe in meinen Versen nicht vereinbaren können.
Die Liebe und der Sex, wenn er gut ist, haben Magie - aber genau das ist der entscheidende Punkt, sie haben es, ihrer Natur nach und brauchen keinen billigen Hokuspokus, der den Verstand beleidigt um simple Begattungsrituale zu vollziehen. So sind, was magisch in Erinnerung bleibt, jene Momente, die Goethe meinte, als er schrieb, oh Augenblick verweile doch, du bist so schön, genau der zeitlose Zauber von Lust und Liebe, der alles vergessen lässt. Wenn es keine Zeit mehr gibt, weil du im Bruchteil von Sekunden zusammen Kommst, dich genau im Höhepunkt selig voller Liebe noch dazu erspürst, zärtlich umarmt irgendwo sitzt oder liegst auch ohne Sex, dann weißt du, was die Magie der Liebe sein kann, die unsterblich ist. Und wer es nicht kennt, dieses stirb und werde, vom kleinen Tod zur ersehnten Unendlichkeit, wird nie verstehen, wie schön Sein sein kann und ewig kann der andere noch versuchen, dies zu erklären.
In diesem Sinne ist die Liebe unsterblich auch in der Erinnerung und so weiß ich zumindest, dass meine Großeltern auch guten Sex hatten - darum ist egal, was sonst war oder ist, es zählt der Augenblick, der sich von der Zeit löst, eine Ewigkeit im realen Nichts wird, um von der unsterblichn Liebe zu reden, auch wenn wir es, wenn es passiert, oft noch ganz normal finden und nicht der vielen Worte wert, weil die zufällige zeitliche Koinzidenz orgiastischer Gefühle ja auch bei jedem Fußballspiel beobachtet werden kann, was den Kult darum oder den Fankult vieler Jugendlicher auch erklärt, es ist eine Variante von dem, um was es eigentlich geht. Ob besonders viele Menschen, denen dieses Glück fehlt, sich gerade eine Ersatzbefriedigung im Sport oder sonst suchen, kann ich durch keine Statistik belegen und vermute es also nur aufgrund einer gewissen inneren Logik für die auch eine geringe praktische Erfahrung spricht, die aber auch nicht mehr wissenschaftlich wohl wert wäre als ein kommt halt vor.
Die Zeit miteinander so verlieren, heißt beieinander ankommen. Viele scheinen es im Leben nicht kennenzulernen. Die suchen sich eine andere Ersatzbefriedigung, treiben sich auf Single-Portalen mit anderen Frustrierten herum, um sich regelmäßig die Sterblichkeit der Liebe neu zu beweisen. Kenne die unsterblichen Momente schon und weiß inzwischen, da solltest du für immer bleiben, sie sind selten und das höchste Glück, mehr kommt nicht mehr. Alle Quantität verwischt nicht den Traum der Unsterblichkeit, der im gefühlten Nichts des geteilten Todes real wurde und kann also getrost vergessen werden. Es kommt nicht darauf an, wie oft und mit wie vielen du zusammen warst, sondern wie sehr du die Zeit miteinander verloren hast und dich einen Moment unsterblich fühltest, um zufrieden zurückzuschauen und so gesehen, bin ich glücklich, weil ich schon mal Glück hatte, könnte jederzeit zufrieden gehen, weil ich das Gefühl habe, das schönste erlebt zu haben.
jens tuengerthal 20.1.2017
Ach, ewig wollen wir lieben und nie voneinander lassen und schon die Trauformel, die kirchlich lautet, bis das der Tod euch scheidet, kündet vom grenzenlosen Ausmaß der Liebe, auch wenn es die Ehe als Liebesbund ganz sachlich bis zum Tod beschränkt.
Stirbt mit dem Partner die Liebe oder nur die Ehe als juristisches Bündnis zweier Menschen?
Wir Menschen sind immer sterblich, weil wir Natur sind. Nach Meinung einiger, die einem Aberglauben anhängen, bleibt so etwas wie eine Seele übrig, davon schrieb ich bereits zu Anfang und möchte nicht mit noch mehr Wiederholungen langweilen, als sie bei meinem schlechtem Gedächtnis, das mühsam seine nächste Umgebung erkennt, schon von alleine passieren. Für das Überbleibsel, gibt es keine Beweise, die Annahme beruht nur auf Phantasie und interessiert mich darum nur als Idee nicht als Tatsache. Als Glaube und als Hoffnung ist dieses Hirngespinst aber für viele Menschen so wichtig, dass sie es in einem Dreiklang mit der Liebe sehen und so für ganz real halten.
Wie real die Liebe ist und sein kann, weiß jeder, der schon an ihr litt. Doch fragt sich trotz des ganz wirklich gefühlten Herzschmerzes, was überhaupt je wirklich an der Liebe ist oder ob sie immer nur eine hormonell beeinflusste Wahnvorstellung ist, die den Horizont so weit beschränkt, dass uns der geliebte Mensch als der einzig wahre dann erscheint. Die Liebe hat immer wieder viel von dem, was wir heute als psychische Krankheit, zumindest auffälliges Verhalten beurteilen würden, ginge es darum. Wer verliebt ist, wird eben immer wieder ganz schön verrückt, was wir aber meist relativ normal finden und was wiederum die Relativität aller Grenzen deutlich zeigt.
Besonders mit der Liebe verbinden wir die Idee der Unsterblichkeit, weil derjenige, der übrig bleibt, seine Liebe nicht mit der Nullinie auf dem EEG des anderen wieder zurück bekommt, sondern sich meist traurig und einsam fühlt, auch wenn die Ehe juristisch damit beendet ist, wieder geheiratet werden könnte. Sozial wird nach dem Tod des Partners immer eine gewisse Karenzzeit erwartet, bevor sich der andere neu bindet. Rechtlich ist das bei uns irrelevant. Emotional kommen manche nie vom anderen los und fühlen die ewige Liebe, die der andere mit ins Grab nahm, wie es in Redensarten heißt.
Als mein Großvater starb, den wir Grotepater nannten, was ich nicht der Löchrigkeit meines Gedächtnisses wegen wiederhole, sondern um diesen Vater meines Vaters von dem meiner zu unterscheiden, lief meine Großmutter durchs ganze Haus und hielt die Uhren an. Ein ergreifender Moment für alle Anwesenden, so wurde es mir geschildert. Nach einer großen Liebe endete plötzlich die Zeit und meine Großmutter hörte erstmal auf zu sein, auch wenn sie alles, was nun zu erledigen war, pflichtgemäß mit ihren Söhnen hinter sich brachte.
Dieser wie ohnmächtige Zustand änderte sich schlagartig, als meine Omie die Briefe meines Großvaters an seine Geliebte fand, die seine langjährige Sekretärin im Amt war. Damit brach eine heile Welt der Liebe für sie zusammen, die über 50 Jahre gehalten hatte und an die sie immer geglaubt hatte, was ihr andererseits half, aus der Welt der Trauer wieder herauszufinden und wäre nicht eine zunehmende Demenz hinzugekommen, vielleicht hätte sie noch bis in ihre neunziger nun fröhlich gelebt, so wurde sie leider es erst etwas depressiv und dann manchmal verwirrt.
Um so stärker ihr Gedächtnis nachließ, desto liebevoller sprach sie wieder von ihrem Mann und ihrer wunderbaren Ehe, der großen Liebe, die für sie offensichtlich unsterblich war, auch wenn die Realität diesen Traum etwas beeinträchtigte. Es hat mich dieser Fund nicht weiter verwundert, im Gegensatz zu meiner Großmutter, noch empört. Erstaunt hat mich die Blödheit meines Großvaters, der die Briefe vergessen haben muss und besser vorher entsorgt hätte, um seiner fraglos großen Liebe, diesen Kummer zu ersparen. So etwas sollte einem erfahrenen Casanova nie passieren, denn wer die Frauen liebt, will auch, dass es ihnen gut geht, egal was er real nun tat.
Seine große Liebe zur Großmutter stellt diese kleine Affäre, und es ist bisher die einzig bekannt gewordene, für mich nicht infrage. Vielleicht offenbart es eher Kontinuitäten, so war mein Großvater, obwohl klein von Wuchs, als großer Casanova bekannt, bis er bei Bülows seine große Liebe kennenlernte und gegen den Rat seiner Familie heiratete, um mit ihr glücklich zu sein. Und die beiden waren immer ein glückliches Paar, auch wenn es schwere Zeiten wohl gab, in denen sie nichts hatten und der Großvater dennoch lieber Antiquitäten kaufte, statt Hosen für seine Jungens. Sie verschwanden auch mit über 80 noch glücklich glucksend im Schlafzimmer, küssten sich zärtlich und waren ganz Kavalier und Dame, so lange sie irgend konnten.
Ein Mann, der wie mein Großvater, die Frauen liebte, im Paris der 20er das wilde Leben kennenlernte und manche Legende dort traf, mag zwar seine große Liebe finden und mit ihr glücklich den Traum von Familie leben, sein Schwanz wird ihn dennoch weiter gejuckt haben, wenn eine Frau ihn neugierig machte. Es mag Männer geben, die ehrlich treu sind, wie es auch Frauen geben soll, die es aus Überzeugung sind, dahingestellt, ob diese jemals erfahren haben, wie schön das Leben sein kann, so wie es in der Natur ja alle seltsamen Dinge und Mutationen gibt und mich kaum noch was wundern kann. Für ganz normal halte ich diese, der herrschenden Moral entsprechende Sicht auf Liebe und Lust aber nicht und ich könnte solches auch nicht, ohne rot zu werden, für mich beanspruchen, im Gegenteil, warum ich es lieber lasse.
Dennoch bleibt der Gedanke an die unsterbliche Liebe in mir wach, auch wenn ich dann schon ziemlich viel Unsterblichkeit mit mir herumschleppte, da ich mich fast immer in eine Frau verliebte, wenn wir uns einander hingaben, die wenigen Ausnahmen glatt vernachlässigt werden können, finde ich die Vorstellung irgendwie schön. So fragte ich Mitte der neunziger in einem Liebesgedicht voller Herzschmerz an die just Verflossene und die neu angeschwärmte, die es noch nicht war und nie wurde, ob noch alle Lieben in mir lebten und erst ihre Summe mir Quelle des Glücks wäre, was ich nun, zwanzig Jahre später, so nicht widerlegen kann. Immer wieder habe ich mich endlos verliebt, gab mein ganzes Leben gern der Liebe hin und starb für sie zumindest in Gedanken, real bin ich ja immer noch da, auch wenn unklar ist, wem das zum Vorteil gereicht und was es offenbart.
Ginge es in der Liebe um Quantität, wäre ich schon näher am Glück, als ich es mit 17 war. Zählte allein Qualität, werde ich nie Caro vergessen, in die ich mit 14 unsterblich verliebt war und mich dann doch für ihre Freundin entschied, weil die Aussicht mit dieser zu schlafen größer schien, wollte ich es ganz nüchtern männlich beschreiben, was mir als Liebenden natürlich völlig fern liegt. Doch als ich sie mit 19 wiedersah - sie war damals wohl 18, verliebte ich mich wieder und betete sie in langen Briefen an, in denen ich auch liebend zu gerne Novalis zitierte, den sie nicht kannte und warum sie es für meine Verse hielt, was mir noch weniger verständlich macht, warum sie mich dann nicht sofort heiratete. Nun, es wurde nichts, sie blieb bei ihrem Freund und ich weiß nicht, was je aus ihr wurde. Angeblich soll sie in Hamburg studiert haben, aber ich habe jede Spur verloren und auch kein Interesse gehabt, weiter nachzuforschen, um nicht enttäuscht zu werden und so bleibt die Frau, die ich am meisten liebte, zumindest theoretisch, auf ewig unberührt von mir, was allem einen sehr romantischen Anklang doch gibt und wie es zu gut zur Liebe passt.
Vermutlich hielte ich heute eine, die nicht mal Novalis kennt, für eine langweilige Schnecke und wer weiß, was aus dieser Jugendliebe überhaupt wurde, ob sie schon die Kinder im Reihenhaus mit Mann hütet oder sonst normale Wege ging, wenn sie nicht heimlich voller Sehnsucht noch von mir träumt, der unerfüllten Liebe, die nur darum uns so schön erscheint, weil wir sie nie haben werden.
Vermute mit der Unsterblichkeit der Liebe ist es ähnlich. Das Gerücht rührt daher, dass wir Probleme mit dem Abschiednehmen immer haben und dann lieber sagen, die Liebe lebt fort, als zu sagen nun ist der andere tot und es ist aus mit Liebe und sonst was. Die Illusion, die überhaupt große Bedeutung in der Liebe hat, spielt bei der unsterblichen Liebe eine noch größere.
Nichts bleibt, wenn wir tot sind, von dem, was uns als Wesen ausmachte. Als solche sind wir tot, kehren nie wieder, empfinden nichts, müssen nur noch als Restsache irgendwie entsorgt werden. Um das möglichst kompliziert zu machen und einzelnen Ständen ihr Auskommen auch künftig zu garantieren, haben wir dafür idiotische Rituale geschaffen, die uns längst zur wertvoll rührenden Gewohnheit wurden und so lieben wir auch die Friedhöfe der Dichter und jene Orte der Stille, in denen manche sich phantasievoll vom Geist vergangener Zeiten angeweht fühlen.
Viele Frauen mögen diesen leicht gruseligen Hokuspokus, wie überhaupt Magie den Schoss der Weiber leichter öffnet als Vernunft und Erfahrung, warum ich mich früher auch viel mit diesem Unsinn immer wieder zielführend abgab, allerdings mich nicht dauerhaft selbst belügen konnte. Ob es nun das Lesen in Sternen, Händen oder Karten war, geheimes Wissen, seherische Träume, Kontakt zu Geistern und sonstiger Unsinn, nichts war mir zu dumm, sich einer Angebeteten zu nähern oder Neugier zu wecken früher. Heute belächle ich diesen mir so wesensfremden Eifer nur noch und denke, wer nicht ganz real Lust hat, lohnt den Aufwand mit Magie nie und Lügen war nie meine Stärke.
Warum sich Frauen so gerne vom Unsinn verführen lassen und was dieser mit Sex zu tun hat, habe ich lange überlegt. Dass es eine Verbindung gibt, ist offensichtlich und zeigt sich an ganz vielen Punkten. Während der kurzen heißen Liebe mit dem einen Modell von Chanel und dem folgenden späteren sehr heißen Sommer mit ihr und zwei ihrer Freundinnen Anfang der neunziger, habe ich auf Wunsch der Damen häufig aus diesem Fundus geschöpft, las in ihren Händen oder legte die Karten und fand diesen Unsinn immer grässlicher. In der Glitzerwelt zumindest, in der diese jungen Frauen lebten, die zwar etwas älter als ich damals waren, war solcher Zauber sehr beliebt und ich hätte in Paris eine wunderbare Karriere als gutbezahlter Wahrsager und Scharlatan machen können, die Damen waren schon dabei das zu organisieren und mein miserables französisch, wäre dabei vermutlich sogar eine Hilfe gewesen und für die Vernunft war ich ja damal noch im GO zur inneren Rechtfertigung.
Dachte an Casanova, der auch mit manchem Hokuspokus und Betrug viel Geld verdiente, große Schulden machte, bis er irgendwann immer wieder fliehen musste, sogar aus den Bleikammern und das hatte ich nicht vor. Mochte diese Scheinwelt nicht wirklich, auch wenn ich Karl Lagerfeld im Gespräch über Montaigne sehr gebildet und angenehm in Erinnerung habe. Wollte kein Wahrsager sein und kein Geisterseher, wie Swedenborg, den Theosophen, der von mir verehrte Imanuel Kant auch als Mystiker verspottete für seine Vorhersage des Brandes von Stockholm aus der Ferne etwa und der viele Jünger um sich scharte zum Spott des klaren Königsbergers. Wollte ich vom Betrug leben, hätte ich auch an der Börse oder bei einer Bank Karriere machen können, dache ich damals.
Es gibt keine ernsthaften Wahrsager, die keine Betrüger sind, ob sie nun aus Sternen, Händen oder Karten zu lesen meinen. Stets ist ihr Metier Betrug und Täuschung, wie in der heute üblichen Magie auf großer Bühne, warum auch viele Magier gern in diesen Modekreisen verkehren und von den Damen verehrt werden. Wo beide Seiten von Schein und Lüge leben, gesellt es sich wohl gern, denkt der Spötter, der dem gerade noch entkam und manchmal noch dem Wunsch der Damen widerstehen muss, doch mal einen Blick in ihre Hand zu werfen. So leicht ist es mit der Magie auch erotisch zu verzaubern, dass es fast auf der Hand zu liegen scheint, sich daran zu beteiligen. Beginnen die Damen bei einem Fest von ihren Sternzeichen zu fabulieren, wollen sie Sex und suchen nur einen Umweg dahin, doch wenn du das nüchtern feststellst, verbaust du dir diesen Weg meist. Allerdings brauchte es einige Reife, um festzustellen, dass die, welche auf Magie auch im Bett vetrauen, es real selten wirklich lohnen und ich darum konsequent vernünftig blieb, was manche mit dem magischen Moment der Liebe in meinen Versen nicht vereinbaren können.
Die Liebe und der Sex, wenn er gut ist, haben Magie - aber genau das ist der entscheidende Punkt, sie haben es, ihrer Natur nach und brauchen keinen billigen Hokuspokus, der den Verstand beleidigt um simple Begattungsrituale zu vollziehen. So sind, was magisch in Erinnerung bleibt, jene Momente, die Goethe meinte, als er schrieb, oh Augenblick verweile doch, du bist so schön, genau der zeitlose Zauber von Lust und Liebe, der alles vergessen lässt. Wenn es keine Zeit mehr gibt, weil du im Bruchteil von Sekunden zusammen Kommst, dich genau im Höhepunkt selig voller Liebe noch dazu erspürst, zärtlich umarmt irgendwo sitzt oder liegst auch ohne Sex, dann weißt du, was die Magie der Liebe sein kann, die unsterblich ist. Und wer es nicht kennt, dieses stirb und werde, vom kleinen Tod zur ersehnten Unendlichkeit, wird nie verstehen, wie schön Sein sein kann und ewig kann der andere noch versuchen, dies zu erklären.
