Samstag, 27. Dezember 2025

Lektürentagebuch 27.12.25

Lektürentagebuch 27.12.25

In den ganz frühen Morgenstunden
Mal wieder einige herrliche Seiten 
In Joseph und seine Brüder gelesen
Wo Thomas Mann seinen Humor zeigt

Zur Frage ob Mut nun schöner ist
Durch ihre Verliebtheit oder als schon
Reifere Dame eher einer Hexe ähnelt
Die gierig nach der Jugend ist

Das formuliert er so wunderbar
Umständlich verklausuliert dass 
Schon darin viel Witz liegt doch
Besser wird es durch Anspielungen

Er bezieht sich hier deutlich auf
Den Faust wenn er ihre Figur mit
Dem vor Lust geschwollenen Busen
Und den Schenkeln für den Besen

Zugleich spielt es mit dem Bild der
Hexe aus den Märchen die als freie 
Kundige Frau ein Schrecken aller
Mächtigen Männer immer war

Nimmt sich als Erzähler mit in die
Geschichte und erklärt so warum er
Ihre Weiblichkeit zu beschreiben
Auf ein Bild seiner Kultur zurückgreift

So fragt er philosophisch hier nach
Dem Unterschied zwischen der
Weiblichen Schönheit und einer
Schönen Weiblichkeit für sie

Das ist wieder ganz vorsichtig
Gefragt und so formuliert dass
Auch keine heutige Feministin
Palmen hinauf klettern müsste 

Doch er wagt es eben doch mit
Feiner Ironie und tiefem Blick
Auf den Charakter von Mut ihre 
Balzende.Lächerlichkeit zu zeigen

Das macht er sehr vorsichtig
Andere würden umständlich
Vielleicht sagen aber dabei mit
Feinem Gespür für die Psyche

Insbesondere die weibliche Psyche 
Wie ihre besondere Empfindlichkeit
Was Fragen ihrer Schönheit betrifft
Für eine balzende mittelalte Dame 

Doch er tut das so vorsichtig als
Sei er Muts heutiger Gatte der
Keinesfalls ihren Zorn erregen will 
Aber dennoch ein wenig spottet 

Die feine vorsichtige Ironie von
Thomas Mann die das Wesen
Seiner Figuren genau erfasst
Ist dabei nie bösartig herablassend

Es wird sich über das deutlich
Sexuelle Bedürfnis der älteren
Dame für den schönen Knaben
Wie die Folgen lustig gemacht

Doch bei allem Humor der in
Dieser Beschreibung steckt
Taucht immer noch Verständnis auf
Dieser Autor liebt seine Figuren

Der hier tiefe Blick eines Mannes
Auf den weiblichen Körper wie die
Vergängliche Schönheit bemüht sich
Noch verständnisvoll um Mut 

Hier wird wieder der Unterschied
Zu Bruder Heinrich deutlich der
Meist schlichtere Charaktere schuf 
Die darum im so Film gut ankamen

Dagegen taucht Thomas Mann
Hier ganz tief in die Untiefen der
Weiblichen Psyche beim Thema
Schönheit und tut das mit Humor

Jenes Feld das Männer mit genug
Erfahrung besser meiden lotet er 
Hier im Licht sexueller Bedürfnisse
Ganz tief aus was lehrreich ist

Denke immer noch Thomas Mann
Ist ein großer Ironiker wie der Autor
Mit dem feinsten Humor immer den
Leider viele nie wirklich erkennen

Das sind keine lauten Witze zum
Schenkelklopfen sondern vielmehr 
Ein immer höflicher Humor der nie
Auf Kosten anderer bösartig wird

Ein auf Bunte Niveau nach stets
Neuen Skandalen fischender Illies
Wird dieses Niveau vermutlich nie
Nachvollziehen können fürchte ich

Zwar wird es angesichts dessen
Was bevorsteht immer schwerer
Für Mut noch Verständnis zu haben
Dennoch bemüht sich Mann darum

