Dienstag, 17. Januar 2017

Gretasophie 009a

009a Natur und Geist

Wie Unterscheiden sich Natur und Geist - was ist am Ende noch natürlich?

Folge ich Epikur und Lukrez ist alles Natur und nichts außer ihr, jede Dialektik  da überflüssig, weil, was der Mensch tut, Teil seiner Natur ist. Doch ist dieses Denken über 2000 Jahre später noch aktuell, nicht seit Hegel oder spätestens der Moderne völlig überholt?

Weiß zu wenig, um aktuelle philosophische Moden zu kommentieren, die sich gerne in eigener Sprache in geschlossenen Begriffswelten selbst bestätigen, statt den alltäglichen Dialog zu suchen, die eben akademisch sind und es auch bleiben möchten. Kenne nur die Kneipengespräche aus den Bars um den Platz und die Fragen, die sich Menschen dort stellen, ob sie nun internationale Bänker sind oder waren, Physiker, Hutmacher, Musiker, Wirte oder Schauspieler, spielt dabei für mich weniger eine Rolle, als wie weit es mein Denken weiterbringt.

Staune immer wieder, wie erstaunt auch Philosophen, die gerne bei Epikur erstmal abwinken, über die Konsequenzen dieses Denkens sind, das die eigene Lust zum Mittelpunkt des subjektiven Universums macht, da wir nichts anderes als glücklich sein können, wenn wir uns um ihre Befriedigung bemühen. Wobei für Kurzsichtige angemerkt sei, obwohl Epikurs Schule, wie später all seine Schüler als einzige Frauen gleichberechtigt zuließ, geht es bei dem Wort Lust nicht in erster Linie um Sex nur höchstens auch, aber nicht mehr als es mein Sein und meinen Begriff von Glück sonst auch betrifft.

Spätestens, wenn die Rede auf den Tod und die angeblich natürliche Angst vor ihm kommt, die wir Epikuräer natürlich nicht kennen, weil wir uns der alten Weisheit erinnern, dass uns der Tod nichts angeht, der nie irgendwo mit uns zugleich ist und viel Theater um das nicht mehr Sein uns unwürdig erscheint, wird der intuitive Protest vieler groß.

Was habe ich davon, zu trauern, wer profitiert vom Jammern über den Tod, welchen Gewinn habe ich davon, mich der Trauer hinzugeben und warum sollte dies in meiner Natur nicht liegen, in jener der Gläubigen schon, die angeblich doch ein Himmelreich erwartet?

Wie ich behaupten könne, dass nichts bliebe, wo doch die Seele unsterblich immer sei, wird mir gelegentlich zornig entgegengehalten. Dann verweise ich gerne auf Lukrez, der besser in Versen die natürliche Sterblichkeit der Seele begründete, als ich es in Prosa nun schaffe. Aber versuchen will ich es doch, mit ähnlich möglichst einfachen Worten, um die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Wie soll bleiben, was nicht mal irgendwo in der Natur ist und nur im Glauben existiert? Warum soll ich an etwas glauben, dass nur dann existiert und keinen Vorteil für mich hat, als mir obwohl vermeintlich unsterblich, nun Angst vor dem Tod zu machen?

Wo diese Seele, die mir nur ein Produkt des Aberglaubens ist, sitzen soll, hat noch kein Mensch herausgefunden und so gilt sie einigermaßen vernünftigen Gläubigen heute auch mehr als Idee denn noch als zu findende Materie. Ein Glaubenssatz, der unsterblich sein soll, weil viele es sagen und daran glauben wollen, damit zumindest etwas von ihnen bleibt.

Dies ist keine vernünftige Begründung sondern höchstens eine etwas eitle allzu menschliche, von Angst und der Gier nach Bedeutung genährt, zeugt sie eher von kleinem Geist als von großer Bescheidenheit für diese angebliche Krone der erdachten Schöpfung.

Warum sollte ich mehr sein wollen, als alle Natur, die natürlich sterblich ist und in ihre Atome zerfällt, um sich in einem ewigen Kreislauf der Elemente, deren Zahl auch im Universum vermutlich relativ übersichtlich bleibt, weil irgendwo doch alles eins ist, frage ich mich und denke, dass mir solche Eitelkeit völlig fremd ist oder gar zu meinen, dass, falls es tatsächlich Götter geben sollte, wie manche meinen, also allwissende und allmächtige Wesen, diese sich überhaupt um uns kümmern sollten in ihrer himmlischen Existenz, statt es sich einfach gut gehen zu lassen.

So scheint mir, wie die Brüder Goncourt es so treffend sagten, der Atheismus immer noch die geringere Beleidigung dieser erdachten höheren Wesen, als die Albernheiten, die Kirche und Gläubige darum veranstalten und die noch dazu meist jenseits aller Vernunft liegen, auch wenn die Versuche den Aberglauben vernünftig zu begründen inzwischen ungezählt sind.

Warum sollte also die Aussicht eines vernünftig betrachtet albernen Aberglaubens mir die Angst vor dem Tod nehmen, die nur dieser mir mit der als Gegenpol zum erdachten Himmel erfundenen Hölle einzureden versucht?

Es bleibt, wie ich es auch drehe oder wende für mich ein absurdes Denken, zumal es noch für sich in Anspruch nimmt, umfassend zu sein und darum immer aktualisierte Versionen der Schöpfung als solche den Gläubigen zu verkaufen suche. Dazu nimmt der Glaube noch das so menschliche Gefühl der Liebe als sein Monopol in Anspruch soweit irgend christlich und erklärt dabei ihren schönsten körperlichen Vollzug meist zur Sünde, um durch diese spannungsreiche Dialektik noch die Lust zu steigern, was bei vielen erstaunlich gut funktioniert.

Doch mag es Menschen geben, die dadurch Trost empfinden, dass sie glauben, es gäbe einen Schöpfer, der alles beobachtet und bewacht, etwa wie die Stasi, und am Ende über uns richtet und die Menschen nur Dank seiner Gnade und der moralischen Lehre seines angeblichen Sohnes, des abtrünnigen jüdischen Rabbis Jesus, erst gut und menschlich handeln würden. Sie halten die Gebote der menschlichen Kirche für irgendwie göttlich und meinen, es ginge ihnen besser, wenn sie nicht mehr sind, sofern sie sich daran halten, solange sie sind und meinen darum, nur die christliche Moral könne noch ein moralisches Handeln des ansonsten unmoralischen Menschen begründen.

Muss zugeben, dass ich diese Begründung der Existenz einer Seele als moralischer Instanz schwer verständlich finde und ihre vorgeblicher moralischer Mehrwert mir nicht einleuchtet. Im Gegenteil scheint mir diese Weltsicht eher logisch zu einer Deantwortung der Beteiligten im göttlichen System zu führen, ob wir gut handeln, wie Hiob, oder schlecht wie die von Babel, die mit ihrem Turm den Himmel erreichen wollten, uns geht es beiden zu Lebzeiten schlecht, weil es dem Herrn so gefällt und das einzige, was der Aberglaube uns dafür bietet, ist die Aussicht auf ein besseres Jenseits, falls es das gibt und für das wir nun geduldig leiden sollen.

Ob es nun besonders böse ist, diese Ideologie sehr herrschaftskonform zu nennen, weiß ich nicht, mir scheint der Aberglaube wurde in ein neues Gewand gesteckt, auf das Jenseits orientiert, damit die Leute blöd und gehorsam bleiben konnte und hofften, es würde irgendwann besser, spätestens im erfundenen Himmelreich als Zielort ihrer dämlichen Geduld.

Was dafür spricht, dass es ein Himmelreich gäbe oder wir nach dem Tod weiterlebten, gar wiedergeboren würden, ist mir rätselhaft, wo wir doch alle Natur als klar sterblich und damit endlich erkennen. Zugleich wissen wir, dass wir auf subatomarer Ebene, in der Welt des Welle-Teilchen-Dualismus immer in ähnlicher Weise fortexistieren, sich nur die Verbindung der Atome, aus denen wir bestehen völlig neu konfiguriert. Doch folgt aus der Fortexistenz der Atome, aus denen wir nunmal alle bestehen, auch die Kontinuität des Wesens, das aus ihnen zusammengesetzt ist?

Wenn ich einen Rechner in all seine elementaren Bauteile zerlege, wird auch keiner erwarten, dass, egal was irgendwann aus den vorher verbundenen Elementen wird, sich auf dem neuen Gerät die Festplatte des alten mit gleicher Formatierung befindet. Genau das tut aber die Lehre von der Seele, die behauptet unsere komplexe menschliche Natur, die sich aus Milliarden von Gehirnzellen und ihren Billionen von neuronalen Verbindungen zusammensetzt, die zusätzlich noch durch den chemischen Cocktail vieler verschiedener Hormone in ihrer Reaktionsweise verändert werden, sei in diesem erdachten Ding, das an keinem körperlichen Ort vorhanden sei, gespeichert. Es gäbe also den unsichtbaren Rechner, der alles umfasst, was uns ausmacht, noch dazu unsterblich sei und in genau der Programmierung, die er einmal beim Tod hatte, auch nach der totalen Defragmentierung unseres Systems weiterbestehe.

Halte diese Theorie für zu albern, sie hier weiterzuverfolgen und denke der Vergleich mit dem Rechner machte deutlich, wie absurd der Fortbestand eines so komplexen Systems ohne Ort wäre.

Natürlich halte ich Vererbung für eine in der Natur angelegte Sache, die logisch und sinnvoll mir erscheint. Ob und inwieweit wir auch die Informationen, die unser Gehirn im Laufe eines Lebens speicherte mit unserem Erbgut weitergeben können, oder es dabei vornehmlich um die bereits im genetischen Code fest angelegten Dinge geht, ist noch nicht völlig klar. Es kann das Genom auch durch Einfluss von außen verändert werden, wie wir auch bei Strahlenschäden sehen konnten. Ob sich bestimmte neuronale Verbindungen, die gewissen Gedanken entsprechen als Spannungsbogen weiter vererben, ist noch nicht erforscht worden, weil es uns bei einigen Dingen noch am Wissen im Detail fehlt.

Was ist zwischen den neuronalen Netzwerken und ihrer sowohl hormonellen als auch sonst externen Beeinflussung etwa durch Nutzung und Übung übertragbar?

Wenn ich etwa dies Buch für meine Tochter schreibe und sie es irgendwann vielleicht liest und versucht, es zu verstehen, setze ich ihr Gehirn damit indirekt in Aktivität und versuche ihr meine Gedankenwelt, in Form von Sätzen zu vermitteln und es fragt sich, ob es bei der Lektüre etwa einen Aha-Effekt gibt, weil sie nur liest, was sie schon im Erbgut teilweise mitbekam an kritischem Geist, der den Dingen auf den Grund geht. Setze ich noch neben den mentalen Duftmarken des Textes, über den die Leserin nachdenkt, auch solche in ihrem Gehirn, die durch bestimmte dadurch ausgelöste neuronale Verbindungen oder Reaktionsweisen in uns festgeschrieben werden, als programmierten unsere Gedanken das Gehirn wirklich wie eine Festplatte, die auch einen physischen Prozess in dem technischen Gerät in Gang setzt?

Noch fällt uns der genaue Nachweis der physischen Spuren einzelner Gedanken schwer, weil Rechner, die der Komplexität unserer Gehirns entsprechen würden, noch nicht existieren, auch wenn wir diesen leistungsfähigsten Rechner der Welt meist in beschränkter Gefangenschaft auf RTL-Niveau halten, um uns das Denken zu ersparen. Aber könnten wir es, bewiese es, wie sehr der Konsum der Sender für bildungsferne Schichten unser Gehirn auf deren Ebene programmierte, wenn es denn so wäre und das Gehirn sich je festschreiben ließe, nicht immer neu kreieren könnte, wie die Rekonvaleszenz nach Schlaganfällen oder schwerem Schädelhirntrauma beweisen, wie es mein Kopf vor bald 30 Jahren erlitt - dies macht zumindest Hoffnung, dass auch jahrelange Berieselung großer Teile der Marzahner Wohnblöcke nicht zu dauerhaften Schäden im Erbgut führen muss, sogar im Einzelfall noch eine Befreiung möglich wäre, wenn die Betroffenen plötzlich selbständig zu denken anfingen.

Es ist diese Welt des Gehirns und der Gedanken höchst komplex und langsam erst beginnen Neurologen diese Welt teilweise zu entschlüsseln, ohne bereits alles zu verstehen, oder wirklich taugliche Landkarten des Gehirns geben zu können. Wie sich immer mehr zeigte, kann wohl jede Zelle im Gehirn nahezu beliebig jede neuronale Funktion übernehmen. Auch darum konnte ich, obwohl ich mir den Kopf kräftig anschlug und vorne in meinem Schädel nur noch Schrott an toten Hirnzellen herumlag, relativ bald wieder selbständig atmen, reden und sogar so etwas ähnliches wie denken lernen, dahingestellt, wie gut das Ergebnis nun ist.

Wären die Funktionen im Gehirn an bestimmte Orten festgelegt, gingen die Funktionen bei Schäden in diesem Bereich unwiderruflich verloren, was sie, wie ich an mir selbst merken durfte, nicht taten, ohne dass ich darum nun wüsste, was sich warum wohl verlagert hätte. Vermutlich könnten im  EEG oder in einem MRT diese Dinge zum Teil nachgewiesen werden und es wäre vielleicht spannend zu erfahren, wie weit sich bestimmte Funktionen verlagert haben von ihrem Ursprungsort. Spannend für Neurologen, mir genügt bisher, dass alles wieder einigermaßen funktioniert und wenn gerade nicht, ich zumindest theoretisch die beste Ausrede der Welt habe.

Ob allerdings die Größe des Hirnschadens angesichts dieser rein theoretischen Reflektion noch als groß genug gelten kann, irgendwas zu entschuldigen, weiß ich nicht und bin dennoch zufrieden mit den Dingen, wie sie sind.

Spannend war die Erfahrung nach dem Unfall, bei dem ich mir meinen Schädel anschlug indem ich die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos mit dem Kopf zuerst einschlug, wie sehr ich auch bestimmte soziale Kompetenzen und moralisches Handeln neu erlernen musste und wie fern mir viele Dinge lagen, die anderen völlig normal schienen. Etwa Treue in Beziehungen, was bis heute noch ein eher sehr theoretisches Ziel für mich ist, was vielen Frauen ewig unverständlich wohl bleiben wird, dahingestellt, mit wie vielen unbeschädigten Männern und Frauen ich das teile und es also gar keine physisch pathologische sondern allein eine moralische Programmierung wäre, bei der ich mich auf das Erbe meines Großvaters herausreden könnte, wäre das je nötig.