In diesem Sinne ist die Liebe unsterblich auch in der Erinnerung und so weiß ich zumindest, dass meine Großeltern auch guten Sex hatten - darum ist egal, was sonst war oder ist, es zählt der Augenblick, der sich von der Zeit löst, eine Ewigkeit im realen Nichts wird, um von der unsterblichn Liebe zu reden, auch wenn wir es, wenn es passiert, oft noch ganz normal finden und nicht der vielen Worte wert, weil die zufällige zeitliche Koinzidenz orgiastischer Gefühle ja auch bei jedem Fußballspiel beobachtet werden kann, was den Kult darum oder den Fankult vieler Jugendlicher auch erklärt, es ist eine Variante von dem, um was es eigentlich geht. Ob besonders viele Menschen, denen dieses Glück fehlt, sich gerade eine Ersatzbefriedigung im Sport oder sonst suchen, kann ich durch keine Statistik belegen und vermute es also nur aufgrund einer gewissen inneren Logik für die auch eine geringe praktische Erfahrung spricht, die aber auch nicht mehr wissenschaftlich wohl wert wäre als ein kommt halt vor.
Die Zeit miteinander so verlieren, heißt beieinander ankommen. Viele scheinen es im Leben nicht kennenzulernen. Die suchen sich eine andere Ersatzbefriedigung, treiben sich auf Single-Portalen mit anderen Frustrierten herum, um sich regelmäßig die Sterblichkeit der Liebe neu zu beweisen. Kenne die unsterblichen Momente schon und weiß inzwischen, da solltest du für immer bleiben, sie sind selten und das höchste Glück, mehr kommt nicht mehr. Alle Quantität verwischt nicht den Traum der Unsterblichkeit, der im gefühlten Nichts des geteilten Todes real wurde und kann also getrost vergessen werden. Es kommt nicht darauf an, wie oft und mit wie vielen du zusammen warst, sondern wie sehr du die Zeit miteinander verloren hast und dich einen Moment unsterblich fühltest, um zufrieden zurückzuschauen und so gesehen, bin ich glücklich, weil ich schon mal Glück hatte, könnte jederzeit zufrieden gehen, weil ich das Gefühl habe, das schönste erlebt zu haben.
jens tuengerthal 20.1.2017
Donnerstag, 19. Januar 2017
Gretasophie 009c
009c Menschlichkeit
Was ist heute noch Menschlichkeit und muss sie menschlich sein?
Die Frage weist schon auf die doppelte Bedeutung des Wortes Menschlichkeit hin. Zum einen meint Menschlichkeit alles, was menschlich ist und also ein Mensch tut. Zum anderen ist es eine Ethik, die mit den Werten des Humanismus ein bestimmtes Verhalten fordert.
Die Humanisten sahen in der Bildung das Mittel vom rohen brutalen Tier zum Menschen zu werden, warum dieses Werk unablässig fortgesetzt werden müsse, der Humanismus immer ein stetes Streben nach mehr Menschlichkeit im ethischen Sinne wäre.
Ist eine solche Ethik, die über die Natur des Menschen hinaus will, um ihm etwa Vorurteile abzugewöhnen noch menschlich oder verlangt sie übermenschliches?
Schauen wir auf die Anhänger von Pegida und AfD ersetzte dort das völkische Ideal das humanistische und sie wollen lieber ihre Nation rein halten, statt die alten Werte der Menschlichkeit, die für jeden Menschen an jedem Ort gelten würden, zu verteidigen, weil sie sich überfordert fühlen. Gleichzeitig beruft sich diese latent rassistische Randgruppe in ihrer Angst auf die Rettung des Abendlandes als Ziel.
Das Abendland könnte ein geografischer oder ein kultureller Raum sein, den sie in Konfrontation zum Morgenland sehen. Wenn es nur um zufällige Grenzen ginge, wäre die Infragestellung der Werte der anderen überflüssig und die Angriffe gegen andere Religionen auch. Es geht den Pegiden also um die Verteidigung eines Kulturraums, den sie für abendländisch halten, um damit als quasi Kreuzritter in Konfrontation zur Regierungslinie zu gehen. Warum diese Verfechter des alten Abendlandes, die sich auch gerne auf Karl Martell berufen, den Opa von Karl dem Großen, den wir mit den Franzosen als Urvater gern teilen, wenn diese auch vorher noch die Merowinger hatten, der die Mauren einst unter relativ unklaren Umständen im Südwesten Frankreichs schlug, tatkräftig unterstützt auch von den Friesen, also ein früher Eurocorps, meinen, sie verteidigten europäische Werte während sie diese verneinen und sich für Xenophobie stark machen, ist unklar.
Die Ideale, die sie vertreten, sind weder christlich noch sonst zum europäischen Humanismus passend. Sie werden mehrheitlich von Menschen vertreten, die in einer von Marxismus-Leninismus geprägten Welt fern der christlichen Gedankenwelt aufwuchsen, die in der DDR nur ein oppositionelles Überbleibsel war. Auf welches Abendland sie sich beziehen, bleibt so unklar wie ihr etwas Begriff von Menschlichkeit. Vielleicht ist die soziale Fürsorge für völkische Reinheit was am besten darunter subsumiert werden kann. So zeigen sie sich stets besorgt um deutsche Frauen, die angeblich in Scharen von eingefallenen Muselmanen hier vergewaltigt würden.
Davor schützen zu wollen und sich für die Gleichberechtigung der Frau einzusetzen, die in der islamischen Kultur, die männerdominiert ist, häufig ein Schattendasein fristet, wäre wohl dem Ideal der Menschlichkeit entsprechend. Auch eine gewisse Polarisierung, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, dass diese Form des Aberglaubens mit sich bringt, würde noch nicht den Werten der Menschlichkeit widersprechen. Schwieriger wird das mit der Verbreitung von Lügen und Vorurteilen zur Stützung der eigenen Meinung. Auch die Ausgrenzung und Verdächtigung einer ganzen Gruppe aufgrund der Taten einzelner ist eher unmenschlich und entspricht totalitären Verhaltensmustern.
Was diese Randgruppe vertritt, widerspricht deutlich dem Humanismus der Aufklärung, für den auch die deutsche Klassik in Weimar stand und wofür sie bis heute in aller Welt steht. Der Geist der Aufklärung aber, der den in der Renaissance groß gewordenen Humanismus in ein staatliches Ideal goß, das zu unseren heutigen demokratischen Verfassungen führte, steht für das, was das heutige Abendland ideell ausmacht und also bekämpft, wer sich dagegen wendet, was er zu verteidigen vorgibt, an seinen Wurzeln.
Dieses, vernünftig bedacht, schizophren scheinende Verhalten, ist typisch für polarisierende Randgruppen, die mit Angst arbeiten. Es fragt sich daher auch, ob dies nicht menschlich, gar allzu menschlich in vielem ist und was das für den Umgang mit ihnen und die Bewertung ihrer Menschlichkeit bedeutet.
Gefällt mir überhaupt nicht der Gedanke, den rechstradikalen Pegiden, die sich gern als besorgte Bürger nur geben, Menschlichkeit zuzugestehen, die diese doch, ihrem ausgrenzenden Wesen nach, völlig verneinen. Noch sind sie eine kleine Minderheit, doch die Zustimmung der Frustrierten für eine solche Politik der einfachen Antworten scheint weiter zu wachsen, was noch gefährlicher würde, falls es der Wirtschaft schlechter ginge.
Andererseits werden wir aus der Spirale der Gewalt und des Hasses kaum ausbrechen können, wenn nicht beide Seiten aufeinander zugehen. Die einen Verständnis für die Ängste der besorgten Bürger haben, egal, ob diese nun einen sachlichen Grund haben oder nicht, und die anderen aufhören an Verschwörungen zu glauben und ihre Gegner stets als Gutmenschen und Vaterlandsverräter zu beschimpfen.
Es gibt zwei Gruppen in diesem Land, die sich für ihre jeweiligen Ansichten verachten und sich die Menschlichkeit absprechen. Die einen halten die Gutmenschen für naiv und gefährlich und fürchten ohne sachlichen Grund, um ihr Leben. Die anderen sehen den Terror der Nazi-Zeit in diesen Gruppen wiederauftauchen und fürchten nun ihrerseits den Untergang des Abendlandes, wenn wir uns nicht in multikultureller Nächstenliebe begegnen.
Menschen, die teilweise durch die Hölle gingen, um hier leben zu können, wurden von den einen voller Freude als Bereicherung begrüßt, die unsere Kultur bunter machen wird und von den anderen als Schmarotzer beschimpft, zu deren Gunsten es den Obdachlosen hier weiter schlecht geht.
War diese Behandlung von Flüchtlingen, die nur ihr Recht wahrnehmen unmenschlich oder war es eher unmenschlich gar nicht an die Menschen und ihre Ängste zu denken?
Eine Angst braucht keinen sachlichen Grund, um schmerzvoll wirksam zu sein. Von daher ist der Hinweis auf die Kriminalitätsstatistiken nicht weiterführend. Auch diese Furcht vor den Fremden nur als Rassismus zu geißeln, trägt nicht wirklich zur Aufklärung bei, selbst wenn dies teilweise sicher berechtigt war.
Wer sich angegriffen fühlt, geht in Verteidigungshaltung und in dieser haben sich beide Seiten voller Hass auf der einen und Verachtung, ja Abscheu auf der anderen Seite verbarrikadiert und führen längst einen Krieg um die Deutungshoheit unseres Seins und die einzelnen Salven finden ihr stetes Echo im Blätterwald.
Der Ton wurde lauter und wer gehört werden möchte, muss grob sein, damit er noch eine Schlagzeile bekommt. Wer nur zur Mäßigung aufruft und den Chor der Fanatiker verlässt, verschwindet im Lärm der Schlacht, wird nur noch belächelt, wenn er Glück hat und doch scheint es das einzig vernünftige zu sein.
Wer in einem Konflikt meint, die einzige Wahrheit zu kennen und nur seine Auslegung der Wirklichkeit zulässt, sucht weniger Frieden, als sich durchzusetzen. Alle, die sich durchsetzen wollen, riskieren den Bürgerkrieg, vor dem sie noch warnen. Gewalt gegen Rechte ist so falsch wie deren Gewalt und auch wenn es mir schwer fällt, muss ich versuchen, die Sorgen der Menschen zu verstehen und ihnen das Gefühl geben, dass ich sie ernst nehme, wenn ich wieder in den Dialog treten will und die anderen nicht einfach mit Gewalt unterdrücken oder beseitigen möchte.
Wer die anderen, wie ich es selbst oft genug in meinen Versen und Texten gerade über Pegiden und rechte Sachsen, für unzurechnungsfähig, gefährlich und vor allem unbelehrbar erklärt, wird keinen Diskurs mehr finden können. Wenn diese sich dem Diskurs verweigern und ihrerseits von rechter Propaganda getrieben, Gewalt anwenden, ist es Aufgabe des Staates, diesem Treiben auch mit Gewalt ein Ende zu setzen. Doch ist die Forderung nach einer autoritären Lösung auf der Seite der Pegiden so falsch wie bei den sogenannten Gutmenschen, wenn sie eine Abschiebung des Nazi-Packs fordern.
Einige Politiker verstärkten die Polarisierung noch durch unbedachte Wortwahl, wie etwa Gabriel mit seiner Rede vom Pack, auch wenn es nur zu verständlich ist. Beschämen doch diese Rechten vor allem in Sachsen das ganze Land und beschädigen unseren Ruf in der Welt, versprühen so viel Hass, dass ruhig zu bleiben, extrem schwer fällt.
Doch bevor jetzt Argumente im einzelnen ausgetauscht und zum hundertsten mal aufgewärmt werden, will ich lieber überlegen, was es braucht und wie allein ein Weg aus dieser Misere am Rande der Unmenschlichkeit gefunden werden kann, in der immer wieder Menschen auch öffentlich im Internet ihre Würde abgesprochen wurde oder der Tod gewünscht wurde, was immer eine strafbare Handlung ist und Konsequenzen haben sollte. Wüste Drohungen und Verwünschungen habe ich von beiden Seiten gelesen und möchte nun nicht über deren Gründe nachdenken, da es nie einen dafür geben kann und die Beschäftigung mit Hass nur hässlich macht.
Es braucht Aufklärung über das, was unser Grundgesetz ist und ausmacht. Warum die Menschenwürde in Artikel 1 besonders geschützt ist und darum, wer die historische Schuld und Verantwortung der Deutschen als Täter relativiert, den Konsens auf dem unsere Verfassung steht, relativiert. Es ist nicht eine Meinung, nichts mehr vom Holocaust hören zu wollen oder diesen gegen die Bombardierung Dresdens zu relativieren, sondern es ist in diesem Staat aus guten Gründen eine Straftat und stellt den ethischen und sittlichen Konsens der Verfassung in Frage.
Ob es uns weiterbringt die Brandstifter, die diese Relativierung öffentlich betreiben, strafrechtlich zu verfolgen und zu bestrafen und ob damit der Menschlichkeit gedient ist, bleibt eine andere Frage.
Wer das scharfe Geschütz des Strafrechts gegen den politischen Gegner in Stellung bringt, hat auch längst die Basis des Diskurs verlassen und trägt damit seinen Teil zur Polarisierung mit bei. Wie weise entschied doch das Bundesverfassungsgericht anhand von Tatsachen statt von Schlagzeilen, die NPD nicht zu verbieten, weil sie zu unbedeutend ist, auch wenn sie verfassungsfeindlich ist und ihre Ansichten den Wertekonsens des Grundgesetzes gefährden könnten. Sie sind der Beachtung so wenig wert, wie die Säue, die von irgendwelchen AfD Funktionären alle paar Monate durchs Dorf getrieben werden, um wieder mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, auszusprechen, was manche insgeheim schon dachten, sich aber nie zu sagen trauten, weil es eben mit dem verfassungsrechtlichen Konsens bricht.
Es ist typisch für den Populismus, sich auf diese Weise Zustimmung zu erkaufen und es bestätigt ihn, wenn ihm nur der Mund verboten wird. Eine gesunde Demokratie und eine offene Gesellschaft, muss auch abwegige Meinungen aushalten können. Es muss auch nicht gegen alle Linken vorgegangen werden, die irgendwann brüllten, haut die Glatzen, bis sie platzen, auch wenn es auf dem gleichen Niveau ist oder Molotow-Cocktails gegen “Bullenschweine” warfen, auch wenn diese Straftat, wie ein Brandanschlag auf eine Notunterkunft zu verfolgen ist, zumindest, wenn sie Folgen hatte.
Der Rechtsstaat braucht Zeit und keinen Aktionismus, keine heißen, sich überbietenden Schlagzeilen bei Google-News, die dann viele Klicks und also Geld generieren. Die Basis der demokratischen Gesellschaft muss der Diskurs der gesellschaftlichen Kräfte sein, auch wenn die repräsentative Demokratie nur Vertreter schickt, die im Parlament darüber streiten sollen und es muss da keineswegs immer Konsens geben. Wo es an einer Einigung fehlt, entscheidet eben die Mehrheit, wie sie die Dinge angeht und setzt sich damit durch, diese Macht hat das Parlament und die von ihm getragene Regierung als Leitung der Exekutive.
So funktioniert die Demokratie und es kann dann eine Minderheit in Sachsen auch dreimal die Woche spazieren gehen, um dagegen zu demonstrieren, es ändert nichts an den Mehrheiten im politischen Alltag, die auf eine Wahl zurückgehen, bei der die Mehrheit keine Populisten wählte.
Lösung dieser Konflikte kann nur sein, die Menschen selbst zum kritischen Nachdenken über ihre teilweise fanatischen und absurden Positionen zu bringen. Dies ist das Prinzip der Aufklärung, wie Kant es formulierte als Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, dabei ist Unmündigkeit, die Unfähigkeit sich seines Verstandes kritisch zu bediene, die nur insofern selbstverschuldet ist, als die Betreffenden denken können.
Demokratie und Rechtsstaat des Grundgesetzes setzen diese Mündigkeit voraus und erklären jeden Bürger für mündig und fähig den politischen Alltag mitzubestimmen. Dies muss nicht durch eine Prüfung der Mündigkeit belegt werden, sondern wird jedem von uns als Vertrauensvorschuss geschenkt und ab dem 18. Lebensjahr sind wir aktiv und passiv wahlberechtigt für nahezu alle Ämter. Nur der Bundespräsident erfordert ein gewisses Alter noch, was mit dem überkommenen Bild von Repräsentation zusammenhängt und dem etwas altertümlichen Verständnis von der Würde des Amtes. Ob dies verfassungsrechtlich Bestand hätte, prüfte es jemand ernsthaft, scheint mehr als fraglich.
Der Staat setzt also Vertrauen in seine Bürger voraus, die ihn mitbestimmen dürfen, ihre Grundrechte ganz natürlich durch Geburt haben und ihre Bürgerrechte ab einem bestimmten Alter wahrnehmen können. Daraus resultieren die Pflichten der Bürger, sich entsprechend zu verhalten, wie es der Staat in seinen Normen bestimmt und dieser darf darum auch in die Rechte der Bürger eingreifen, wenn diese sich nicht ordnungsgemäß verhalten, etwa zum Rassenhass aufrufen oder Gewalt gegen andere predigen.
Der Vetragsgedanke dabei,der noch von Rousseau stammt, jenem psychisch etwas zweifelhaften Philosophen, den nur seine zufällige Auswahl in Zeiten der Revolution so berühmt machte, weil seine Ideen eben gut zu den totalitären Vorstellungen eines Robespierre passten, scheint etwas theoretisch, weil wir in diese Welt hineingeboren werden und mit ihr klarkommen müssen. Dennoch ist es auch ein wichtiger Teil des Menschenbildes, das dem Grundgesetz zu Grunde liegt und das vom Humanismus der Aufklärung geprägt ist, die Freiheit des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt.
