Freitag, 19. Dezember 2025

Lektürentagebuch 19.12.25

Lektürentagebuch 19.12.25

Stéphane Hessel weiter beim Tanz
Mit dem Jahrhundert in seinen so
Benannten Erinnerungen gefolgt
In der Tätigkeit als Geheimagent

Erfahre von der nötigen neuen
Koordinierung vor der unmittelbar
Bevorstehenden Alliierten Invasion
Die seine Anwesenheit nötig machte

Alle rieten ihm nicht vor der Invasion
Wieder nach Frankreich zu fahren
Doch die Pflicht der Verantwortung
Treibt ihn den Auftrag anzunehmen

Es ging darum die Funkverbindung
Des Freien Frankreich de Gaulles
Zur Resistance auch während der
Invasion so sicher zu stellen

Vor seinem Abflug verbringt er noch
Einige Tage mit Vitia im Landhaus von
Major Bertram und seiner rothaarigen
Frau das ultrageheim immer war 

Wie wichtig diese Tage die noch auf
Die richtige Mondphase warten für 
Ihre spätere Beziehung waren wird 
Von Hessel einfühlsam beschrieben

Mit einer Westland Lysander flog er
Über den Kanal und den Atlantikwall
Bis nach Saint-Amand-Montrand was
Noch weiter südlich von Orleans liegt

Auf dem Rückflug nahm die Maschine
Louis Marin mit ins Exil nach London
Den langjährigen eher konservativen 
Politiker der sich de Gaulle anschloss

Spannend ist hier andere Quellen der
Reichhaltigen Literatur zur Resistance
Sagen er sei über Spanien geflohen 
Wer näher dabei war bleibt unklar

An diesen wiederum erinnerte eine
Plakette an dem Haus in Paris am
Boulevard Saint Michel 95 in dem er
Mit Vitia fast dreißig Jahre wohnte 

Diese kleinen Verbindungen und
Anekdoten dazu sind es die das 
Leben des berühmten Sohnes so
Faszinierend spannend machen

Freue mich schon auf das nächste
Kapitel 7 im Pariser Untergrund 
Bevor im achten dann seiner Zeit
In Buchenwald beschrieben wird

Es ist der Sohn von Franz Hessel
Ein faszinierend intelligenter Mann 
Der sehr gut schreibt aus einer so
Spannenden wie gefährlichen Zeit

Nach dem klugen die Dichtung so
Liebenden Deutsch-Franzosen Hessel 
Liegt der Ausflug zu Paul Valery nah
Dessen Cahiers mich herausfordern

Unter dem wunderbar passenden Titel 
Ich grase meine Gehirnwiese ab sind 
Diese als 317. Band in der geliebten
Anderen Bibliothek 2011 erschienen

In den hier ausgewählten Stücken
Geht es um Blicke auf die eigene
Person als Mensch oder Liebender
Liebe bedeutet für ihn Rückkehr zu

Oder Wiederaneignung der conditio
Als Lebewesen wie Erinnerung an
Den Preis dieser Bedingtheit als
Zustimmung zum Wirklichen was

Das Trübe zugleich wäre von einer
Außerhalb gelegenen Energiequelle
Die einen Schiffbruch voraussetzt
Der eine Planke entscheidend macht

Liebe sei die Erfahrung einen anderen
Wie ein Selbst wahrzunehmen dort 
Dasselbe Hindernis vorzufinden wie
Bei sich dasselbe reale Nichts was
Zugleich dasselbe alles in sich trägt

Irrsinnig liebt er beginnt der nächste
Gedankensplitter und plötzlich würde 
Das Interesse erlahmen wenn er am
Äußersten war erlahmt das Interesse

So spürt er dass in ihm daneben noch
Etwas ist wodurch er auf ganz andere 
Gedanken wieder kommt so ginge
Mitten durch das rasende Toben

Ein Strahl von ist-mir-doch-egal so
Wandelte ihn im Angesicht Gottes
Im höchsten Himmel die Lust an 
Zu rauchen oder ruhig zu schlafen 

Freude an Dingen mithin Freiheit
So überkommt uns unsere eigene 
Gleichgültigkeit inmitten des noch
Wahnhaften Eiferns verblüffend

Ihm würde deutlich wieviel noch
An Leidenschaft in seinem Schrei war
Was ihn erkalten lässt wofür er sich
Wiederum schämt voll Sehnsucht