Unterscheidet sich hier der Geist vom Gehirn wie die Software von der Hardware?

Weiß nicht so genau, was wer unter Geist versteht. Die ollen Griechen nannten ihn Psyche und die Römer sprachen von Spiritus. Philosophen, Theologen, Psychologen und der Alltag nutzen den Begriff ganz unterschiedlich und mit verschiedener Weite, insbesondere im Aberglauben kennt die Ausdehnung wie der eigene Beglückungsanspruch meist keine Grenzen mehr. Der ganze Bereich des spirituellen Hokuspokus, der für einige schwächere Geister heute Ziel der Sinnsuche ist, die ihnen weniger nötig schien, wüssten sie ihren Verstand in rechter Weise zu nutzen, wären sie also frei, wird auch vom geistigen Bereich erfasst, zu dem aber auch schlicht alle kognitiven Fähigkeiten des Menschen gehören und so steht in diesem Bereich der kluge Kant neben den leicht minderbemittelten Esoterikern, die stets Antworten auf die Fragen des Lebens nach Schema spirituell wissen.

Ob diese theoretische Gleichberechtigung der Sache gut tut, könnte fraglich sein, weil sie nicht die Vernunft vom nur Aberglauben scheidet. Doch hat der Mensch dazu ja seinen Verstand und kann selbständig denken oder nicht, wenn welche den Vorbetern lieber folgen, statt kritisch zu denken, lieber Gläubige als Philosophen im Leben sind, dann ist das eben so. Aufgeklärt ist, wer sich aus dieser selbstverschuldeten Unmündigkeit auch des Aberglaubens befreit hat und so handelt, wie es ihm sein Verstand sagt, der also bewusst und klar ist. Wer unaufgeklärt bleiben will und weiter in diesem Zustand verharren möchte, lieber auf Wunderheiler und spirituelle Meister, statt auf die schlichte Vernunft hört, ist eben so unfrei glücklich. Über die Dummheit und Beschränkung der anderen habe ich nicht zu urteilen, es ist ihr Weg und ihre Sache, doch muss ich mich nicht weiter mit diesem albernen Hokuspokus für Geisterseher beschäftigen, den Kant über Svedenborgs Träume lästernd schon so klug verspottete, es ist kein Thema, hier geht es um den aufgeklärten und vernünftigen Geist.

Wen das nicht interessiert und wer lieber dem Aberglauben folgt, soll dies tun und wird vermutlich längst aufgehört haben zu lesen. Es wird für diese Schatzsucher der Mystik im weiten Feld der menschlichen Dummheit hier nichts zu finden geben. Meine Absicht ist es jeden Winkel des Geistes und seines Verhältnisses zur Natur genau auszuleuchten, um einen kleinen Beitrag zur Befreiung aus der Unmündigkeit zu leisten.

Geist ist also für mich alles kognitive, was wir denken und fühlen. Es ist  zum allergrößten Teil Produkt unseres Gehirns und seiner neuronalen Verbindungen. Teilweise wird es jedoch gerade im emotionalen Bereich auch von den Hormonen mitbeeinflusst. Voller Lust oder mit sehnsüchtiger Liebe von meinen Trieben gesteuert, schreibe ich gänzlich anders, als ich es mit klarer Vernunft tue, trunken anders als nüchtern, im Rausch der Sinne mit völlig anderen Worten als ohne Lust. Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn ich versuche den Geist in seiner Weite zu beschreiben und nicht gleich in den Aberglauben an eine Seele abzurutschen oder das Herz, die schlichte Blutpumpe für seltsame unvernünftige Reaktionen verantwortlich zu machen.

Es funktioniert alles in der Natur logisch und kausal, auch wenn ich die Kausalität nicht immer schon verstehen oder überblicken kann. Der Zufall ist Ausdruck solch komplexer Kausalität, deren Gründe wir nicht im einzelnen benennen können. Seltsam ist nur, ob unsere Existenz überhaupt, wir also in einem Moment Materie als Teilchen oder Welle sind, sich bisher nur nach Faktoren des Zufalls bestimmen lässt, aber auch das könnte, wie so oft in diesem Bereich, an einem fehlenden Überblick liegen. Alles von dem wir wissen aber, funktioniert so und steht in einem Zusammenhang, weil eins das andere durch sein Sein auch verändert und beeinflusst, wie minimal diese Veränderung auch immer sein mag.

So logisch ist die Evolution und alles Sein ohne einen Schöpfer sondern als Teil einer kausalen Kette der Natur. Nach einem Anfang fragt dabei nur, wer in den engen Schranken seines linearen Denkens eingesperrt ist, denn die meisten Prozesse verlaufen zyklisch zwischen Ausdehnung und Zusammenziehen. So war es auch mit dem Universum. Es dehnte sich nach dem Urknall in für uns unendliche Weite aus. Nur weil wir nicht wissen, was diesen auslöste und die Energie dazu lieferte, anzunehmen, es gäbe dafür einen Schöpfer oder Gott über den Wolken, statt logisch zu vermuten, es wird eben noch andere Universen geben und alles bedingt sich immer in ewigen Zyklen gegenseitig, scheint mir sehr menschlich, wenn auch von keinerlei Vernunft getragen.

Es ist egal, bis zu welchen Details, wir zurückgehen. Ob wir den Urknall als Ursprung annehmen und von da aus betrachten, immer wird die Energie, die da ist irgendwo her sein, denn von nichts kommt nichts und kam noch nie etwas. Dann können wir, weil wir etwas nicht erklären können, zum Aberglauben Zuflucht nehmen und eben Götter erfinden oder lieber kritisch und vernünftig prüfen, was ist und wie es sein kann.

Warum viele Menschen das Bedürfnis haben, sich eine höhere Erklärung für all das zu suchen, was sie noch nicht wissen, habe ich noch nie verstanden, zumal die Geschichte uns zeigte, wie weit die Sekten des Aberglaubens, genannt Kirchen, diese Grenze immer wieder verschieben mussten, um der erkannten Wirklichkeit zu entsprechen, die jede immer eine weitere Bestätigung nur der wissenschaftlichen Sicht der Welt war, die keine Götter braucht. Vielleicht hängt das mit der Angst zusammen, die von diesen Sekten zugleich gepredigt wird. Der vor dem Tod, der Hölle, den göttlichen Strafen und ähnlichem Unsinn, vor dem Menschen noch immer teilweise erzittern.

Eines wird aber deutlich, es geht beim Verhältnis von Geist und Natur schon ziemlich ums Eingemachte und die Grundlagen unseres Seins. Für den Epikuräer und die Wissenschaft bleibt nach uns nichts, sind wir nur Materie und was die anderen Geist oder spirituelle Welt nennen, ist für uns das Produkt unseres Gehirns mit manchmal noch hormonellen Einflusses, dennoch behalten manche Wissenschaftler ihren tradierten Aberglauben bei, weil es ihnen so gefällt und sie ihn etwa für ethisch wertvoll halten, doch spielt dies für ihre Arbeit und die Seriosität ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse nie eine Rolle und darf dies auch nicht.

Der logisch auf verlorenen Posten stehende Aberglaube versucht gerade noch mit manch seltsamen Aktionen, wie den Stellungnahmen der Kreationisten, die wirrsten Aberglauben verkünden, dass es eine beweisbare Schöpfung etwa gäbe und es so teilweise wie etwa in Hessen sogar in Biologielehrbücher schafften, auch wenn es nichts als dummer Aberglaube ist, der nur aufgrund des Respektes und Schutzes des Grundgesetzes Lücken sucht, um die Dummheit wach zu halten. Es steht jedem frei, dumm bleiben zu wollen, wenn es auch in naturwissenschaftlichen Lehrbüchern nichts zu suchen hat sondern nur im Bereich Ethik als Form des Aberglaubens dargestellt gehört.

Der menschliche Geist erdenkt sich immer wieder Formen, in denen er meint, seine Natur zu überwinden, sich unsterblich zu fühlen, an höhere alberne Welten zu glauben und ähnlichen Irrsinn. Diese werden damit nicht vernünftiger, dass sie Mittel und Sprache der Naturwissenschaft zu den Mitteln des Aberglaubens missbrauchen.

Aber ich will hier gar keine Brandrede gegen Aberglaube und Dummheit halten, muss ja jeder für sich entscheiden, was ihn glücklich macht und womit er sich wohl fühlt oder auch sie und wer seine geistigen Mittel eben lieber zur Verwirrung statt zur Aufklärung nutzen möchte, soll dies tun und damit glücklich werden, denn es gibt immer viele, die diesen Weg mitgehen wollen - die zunehmende Zahl der Yoga-Studios in meiner Umgebung und der tatsächliche Erfolg etwa der Geisterheiler und ähnlicher Leute, die ökonomisch so schlichten Aufklärern nur wie mir immer weit überlegen sind, lässt schon fragen, worauf es im Leben wirklich ankommt und warum.

Die zumindest, die mit der Ungnade von genug Verstand gesegnet sind, diesen Unsinn noch glauben zu können und anders als spöttisch zu betrachten, haben es bis heute nicht unbedingt leichter in einer Gemeinschaft voller irgendwie Gläubiger. Doch können sich diese mit Kants Diktum über die Aufklärung trösten. Sie haben die Chance, sich zu befreien, während große Teile ihrer Umgebung noch am närrischen Aberglauben festhalten, es irgendwie gern spirituell hat halt, mit Räucherstäbchen und Yoga und so, ohne die ihnen natugegebene Vernunft nutzen zu wollen, außer es geht darum andere damit finanziell noch abzuzocken.

Uns Epikuräern ist Geist ein Teil unserer Natur und sonst nichts. Das macht viele Diskussionen über metaphysische Gründe des Seins und anderen Hokuspokus schlicht überflüssig. Es gibt nichts, was nicht ist. Alles ist Materie und was keine ist, ist nicht existent. Die Kernsätze, über die alle Gläubigen aufschreien, die doch ihren Glauben spüren, von belegten Wundern faseln und der segensreichen Wirkung der Heiligen.

Heiligenbilder sind Materie, wer sich davor hinkniet und sich danach besser fühlt oder durch die psychosomatische Wirkung kollektiver Indoktrination eine Heilung spürt, mag damit glücklich werden. Doch gibt es dieses Wunder nirgends in der Natur und nur in seinem Geist. Ein Produkt real existierender Phantasie.

Wenn die Stärkung des Geistes auch im Aberglauben zu einer solchen Kräftigung des Immunsystems führt, dass Menschen davon gesund werden, wunderbar für sie und alle, die es glauben können. Es steht mir nicht zu, darüber weiter zu urteilen, da halte ich mich lieber völlig zurück, denn mir fehlt eben jeder Aberglaube an Wunderheiler, Kügelchen oder sonstigen Hokuspokus. Muss mich allein auf meine Vernunft verlassen und alles, was dieser widerspricht und mir nicht einleuchtet, ist wirkungslos immer gewesen. Ging mir bei der Homöopathie so, wie beim Gedundbeten, dem Handauflegen oder sogar den Nadeln der Akupunktur mit dem geglaubten chinesischen Kreislauf. Verstehe ich nicht, leuchtet mir nicht ein, scheint mir Unsinn, wirkt bei mir nicht.

Dabei kenne ich eine ganz wunderbare Ärztin und Homöompathin, die ich das Glück hatte einmal als Liebhaberin genossen zu haben, welche ich auch für eine kluge Frau halte und die mich auch mal mit Kügelchen versorgte, ohne dass diese mich irgendwie beeinflussten und mich vor allem darum stutzig machten, weil sie mir nicht erklärte, warum sie dies oder jenes nun für geeignet hielt und die genaue Erklärung auch für falsch erklärte, weil es auch um Vertrauen ginge. Durch diese unaufgeklärte Haltung zur Sache, die sich dem Patienten nicht logisch erschließen kann, ist es für mich immer Hokuspokus geblieben, an dessen Wirkung ich nie glauben konnte, so lieb ich diese wunderbare Frau auch immer hatte. Es tat mir leid, ich wusste ja, sie meint es gut mit mir, aber ich konnte nicht anders als es innerlich ablehnen, so sehr ich mich andererseits von ihr immer wieder angezogen fühlte. Es war für mich der gleiche Hokuspokus wie Handauflegen, auch wenn es das ganz sachlich nicht ist.

Überhaupt teile ich ja mittlerweile, nachdem ich noch in meiner Jugend 10 Jahre nebenbei in der Krebsbaracke gerarbeitet und dem Krankenhaus gedient habe, Montaignes sehr kritische Sicht auf die Ärzte und ihre Kunst. Sicher wussten die Ärzte der Renaissance nur einen Bruchteil dessen, was heutige Ärzte lernen und wissen, die ja auch eigentlich ernsthaft wissenschaftlich arbeiten und doch einen partiell sektiererischen Blick auf nur Ausschnitte des Körpers haben, der mir nicht gefällt und der aus meiner Sicht nicht gut und gesund sein kann.

Denke ich daran, wie meine Allergien nach den Versuchen der Desensibilisierung, die sie nur verschlimmerten, erst richtig aufblühten und mich um Luft ringen ließen oder an die Zahnkorrektur meiner Kindheit, die dazu führte, dass ich mir im nun fortgeschrittenen Alter die Weisheitszähne herausnnehmen lassen musste, was ja keiner ahnen konnte angeblich und was ich in der Tumortherapie über Jahre bei Patienten sah, entspricht diesem ungesunden albernen krank machen, wo wir der Natur lieber ihren Lauf ließen. Wo der Patient mit ärztlicher Behandlung nach vielleicht 6 Monaten stirbt und ohne nach einem halben Jahr, schiene mir die Entscheidung immer klar. Auch eine geringfügige Verschiebung dieser Zahlen änderte daran nichts. Lieber einen Monat frei als zwei Jahre sich zu Tode quälen, sagte ich damals schon und heute noch entschiedener. Es kommt nicht darauf an wann sondern wie und eine Haltung dazu zu finden.