Menschlichkeit als Prinzip liegt auch unserer Verfassung zugrunde, ohne dass es sich in einer Norm des Grundgesetzes dabei ausdrücklich findet. Steht so nicht drin, weil, was die Menschlichkeit und den Humanismus ausmacht, nur indirekt normierbar ist. Dafür zeugen die wichtigsten Artikel direkt von diesem Geist, wie Würde, Freiheit und Unverletzlichkeit des Menschen, dessen Glaube und Meinung frei geschützt sind.
Dabei ist das Wort Humanismus von vielen gebraucht und missbraucht worden. So berief sich etwa Erich Mielke, der ehemalige DDR-Armeegeneral und Minister für Staatssicherheit auf den Humanismus, der auch die gnadenlose Tötung von politischen Gegnern, so dies nötig sein sollte, immer rechtfertigte für ihn. Dieser Täter wurde nach der Wende wegen Mordes an zwei Polizisten im Jahr 1931, als er schon ein Brandstifter war, zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und starb 2000 in Freiheit, weil er für seine mörderische Meinung nicht eingesperrt werden konnte.
Auch die Nationalsozialisten nannten ihre Vernichtung behinderten Lebens Euthanasie, was schöner Tod heißt und damit bereits das dortige Verständnis von Humanismus zugunsten der eigenen Rasse, dem Phantasieprodukt der Hitler-Jünger, meinte. Die nicht nur zufällige Ähnlichkeit aller totalitären Regime, was sich auch in der Organisationsstruktur von FDJ und HJ zeigte, belegt auch die relative Nähe der Menschenbilder, auch wenn sie sich für gegensätzliche Extreme halten, die links und rechtsaußen ständen. Doch sind die Meinungen eben nicht einfach linear sondern eher zyklisch und so trifft sich, was zu weit nach außen geht, im jeweiligen Extrem wieder und ähnelt sich von der Art her.
Die Menschlichkeit wurde jedoch tatbestandlich bei den Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nach den Nürnberger Prozessen und der Aufarbeitung des von Deutschland begangenen Unrechts, Bestandteil des geschriebenen Völkerrechts wurden und heute immer wieder Grund zur Anklage bieten. Etwa auch gegen Milosevic den ehemaligen Jugoslawischen Staatschefs nach den Kämpfen der Teilstaaten um ihre Unabhängigkeit. Das erste mal wurde ein solches Verbrechen als Tat der jungtürkischen Regierung in einer Protestnote angeklagt, die den Völkermord an den Armeniern im untergehenden Osmanischen Reich rügte und seine Ahndung nach Kriegsende versprach. Dazu kam es nicht und die Türken schämen sich immer noch nicht, diesen Völkermord weiter zu leugnen und sich damit der Welt als lächerliche Feiglinge zu offenbaren, die nie gelernt haben auch Verantwortung für ihre verklärte Geschichte zu übernehmen.
Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit kann jeder staatliche Akt sein, der aufgrund rassistischer, religiöser oder politischer Motive eine Gruppe in ihren geschützten Menschenrechten verletzt. Ob die Leugnung solcher Verbrechen schon ein solches ist, da es der Relativierung Vorschub leistet und damit zu weiteren Taten anstiftet, die gerade geahnndet werden sollen, ist nicht ganz klar. Ansonsten könnten Erdogan wie Höcke international vor dem Strafgerichtshof dafür belangt werden, was diplomatisch interessante Folgen haben könnte, falls jemand diese Tat während eines Staatsbesuches nach § 7 VStGB, des Völkerstrafgesetzbuches anzeigte, da Mord nie verjährt und Anstiftung und Relativierung sich von der Tat her sehr nah sind.
Cicero verstand unter dem Begriff Humanismus noch eine umfassende Bildung, warum sich in Bezug auf ihn auch der Renaissance-Humanismus mit seinen humanistischen Studien entwickelte. Der große Humanismus der Renaissance als Wiedererweckung der klassischen Bildung wurde von Petrarca einst begründet und breitete sich in ganz Europa aus. So traten die Humanisten für eine umfassende Bildungsreform ein, von der sie sich eine Verbesserung des Menschen versprachen infolge der Verbindung von Wissen und Tugend. Dabei war ihnen ein möglichst vollkommener Ausdruck sehr wichtig, warum die Sprachwissenschaften immer im Zentrum der humanistischen Bildung standen.
Von der vorangehenden Zeit, dem dunklen Mittelalter, grenzten sich die Humanisten bewusst ab, auch indem sie dieses so nannten und sich lieber auf die reine Antike bezogen und deren Wiedergeburt feierten. Dies taten sie am liebsten mit Originaltexten, die sie in Klosterbibliotheken oder anderen Orten aufzustöbern suchten. So wurde auch das Werk des Lukrez zur Zeit des Konzils von Konstanz vom Sekretär des abgesetzten römischen Papstes, damals blieb von drei Päpsten nur der aus Avignon übrig, vermutlich im Kloster Fulda wieder entdeckt und veränderte das Denken der Zeit ganz maßgeblich, weil es das erste konsequent atheistische Buch war, was wieder bekannt wurde und was die für notwendig gehaltene Existenz höherer Wesen oder einer Seele logisch widerlegte.
Plötzlich stand der Mensch und seine Lust im Mittelpunkt, die jahrelang von der Kirche verteufelt wurde, die selbiges bis heute tut und das veränderte die Malerei, die plötzlich realistische Natur Abbildungen suchte, statt symbolischer Heiligenbilder und Menschen malte, sich auf Gesichter und Köpfe konzentrierte, die neu dargestellt wurden. Daraus wuchs eine Bewegung, die auf dem ganzen Kontinent weiter nachdachte und ihre Betrachtung der Welt veränderte. Ein Dürer malte Menschen so menschlich plötzlich, auch Kaiser wie Karl V, dass diese wiedererkannt wurden und spielte wie ein Leonardo da Vinci mit dem Ausdruck der Temperamente im Gesicht des Menschen. Ein Michel de Montaigne, beobachtete sich und schrieb darüber unter der immer wieder Bezugnahme auf die Klassiker, war er doch lateinisch und griechisch alphabetisiert worden und sprach es fließend, las es wie seine Muttersprache, besser vermutlich sogar. Er hatte von seinem Vater eine typisch humanistische Erziehung genossen, die in vielem sehr frei war, ihn sogar die ersten Monate in einer bäuerlichen Familie aufwachsen ließ und doch im Verlauf alle wichtigen Dinge enthielt, welche die Bildung eines Adeligen dieser Zeit umfasste, der es später zum königlichen Berater immer wieder und zum Bürgermeister von Bordeaux für eine Zeit, bis er genug davon hatte, brachte.
Interessant ist, wie Cicero noch den Menschen streng vom Tier durch die Sprache unterscheidet, während Montaigne diese Unterscheidung in seiner Apologie für Raimond Sebond, einen eher unbedeutenden theologischen Schriftsteller, durch verschiedenste Beispiele immer weiter aufhebt, um zu fragen, was den Menschen eigentlich ausmacht, wenn schon die Unterscheidung so schwer ist und lieber fragt, als alles besser weiß.
Einig waren sich die frühen und die späten Humanisten jedoch, dass es entscheidend auf die sprachliche Ausdrucksfähigkeit ankommt und diese den guten Humanisten auszeichnet, ihn vom Tier unterscheidet, zumindest Ausdruck seines steten Strebens nach Verbesserung seiner selbst ist. Infolge verurteilten die Humanisten das Latein des Mittelalters, das sich weit vom für sie reinen Latein etwa eines Cicero oder eines Lukrez, dessen Verse von unübertroffener Schönheit waren, entfernt hatte. So korrespondierten und sprachen die Humanisten in reinem Latein, das für sie die Weltsprache des Humanismus war und dementsprechend auch Montaigne nach der Zeit auf dem Bauernhof so aufwuchs, auch wenn sein Vater nur wenig Latein konnte und seine Mutter nahezu überhaupt nicht. Da sprach der Junge eben hauptsächlich mit seinem humanistischen Lehrer.
Die Humanisten hier in den Spuren von Epikur und Lukrez, meinten auch, Bildung müsse allen Menschen offenstehen, warum sie auch Frauen an ihren Runden beteiligten und sich immer wieder gebildete Mäzeninnen suchten. In der Philosophie dominierte nun die Ethik und Begriffe wie Individualismus und Autonomie des Subjekts wurden ganz zentral für ihr Denken, daraus entstand der Freiheitsbegriff, der einige hundert Jahre später zur Aufklärung führte, die in der französischen Revolution, dem aufgeklärten Menschenbild und der Erklärung der Menschenrechte zuerst durch die USA gipfelte.
Mit ihrem Menschenbild, dass die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt, unterschieden sich die Humanisten ganz klar vom Mittelalter, in dem es noch um die Verworfenheit des Sünders ging, der dem Untergang der Welt entgegen sah und auf höhere Erlösung hoffte. Dennoch gab es nach dem Aufbruch zur Renaissance, die in vielem auch mit dem neuen Denken nach der Wiederentdeckung des Lukrez zusammenhing, auch einige bedeutende Päpste und kirchennahe Denker, wie Erasmus von Rotterdam, die dem neuen freien Geist huldigten, der das Denken unabhängig und zum Zweck an sich machte.
Anders die Reformation, die in Deutschland leider in weiten Teilen mehr prägte als die Renaissance und nur eine neue Verankerung im mittelalterlichen Glauben mit einer nur teilweisen Emanzipation nach dem Gusto des Antisemiten Luther bedeutete. Es zeigt sich dies auch heute noch im reformatorischen Kernland Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, das vom aufgeklärt freiheitlichen Denken vielfach weiter weg ist, als es in den freien Städten Italiens schon im 15. Jahrhundert üblich war. So gesehen brach die Reformation zwar mit der Kirche, befreite die Gläubigen ein wenig, übersetzte die Bibel, um es verständlich zu machen, aber ließ doch im Kern die Menschen im mittelalterlichen Aberglauben gefangen zurück, an den der Sozialismus nahtlos anschloss.
So hat die Christianisierungsrate Ostdeutschlands wenig zu sagen, soweit es um die lange noch Verhaftung dieser Geister im Mittelalter geht, dass sein Sein nur über erfundene höhere Wesen definierte und zur Verteidigung des Abendlandes gen Morgenland zu gerne aufbrach. Vielmehr macht der Geist Luthers, wie er sich in manchem noch zeigt dort wieder gute Schule in gewohnt mittelalterlicher Intoleranz, mit der sich nur ein trotziger Mönch zum Reformator aufschwang und so sind auch die ungetauften Sachsen bei Pegida vemutlich lutherischer als viele, die sich heute evangelisch noch nennen und sich auf so große Vorbilder wie Bonhoeffer lieber berufen als auf den intoleranten Reformator und Jubilar. Außerdem wirkte bei der Gründung der neuen evangelischen Kirche auch der großartige Humanist und Förderer Luthers Philipp Melanchton, der als Lehrmeister Deutschlands auch gilt und damit das typisch deutsche Verhältnis zum Humanismus treffend beschreibt.
Wie schon bei Cicero galt auch den Renaissance Humanisten die Geschichte als Lehrmeisterin und die Idealisierung historischer Figuren diente dem Lernen am Vorbild. Dabei ging es primär auch um Ethik und ihr Verständnis, was den historischen Blick der Humanisten manchmal trübte. Andererseits brachte die Renaissance erstmals bedeutende geschichtstheoretische Werke hervor, was das ganze nur zum Himmel schauende Mittelalter als finstere Epoche nicht schaffte, da einzig im Aberglauben noch selig verhaftet.
Wann die Renaissance und damit der erste Höhepunkt des Humanismus endete, ist unklar. In Italien wird dies etwa für die Mitte des 16. Jahrhunderts angenommen, als sie keine neuen geistigen Impulse mehr setze und der humanistische Gedanke erst mit der Aufklärung dort wieder auftauchte. Manche halten auch schon den sacco di Roma, den Überfall der marodierenden Söldner Karls V. auf die Heilige Stadt für den Wendepunkt, nach dem Stagnation dort eintrat. Die Medici hatten den Humanismus immer wieder befördert und auch nach Europa getragen, doch das Wirken des mönchischen Fanatikers Savonarola unterbrach die wunderbare Blüte in Florenz für einige Jahre im Sinne des mittelalterlichen Aberglaubens.
Jedenfalls wirkte der Geist der italienischen Renaissance in ganz Europa weiter, brachte viele große Geister hervor wie den englischen Humanisten und Lordkanzler Thomas Morus und erstand in der Weimarer Klassik und ihrer Verklärung des antiken Ideals wieder auf. Goethes Worte vom Wahren, Schönen, Guten, klingen darin nach. So ist Weimar eine Insel der Aufklärung zur Zeit Schillers und Goethes vor allem auch Herders gewesen, die sich dem humanistischen Geist verpflichtet fühlte.
Ganz im Gegensatz dazu grenzten sich die Nationalsozialisten klar vom Humanistengeschwafel ab, dem sie ihre von Nietzsche geprägten Ideale der Herrenrasse entgegensetzten, die eine Art menschlicher Aristokratie bilden sollte, damit die Guten die Welt beherrschten. Als Reaktion auch auf diese Ideologie und deren industrielle Vernichtung von Menschen in den Konzentrationslagern kam es 1948 zur Erklärung der Menschenrechte. Mit diesen verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten die Einhaltung der Menschenrechte auf ihrem Staatsgebiet zu garantieren. Dazu gehören Freiheitsrechte, Würde, körperliche Unversehrtheit und Religionsfreiheit. Auch das Recht auf Asyl im Falle politischer oder sonstiger Verfolgung gehört dazu.
Der dem NS-Vokabular entstammende Begriff Gutmensch, den die Pegiden gerne nutzen, die selbst viele Menschenrechte für andere leugnen aber dies für den Ausdruck ihrer Meinungsfreiheit halten, ist sehr passend bis heute für alle Humanisten eigentlich. So gesehen bin ich gerne ein Gutmensch, auch wenn mir jegliche multikulturelle Naivität fremd ist und ich es für wichtiger halte im Sinne der Aufklärung zu wirken, statt die dummen Sachsen zu besiegen. Wer dort siegen will, könnte Teile des Bundeslandes nur an Polen oder Ungarn abtreten, wo sich viele ihrer Gesinnung gemäß auch wohler fühlten, was aber derzeit nicht ernsthaft zur Debatte steht. Als Humanist bin ich für mehr Bildung, die auch denen im Tal der Ahnungslosen den Horizont öffnen könnte. Wird Zeit brauchen und viel Nerven vermutlich kosten, ist aber der einzige Weg, der dem humanistischen Menschenbild des Grundgesetzes entspricht, als Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, der einzigen Perspektive eines künftigen Humanismus für alle Menschen, wagen wir zu denken.
jens tuengerthal 19.1.2017
Was ist heute noch Menschlichkeit und muss sie menschlich sein?
Die Frage weist schon auf die doppelte Bedeutung des Wortes Menschlichkeit hin. Zum einen meint Menschlichkeit alles, was menschlich ist und also ein Mensch tut. Zum anderen ist es eine Ethik, die mit den Werten des Humanismus ein bestimmtes Verhalten fordert.
Die Humanisten sahen in der Bildung das Mittel vom rohen brutalen Tier zum Menschen zu werden, warum dieses Werk unablässig fortgesetzt werden müsse, der Humanismus immer ein stetes Streben nach mehr Menschlichkeit im ethischen Sinne wäre.
Ist eine solche Ethik, die über die Natur des Menschen hinaus will, um ihm etwa Vorurteile abzugewöhnen noch menschlich oder verlangt sie übermenschliches?
Schauen wir auf die Anhänger von Pegida und AfD ersetzte dort das völkische Ideal das humanistische und sie wollen lieber ihre Nation rein halten, statt die alten Werte der Menschlichkeit, die für jeden Menschen an jedem Ort gelten würden, zu verteidigen, weil sie sich überfordert fühlen. Gleichzeitig beruft sich diese latent rassistische Randgruppe in ihrer Angst auf die Rettung des Abendlandes als Ziel.
Das Abendland könnte ein geografischer oder ein kultureller Raum sein, den sie in Konfrontation zum Morgenland sehen. Wenn es nur um zufällige Grenzen ginge, wäre die Infragestellung der Werte der anderen überflüssig und die Angriffe gegen andere Religionen auch. Es geht den Pegiden also um die Verteidigung eines Kulturraums, den sie für abendländisch halten, um damit als quasi Kreuzritter in Konfrontation zur Regierungslinie zu gehen. Warum diese Verfechter des alten Abendlandes, die sich auch gerne auf Karl Martell berufen, den Opa von Karl dem Großen, den wir mit den Franzosen als Urvater gern teilen, wenn diese auch vorher noch die Merowinger hatten, der die Mauren einst unter relativ unklaren Umständen im Südwesten Frankreichs schlug, tatkräftig unterstützt auch von den Friesen, also ein früher Eurocorps, meinen, sie verteidigten europäische Werte während sie diese verneinen und sich für Xenophobie stark machen, ist unklar.
Die Ideale, die sie vertreten, sind weder christlich noch sonst zum europäischen Humanismus passend. Sie werden mehrheitlich von Menschen vertreten, die in einer von Marxismus-Leninismus geprägten Welt fern der christlichen Gedankenwelt aufwuchsen, die in der DDR nur ein oppositionelles Überbleibsel war. Auf welches Abendland sie sich beziehen, bleibt so unklar wie ihr etwas Begriff von Menschlichkeit. Vielleicht ist die soziale Fürsorge für völkische Reinheit was am besten darunter subsumiert werden kann. So zeigen sie sich stets besorgt um deutsche Frauen, die angeblich in Scharen von eingefallenen Muselmanen hier vergewaltigt würden.
