Samstag, 20. Dezember 2025

Lektürentagebuch 20.12.25

Lektürentagebuch 20.12.25

In Paris im Untergrund beschreibt 
Stéphane Hessel als 7. Kapitel seiner
Erinnerungen mit dem so passenden Titel Tanz mit dem Jahrhundert dies

Doch bevor er als Verbindungsmann
Greco in Paris tätig wurde wendet er
Nochmal den Blick nach London die
Gelassenheit der Briten zu bewundern

Die Welt brach überall zusammen
Niederlagen und Siege wechselten
Aber nachmittags um fünf Uhr wurde 
Im Pub Tee getrunken und debattiert

Sie mokieren sich über Amerika und 
Wer erzählt von dem GI den sein
Britischer Kamerad nach den drei
Medaillen die er dort trägt fragt

Die erste wäre für die Überquerung 
Des Atlantik die zweite für seine
Anwesenheit im Krieg und die dritte
Weil er eine Frau vor Vergewaltigung

Gerettet habe und auf Nachfrage wie
Er das geschafft habe nur meint sich
Lieber anders besonnen zu haben
Was sehr britischer Humor ist

Sie scherzten hörten BBC und waren 
Stolz auf ihren großen Mann wie sie
General de Gaulle nannten er war
Für sie unangreifbar auch wenn er

Umstritten war die Amerikaner noch
Petains ihm vorzogen und den Briten
Seine Unnachgiebigkeit übel aufstieß
Auch Franzosen ihm kritisierten 

Sie waren keine Realisten sondern
Verteidigten ihn voller Gefühl durch
Die Huldigung ihrer toten Helden 
Deren Tod nach Rache verlangte

Zugleich nahmen sie sich auch ein
Beispiel an den Engländern sich 
Selbst nicht zu ernst zu nehmen
Belebt von den Sternen und milchig

Die Mission Greco war ein von ihm
Gewähltes Pseudonym und bestand 
Aus drei Verbindungsagenten zuerst
Godefroy und zwei jungen Leuten

Der Maler und Spaßvogel Jean-Pierre
Couture und der ernsthafte Jaques
Bruno und er wollte seinen Bruder
Wie seine Mutter einbeziehen

Dabei war er seit März 1941 ohne
Jede Nachricht von ihnen wie er an
Ihre Adresse kam erinnert er sich
Nicht mehr doch er fand sie beide

Sie waren beide noch Deutsche und
Beim Versuch in die Schweiz zu
Gelangen gescheitert dafür im
Departement Haute-Savoie gelandet 

Helen war bei einer Freundin der
Besitzerin eines Schlosses in
Le Chablais aufgenommen worden 
Ulrich wohnte zur Untermiete

Sein Bruder war zu krank warum
Er sich mit Helen alleine nach Paris
Aufmachte die gerne helfen wollte 
Um für die Resistance zu arbeiten

Die Mission Greco sollte Kontakt
Mit den Verantwortlichen der Netze
Aufnehmen die Funker und Kuriere
Hatten sowie Gelder verteilen

Jeden Tag teilten sie beim Frühstück
In Courtures Wohnung die Aufgaben
Wie Kontakte knüpfen und Briefkästen 
Zu leeren neu untereinander auf 

Er lebte das Leben Verantwortlicher
Der Résistance in einer Mischung
Aus Nonchalance und Rigorosität
Harte Tage wechselten mit dafür

Frivolen Nächten den Restaurants
Des Schwarzmarktes seine Berichte
Wurden in London mit Ironie gesehen
Er machte Fehler beim Kodieren

Dies schreibt er mir wunderbarer
Selbstironie und erzählt dazu wir
Er selbst sich in London noch
Über solche Fehler aufregte

Zwischen Theorie und Praxis
Des Widerstandes lagen schon
Immer scheinbar große Welten 
Die auch bescheiden machen

Dies alles nach Landung der Alliierten
Wie den Siegen auch der Russen
Ihr Transportmittel war das Fahrrad
Die Pariser Avenuen blühten schon

Viele Nachrichtennetze wurden durch
Tragödien dezimiert und manche
Verschwanden einfach auch er sollte
Kurz darauf an der Reihe sein

Drei Wochen nach seiner Landung
Legte London ihm die Rückkehr nah
Doch nach der Landung in der 
Normandie waren alle euphorisch 

Jetzt wo die Alliierten auf Caen zu
Marschierten kam Rückkehr für ihn
Nicht infrage dann wurde der Funker
Bamboun der ihn kannte gefasst 

Nach Verhaftung und Folter redete er
Willigte ein sich noch zu verabreden 
Am 10. Juli sollten sie sich treffen
Er hofft der Verrat hätte diesem noch

Zumindest die Freiheit gebracht
Er hätte es nie erfahren es wurde
Keiner verfolgt der unter der Folter
Geredet hat eine Frage der Ehre

Wie seine Verhaftung lief zitiert er
Einen Artikel den er für die Zeitung
Le Temps modernes schrieb unter 
Dem Titel In ihren Händen

Es war der 10. Juli 1944 also genau
Zehn Tage vor dem Stauffenberg
Attentat der Operation Walküre er
Hat die Taktik der anderen akzeptiert 

Hessel trifft seine Verabredung im
Café und sie gehen ins Hinterzimmer
Dort bittet ihn der andere um Hilfe
Er sei erwischt und gefoltert worden 

Irgendwas hat er darauf geantwortet
Aber seine Erinnerung daran ist nach
Fünfzig Jahren wie ausgelöscht dann
Spürte er eine Pistole im Rücken

Die Gestapo nimmt ihn mit und er
Wird in Handschellen eingesperrt
Im Hauptquartier in der Avenue Foch
Langsam erst hätte er es begriffen