So meide ich heute, wenn ich irgend kann, jeden Arzt, nicht weil ich Angst hätte, dass vermutete ich beim Zahnarzt lange selbst und manche begrenzt sensible Freundin legte mir das auch nahe -  im Gegenteil, wie ich heute weiß - ich fürchte weniger die Tätigkeit der Ärzte als die Folgen ihres Tuns, das sie nie überblicken, wie sich immer wieder zeigt und warum es mir gesünder erscheint, auf meinen Körper zu hören, statt noch einer Medizin zu vertrauen. Die meisten Dinge heilt der Körper besser aus sich heraus als es menschliche Mechaniker je können, die immer nur lege artis auf dem aktuellen Stand ihres Wissens arbeiten.

Als die von mir sehr geschätzte  Homöopathin und Ärztin mir erzählte, sie impfe ihre Tochter eigentlich nicht, mit wenigen Ausnahmen, war ich zuerst über diesen albernen Aberglauben sehr empört, wie es alle vernünftigen Menschen heute sind. Ihre sehr naturwissenschaftliche Begründung, dass der Körper und sein Immunsystem die Probleme selbst besser lösen könnte, leuchtete mir aber ein. Allerdings ist eine Impfung auch nichts anderes als eine noch gesunde Provokation des Immunsystems und also nichts unnatürliches eigentlich, sondern die Behandlung mit dem Gegenmittel durch körpereigene Kräfte, eben Immunisierung.

Andererseits starb gerade in den USA eine Frau an einem Virus, der gegen alle 26 Sorten von Antibiotika resistent war und die immer wieder und verstärkt auftauchen werden. Es ist die Sicht der natürlichen Stärkung des Immunsystems nicht einfach unvernünftig und dumm oder gefährlich, nur weil sie der herrschenden Meinung widerspricht. Im Gegenteil manche Zweifel an der Schulmedizin erwiesen sich am Ende als wohlbegründet. So halte ich die Zweifel an der Impfung zwar für unsinnig und verstehe sie nicht, denke es ist eher ein Aberglaube, aber da ich zu wenig davon verstehe, halte ich mich inzwischen lieber mit festen Meinungen zurück.

Sehe ich was meine Eltern nun an Medikamenten schlucken, um Kreislauf, Blutdruck und den Rest in Gang zu halte, gruselt es mir vor meinem Alter. Ist das je erstrebenswert und was ist der wirkliche Gewinn von diesen Dingen, die auch soweit in unsere Psyche, also griechisch den Geist, eingreifen, dass wir gar nicht immer so genau wissen, wer und wie frei wir noch sind?

Stimmt die Einstellung der Blutdruckmedikamente nicht, kann mein Vater ganz schön anstrengend für die Umgebung werden. Will ich das mit Medikamenten erreichen oder lieber ohne vorher gehen, wenn es meine Natur nicht länger hier hält?

Ist es erschreckend, wie unfrei wir sind und wie abhängig, was wir für unseren Geist gern halten, von solchen kleinen Zufälligkeiten des Wohlbefindens ist, die sogar lebensentscheidend sein können?

Sein Übergewicht in Verbindung mit langem Stress im Beruf und teilweise auch ungesunder Ernährung bei zu wenig Bewegung haben zum ersten vermutlich Herzinfarkt meines Vaters geführt und den im folgenden nötigen Eingriffen am offenen Herzen.

Relativ normal und geht vielen älteren Menschen in diesem Land so, bedenke ich, dass mein Vater mir als Jugendlicher noch sagte, er würde nicht älter als 65, wenn überhaupt, weil er sich früher einer zu großen Strahlenbelastung immer wieder ausgesetzt hätte, dann denke ich, dies schon um bald 11 Jahre überschritten zu haben, ist doch ein ziemlich guter Schnitt, wenn auch wieder eine schlechte ärztliche Prognose dem zugrunde lag, was mich lehrt, diesen nicht mehr zu vertrauen, um frei auf mich und meinen Körper zu hören.

Natürlich gibt es Unfälle und Notfälle, wie der durchbrochene Appendix meiner Tochter, bei denen schnelle medizinische Hilfe gut und nötig ist. Dann bin ich dankbar für die gute Ausbildung der Ärzte heute, die auch mal mein Leben rettete und ohne die ich hier nicht schrieb.

Aber wäre das schlimm, wenn nicht?

Also für mich nicht, ich wäre dann ja nicht mehr. Für meine Tochter wäre die Frage existentiell, hätte es mich zum Zeitpunkt ihrer Zeugung schon 14 Jahre nicht mehr gegeben, wäre sie nicht und ich nicht ihr Vater. Was nicht ist, muss uns aber keine Sorgen machen und ist keine Frage, die uns etwas angeht.

Es kam anders und ich habe noch viele Lieben verlassen um zwischendurch ihre Mutter zu  treffen und mit ihr völlig glücklich dies wunderbare Kind zu zeugen. Ist passiert, mehr nicht, braucht keinen Grund und hat keinen Sinn. War das natürliche Zusammentreffen einer Eizelle mit einer Samenzelle zum richtigen Zeitpunkt und im übrigen ganz im Lauf der Natur. Nun hat die beste Tochter der Welt längst ihre Mutter überholt und ist mit ihrem Vater rein längenmäßig fast auf Augenhöhe, ohne dass dies Sein einen weiteren Sinn erforderte.

Sie erzählte mir gerade, wie selbständig sie schon ist mit ihren 15 Jahren, sich selbst Frühstück macht, einkauft, kocht und alles kann, was nötig ist, sogar bei der Mutter mit putzen Geld verdient und ich habe beschlossen, sie auch für guten Lohn zu engagieren. Gefällt mir dies Engagement und die Bereitschaft die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, damit sie es gut und schön hat. Ob dabei noch die frühe Lektüre von Sophies Welt fruchtet oder die noch frühere von Pippi Langstrumpf, die sich ja immer die Welt so machte, wie sie ihr gefiel, weiß ich nicht, aber gut ist es so, finde ich, weil mir scheint, dass sie, trotz des Einflusses der für mein Gefühl von Freiheit und Aufklärung zu sektenartigen Waldorfschule, ein großes Freiheitsgefühl entwickelt hat und weiß, was sie will, was wiederum so ganz nebenbei auch sehr für ihre Schule spricht, die in vielem den staatlichen überlegen auch ist, aus meiner Sicht.

Es lernen die Kinder dort etwa, beliebter Gegenstand des Spottes, ihren Namen zu tanzen, was ich erstmal nicht so spannend finde. Toll finde ich, dass die Kinder beider Geschlechter lernen sich auch im Tanz und in Bewegung zu erfühlen und auszudrücken und solange sie den Aberglauben dahinter kritisch genug sehen, scheint mir das besser, als vieles, was ich in meiner viel zu langen Schullaufbahn durchmachte.

So habe ich über die geistige Welt der Anthroposophie eigentlich ein klares sehr kritisches Urteil, andererseits, habe ich ein sehr gutes Gefühl dabei, meine, es tut den Kindern einfach gut, diese sind relativ ausgeglichener und das Menschenbild gefällt mir besser als an vielen staatlichen Schulen. Geist im Sinne der Vernunft und des Gefühls kommen hier also zu unterschiedlichen Urteilen und da ich mir damit nicht ganz eins bin, enthalte ich mich lieber des Urteils, denn, was weiß ich schon?

Einen kritischen Blick spüre ich bei meiner Tochter und wenn sie jetzt davon spricht, vielleicht wechseln zu wollen, was auch daran liegen kann, dass sie meine Reaktion darauf hören möchte, denn eigentlich scheint sie mir gerade ziemlich zufrieden da, aber, was weiß ich schon, was wirklich ist, dann bestärke ich sie eher im Gegenteil und lieber zu bleiben, weil Schulwechsel immer bescheuert und besser zu vermeiden sind.

Geist und Natur sind für mich eins, ich denke, wie ich bin und fühle meist so, wie ich denke und wenn es sich mal anders anfühlt, kann dies vermutlich daran liegen, dass ich von vielem keine Ahnung habe und folge dann mal eher dem Gefühl und dann wieder lieber dem Verstand, je nach Situation. Dies mag für manche Konsequenzialisten jetzt ziemlich schizophren klingen, was ich gern zugebe und keineswegs leugne, aber so bin ich eben auch nur ein wenig bescheuert und erkläre mir die Welt so, wie sie mir gefällt und so lange ich damit glücklich bin, kann es für mich nicht ganz verkehrt sein, denn am Ende bleibt doch immer, was Montaigne an den Anfang stellte - was weiß ich schon?
jens tuengerthal 17.1.2017

Montag, 16. Januar 2017

Gretasophie 009

009 Was ist der Mensch?

Acht Kapitel vorausschicken, um endlich zum Kern der Sache zu kommen, scheint geschwätzig. Um was sonst kann es Menschen gehen, die über das Leben nachdenken und sich Fragen stellen?

Nach Kant ist es die Urfrage aller Philosophie und der Kern menschlicher Suche. Doch kann diese Frage beantworten, wer sich nicht zuerst das Umfeld angeschaut hat und sind die Einzelheiten hier nicht ohnehin viel wichtiger als der große weite Blick auf das Ganze, frage ich mich und finde in allem Grund genug, darüber vorher nachgedacht zu haben. Wenn dies nun der Gipfel und Höhepunkt allen Schreibens sein soll, noch bin ich mir da nicht ganz sicher, versuche zu verstehen und schaue es kritisch an, wäre es dumm gewesen, ihn vorzuziehen, das ist beim Schreiben wie im wirklichen Leben, wer das spannende Ende zuerst erzählt, den Höhepunkt vorwegnimmt, kam zu früh und schaut meist hinterher in enttäuschte Gesichter. Wer zu spät kommt, ist auch nicht rechtzeitig da und den, wie Gorbatschow einst die Führung der DDR zum 40jährigen Jubiläum des sozialistischen Sauberländles lehrte, bestraft das Leben.

Nun scheint also der rechte Zeitpunkt da, endlich über den Kern zu schreiben, um den sich alles dreht, auch wenn vorheriges, wie alles, was wir tun natürlich auch menschliches, wenn nicht sogar allzumenschliches betraf. Vorab gleich eine Definition dessen, was Mensch nach Wiki sein soll, sich zu amüsieren, weiter zu denken und zu hinterfragen, allem eine Art Rahmen zu geben.

“Der Mensch oder auch Homo sapiens, was lateinisch verstehender, verständiger bzw. weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch heißt, ist nach der biologischen Systematik ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten, gehört dabei zur Unterordnung der Trockennasenprimaten und dort zur Familie der Menschenaffen. Obwohl der Mensch biologisch betrachtet ein Tier ist, wird ihm landläufig (z. B. auch im juristischen Kontext) eine Sonderrolle zugestanden, und der Begriff der Tiere eingeschränkt auf „Tiere mit Ausnahme des Menschen“. Die Weltbevölkerung des Menschen hat heute eine Größe von mehr als sieben Milliarden Individuen. Für die Menschwerdung, also die evolutive Herausbildung der körperlichen und geistigen Eigenschaften des Menschen als Spezies, sind Interdependenzen zwischen genetischen, zerebralen, ökologischen, sozialen und kulturellen Faktoren maßgeblich. Charakteristisch für den Menschen ist, dass er in einer lang andauernden Kindheit auf mitmenschliche Zuwendung und Versorgung angewiesen ist, dass er die Fähigkeit zum Spracherwerb hat, besondere geistige Anlagen besitzt und kulturelle und soziale Bindungen eingeht. Sein Bewusstsein erschließt dem Menschen unter anderem eine zeitliche und geschichtliche Dimension sowie ein reflektiertes Verhältnis zu sich selbst, zu den eigenen Antrieben, Handlungen und ihren möglichen Folgewirkungen. So können sich Menschen auch Fragen stellen, die in grundlegender Weise die eigene Existenz und Zukunft betreffen, etwa nach ihrer persönlichen Freiheit, nach ihrer Stellung in der Natur und ihrem Umgang damit, nach moralischen Grundsätzen des Zusammenlebens und nach einem Sinn des Lebens überhaupt.”

Das mit der Trockennase würde ich für mich meist bezweifeln, aber wer weiß, ob ich damit nicht doch mehr Affe oder Rindvieh bin, solange alles fließt. Saisonal dank verschiedener Allergien, ganzjährig für viele Tiere und Staub und überhaupt finden sich auch jenseits der Allergie immer noch genug Gründe oder Infekte, damit weiterhin alles fließt und ich denke selten nur noch darüber nach, an welchem Tag es nicht so war und stimme einfach gelassen den weisen Worten des Heraklit aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zu, dass eben immer alles fließt. Dass ich durch die beständige Feuchtigkeit der Nase einen besseren Geruchssinn entwickelte wie etwa Makaken oder Katzen, könnte ich nicht behaupten, eher im Gegenteil vermutlich, aber, was weiß ich schon davon und vermutlich ist diese pathologische Durchbrechung der biologischen Systematik, die alles ordnet einfach Blödsinn, aber auch damit wäre sie wieder typisch menschlich vermutlich.

Wenn ich ein Tier bin, so rein biologisch gesehen, auch wenn wir gerne alle möglichen Dinge phantasieren, dies zu leugnen, fragt sich, was das Fressen der eigenen Gattung von dem anderer noch rein ethisch unterschiede und ob also die neue vegane Sekte nicht für den besseren Humanismus tatsächlich stünde oder einzig die Menschenfresser konsequente Genießer sind.

Doch bevor ich auf diese ethisch sehr schwierige Frage auch nur den Versuch einer Antwort gebe, die jenseits des üblichen schwarz-weiß liegt, stelle ich fest, dass sie sich zu stellen sehr menschlich wohl ist, weil wir über das, was wir tun reflektieren und alles tun wollen, damit es uns so gut wie möglich geht.

Manche leben aus gesundheitlichen Gründen vegan, meinen es zumindest, denn ob Mangelernährung je gesund sein kann und unserer Natur entsprechend, scheint mehr als fraglich. Andere verzichten aus ethischen Gründen auf alles tierische, weil sie die Mitkreatur nicht sich für sie opfern lassen wollen. Ob diese Menschen fleischfressende Tiere darum mehr verachten als vegetarisch lebende, weiß ich nicht. Doch nicht alles, was der Mensch im ethischen Bereich tut, muss schlüssig und logisch sein, vieles steht auch in einem Kontext, der eher einem Glauben als einer vernünftigen Überlegung gleicht, geschieht also auf Grundlage eines Gefühls.