Davor schützen zu wollen und sich für die Gleichberechtigung der Frau einzusetzen, die in der islamischen Kultur, die männerdominiert ist, häufig ein Schattendasein fristet, wäre wohl dem Ideal der Menschlichkeit entsprechend. Auch eine gewisse Polarisierung, um auf ein Problem aufmerksam zu machen, dass diese Form des Aberglaubens mit sich bringt, würde noch nicht den Werten der Menschlichkeit widersprechen. Schwieriger wird das mit der Verbreitung von Lügen und Vorurteilen zur Stützung der eigenen Meinung. Auch die Ausgrenzung und Verdächtigung einer ganzen Gruppe aufgrund der Taten einzelner ist eher unmenschlich und entspricht totalitären Verhaltensmustern.
Was diese Randgruppe vertritt, widerspricht deutlich dem Humanismus der Aufklärung, für den auch die deutsche Klassik in Weimar stand und wofür sie bis heute in aller Welt steht. Der Geist der Aufklärung aber, der den in der Renaissance groß gewordenen Humanismus in ein staatliches Ideal goß, das zu unseren heutigen demokratischen Verfassungen führte, steht für das, was das heutige Abendland ideell ausmacht und also bekämpft, wer sich dagegen wendet, was er zu verteidigen vorgibt, an seinen Wurzeln.
Dieses, vernünftig bedacht, schizophren scheinende Verhalten, ist typisch für polarisierende Randgruppen, die mit Angst arbeiten. Es fragt sich daher auch, ob dies nicht menschlich, gar allzu menschlich in vielem ist und was das für den Umgang mit ihnen und die Bewertung ihrer Menschlichkeit bedeutet.
Gefällt mir überhaupt nicht der Gedanke, den rechstradikalen Pegiden, die sich gern als besorgte Bürger nur geben, Menschlichkeit zuzugestehen, die diese doch, ihrem ausgrenzenden Wesen nach, völlig verneinen. Noch sind sie eine kleine Minderheit, doch die Zustimmung der Frustrierten für eine solche Politik der einfachen Antworten scheint weiter zu wachsen, was noch gefährlicher würde, falls es der Wirtschaft schlechter ginge.
Andererseits werden wir aus der Spirale der Gewalt und des Hasses kaum ausbrechen können, wenn nicht beide Seiten aufeinander zugehen. Die einen Verständnis für die Ängste der besorgten Bürger haben, egal, ob diese nun einen sachlichen Grund haben oder nicht, und die anderen aufhören an Verschwörungen zu glauben und ihre Gegner stets als Gutmenschen und Vaterlandsverräter zu beschimpfen.
Es gibt zwei Gruppen in diesem Land, die sich für ihre jeweiligen Ansichten verachten und sich die Menschlichkeit absprechen. Die einen halten die Gutmenschen für naiv und gefährlich und fürchten ohne sachlichen Grund, um ihr Leben. Die anderen sehen den Terror der Nazi-Zeit in diesen Gruppen wiederauftauchen und fürchten nun ihrerseits den Untergang des Abendlandes, wenn wir uns nicht in multikultureller Nächstenliebe begegnen.
Menschen, die teilweise durch die Hölle gingen, um hier leben zu können, wurden von den einen voller Freude als Bereicherung begrüßt, die unsere Kultur bunter machen wird und von den anderen als Schmarotzer beschimpft, zu deren Gunsten es den Obdachlosen hier weiter schlecht geht.
War diese Behandlung von Flüchtlingen, die nur ihr Recht wahrnehmen unmenschlich oder war es eher unmenschlich gar nicht an die Menschen und ihre Ängste zu denken?
Eine Angst braucht keinen sachlichen Grund, um schmerzvoll wirksam zu sein. Von daher ist der Hinweis auf die Kriminalitätsstatistiken nicht weiterführend. Auch diese Furcht vor den Fremden nur als Rassismus zu geißeln, trägt nicht wirklich zur Aufklärung bei, selbst wenn dies teilweise sicher berechtigt war.
Wer sich angegriffen fühlt, geht in Verteidigungshaltung und in dieser haben sich beide Seiten voller Hass auf der einen und Verachtung, ja Abscheu auf der anderen Seite verbarrikadiert und führen längst einen Krieg um die Deutungshoheit unseres Seins und die einzelnen Salven finden ihr stetes Echo im Blätterwald.
Der Ton wurde lauter und wer gehört werden möchte, muss grob sein, damit er noch eine Schlagzeile bekommt. Wer nur zur Mäßigung aufruft und den Chor der Fanatiker verlässt, verschwindet im Lärm der Schlacht, wird nur noch belächelt, wenn er Glück hat und doch scheint es das einzig vernünftige zu sein.
Wer in einem Konflikt meint, die einzige Wahrheit zu kennen und nur seine Auslegung der Wirklichkeit zulässt, sucht weniger Frieden, als sich durchzusetzen. Alle, die sich durchsetzen wollen, riskieren den Bürgerkrieg, vor dem sie noch warnen. Gewalt gegen Rechte ist so falsch wie deren Gewalt und auch wenn es mir schwer fällt, muss ich versuchen, die Sorgen der Menschen zu verstehen und ihnen das Gefühl geben, dass ich sie ernst nehme, wenn ich wieder in den Dialog treten will und die anderen nicht einfach mit Gewalt unterdrücken oder beseitigen möchte.
Wer die anderen, wie ich es selbst oft genug in meinen Versen und Texten gerade über Pegiden und rechte Sachsen, für unzurechnungsfähig, gefährlich und vor allem unbelehrbar erklärt, wird keinen Diskurs mehr finden können. Wenn diese sich dem Diskurs verweigern und ihrerseits von rechter Propaganda getrieben, Gewalt anwenden, ist es Aufgabe des Staates, diesem Treiben auch mit Gewalt ein Ende zu setzen. Doch ist die Forderung nach einer autoritären Lösung auf der Seite der Pegiden so falsch wie bei den sogenannten Gutmenschen, wenn sie eine Abschiebung des Nazi-Packs fordern.
Einige Politiker verstärkten die Polarisierung noch durch unbedachte Wortwahl, wie etwa Gabriel mit seiner Rede vom Pack, auch wenn es nur zu verständlich ist. Beschämen doch diese Rechten vor allem in Sachsen das ganze Land und beschädigen unseren Ruf in der Welt, versprühen so viel Hass, dass ruhig zu bleiben, extrem schwer fällt.
Doch bevor jetzt Argumente im einzelnen ausgetauscht und zum hundertsten mal aufgewärmt werden, will ich lieber überlegen, was es braucht und wie allein ein Weg aus dieser Misere am Rande der Unmenschlichkeit gefunden werden kann, in der immer wieder Menschen auch öffentlich im Internet ihre Würde abgesprochen wurde oder der Tod gewünscht wurde, was immer eine strafbare Handlung ist und Konsequenzen haben sollte. Wüste Drohungen und Verwünschungen habe ich von beiden Seiten gelesen und möchte nun nicht über deren Gründe nachdenken, da es nie einen dafür geben kann und die Beschäftigung mit Hass nur hässlich macht.
Es braucht Aufklärung über das, was unser Grundgesetz ist und ausmacht. Warum die Menschenwürde in Artikel 1 besonders geschützt ist und darum, wer die historische Schuld und Verantwortung der Deutschen als Täter relativiert, den Konsens auf dem unsere Verfassung steht, relativiert. Es ist nicht eine Meinung, nichts mehr vom Holocaust hören zu wollen oder diesen gegen die Bombardierung Dresdens zu relativieren, sondern es ist in diesem Staat aus guten Gründen eine Straftat und stellt den ethischen und sittlichen Konsens der Verfassung in Frage.
Ob es uns weiterbringt die Brandstifter, die diese Relativierung öffentlich betreiben, strafrechtlich zu verfolgen und zu bestrafen und ob damit der Menschlichkeit gedient ist, bleibt eine andere Frage.
Wer das scharfe Geschütz des Strafrechts gegen den politischen Gegner in Stellung bringt, hat auch längst die Basis des Diskurs verlassen und trägt damit seinen Teil zur Polarisierung mit bei. Wie weise entschied doch das Bundesverfassungsgericht anhand von Tatsachen statt von Schlagzeilen, die NPD nicht zu verbieten, weil sie zu unbedeutend ist, auch wenn sie verfassungsfeindlich ist und ihre Ansichten den Wertekonsens des Grundgesetzes gefährden könnten. Sie sind der Beachtung so wenig wert, wie die Säue, die von irgendwelchen AfD Funktionären alle paar Monate durchs Dorf getrieben werden, um wieder mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, auszusprechen, was manche insgeheim schon dachten, sich aber nie zu sagen trauten, weil es eben mit dem verfassungsrechtlichen Konsens bricht.
Es ist typisch für den Populismus, sich auf diese Weise Zustimmung zu erkaufen und es bestätigt ihn, wenn ihm nur der Mund verboten wird. Eine gesunde Demokratie und eine offene Gesellschaft, muss auch abwegige Meinungen aushalten können. Es muss auch nicht gegen alle Linken vorgegangen werden, die irgendwann brüllten, haut die Glatzen, bis sie platzen, auch wenn es auf dem gleichen Niveau ist oder Molotow-Cocktails gegen “Bullenschweine” warfen, auch wenn diese Straftat, wie ein Brandanschlag auf eine Notunterkunft zu verfolgen ist, zumindest, wenn sie Folgen hatte.
Der Rechtsstaat braucht Zeit und keinen Aktionismus, keine heißen, sich überbietenden Schlagzeilen bei Google-News, die dann viele Klicks und also Geld generieren. Die Basis der demokratischen Gesellschaft muss der Diskurs der gesellschaftlichen Kräfte sein, auch wenn die repräsentative Demokratie nur Vertreter schickt, die im Parlament darüber streiten sollen und es muss da keineswegs immer Konsens geben. Wo es an einer Einigung fehlt, entscheidet eben die Mehrheit, wie sie die Dinge angeht und setzt sich damit durch, diese Macht hat das Parlament und die von ihm getragene Regierung als Leitung der Exekutive.
So funktioniert die Demokratie und es kann dann eine Minderheit in Sachsen auch dreimal die Woche spazieren gehen, um dagegen zu demonstrieren, es ändert nichts an den Mehrheiten im politischen Alltag, die auf eine Wahl zurückgehen, bei der die Mehrheit keine Populisten wählte.
Lösung dieser Konflikte kann nur sein, die Menschen selbst zum kritischen Nachdenken über ihre teilweise fanatischen und absurden Positionen zu bringen. Dies ist das Prinzip der Aufklärung, wie Kant es formulierte als Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, dabei ist Unmündigkeit, die Unfähigkeit sich seines Verstandes kritisch zu bediene, die nur insofern selbstverschuldet ist, als die Betreffenden denken können.
Demokratie und Rechtsstaat des Grundgesetzes setzen diese Mündigkeit voraus und erklären jeden Bürger für mündig und fähig den politischen Alltag mitzubestimmen. Dies muss nicht durch eine Prüfung der Mündigkeit belegt werden, sondern wird jedem von uns als Vertrauensvorschuss geschenkt und ab dem 18. Lebensjahr sind wir aktiv und passiv wahlberechtigt für nahezu alle Ämter. Nur der Bundespräsident erfordert ein gewisses Alter noch, was mit dem überkommenen Bild von Repräsentation zusammenhängt und dem etwas altertümlichen Verständnis von der Würde des Amtes. Ob dies verfassungsrechtlich Bestand hätte, prüfte es jemand ernsthaft, scheint mehr als fraglich.
Der Staat setzt also Vertrauen in seine Bürger voraus, die ihn mitbestimmen dürfen, ihre Grundrechte ganz natürlich durch Geburt haben und ihre Bürgerrechte ab einem bestimmten Alter wahrnehmen können. Daraus resultieren die Pflichten der Bürger, sich entsprechend zu verhalten, wie es der Staat in seinen Normen bestimmt und dieser darf darum auch in die Rechte der Bürger eingreifen, wenn diese sich nicht ordnungsgemäß verhalten, etwa zum Rassenhass aufrufen oder Gewalt gegen andere predigen.
Der Vetragsgedanke dabei,der noch von Rousseau stammt, jenem psychisch etwas zweifelhaften Philosophen, den nur seine zufällige Auswahl in Zeiten der Revolution so berühmt machte, weil seine Ideen eben gut zu den totalitären Vorstellungen eines Robespierre passten, scheint etwas theoretisch, weil wir in diese Welt hineingeboren werden und mit ihr klarkommen müssen. Dennoch ist es auch ein wichtiger Teil des Menschenbildes, das dem Grundgesetz zu Grunde liegt und das vom Humanismus der Aufklärung geprägt ist, die Freiheit des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt.
Menschlichkeit als Prinzip liegt auch unserer Verfassung zugrunde, ohne dass es sich in einer Norm des Grundgesetzes dabei ausdrücklich findet. Steht so nicht drin, weil, was die Menschlichkeit und den Humanismus ausmacht, nur indirekt normierbar ist. Dafür zeugen die wichtigsten Artikel direkt von diesem Geist, wie Würde, Freiheit und Unverletzlichkeit des Menschen, dessen Glaube und Meinung frei geschützt sind.
Dabei ist das Wort Humanismus von vielen gebraucht und missbraucht worden. So berief sich etwa Erich Mielke, der ehemalige DDR-Armeegeneral und Minister für Staatssicherheit auf den Humanismus, der auch die gnadenlose Tötung von politischen Gegnern, so dies nötig sein sollte, immer rechtfertigte für ihn. Dieser Täter wurde nach der Wende wegen Mordes an zwei Polizisten im Jahr 1931, als er schon ein Brandstifter war, zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und starb 2000 in Freiheit, weil er für seine mörderische Meinung nicht eingesperrt werden konnte.
Auch die Nationalsozialisten nannten ihre Vernichtung behinderten Lebens Euthanasie, was schöner Tod heißt und damit bereits das dortige Verständnis von Humanismus zugunsten der eigenen Rasse, dem Phantasieprodukt der Hitler-Jünger, meinte. Die nicht nur zufällige Ähnlichkeit aller totalitären Regime, was sich auch in der Organisationsstruktur von FDJ und HJ zeigte, belegt auch die relative Nähe der Menschenbilder, auch wenn sie sich für gegensätzliche Extreme halten, die links und rechtsaußen ständen. Doch sind die Meinungen eben nicht einfach linear sondern eher zyklisch und so trifft sich, was zu weit nach außen geht, im jeweiligen Extrem wieder und ähnelt sich von der Art her.
Die Menschlichkeit wurde jedoch tatbestandlich bei den Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nach den Nürnberger Prozessen und der Aufarbeitung des von Deutschland begangenen Unrechts, Bestandteil des geschriebenen Völkerrechts wurden und heute immer wieder Grund zur Anklage bieten. Etwa auch gegen Milosevic den ehemaligen Jugoslawischen Staatschefs nach den Kämpfen der Teilstaaten um ihre Unabhängigkeit. Das erste mal wurde ein solches Verbrechen als Tat der jungtürkischen Regierung in einer Protestnote angeklagt, die den Völkermord an den Armeniern im untergehenden Osmanischen Reich rügte und seine Ahndung nach Kriegsende versprach. Dazu kam es nicht und die Türken schämen sich immer noch nicht, diesen Völkermord weiter zu leugnen und sich damit der Welt als lächerliche Feiglinge zu offenbaren, die nie gelernt haben auch Verantwortung für ihre verklärte Geschichte zu übernehmen.
Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit kann jeder staatliche Akt sein, der aufgrund rassistischer, religiöser oder politischer Motive eine Gruppe in ihren geschützten Menschenrechten verletzt. Ob die Leugnung solcher Verbrechen schon ein solches ist, da es der Relativierung Vorschub leistet und damit zu weiteren Taten anstiftet, die gerade geahnndet werden sollen, ist nicht ganz klar. Ansonsten könnten Erdogan wie Höcke international vor dem Strafgerichtshof dafür belangt werden, was diplomatisch interessante Folgen haben könnte, falls jemand diese Tat während eines Staatsbesuches nach § 7 VStGB, des Völkerstrafgesetzbuches anzeigte, da Mord nie verjährt und Anstiftung und Relativierung sich von der Tat her sehr nah sind.
Cicero verstand unter dem Begriff Humanismus noch eine umfassende Bildung, warum sich in Bezug auf ihn auch der Renaissance-Humanismus mit seinen humanistischen Studien entwickelte. Der große Humanismus der Renaissance als Wiedererweckung der klassischen Bildung wurde von Petrarca einst begründet und breitete sich in ganz Europa aus. So traten die Humanisten für eine umfassende Bildungsreform ein, von der sie sich eine Verbesserung des Menschen versprachen infolge der Verbindung von Wissen und Tugend. Dabei war ihnen ein möglichst vollkommener Ausdruck sehr wichtig, warum die Sprachwissenschaften immer im Zentrum der humanistischen Bildung standen.
Von der vorangehenden Zeit, dem dunklen Mittelalter, grenzten sich die Humanisten bewusst ab, auch indem sie dieses so nannten und sich lieber auf die reine Antike bezogen und deren Wiedergeburt feierten. Dies taten sie am liebsten mit Originaltexten, die sie in Klosterbibliotheken oder anderen Orten aufzustöbern suchten. So wurde auch das Werk des Lukrez zur Zeit des Konzils von Konstanz vom Sekretär des abgesetzten römischen Papstes, damals blieb von drei Päpsten nur der aus Avignon übrig, vermutlich im Kloster Fulda wieder entdeckt und veränderte das Denken der Zeit ganz maßgeblich, weil es das erste konsequent atheistische Buch war, was wieder bekannt wurde und was die für notwendig gehaltene Existenz höherer Wesen oder einer Seele logisch widerlegte.