Dann wieder nach dem gerade
Vergangenen Maximum davon
Etwas wird gehoben wie ein Korken
Die Fesseln spannen sich noch

Bis die abnehmende Phase beginnt
So will er die Periodizität des für ihn
Energetischen Lebens wahren ganz
Unabhängig vom strukturellen Leben

Im nächsten Gedanken versucht er
Zu fühlen wie fremd er sich ist als
Sein Geschmack sein Wohl und Übel
Wie er seinen Körper wahrnimmt

Zwischen Verborgenen und Äußerem
Im Körper durch Wahrnehmung was 
Wir sind nur zufällig sein könnten als
Das was schlecht erträgt zu sein

Was es ist oder nicht nur sein will
Was es ist als ich der bin der ich bin
Warnt nur zur Vorsicht vor dem Wort
Sein und dem verräterischen Schein 

Als könnte eine keineswegs nur
Phantastische Modifikation alles
Was er über sich weiß leichterdings
In eine nur Einbildung verwandeln

Diese kommt wie irgendeine andere
Über ihn hält eine Minute um dann
Wieder zu verschwinden zugleich
Wird ihm das Gegenteil beschwerlich 

Das geht bei Valery dann hin bis zu
Komplimenten wie ich will nicht sein
Was ich bin was ein starkes Gefühl
Bei ihm unabhängig davon schon ist

Mit welcher Ich auch sei weist er den
Gedanken zurück und wie gleichsam
Entgegengesetzte Stromladungen 
Stoßen Ich und Ich selbst sich ab

Geniale Gedanken die wie Verse
Des großen Lyrikers Valley auch
Wieder und wieder zu lesen sind
Immer neues mir offenbaren

Allein sie in Verse hier zu setzen
War ein faszinierender Klimmzug
Geistige Grenzen auch in mir mit
Feinem Gespür so auszuloten



Passend zu diesen Gedanken über
Sein Wirklichkeit und Liebe noch drei
Absätze in Joseph und seine Brüder
Von Thomas Mann lächelnd gelesen

Das Kapitel unter dem sprechenden
Titel Die schmerzliche Zunge über
Spiel und Nachspiel handelt von Mut
Die sich nachts auf die Zunge biss

Dabei kämpfte das Bedürfnis endlich
Dem Hausmeier ihres Gatten ihre
Liebe zu gestehen mit Sitte und 
Anstand die das unmöglich machten 

Schon begann sie des Morgens mit
Schmerzender Zunge zu lispeln so
Dass sie wie ein Kind klang infolge
Des Nacht für Nacht durchlittenen

Sie rang damit ob sie als Herrin dem
Nur Sklaven ihr großes Gefühl je
Antragen dürfte oder natürlich nie
Sie auf seine Initiative warten musste

Dies wohl wissend dass es ihm als 
Sklave des Hauses und Diener ihres
Mannes völlig unmöglich war sich
Ihr gegenüber je so zu äußern 

Als er nun zu ihr kam von ihr zum
Wirtschaftsdienst gerufen fiel ihm
Zum ersten mal auf wie sehr sie
Sich durch alles verändert hatte 

Dies alles was Thomas Mann noch
Mit eleganter Ausschweifung füllt 
Meint ihre emotionale Berührtheit
Also die peinliche Liebe zu Joseph

Damit kurz vorm Scheitelpunkt
Der Geschichte angekommen
Die Joseph wieder aus seiner
Erarbeiteten Position hinaus wirft 

Diesem verzögert Mann mit seinem
Ihm eigenen Humor den natürlich
Ein Florian Illies und die anderen 
Bunte Leser nicht erkennen werden

Die den verklemmten Schwulen
Zum Jubiläum entlarven wollen 
Sehen natürlich nicht den Humoristen
Mann der nicht in ihr Weltbild im passt

Statt den feinsinnigen ironischen
Humor zu sehen den Mann zeigt
Machen sich die so deutschen 
Autoren lieber über einen lustig

Einen dessen Witz und Selbstironie
Diese lächerlichen Ankläger wohl nie
Erkennen werden mangels Horizont
Nicht mitbekommen was Mann sagt

Habe mich über diese nur 3 Absätze 
So königlich amüsiert weil sie auch
In aller Dramatik der Liebe noch
Eine zwinkernde Ironie behalten 

jens tuengerthal 19.12.25


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