Die Fähigkeit zu glauben und zu meinen, dieser versetze Berge oder ein erdachter Gott habe sich die Evolution ausgedacht, uns genetisch von Affen und Gorilla genau unterschieden und sich nicht einfach diejenige Gruppe Lebewesen durchgesetzt, die am brutalsten und rücksichtslosesten waren, gehört auch zu den besonderen menschlichen Fähigkeiten. Dies auch gegen Gruppen, die möglicherweise intelligenter waren, wie die Neandertaler, die ein größeres Hirn zumindest hatten und eine breitere Stirn, also vielleicht wesentlich gutartiger waren, obwohl sie in der Nähe von Düsseldorf wohnten, was die guten Menschen gern verdrängen, denen der darwinistische Aspekt unserer Entwicklung eher rückschrittlich scheint, auch wenn wir unsere Ursprünge noch sehr deutlich fühlen können - etwa beim Balzen, wenn die Eifersucht der Revierverteidigung dient, auch wenn sie ein völlig unsinniges, überflüssiges und kontraproduktives Gefühl ist. Auch beim Mobbing im Büro und im Krieg ohnehin könnten unsere Ursprünge sichtbar werde, die nach der Natur den Stärksten überleben lassen.

Warum dennoch oder gerade diejenigen als kultiviert gelten, die ihre Gefühle im Griff haben, sich nicht triebhaft hinreißen lassen, lächeln können, auch wenn sie heulen möchten, bleibt spannend. Die Beherrschung gilt so als Kulturleistung und hat sich im Überlebenskampf als das erfolgreichere Mittel gezeigt, warum Coolness heute ein wichtiger Faktor der Fortpflanzungs Attraktivität für menschliche Weibchen ist. Umgekehrt mögen viele Männer die Leidenschaft der Frauen gern, da sie ihnen vielversprechend erscheinen lässt, was sie enthüllt erwartet, die Lust miteinander vergrößert und so langfristig die Begattungschancen maximiert, die wiederum der Arterhaltung dienen.

Doch welche Muster noch natürlich und welche verstellt sind, wie es dann tatsächlich mit einer oder einem ist, erfahren wir erst dabei und auch das kann Monate dauern, weil manche Meister der Verstellung sind. Ob uns dann die Wirklichkeit besser gefällt oder das Spiel, kann entscheidend für die Frage sein, wie lange wir noch miteinander und aneinander spielen, denn vieles an dem, was die Natur  von uns will, um unsere Art zu erhalten, bestmöglich zu überleben, geschieht spielerisch, vieles machen wir uns gar nicht bewusst, auch wenn wir es könnten. Vielfach tun wir dies mit der Begründung, wir wollten den Gefühlen ihren Lauf lassen, diese sollten echt sein und nicht von der Vernunft in unnatürliche Schranken gedrängt werden, als sei die Vernunft weniger Teil unserer Natur als der nur dunkle Trieb.

Die nüchterne Rationalisierung der Kriterien der Partnerwahl etwa, scheint uns völlig unromantisch und dem Gedanken der Liebe eher fern, als sei das Gefühl, was immer diese seltsame neuronale und hormonelle Reaktion auch ist, irgendwie entscheidend für den Erhalt unserer Art. Allerdings können wir mittlerweile sogar neurologisch nachweisen wie gut und auch nötig dieses Liebe genannte Ding für die Aufzucht der Brut meist ist, dass es sich positiv auf die Entwicklung des Gehirns und die soziale Position im Leben auswirkt. Vermutlich daher rührt die ganze Geschichte, die Sex mit Liebe verbindet, die Partnerwahl an romantische und unsinnige Kriterien knüpfen lässt, die für den Erfolg der Begattung im Sinne des sexuellen Aktes keinerlei Rolle spielen. Wir sind vermutlich nicht unserer Natur nach romantisch, sondern werden erst dazu durch erzogen, um die vermeintlich bestmögliche Aufzucht zu gewährleisten.

Aber kommt es überhaupt darauf an, ob wir der Natur nach eher triebhaft wären und das ganze Drumherum nur für den Erfolg beim Akt in Kauf nehmen?

Solange wir es so genießen und uns damit erfolgreich fortpflanzen können spricht nichts für  eine widernatürliche Entwicklung, die nur einen Ausreißer der Evolution darstellt. Nötig ist dies nicht, wie uns die Gewohnheiten anderer Kulturen und ihr teilweise größerer Erfolg bei der Fortpflanzung zeigen. Gerade in Kulturen mit Zwangsehen und starker Diskriminierung der Frauen gibt es eine eklatant höhere Geburtenrate als in modernen Kulturen der westlichen Zivilisation. Jedoch könnte diese Entwicklung auch eine natürliche Folge sein, die auf die Senkung der Säuglingssterblichkeit reagiert und während einer Übergangsphase von einigen hundert Jahren die Zahlen eben erstmal sinken lässt.

Sie könnte jedoch unserem Lebensgefühl am ehesten entsprechen und damit das Zusammenleben wie auch die erfolgreiche Anbahnung sexueller Kontakte erleichtern. Die Möglichkeit zur Kontrolle der Fruchtbarkeit ist so alt wie die Menschheit und auch wenn wir vom Pillenknick reden, ist es eine Illusion zu glauben, dieses zugleich auch lusthemmende Mittel, würde etwas auf Dauer tatsächlich ändern. Real wirkt es sich zunächst nur auf die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei Jugendlichen aus, die teilweise ihren Körper noch nicht so gut kennen und darum weniger Kontrolle haben. Würden die Kinder einen natürlichen Umgang damit lernen und Frauen Männer nicht erst lange Jahre der Erfahrung brauchen, um den Unterschied in der Zusammensetzung des Schleims zu erfühlen oder zu erschmecken, bräuchte es keine Chemie, da es im Falle eines Falles und für die wenigen fraglichen Tage auch andere sichere Methoden gäbe, die mehr der Natur entsprächen.

Aber wollen wir noch nach unserer Natur sein oder gerade nicht mehr. Rasieren sich viele junge Frauen heute dem Hollywood-Ideal folgend zu Nacktschnecken, weil es ihrer Natur entspricht oder gerade nicht?

Mode und Natur ist ein heikles Thema. Sicher ist es nicht natürlich, sich alle Haare abzurasieren, die von der Natur vorgesehen sind und die eine Frau vom Kind unterscheiden, von dem sexuell aktive Personen die Finger zu lassen haben. Andererseits bringen uns Moden zu vielen seltsamen Gewohnheiten. So tragen Männer im Gegensatz und umgekehrt proportional zur Haarpracht der Damen in der Mitte im Gesicht gerade wieder mehr davon und lassen die Natur sprießen, auch wenn es ihnen den höchsten Erfolg bei der Partnersuche meist gewährt, wenn sie ihren Bart gepflegt tragen. Ob Haare haben oder nicht also den sexuellen Erfolg erhöht und eher Ausdruck von natürlich schönem Verhalten dabei ist oder umgekehrt eine glatte Rasur auf Reinlichkeit und Gesundheit hinweist, ist schon unter den Trägern des einen oder anderen umstritten. Für die Fortpflanzung hat das Vorhandensein von Schamhaaren keine positive oder negative Wirkung zumindest, im Gegenteil weisen Kulturen, in denen dies üblich ist, selten sehr hohe Geburtenraten auf und meist niedrigere als Naturvölker, die dafür eine eklatant höhere Säuglingssterblichkeit haben.

Es wird wie bei den meisten Dingen auch dabei darum gehen, was gefällt und wen anmacht und soll doch jeder nach seiner Fasson damit glücklich werden. Gebe zwar gern zu bedenken, dass die Nacktrasur Frauen wie Kinder aussehen lässt, womit sie einem Ideal zu gleichen versuchen, dass sie nie erreichen können, sich also logisch permanent frustrieren und andererseits bei Männern einen Reiz setzen, der dem der Pädophilie äußerlich ähnelt, was ich zumindest fragwürdig finde. Aber auch da verschwimmen die Grenzen. In den 70ern, also der Zeit meiner Kindheit, waren Frauen noch weitgehend unrasiert und trugen wilde Büsche, wie ich gerne am FKK-Strand als Junge begutachtete. Schien mir gut und natürlich so. Heute fände ich vermutlich einen völlig wilden und unrasierten Schoß erstmal irritierend und würde, hätte ich dabei je die Wahl, wohl den gepflegten Streifen oder das schöne Dreieck bevorzugen, solange Haare vorhanden sind und Frau nicht gänzlich nackt vor mir steht, was bei mir eher zum Gegenteil von Erregung führt. Nacktschnecken sind für mich Kinder, da funktioniere ich sexuell nicht und das finde ich auch gut so, aber ich gehörte gerade noch einer kleiner werdenden Minderheit an. Nun dreht sich der Wind in der Schamhaarmode wieder vorsichtig, wie ich erleichtert las.

Handle ich dabei natürlich oder folge ich meiner sozialen Dressur, nach der für mich als Vater einer Tochter die Schöße der Kinder sexuell einfach tabu sind?

Die Grenzen verschwimmen hier vermutlich wie in so vielen Dingen im Bereich Sexualität und Partnerwahl. Ob es einen Wert hat, seiner Natur zu folgen oder dies nur ein pseudo-ethisches Ideal ist, mit dem eine Grüne-Bewegung ihre Sicht von zurück zur Natur auch modisch begleitet, wäre der Frage wohl wert.

Kenne inzwischen einige Frauen, die mit Männern Sex haben und dabei nie Spaß hatten, es nur taten, weil es halt dazu gehört. Konnte zum Glück zumindest einige von der Möglichkeit des Gegenteils überzeugen, aber es schien ihnen ganz natürlich so. Männer wollten das eben und Frauen müssten es ertragen und das beste daraus machen, um dafür die von ihnen mehr geschätzte Zärtlichkeit geschenkt zu bekommen. Sie verschenken sich also für Liebe oder betreiben eine Form der Prostitution mit einem eigentlich nicht käuflichen Gut.

Auf dieser Basis haben sich viele sexuelle Gewohnheiten in Gesellschaften entwickelt, egal wohin wir schauen auf dem Globus, gibt es solche Muster und überall wo Männer herrschten oder männliche Phantasie den Aberglauben lenkte, zeigte sich ein ähnliches Verhalten. Halte diese sozial pathologische Entwicklung für völlig unnatürlich, finde solchen Sex von Frauen, die sich nur ohne eigene Leidenschaft verschenken, schrecklich, er bereitet mir keine Lust, schenkt selten Befriedigung und ist daher völlig entbehrlich, würde es nicht mal Sex nennen, weil dazu für mich die Leidenschaft zweier gehört - es ist nur Onanie mit Beteiligung.

Dies ist die meiner Ansicht nach eher zu verurteilende Form der Prostitution, bei der Liebe für Sex gekauft werden soll und hat mit beidem nichts zu tun. Die meist nur sogenannte Prostitution ist dagegen sehr ehrlich. Sie gibt Sex für Geld, beide wissen, dass die sich verkaufende Seite ihre Lust nur spielt aber sie tut dies zumindest professionell und keiner muss ein schlechtes Gewissen beim Akt an sich haben, wenn es denn den Beteiligten Freude macht und Befriedigung bringt. Für mich ist es völlig uninteressant, weil Sex mich nur mit Frauen reizen kann, die dabei Lust empfinden und Befriedigung erfahren, aber, es ist ehrlicher als viele Ehen und der dort vollzogene Sex.

Der Preis des Sex mit einer unbefriedigten Partnerin soll vermeintlich die Zärtlichkeit danach sein, ist aber tatsächlich ein permanent schlechtes Gewissen, was sich über früher oder später auf die Potenz sensibler Männer auch auswirkt. Ein zu hoher Preis, wie ich finde und nicht lohnend je und es ist mir ein Rätsel warum dennoch viele Paare diesen Zustand leben als sei er ganz natürlich. Was wieder die Frage stellt, was eine gute natürliche Lösung für solche Fälle ist, auch wenn ich zugeben muss, diesen Ausnahmezustand mit allen meinen drei Verlobten erlitten zu haben, was mich zunehmend in Selbstzweifel stürzte, die durch Beschimpfung der Betroffenen noch verstärkt wurde. So wurde ich dabei nicht nur impotent sondern auch nahezu depressiv und das ist also der Liebe Lohn, dachte ich ein wenig frustriert, bis mich die Wissenschaft eines besseren belehrte.

Es gab zu diesen Fällen der Frauen, die dabei nichts oder wenig empfinden einmal Forschungen von einer Geliebten Ludwigs XV., der es auch so ging und die damals die Theorie vertrat, dies könnte am Abstand von Klitoris und Scheideneingang liegen. Um ihre Vermutung zu verifizieren, ließ sie tausende Bäuerinnen in ganz Frankreich untersuchen und befragen, stellte also eine Studie auf, ohne von der Existenz des nervus pudendus zu wissen.

Diese Studie war zuerst ein großer Knaller, machte viele neugierig und wurde später vergessen, galt als laienhaft und unwissenschaftlich, weil eine Betroffene ihren Standpunkt nur mit unmedizinischen Methoden zu bestätigen suchte.

Spätestens seit der vermeintlichen Entdeckung des ominösen G-Punktes mit dem angeblich jede Frau kommen könne, galt diese Studie als völlig veralteter Unsinn einer Hofschranze. Doch trotz der Tatsache, dass führende Sexualforscher sich von diesem Punkt überzeugt gaben, fanden sich immer noch viele Frauen, die nichts dabei empfanden und nur nicht darüber reden wollten, weil die Wissenschaft ja festgestellt hätte, dass sie nicht normal seien.

In dieses Dilemma stieß vorletztes Jahr die Publikation einer Studie italienischer Neurologen, die ganz frech behaupteten, der weibliche Orgasmus sei nur klitoral, es gäbe keinen vaginalen Höhepunkt. Wieder schrien viele Frauen auf, diesmal die andere Hälfte, die sich doch sicher waren, was sie fühlten und es von Innen spürten, wenn sie dabei kamen. Aus der geringen praktischen Erfahrung eines Laien kann ich nur bestätigen, es gibt beides und bis 2010 hätte ich auch gedacht, die bei denen es angeblich anders sei, wären eine ganz geringe Minderheit nur und dann hätte es vermutlich eher psychologische Gründe, sie wären halt zu verklemmt, gehemmt, traumatisiert oder von Familie.