Plötzlich stand der Mensch und seine Lust im Mittelpunkt, die jahrelang von der Kirche verteufelt wurde, die selbiges bis heute tut und das veränderte die Malerei, die plötzlich realistische Natur Abbildungen suchte, statt symbolischer Heiligenbilder und Menschen malte, sich auf Gesichter und Köpfe konzentrierte, die neu dargestellt wurden. Daraus wuchs eine Bewegung, die auf dem ganzen Kontinent weiter nachdachte und ihre Betrachtung der Welt veränderte. Ein Dürer malte Menschen so menschlich plötzlich, auch Kaiser wie Karl V, dass diese wiedererkannt wurden und spielte wie ein Leonardo da Vinci mit dem Ausdruck der Temperamente im Gesicht des Menschen. Ein Michel de Montaigne, beobachtete sich und schrieb darüber unter der immer wieder Bezugnahme auf die Klassiker, war er doch lateinisch und griechisch alphabetisiert worden und sprach es fließend, las es wie seine Muttersprache, besser vermutlich sogar. Er hatte von seinem Vater eine typisch humanistische Erziehung genossen, die in vielem sehr frei war, ihn sogar die ersten Monate in einer bäuerlichen Familie aufwachsen ließ und doch im Verlauf alle wichtigen Dinge enthielt, welche die Bildung eines Adeligen dieser Zeit umfasste, der es später zum königlichen Berater immer wieder und zum Bürgermeister von Bordeaux für eine Zeit, bis er genug davon hatte, brachte.
Interessant ist, wie Cicero noch den Menschen streng vom Tier durch die Sprache unterscheidet, während Montaigne diese Unterscheidung in seiner Apologie für Raimond Sebond, einen eher unbedeutenden theologischen Schriftsteller, durch verschiedenste Beispiele immer weiter aufhebt, um zu fragen, was den Menschen eigentlich ausmacht, wenn schon die Unterscheidung so schwer ist und lieber fragt, als alles besser weiß.
Einig waren sich die frühen und die späten Humanisten jedoch, dass es entscheidend auf die sprachliche Ausdrucksfähigkeit ankommt und diese den guten Humanisten auszeichnet, ihn vom Tier unterscheidet, zumindest Ausdruck seines steten Strebens nach Verbesserung seiner selbst ist. Infolge verurteilten die Humanisten das Latein des Mittelalters, das sich weit vom für sie reinen Latein etwa eines Cicero oder eines Lukrez, dessen Verse von unübertroffener Schönheit waren, entfernt hatte. So korrespondierten und sprachen die Humanisten in reinem Latein, das für sie die Weltsprache des Humanismus war und dementsprechend auch Montaigne nach der Zeit auf dem Bauernhof so aufwuchs, auch wenn sein Vater nur wenig Latein konnte und seine Mutter nahezu überhaupt nicht. Da sprach der Junge eben hauptsächlich mit seinem humanistischen Lehrer.
Die Humanisten hier in den Spuren von Epikur und Lukrez, meinten auch, Bildung müsse allen Menschen offenstehen, warum sie auch Frauen an ihren Runden beteiligten und sich immer wieder gebildete Mäzeninnen suchten. In der Philosophie dominierte nun die Ethik und Begriffe wie Individualismus und Autonomie des Subjekts wurden ganz zentral für ihr Denken, daraus entstand der Freiheitsbegriff, der einige hundert Jahre später zur Aufklärung führte, die in der französischen Revolution, dem aufgeklärten Menschenbild und der Erklärung der Menschenrechte zuerst durch die USA gipfelte.
Mit ihrem Menschenbild, dass die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt, unterschieden sich die Humanisten ganz klar vom Mittelalter, in dem es noch um die Verworfenheit des Sünders ging, der dem Untergang der Welt entgegen sah und auf höhere Erlösung hoffte. Dennoch gab es nach dem Aufbruch zur Renaissance, die in vielem auch mit dem neuen Denken nach der Wiederentdeckung des Lukrez zusammenhing, auch einige bedeutende Päpste und kirchennahe Denker, wie Erasmus von Rotterdam, die dem neuen freien Geist huldigten, der das Denken unabhängig und zum Zweck an sich machte.
Anders die Reformation, die in Deutschland leider in weiten Teilen mehr prägte als die Renaissance und nur eine neue Verankerung im mittelalterlichen Glauben mit einer nur teilweisen Emanzipation nach dem Gusto des Antisemiten Luther bedeutete. Es zeigt sich dies auch heute noch im reformatorischen Kernland Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, das vom aufgeklärt freiheitlichen Denken vielfach weiter weg ist, als es in den freien Städten Italiens schon im 15. Jahrhundert üblich war. So gesehen brach die Reformation zwar mit der Kirche, befreite die Gläubigen ein wenig, übersetzte die Bibel, um es verständlich zu machen, aber ließ doch im Kern die Menschen im mittelalterlichen Aberglauben gefangen zurück, an den der Sozialismus nahtlos anschloss.
So hat die Christianisierungsrate Ostdeutschlands wenig zu sagen, soweit es um die lange noch Verhaftung dieser Geister im Mittelalter geht, dass sein Sein nur über erfundene höhere Wesen definierte und zur Verteidigung des Abendlandes gen Morgenland zu gerne aufbrach. Vielmehr macht der Geist Luthers, wie er sich in manchem noch zeigt dort wieder gute Schule in gewohnt mittelalterlicher Intoleranz, mit der sich nur ein trotziger Mönch zum Reformator aufschwang und so sind auch die ungetauften Sachsen bei Pegida vemutlich lutherischer als viele, die sich heute evangelisch noch nennen und sich auf so große Vorbilder wie Bonhoeffer lieber berufen als auf den intoleranten Reformator und Jubilar. Außerdem wirkte bei der Gründung der neuen evangelischen Kirche auch der großartige Humanist und Förderer Luthers Philipp Melanchton, der als Lehrmeister Deutschlands auch gilt und damit das typisch deutsche Verhältnis zum Humanismus treffend beschreibt.
Wie schon bei Cicero galt auch den Renaissance Humanisten die Geschichte als Lehrmeisterin und die Idealisierung historischer Figuren diente dem Lernen am Vorbild. Dabei ging es primär auch um Ethik und ihr Verständnis, was den historischen Blick der Humanisten manchmal trübte. Andererseits brachte die Renaissance erstmals bedeutende geschichtstheoretische Werke hervor, was das ganze nur zum Himmel schauende Mittelalter als finstere Epoche nicht schaffte, da einzig im Aberglauben noch selig verhaftet.
Wann die Renaissance und damit der erste Höhepunkt des Humanismus endete, ist unklar. In Italien wird dies etwa für die Mitte des 16. Jahrhunderts angenommen, als sie keine neuen geistigen Impulse mehr setze und der humanistische Gedanke erst mit der Aufklärung dort wieder auftauchte. Manche halten auch schon den sacco di Roma, den Überfall der marodierenden Söldner Karls V. auf die Heilige Stadt für den Wendepunkt, nach dem Stagnation dort eintrat. Die Medici hatten den Humanismus immer wieder befördert und auch nach Europa getragen, doch das Wirken des mönchischen Fanatikers Savonarola unterbrach die wunderbare Blüte in Florenz für einige Jahre im Sinne des mittelalterlichen Aberglaubens.
Jedenfalls wirkte der Geist der italienischen Renaissance in ganz Europa weiter, brachte viele große Geister hervor wie den englischen Humanisten und Lordkanzler Thomas Morus und erstand in der Weimarer Klassik und ihrer Verklärung des antiken Ideals wieder auf. Goethes Worte vom Wahren, Schönen, Guten, klingen darin nach. So ist Weimar eine Insel der Aufklärung zur Zeit Schillers und Goethes vor allem auch Herders gewesen, die sich dem humanistischen Geist verpflichtet fühlte.
Ganz im Gegensatz dazu grenzten sich die Nationalsozialisten klar vom Humanistengeschwafel ab, dem sie ihre von Nietzsche geprägten Ideale der Herrenrasse entgegensetzten, die eine Art menschlicher Aristokratie bilden sollte, damit die Guten die Welt beherrschten. Als Reaktion auch auf diese Ideologie und deren industrielle Vernichtung von Menschen in den Konzentrationslagern kam es 1948 zur Erklärung der Menschenrechte. Mit diesen verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten die Einhaltung der Menschenrechte auf ihrem Staatsgebiet zu garantieren. Dazu gehören Freiheitsrechte, Würde, körperliche Unversehrtheit und Religionsfreiheit. Auch das Recht auf Asyl im Falle politischer oder sonstiger Verfolgung gehört dazu.
Der dem NS-Vokabular entstammende Begriff Gutmensch, den die Pegiden gerne nutzen, die selbst viele Menschenrechte für andere leugnen aber dies für den Ausdruck ihrer Meinungsfreiheit halten, ist sehr passend bis heute für alle Humanisten eigentlich. So gesehen bin ich gerne ein Gutmensch, auch wenn mir jegliche multikulturelle Naivität fremd ist und ich es für wichtiger halte im Sinne der Aufklärung zu wirken, statt die dummen Sachsen zu besiegen. Wer dort siegen will, könnte Teile des Bundeslandes nur an Polen oder Ungarn abtreten, wo sich viele ihrer Gesinnung gemäß auch wohler fühlten, was aber derzeit nicht ernsthaft zur Debatte steht. Als Humanist bin ich für mehr Bildung, die auch denen im Tal der Ahnungslosen den Horizont öffnen könnte. Wird Zeit brauchen und viel Nerven vermutlich kosten, ist aber der einzige Weg, der dem humanistischen Menschenbild des Grundgesetzes entspricht, als Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, der einzigen Perspektive eines künftigen Humanismus für alle Menschen, wagen wir zu denken.
jens tuengerthal 19.1.2017
Mittwoch, 18. Januar 2017
Gretasophie 009b
009b Kulturdialektik
Was ist Kultur und steht sie im Gegensatz zur Natur?
Nach der gängigen Definition ist Kultur jede menschliche Hervorbringung, die im Gegensatz zur von ihm nicht gestalteten sondern vorgefundenen Natur steht. Kultur ist aber auch das System von Regeln und Gewohnheiten, mit denen wir unser Zusammenleben ordnen. Kultur wird manchmal einer bestimmten Menschengruppe zugeordnet, die bestimmte Fähigkeiten erworben hat oder auch für die Unterscheidung von Mensch und Tier gewählt.
Ob das gerade bei Tieren wirklich stimmig ist, oder sich nicht im Gegenteil viele Beispiele finden, vom Blindenhund, der für seinen Herren auch gegen seine Natur die besten Wege findet, bis zum Radar der Zugvögel, das aller menschlichen Technik noch präzise überlegen zu sein scheint, die für eine teils höhere kulturelle Entwicklung der Tiere spräche, wäre der Frage wohl wert.
Das Wort Kultur selbst stammt vom lateinischen cultura, was urbar machen unter anderem heißt, wir nutzen den Begriff kultivieren im Ackerbau noch heute ganz ähnlich. Ist der Ackerbau immer Landwirtschaft oder nur, wenn es dabei um Handel und Märkte auch geht, nicht um die Eigenversorgung aus der Natur, frage ich mich ganz nebenbei und bemerke wie schnell die Grenzen von Kultur zur Natur verschwimmen und wie wenig wirkliche Natur es in diesem nahezu überall bewirtschafteten Land es noch gibt. Ist das nun schlimm, frage ich mich und denke, ein kultivierter Park oder Garten gefällt mir meist besser als ein Urwald, der doch eine eher lebensfeindliche Umgebung für kultivierte Menschen ist.
Mag Natur sehr gerne und wollte nicht ohne sie leben, auch wenn mir meine Bibliothek in der Nähe viel wichtiger als ein erreichbarer Wald ist, doch gefällt sie mir kultiviert noch besser als völlige Wildnis. Der Urwald in Kanada etwa, war beeindruckend, aber leben wollte ich da nicht und ziehe zum flanieren einen gut kultivierten Berliner Park immer vor, muss da nicht wieder hin.
Dagegen fand es meine letzte Verlobte sehr erstrebenswert, die Elemente direkt zu spüren, war nicht umsonst Nautikerin neben der Schauspielerei und fand es nicht weiter schlimm, wenn der Sturm alles ein wenig durcheinander warf. Sie fuhr gerne in den Wald, wollte die Natur fühlen und dabei ganz bei sich sein und ich fand die Vorstellung mit einem Buch im Sessel bei einem guten Tee zu sitzen doch immer verlockender. Die Elemente auf dem Meer zu spüren, fühle ich keinerlei Bedürfnis, im Gegenteil werde ich alles tun, solches Schaukeln zu vermeiden. Wer von uns beiden darum kultivierter wäre, wüsste ich nicht zu sagen und glaube auch nicht, dass es darauf ankommt.
Ob wir an dieser Gegensätzlichkeit der Bedürfnisse scheiterten oder an der Inkompatibilität der sonstigen Lebensumstände, weiß ich nicht, denn der Wunsch nach nach großer Liebe und das Gefühl war bei beiden zunächst da und schien sehr passend, auch sonst sah alles nach großem Glück aus und fühlte sich perfekt an, wäre uns nicht die Realität dazwischen gefunkt und plötzlich fragte ich mich, ob es nicht vielleicht der unterschiedliche kulturelle Hintergrund war, ihre DDR-Biografie bis 21 und meine als Wessi bis 19.
Dagegen spricht andererseits die große auch kulturelle und geistige Nähe, die mich mit vielen anderen Menschen aus dem Osten verband, auch wenn der unterschiedliche Hintergrund dort nie so ein Thema war, der es erst wird, wenn du planst eine Familie zu gründen und so von der Ebene großer emotionaler Nähe zum auch sachlichen Zusammenpassen kommst.
Wie kompatibel wir teilweise längst sind, zeigen viele funktionierende Ehen, könnte nun eingewandt werden, doch zeigt eine Ehe an sich noch gar nichts, außer dass zwei sich mal versprochen haben, es ein Leben miteinander auszuhalten und wie gut das funktioniert, liegt eben auch an der jeweiligen Anpassungsfähigkeit. Die Fähigkeit sich aneinander anzupassen und es als Mann und Frau ein Leben lang miteinander auszuhalten, ist vielleicht die größte kulturelle Leistung überhaupt, auch darum schreibe ich gerade davon.
Vielleicht sind die Beziehungen von Mann und Frau und was wir dafür taten, geliebt zu werden oder Sex zu bekommen, überhaupt erst der Anfang aller menschlichen Kultur. Der Ur-Mann gab sich kultiviert, behaute seiner Holden einen Stein mit ihrem Abbild, den spätere Generationen als Venus von Willendorf fanden und dem sie große Mythologie andichteten, auch wenn es genauso nur Kunst oder Angeberei gewesen sein könnte - vor den Jägerfreunden etwa, schau was sie für dicke Titten hat und sie hat die Haare schön, da kommt es doch aufs Gesicht gar nicht mehr an, höhöhö oder als Liebesgabe, trifft es dich nicht zu gut meine Schöne, dein wogender Busen, die schönen Locken, sehen aus wie bei Zonen-Gaby frisch gelegt.
Wenn Männer Frauen beeindrucken wollen, können sie plötzlich einiges, was ihnen vorher keiner zugetraut hätte. Auch tun Frauen manches, was im Alltag keiner je erwartet hätte, wenn es darum geht, einen Kerl an sich zu binden.
Der Anfang der Kultur, die ja so dialektisch zur Natur sein soll, liegt also vermutlich wiederum im ursprünglichsten Trieb der Natur, dem nach Sex und Fortpflanzung und so gesehen geht es bei Kultur immer auch um Sex irgendwie. Den erstrebten oder den erhaltenen.
Vorab bringt der Steinzeit-Adam seiner Eva die schönsten Steine, die tollste Jagdbeute, bemalt seine Höhle mit Bildern von ihr. War es gut, wird er dankbar sein und wieder wollen und um gnädige Frau bei Laune zu halten, wird er ihr weitere Schmuckstücke aus dem Stein schlagen, wie eben in der Steinzeit üblich, schöne Sachen als Sammler in der Umgebung suchen, wenn er nicht zum großen Dichter oder Sänger selbst taugt. Wer glaubt, es sei bei denen damals irgend anders gewesen, als es bei uns heute ist, gibt sich einer großen Illusion hin.. Angesichts unserer hohen genetischen Ähnlichkeit steht zu Vermuten, dass es schon immer ganz genauso war und sich nahezu nichts je verändert hat, was die Begattung und die aus ihr gewachsene Kultur betrifft.
Die Steinzeit Eva wird ihren Adam angeraunzt haben, in welcher Sprache auch immer, aber ich bin überzeugt, Frauen können das auch ohne alle Worte allein durch Blicke oder Stöhnen, wenn er voller Stolz die schmutzige Beute in die frisch gekehrte Höhle schleppte und er wird sich auf die Brust geschlagen haben und verständnislos auf die Beute gezeigt haben, die sie doch freuen müsste, wochenlang die Ernährung gesichert, Felle, Knochen, alles was das Herz der Steinzeit Eva höher schlagen lassen müsste, doch sie wird dies großartige Werk geflissentlich ignoriert haben, bis er sich schlechten Gewissens an die Höhlenordnung wieder hält.
An dieser Verhaltensweise hat sich bis heute nichts geändert. Wenn eine Frau sich um die Ordnung des gemeinsamen Heims bemüht und über Adams Schlampigkeit ungehalten wird, sie ihm vorhält, will sie sich dauerhaft binden, ob es dabei noch um Jagdbeute geht oder Straßenschuhe oder Ölfinger ist völlig gleichgültig, manches spricht dafür, dass diese Kulturleistung der Frau, die sich um die Pflege des eigenen Heims kümmert, schon genetisch programmiert ist wie der vorgeblich weniger kultivierte Jagdinstinkt des Mannes.
Überhaupt fragt sich, wie wir die kulturelle Leistung der Frau von ihrem Triebverhalten, bei dem es auch um die Herrschaft in der Höhle geht, klar unterscheiden. Ist vielleicht die erzwungene Strategie einer Ordnung, das erste Element der sozialen Strukturierung auf dem alle spätere Gesellschaft aufbaut?