Dabei ahnt er was ihm bevorsteht
Beschreibt wie er die Angst vor
Der Folter schon körperlich spürte 
Nun folgt sein Bericht von 1946

Er hat es überlebt aber das wird
Verdunkelt durch die Idee des Todes
Wie erhellt durch das unmittelbare
Bevorstehen des Todes zugleich

Dies weil der Tod für diese Sache
Ihm ehrenvoll erschien ihn vor der
Verabscheuungswürdigen Feigheit
Bewahrte und sich ein Denkmal setzte 

Ihn stört 50 Jahre danach so manches 
An diesem seinen Bericht er käme zu
Gut dabei weg und die Gestapo hätte 
Dieser Sartrianer einfach hereingelegt

Er hätte nichts preisgegeben was nur
Irgend wesentlich gewesen sei auch
Hätte die Folter keinerlei Spuren
Bei ihm hinterlassen kaum zu glauben

Es waren die 29 Tage zwischen dem 
10. Juli und dem 8. August 1944 die
Er in der Avenue Foch verbrachte
Wo die Gestapo Terroristen verhörte

Bevor sie diese exekutiert deportiert
Oder einsperrt dabei erfolgte seine
Verhaftung um 6 Uhr im Café des 
Quattre-Sergents nahe der nördlichen
Ecke des Friedhofs Montparnasse

Jean-Pierre Coutures der von der
Verabredung mit Bamboun wusste
Kam noch dazu für den Funker
Einen Ersatzquarz zu bringen 

Davon hätte er nichts geahnt es war
Seine Initiative die ihn die Freiheit
Kosten sollte Hessel sah ihn sehr
Mitgenommen vom Verhör schon

Am nächsten Tag in der Avenue Foch 
Stéphane leugnete jedes Wissen um
Greco erklärte sich gesprächsbereit
Fing dabei an Deutsch zu sprechen

Er kann nicht leugnen bei seiner
Verhaftung noch als Greco direkt
Angesprochen worden zu sein er 
Meint nur Verbindungsagent zu sein

Darauf wird der Ton rauher wenn er
Nicht Greco sei soll er verraten wo
Er ihn trifft worauf er sich weigert
Ihm direkt Gewalt angedroht wird 

Er soll sich die Badewanne ersparen
Sie hielten ihn für einen Feigling der
Er nicht sei darauf kam er in den
Keller mit Folter durch untertauchen 

Nach dem vierten mal erklärt er sich 
Bereit zu reden und denkt sich ein
Subtiles Szenario aus und nennt
Die falsche Hausnummer dabei

Er hoffte dadurch würden seine
Kollegen und Freunde gewarnt
Doch kannten sie die Adresse
Bereits und sahen sich bestätigt

Auf diese Weise wurde Jaques Brun
Auch noch verhaftet dann wird er
Auf einen Stuhl gefesselt und so
Vom einem anderen geohrfeigt

Schließlich gesteht er doch und
Dichtet immer noch auf deutsch 
Etliches noch hinzu dann kommt
Eine Gegenüberstellung dazu

Beide leugnen einander zu kennen
Er fragt sich wieviel die Gestapo
Wohl aus den Protokollen des
Verhörs hat schließen können

Wird es aber wohl nie erfahren 
Um den 20. Juli herum scheint
Sich etwas in der Unerbittlichkeit
Der Befragung geändert zu haben

Welche Gründe das hatte wird er
Wohl nie erfahren begann aber ab
Anfang August wieder auch an ein 
Überleben zu denken danach

Dennoch schob er sich ein Blatt
Mit Versen aus einem Sonett von
Shakespeare in sein Jackett klagt
Nicht länger um mich wenn ich dahin

Noch war der Tod doch das wohl
Wahrscheinlichste Ergebnis doch 
Hoffte er wenn mit Würde zu gehen
Es hinzunehmen ohne zu wanken

Fragt sich ob das alles war was ihm
Nach 50 Jahren an Erinnerung blieb
Erinnert sich an den Roman ohne ein
Deckblatt den er dort noch las

In Gedanken hätte er sich immer
Wieder Gedichte rezitiert die er
Noch auswendig konnte und dazu
Täglich Fluchtpläne entworfen 

Was wäre wenn die Alliierten sie
Befreiten würde er dann mit allen 
Konfrontiert die er aus Versehen
Aber dann doch verraten hat

Dieser Dolchstoß blieb ihm zum 
Glück erspart wie Stéphane Hessel 
Zum Abschluss des Kapitels schrieb 
Dafür ging es nach Buchenwald 

Eindrucksvoll erzählt in diesem
Kapitel Stéphane Hessel von der
Arbeit der Résistance wie auch
Die Qual der Folter fühlbar wird

Er tut dies dezent und bescheiden
Mit Abstand und der Gelassenheit 
Des Alters das sich nicht mehr zum
Helden für egal wen machen muss

Übernimmt Verantwortung und zeigt
Auch als ausgezeichneter Held
Frankreichs noch viel Verständnis
Klagt nicht mal den Verräter an

Spielt keinen Helden mehr und
Hat Verständnis für alle welche
Die Folter ganz brach hofft nur
Wenig geschadet zu haben

Hatte das Glück auch noch
Solche Kämpfer der Résistance 
Unter Brüdern des GO zu kennen 
Die viel für Versöhnung taten 

Auch mein Großvater wurde durch
Die Aussage eines belgischen
Résistance Kämpfers entlastet 
Sein Name war dort bekannt

Dem Terror der Nazis stolz noch
Widerstanden zu haben nach
Eigenen Möglichkeiten ist das
Was heute wieder wichtig wird 

Sich auch in so düsteren Zeiten
Von Putin Trump und Facebook
An den Widerstand zu erinnern 
Könnte in Zukunft wichtig sein

jens tuengerthal 20.12.25

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