Die statistischen Zahlen sagen aber etwas ganz anderes und die breitere Erfahrung hat mich inzwischen auch eines besseren belehrt, es ist tatsächlich nahezu die Hälfte der Frauen, die dabei wenig oder nichts empfinden, sich aber dennoch meist sicher sind, Mann würde das nicht bemerkten.

Neurologische Studien zu der These der These der Italiener bestätigten, der weibliche Höhepunkt erfolge allein durch Stimulation des nervus pudendus, jenes Stranges eben, der in der Wirbelsäule entspringt und über den Annus zur Klitoris verläuft und je nachdem wie hoch oder tief er verläuft, kann er intravaginal stimuliert werden oder nicht und Frau kann logisch dabei etwas empfinden oder nicht. Falls nicht, wie in Fällen der Klitorektomie ist eine indirekte Stimulation des nervus durch das männliche Glied, wie es von der Natur wohl geplant war, über den anderen Eingang immer möglich, weil er dort direkt verläuft, was aber dank der Tabus auch der Kirchen und einer bigotten Moral ein heikles Thema immer war.

Die Geliebte Ludwigs XV. hatte also instinktiv völlig recht, bin nicht sicher, ob es die Pompadour selbst war, die als aufgeklärte Frau ja viel auch für die Rettung etwa der Encyclopedie tat, an der Diderot zu ihrer Zeit mit seinen Mitarbeitern schrieb. Je größer der Abstand von Scheideneingang und Klitoris, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frau beim vaginalen Sex etwas empfinden kann, weil ihre Natur eben ist, wie sie ist. Sofern diese Frauen es anderweitig entspannt genießen können, wird diese kleine Veränderung der Natur keine schädlichen Folgen für ihr Sexleben haben. Falls sie da völlig unentspannt sind,  wird es oftmals eher mühsam und viele Beziehungen mit empfindsamen Männern scheitern an der von diesen gefühlten Lustlosigkeit, die auf sie die gleiche Wirkung hat und dann bleiben sie eben als Freunde zusammen oder nicht, was häufiger der Fall ist.

Die Natur und wie wir gebaut sind kann also großen Einfluss auch auf unser Gefühlsleben haben und es ist eine Illusion, zu glauben, dies alles könne die Liebe als nur geistiges Gefühl gegen alle Triebkräfte des Körpers überwinden. Mit einer auch anderen Natur dennoch lustvoll leben zu können und sich nicht nur um das anstatt mehr zu kümmern, was zu noch größerer Frustration und einem permanent schlechten Gewissen beim sexuell begierigen Partner führt, ist die hohe Kunst der Balance zwischen den verschiedenen Kräften, die in uns wirken.

Auch auf das was wir mögen oder nicht, hat unsere Natur und verschiedene Umstände seit ihrer Entstehung starken Einfluss. So mochte ich nie Fisch und dachte immer alles läge an einer Angst vor Gräten und sich tödlich verschlucken zu  können. Dann musste ich über 30 werden, um bei einem Allergietest festzustellen, dass ich hochallergisch auf Fisch und Schalentiere reagiere, obwohl ich Austern und Hummer eigentlich schon mochte. Meine Natur hatte mir also mit meinem natürlichen Geschmack einen Weg zu meiner Gesundheit gewiesen. Vielleicht fehlt mir durch ein kleines Stolpern in der großen Komplexität irgendein halbes Enzym diese Dinger gut abbauen zu können, was weiß ich schon davon, der ich kein Arzt bin. Aber es hat mich doch zufrieden gemacht, nun sagen zu können, es tut mir leid, darf ich nicht essen, bin hochallergisch.

So ähnlich ist es bei mir mit flüssigem Duschgel oder flüssiger Seife und Cremes, der Weichmacher in diesen Dingern, ist für mich ein gefährliches Gift, zumindest reagiert mein Körper darauf ähnlich heftig wie auf Fische und Katzen. Instinktiv mied ich dies immer, als  läge es in meiner Natur.

Ob dies nun daran liegt, dass ich in meiner Kindheit in Frankfurt-Schwanheim viel mit dem wunderbaren bunten Staub spielte, der nach Unfällen bei der Chemiefirma Höchst auf der anderen Seite des Flusses häufig bei uns landete, weiß ich nicht. Sicher wäre das nicht auszuschließen und wäre ich ein gewiefter Anwalt und beschäftigte mich gern mit solchen Themen könnte ich vermutlich den heutigen Nachfolger mit Prozessen überziehen, um mir einen Schadensersatz zu erklagen, doch erschiene mir ein solches Verhalten, völlig gegen meine Natur, die lieber in Frieden lebt, statt sich zu streiten.

So prägt meine Natur ein ethisches Gebot und ein Wunsch nach Harmonie stärker als ein formaler Gerechtigkeitssinn, der unbedingt Ausgleich für erlittene Schäden erhalten möchte. Möchte ich mich mit den Risiken meines Lebens beschäftigen oder will ich es jeden Tag genießen, als ob es der letzte wäre, frage ich mich und mein Gefühl sagte klar letzteres. Darum weiß ich, es ist Unsinn zu rauchen, aber ich beschäftige mich nur damit, wenn ich aufhören will, weil alles andere zu permanent schlechtem Gewissen und schlechter Laune führte, wie der Sex mit Opfern, die sich nur empfindungslos verschenken.

Als ich 17 war, hatte ich einen Fahrradunfall weil ich vermutlich den Abstand des kommenden Wagens falsch einschätzte. Mit Mitte 30 erfuhr ich, dass ich nahezu kein räumliches Sehen habe, verstand plötzlich, warum ich bei einigen der Intelligenztests nach dem Unfall einerseits als hochbegabt und andererseits als schwachsinnig galt, ich konnte es schlicht nicht sehen, was die von mir wollten. So führte ein Teil meiner Natur dazu, dass ich damals tödlich verunglückte und wieder reanimiert werden konnte, auch wenn ich nicht an die Existenz einer Seele mehr glaube, nutze ich mal den üblichen Ausdruck, die Leser nicht weiter zu verwirren.

So durfte ich am eigenen Leib erfahren, dass, wenn das Herz nicht mehr schlägt, nichts mehr ist und kann mich folglich an nichts erinnern, auch die Tage oder Wochen davor, verschwinden bis heute im Nebel, wie der Monat danach, den ich weitgehend bewußtlos war. Sicher ist eine Halbseitenlähmung nicht gerade die Erfahrung, die ich jedem wünschen würde, doch sollte mich einmal ein Schlaganfall ereilen, weiß ich zumindest schon, wie es ist und das Leben danach weitergeht.

Will damit nicht sagen, dass all die Geisterseher, die von einem hellen Tunnel oder ähnlichem reden, bewusst lügen, es wird ihnen vermutlich so vorgekommen sein, als sie wieder zu Bewusstsein kamen und Aberglaube und Phantasie gingen gemeinsam mit der üblichen Indoktrination ein gutes Bündnis ein, von dem die Kirchen bis heute leben.

Mit Epikur und Lukrez sage ich heute, es ist wunderbar sterblich zu sein, nichts mehr zu erwarten, nicht an die Fortexistenz meiner Seele, bei mir verschärft sogar nicht mal überhaupt an eine solche zu glauben, sondern zu wissen, alles Sein ist endlich und wenn ich nicht mehr will, mache ich allem ein Ende und vorher genieße ich alles in vollen Zügen.

Die Fähigkeit zum Glauben und zur Phantasie, die sich jenseitigen Trost sucht, gehört auch fraglos zu den großen menschlichen Fähigkeiten. Ob sie uns mehr nutzt oder schadet, ist eine Frage der Betrachtung und dessen, was wir daraus machen. So wir sie als solche betrachten, erhöht sie unsere Freiheit, da wir uns noch parallele Welten im Geist schaffen können und dann immer da sind, wo wir uns am wohlsten fühlen und dort tun, was uns glücklich macht. Sofern sie uns zum Aberglauben verführt, der unsere Lust nur dialektisch durch Verbote steigert, können wir uns, sofern noch vernünftig, fragen, ob diese eher masochistische Nummer uns glücklich macht. Sofern unsere Bilanz am Ende stimmt, ist alles erlaubt, wenn nicht, wäre es Zeit, etwas an den Gewohnheiten vielleicht zu ändern.

Was außer danach zu streben, glücklich zu sein, in der menschlichen Natur alles liegen kann, zeigt ein Blick in die Geschichte des Aberglaubens und seiner Folterkammern, Inquisitionsgerichte und Scheiterhaufen. Auch die Politik ist gerade im 20. Jahrhundert ein weites Feld des kollektiven Unglücks gewesen, in dem Fanatiker Kriege beginnen und ausdehnen konnten, in denen die Mittel der gegenseitigen massenhaften Vernichtung auch unbeteiligter Zivilbevölkerung immer weiter verfeinert wurden.

Ist es natürlich, sich ab und zu umbringen zu wollen, um das Gleichgewicht zu halten oder ist das unmenschliche Tun der Soldaten dieser Welt, ihrer Kommandeure und ihrer Geldgeber, unserer im Krieg so erfolgreichen Ökonomie völlig widernatürlich. Manch alter Offizier meinte, es gehöre so ein Gemetzel ab und an zur menschlichen Natur und es müsse eben ein jeder schauen dabei möglichst nicht inmitten zu stehen, es sei denn er wolle zum Helden werden.

Was hat ein Toter davon, ein Held zu sein?

Nichts, er ist ja nicht mehr  und wer nicht ist, hat von nichts etwas, es ist also völlig egal, hinterher, ob wir als Held oder als Idiot gingen, solange wir es bis dahin ausreichend genossen haben. Es gibt keinen Grund, sich für sein Vaterland oder eine Idee zu opfern. Wir haben nur ein Leben, wenn wir es verspielen, ist es weg und es kommt nichts mehr. Manchmal profitieren die Angehörigen von einer Opferrente aber selten mehr als vom Lebenden in Summa, auch wenn der IS gern diese Täuschung aufrecht erhält durch relativ großzügige Zahlungen an die Angehörigen ihrer Attentäter ist dieser fanatisch irreale Staat auf Basis der wahhabitischen Auslegung des Koran ohne eine langfristige Perspektive als die kollektive Vernichtung. Wie weit sie damit erfolgreich sind außerhalb der von ihnen besetzten Territorien hängt davon wie lange wir noch mitspielen. Der Krieg der Welt gegen sie eröffnet ein Schlachtfeld ohne Grenzen und damit immer mehr, wie in Deutschland und den USA sichtbar, verantwortungslosen Populisten alle Türen.

Warum die Menschen gerne denen folgen, die Angst und Hass predigen, statt Frieden und Vernunft habe ich noch nicht begriffen aber es verhält sich mit dem Hass vermutlich ähnlich wie mit der Liebe, so war mir die Liebe manch wunderschöner Frau zu einem hässlichen oder langweiligen Knilch immer unverständlich, vor allem, wenn ich bedenke, wie schön, sie es mit mir haben könnte, doch vermutlich schien ihr dieses Ansinnen so unsinnig wie ihr ihre Wahl die einzig wahre zu sein schien, auch wenn der Kerl nach meinen objektivierbaren Kriterien weniger intellektuell war, langweiliger im Bett vermutlich, kein so guter Koch und überhaupt und doch war ihre dann Wahl für sie die einzig richtige, so wenig auch immer ich sie verstehen konnte.

Vielleicht sollte ich mich bei mancher der meinen auch fragen, wie konnte ich nur, um der Auswahl wieder mehr Wert zu geben, doch liegt mir solche Abwertung völlig fern. Hab sie  alle geliebt, auch wenn es keinen Grund gab oder manchmal auch gerade darum. So ähnlich hassen eben manche Menschen und kultivieren dies Gefühl als Teil ihres Charakters, fühlen sich normal und wohl damit, auch wenn es niemand gut tut. Die Einigung der Hassenden unter der kollektiven Ablehnung hat in der Zeit des Nationalsozialismus gegen die Juden hervorragend funktioniert, wie heute wieder gegen den Islam seitens einer unaufgeklärten, weitgehend ungebildeten Bevölkerung, die sich von Fanatikern im Interesse anderer Mächte steuern lassen.

Wer schlecht über seine Lieben redet, wird selten gut leben und genießen können. So wie alle, die sich am Hass aufgeilen, nichts haben, was sie konstruktiv gestalten wollen. Die vorgeschobene Rettung des Abendlandes, das sie überhaupt erst gefährden, durch die vom Ausland finanzierte Destabilisierung, ist kein Gestalterwille sondern eine Provokation auf niedrigem Niveau.

Es sind die Islamisten den Pegiden näher als diese den Demokraten und friedlichen Bürgern verwandt, weil der Hass auf andere sie eint, auch wenn sie sich eigentlich gegenseitig zu  hassen vorgeben. Die Intoleranz versteht sich untereinander gut und ist sich über die Naivität der Demokraten in der offenen Gesellschaft nach allen Verschwörungstheorien oder je Aberglauben einig.

Der Hass eint Menschengruppen, die glücklich miteinander demonstrieren und ihre Hassparolen verkünden oder zum Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen aufrufen. Wird er damit menschlich oder bleibt die geleitete Dummheit unmenschlich und hat der Herr im Kreml nur verstanden, wie leicht dumme Deutsche bis heute zu instrumentalisieren sind, wenn ihnen einer erzählt, einer will euch was wegnehmen.

Was tut uns gut und was ist menschlich?

Ob vegan leben besonders menschlich ist oder eine abgedrehte Spinnerei, möge die Nachwelt entscheiden, denke ich und beiße in mein Teewurstbrot, wie ich es mag.  Ob ich selber schlachten würde, wenn ich es müsste, frage ich mich dabei auch nicht. Würde nie einem Veganer mein Teewurstbrot aufdrängen, der soll seine Pasten schön alleine schlabbern. Kann anerkennen, dass es der eine oder andere nicht nur aus phantasierten gesundheitlichen Gründen tut, sondern aus echter ethischer Überzeugung, die ich achtenswert finden kann, ohne sie nachahmen zu müssen und darum mich fragen lassen müsste, wie ich den Konsum von Mitkreaturen denn mit meinem Gewissen vereinbaren könnte, ob ich dem Tier vorm Schlachten in die Augen sehen könnte. Das muss ich nicht, weil ich weder Metzger noch Schlachter bin, auch nicht vorhabe für den Fleischverband noch zu arbeiten.