Pflege ich hier nur dumme Vorurteile und wird es auch Jäger gegeben haben, die lieber in ihrer Höhle blieben, wie ich bei meinen fein säuberlich geordneten Büchern und Evas, die lieber in die Welt zogen, wie meine schauspielernde Kapitänin?
Bestimmt gab es die, wie es immer alles gibt und geben kann, jede Ausnahme die Regel nur bestätigt, meine Kapitänin fuhr im Sturm um Gibraltar und klagte nicht, wenn die Sachen durch ihre Kabine flogen, kam wieder und regte sich über ungeputzte Scheiben und ähnliches auf, durch was ich nicht mal mehr sah, hatte eine irgendwie permanente Unzufriedenheit, weil ich nicht ständig etwas unternehmen wollte und dies Ansinnen eher lästig fand.
So scheint manches unterschiedlich und austauschbar und anderes fast genetisch festgelegt, wie die Dekoration zu Weihnachten, ob sie nun einem Aberglauben huldigen oder gänzlich ohne erzogen wurden, scheint ein solches Bedürfnis bei nahezu allen Frauen, die ich bisher nah genug kennenlernte, dies zu erfahren, in den Genen angelegt zu sein. Diese beiden Tendenzen im Wesen, die ich gar nicht näher benennen will, um sie und mich nicht zu beschränken, seien sie nun genetisch oder jedesmal neu hormonell bedingt, sind ein wichtiger Teil unserer kulturellen Leistungsfähigkeit und haben Gesellschaften, wie wir sie heute kennen, überhaupt erst entstehen lassen.
Wenn ich mich in einen Text oder ein Buch vertiefe, sehe ich keinen Staub und keine schmutzigen Scheiben, ist mir mein Badezimmer völlig egal und tue ich nur, was zum angenehmen Leben noch gerade nötig ist, weil ich eben voll bei der Sache bin. Widme mich mit ganzer Kraft der Kultur und verhalte mich dafür meiner nächsten Umgebung gegenüber vielleicht etwas unkultivierter, weil ich kulturelle Prioritäten setze, was ich nur von wenigen Frauen so kenne.
Dusche, um mich zu reinigen, frisch zu riechen und auf der Balz erfolgreich zu sein. Frauen zelebrieren ihr Bad, manchmal stundenlang, gerne mit Schampus, Kerzen, viel Schaum und sonstigen Zutaten und ich, der manchmal dazu gerufen wurde, war immer etwas befremdet. Für Sex war die Wanne zu klein und zu eng, Vorspiel unter Wasser ist auch nicht so prickelnd und so hielt ich mich dabei immer lieber zurück, wenn Damen meine Wanne besuchten und beschäftigte mich anderweitig, bis Frau dann abgetrocknet wieder bereit war, feucht zu werden oder müde ins Bett ging.
Die Badewanne und das drumherum ist vermutlich auch so eine Kultur für sich. Männer die gerne baden, kenne ich wenige, ob es ein zufällige Auswahl ist, dass viele davon schwul sind, weiß ich nicht. Als kleiner Junge vor der Geschlechtsreife fand ich das auch toll, heute habe ich immer eher das Gefühl meine Haut weicht nur auf und ich kann sie danach tatsächlich in Streifen abziehen, was mich eher unkultiviert aussehen als glücklicher werden lässt.
Natürlich wäre ich für schönen Sex, wie fast jeder Mann, bereit einiges zu tun, auch in eine Badewanne zur Not einen Moment zu steigen, doch wer je in einer Wanne Sex hatte, weiß wie schlecht das meist geht und wie gravierend dafür die Folgen sein können, von Überschwemmungen bis zu Abschürfungen der Haut an den Armaturen, die immer im Weg sind, wird davon vernünftigerweise absehen. Nur leider scheinen wir, bei der Suche nach sexueller Harmonie einige sehr unvernünftige Dinge noch vorab überwinden zu müssen, es könnte ja sonst auch zu einfach sein.
Die Römer hatten übrigens, wie die Griechen auch, eine wunderbare Bäderkultur, die auch immer stark sexuell geprägt war ohne alle christliche Doppelmoral. Solches gibt es heute auch in Saunen, für diejenigen, die es gern heiß mögen, wenn auch das sexuelle Element, außer der Laden verdient genau damit sein Geld, dabei immer aus Prinzip geleugnet wird, was ich schon immer lächerlich fand.
Sehe ich eine nackte Frau nah, habe ich Lust auf mehr und wenn nicht, wäre das eher seltsam und gegen meine Natur, die ich auch am Strand nur unterdrücke. Sich dabei beherrschen zu können und sich dennoch am sexuellen Reiz zu erfreuen, hilft bei der gesunden Balance im Leben, die wir als kultiviert bezeichnen. Es zu leugnen, halte ich allerdings eher für unkultiviert verlogen.
Dank amerikanisch christlicher Prüderie haben sich da auch in Europa die Grenzen ein wenig verschoben und Facebook tat ein übriges dazu alles sexuelle öffentlich zu tabuisieren, statt es endlich befreit und überall nach Lust und Laune zu tun, damit Kinder lernen, wie schön das Leben sein kann und nicht mit dummer amerikanischer Prüderie der jüdischen Sekte Christentum verblödet werden.
Ob diese geistig rückschrittliche Entwicklung, die über den großen Teich, wo die Phantasten meinen, in God’s own Country zu leben, je ein Fortschritt in der menschlichen Kultur sein kann, scheint mir mehr als fraglich und speichere meine Texte bei Google Docs auch nachdem mich Google+ rauswarf nachdem ich zu oft explizit sexuelle Bilder passend zu meinen erotischen Gedichten gepostet hatte und ich so angewidert von diesem Denken bin, dass ich gar nicht mehr weiß, warum ich dieses virtuelle Spiel noch mitspiele.
Ist unsere Kultur der Freiheit gerade durch Muslime in Gefahr oder durch die widerliche amerikanische Prüderie?
Bis zur Jahrtausendwende, war es für mich völlig normal, dass Sex etwas ist, bei dem beide ihre Befriedigung suchen und finden. Falls nicht, stimmt dabei etwas nicht und es lag eine eher pathologische Ausnahme vor, die mir bis dahin nur in Promillezahlen begegnete. Seit 2010 aber scheint sich dies Verhältnis umgekehrt zu haben und ein offenes Gespräch darüber im Interesse der gegenseitigen Befriedigung und Freude dabei wird als eher lästig empfunden, die Sache wird wieder behandelt, als hätten wir nie eine sexuelle Revolution gehabt und jede zweite Frau findet es völlig normal, dabei nicht zum Höhepunkt zu kommen.
Ist das der Sieg der Puritaner über Europa oder nur eine besonders schlechte Auswahl unter den Damen die mir in Berlin und Umgebung begegneten?
Es scheint der normale Wahnsinn langsam zu werden und das Bedürfnis der Frauen daran etwas zu ändern, nimmt ab, das Engagement der Männer, sich weiter darum zu kümmern auch. Wir sind wieder auf dem Weg ins moralische 19. Jahrhundert. Frau erträgt es und macht nur, was nötig ist und Mann befriedigt sich in ihr, wenn er dabei noch kann, im Gegensatz zu mir, den diese leidenschaftslose Verrichtungssexualität eher impotent macht.
Das ist nicht normal und darf nie wieder normaler Teil unserer Kultur werden, denke ich voller Entsetzen und weiß doch, dass ich die zyklischen Bewegung in einer Gesellschaft nicht aufhalten kann. Ist das Liebesleben, als Produkt unserer Triebe, das immer wieder gewissen Moden unterlag, mal freier, dann wieder prüder, wie es der Herrschaft gerade gefiel und dem Aberglauben entsprach, der gerne auch die Sexualität dazu benutzte, den Untergang ganzer Kulturen etwa in der Bibel zu begründen. Sei es nun Babylon oder die Sintflut, überall spielte der Sex auch eine Rolle irgendwie.
Im Hohelied dagegen überlieferte die Bibel im Buch Salomon einen der erotischsten Texte der Weltliteratur und mit dieser Dialektik spielt das Christentum noch wesentlich extremer als seine Ausgangsbasis das Judentum. Das herumschnipseln am männlichen Geschlecht aus fadenscheinigen Gründen, hatten die Juden übrigens von den Ägyptern übernommen, die es aus fadenscheinigen Gründen taten, auch wenn sie es anders begründeten. Auch am weiblichen Geschlecht wurde in der weiteren Umgebung Ägyptens herumgeschnippelt und wird dies teilweise verbrecherisch bis heute getan, um diesen Wunderort zu zerstören und den armen Opfern alle Lust zu rauben, bis sie entdecken, dass es doch noch einen Weg geben kann.
Auch die Klitorektomie ist Teil einer Kultur, wie die Beschneidung und die Taufe und vieles anderes mehr, was uns der Aberglaube mitbrachte oder von diesem übernommen wurde. Es geht erstaunlich oft doch immer wieder um Sex und die Wege dazu, die dafür nötige Aufmerksamkeit zu gewinnen. Unsere Kultur verbietet diese Verstümmelung der Frauen, weil wir sie für unmenschlich und unkultiviert halten. Wie anmaßend diese beiden Worte zur Beurteilung anderer Kulturen sind, ist eine andere Frage. Dennoch ist es richtig, die Frauen vor diesem auf Aberglauben beruhenden Eingriff in ihre körperliche Integrität zu verschonen und im Wege der Aufklärung dagegen zu wirken. In der Sache unterscheidet sich die Klitorektomie als Kulturleistung in nichts von der Taufe und der Beschneidung und eines wie das andere hat in einer aufgeklärten Kultur nichts mehr verloren.
Aber sind wir überhaupt aufgeklärt und woran messen wir das?
Warum hielten sich die Kreuzritter des George Bush jr. für zivilisierter als ihre fundamentalistischen muslimischen Gegner?
Die Maßstäbe, die eine strenge Unterscheidung rechtfertigen, verschwimmen leicht. Wenn amerikanische Drohnen ein Krankenhaus in Afghanistan zerstören, wird das zwar bedauert ist aber nichts als ein Kollateralschaden, auch wenn diese mal wie beabsichtigt treffen und gezielt eine Hochzeitsgesellschaft von über 150 Menschen nahezu auslöschen, weil sie einen Terroristen nach Geheimdienstinformationen dort vermuteten, ist dies eben leider nötig. Wenn dafür ein Terrorist auf einem Berliner Weihnachtsmarkt 12 Menschen tötet, ist es entmenschter Wahnsinn, der uns völlig unverständlich ist und wird der Islam, in dessen Name der Täter handelte, verdächtigt, eine Terrorreligion zu sein; wo dem Kampf gegen den Terror hundertmal so viele Menschen zum Opfer fielen, wie den Terroristen, die sich auf den Islam berufen je, ist der Islam das Problem der Welt und nicht Amerika.
Ob es Zeichen einer hohen Kultur ist die Tötung von Millionen Menschen als eher unwichtig und minderwertig zu riskieren, um sich für wenige hundert Tote in seinem Einflussbereich zu rächen, wird eine der Fragen sein, der sich unsere Kultur wird stellen müssen, wer auch immer diesen Kampf nun gewinnt. Wohin die Siege der Populisten uns führen werden, wissen wir nicht und es bleibt nur zu hoffen, dass Europa aus schlechter Erfahrung nun genug Vernunft übrig hat, dass diese eine vernachlässigenswerte Randgruppe bleiben. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die NPD nicht zu verbieten, weil sie diese für zu unbedeutend hielt, war sehr weise und kann die Gesellschaft darüber nachdenken lassen, ob Verbote im Bereich der politischen Moral je etwas taugten. Sie stellt die Frage nach der politischen Kultur und der Offenheit des Diskurses.
Die Kultur taucht also in vielen Bereichen auf, die uns gerade politisch höchst problematisch erscheinen - so in der Konfrontation zwischen multikultureller Toleranz und national beschränkter Identität, die sich um ihren Tellerrand fürchtet. Die einen wollen die Kultur des Abendlandes verteidigen, in dem sie diese an ihren Grundsätzen angreift, zu denen Offenheit, Toleranz, Nächstenliebe und daraus folgend auch Asyl grundsätzlich gehören. Die anderen geben sich weltoffen und tolerant, ohne zu bedenken, wie schwierig es wird, Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund und einem anderen Frauenbild in eine offene Gesellschaft zu integrieren, ob es nicht klare Lösungen braucht, weil eine Gesellschaft nur beschränkt Zuwanderung aus sozial völlig anders orientierten Kulturen verträgt, ohne in ihrer Offenheit gefährdet zu werden.
Beide Seiten irren in Teilen und liegen in anderen ganz richtig, da sie manche Probleme besser sehen als ihre Gegner oder Chancen wie Risiken eher begriffen haben. Wenn es darum geht, dass diese Gesellschaft unbegrenzt Menschen aus einer anderen Kultur aufnimmt, ohne ihre eigene Kultur noch zu verteidigen, wäre dies leichtfertig und nutzte keinem. Wenn eine faktisch aussterbende Gesellschaft keine Menschen aufnimmt und aktiv integriert, beschleunigt sie nur ihren Suizid. Warum die germanischen Urwaldbewohner und ihre Nachfahren, die noch vor wenigen tausend Jahren hier auf den Bäumen saßen und keine Schrift kannten, kultivierter sein sollen als etwa Syrer, die von den Wurzeln der menschlichen Kultur kommen und diese darum das hiesige Weißbiernebelkulturerbe bedrohten, ist mir noch nicht verständlich gemacht worden.
Die Lügen der hohen Kriminalität durch Flüchtlinge, die faktisch einfach falsch sind, da im Gegenteil die Anzahl von Kriminellen unter den Flüchtlingen sogar deutlich unterdurchschnittlich ist, fruchten, weil sich natürlich die tatsächliche Zahl der Delikte erhöht, wenn fast eine Millionen Menschen in schwieriger sozialer Lage ins Land kommt und mit der Angst immer gute Geschäfte gemacht wurden, auch wenn jeder vernünftige Mensch weiß, es ist dummes Zeug und schlicht erlogen. So wurde die Lüge Teil unserer politischen Kultur und wird benutzt von den Menschen, die laut Lügenpresse schreien in ihrer Angst vor Bedrohung, die durch die von ihnen gehörten russischen Propagandasender noch weiter geschürt wird.
Wir nennen diese Kultur nun vornehm postfaktisch, auch wenn es das Ding an sich nicht weniger widerlich macht. Ein amerikanischer Präsident wurde dank der gezielten Verbreitung von faktischen Lügen gerade gewählt und die Welt wird sehen, wie er sich mit seinem Freund Putin verstehen wird und ob die beiden postdemokratischen Kumpel eine ganz neue Weltordnung planen, die dafür mehr Freiheit in Fragen der politischen Korrektheit wohl verspräche, worauf es der Welt langfristig ankommt um sich auch kulturell ruhig weiterentwickeln zu können.
Doch hat die bisherige politisch korrekte Kultur, in der immer mehr Frauen herrschten, es nicht geschafft, die Probleme der Welt besser zu lösen, ist nur in neue weitere Konfrontationen jeweiliger moralischer Anmaßung hereingestolpert, aus denen es kaum einen Ausweg als neue Kriege geben kann, die auch keiner wollen kann. Wir müssen uns also fragen, was die zentralen Aufgabe sind und wie wir sie am effektivsten zum Wohle der Kultur lösen, ob Konfrontation weiterführt und was von einem großen Sprüchemacher zu halten ist, wie der eher wortkarge aber hochintelligente ehemalige Geheimdienstmann an der Spitze des Kreml mit diesem Witzbold spielen wird und welche Folgen das für die weltweite politische Kultur haben wird.
Wer mit beiden kann, der wird sich viel herausnehmen können, wer mit keinem von beiden klar kommt, wird eher in Schwierigkeiten der moralischen Legitimation geraten. Nicht theoretisch, es sind beide postdemokratische Narren, sondern rein faktisch, weil keinem die Gegnerschaft noch zuzumuten ist. Ob die Ära der Einigkeit und des Friedens zwischen Russland und den USA der Welt gut tut oder zu viel Harmonie eher das Gleichgewicht stört, ist noch offen, es wird sicher auch eine Frage der Kultur wenn zwei ursprünglich unkultivierte, neureiche Aufsteiger als Postdemokraten, die Welt beherrschen.
In Gesellschaften, die den offenen Diskurs verfolgen, bilden sich oft hochkultivierte Formen in denen die Kritik am Staat formuliert werden kann, so gesehen stehen der Kultur in der Ära Trump-Putin, blühende Zeiten bevor, wie der Türkei unter Erdogan kulturell, ließe er nicht längst alle großen, kritischen Denker im Gefängnis verschimmeln. Ob vier Jahre einem Trump reichen, die amerikanische demokratische Kultur zu ruinieren, scheint zumindest fragwürdig, hat sie doch schon über 200 Jahre und einen Bürgerkrieg überstanden.
Wer von beiden Lagern auch hier im Land die Wahrheit besitzt, weiß ich nicht und scheint mir eher fraglich als klar. Klüger schiene mir, zu überlegen, was diese Wahrheit überhaupt kulturell so sein soll und ob es die überhaupt je gibt.
Wahrheit hieße immer wahr und alles richtig. Eine unmögliche Aufgabe, wie wir logisch wissen, da wir immer nur mit dem Horizont reagieren können, den wir eben haben und so wahr antworten, wie wir meinen. Manche sagen, die Wahrheit sei darum die Erfindung eines Lügners, weil es nie die Wahrheit geben kann, keiner sie erkennen könne und wer es behauptet, ein Lügner sein müsse, weil jeder Mensch immer nur aus seinem natürlich beschränkten Horizont spricht und damit für alle jenseits dieses Horizontes schon wieder unwahr.