Das ist so große literarische Kunst
Wie zugleich ein feiner Schalk der
Ihm immer im Nacken noch sitzt
Was im Ergebnis komisch wird 

Würde sogar sagen Thomas Mann
Ist der humorvollste deutsche Autor
Dabei auch sich selbst immer noch
Ironisch indirekt verspottend

Der Knabe Joseph wie der noch
Junge Mann ist auch was Mann 
Selbst reizte er nur Katias wegen
Nie auslebte aber er spielt damit

Wer nun weiß wie Thomas Mann
Seine Werke im werden stets der
Familie vorlas und dabei nach den 
Aussagen auch der Kinder Mann 

Immer herzlich und viel gelacht
Wurde sieht auch bei der Lektüre
Des biblischen Josephsroman 
Einen fein witzigen Menschen

Was von den Autoren zu halten ist
Die dafür einen bloß verklemmten 
Schwulen entdecken oder einen
Familientyrann zeigt sich hier

Mann ist immer witzig auch noch
Im Angesicht des Todes ironisch
Auf bürgerlich vornehme Art die
Seine eigene Inszenierung blieb 

In den Buddenbrooks nun bei
Herrn und Madame Grünlich am
Rand von Hamburg zu Gast an 
Einem nebeligen Januarmorgen

Mit Freude am Detail wie auch
Der hier wieder feinen Ironie 
Beschreibt Mann die Szenerie beim 
Ersten Frühstück des Ehepaares

Schon die Stühle am Tisch haben
Jeder 25 Courantmark gekostet
Diese Währung war vor allem in
Der norddeutschen Hanse gängig

Die Courantmark oder Lübbische
Mark war eine seit dem Mittelalter
Gängige Silbermark zwischen den
Nordischen Hansestädten meist

Der Nebel ist so dicht im Januar
Des Jahres 1850 also ein Jahr und
Zwei Monate nach dem Tod von
Lebrecht Kröger das er alles

Jenseits der Fenster verschluckt
Während Familie Grûnlich mit ihrer
Tochter am vornehmen Tisch sitzt 
Die das Mädchen bald mitnimmt

Grünlich frühstückt Englisch was
Seine Frau Tony zwar sehr vornehm
Aber zugleich auch widerlich findet
Wie so manches an ihrem Gatten

So schneidet dieser mit seinen 
Goldgelbfrisierten Favories sein
Nur leicht gebratenes Kotelett und
Trinkt dazu Rotwein aus der Karaffe 

Tony dagegen zieht das gewohnte 
Frühstück mit Brot Ei und Tee vor
Der schon anfängliche Ekel hat sich
Also weniger relativiert als potenziert

Mit feinem Blick für die Verhältnisse
In einer Ehe beschreibt Mann der
Während er Buddenbrooks schrieb 
Noch unverheiratet war hier wieder

Das ganze natürlich mit dem so
Typisch mannschen Humor der
Zugleich seine Figuren vorstellt
Wie die Leser wieder lächeln lässt

Tony möchte gerne eine weitere 
Bediente für ihre Tochter und eine
Kutsche um nach Hamburg zu
Kommen was doch üblich sei 

Sie käme aus guter Familie und
Könne dies doch wohl erwarten
Schließlich habe sie doch auch
Ganze 80.000 Courantmark mit

Ihrer Aussteuer eingebracht was
Grünlich schnell abtut worauf sich
Der Streit weiter steigert und sie ihn
Fragt ob er sie überhaupt noch liebe 

Worauf er tunlichst nicht antwortet
Was sie nutzt sich zu beschweren
Er vernachlässige sie was er mit
Sie ruiniere ihn beantwortet

Darauf folgt kurze Aufregung seitens
Tony die auf die guten Verhältnisse 
Aus denen sie kommt verweist ihr
Vater wäre ein reicher Mann

Grünlichs knapper Einwurf sie solle
Mit dem dritten Mädchen noch warten
Bis dieser Reichtum ihnen nutzte führt
Zur nächsten Aufregung bei Tony