Aber der nagende Pfeil dieser supermoralischen Veganer nagt natürlich doch nun bei jedem Bissen an mir und meinem Gewissen fragt mich, wie und ob der Konsum von Fleisch noch mit dem kategorischen Imperativ zu vereinen ist.

Kann ich so oder so sehen, merke ich nach Abwägung vieler Argumente. Manches spricht dagegen, andererseits folge ich als auch Fleischfresser einfach meiner Natur und will auch genau das und mich nicht für meine Natur rechtfertigen, weil sie ist, wie sie ist. Liebe auch die Frauen, weil es meiner Natur entspricht und meine Fähigkeit sich dabei zu beschränken, ist vermutlich relativ gering, weiß nicht ob das nun menschlich oder nur natürlich ist und ob es da einen Widerspruch geben muss und was uns eigentlich mehr ausmacht.

Sicher weiß ich nur, dass, wenn ich tue, was mir gefällt, es jensisch ist und mir also gut tut, was mehr, sollte ich noch wollen Leben, als glücklich zu sein, gibt es überhaupt mehr?

Was der Mensch ist, weiß ich nicht so genau, die Definition von Wiki ist ganz nett, trifft aber kaum etwas von dem, auf was es für mich dabei ankommt. Der Sinn des Lebens, den es nicht gibt, weil es einfach ist, auch ohne Sinn, der interessiert mich nicht. Worauf es mir ankommt, ist glücklich zu sein und dieses Glück mit meiner Umgebung teilen zu können. Die  Zeit ist begrenzt und also kommt es mir nur darauf an, jeden Augenblick so zu genießen, als sei es der letzte und andererseits immer wieder zu lieben als sei ich unsterblich, bis die Natur irgendwann natürlich das Gegenteil beweist. Was weiß ich schon vom Menschen und seiner Natur, ihren Grenzen und dem was uns ausmacht, will ein wenig nun darüber nachdenken, ohne Grenzen zu ziehen dabei, was Geist und Natur ausmachen, welches Bild wir uns vom Menschen machen, was es mit der Menschlichkeit so auf sich hat und was Liebesunsterblichkeit bei sterblichen Wesen überhaupt soll.
jens tuengerthal 16.1.2017

Sonntag, 15. Januar 2017

Gretasophie 008c

008c Zukunft der Familie

Hat Familie noch eine Zukunft oder ist das Modell in unserer Zeit überholt?

Früher war die Familie nicht nur emotionaler Rückhalt sondern mehr noch die soziale Absicherung. Wer nicht mitkam, wurde von der Familie durchgefüttert und so sorgte einer für  den anderen und jeder hatte seine Rolle in einem Sozialsystem ohne Staat. Dies hatte den Vorteil einer persönlichen Sicherung und der dadurch Nähe zu den Betroffenen.  Keine riesige anonyme Verwaltung entschied über ihr ferne Sozialfälle nach normierten Kriterien, sondern die Familie beriet sich oder das Familienoberhaupt, gleich welchen Geschlechts, entschied, wie es weiterging.

Ein sehr gutes Modell, solange du dich mit deiner Familie verstehst, mit ihr zusammenlebst, nicht alleine in Not kommst. In allen anderen Fällen, die heute noch häufiger sind, wird es schwieriger für die Beteiligten. Sie sind von den Eltern oder Großeltern abhängig, können sich nicht selbst entscheiden und werden nur geduldet. Ein permanent schlechtes Gewissen kann auch vor jeder anderen Tätigkeit lähmen und das Leben zur Hölle machen, während ein Recht auf Zuwendung des Staates, keinem ein schlechtes Gewissen aufnötigt.

So wäre das viel diskutierte Bürgergeld die große Chance zur Freiheit für viele Menschen, würde die Wirtschaft stark ankurbeln durch den geförderten Binnenkonsum und machte die Menschen von der Willkür anderer unabhängig. Es müsste nicht länger um Hartz IV gebettelt werden, sondern es gäbe einen staatlichen Anspruch für jeden Bürger, der ansonsten von der Steuerleistung am Ende abgezogen wird. Damit würde die  Familie als Solidargemeinschaft überflüssig und es wäre unabhängig, ob du aus armen oder reichen Verhältnissen kommst, möglich ein gutes Leben zu führen und am sozialen Leben teilzunehmen.

Doch ist ein solches Sozialmodell, das der Staat mit Komplettversorgung durch Steuern finanziert, trägt, wirklich ein Zukunftsmodell und eine gerechte Alternative zur Familie?

Wo es einen Anspruch gegen den Staat auf Bürgergeld oder Leistung gibt, fragt sich, was noch ein Ansporn zur Leistung sein könnte und ob diese Komplettversorgung nicht viele Menschen in gering bezahlter Tätigkeit dazu bringt, ihren Job aufzugeben und sich versorgen zu lassen vom Staat, vor dem sich ja keiner mehr rechtfertigen muss, sofern ein Anspruch besteht. Andererseits sind Menschen viel leistungsfähiger, wenn sie nicht permanent unter existentieller Angst stehen und das System wäre im ganzen wesentlich günstiger und ökonomisch deutlich effektiver.

Warum der Staat aus moralischen Gründen nicht tut, was günstiger und besser wäre, wird wohl vielen rätselhaft bleiben aber eine Solidargemeinschaft besteht eben auch aus nicht materiellen, also geistigen Werten und an diesen gemessen ist das Bürgergeld etwas, dass Teile der Politik ablehnen, auch ganz Linke teilweise, weil sie meinen, Leistung müsse sich immer mehr lohnen als bloßes Sein und jeder solle etwas tun müssen, um hier leben zu dürfen und wer das nicht wolle, müsse sich eben rechtfertigen dafür, damit es gerecht zugeht.

Finde an dieser Sicht sehr problematisch, dass sie eine persönliche moralische Sicht damit anderen aufzwingt, von deren Lebensbedingungen ich nichts weiß und Menschen zwingt, sich vor dem Amt zu entblößen, auch um Sozialbetrug zu vermeiden, statt die Bürger frei zu lassen, das günstigere und effektivere System zu nutzen, jedem Bürger einen Anspruch zu geben und die Verwaltung dafür massiv zu verkleinern. Die Populisten machen sich die sozialen Ansprüche derzeit auch zu Nutze, um gegen Flüchtlinge zu hetzen, dem könnte so effektiv entgegengetreten werden. Ist der Fortbestand und die ewige Finanzierung dieser relativ untauglichen Solidarsysteme nur die Krücke, mit der sich eine sonst überflüssige Verwaltung und Politik am Leben erhält?

Dagegen wäre die Familie eine gesunde Sozialstruktur, die aus eigenen Kräften schöpft und damit die Versorgung ihrer sozial schwächeren Teile übernimmt. Um einen Ausgleich für all diejenigen zu schaffen, die durch unglückliche Zufälle nun keine Familie haben, könnte für solche Ausnahmen, die allerdings heute teilweise schon fast wieder die Regel sind, ein Anspruch auf staatliche Hilfe zugesichert werden, entsprechend dem Bürgergeld, das sonst in die Familien ginge. Eine Solidargemeinschaft, die aus lauter freien und voneinander unabhängigen Zellen bestünde, die sich in der Regel selbst versorgen und nur in Ausnahmefällen auf den Staat zurückgreifen, könnte eine große Entlastung für die Gemeinschaft darstellen. Diese brächten die gleiche Leistung, die sonst Heime und die Solidargemeinschaft tragen müssten, deutlich günstiger, was für beide Seiten lohnen sein sollte.

Ob dem Familienverband dann entsprechend seiner Eigenleistung die Steuer erlassen wird, wie es dem augenblicklichen Prinzip ungefähr entspricht, wenn auch noch viel zu kompliziert im Einzelfall geregelt und ohne echtes Primat der Familie, könnte angedacht werde, änderte jedoch nichts am Anspruchdenken nur dann eben der Versorger. Warum es sozial und psychologisch schlecht sein soll, Armen einen Anspruch auf staatliche Leistung zu geben, es aber andererseits gut und gerecht sein soll Reichen die Abschreibung ihrer Leistung an die Armen zu gestatten und wie sich das eine vom anderen unterscheidet, wäre wohl der Diskussion wert, die ein vernünftiges Gefühl, welch sinnige contra dictio, für das soziale Miteinander entstehen lassen könnnte.

Es zeigt sich bei genauerer Betrachtung, darum diskutiere ich das Thema hier überhaupt, wo es doch eigentlich um die Familie und ihre Zukunft gehen soll, wie sehr die Familie dem Sozialstaat ähnelt vom Prinzip her, wo dieser jene überflüssig macht und was diese aber jenem immer voraus hat.

Einige Staaten wie Argentinien, nach ihrem totalen Staatsbankrott, oder Norwegen, nachdem sie mit ihren Ölvorkommen in der Nordsee zu schier grenzenlosem Reichtum kamen, haben ihre Systeme umgestellt vom klassischen Sozialversicherungssystem, das auf die Zukunft hofft und einen Generationenvertrag abschließt, in dem die aktuelle Generation für die vor ihr arbeitende Gelder zurücklegt, in ein am Kapitalmarkt  finanziertes freies System umgewandelt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht und Milliarden eingespart, sich zukunftssicher aufgestellt, völlig unabhängig von der jeweiligen Bevölkerungsentwicklung.

Staaten mit einem System wie Deutschland dagegen brauchen ein relatives Bevölkerungswachstum, um ihr System langfristig finanzieren zu können. Da diese Entwicklung in Deutschland aber seit Jahren negativ ist, also mehr Menschen in Rente gehen oder sterben, als Arbeit bekommen und geboren werden, muss der Staat draufzahlen und mit Steurgeldern das theoretisch umlagefinanzierte Sozialsystem stützen. Dies System am Markt orientiert und dennoch sozial so zu reformieren, dass es sich der realen Entwicklung auch der Bevölkerung anpasst, die zur Stabilisierung des Klimas und der Ökologie ohnehin besser schrumpfte, ist die große Aufgabe an der seit Bismarcks großer  Lüge zur Schwächung der Sozialdemokraten wie im Kulturkampf auch des Zentrums, alle Parteien bis heute feige gescheitert sind.

Weil sich keiner hinstellt und sagt, Kinder, das System funktioniert so nicht und kann so nie funktionieren, wir müssen es grundlegend ändern, ihr habt euer Geld an falscher Stelle ein Leben lang investiert, ändert sich nichts. Es traut sich keiner, weil jeder um seine Wiederwahl fürchtet und sich nun noch den Dummheiten der Populisten ausgesetzt sieht.

Eine Krankenkasse ohne jede Zuzahlung. Eine Rente ohne Abschläge mit einem fairen Basisbetrag, den jeder noch privat durch Rücklagen erhöhen kann. Die Arbeitslosenversicherung, die auch als solche funktioniert und nicht zu einem System sozialer Bestrafung wird. All das finanziert durch eine direkte Versicherung und Steuern, kapitalisiert am Markt, führte faktisch zu mehr Gerechtigkeit, raubte aber dem Staat seine Möglichkeit autoritärer Einflussnahme, dahingestellt wie effektiv dies jemals war.

Die Familie als private Organisation muss sich immer am Markt selbst finanzieren. Für Ausgleich und Gerechtigkeit sorgt sie intern und schließt dafür die Gefahr des Sozialbetruges dauerhaft aus. Alle Mitglieder haben ein Interesse daran, dass mit ihrem Geld möglichst effektiv umgegangen wird und keiner Ansprüche missbraucht. So wäre die Familie als Kernzelle sehr geeignet die Umformung eines irrealen Sozialstaates in einen vernünftig auf kapitalbasis finanzierten, der ein Bürgergeld weil effektiver und günstiger jedem gewähren könnte und der nur viele Beamte überflüssig machte.

Eine für viele Bürger durchaus verlockende Vorstellung, die lieber steuerlich absetzbar ihre Familienmitglieder durchfütterten, statt es einem uneffektiven Staat in den Rachen zu werfen, damit langfristig nebenbei ein besseres Sozialsystem etablieren könnte, das sich radilkal verschlankte, weil Familie sich selbst regelte, statt einer gesetzlichen Vorgaben genügenden immer aufwendigeren Verwaltung.

So könnte die Familie beim Umbau eines falsch konstruierten und uneffektiven Sozialstaates eine große und wichtige Rolle in Zukunft spielen. Ob sich die Politik traut diesen mutigen Weg zu gehen, der sowohl liberalen wie konservativen Grundsätzen gut entspräche und nur der alten linken und sozialdemokratischen Tradition widerspräche, die Bürger durch mehr staatliche Fürsorge an den Staat zu binden, scheint noch offen, zumal ich ihn so formuliert noch nirgendwo anders als hier las, aber manchmal bringt ja schon ein Satz einen Stein ins Rollen, was angesichts eines kranken, teuren und uneffektiven Systems, das immer asozialer wird und zu viel  Geld dafür ausgibt, seine Bürger zu überwachen, doch nötig scheint. So könnte dies Essais der Stein des Anstoßes einer Renaissance der Familie als Sozialpartnerschaft für den effelktiven Umbau des Sozialstaates werden, wenn wer den Mut hätte, es aufzugreifen.

Die Aufnahme von noch nicht ganz einer Millionen Flüchtlinge könnte der Politik leider eine Atempause geben, da es die Illusion nährt ein aussterbendes Sozialsystem sei so, trotz aller damit erstmal einhergehenden sozialen Schwierigkeiten noch weiter finanzierbar, was eine falsche Illusion wäre, auch wenn sie dem System der Vermeidung und Verschiebung entspräche, für das die Kanzlerin Merkel vor ihrem großen Mut im Umgang mit Vertriebenen noch bekannter war.