Die Mathematik kann für bestimmte Fragen unter bestimmten Bedingungen klare wahre Aussagen machen, aber ist diese darum die Wahrheit oder dieser auch nur näher?
Wer sich vertieft mit der Mathematik beschäftigt, wird schnell merken, wie relativ gültig auch nur diese immer wahren Aussagen wie 1-1=0 oder 1+1=2 sind. Will da gar keine Ahnung vortäuschen und überlasse dieses weite Feld darum den Mathematikern, die ihre letzte Burg der Wahrheit erfolgreich selbst stürmten. Es gibt auch dort nur begrenzt wahre Aussagen, die unter bestimmten Bedingungen gelten können.
In der Philosophie gibt es so wenig wie in der Ethik oder der Politik die eine Wahrheit. Vielmehr gibt es verschiedene Versuche mit der relativen Wahrheit zu leben. Mehr können wir nie, was helfen kann, toleranter zu werden und offener zuzuhören, statt Ziele mit Gewalt erkämpfen zu wollen, denn wenn alles sein kann, ist auch nichts ein Leben wert und könnten wir mehr Kompromisse suchen, statt um Prinzipien zu streiten.
Denken wir etwa an Horst und Angela, die sich ständig über die Obergrenze oder nicht streiten. Der Horst hat Recht, insofern kein Land unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen kann, sondern auch auf seine eigenen Kräfte achten muss, um den Menschen überhaupt noch helfen und Raum bieten zu können. Die Angela hat völlig richtig festgestellt, dass unser Grundrecht auf Asyl im Grundgesetz keine Obergrenze kennt. Beide haben Recht und die Frage, die wichtiger ist, als wer gewinnt, wäre, wie finden wir einen Weg, der eine vernünftige Lösung bietet, mit der alle gut leben können.
Im Beispiel Horst und Angela könnte bedacht werden, dass die Zahl der Einwohner dieses Landes seit meinem Abitur um fast 8 Millionen zurückgegangen ist und sich also das schon lange prognostizierte Aussterben bereits faktisch in jeder Generation auswirkt, wir also dringend Zuwanderung brauchen, um unsere Sozialsysteme stabil zu halten.
Woher sollen wir aber Millionen Menschen für unsere Sozialsysteme nehmen auf der Welt, wenn nicht von da, wo sie weg wollen, weil sie nicht gut leben können?
Ob aber unbeschränkte Zuwanderung uns die gewünschte Auswahl an Menschen bringt, die unsere Gesellschaft bereichern, scheint mehr als fraglich. Ein Zuwanderungsland, was wir werden müssen, wenn wir überleben wollen auf Dauer, muss dazu andere Kriterien stellen. Andererseits wird sich schon die Spreu vom Weizen trennen mit der Zeit und was und wer bleibt, wird vom Markt integriert oder wieder abgeschoben. Über solche Fragen offen und konstruktiv ohne moralische Vorwürfe zu diskutieren, würde den Populismus schwächen und eine langfristige Integration ermöglichen, die besser ist als was bisher in diesem Land auf dem Gebiet geleistet wurde. Eine solch sachliche und vernünftige Lösung jenseits aller Polarisierung ist es, die das Land braucht und die eine große Mehrheit zufrieden stellte.
Demokratie heißt eben auch, es gibt nicht nur eine Wahrheit sondern viele Wege und darüber welcher richtig ist, muss offen gestritten werden, ohne den einen Lügner zu nennen, oder über Lügenpresse zu fabulieren, sondern sich um Kompromisse zu bemühen.
Unsere Rechtsradikalen dagegen bemühen sich hier ständig nur um Provokationen und die versammelte politische Elite springt immer wieder schnell auf den Zug auf und singt deren Lieder mit. Will hier nicht mal die Namen der Provokateure noch nennen, die zu unwichtig sind und die verpasste Integration vieler Menschen in Ostdeutschland in die Demokratie wird nicht dadurch verbessert, dass sich Medien und Politik auf die pubertären Späße einer Parteiführung stürzt die ein reaktionärer Aufbruch sein wollen. Schweigen und wegsehen und in Bildung investieren scheint vernünftiger.
Kultur beginnt und begann vermutlich beim Sex und sie endet auch meist da, wenn wir vom Trieb geführt irgendwann alle Kultiviertheit fallen lassen und uns Brunftlaute ausstoßend einander hingeben. Damit schließt sich der Kreis. Es braucht Kultur, um dahin zu gelangen, wo wir unserer Natur folgend, alle Kultur stöhnend fallen lassen können, was zumindest offensichtlich macht, wie eng Sex und Kultur immer zusammenhängen, auch wenn es nicht die Frage nach der angeblichen Dialektik der beiden beantwortet, wenn denn das eine nur Natur und das andere als Kultur nur menschengemacht sein dürfte. So weiß ich am Ende wieder manches nicht und das ist gut so, weil es mich weiter suchen lässt, in der Kultur und bei der Dialektik auch gern andernorts.
jens tuengerthal 18.1.2017
Was ist Kultur und steht sie im Gegensatz zur Natur?
Nach der gängigen Definition ist Kultur jede menschliche Hervorbringung, die im Gegensatz zur von ihm nicht gestalteten sondern vorgefundenen Natur steht. Kultur ist aber auch das System von Regeln und Gewohnheiten, mit denen wir unser Zusammenleben ordnen. Kultur wird manchmal einer bestimmten Menschengruppe zugeordnet, die bestimmte Fähigkeiten erworben hat oder auch für die Unterscheidung von Mensch und Tier gewählt.
Ob das gerade bei Tieren wirklich stimmig ist, oder sich nicht im Gegenteil viele Beispiele finden, vom Blindenhund, der für seinen Herren auch gegen seine Natur die besten Wege findet, bis zum Radar der Zugvögel, das aller menschlichen Technik noch präzise überlegen zu sein scheint, die für eine teils höhere kulturelle Entwicklung der Tiere spräche, wäre der Frage wohl wert.
Das Wort Kultur selbst stammt vom lateinischen cultura, was urbar machen unter anderem heißt, wir nutzen den Begriff kultivieren im Ackerbau noch heute ganz ähnlich. Ist der Ackerbau immer Landwirtschaft oder nur, wenn es dabei um Handel und Märkte auch geht, nicht um die Eigenversorgung aus der Natur, frage ich mich ganz nebenbei und bemerke wie schnell die Grenzen von Kultur zur Natur verschwimmen und wie wenig wirkliche Natur es in diesem nahezu überall bewirtschafteten Land es noch gibt. Ist das nun schlimm, frage ich mich und denke, ein kultivierter Park oder Garten gefällt mir meist besser als ein Urwald, der doch eine eher lebensfeindliche Umgebung für kultivierte Menschen ist.
Mag Natur sehr gerne und wollte nicht ohne sie leben, auch wenn mir meine Bibliothek in der Nähe viel wichtiger als ein erreichbarer Wald ist, doch gefällt sie mir kultiviert noch besser als völlige Wildnis. Der Urwald in Kanada etwa, war beeindruckend, aber leben wollte ich da nicht und ziehe zum flanieren einen gut kultivierten Berliner Park immer vor, muss da nicht wieder hin.
Dagegen fand es meine letzte Verlobte sehr erstrebenswert, die Elemente direkt zu spüren, war nicht umsonst Nautikerin neben der Schauspielerei und fand es nicht weiter schlimm, wenn der Sturm alles ein wenig durcheinander warf. Sie fuhr gerne in den Wald, wollte die Natur fühlen und dabei ganz bei sich sein und ich fand die Vorstellung mit einem Buch im Sessel bei einem guten Tee zu sitzen doch immer verlockender. Die Elemente auf dem Meer zu spüren, fühle ich keinerlei Bedürfnis, im Gegenteil werde ich alles tun, solches Schaukeln zu vermeiden. Wer von uns beiden darum kultivierter wäre, wüsste ich nicht zu sagen und glaube auch nicht, dass es darauf ankommt.
Ob wir an dieser Gegensätzlichkeit der Bedürfnisse scheiterten oder an der Inkompatibilität der sonstigen Lebensumstände, weiß ich nicht, denn der Wunsch nach nach großer Liebe und das Gefühl war bei beiden zunächst da und schien sehr passend, auch sonst sah alles nach großem Glück aus und fühlte sich perfekt an, wäre uns nicht die Realität dazwischen gefunkt und plötzlich fragte ich mich, ob es nicht vielleicht der unterschiedliche kulturelle Hintergrund war, ihre DDR-Biografie bis 21 und meine als Wessi bis 19.
Dagegen spricht andererseits die große auch kulturelle und geistige Nähe, die mich mit vielen anderen Menschen aus dem Osten verband, auch wenn der unterschiedliche Hintergrund dort nie so ein Thema war, der es erst wird, wenn du planst eine Familie zu gründen und so von der Ebene großer emotionaler Nähe zum auch sachlichen Zusammenpassen kommst.
Wie kompatibel wir teilweise längst sind, zeigen viele funktionierende Ehen, könnte nun eingewandt werden, doch zeigt eine Ehe an sich noch gar nichts, außer dass zwei sich mal versprochen haben, es ein Leben miteinander auszuhalten und wie gut das funktioniert, liegt eben auch an der jeweiligen Anpassungsfähigkeit. Die Fähigkeit sich aneinander anzupassen und es als Mann und Frau ein Leben lang miteinander auszuhalten, ist vielleicht die größte kulturelle Leistung überhaupt, auch darum schreibe ich gerade davon.
Vielleicht sind die Beziehungen von Mann und Frau und was wir dafür taten, geliebt zu werden oder Sex zu bekommen, überhaupt erst der Anfang aller menschlichen Kultur. Der Ur-Mann gab sich kultiviert, behaute seiner Holden einen Stein mit ihrem Abbild, den spätere Generationen als Venus von Willendorf fanden und dem sie große Mythologie andichteten, auch wenn es genauso nur Kunst oder Angeberei gewesen sein könnte - vor den Jägerfreunden etwa, schau was sie für dicke Titten hat und sie hat die Haare schön, da kommt es doch aufs Gesicht gar nicht mehr an, höhöhö oder als Liebesgabe, trifft es dich nicht zu gut meine Schöne, dein wogender Busen, die schönen Locken, sehen aus wie bei Zonen-Gaby frisch gelegt.
Wenn Männer Frauen beeindrucken wollen, können sie plötzlich einiges, was ihnen vorher keiner zugetraut hätte. Auch tun Frauen manches, was im Alltag keiner je erwartet hätte, wenn es darum geht, einen Kerl an sich zu binden.
Der Anfang der Kultur, die ja so dialektisch zur Natur sein soll, liegt also vermutlich wiederum im ursprünglichsten Trieb der Natur, dem nach Sex und Fortpflanzung und so gesehen geht es bei Kultur immer auch um Sex irgendwie. Den erstrebten oder den erhaltenen.
Vorab bringt der Steinzeit-Adam seiner Eva die schönsten Steine, die tollste Jagdbeute, bemalt seine Höhle mit Bildern von ihr. War es gut, wird er dankbar sein und wieder wollen und um gnädige Frau bei Laune zu halten, wird er ihr weitere Schmuckstücke aus dem Stein schlagen, wie eben in der Steinzeit üblich, schöne Sachen als Sammler in der Umgebung suchen, wenn er nicht zum großen Dichter oder Sänger selbst taugt. Wer glaubt, es sei bei denen damals irgend anders gewesen, als es bei uns heute ist, gibt sich einer großen Illusion hin.. Angesichts unserer hohen genetischen Ähnlichkeit steht zu Vermuten, dass es schon immer ganz genauso war und sich nahezu nichts je verändert hat, was die Begattung und die aus ihr gewachsene Kultur betrifft.
Die Steinzeit Eva wird ihren Adam angeraunzt haben, in welcher Sprache auch immer, aber ich bin überzeugt, Frauen können das auch ohne alle Worte allein durch Blicke oder Stöhnen, wenn er voller Stolz die schmutzige Beute in die frisch gekehrte Höhle schleppte und er wird sich auf die Brust geschlagen haben und verständnislos auf die Beute gezeigt haben, die sie doch freuen müsste, wochenlang die Ernährung gesichert, Felle, Knochen, alles was das Herz der Steinzeit Eva höher schlagen lassen müsste, doch sie wird dies großartige Werk geflissentlich ignoriert haben, bis er sich schlechten Gewissens an die Höhlenordnung wieder hält.
An dieser Verhaltensweise hat sich bis heute nichts geändert. Wenn eine Frau sich um die Ordnung des gemeinsamen Heims bemüht und über Adams Schlampigkeit ungehalten wird, sie ihm vorhält, will sie sich dauerhaft binden, ob es dabei noch um Jagdbeute geht oder Straßenschuhe oder Ölfinger ist völlig gleichgültig, manches spricht dafür, dass diese Kulturleistung der Frau, die sich um die Pflege des eigenen Heims kümmert, schon genetisch programmiert ist wie der vorgeblich weniger kultivierte Jagdinstinkt des Mannes.
Überhaupt fragt sich, wie wir die kulturelle Leistung der Frau von ihrem Triebverhalten, bei dem es auch um die Herrschaft in der Höhle geht, klar unterscheiden. Ist vielleicht die erzwungene Strategie einer Ordnung, das erste Element der sozialen Strukturierung auf dem alle spätere Gesellschaft aufbaut?
Pflege ich hier nur dumme Vorurteile und wird es auch Jäger gegeben haben, die lieber in ihrer Höhle blieben, wie ich bei meinen fein säuberlich geordneten Büchern und Evas, die lieber in die Welt zogen, wie meine schauspielernde Kapitänin?
Bestimmt gab es die, wie es immer alles gibt und geben kann, jede Ausnahme die Regel nur bestätigt, meine Kapitänin fuhr im Sturm um Gibraltar und klagte nicht, wenn die Sachen durch ihre Kabine flogen, kam wieder und regte sich über ungeputzte Scheiben und ähnliches auf, durch was ich nicht mal mehr sah, hatte eine irgendwie permanente Unzufriedenheit, weil ich nicht ständig etwas unternehmen wollte und dies Ansinnen eher lästig fand.
So scheint manches unterschiedlich und austauschbar und anderes fast genetisch festgelegt, wie die Dekoration zu Weihnachten, ob sie nun einem Aberglauben huldigen oder gänzlich ohne erzogen wurden, scheint ein solches Bedürfnis bei nahezu allen Frauen, die ich bisher nah genug kennenlernte, dies zu erfahren, in den Genen angelegt zu sein. Diese beiden Tendenzen im Wesen, die ich gar nicht näher benennen will, um sie und mich nicht zu beschränken, seien sie nun genetisch oder jedesmal neu hormonell bedingt, sind ein wichtiger Teil unserer kulturellen Leistungsfähigkeit und haben Gesellschaften, wie wir sie heute kennen, überhaupt erst entstehen lassen.
Wenn ich mich in einen Text oder ein Buch vertiefe, sehe ich keinen Staub und keine schmutzigen Scheiben, ist mir mein Badezimmer völlig egal und tue ich nur, was zum angenehmen Leben noch gerade nötig ist, weil ich eben voll bei der Sache bin. Widme mich mit ganzer Kraft der Kultur und verhalte mich dafür meiner nächsten Umgebung gegenüber vielleicht etwas unkultivierter, weil ich kulturelle Prioritäten setze, was ich nur von wenigen Frauen so kenne.
Dusche, um mich zu reinigen, frisch zu riechen und auf der Balz erfolgreich zu sein. Frauen zelebrieren ihr Bad, manchmal stundenlang, gerne mit Schampus, Kerzen, viel Schaum und sonstigen Zutaten und ich, der manchmal dazu gerufen wurde, war immer etwas befremdet. Für Sex war die Wanne zu klein und zu eng, Vorspiel unter Wasser ist auch nicht so prickelnd und so hielt ich mich dabei immer lieber zurück, wenn Damen meine Wanne besuchten und beschäftigte mich anderweitig, bis Frau dann abgetrocknet wieder bereit war, feucht zu werden oder müde ins Bett ging.
Die Badewanne und das drumherum ist vermutlich auch so eine Kultur für sich. Männer die gerne baden, kenne ich wenige, ob es ein zufällige Auswahl ist, dass viele davon schwul sind, weiß ich nicht. Als kleiner Junge vor der Geschlechtsreife fand ich das auch toll, heute habe ich immer eher das Gefühl meine Haut weicht nur auf und ich kann sie danach tatsächlich in Streifen abziehen, was mich eher unkultiviert aussehen als glücklicher werden lässt.
Natürlich wäre ich für schönen Sex, wie fast jeder Mann, bereit einiges zu tun, auch in eine Badewanne zur Not einen Moment zu steigen, doch wer je in einer Wanne Sex hatte, weiß wie schlecht das meist geht und wie gravierend dafür die Folgen sein können, von Überschwemmungen bis zu Abschürfungen der Haut an den Armaturen, die immer im Weg sind, wird davon vernünftigerweise absehen. Nur leider scheinen wir, bei der Suche nach sexueller Harmonie einige sehr unvernünftige Dinge noch vorab überwinden zu müssen, es könnte ja sonst auch zu einfach sein.
Die Römer hatten übrigens, wie die Griechen auch, eine wunderbare Bäderkultur, die auch immer stark sexuell geprägt war ohne alle christliche Doppelmoral. Solches gibt es heute auch in Saunen, für diejenigen, die es gern heiß mögen, wenn auch das sexuelle Element, außer der Laden verdient genau damit sein Geld, dabei immer aus Prinzip geleugnet wird, was ich schon immer lächerlich fand.
Sehe ich eine nackte Frau nah, habe ich Lust auf mehr und wenn nicht, wäre das eher seltsam und gegen meine Natur, die ich auch am Strand nur unterdrücke. Sich dabei beherrschen zu können und sich dennoch am sexuellen Reiz zu erfreuen, hilft bei der gesunden Balance im Leben, die wir als kultiviert bezeichnen. Es zu leugnen, halte ich allerdings eher für unkultiviert verlogen.
