Feiertagsphilosophie
Liegt die Haltung zum Feiertag
Am Bewusstsein desselben statt
Vom Tag und seinen Ritualen nur
Irgend beeinflusst zu werden
Früher als ich noch ein Kind war
Also auch nominell nicht nur kindisch
War der 1. Feiertag immer der Festtag
Mit der Großfamilie bei Großeltern
Heilig Abend war dagegen ganz
Intim mit der eigenen Familie nur
Dann haben wir das Familienfest
Auf den 2. Feiertag verschoben
Weil die Mutter meiner Tochter es
So wünschte weil es sonst aus
Berlin kommend stressig war was
Am rituellen Ablauf nichts änderte
Staune immer noch über die große
Flexibilität meiner Familie in so
Bedeutenden Fragen des Rituals
Wäre ja wie Weihnachten im Sommer
So erlebt es der Onkel in Südafrika
Da ist ja alles andersrum auch der
Straßenverkehr beim sexuellen ist
Dazu nichts näheres mir bekannt
An Weihnachten wird auch die Tafel
Rituell für über zwanzig mit Meißen
Silber und allem Pipapo gedeckt wir
Zeigen dann gern was wir haben
Dies auch wenn sonst Bescheidenheit
Im preußischen Stil als edel gilt wird
Weihnachten geprotzt nicht gekleckert
Bürgerliches Balzverhalten halt
Der 1. Mai war traditionell immer
Geburtstag meines Großvaters
Mit dem Tag der Arbeit hatte die
Bürgerliche Familie nichts zu tun
Ostern treffen wir Nichten und Neffen
Uns beim Onkel in Mecklenburg was
Genug Familie für das Jahr wäre
Denke ich der gern für sich ist
Nun wollen wir wohl noch den
Runden Geburtstag meiner Mutter
Die 85 schon wird größer feiern
Warten wir ab was wirklich wird
Feiertage sind für mich traditionell
Mit Familienfesten noch verbunden
Die gewohnt rituell ablaufen damit
Auch alles wie immer dabei ist
Ob den Feiertag darum gerade die
Wiederholung heiligt oder diese nur
Den festlichen Charakter betont
Scheint mir heute fraglicher als je
Interessant ist für mich dass die
Feiertage der Familie stets viel
Heiliger bei uns waren als jene
Die als gesetzliche Feiertage gelten
Sollte was der Staat oder sonst wer
Von uns zu wollen wagt mit den
Familientraditionen kollidieren wurde
Sich eben darüber gestellt
Ruhe sei die erste Bürgerpflicht ließ
Graf Schulenburg 1806 nach der Niederlage von Jena gegen Napoleon
Als Flugblatt in Berlin verteilen
Auch wenn die Sicht des damaligen
Kommandeurs von Berlin uns heute
Absurd erscheint wurde der Spruch
Durch den gleichnamigen Roman
Von Willibald Alexis fünfzig Jahre
Später erst wirklich berühmt doch
Auch wenn der Staat mir nichts mehr
Zu sagen hat bleibt es spannend
Ob in der heutigen Demokratie
Noch Ruhe die erste Bürgerpflicht
Sein könnte oder schon nach dem
Grundgesetz natürlich nicht mehr
So besagt das Widerstandsrecht
Aus Artikel 20 IV das Recht jedes
Deutschen zum Widerstand gegen
Alle die diese Ordnung beseitigen
Aber die BRD nach dem GG ist
Eben rheinischer als preußisch
Da ist der Aufstand statt der Ruhe
Geregelt die andere lieber hätten
Auch um den eigenen Geburtstag
Wurden in der Familie gerne noch
Feiertage mit schönen Festen dazu
Geplant zu zeigen was wir können
Übergehe diesen Tag seit Jahren
Lieber dezent was mit genug Übung
Inzwischen schon ganz gut gelingt
Feste werden völlig überschätzt
Ein Feiertag ist für mich heute eher
In Ruhe ohne jeden äußeren Druck
Den Gäste immer mit sich bringen
Zeit zum lesen und Tee trinken
Entsprechend der Philosophie des
Weniger ist mehr die das spurlose
Verschwinden zur höchsten Kunst
Erhebt was im Sinne der Umwelt passt
Sich für weniger bedeutend halten
Lieber stillschweigend abtauchen
Tut der Welt besser als all die eitlen
Pfauen wie Trump oder Musk
Entsprechend Feiertage am liebsten
Für sich haben um nicht noch das
Dumme Geschwätz anderer zu hören
Lebte Robinson Crusoe im Paradies
Wem das seltsam oder depressiv
Scheint muss sich wohl weiter im
Freizeitpark vergnügen statt gute
Kluge Bücher in Ruhe zu lesen
Diese Menschen tun mir leid aber
Sie gehen ja freiwillig noch auf
Jahrmärkte und Volksfeste an
Den üblichen Freitagen ich nicht
Dafür schlafe ich an Feiertagen
Gerne am Tag und dichte dafür
Nächte durch wenn ich nicht lese
Weil ich dann meine Ruhe hab
Wäre für eine stärkere Freiheit
Bei Feiertagen und Ferien damit
Nicht Kollektive gleich einfallen
Sondern jeder für sich bleibt
Warum eine Feiertagsphilosophie
Für alle vermutlich schwierig wäre
Und manchmal feier ich auch gerne
Wenn andere lieber Ruhe haben
jens tuengerthal 26.12.25
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