Das deutsche Sozialsystem ist todkrank und hat keine Chance, es befindet sich quasi, um mit Manns Zauberberg zu sprechen, im präfinalen Stadium, vernascht noch einige teure Ballons Oxygen, könnte aber gleich den Geist aufgeben, um effektiv ersetzt zu werden, hätte wer den Mut zu sagen, wir waren zu feige ehrlich zu sagen, dass dies System nicht funktionieren kann und wir sicher pleite gehen, wenn wir es nicht radikal umbauen. Es braucht keine Hilfen mehr, die den kranken Krücken geben, damit noch ein wenig humpelt, wer nicht lebensfähig ist und nur immer mehr kostet, ohne eine Aussicht auf Erfolg zu haben. Hier wäre ich ein Befürworter sozialer Euthanasie am System, was schlimmer klingt, als es gemeint ist.

Darin liegt die größte und wichtigste Chance der Familie, wieder die Rolle zu übernehmen, die sie schon immer hatte und es könnte und sollte sich für diese lohnen, eine staatliche Aufgabe zu übernehmen, die sie effektiver erfüllen kann. Fraglich wäre jedoch, ob diese Übernahme staatlicher Aufgaben durch die Familie, die steuerlich begünstigt würde, noch mit Freiheit und Würde des einzelnen vereinbar wäre, der sich aus der Selbständigkeit plötzlich in der Not in den Schoß der Familie  zurückgeworfen sähe, mit dieser klären müsste, wie er sich die Zukunft vorstellt. Ob es allerdings schlimmer ist, sich vor der Familie zu rechtfertigen, um einen Anspruch zu begründen oder vor einem Amt, was dessen Bestehen sonst überprüfen müsste, wäre wohl der Frage wert.

Sollte ein solches soziales Zerwürfnis in der Familie bestehen, dass eine Kontaktaufnahme unzumutbar wäre, könnte es andere Lösungen eventuell geben, doch wäre wieder die kleinnzelligste Sozialstruktur die Basis der Zukunft und die eines effektiven Umbaus aller Sozialsysteme, die deren Funktionieren unabhängig von absehbaren Entwicklungen der Bevölkerung macht, weil der Staat als Teilhaber am Kapitalmarkt das soziale Vermögen der Bürger im Stile einer Versicherung verwaltete und damit erheblich lukrativer und erfolgreicher arbeiten kann, als es momentan möglich ist.

Anzunehmen, dass die Familie soziale Fragen effektiver und besser löst als der Staat, weil sie näher dran ist und dafür eigenes Kapital  aufwenden muss, auch wenn dieses absetzbar sein sollte, müsste es doch erst wieder als Leistung überhaupt eingebracht werden, um genutzt zu werden, scheint mir sehr naheliegend. Der soziale Druck mag für einzelne sehr hoch sein, aber auch nicht höher als er derzeit bei Ämtern ist und in Härtefällen sind immer auch Ausnahmen dabei denkbar.

Die Familie ist die Welt im Kleinen - ein Markt so sehr wie eine Solidargemeinschaft, die sich erstaunlich flexibel, geänderten Bedingungen anpassen kann. Vielleicht mag die Vorstellung zuerst lästig sein, im Alter mit seinen Eltern zusammenleben zu müssen, zu pflegen oder füreinander zu sorgen, wenn es nötig ist - doch rechneten wir gegen, wie sehr es sich lohnt, könnten wir den entsprechenden Beitrag absetzen oder bekommen, wäre es immer noch besser als die momentane Lösung, vor allem würden sich viele, wenn sie wüssten, sie müssen bis zum Ende miteinander klarkommen, auch anders benehmen miteinander, was dem System und jedem einzelnen gut täte.

So sehe ich die wichtigste Rolle der Familie in Zukunft als effektives Sozialsystem und als Solidargemeinschaft, die viele wichtige staatliche soziale Aufgaben übernehmen könne, ohne dass es dafür einer Verwaltung bräuchte und dafür den Betrag einfach den Familien auf ihr Einkommen gut schrieb. Also vom steuerpflichtigen Einkommen am Ende abzöge oder zum Bürgergeld je nach Leistung dazu zählte. Es bräuchte dann weniger Staat, was schon so viel Geld wiederum sparte, dass dieses System der Familiensozialversicherung sehr viel zukunftsträchtiger scheint als alle bisher probierten. Dass es zugleich eigentlich das alte und natürliche System ist, tut dem keinen Abbruch. Im Gegenteil eine Renaissance der Familie als Solidargemeinschaft könnte im Bewusstsein heutiger bürgerlicher Freiheit und im Lichte der Würde des Menschen langfristig das bessere Modell für die Zukunft wieder sein.

Dies würde auch ein Umdenken in vielen alten Strukturen bedeuten, die Familien so leicht und schnell scheitern lassen. Ein Hauptgrund ist etwa die illusionäre all-in-one-Annahme vieler Menschen, die glauben der Lebenspartner, müsse und dürfe auch nur der einzige sexuelle Partner sein. Der geistige wie der körperliche Totalanspruch an dem so viele scheitern könnte angesichts der Sozialfunktion der Familie zeitgemäß relativiert werden. Du kannst mit den einen Menschen deine soziale Familie glücklich bilden und mit anderen deine sexuelle  Erfüllung finden, mit wieder einer auf geistigen Höhen oder zumindest gleichem Niveau dich bewegen, je nach Gusto.

Eine solch zeigemäße Flexibilität in der Bedürfnisbefriedigung, passte besser zur Familie als  dauerhafter Institution sozialer Absicherung, die nicht an einem kleinen sexuellen Bedürfnis hängen, sondern frei davon sein sollte, da die emotionale Basis der Liebe ohnehin schwer genug ist auf Dauer vernünftig gehandhabt zu werden. Wie groß die sexuelle Erfüllung mit meiner je Partnerin ist, wäre dann viel weniger wichtig, als die sonstige soziale Passung, die Ehen schließen ließe. Ob es dabei weiter auf das große Gefühl ankommen sollte, also  ein Faktor relativer Instabilität sich in eine so wichtige Frage wie die soziale Sicherheit mischen sollte, wäre sicher der Diskussion auch wert. Früher und in anderen Weltregionen heute noch, wurde das selbstverständlich anders gehandhabt. Ob das immer schlechter war oder nicht die Dauerhaftigkeit früherer Ehen für das Gegenteil spricht, wäre im Geiste des 21. Jahrhunderts dabei auch einer Diskussion wert.

Habe keine Antwort auf alle Fragen der Zukunft und der Familie zwischen Liebe, Vernunft, sozialer Sicherung und Sex wo auch immer, aber es scheint mir wichtig, über diese Fragen neu nachzudenken, um die Zukunft jenseits alter eingefahrener Modelle gestalten zu können. Vor allem auch möchte ich meiner Tochter zeigen, Leben ist so vielfältig denkbar, dass wir offen sein sollten, statt einfach nur an Gewohnheiten festzuhalten, um uns die Welt auch in diesem Bereich offen und neu entdecken zu können, nichts muss, alles kann. Zumindest hätte die Familie als Solidargemeinschaft und sozialer Vertrag für das Leben noch eine Zukunft und mehr als wir vielleicht ahnen in einer alten Gesellschaft.
jens tuengerthal 15.1.2017

Samstag, 14. Januar 2017

Gretasophie 008b

008b Familienmacht

Was macht Familie aus und geht es dabei um Macht?

Nach der lateinischen Bedeutung war der pater familias eine Autorität mit Macht über alle, die unter ihm standen, Frauen, Kinder, Freigelassene und Sklaven. Dabei ging es ganz klar um Macht und ein Herrschaftsverhältnis im Inneren. Heute sehen wird das meist anders, zumindest in unserem Kulturraum. Männer und Frauen sind gleichgestellt, die Sklaverei ist abgeschafft und der pater familias ist ein alter Zopf, der nicht mehr in die heutige Zeit der Demokratie passt. Zentral scheint heute eher der soziale Zusammenhalt und das etwas unklare Gefühl der Liebe, mit was immer das jeder auch füllen mag.

Macht haben die Eltern noch über ihre Kinder, für die sie erziehungsberechtigt und also verantwortlich sind. Damit haften die Eltern für allen Blödsinn, den ihre Kinder anstellen, soweit sie nicht selbst dafür verantwortlich gemacht werden können, woran strenge Kriterien geknüpft sind. Während früher diese Macht autoritär ausgeübt wurde - nach dem Prinzip, wer die Füße unter meinen Tisch stellt, hat auch zu tun, was ich sage, sind heute stärker partizipative Modelle üblich, damit die Kinder Schrittweise auf die Verantwortung des Erwachsenen vorbereitet werden.

Dazu dürfen sie etwa Sachen einkaufen, auch wenn rein rechtlich ein Geschäft erst zustande kommt, wenn die Eltern nicht widerrufen, was in der Praxis aber erst Bedeutung bekommt, wenn darüber gestritten wird. Bei Zigaretten und Alkohol müssen die Kassierer heute nach dem Ausweis fragen und kontrollieren, weil der Verkauf an Minderjährige verboten ist. Die Eltern sind verantwortlich und können entscheiden, damit haben sie Macht über das Kind, was bei Heranwachsenden bis zu einem bestimmten Grad auch nötig und sinnvoll ist. So kann ein Neugeborenes rein faktisch noch nicht seine Windeln selbst kaufen und viele Kinder oder Jugendliche übersehen noch nicht die Wirkung von Knebelverträgen, die sie darum rechtlich nicht binden können. Erwachsene zwar oft auch nicht, aber die sind eben verantworlich dafür, solange es nicht gleich sittenwidrig und damit nichtig ist.

Der Weg weg von der Macht über das Kind, das sich noch nicht alleine helfen kann, hin zu immer mehr Autonomie ist rechtlich nicht geregelt. Es gibt da Empfehlungen aber theoretisch könnten Eltern ihr Kind bis 18 behandeln wie ein Kleinkind und würden damit dennoch ihrer elterlichen Verantwortung rein rechtlich gerecht. Da dies faktisch zu einer isolierten Entwicklung führte, die auch mit der Schulpflicht kaum vereinbar wäre, können die Ämter dann zum Kindeswohl einschreiten, doch ist dies alles rechtlich schwammig geregelt mit sehr weichen Paragrafen, bei denen das Kindswohl im Vordergrund stehen soll und was das ist, hängt vom gerade Konsens der Gesellschaft ab.

So ist etwa die Taufe oder Beschneidung den Eltern erlaubt, obwohl diese Bindung an einen Aberglauben und die folgende Mitgliedschaft in einem Verein, die Grundrechte der Kinder auf freie Religionswahl beeinträchtigt. Es ist aber bei uns noch Sitte und wird darum selten infrage gestellt, ob das gut so ist, wäre eine andere Frage und zu was Eltern verpflichtet sein sollten zum Wohle des Kindes, doch da kollidieren verschiedene Freiheitsrechte miteinander und noch entscheidet die Gesellschaft da nach Sitte und Gewohnheit, die aber dringend infrage gestellt werden sollten, um der Freiheit der Kinder wegen.

Eltern, die ihre Sorge um das Kind vernachlässigen, kann vom Jugendamt diese entzogen werden. Wie gut und vorausschauend diese mit Beamten gefüllten Ämter dabei vorgehen, ist unter allen Betroffenen wohl mehr als strittig. Die Leichtigkeit mancher Eingriffe, nachdem einige Katastrophen völliger Vernachlässigung aufgedeckt wurden, stehen andererseits im Gegensatz zur grundgesetzlich geschützten Familie und der elterlichen Sorge, die daraus abgeleitet wird. Da spielen sich zwischen Pflegefamilien und unfähigen Eltern manchmal schlimme Dramen ab und die Ämter müssen dann versuchen, es im Sinne des Kindeswohls zu entscheiden, was immer eine relativ schwer zu beantwortende Frage ist.

Klingt wieder alles furchtbar juristisch und öde, ist in der Praxis aber sehr, sehr spannend und es kann dabei um Leben oder Tod gehen. In diesem Prozess ist derzeit viel im Wandel. Lange hatten vor Gericht die Mütter immer Priorität vor den Vätern, nachdem die davor geltenden patriarchalen Regelungen geändert wurden. Heute gibt es eher eine Gleichberechtigung beider Eltern und diese sollen sich auch nach einer Trennung gemeinsam um das Kind kümmern, das wiederum ab einem gewissen Alter beteiligt wird und selbst entscheiden kann, wo es gerne leben möchte. Auch nicht rechtlich verbindlich, dass tun die Richter dann, aber diese Regelung und die dazugehörige Rechtsprechung zeigen eine Tendenz auf, wie die Macht sich auflöst und die Beteiligung gestärkt wird.

Doch gibt es für alles in diesem Bereich keine klare Regelung, die Eltern sagt, es ist so und das darfst du und so musst du es machen, sondern nur Empfehlungen und bei diesen werden eher weiche Begriffe verwandt, die einerseits nicht zu sehr in die persönliche Freiheit eingreifen sollen, sein Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten und andererseits die Kinder ausreichend vor verrückten Ideen der Eltern oder eventueller Vernachlässigung schützen sollen.

Damit übt der Staat auch Macht über Eltern aus, die in Berlin sogar Hausbesuche vom Jugendamt bekommen, das sich über die Verhältnisse erkundigt, um zu erfahren, ob das Kind unter guten Bedingungen aufwächst. So einen Besuch hatten wir auch und erstaunlicherweise fand die sehr nette Dame, nichts zu beanstanden. Dennoch fragen sich Eltern in so einer Situation, die sie als Eltern überprüft, ob sie auch alle richtig machen, was schon ein komisches Gefühl hinterlässt aber auch gut ist, weil kritische Überprüfung immer weiterbringt, auch wenn ich diese Nähe des Staates im privaten seltsam fand. Was gute Bedingungen sind, legt dabei der Staat für alle einheitlich fest und wer sich nicht an diesen Rahmen halten möchte, etwa Schulpflicht oder Vorsorgeuntersuchungen, braucht dafür gute Gründe.

Dies ist einerseits gut, weil es gewährleistet, dass möglichst alle Kinder im Land unter guten Bedingungen aufwachsen und der Staat für seine Leistungen wie etwa das Kindergeld auch eine gewisse Mitsprache über das Aufwachsen der Kinder haben möchte, deren Schutz er gewährleisten will, andererseits ist ein kontrollierender Staat, der sich in die Privatsphäre mischt auch immer kritisch zu sehen.