Dank amerikanisch christlicher Prüderie haben sich da auch in Europa die Grenzen ein wenig verschoben und Facebook tat ein übriges dazu alles sexuelle öffentlich zu tabuisieren, statt es endlich befreit und überall nach Lust und Laune zu tun, damit Kinder lernen, wie schön das Leben sein kann und nicht mit dummer amerikanischer Prüderie der jüdischen Sekte Christentum verblödet werden.
Ob diese geistig rückschrittliche Entwicklung, die über den großen Teich, wo die Phantasten meinen, in God’s own Country zu leben, je ein Fortschritt in der menschlichen Kultur sein kann, scheint mir mehr als fraglich und speichere meine Texte bei Google Docs auch nachdem mich Google+ rauswarf nachdem ich zu oft explizit sexuelle Bilder passend zu meinen erotischen Gedichten gepostet hatte und ich so angewidert von diesem Denken bin, dass ich gar nicht mehr weiß, warum ich dieses virtuelle Spiel noch mitspiele.
Ist unsere Kultur der Freiheit gerade durch Muslime in Gefahr oder durch die widerliche amerikanische Prüderie?
Bis zur Jahrtausendwende, war es für mich völlig normal, dass Sex etwas ist, bei dem beide ihre Befriedigung suchen und finden. Falls nicht, stimmt dabei etwas nicht und es lag eine eher pathologische Ausnahme vor, die mir bis dahin nur in Promillezahlen begegnete. Seit 2010 aber scheint sich dies Verhältnis umgekehrt zu haben und ein offenes Gespräch darüber im Interesse der gegenseitigen Befriedigung und Freude dabei wird als eher lästig empfunden, die Sache wird wieder behandelt, als hätten wir nie eine sexuelle Revolution gehabt und jede zweite Frau findet es völlig normal, dabei nicht zum Höhepunkt zu kommen.
Ist das der Sieg der Puritaner über Europa oder nur eine besonders schlechte Auswahl unter den Damen die mir in Berlin und Umgebung begegneten?
Es scheint der normale Wahnsinn langsam zu werden und das Bedürfnis der Frauen daran etwas zu ändern, nimmt ab, das Engagement der Männer, sich weiter darum zu kümmern auch. Wir sind wieder auf dem Weg ins moralische 19. Jahrhundert. Frau erträgt es und macht nur, was nötig ist und Mann befriedigt sich in ihr, wenn er dabei noch kann, im Gegensatz zu mir, den diese leidenschaftslose Verrichtungssexualität eher impotent macht.
Das ist nicht normal und darf nie wieder normaler Teil unserer Kultur werden, denke ich voller Entsetzen und weiß doch, dass ich die zyklischen Bewegung in einer Gesellschaft nicht aufhalten kann. Ist das Liebesleben, als Produkt unserer Triebe, das immer wieder gewissen Moden unterlag, mal freier, dann wieder prüder, wie es der Herrschaft gerade gefiel und dem Aberglauben entsprach, der gerne auch die Sexualität dazu benutzte, den Untergang ganzer Kulturen etwa in der Bibel zu begründen. Sei es nun Babylon oder die Sintflut, überall spielte der Sex auch eine Rolle irgendwie.
Im Hohelied dagegen überlieferte die Bibel im Buch Salomon einen der erotischsten Texte der Weltliteratur und mit dieser Dialektik spielt das Christentum noch wesentlich extremer als seine Ausgangsbasis das Judentum. Das herumschnipseln am männlichen Geschlecht aus fadenscheinigen Gründen, hatten die Juden übrigens von den Ägyptern übernommen, die es aus fadenscheinigen Gründen taten, auch wenn sie es anders begründeten. Auch am weiblichen Geschlecht wurde in der weiteren Umgebung Ägyptens herumgeschnippelt und wird dies teilweise verbrecherisch bis heute getan, um diesen Wunderort zu zerstören und den armen Opfern alle Lust zu rauben, bis sie entdecken, dass es doch noch einen Weg geben kann.
Auch die Klitorektomie ist Teil einer Kultur, wie die Beschneidung und die Taufe und vieles anderes mehr, was uns der Aberglaube mitbrachte oder von diesem übernommen wurde. Es geht erstaunlich oft doch immer wieder um Sex und die Wege dazu, die dafür nötige Aufmerksamkeit zu gewinnen. Unsere Kultur verbietet diese Verstümmelung der Frauen, weil wir sie für unmenschlich und unkultiviert halten. Wie anmaßend diese beiden Worte zur Beurteilung anderer Kulturen sind, ist eine andere Frage. Dennoch ist es richtig, die Frauen vor diesem auf Aberglauben beruhenden Eingriff in ihre körperliche Integrität zu verschonen und im Wege der Aufklärung dagegen zu wirken. In der Sache unterscheidet sich die Klitorektomie als Kulturleistung in nichts von der Taufe und der Beschneidung und eines wie das andere hat in einer aufgeklärten Kultur nichts mehr verloren.
Aber sind wir überhaupt aufgeklärt und woran messen wir das?
Warum hielten sich die Kreuzritter des George Bush jr. für zivilisierter als ihre fundamentalistischen muslimischen Gegner?
Die Maßstäbe, die eine strenge Unterscheidung rechtfertigen, verschwimmen leicht. Wenn amerikanische Drohnen ein Krankenhaus in Afghanistan zerstören, wird das zwar bedauert ist aber nichts als ein Kollateralschaden, auch wenn diese mal wie beabsichtigt treffen und gezielt eine Hochzeitsgesellschaft von über 150 Menschen nahezu auslöschen, weil sie einen Terroristen nach Geheimdienstinformationen dort vermuteten, ist dies eben leider nötig. Wenn dafür ein Terrorist auf einem Berliner Weihnachtsmarkt 12 Menschen tötet, ist es entmenschter Wahnsinn, der uns völlig unverständlich ist und wird der Islam, in dessen Name der Täter handelte, verdächtigt, eine Terrorreligion zu sein; wo dem Kampf gegen den Terror hundertmal so viele Menschen zum Opfer fielen, wie den Terroristen, die sich auf den Islam berufen je, ist der Islam das Problem der Welt und nicht Amerika.
Ob es Zeichen einer hohen Kultur ist die Tötung von Millionen Menschen als eher unwichtig und minderwertig zu riskieren, um sich für wenige hundert Tote in seinem Einflussbereich zu rächen, wird eine der Fragen sein, der sich unsere Kultur wird stellen müssen, wer auch immer diesen Kampf nun gewinnt. Wohin die Siege der Populisten uns führen werden, wissen wir nicht und es bleibt nur zu hoffen, dass Europa aus schlechter Erfahrung nun genug Vernunft übrig hat, dass diese eine vernachlässigenswerte Randgruppe bleiben. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die NPD nicht zu verbieten, weil sie diese für zu unbedeutend hielt, war sehr weise und kann die Gesellschaft darüber nachdenken lassen, ob Verbote im Bereich der politischen Moral je etwas taugten. Sie stellt die Frage nach der politischen Kultur und der Offenheit des Diskurses.
Die Kultur taucht also in vielen Bereichen auf, die uns gerade politisch höchst problematisch erscheinen - so in der Konfrontation zwischen multikultureller Toleranz und national beschränkter Identität, die sich um ihren Tellerrand fürchtet. Die einen wollen die Kultur des Abendlandes verteidigen, in dem sie diese an ihren Grundsätzen angreift, zu denen Offenheit, Toleranz, Nächstenliebe und daraus folgend auch Asyl grundsätzlich gehören. Die anderen geben sich weltoffen und tolerant, ohne zu bedenken, wie schwierig es wird, Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund und einem anderen Frauenbild in eine offene Gesellschaft zu integrieren, ob es nicht klare Lösungen braucht, weil eine Gesellschaft nur beschränkt Zuwanderung aus sozial völlig anders orientierten Kulturen verträgt, ohne in ihrer Offenheit gefährdet zu werden.
Beide Seiten irren in Teilen und liegen in anderen ganz richtig, da sie manche Probleme besser sehen als ihre Gegner oder Chancen wie Risiken eher begriffen haben. Wenn es darum geht, dass diese Gesellschaft unbegrenzt Menschen aus einer anderen Kultur aufnimmt, ohne ihre eigene Kultur noch zu verteidigen, wäre dies leichtfertig und nutzte keinem. Wenn eine faktisch aussterbende Gesellschaft keine Menschen aufnimmt und aktiv integriert, beschleunigt sie nur ihren Suizid. Warum die germanischen Urwaldbewohner und ihre Nachfahren, die noch vor wenigen tausend Jahren hier auf den Bäumen saßen und keine Schrift kannten, kultivierter sein sollen als etwa Syrer, die von den Wurzeln der menschlichen Kultur kommen und diese darum das hiesige Weißbiernebelkulturerbe bedrohten, ist mir noch nicht verständlich gemacht worden.
Die Lügen der hohen Kriminalität durch Flüchtlinge, die faktisch einfach falsch sind, da im Gegenteil die Anzahl von Kriminellen unter den Flüchtlingen sogar deutlich unterdurchschnittlich ist, fruchten, weil sich natürlich die tatsächliche Zahl der Delikte erhöht, wenn fast eine Millionen Menschen in schwieriger sozialer Lage ins Land kommt und mit der Angst immer gute Geschäfte gemacht wurden, auch wenn jeder vernünftige Mensch weiß, es ist dummes Zeug und schlicht erlogen. So wurde die Lüge Teil unserer politischen Kultur und wird benutzt von den Menschen, die laut Lügenpresse schreien in ihrer Angst vor Bedrohung, die durch die von ihnen gehörten russischen Propagandasender noch weiter geschürt wird.
Wir nennen diese Kultur nun vornehm postfaktisch, auch wenn es das Ding an sich nicht weniger widerlich macht. Ein amerikanischer Präsident wurde dank der gezielten Verbreitung von faktischen Lügen gerade gewählt und die Welt wird sehen, wie er sich mit seinem Freund Putin verstehen wird und ob die beiden postdemokratischen Kumpel eine ganz neue Weltordnung planen, die dafür mehr Freiheit in Fragen der politischen Korrektheit wohl verspräche, worauf es der Welt langfristig ankommt um sich auch kulturell ruhig weiterentwickeln zu können.
Doch hat die bisherige politisch korrekte Kultur, in der immer mehr Frauen herrschten, es nicht geschafft, die Probleme der Welt besser zu lösen, ist nur in neue weitere Konfrontationen jeweiliger moralischer Anmaßung hereingestolpert, aus denen es kaum einen Ausweg als neue Kriege geben kann, die auch keiner wollen kann. Wir müssen uns also fragen, was die zentralen Aufgabe sind und wie wir sie am effektivsten zum Wohle der Kultur lösen, ob Konfrontation weiterführt und was von einem großen Sprüchemacher zu halten ist, wie der eher wortkarge aber hochintelligente ehemalige Geheimdienstmann an der Spitze des Kreml mit diesem Witzbold spielen wird und welche Folgen das für die weltweite politische Kultur haben wird.
Wer mit beiden kann, der wird sich viel herausnehmen können, wer mit keinem von beiden klar kommt, wird eher in Schwierigkeiten der moralischen Legitimation geraten. Nicht theoretisch, es sind beide postdemokratische Narren, sondern rein faktisch, weil keinem die Gegnerschaft noch zuzumuten ist. Ob die Ära der Einigkeit und des Friedens zwischen Russland und den USA der Welt gut tut oder zu viel Harmonie eher das Gleichgewicht stört, ist noch offen, es wird sicher auch eine Frage der Kultur wenn zwei ursprünglich unkultivierte, neureiche Aufsteiger als Postdemokraten, die Welt beherrschen.
In Gesellschaften, die den offenen Diskurs verfolgen, bilden sich oft hochkultivierte Formen in denen die Kritik am Staat formuliert werden kann, so gesehen stehen der Kultur in der Ära Trump-Putin, blühende Zeiten bevor, wie der Türkei unter Erdogan kulturell, ließe er nicht längst alle großen, kritischen Denker im Gefängnis verschimmeln. Ob vier Jahre einem Trump reichen, die amerikanische demokratische Kultur zu ruinieren, scheint zumindest fragwürdig, hat sie doch schon über 200 Jahre und einen Bürgerkrieg überstanden.
Wer von beiden Lagern auch hier im Land die Wahrheit besitzt, weiß ich nicht und scheint mir eher fraglich als klar. Klüger schiene mir, zu überlegen, was diese Wahrheit überhaupt kulturell so sein soll und ob es die überhaupt je gibt.
Wahrheit hieße immer wahr und alles richtig. Eine unmögliche Aufgabe, wie wir logisch wissen, da wir immer nur mit dem Horizont reagieren können, den wir eben haben und so wahr antworten, wie wir meinen. Manche sagen, die Wahrheit sei darum die Erfindung eines Lügners, weil es nie die Wahrheit geben kann, keiner sie erkennen könne und wer es behauptet, ein Lügner sein müsse, weil jeder Mensch immer nur aus seinem natürlich beschränkten Horizont spricht und damit für alle jenseits dieses Horizontes schon wieder unwahr.
Die Mathematik kann für bestimmte Fragen unter bestimmten Bedingungen klare wahre Aussagen machen, aber ist diese darum die Wahrheit oder dieser auch nur näher?
Wer sich vertieft mit der Mathematik beschäftigt, wird schnell merken, wie relativ gültig auch nur diese immer wahren Aussagen wie 1-1=0 oder 1+1=2 sind. Will da gar keine Ahnung vortäuschen und überlasse dieses weite Feld darum den Mathematikern, die ihre letzte Burg der Wahrheit erfolgreich selbst stürmten. Es gibt auch dort nur begrenzt wahre Aussagen, die unter bestimmten Bedingungen gelten können.
In der Philosophie gibt es so wenig wie in der Ethik oder der Politik die eine Wahrheit. Vielmehr gibt es verschiedene Versuche mit der relativen Wahrheit zu leben. Mehr können wir nie, was helfen kann, toleranter zu werden und offener zuzuhören, statt Ziele mit Gewalt erkämpfen zu wollen, denn wenn alles sein kann, ist auch nichts ein Leben wert und könnten wir mehr Kompromisse suchen, statt um Prinzipien zu streiten.
Denken wir etwa an Horst und Angela, die sich ständig über die Obergrenze oder nicht streiten. Der Horst hat Recht, insofern kein Land unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen kann, sondern auch auf seine eigenen Kräfte achten muss, um den Menschen überhaupt noch helfen und Raum bieten zu können. Die Angela hat völlig richtig festgestellt, dass unser Grundrecht auf Asyl im Grundgesetz keine Obergrenze kennt. Beide haben Recht und die Frage, die wichtiger ist, als wer gewinnt, wäre, wie finden wir einen Weg, der eine vernünftige Lösung bietet, mit der alle gut leben können.
Im Beispiel Horst und Angela könnte bedacht werden, dass die Zahl der Einwohner dieses Landes seit meinem Abitur um fast 8 Millionen zurückgegangen ist und sich also das schon lange prognostizierte Aussterben bereits faktisch in jeder Generation auswirkt, wir also dringend Zuwanderung brauchen, um unsere Sozialsysteme stabil zu halten.
Woher sollen wir aber Millionen Menschen für unsere Sozialsysteme nehmen auf der Welt, wenn nicht von da, wo sie weg wollen, weil sie nicht gut leben können?
Ob aber unbeschränkte Zuwanderung uns die gewünschte Auswahl an Menschen bringt, die unsere Gesellschaft bereichern, scheint mehr als fraglich. Ein Zuwanderungsland, was wir werden müssen, wenn wir überleben wollen auf Dauer, muss dazu andere Kriterien stellen. Andererseits wird sich schon die Spreu vom Weizen trennen mit der Zeit und was und wer bleibt, wird vom Markt integriert oder wieder abgeschoben. Über solche Fragen offen und konstruktiv ohne moralische Vorwürfe zu diskutieren, würde den Populismus schwächen und eine langfristige Integration ermöglichen, die besser ist als was bisher in diesem Land auf dem Gebiet geleistet wurde. Eine solch sachliche und vernünftige Lösung jenseits aller Polarisierung ist es, die das Land braucht und die eine große Mehrheit zufrieden stellte.
Demokratie heißt eben auch, es gibt nicht nur eine Wahrheit sondern viele Wege und darüber welcher richtig ist, muss offen gestritten werden, ohne den einen Lügner zu nennen, oder über Lügenpresse zu fabulieren, sondern sich um Kompromisse zu bemühen.
Unsere Rechtsradikalen dagegen bemühen sich hier ständig nur um Provokationen und die versammelte politische Elite springt immer wieder schnell auf den Zug auf und singt deren Lieder mit. Will hier nicht mal die Namen der Provokateure noch nennen, die zu unwichtig sind und die verpasste Integration vieler Menschen in Ostdeutschland in die Demokratie wird nicht dadurch verbessert, dass sich Medien und Politik auf die pubertären Späße einer Parteiführung stürzt die ein reaktionärer Aufbruch sein wollen. Schweigen und wegsehen und in Bildung investieren scheint vernünftiger.
Kultur beginnt und begann vermutlich beim Sex und sie endet auch meist da, wenn wir vom Trieb geführt irgendwann alle Kultiviertheit fallen lassen und uns Brunftlaute ausstoßend einander hingeben. Damit schließt sich der Kreis. Es braucht Kultur, um dahin zu gelangen, wo wir unserer Natur folgend, alle Kultur stöhnend fallen lassen können, was zumindest offensichtlich macht, wie eng Sex und Kultur immer zusammenhängen, auch wenn es nicht die Frage nach der angeblichen Dialektik der beiden beantwortet, wenn denn das eine nur Natur und das andere als Kultur nur menschengemacht sein dürfte. So weiß ich am Ende wieder manches nicht und das ist gut so, weil es mich weiter suchen lässt, in der Kultur und bei der Dialektik auch gern andernorts.
jens tuengerthal 18.1.2017
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