Ob er Vaters Tod wünsche fragt ihn
Die sichtlich empörte Tony worauf
Grünlich kauend lieber schweigt aber
Dazu überlegen distanziert lächelt

Dieses stille Lächeln wiederum macht
Seine Frau verrückt die darauf nach
Kurzer Beruhigung weiter fragt wie
Es denn um ihre Verhältnisse stünde

Sie fragt ob er vielleicht schlechte
Geschäfte gemacht hätte doch noch
Bevor Grünlich antworten kann 
Klopft es und Kesselmeyer tritt ein

Der Bankier und Freund von Grünlich 
Steht am Ende des vorletzten Kapitels
Dieser Ehe und erfüllt so manche
Zeittypische antisemitische Klischees

Zwar war Thomas Mann wohl kein 
Antisemit wofür auch die Wahl wie
Treue zu seiner Frau Katia spricht
Die aus reicher jüdischer Familie kam

Doch bedient er leider dennoch
Manche noch übliche Klischees
Tut dies allerdings mit viel Humor
Der jeden Verdacht zerstreut

Es ist wieder großartig wie Mann 
Hier mit Details und Andeutungen
Die bürgerliche Welt mit all ihren
Sitten genau zeigt und karikiert

Doch auch hier wieder tut er dies
Allem Spott und aller Ironie zum Trotz
Liebevoll mitfühlend aufmerksam
Mit genug Schalk noch dabei


Nach zweimal Mann wieder in die
Welt der UNO eingetaucht über den
Tanz mit dem Jahrhundert von
Stéphane Hessel der dort dafür

All seine Illusionen erstmal verlor
Weil sich im Sicherheitsrat nun die
Antagonisten Russland und USA 
Weitgehend in fast allem blockierten 

Zusätzlich schien es ihm dass dort
Viele nur für einen einträglichen 
Posten waren ohne die Ideale der
Organisation wirklich zu teilen

Ob das nur Genörgel eines wirklich
Begeisterten Fan ist hier schwer zu
Überprüfen aber für einen Diplomaten 
Außergewöhnlich deutlich dabei

Dennoch hielt er sie für unentbehrlich
Als er zum Quai d'Orsay zurückkehrte
Wurde er Frankreichs Botschafter für 
Menschenrechte bei den UNO

In dieser Zeit arbeitete er zwischen
Paris New York und Genf vertrat aber
Nun Frankreich bei der Organisation
Wurde so immer kritischer im Blick

Die erforderliche Einstimmigkeit der
Fünf ständigen Mitglieder blockierte 
Den Sicherheitsrat vollständig bis
Dag Hammarskjöld kam als Retter 

Dieser Ökonom und schwedische
Staatssekretär war von 1953 bis
Zu seinem Tod 1961 noch einer der
Ganz wichtigen Generalsekretäre

Seine Stabilität war im unruhigen
Jahr 1953 mit all seinen Krisen so 
Wichtig auch nach Stalins Tod bei
Unklarheit über dessen Nachfolge

Der nach seinem Tod durch einen
Unaufgeklärten Absturz im Kongo
Noch mit dem Friedensnobelpreis
Ausgezeichnete Generalsekretär

Schaffte der Organisation eine 
Neue funktionierende Struktur
Was einem neuen Enthusiasmus
In der ganzen Entwicklung brachte

Am Ende erzählt Hessel noch wie
Er ein besonderes Lob für diesen
Generalsekretär in die Rede des
Französischen Ministerpräsidenten

Einbaute was Stéphane Hessel aus
Der Familie genialer Autorinnen noch
In seine Erinnerungen wörtlich einbaut
Natürlich um seine Kollegen zu loben 

Lasse es so stehen und halte die
Vereinten Nationen auch für eine
Der allerbesten Gründungen nach
Ende des 2. Weltkrieges 

jens tuengerthal 27.12.25



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