Das blöde an den weichen Begriffen in den Normen dazu ist, dass sie viel Auslegungsspielraum lassen und dem Staat viel Macht geben in unser Leben einzugreifen, wenn ein Bild von Erziehung oder Kindeswohl nicht dem Durchschnitt entspricht. Wer mit dem Namen vom Durchschnitt sehr abweicht, braucht schon gute Gründe, um sein Kind, erfolgreich beim Amt anmelden zu können, manche Namen werden nicht akzeptiert und diese Entscheidung ergeht zwar auf Grundlage eines Verwaltungsaktes, der eine rechtliche Grundlage braucht und gegen den Widerspruch möglich ist, aber erstmal greift sie in die Freiheit der Eltern ein, die nicht durchschnittlich sein wollen, auch wenn sie es ihrem Kind damit unnötig schwer machen.

Eine Freundin von mir hat beispielsweise einen indischen Vornamen, weil ihre Mutter  Anfang der 70er gerade auf dem Bhagwan-Trip war, bei dem die Ämter vermutlich sehr die Stirn gerunzelt haben, weil er wirklich nicht durchschnittlich ist. Sie hat als Kind vermutlich teilweise darunter gelitten, wer wollte da schon anders sein, heute weiß sie ihn zu schätzen, denn er ist wirklich sehr schön, besonders und passt zu ihr und freut sich an der Besonderheit zu einem nicht so ungewöhnlichen Nachnamen, die ihr sehr gut steht, wie ich finde und ihr ein kleines Geheimnis gibt.

Für Kinder sind manche Verrücktheiten der Eltern aber schwer zu ertragen. Auch mein relativ durchschnittlicher Name Jens gefiel mir lange nicht, ich wollte lieber Christian, Tim oder Marc heißen - später hatte ich dann einen besten Freund, der auch Jens hieß und damit hatte sich das Problem erledigt und ich trug ihn mit Stolz. Heute hätte ich gerne wie mein Vater viele Vornamen, statt des einen popelig kurzen, den er auswählte, weil er es  Leid war auf  Ämtern immer alle Namen einzutragen, wenn ich auch nicht unbedingt gerne die Namen meines Vaters weitergetragen hätte, die eher dem Geist der 40er entsprach aber dafür teilweise perfekt zu dem meiner Mutter passte, was beide, die noch dazu ganz nahe Geburtstag haben, als ein unausweichliches Paar erscheinen ließ, was sie tatsächlich bis heute blieben und damit schon nicht mehr ganz durchschnittlich sind.

Andererseits, wenn ich bedenke, wie ganze Generationen Kevin, Nancy oder Cindy von Eltern aus eher bildungsfernen Verhältnissen genannt wurden, fragt sich der halbgebildete Vater schon mal, ob nicht auch das Jugendamt Marzahn seiner Verantwortung stärker hätte nachkommen sollen, was aus diesen werden soll, als eine, nomen est omen, Karikatur ihrer selbst, die im Trainingsanzug aufwächst und über RTL II erste Bildung erfährt, was meistens auch die intellektuelle Grenze bleibt. Doch insofern auch das Dschungelcamp seinen Markt hat und viel Geld einbringt, vergesse ich wohl den bürgerlichen Begriff von Bildung lieber wieder, kommt es doch heute eher darauf an, sich gut zu verkaufen und damit irgendwie Geld zu machen, wovon alle anderen mehr Ahnung haben als ich, der sich nur Gedanken macht, liest und darüber schreibt, was in der heutigen Zeit vielleicht für Jugendämter ein viel verdächtigeres Vorbild wäre, denn was nützt klassische Bildung im multimedialen Zeitalter noch?

Soll nicht gerade der Durchschnitt nur erstrebt werden und wenn das durchschnittliche Niveau sinkt, also immer weniger und bereitet ein Mensch ohne Fernseher sein Kind ausreichend auf diese Welt vor?

Das Thema bleibt offensichtlich schwierig. Was unterscheidet fundamentalistische Christen, welche die Evolutionstheorie ablehnen von streng muslimischen Eltern, die von ihrem Kind Verschleierung und die Einhaltung islamischer Fastengebote verlangen oder den Hartz IV-Eltern, die genau dies als beste Perspektive ihrem Kind weitergeben und die alle nicht tun, was der am Durchschnitt orientierte Staat gerne möchte.

Finde klare Antworten da schwierig. Habe auch nur meinen Horizont und ginge es nach dem, sollten alle Kinder möglichst früh auch klassische Bildung erfahren, ganz viel vorgelesen bekommen, erst ganz spät überhaupt Fernsehen dürfen, aber das ist nur meine Sicht und es gibt mehr Eltern, die das völlig anders sehen und die, die es eigentlich genauso sehen, aber einfach vor der normativen Kraft von Alltag und Durchschnitt kapitulieren.

Habe zum Beispiel meiner Tochter aus Prinzip keine Barbie gekauft, weil mir das Frauenbild nicht gefiel, für das dieses Püppchen steht mit  seinen zu großen Titten für zu kleine Füße, die einfach hässlicher, dummer amerikanischer Konsum für mich war. Habe mich daran gehalten und es war aber auch leicht konsequent zu bleiben, weil meine sehr erfolgreiche Schwester, die auch von meiner Mutter aus gleichen Gründen keine Barbie bekam, bin eben doch ein Muttersöhnchen wohl, das Verbot umging und meiner Tochter mit Freude Barbies schenkte. Dafür spielte meine Tochter später im Verein Fußball, war mehr Fußballfan als alle Jungens ihrer Klasse und ihr Vater ohnehin, der ja nur aus traditionell heimatlichen Gründen überhaupt zu Werder hält und sonst kaum die Abseitsfalle erkennt.

Am Anfang meiner Vaterzeit dachte ich auch, ich müsste Prinzipien verfechten und durchsetzen und wenn nötig auch autoritär, damit mein Kind auch Grenzen kennenlernt und nicht so ein verzogenes Balg wird, wie es vielen Kinder hier am Berg als Ruf vorauseilte. Heute finde ich das nur noch bemüht und lächerlich. Sehe ich, wie Mütter mit ihren Kindern alles duskutieren und manches aus Prinzip mit riesigen Dramen und Geheule durchfechten, denke ich nun immer, ich wünschte ihnen mehr Gelassenheit und Erinnerung an die eigene Kindheit.

Es taugt kein Prinzip zur Erziehung. Das einzige was bleibt und wirkt, ist Liebe und Ehrlichkeit. Wer seinen Kindern etwas vorspielt, wird schnell durchschaut und bleibt damit ewig unglaubwürdig. Sie sind unser Gen-Code, zumindest zur Hälfte, denen können wir nicht viel vormachen und es zeigt in meinen Augen heute auch keine gute Haltung.

Erziehung finde ich ein grässliches Wort. Möchte nicht an meinem Kind ziehen. Bin kein Anhänger prinzipieller antiautoritärer Erziehung, bei der sich viele Eltern sadomasochistisch von ihren Kindertyrannen, die sie selbst formen, durch den verbleibenden Rest Leben treiben lassen. Es gelten für Kinder die gleichen Grenzen wie für Erwachsene und das Handlungsprinzip eines guten und offenen Miteinanders ist immer der kategorische Imperativ. Finde es darum gut, auch klare Grenzen zu ziehen, was für mich ok ist und was nicht, auch auf mein Leben zu achten und ein partnerschaftliches nebeneinander zu lernen.

Michel de Montaigne, von dem ich so gern erzähle und der in so vielem mir sicher Vorbild ist, genoß eine relativ spannende Kinderzeit. Die ersten Jahre wuchs er unter Bauerskindern auf einem Hof der heimatlichen Gascogne auf, dann bekam er einen Lateinlehrer und alle im Haus wurden angewiesen mit dem Jungen nur Latein oder altgriechisch zu reden, was kaum einer konnte, warum er bald fließend auch dies sprach und immer alle Klassiker leicht im Original lesen konnte. Diese Erziehung ohne große autoritäre Enge entsprach dem Bildungsideal der Renaissance, dem Michels Vater mit seinem Experiment folgte. Später kam er noch nach Bordeaux auf das dortige Internat, was ihm erst sehr zu schaffen machte, weil er so ganz anders aufgewachsen war als die meisten seiner adeligen Klassenkameraden dort. Doch er spricht immer mit viel Respekt und Dankbarkeit von seinem Vater, der ihm viel Freiheit schenkte und seinem Geist die Chance einer guten Ausbildung gab, ihm neue Welten so öffnete. Und als Fan von Montaigne bin ich so indirekt auch seinem Vater dankbar, der dem Jungen eine so gute Erziehung angedeihen ließ.

Komme immer mehr zu der Überzeugung, dass es auch im Umgang mit Kindern am besten ist, statt aus Prinzip mit Leidenschaft und Überzeugung zu handeln. Es muss nichts ausgefochten oder durchgesetzt werden und mein Kind wird nicht zum ewigen Tyrannen, weil ich mir den einen oder anderen Kampf in einer kritischen Situation lieber erspare, weil es überflüssig ist, um etwas zu kämpfen, mit denen, die du eigentlich liebst und mit denen du dich einigen möchtest viel lieber. Irgendwann zu merken, dass es besser ist, manche Dinge später oder an einem anderen Ort zu diskutieren, befreit sehr im Umgang miteinander und lässt beide Seiten mehr und besser das Gesicht bewahren, statt ein durchgesetzter Anspruch. Es muss nichts und es kann viel mehr, wenn wir es laufen lassen, nicht um antiautoritär zu sein, sondern um partnerschaftlich auch mit seinen Kindern umzugehen und Dinge dann zu klären, wenn es allen Beteiligten ruhig möglich ist.

Kinder sollen selbständig werden und ihr eigenes Leben führen wollen und können. Ab 18 sind sie plötzlich erwachsen und verantwortlich und wenn sie vorher nicht schrittweise die Autonomie und Partnerschaft gelernt haben, wird es danach sehr schwer. Darum befürworte ich heute, so früh wie nur möglich, damit zu beginnen, seinen Kindern Freiheit zu schenken und ihnen als Partner zu zeigen, wie sie damit verantwortlich umgehen. Keine Ansagen machen, sondern, wenn es nicht mehr so geht, eigene Grenzen aufzeigen und zu sagen, ich kann nur so und mehr nicht, was bietest du mir an.

Das dauert länger und klappt bestimmt nicht sofort, weil wir alle anderes gewohnt sind auch von unseren Eltern und die Balance zwischen Verantwortungspartnerschaft und Elternautorität zum Schutz nicht immer einfach ist. Dabei werden wir alle üben müssen, um den richtigen Umgang miteinander zu finden und es geht, denke ich heute, weniger um richtig oder falsch im Umgang miteinander als um die bestmöglichen Kompromisse, nach denen wir miteinander streben sollten, mehr können wir glaube ich nie erreichen.

Was der Gewinn davon sein soll, sich im autoritären Kampf gegen sein Kind durchzusetzen und Prinzipien zu vertreten, gegen dessen ausdrücklichen Willen, verstehe ich nicht. Wenn ich mich durchsetze, unterdrücke ich damit logisch mein Kind und damit einen Teil von mir, zeige Schwäche, die unfähig ist, vernünftig zu verhandeln und Kompromisse zu erreichen. Wo ich im Kampf unterliege, was auch vorkommen kann, stelle ich jede vernünftige Autorität infrage, mache mich lautstark lächerlich und habe es schwer, noch vernünftig für einverständliche Lösungen zu werben. Wie ich es auch drehe, im Kampf verlieren beide immer irgendwie, er kostet unsinnig viel Energie, die konstruktiver verwandt werden kann und es sollten Eltern stolz darauf sein, die Gelassenheit zu haben, abzuwarten, statt sich mit Gewalt durchzusetzen.

Aber auch ich habe lange gebraucht, zu merken, dass dieser Weg der Richtige ist und dies Prinzip zu leben, indem ich mit meiner Tochter aushandle, was für beide Seiten noch okay ist. Der Versuch sich mit der Autorität des Stärkeren durchzusetzen, zumal, wenn wir es gut meinen oder besser zu wissen glauben, was ja manchmal sogar bei Eltern vorkommen kann, raubt viel Energie, die wir besser für anderes wie eine Lösung aufwenden können, scheint aber in unserer Natur zu liegen, weil die Natur, so vernünftig und logisch sie sonst auch ist, manchmal schlicht blöd ist, weil wir nicht mehr im Naturzustand leben, in dem nur der Stärkere überlebt.

Das wissen heute theoretisch fast alle Eltern, trotzdem meinen wir alle immer wieder mal, es besser als die Kinder zu wissen und uns durchsetzen zu müssen, zum Wohle des Kindes, aus Prinzip oder weil wir gestresst sind. Sage heute aus voller Überzeugung, alle Prinzipien sind Mist, was zählt ist, dass es einem möglichst gut geht. Am besten geht es beiden immer mit fairen Kompromissen und wenn die nicht schnell erreichbar sind, sollten wir uns eben Zeit lassen und wenn wir das aufgrund anderer Aufregung nicht können, dann sollten wir den Weg des geringsten Widerstandes wählen, bis es einen guten Kompromiss gibt und der Weg von beiden leicht gegangen werden kann, statt Kämpfe aus Prinzip auszufechten.

Aber auch hier gilt, grau ist alle Theorie und im Alltag geht es immer ganz anders und wir müssen täglich neu auch mit uns um Lösungen ringen, die noch zu oft die Machtfrage stellen. Finde Epikurs Maßstab des persönlichen Glücks hier immer noch den besten. Moderner könnte es auch das Pipi Langstrumpf Prinzip genannt werden, nach dem ich mir die Welt so mache, wie sie mir gefällt.  Nichts anderes zu wollen, kann glücklich genug machen und wenn ich dem anderen dies auch zugestehe ist der Weg zu  mehr Selbstbestimmung ein viel leichterer als alle vorigen Kämpfe.

Denke am Ende die Familie macht Liebe aus und sie hält sie allein zusammen, alles andere können wir auch wieder vergessen. Macht ist meist eher ein Zeichen von Ohnmacht, kommt vor, sollte uns aber als solche bewusst sein, damit wir hinterher vernünftige Kompromisse wieder suchen. Nichts muss, aber viel mehr kann, sollte das Motto im Umgang mit Kindern sein, die weniger Gehorsam als vernünftige Kompromisse schließen von uns lernen sollten. Wenn ich das manchmal schaffen kann, wider meine manchmal kompromißlose Natur, bin ich zumindest ein Stück weiter vom Wollen zum Sollen.
jens tuengerthal 14.1.2017